Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Die respektierte Stimme des deutschen Katholizismus
Jan 18, 2008
Nach mehr als 20 Jahren Amtszeit tritt Kardinal Karl Lehmann vorzeitig vom Vorsitz der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zurück. Von Gernot Facius.

(Die Welt, 16. Januar 2008) Das ist eine Zäsur, das Ende einer Ära. Kardinal Karl Lehmann (71) hat das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland fast ein Vierteljahrhundert geprägt wie kein Zweiter: fast 21 Jahre als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), davor zwei Jahre als Stellvertreter, präsent auf allen TV-Kanälen und politischen Podien. Seine großen Vorgänger Joseph Höffner und Julius Döpfner waren zwölf beziehungsweise elf Jahre im Amt. Lehmann hat einen Rekord aufgestellt. Viermal wurde er gewählt. Zuletzt, nach heftigen internen Debatten, 2005. Nun sagt er, es sei "Zeit für eine Wachablösung". Während einer lebensbedrohlichen Krankheit reifte der Entschluss, am 18. Februar, nach der Frühjahrsvollversammlung des Episkopats, zurückzutreten. Bischof von Mainz will er bleiben. Der Zeitpunkt seines Abtretens mache einen "guten Sinn", meint der Kardinal.
In der Tat, einige wichtige Bischofsernennungen sind abgeschlossen, eine neue Generation von Oberhirten tritt an (WELT vom 15.1). Dennoch trifft Lehmanns Demission seine Kirche in einer schwierigen Lage. Einen "natürlichen" Nachfolger gibt es nicht. Sein Stellvertreter Heinrich Mussinghoff (Aachen) hat wohl kaum Chancen, aufzurücken. Und der an der kirchlichen Spekulationsbörse für die Zeit nach Lehmann gehandelte künftige Erzbischof von München und Freising muss sich erst noch in die nicht unkomplizierten bayerischen Verhältnisse einarbeiten.
Kardinal Lehmann, das gibt er selber zu, hat seine Kräfte oftmals überschätzt, auf die Gesundheit nicht geachtet. Mit geradezu enzyklopädischer Bildung ausgestattet, stets auf der Höhe der Aktualität und immer bereit, sich einzumischen, weil ihm ein Sakristei-Christentum suspekt war, zählt der 1936 im schwäbischen Sigmaringen geborene Sohn eines Lehrers zu den Topgesprächspartnern von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. An seinen Vorträgen feilte er bis tief in die Nacht.
Es gibt zwar 27 Diözesan- und 44 Weihbischöfe in Deutschland, aber der ehemalige Dogmatikprofessor war stets die erste Anlaufadresse für Veranstalter von Tagungen und Kongressen. Lehmann, einst Assistent des großen Jesuitentheologen Karl Rahner, schon 1962 mit einer Arbeit über Martin Heidegger zum Doktor der Philosophie promoviert, gilt als "Liberaler". Er selber akzeptiert diese Einschätzung nur unter Vorbehalt: wenn sich "liberal" auf Dialogbereitschaft bezieht, auf Diskurs und Gespräch, "was nicht Standpunktlosigkeit bedeutet". Immerhin lautet sein Wahlspruch: "Steht fest im Glauben."
15 Jahre lehrte Lehmann in Mainz und Freiburg Dogmatik, die "schönste Zeit meines Lebens". 1983 wird er, 47 Jahre jung, Bischof von Mainz. Zwei Jahre später tritt er als Vize an die Seite Höffners in der Bischofskonferenz. Dann 1987 eine kirchliche Sensation: Nicht Kardinal Friedrich Wetter (München), sondern der Mainzer Oberhirte wird Höffners Nachfolger. Rom ist nicht amüsiert. 1988 muss der neue Vorsitzende in den Wirren um die vom Papst gewünschte Einsetzung von Kardinal Joachim Meisner als Kölner Erzbischof vermitteln. Und wiederum ein Jahr später, die Mauer ist gefallen, beginnt die Integration der Berliner Bischofskonferenz in die DBK.
In den 90er-Jahren bindet der Streit um die gesetzliche Schwangerenkonfliktberatung alle Kräfte. Lehmann kämpft gegen den "Ausstieg", muss sich aber wie seine Amtsbrüder dem Machtwort des Papstes beugen. Das hinterlässt Spuren, die bis heute nicht verweht sind. Erst 2001, und dazu noch im zweiten Durchgang, wird der DBK-Vorsitzende in den Kardinalsstand erhoben. Als er die Insignien seiner neuen Würde überreicht bekommt, ist zu Lehmanns Ehren sogar der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock nach Rom gereist. Ein ökumenisches Zeichen. Kocks Anwesenheit drücke aus, "was wirklich ist", würdigt der Neu-Kardinal und leidenschaftliche Ökumeniker diese Geste. Und als Johannes Paul II. Lehmann den Kardinalsring überreicht, bekommen die Zuschauer der Zeremonie mit, was der greise Pontifex zu dem vor ihm Knienden sagt: "Ja, Mainz, gut, gut, gut."
Karl Lehmann - auf Distanz zu Rom? Es gibt unter Traditionalisten einige, die ihm bis heute einen antirömischen Affekt unterstellen. Dabei kann der Kardinal darauf verweisen, dass er seine kirchliche Prägung vor allem in Rom erhalten hat. Gleich zweimal war er an der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert worden. Lehmann ist ein "Römer". Aber einer, der sich trotz seiner Verehrung für die "römische Schule" der Jesuiten den unabhängigen Blick bewahrt hat. Mit seinem Verzicht auf den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz tritt der Kardinal, wie er sagt, "ins Glied zurück". Aber er wird sich von Mainz aus weiter zu Wort melden. Er bleibt Mitglied wichtiger römischer Gremien, und er hat schon angedeutet, welchen Themen er sich auch in Zukunft mit Leidenschaft widmen wird: der schwierigen Situation der Ökumene. Eigentlich, erzählte er gern in vertrauter Runde, habe er ja "nur" Pfarrer werden wollen. Lehmann ist mehr geworden: international angesehener Theologe, Kardinal und - dank der Medienpräsenz - die respektierte Stimme des deutschen Katholizismus.
Das sieht auch Kanzlerin Merkel so: "Kardinal Lehmann genießt weit über die Grenzen der Katholischen Kirche hinaus hohes Ansehen", sagte Merkel nach einem Telefongespräch mit Lehmann. Er werde für sie und für die Politik ein geschätzter Gesprächspartner bleiben.
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