Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German "Glücksfall für katholische Kirche"
Sept 26, 2007
Karl Kardinal Lehmann ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

(osthessen-news.de) 25.09.07 - Fulda - In dieser Zeit hat sich auch das Verhältnis der Bischofskonferenz zu den Medien gewandelt: seit Jahren schon gibt es am ersten Nachmittag ein Pressebriefing - nicht immer mit erfreulichen Themen oder harmlosen Fragen

Seit 140 Jahren treffen sich die Bischöfe aller deutschen Bistümer regelmäßig in Fulda zu ihrer Herbstvollversammlung. Seit 1867 ist die "Fuldaer Bischofskonferenz" eine feste Einrichtung, wenn auch erst rund 100 Jahre später durch das Zweite Vatikanische Konzil eine kirchenrechtliche Verankerung erfolgte. Seit 1966 heißt das Gremium Deutsche Bischofskonferenz, aber seit Anfang gleich geblieben sind zweierlei: die Konferenz vereint die Spitzen der katholischen Kirche in Deutschland und hat einen Vorsitzenden. In diesen 140 Jahren gab es bisher "erst" 10 Vorsitzende. Und dieser 10. amtierende "Chef der Bischöfe", Karl Kardinal Lehmann aus Mainz, kann in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum im Amt feiern.

Mit 20 Jahren Aufgabe als Führungspersönlichkeit des höchsten klerikalen Gremiums in Deutschland ist der beliebte Seelsorger nun am zweitlängsten Vorsitzender der Bischofskonferenz: am 22. September 1987 wurde Karl Lehmann, der erst vier Jahre zuvor zum Bischof von Mainz ernannt worden war, erstmals in das Amt gewählt. Damit hat er seine beiden Vorgänger Joseph Kardinal Höffner aus Köln (1976 - 1987) und Julius Kardinal Döpfner aus der Erzdiözese München und Freising (1965 - 1976) weit hinter sich gelassen. Doch auch den Erzbischof von Köln, Josef Frings (1945 - 1965), der in Fulda das katholische Hilfswerk "Misereor" gründete, wird Karl Lehmann überrunden. Lediglich der Fürsterzbischof von Breslau, Adolf Bertram, der heute wohl kaum noch bekannt ist, amtierte (von 1920 bis 1945) länger.

Der heute 71-jährige Karl Kardinal Lehmann wurde vor zwei Jahren zum vierten Mal zum Vorsitzenden gewählt. Mit seiner offenen, fast volkstümlichen, Art und dem wachen, wohlmeinenden Interesse an Menschen, seiner Bereitschaft zum Dialog auch mit Andersdenkenden und dem zugleich renommierten wissenschaftlich-theologischen Ansatz in seinen Arbeiten verkörpert Karl Lehmann - im Vergleich zu den früheren Vorsitzenden - einen "neuen Typ Kirchenführer".

Karl Lehmann gilt als liberal unter den katholischen Oberhirten. Er hat - nicht nur in Sachen Schwangerenberatung - mit dem konservativen früheren Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba so manchen "Strauß gefochten", auch wenn davon nur wenig nach "draußen" drang - und blieb doch unbeschadet in Amt und Person. Erst 18 Jahre nach seiner Bischofsweihe und 14 Jahre nach der ersten Wahl zum Bischofskonferenz-Vorsitzenden wurde Karl Lehmann von Papst Johannes Paul II zum Kardinal ernannt - als viele seiner Gläubigen, Studenten oder Mitarbeiter schon nicht mehr damit rechneten.

Vielleicht kam die Ernennung gerade wegen seines liberalen Rufes und seinem steten Eintreten für Ökumene so spät. Als Vorsitzender der Bischöfe aller 27 Diözesen ist Lehmann gewählt bis zum Jahr 2011 - und auch falls er nicht "die volle Distanz" gehen würde: in dieser langen Amtszeit wird der Professor der Theologie und Philosophie die katholische Kirche in Deutschland ganz entscheidend geprägt haben. Und das wird sowohl für eine Reihe von Katholiken wie auch Freunde des Kardinals eine "stille Genugtuung" sein angesichts der langen Zeit des Wartens auf vatikanische Anerkennung. (gw)

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff aus Aachen, hat in einer Ansprache gestern Abend das 20-jährige Jubiläum von Karl Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gewürdigt. Lesen Sie dazu das Grußwort von Bischof Mussinghoff IM

WORTLAUT:

„Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig und stark. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – so mahnt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief (16, 13). Mitten darin steht das Wort: „Steht fest im Glauben“.
„State in fide“ ist das bischöfliche Leitwort unseres Vorsitzenden. Diese paulinische Paraklese prägt Leben und Wirken unseres Vorsitzenden in der Konferenz, in der Öffentlichkeit, in seinem bischöflichen Dienst.
Wir spüren Deine Standfestigkeit im Glauben, die Freiheit lässt, die Geduld übt, die Handeln fördert.

Am 22. September 1987 wurde der Bischof von Mainz Karl Lehmann zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Dieser Erstwahl folgten drei weitere Wahlen. Seit 20 Jahren bist Du unser Vorsitzender. Du bist ein Glücksfall für uns in Deutschland. Durch Dein ungeheures Wissen in Theologie, Philosophie und vielen anderen Wissenschaften, durch Deine zahllosen Kontakte und Gespräche mit Politikern, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden, durch Deine stete und ausgewogene Präsenz in den Medien, durch Deine geduldige und zielbedachte Verhandlungsführung in unseren Konferenzen bist Du zu einem führenden Vertreter des deutschen Katholizismus geworden, Person und Ereignis zugleich.

Die Menschen mögen Dich, schätzen Dein Wort und hören auf Dich. Dabei übst Du Geduld, gibst Zeit zur Aussprache, jeder kommt zu Wort. Du bringst Dich selbst ein mit zielgerichteten Lösungsvorschlägen. Es tut dem öffentlichen Ansehen unserer katholischen Kirche gut, dass und wie Du präsent bist. Du hast die Zahl der Jahre im Vorsitz der Konferenz erlangt, die der Kölner Kardinal Frings hatte, und bist auf dem besten Wege, die Zahl der Jahre zu erlangen, die der Breslauer Kardinal Bertram erreicht hat, der von 1920 bis 1945 Vorsitzender war.

Lieber Karl! Du bist Philosoph, Theologe und Ökumeniker. Schon als junger Student in Rom hast Du Dich mit der modernen Philosophie befasst und Dich in Deiner philosophischen Dissertation 1962 mit dem Thema „Vom Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers“ beschäftigt. Es war der Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils. Professor Dr. Karl Rahner war auf den jungen, suchenden, fragenden und belesenen Studenten aufmerksam geworden und erbat ihn sich als Assistenten. Damit tratest Du in die harte Schule des Jesuitenpaters Karl Rahner.

Vor allem machtest Du dort auch die Erfahrung des Konzils mit seinem Ringen und Kämpfen, mit seinen Aufbrüchen und Klärungen. Du hattest den frischen Wind gespürt, der durch die geöffneten Fenster des seligen Papst Johannes XXIII. in die Kirche wehte, und erlebtest die Aufbruchstimmung im Katholizismus jener Jahre, die Dich prägte und Dir Rüstzeug für das Leben gab. Dabei warst Du immer behutsam und abwägend, was auch Pater Rahner gut getan hat. Du gehörst zu den wenigen Theologen, die das Konzilsgeschehen ganz miterlebt haben. Du bist Zeitzeuge des wichtigsten Ereignisses in der katholischen Kirche der jüngeren Zeit.

Du folgtest Pater Rahner von München nach Münster und brachtest in kürzester Zeit Deine theologische Dissertation zur Reife: „Auferweckt am Dritten Tag nach der Schrift: früheste Christologie, Bekenntnisbildung und Schriftauslegung im Lichte von 1 Kor 15,3–5“. Du suchtest die Erkenntnis in der Zuversicht des Glaubens: „Die Erfüllung der Hoffnung liegt nicht in endzeitlicher Ferne und ist keine verzweifelte Utopie, vielmehr ist sie gewiss vorläufig, bruchstückhaft und verletzlich, aber wirklich und erneuernd gegenwärtig.“

Mit 32 Jahren wurdest Du auf den Lehrstuhl für Dogmatik an die Mainzer Universität gerufen und folgtest drei Jahre später dem Ruf auf die Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie an Deine Heimatuniversität Freiburg. In dieser Zeit wurdest Du auch Mitglied der Gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland (1971-1975). Hier hast Du in der Sachkommission I „Glaubenssituation und Verkündigung“ mit Deinem akademischen Lehrer Karl Rahner zusammengearbeitet, warst Mitglied der Vorbereitungskommission und der Zentralkommission. Du warst – wie wir damals gern sagten – der „Kissinger“ der Synode, der durch seine Pendeldiplomatie Spannungen abbauen und zuträgliche Lösungen finden konnte.

Nach 12 Jahren akademischer Lehrtätigkeit (1968-1983) berief Dich Papst Johannes Paul II. auf den Mainzer Bischofsstuhl als Nachfolger von Hermann Kardinal Volk. Hier galt es nun, in Pastoral und geistliches Leben umzusetzen, was Ertrag all Deiner Studien war. Es war 1987 eine Überraschung, als Du als Nachfolger des Kölner Kardinals Joseph Höffner zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt wurdest. Hier wurde Dein Wahlspruch noch einmal zum Programmwort, in dem Du uns Bischöfen zuriefst: „Steht fest im Glauben“. Das befähigte Dich, wachsam, mutig und stark auf Freiheit zu setzen und gleichzeitig dem vernebelnden Zeitgeist entgegenzutreten mit der Wahrheit des Glaubens. Es ist Deine Stärke, zu hören und gesprächsbereit und fähig zu sein. Du scheust nicht die Auseinandersetzung und bleibst Hüter und Verkünder der Frohen Botschaft. Kritisch, engagiert und sachkompetent hast Du Dich eingebracht im Kampf für die Würde des Menschen und für das Menschenrecht auf Leben am Anfang und am Ende. Davon zeugt die „Woche für das Leben“.

Im Land der Reformation galt Deine besondere Aufmerksamkeit dem ökumenischen Gespräch. Schon nach dem Papstbesuch 1980 hast Du führend mitgearbeitet an „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ Du hast von Deinem Vorgänger die Arbeit im Jaeger-Stählin-Kreis übernommen, der die ökumenische Arbeit seit vielen, vielen Jahren wissenschaftlich begleitet. Du hältst unbeirrbar am Ziel der ökumenischen Bewegung fest, die una sancta catholica et apostolica ecclesia nach dem Willen Christi zu verwirklichen, die neben dem wissenschaftlichen Gespräch vor allem des geistlichen Ökumenismus bedarf.

In einem Interview hast Du gesagt, dass die deutsche Einheit 1989 das größte Ereignis Deiner Amtszeit sei. Dankbar schauen wir zurück, dass durch Dein Mitwirken wir in der Konferenz diese Einheit abbilden und leben können. Das erfüllt mich und uns mit großer Dankbarkeit.

Es hat uns mit Freude erfüllt, dass Papst Johannes Paul II. Dich 2001 zum Kardinal ernannt hat und damit Dein Wirken auch in der Deutschen Bischofskonferenz anerkannt und geehrt hat.

„State in fide“. Unter diesem Leitspruch gehen wir mit Dir in die kommenden Jahre und wünschen Dir, ein lehrender und lernender Hirte zu bleiben, der für viele Menschen im Land zum Orientierungspunkt dessen, was katholisch ist, geworden ist. Wir wollen den Weg gemeinsam mit Dir gehen in der Weggemeinschaft der Glaubenden und „aus der Zuversicht des Glaubens“ „Weg und Weite“ gewinnen.
Im Namen der Konferenz spreche ich Dir herzliche Glück- und Segenswünsche aus."
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