Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Interreligiöser Dialog ist notwendig
Nov 29, 2009
Kardinal Karl Lehmann mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet

Wiesbaden. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat den Dialog der Religionen als „dringende Voraussetzung und Struktur des gesellschaftlichen Zusammenlebens heute“ bezeichnet.

„Das Verstehenwollen und das Verstehen selbst sind gerade in unserer globalisierten Welt, wo alles näher zusammenrückt, unbedingt notwendig. In der Bereitschaft zum interreligiösen Dialog liegt eine gute Voraussetzung zu einer möglichst herrschaftsfreien Begegnung und zum Gelingen des Dialogs, schließlich auch zu mehr Toleranz", sagte Lehmann am Donnerstag, 26. November, bei der Verleihung des Hessischen Kulturpreises im Kurhaus in Wiesbaden. Lehmann wurde gemeinsam mit Professor Dr. Salomon Korn, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem Schriftsteller Dr. Navid Kermani und Professor Dr. Peter Steinacker, langjähriger Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), mit dem Preis ausgezeichnet. Er ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert.

Weiter sagte Lehmann, dass der interreligiöse Dialog „eine große Stärke in der Selbstbehauptung und zugleich Offenheit zum Partner", brauche. „Die Notwendigkeit dieses Dialogs in unserer Welt kann überhaupt nicht übersehen werden. Er verlangt Respekt, Achtung und die Anerkennung derselben Ranghöhe." Der Dialog werde fruchtbarer, wenn er die Stärken des Partners „aufsucht und würdigt". „Dies braucht jedoch nicht zu verhindern, dass man Schwächen aufdeckt und auch ideologiekritische Anfragen zulässt. Es ist überdies elementar notwendig, im Bereich der eigenen Religion selbst ohne Vorurteile Wesen und Unwesen zu unterscheiden und namhaft zu machen", unterstrich der Kardinal. Im Gegenüber zu einer anderen Religion begreife man sich selbst besser und entdecke tiefer und leichter die eigenen Grenzen.

Lehmann wies außerdem darauf hin, dass im interreligiösen Dialog nicht nur intellektuelle oder theologische Positionen aufeinander träfen, sondern das religiöse Zeugnis in der Mitte stehe. „Ohne die Berücksichtigung dieses Lebenszeugnisses wird das Gesicht einer Religion entfremdet. Durch die Berücksichtigung des fundamentalen religiösen Zeugnisses verändert sich der interreligiöse Dialog und bekommt eine eigene Qualität. Dadurch verbessert sich die Chance des Verstehens", sagte er. Als ein wesentliches Ziel des Gesprächs der Religionen benannte der Kardinal den Umgang miteinander: „Alles kommt zuerst darauf an, zu lernen, wie man - trotz mancher Verschiedenheit - miteinander umgeht."
Koch: „Sie haben uns gezeigt, wie man Probleme aus dem Weg räumen kann"

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte in seiner Laudatio, dass die deutsche Gesellschaft mehr denn je vor der Herausforderung stehe, Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und weltanschaulichem Hintergrund zu einem friedvollen Miteinander zu bringen. Er thematisierte in seiner Rede auch ausführlich die Auseinandersetzungen um die Preisvergabe und verwies auf das klärende Gespräch der Preisträger am 28. August dieses Jahres im Mainzer Bischofshaus. „Sie haben uns vor Augen geführt, wo die Schwierigkeiten und Probleme im religionsübergreifenden Dialog liegen. Aber sie haben uns auch gezeigt, wie man diese Probleme aus dem Weg räumen kann." Er bezeichnete die vier Preisträger als „Brückenbauer". Mit dem Hessischen Kulturpreis würdige man vier Personen, die sich „in besonders vorbildlicher Weise für den religionsübergreifenden Dialog engagiert und damit einen Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden geleistet haben", sagte Koch.
Dankworte der drei weiteren Preisträger

Auch Navid Kermani ging in seiner Rede auf die Konflikte um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises ein. Er betonte, das eine multikulturelle, multireligiöse Gesellschaft niemals eine konfliktfreie Gesellschaft sein werde. „Entscheidend ist vielmehr, ob sie ihre Konflikte auf friedvolle und konstruktive Weise austrägt. Und das war der Konflikt, der hinter uns liegt: Er war bei aller Schärfe im Ton friedlich, und er war konstruktiv", sagte er. Kermani kündigte an, sein Preisgeld der katholischen Pfarrgemeinde St. Theodor in Köln-Vingst und für deren sozialen Projekten zu spenden.

Salomon Korn unterstrich in seiner Rede, dass Toleranz die Voraussetzung dafür sei, „um die Wirklichkeit in ihrer Komplexität zu begreifen". „Der interreligiöse Dialog dient dem Verstehen einer immer komplexer werdenden Realität", sagte er. Ein fruchtbarer interreligiöser Dialog könne nur gelingen, wenn alle am Gespräch Beteiligten bereit seien, sich mit der Geschichte ihrer Religion auseinander zu setzen. „Toleranz beginnt dort, wo Einverständnis endet", unterstrich Korn.

Kirchenpräsident i.R. Steinacker sagte in seinem Dankwort, dass ohne religiöse Toleranz eine moderne, pluralistische Gesellschaft nicht funktionsfähig sei. Insbesondere der Respekt vor der „Hoheit und Schönheit des anderen", auch des fremden Gottesverständnisses, fordere Toleranz. „Die Akzeptanz des mir Fremden als Fremdes und nicht seine Assimilation in meine Vorstellung, also das respektvolle Unangetastetlassen dessen, was dem anderen heilig ist, bildet die Basis einer Beziehung, die den anderen Glauben weder bejaht, noch ihm einfach indifferent gegenübersteht, also wirklich tolerant ist", sagte Steinacker.

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