Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Glaube ist "nicht nur Sache der Profis"
Oct 06, 2008
Kardinal Lehmann lobt die Laien / Bistumsfest lockt tausende Besucher an den Dom.

(Allgemeine Zeitung, 06.10.2008) Gäbe es in der Kirche Fan-Clubs - der Mainzer Kardinal hätte garantiert einen. Nieselregen hin oder her, über 2 500 Menschen nahmen gestern am zweistündigen Festgottesdienst unter freiem Himmel teil. Mit ihm begann das große Bistumsfest, das am späten Nachmittag mit einer Vesper im Dom endete.  

Sie stehen dicht an dicht: Menschen aus der ganzen Region, Junge, Alte, Katholiken, Protestanten füllen den Marktplatz. Viele Väter haben ihre Kinder auf die Schultern genommen - auch die lieben Kleinen wollen den Mann des Tages sehen. Dabei steht auf der Bühne kein Rockstar, sondern ein Geistlicher. Karl Kardinal Lehmann, vor 25 Jahren zum Bischof von Mainz geweiht, freut sich sichtlich über die vielen Menschen, die an diesem Morgen gekommen sind - und sagt das auch.

Mit dem großen Fest feiert das Bistum nicht nur das Bischofsjubiläum Lehmanns, sondern auch die Gründung der Pfarrgemeinderäte vor 40 Jahren. Ein Glücksfall für die Kirche sei dies gewesen, erklärt Lehmann; in seiner Predigt wird er nicht müde, immer wieder zu betonen, wie wichtig und willkommen die Mitarbeit von Laien sei. Glaube, Liebe, Hoffnung - das sei nicht in erster Linie "Sache der Profis".

Ohne das Engagement von vielen hundert Ehrenamtlichen wäre auch das Bistumsfest nicht möglich gewesen. Auf dem Markt und dem Liebfrauenplatz haben über hundert Gruppen aus der ganzen Diözese ihre Stände aufgebaut, hier spiegelt sich das pralle kirchliche Gemeindeleben wider. Die einen sorgen dafür, dass die rund 4 500 Festbesucher weder hungern noch dürsten müssen. Suppe gibt es, Würste und selbstgebackenen Kuchen. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kdf) verkauft Kunsthandwerk aus Ruanda, die Malteser stellen das Berufsbild "Rettungsassistent" vor, der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen wirbt um Bekanntheit. Tausende Menschen bummeln an den Ständen vorbei, und wem´s zu kalt wird, der nippt an einer Tasse heißem Kaffee - oder macht einen Abstecher ins Innere des Doms, wo ein geistlich-musikalisches Programm geboten wird.

Und nach einem kleinen Päuschen nach dem Gottesdienst taucht auch Karl Lehmann wieder auf. Lächelnd schreitet er von Pavillon zu Pavillon; sein Gefolge ist eifrig bemüht, das Haupt des Kardinals mit Schirmen vor dem Regen zu schützen, doch der 72-Jährige scheint gegen das schlechte Wetter immun. Immer wieder bleibt er stehen, um sich mit Passanten zu unterhalten, oft bückt er sich, um Kindern die Hand zu geben und nach ihren Namen zu fragen. Sie liegen ihm eben besonders am Herzen, die Kinder und Jugendlichen: Bereits sein Vater, plaudert er, sei "ein leidenschaftlicher Lehrer gewesen". Aufmerksam verfolgt der Kardinal den Auftritt einer Jugendgruppe auf der Bühne, die kroatische Lieder singt, und spendet den Mädchen Applaus. Er weiß: "Wochenlang haben sie sich vorbereitet", um dieses Fest gelingen zu lassen.

"Damit hätte ich nie gerechnet!" Hildegard ist immer noch ein bisschen aufgeregt: Die 16-Jährige Maria-Ward-Schülerin hat gerade eben den Kardinal persönlich kennengelernt. Er war zum Stand ihrer Schule gekommen, hat sich das riesengroße "Schulbuch" zeigen lassen - und mit den Schülerinnen ein paar nette Worte gewechselt. "Er ist gar nicht von oben herab, sondern sehr freundlich", sagt Hildegard begeistert.

Auf dem Frauenlobplatz blicken die Festbesucher immer wieder erstaunt gen Himmel - an einem großen Baum baumeln etliche alte Kinderwagen. Keine schwebenden Engel, sondern ein Mannheimer Aktionskünstler hat sie dort in einer "Nacht- und Nebelaktion" aufgehängt - um sich, wie er mitteilte, "kritisch mit der Haltung der katholischen Kirche zum Thema Verhütung in der Dritten Welt auseinanderzusetzen". Eine ernsthafte Störung des Festes sieht darin aber niemand - auch Generalvikar Dietmar Giebelmann fühlt sich nicht provoziert, sondern nimmt´s gelassen. "Wir hatten nur ein bisschen Bedenken, dass der Wind einen der Wagen herunterreißen und einen Besucher damit treffen könnte", sagt der Geistliche. Doch die Kinderwagen richten kein Unheil an - sondern hängen, bis die Feuerwehr sie "pflückt".
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