Paul Joseph Jean Cardinal Poupard Paul Joseph Jean Cardinal Poupard
Function:
President of Culture, Roman Curia
Title:
Cardinal Priest of S Prassede
Birthdate:
Aug 30, 1930
Country:
France
Elevated:
May 25, 1985
More information:
www.catholic-hierarchy.org
Send a text about this cardinal »
View all articles about this cardinal »
German Christus und die Religionen
Mar 22, 2006
Kardinal Paul Poupard, Vorsitzender des Päpstlichen Rates für die Kultur sowie des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, erklärt in diesem Interview, .

ROM, 21. März 2006 (ZENIT.org).- Der am 30. August 1930 in Frankreich geborene Kardinal hat mit vier Päpsten zusammengearbeitet hat: In der Zeit des Pontifikats Johannes XXIII. arbeitete er im vatikanischen Staatssekretariat mit. Seit 1959 war er dort in der Frankreich-Abteilung tätig. Nach dem Pontifikat Pauls VI. wurde er von Johannes Paul II. zunächst zum Weihbischof für das Erzbistum Paris ernannt. 1980 wurde er Erzbischof und mit Leitungsaufgaben im Sekretariat für die Nichtgläubigen betraut. Am 25. Mai 1985 wurde der Geistliche in den Kardinalsstand erhoben und übernahm im gleichen Jahr als Präsident die Leitung des Sekretariats für die Nichtgläubigen, das 1988 mit dem Päpstlichen Rat für die Kultur fusioniert und Kardinal Poupard Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur wurde. Benedikt XVI. übertrug ihm am 11. März dieses Jahres auch den Vorsitz für den Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog.

ZENIT: Benedikt XVI. hat Sie vor kurzem zum Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog ernannt. Nach der Note des Heiligen Stuhls erfolgte dieser Ernennung aus dem Wunsch heraus, einen intensiveren Dialog zwischen kulturell gebildeten Menschen und hochrangigen Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften zu fördern. Eminenz, könnten Sie uns erklären, wie der interreligiöse Dialog und der interkulturelle Dialog miteinander verbunden sind?

Kardinal Paul Poupard: "Der interreligiöse und interkulturelle Dialog ist für die Welt von heute eine vitale Notwendigkeit", sagte der Papst in Köln, als er im Rahmen des Weltjugendtags 2005 die Vertreter der muslimischen Gemeinschaft empfing (vgl. ZENIT vom 21. August 2001). Für denjenigen, der das Denken Benedikts XVI. sehr gut kennt, ist diese Wahl ganz logisch.

Wenn vom interreligiösen Dialog die Rede ist, denkt man oft, es handle sich dabei um Überlegungen doktrineller Natur, die sich auf gemeinsame religiöse Themen beziehen würden, etwa auf die Gottesvorstellung, die Sünde, die Erlösung usw. Damit ein solcher Dialog über Lehrfragen stattfinden kann, muss jedoch irgendeine gemeinsame Grundlage gegeben sein, die im Fall von anderen Religionen aber nicht immer vorhanden ist. Für einen Buddhisten ist beispielsweise Gott nicht eine Person; für andere besteht die Erlösung wiederum in der Auflösung des Ichs, während es für den Christen immer um die Erlösung der ganzen Person geht. So ist der Dialog also ehr schwierig.

Der Dialog über Fragen der Glaubenslehre macht Sinn bei Christen, die anderen Konfessionen angehören, mit denen wir ja den Glauben an Jesus Christus teilen.

Mit den Gläubigen anderer Religionen ist dagegen jenes Gespräch immer möglich, das von der Kultur ausgeht. Das ist die Überzeugung, die hinter dem Päpstlichen Rat für die Kultur steht: dass die Kultur ein gemeinsamer Boden ist, auf dem Gläubige und Nichtgläubige oder Gläubige anderer Religionen im Gespräch zusammenkommen können. Vor der UNESCO hat Johannes Paul II. erklärt, dass das gemeinsame Thema, das uns alle eint, der Mensch sei – und über ihn lässt sich tatsächlich ein Dialog führen.

Deswegen möchte Papst Benedikt den Dialog mit den Gläubigen der anderen Religionen auf die kulturelle Ebene verlagern, auf die Ebene der kulturellen Beziehungen.

Die Kultur des Volkes Gottes, die alle nationalen, sprachlichen, regionalen und sonstigen Barrieren überwindet, nimmt mit den anderen Kulturen, die von anderen Religionen geprägt sind, einen Dialog auf. Bei diesem Gespräch kommt es zu einer gegenseitigen Bereicherung, und das Evangelium, das in einer konkreten Kultur Gestalt angenommen hat, kann auf diese Weise heilend und befruchtend wirken und neue kulturelle Ausdrucksformen hervorbringen.

ZENIT: Welche Antworten kann das Christentum diesbezüglich anbieten?

Kardinal Paul Poupard: Jesus Christus ist die Antwort auf die großen Fragen des Menschen, die endgültige Antwort. Das Konzil bringt das mit wunderschönen Worten zum Ausdruck: "Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf" (Gaudium et spes, 22).

Das ist schön und gut, aber diese Botschaft fällt nicht einfach vom Himmel, sondern sie wird von Frauen und Männern weitergegeben, die einen konkreten Namen haben, eine Geschichte und eine bestimmte Kultur, und die mit den Gläubigen anderer Religionen in Kontakt treten. In der christlichen Lebensweise gibt es Elemente, die wesentlich sind und solche, die nebensächlich sind. Erstere sind unveränderlich, während die anderen vergänglich sind.

Zu den Hauptelementen, die in der Philosophie und in der Theologie ausgeführt worden sind, gehören das Konzept der Person als Abbild der Dreifaltigkeit, die Vorstellung der Gemeinschaft und des Subjekts, das Prinzip der Freiheit und der Verantwortung, das Weiterleben nach dem Tod, die zwischenmenschliche Solidarität, die gemeinsame Würde, usw. Das alles sind Werte, die man mit den Gläubigen anderer Religionen in dem Maß, in dem das möglich ist, teilen kann und teilen sollte. Von den Gläubigen anderer Religionen können wir auch vieles lernen und empfangen – natürlich nicht, was die Glaubensinhalte angeht, denn in Jesus Christus findet sich die Fülle der Offenbarung, aber doch, was die Weise angeht, den eigenen Glauben zu leben.
52 READERS ONLINE
INDEX
RSS Feed
back to the first page
printer-friendly
CARDINALS
in alphabetical order
by country
Roman Curia
under 80
over 80
deceased
ARTICLES
last postings
most read articles
all articles
CONTACT
send us relevant texts
SEARCH