Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Lehmann stellt interreligiösen Dialog infrage
Sept 21, 2006
Unter dem Eindruck anhaltender muslimischer Proteste gegen die Regensburger Vorlesung des Papstes hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, klare Bedingungen für einen fruchtbaren interreligiösen Dialog formuliert.

(Die Welt, 20.09.2006) Berlin/Bonn - Beim traditionellen Sankt-Michaels-Empfang in Berlin warnte Lehmann gestern vor der "naiven, jedoch weitverbreiteten" Vorstellung, das Gespräch der sogenannten drei abrahamitischen Religionen (Christen, Juden, Muslime) sei eine "Art Hilfsaggregat" der Politik, das sich jederzeit zur Beruhigung internationaler oder innergesellschaftlicher Konflikte anwerfen lasse. Es sei wichtig, die Möglichkeiten eines solchen Dialogs sorgfältig auszuloten und sich dabei auch "der Grenzen einsichtig zu werden", wenn man nicht in Enttäuschung oder Frustration verfallen wolle. Der Kardinal forderte dazu auf, zu fragen, inwieweit in der heutigen Gewaltproblematik der muslimischen Religion die theologische Tradition des kämpfenden und herrschenden Islam, "die mit einer gewissen Ungebrochenheit die Zeiten überdauert zu haben scheint", eine Rolle spiele. Es müssten im Gespräch mit dem Islam unbedingt die Freiheits- und Menschenrechte thematisiert werden. "Die Antwort auf die Frage, ob der heutige Islam im Sinne der Moderne freiheitsfähig ist, hängt auch davon ab, wie sich Muslime zum traditionellen Konzept der Einheit von Religion und Gemeinwesen und zum Gedanken der Herrschaft des Islam verhalten", sagte Lehmann in seiner in Bonn vorab verbreiteten Rede. Er hoffe auf "Bewegung" auf islamischer Seite in all diesen Fragen. Die augenblickliche Krisensituation beruhe wesentlich auch auf einem innerislamischen Konflikt, der nicht einfach auf dem Wege eines interreligiösen Dialogs gelöst werden könne. "Und ebenso wenig vermag das Gespräch der Religionen die fundamentale politische Auseinandersetzung über Gebietsansprüche und die staatliche Existenz der Völker im Heiligen Land überwinden." Der Kern des Konflikts im Nahen Osten, befand der Kardinal, sei nicht religiöser Natur. Zwar könne die Überwindung der dschihadistisch-islamistischen Ideologie letztlich nur innerhalb des Islam selbst erfolgen, hob Lehmann weiter hervor. Im Gespräch zwischen den Religionen ließen sich allerdings Fehlentwicklungen der jeweils anderen Religion korrigieren. Voraussetzung sei freilich, dass sich ein solcher Dialog nicht von "bloßer Aktualität" leiten lasse. "Der interreligiöse Dialog muss seine eigene Agenda entwickeln", forderte der Vorsitzende des katholischen Episkopats. "Ein bloßes Schauspiel des Dialogs bliebe leer und fruchtlos." Der Kardinal stellte in seinem Vortrag klar, dass das Christentum dem Judentum in einer grundlegend anderen Weise verbunden sei als dem Islam. Es sei schließlich aus dem Judentum hervorgegangen. Die Beziehung zu den Muslimen könne deshalb für die katholische Kirche niemals eine "konstitutive, theologisch im eigentlichen Sinne grundlegende Bedeutung" haben.
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