Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Lehmann kritisiert Pauschalurteile in der Familienpolitik
Apr 03, 2007
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat vor Pauschalurteilen in derFamilienpolitikk gewarnt. Man dürfe nicht die Kinderbetreuung und -erziehung gegeneinander ausspielen. Wichtig sei vielmehr, dass den Kindern ein guter Start in das Leben ermöglicht werde, sagte er im Interview.

(AP, 02. April 2007) Mainz - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich mit seinen Äußerungen zur Familienpolitik viel Unmut zugezogen. Wie steht die Bischofskonferenz zur Ausweitung von Krippenplätzen? Ist das christliche Familienbild bedroht, wenn man für Eltern die Möglichkeit einer besseren Kinderbetreuung schafft?

Lehmann: Die Kirche selbst ist ja einer der größten Anbieter von Kindergarten-, Kinderkrippen- und Kindertagesstättenplätzen. Hier wird hervorragende Arbeit von den Erzieherinnen und Erziehern geleistet, in Ergänzung zur elterlichen Erziehungsarbeit. Es ist absolut verzerrt, wenn man Kinderbetreuung und -erziehung in der Familie und in einer Einrichtung gegeneinander ausspielt. Wichtig ist es, dass den Kindern ein guter Start ins Leben ermöglicht wird. Das kann auf unterschiedliche und sich ergänzende Weise geschehen. Pauschalurteile sind - wie so oft - fehl am Platz.

Bei der Reise deutscher Bischöfe nach Israel gab es zuletzt Misstöne. Sind die ausgeräumt? Wie beurteilen Sie das aktuelle Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum?

Lehmann: Einzelne Irritationen, die schnell bereinigt werden konnten, können nicht den Erfolg der gesamten Reise des Ständigen Rates der deutschen Bischofskonferenz in Frage stellen. Das Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum ist auf einem guten Weg, das zeigen unter anderem auch viele Begegnungen und Kontakte auch außerhalb der Reise, etwa mit der Rabbinerkonferenz oder mit anderen jüdischen Einrichtungen, Verbänden und Institutionen. Wer die Texte der offiziellen Ansprachen und Stellungnahmen während und nach der Reise liest, kann keinen Zweifel an den guten Beziehungen haben.

Sowohl beim Thema Kinderkrippen als auch in Israel hat Bischof Mixa mit seinen Äußerungen zumindest sehr polarisiert. Muss die Kirche mit so Aufsehen erregenden und kontroversen Äußerungen auffallen? Oder wäre es nicht besser, diplomatischer zu agieren?

Lehmann: In der Sache sind sich die deutschen Bischöfe - sowohl was die Bedeutung der Erziehung und die Grundlinien der Familienpolitik in unserem Land, als auch was die Probleme der beiden Konfliktparteien in Israel angeht - weitgehend einig. Man muss sich deshalb nicht immer und in jedem Detail die Wortwahl einzelner zu Eigen machen. Worum es uns gemeinsam geht, ist, dass wir die Sorge der Menschen teilen und uns zum Anwalt der Schwachen machen möchten, um so zu Gerechtigkeit und Frieden beizutragen.

Mit Bischof Kamphaus und Kardinal Wetter verliert die katholische Kirche aus Altersgründen zwei profilierte Persönlichkeiten. Machen Sie Sich Sorgen um den Nachwuchs? Wie sieht es an der Basis bei den Priestern aus? Mit welchen Argumenten würden Sie einen jungen Mann zum Priestertum ermutigen? Macht es die Entwicklung nicht auch notwendig, über mehr geistliche Funktionen von Frauen in der katholischen Kirche nachzudenken?

Lehmann: Die Leiter unserer Priesterseminare stehen in ständigem Kontakt zu Fragen der Nachwuchsförderung und verbessern mehr und mehr die Auswahlkriterien. Die «Leidenschaft für Gott und sein Volk» ist nach wie vor das beste Qualitätsmerkmal für einen künftigen Priester. Wer nur den Manager sucht oder einen spirituellen Überflieger, der den Bodenkontakt verloren hat, wird der Berufung eines Priesters nicht gerecht. Der Priesterberuf hat viel mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick scheint. Es gibt aber auch viele andere kirchliche Berufe für Frauen und Männer, die die je eigene Berufung eines Menschen erfüllen können. Die Bistümer haben dazu eigene Informationsstellen. Auch hier darf man nicht an der Oberfläche bleiben und mit schnellen Urteilen und pragmatischen Forderungen die Komplexität der Sache verkennen.
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