Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Warnung vor aktiver Sterbehilfe
Apr 02, 2005
Als eine falsche Form von Mitleid hat Kardinal Karl Lehmann in seiner Predigt am Ostersonntag, 27. März, im Mainzer Dom die aktive Sterbehilfe bezeichnet. Der Bischof von Mainz nannte es eine "verführerische Idee", scheinbar sinnloses Leiden vorzeitig zu beenden.

(main-rheiner.de, 02.04.20) Dieses Mitleid aber, das nicht bereit sei, den Weg mit dem Sterbenden zu gehen, sei "wenig human". "Wir hätten ein falsches Menschenbild, wenn dieses nur von unaufhaltsamem Fortschritt und heiler Ganzheit bestimmt wäre", hob Lehmann hervor. Zur Endlichkeit und Kreatürlichkeit des Menschen gehöre auch die Erfahrung mit den Schwächeseiten des menschlichen Lebens.

Der Kardinal rief dazu auf, Menschen am Ende ihres irdischen Lebens nicht alleine zu lassen, sondern ihnen beizustehen, und die Toten durch eine würdige Bestattung zu ehren.

Bürde für ÄrzteWeiter sagte der Kardinal, dass derzeit offenbar die Versuchung wachse, mit menschlichen Mitteln den Zeitpunkt des Todes zu bestimmen. Hier zeige sich die Ambivalenz der modernen Medizin: "Wir sind froh und dankbar für die Möglichkeiten, auch in äußersten Situationen Leben zu retten und zu verlängern. Aber wir spüren auch, wie diese Segnungen zu einer schweren Bürde für Ärzte, Pflegende und Angehörige werden können, wenn nämlich die Verlängerung des Lebens für die Beteiligten zur Qual wird."

Hinsichtlich des Sterbens eines Menschen gebe es "bei allen schwierigen Übergangsstufen letztlich doch einen feinen, entscheidenden Unterschied zwischen einem Sterbenlassen, bei dem wir vielleicht nicht alle Mittel in äußersten Situationen anwenden, und dem Töten, das wir durch unser Verhalten fördern und ihm eventuell nachhelfen", unterstrich Lehmann.

Der Kardinal betonte, dass durch die Begegnung mit Sterbenden das eigene Leben verändert werde. "Jeder Tod sagt uns: Du musst dein Leben ändern", sagte Lehmann. Es sei darum keine Lösung, Menschen schneller in den Tod zu befördern.

Mit Blick auf die seit 15 Jahren im Koma liegende Amerikanerin Terri Schiavo sagte der Bischof von Mainz, dass es ein "schlimmes Schauspiel" sei, wenn Richter dazu gezwungen würden, wie "Herren über Leben und Tod Entscheidungen zu treffen".

Menschen nicht zu Objekten degradieren

Gleichzeitig hob er hervor: "Der technisch verzögerte Tod darf nicht den Sieg über das menschliche Sterben davontragen. Der sterbende Mensch darf auch in dieser Situation nicht zum ,Objekt` degradiert werden. Der Arzt darf das kreatürliche und solidarische Fundament des Menschseins, das Arzt und Patient elementar verbindet, nicht auflösen." Der Arzt bleibe "ein Zeuge der großen Szenen des Lebens", unterstrich Lehmann.

Die Auferstehung Jesu Christi zeige den Menschen, dass sie auch "im bitteren, grausamen und entsetzlichen Tod nicht ins Leere fallen", sagte der Kardinal. Bei allem Abstieg in die äußerste Finsternis sei einer da, "der uns mit seinen Händen auffängt und trägt".

Im Glauben an Gott als den einzigen Hüter des Lebens könne der Mensch über den Tod gewinnen. Dies sei allerdings kein Ausdruck des Leichtsinns, der die Härte des Leidens und die Tiefe des Schmerzes nicht ernst nehme. "Wir sind gewiss immer, solange wir in der Geschichte leben, gefährdet durch den Tod und gezeichnet von einer letzten Zweideutigkeit. Aber wir dürfen die feste Zuversicht haben, dass der auferstandene Herr auch für uns die Schlüssel des Todes und zum Leben in der Hand hat", sagte Lehmann.
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