Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Islam rechtlich nicht gleichstellen
Jun 22, 2007
"Keine Gleichgültigkeit und unreflektierte Toleranz"

(F.A.Z., 20. Juni 2007) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Lehmann, hat sich gegen die rechtliche Gleichstellung christlicher und nichtchristlicher Religionen in Deutschland ausgesprochen. „Die Neutralität des Staates im Blick auf die einzelnen Religionen darf nicht mit Gleichgültigkeit und unreflektierter Toleranz gegenüber dem Wirken von Religionen in der Gesellschaft verwechselt werden“, sagte Lehmann.

Das Christentum habe nicht nur die Geschichte Europas geprägt, sondern wirke über die europäische Rechtskultur bis in die Gegenwart hinein. Das könne nicht einfach ignoriert werden. Lehmann wandte sich gegen ein Verständnis der Religionsfreiheit, das dieses Grundrecht auf seine Funktion als Abwehrrecht reduziere. Diese Sicht führe zu einer falschen Toleranz, die alle Religionen unabhängig von der Zahl ihrer Mitglieder und ihrer Geschichte gleich behandele.

Gegenseitiger Lernprozess zwischen Staat und Kirche

Lehmann verteidigte die historische gewachsene „partnerschaftliche“ Beziehung zwischen Staat und Kirche gegen den Vorwurf, die Verfassung privilegiere das Christentum gegenüber anderen Religionsgemeinschaften. Als Körperschaften öffentlichen Rechts wirken zu können sei „Ausdruck europäischer Kulturidentität“. Nach seinen Worten verbietet es sich daher, den Körperschaftsstatus „relativ beliebig“ zu verleihen.

Man dürfe den wechselseitigen Lernprozess zwischen Staat und Kirche nicht übersehen, der der Stellung der Kirchen als Teilen der „guten, öffentlichen Ordnung“ zugrunde liege, sagte Lehmann. Dieser Aspekt werde „vor allem im Blick auf die Verleihung des Körperschaftsstatus an den Islam weitgehend übersehen“.

„Offene, die Glaubensfreiheit fördernde Ausrichtung“

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Papier, pflichtete Lehmann mit den Worten bei, der christliche Glaube sei über seine kulturell vermittelten und historisch verwurzelten Wertüberzeugungen und Einstellungen „von überragender Prägekraft“. Wenn das Bundesverfassungsgericht die Bedeutsamkeit staatlicher Neutralität in religiösen Angelegenheit hervorgehoben habe, dann sei diese Neutralität nicht als distanzierende Haltung im Sinn einer strikten Trennung von Staat und Kirche zu verstehen, sondern als eine „offene, die Glaubensfreiheit fördernde Ausrichtung“.

Ein strikteres Verständnis staatlicher Neutralität sei im Wege (landes)gesetzlicher Vorgaben möglich, „von Verfassungs wegen jedoch nicht geboten“. Eine Verbannung alles Religiösen aus dem öffentlichen Raum habe nur den Charakter einer Konfliktverdrängungsstrategie, sagte Papier weiter. Lehmann und Papier äußerten sich während eines Empfangs, den der Erzbischof von Freiburg, Zollitsch, und der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Fischer, gemeinsam für die obersten Bundesgerichte in Karlsruhe gaben.

„Ungutes Gefühl“ beim Bau der Kölner Moschee

Unterdessen hat der Kölner Erzbischof, Kardinal Meisner, von einem „unguten Gefühl gesprochen“, das er in Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer Großmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld habe. Im Deutschlandfunk sprach Meisner von einem „Erschrecken“ und einem „Kulturbruch“, wenn im Panorama von Köln künftig auch eine Moschee zu sehen sei. Mit Blick auf Bedenken vieler Kölner sagte Meisner: „Könnte die Ablehnung nicht daran liegen, dass zum Beispiel Muslime, die bei uns hier in Köln Christen werden, wo Religionsfreiheit herrscht, sich in ihrem Leben durch ihre Glaubensgenossen bedroht fühlen?“

Man müsse aufpassen, „dass die Terrains, die man hier muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zur Verfügung stellt - da geht es ja nicht nur um Moscheen, sondern auch um andere Räume -, nicht Territorien werden, auf denen sich die Scharia in unseren Graden immer mehr entfaltet“. Nach einer Umfrage im Auftrag der Zeitung „Kölner Stadtanzeiger“ befürworten nur 35,6 Prozent der Kölner uneingeschränkt den geplanten Bau.
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