Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Heidegger ergründet
Jun 14, 2006
Symposium zu Ehren von Kardinal Lehmann

(Main-Spitze, 22.05.2006) MAINZ Für die Akademie des Bistums Mainz gab es am Wochenende gleich zwei gute Gründe, ein Symposium zu veranstalten: Zum einen der 70. Geburtstag von Karl Kardinal Lehmann, zum anderen der 30. Todestag von Martin Heidegger am 26. Mai. Was verbindet den Theologen mit dem Philosophen? "Kardinal Lehmann ist eine Koryphäe in der Heidegger-Forschung", erklärte Akademiedirektor Prof. Peter Reifenberg. Was viele Forschung heute nicht wissen: Die Philosophie ist neben der Theologie Kardinal Lehmanns liebstes Kind.

1962 verfasste er eine knapp 1500 Seiten umfassende philosophische Dissertation zum Thema "Von Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers". "Diese außerordentliche Arbeit kann als `opus magnum´ betrachtet werden", meinte Prof. Friedrich-Wilhelm von Herrmann, der zu Martin Heideggers Lebzeiten als dessen Assistent arbeitete. "Vielleicht", spekulierte von Herrmann im Scherz, "hat sich der Kardinal so ins Zeug gelegt, weil er ahnte, dass er später nie wieder so viel Zeit aufbringen können würde!"

Kardinal Lehmann zeigte sich in der Eröffnungsrede gerührt über die Würdigung seines wissenschaftlichen Werkes: "Dieses Symposium, in dem ich mich nach über 40 Jahren wieder meiner zweiten großen Leidenschaft widmen kann, ist eines der schönsten Geschenke."

Zur Festakademie "Heidegger und die christliche Tradition" wurden namhafte Heidegger-Forscher aus ganz Deutschland eingeladen. Von Herrmann, der zu den wichtigsten Kennern zählt, betonte, dass das Symposium nicht nur einen völlig neuen Blickwinkel betrachte, sondern das Thema auch äußerst brisant sei. "Heideggers Verhältnis zu Kirche und Religion war zwiespältig", so von Herrmann, "dies ließ ihn zu einer umstrittenen Persönlichkeit innerhalb der Theologie werden." Und doch - oder vielleicht gerade deshalb - gelten die Untersuchungen der theologischen Ansätze in Heideggers philosophischem Werk als besonders ergiebig.

Die Themen der Referenten waren vielfältig: Von Heideggers Auslegung Paulinischer Briefe über die Johanneische Dimension in seinem Denken bis zu den Parallelen in Heideggers und Augustinus Schriften wurden viele Aspekte untersucht. Kardinal Lehmanns Vortrag "Sagen, was Sache ist: der Blick auf die Wahrheit der Existenz" behandelte Heideggers Verhältnis zu Luther. Das Wissen hierüber bezieht der Kardinal im Gegensatz zu den meisten Heidegger-Kennern nicht nur aus Forschungen, sondern aus persönlichen Gesprächen: In den 60er Jahren traf er sich mit dem Philosophen und befragte ihn zu seiner Meinung über Religion. "Heidegger äußerte sich stets sehr skeptisch", erzählte Kardinal Lehmann, "und doch deutete er die Existenz eines ‚letzten Gottes’ an."

Die Resonanz der Referenten und der zahlreichen Tagungsbesucher war überaus positiv. "Der Querschnitt durch verschiedene Wissenschaften, Generationen und Länder ist gelungen", lobte der Kardinal. Für ihn sei es nicht nur eine sehr schöne Gelegenheit gewesen, seine seit Jahrzehnten brachliegenden Kenntnisse aufzufrischen, sondern sich auch mit anderen Heidegger-Forschern auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
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