Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Weder Gleichrangigkeit aller Religionen noch prinzipielle Überlegenheit des Christentums
Oct 17, 2004
Aus dem Eröffnungsreferat von Kardinal Lehmann auf der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vom 23. bis 26. September 2002: Das Christentum - eine Religion unter anderen? Zum interreligiösen Dialog aus katholischer Perspektive.

Die Auffassung der Vertreter der sogenannten "pluralistischen Religions-Theologie", die verschiedenen Religionen seien eigenständige und gleichwertige gültige Antworten auf die Offenbarung oder  Erfahrungen der Transzendenz ist klar abzulehnen. Diesen und ähnlichen Entwürfen ist es nicht gelungen, die verschiedenen Ansätze einer Theologie der Religionen nach dem Konzil überzeugend zur Synthese zubringen.

Das Verhältnis des christlichen Glaubens zu den nichtchristlichen Religionen braucht eine normative Grundbestimmung und Regeln des interreligiösen Dialogs. Weder die Annahme grundsätzlicher Gleichrangigkeit aller Religionen noch die Überzeugung von der prinzipiellen Überlegenheit des Christentums eröffnen eine ausreichende theologische Perspektive.

Vielmehr ist bei den positiv-affirmativen Aspekten und den Gemeinsamkeiten anzusetzen, die sich aus der einen göttlichen Heilsordnung für alle Menschen ergeben, wie sie bereits in Nostra Aetate benannt sind: die gemeinsame Suche der Menschheit nach einem religiösen Urgrund und das verborgene Wirken der Gnade Jesu Christi in den nichtchristlichen Religionen.

Damit ein fruchtbarer Dialog zwischen Religionen möglich wird, muss außer der Anerkennung dieser Gemeinsamkeiten aber auch ein weiteres Moment greifen, das mit den Worten "Verneinung" und "Entlarvung" umschrieben werden kann. Dieses ist schon im Alten Testament ebenso wie im Neuen Testament und bei den Kirchenvätern mit der entschiedenen Absage an die heidnischen Religionen gegeben, die als Menschenwerk und Irrglauben charakterisiert werden.

In einem dritten Schritt geht es um eine angemessene Vermittlung der beiden Positionen. Struktur und Spielregeln des interreligiösen Dialoges sind aus der Verhältnisbestimmung zwischen Christentum und den anderen Religionen zu entwickeln.

Kritisch ist mit dem viel gebrauchten Begriff "Absolutheitsanspruch des Christentums" umzugehen. Dieser Begriff kann den Weg zu einer Theologie der Religionen eher verstellen als öffnen. Gegenüber der von der Pluralistischen Theologie der Religionen vertretenen Relativierung der Heilsbedeutung Jesu Christi - vorgenommen in der Absicht, einer Herabsetzung oder gar Verneinung einer Heilsrolle anderer Religionen zu entgehen - ist die einzigartige und universale Heilsrolle Jesu Christi in den Blick zu nehmen. Nicht das Christentum in seiner Abstraktheit, sondern die Person Jesu Christi bildet aus Sicht der Kirche den Konvergenzpunkt einer Theologie der Religionen.
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