Camillo Cardinal Ruini Camillo Cardinal Ruini
Function:
Cardinal Vicar of Roma, Italy
Title:
Cardinal Priest of S Agnese fuori le mura
Birthdate:
Feb 19, 1931
Country:
Italy
Elevated:
Jun 28, 1991
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Camillo Ruini zum „Fall Welby“
Jan 27, 2007
Kardinal Camillo Ruini, Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz, eröffnete am Montag die Arbeiten der Frühjahrsvollversammlung des Ständigen Rates der Bischöfe.

ROM, 23. Januar 2007 (ZENIT.org).- In seiner einführenden Analyse befasste er sich mit in Italien viel diskutierten Themen: der rechtlichen Anerkennung der homo- und heterosexuellen De-facto-Partnerschaften und der Problematik der aktiven und passiven Sterbehilfe.

Auf internationaler Ebene hatte im Dezember der „Fall Piergiorgio Welby“ großes Aufsehen erregt: Nach jahrelangem Leiden an einer fortschreitenden degenerativen Krankheit (progressive Muskeldystrophie), die Welby nur mit der Unterstützung eines Beatmungsgerätes überleben ließ, hatte er sich an den Präsidenten der italienischen Republik und an die italienische Öffentlichkeit gewandt. Welby forderte, dass unter ärztlicher Aufsicht und unter narkotisierenden Mitteln das Beatmungsgerät abgeschaltet werde, was nach italienischem Gesetz nicht möglich ist. Das Gesetz sieht weder eine aktive noch eine passive Form von Sterbehilfe vor. Ein Arzt erklärte sich jedoch bereit, dem Wunsch Welbys Folge zu entsprechen. Er setzte ihn unter schwere Beruhigungsmittel und stellte das Beatmungsgerät ab. Welby starb am 20. Dezember 2006. Das Obduktionsergebnis über die Ursachen des Todes Welbys steht noch aus. Die Frage ist nun, ob der Patient an Erstickung gestorben ist oder ob die verabreichten Mittel den Tod verursacht haben. In letzterem Fall würde der anwesende Arzt des vorsätzlichen Mordes angeklagt werden.

Das römische Vikariat verweigerte Piergiorgio Welby eine kirchliche Bestattung, da er gerade in der letzten Zeit den Willen zum Sterben geäußert habe, um seinem Leiden ein Ende zu setzen. Diese Entscheidung Kardinal Ruinis erregte in der italienischen Öffentlichkeit großes Aufsehen und führte zu einer weitergehenden Diskussion über die Art der Hilfe, die einem an einer unheilbaren und zudem degenerativen Krankheit leidenden Menschen geleistet werden müsse, wenn der Patient selbst diese Hilfe ablehnt.

In seiner Ansprache vor den Bischöfen warnte Kardinal Ruini vor den Gesetzesvorhaben des italienischen Parlaments hinsichtlich des so genannten biologischen Testamtens oder der „vorweggenommenen Erklärung hinsichtlich künftiger Behandlungsmaßnahmen“. Die Kirche lehne jede Form der Euthanasie ab, unabhängig von den möglichen Gründen, Mitteln, Handlungen und Unterlassungen, die zu diesem Ziel dienten.

Der Kardinal erklärte, dass es berechtigt sei, eine Übertherapierung abzulehnen, das heißt: den Rückgriff auf außerordentliche ärztliche Praktiken, die für den Patienten zu schwer und zu gefährlich sind und in keiner Proportion zu den erwarteten Ergebnissen stehen. Gleichzeitig müsse es allerdings vermieden werden, dass der Verzicht auf eine ärztliche Übertherapierung zu einer Legitimierung von mehr oder weniger getarnten Formen von Euthanasie werde.

Diesbezüglich verurteilte der Kardinal vor allem den Verzicht auf eine Therapie, die den Patienten die notwendige vitale Unterstützung durch künstliche Ernährung nimmt. Somit sei es nicht möglich, dass der Wille des Kranken, der im Moment oder im Vorhinein zum Ausdruck komme, die Entscheidung zum Gegenstand habe, sich selbst das Leben zu nehmen.

Spezifische Schmerztherapien gehörten zur ärztlichen Pflicht, und die liebende und konstante Nähe zur Pflicht der Verwandten.

Zum „Fall Welby“ sagte Kardinal Ruini, dass es sich dabei um eine „schmerzhafte menschliche Angelegenheit “ gehandelt habe. Zur „erlittenen Entscheidung“ Ruinis, Welby eine katholische Beerdigung zu verweigern, sei es aufgrund der Tatsache gekommen, „dass der Verstorbene bis zum Schluss klar und bewusst auf dem Willen bestanden hat, seinem Leben ein Ende zu setzen: Unter diesen Umständen wäre eine andere Entscheidung für die Kirche unmöglich und widersprüchlich gewesen, denn das hätte eine Haltung legitimiert, die gegen das Gesetz Gottes gerichtet ist“.

Kardinal Ruini erklärte, dass er sich darüber im Klaren gewesen sei, mit dieser Entscheidung den Familienangehörigen und vielen anderen Menschen, die von Gefühlen menschlichen Erbarmens und der Solidarität zum Leidenden bewegt waren, Schmerz zuzufügen. Diese Menschen seien sich aber vielleicht weniger über den Wert jedes menschlichen Lebens bewusst gewesen, über das auch der Kranke selbst nicht verfügen könne.
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