Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Lehmann und Paul Spiegel sprechen sich aus
Mar 02, 2005
Das kurzfristig anberaumte Gespräch zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat nicht alle Differenzen der jüngsten Zeit beseitigen können. Eine Arbeitsgruppe soll jetzt einen "intensiven inhaltlichen Dialog" führen und gesellschaftliche und ethisch-religiöse Fragen erörtern, "die die Verantwortung beider Seiten berühren".

(Die Welt, 26.2.2005) Bonn/Mainz - Vertreter des Zentralrats hatten dem Kölner Kardinal Joachim Meisner einen "unzulässigen Vergleich" zwischen der Vernichtung der Juden durch Hitler und der Abtreibung vorgeworfen und später auch den Papst wegen entsprechender Passagen seines neuen Buches angegriffen.

Das nach dem "vertrauensvollen" Gespräch in Mainz veröffentlichte Kommuniqué bringt zunächst die gemeinsame Sorge über ein Wiedererstarken rechtsextremistischer und antisemitischer Tendenzen in Deutschland und Europa zum Ausdruck, ehe es sich den Kontroversen der vergangenen Wochen zuwendet. Auch wenn "keine vollständige Übereinstimmung" über die Interpretation bestimmter vom Zentralrat kritisierter Äußerungen katholischer Kirchenvertreter erzielt worden sei, herrsche doch in drei Punkten Einigkeit, heißt es in dem Text. Es dürfe die Singularität der Ermordung der europäischen Juden durch das Terrorregime der Nazis nicht relativiert werden.

"Abwegig" wäre es, die Kritik des Zentralrats als ursächlich für wachsenden Antisemitismus zu verstehen. Es bedürfe stets einer "besonders sensiblen Sprache", wenn der Holocaust in politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Reden aufgegriffen oder berührt werde. Zumindest diese Passage wurde in Mainz als indirekte Spitze gegen Meisner und den Papst sowie als gewisses Verständnis Lehmanns für die Kritik von jüdischer Seite gedeutet.

Auch Zentralratspräsident Spiegel trug seinen Teil zur Ausgewogenheit der gemeinsamen Presseerklärung bei, von der zu Beginn der Unterredung nicht feststand, daß es sie geben werde. Er äußert darin "nachdrückliches Verständnis" für die hohe Bedeutung, die die katholische Kirche dem Schutz des ungeborenen Lebens beimesse. Vor Journalisten lehnte Spiegel es angesichts der Erkrankung des Papstes ab, über dessen Buch zu sprechen.

Vor der Begegnung hatte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, dazu aufgerufen, die kontroversen Fragen in einem vertrauensvollen Dialog zu klären. Dazu würden das ZdK und sein Gesprächskreis Juden und Christen weiter beitragen. Erinnern und Nachdenken seien notwendig gegen die Gefahren des Vergessens und der Verharmlosung. Meyer nannte es "unvermeidlich", daß die Shoa als eine besonders bedrückende Erfahrung dabei auch zu anderen geschichtlichen Ereignissen in Beziehung gesetzt werde. Dadurch werde sie keineswegs verharmlost. "Ob jedoch solche Vergleiche im konkreten Fall sinnvoll und hilfreich sind, ist eine ganz andere Frage."
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