Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Der Chef ist auch ihre Familie geworden
Jun 05, 2006
Agathe Hitzel war Sekretärin der Kardinäle Volk und Lehmann - jetzt geht sie in Ruhestand

(Main-Rheiner, 02.06.2006) Kaum jemand kennt den Kardinal so gut wie sie. 23 Jahre lang war Agathe Hitzel die Sekretärin von Kardinal Lehmann, nächste Woche geht sie in Ruhestand. Am Pfingstmontag wird sie 65 Jahre alt; mit der AZ trank Agathe Hitzel schon vorab einen kleinen Geburtstags-Espresso.

Auf ihrem Schreibtisch im ersten Stock des Bischofshauses stapelt sich immer noch die Arbeit - Berge von Briefbögen, Büchern, Unterlagen. Viele Jahre saß sie hier, durch die offene Tür konnte sie prima ins Büro ihres Chefs gucken. Und das tut sie auch jetzt. "Ach herrje", seufzt Agathe Hitzel, "bei ihm sieht´s ja noch schlimmer aus als bei mir..." Und tatsächlich: Im Arbeitszimmer des Kardinals gibt es kaum ein Fleckchen Fußboden, das nicht mit Büchern und Papieren bedeckt ist. "Der Kardinal", lächelt seine Sekretärin nachsichtig, "hat gerade eine Rede geschrieben. Dabei ist er sehr gründlich."

Espresso

Wenn das eine weiß, dann sie: Agathe Hitzel arbeitet für Karl Lehmann, seit er Bischof in Mainz wurde - also seit 23 Jahren. Und da lernt man sich kennen. "Mit Kardinal Lehmann kann man über alles reden - auch mal über private Belange", sagt die Sekretärin. Und ein bisschen sei der Kardinal ihr, einer allein stehenden Frau ohne Kinder, zur Familie geworden.

Was offenbar auf Gegenseitigkeit beruht. Als Lehmann 2001 vom Papst in den Kardinalsstand erhoben wurde, nahm er seine "Familie" mit nach Rom - darunter Agathe Hitzel. Und die bekam dort mal wieder Gelegenheit, mit Johannes Paul II. ("ein sehr warmherziger Mensch") ein paar Worte zu wechseln. Man kannte sich freilich schon. Als der mittlerweile verstorbene Pontifex 1980 in Mainz weilte, speiste man gemeinsam im Bischofshaus - damals noch am Rosengarten - zu Mittag. Gastgeber war Lehmanns Vorgänger Hermann Kardinal Volk, mit dem Agathe Hitzel fünf Jahre zusammenarbeitete.

Jahre, an die sich die Jubilarin gerne erinnert. "Volk war ein sehr väterlicher Mann", erzählt sie und verrät dann eine kleine Anekdote - der Kardinal spielte liebend gern den Osterhasen. "Einen Tag vor Ostern klopfte es immer an meine Bürotür", lacht sie. "Hier ist der Osterhase", verkündete eine tiefe Stimme. Die Sekretärin - "und dabei war ich damals schon fast vierzig!" - musste dann ein paar Minuten aus dem Fenster schauen - und sich dann auf die Suche machen. Irgendwo im Büro war stets ein Schokoeiernest versteckt.

Es ging menschlich zu im Bischofshaus - und als Karl Lehmann kam, sorgte er dafür, dass das so blieb. "Als 1983 bekannt war, dass er Bischof von Mainz würde, schickte er mir aus Freiburg einen Brief", erzählt Agathe Hitzel. "Darin schrieb er: `Ich bin zwar nicht Kardinal Volk - aber jeder darf so bleiben, wie er ist.` Und so hat er es immer gehalten."

Die Zuneigung zu ihrem Chef - sie spricht aus jedem Satz, den Agathe Hitzel über Lehmann sagt. "Seine Menschlichkeit, seine ruhige Art" schätze sie am meisten an ihm, betont die Sekretärin. Nur manchmal habe sie einen etwas strengeren Ton anschlagen müssen - weil er trotz seiner 70 Jahre viel zu viel arbeite. "Er versichert dann, dass er besser auf seine Gesundheit achtet - aber davon ist nichts zu merken", seufzt Agathe Hitzel lächelnd. "Aber ich habe immer versucht, ihn zu bremsen."

Ein bisschen will sie auch weiterhin auf ihn aufpassen. "Ich werde schon noch ein-, zweimal die Woche ins Bischofshaus kommen", verrät sie. Zu gut hat sie noch die erschreckte Reaktion ihres Chefs im Ohr, als sie ihm vor einiger Zeit sagte, dass ihr Abschied näher rücke: "Ja - und ich?", rief Lehmann aus.

Doch 50 Jahre Arbeit sind genug, befindet Agathe Hitzel und ist fest entschlossen, den Ruhestand mit Reisen und Gartenarbeit zu genießen. Erste Berufserfahrung sammelte die Sprendlingerin vor einem halben Jahrhundert als Sekretärin des damaligen Oberbürgermeisters in Bingen; 1978 wechselte sie dann ins Bischöfliche Ordinariat und wurde erst die rechte Hand Volks, später Lehmanns. Und was macht die Sekretärin eines Kardinals? "Dasselbe wie jede andere Chefsekretärin auch", erklärt Agathe Hitzel. "Post erledigen, Terminbuch pflegen (damit hat man Tag und Nacht zu tun), Briefe schreiben, bei Manuskripten helfen." Und - Kaffee kochen? "Nein", schüttelt die Jubilarin lachend den Kopf. "Das erledigen die beiden Schwestern, die dem Kardinal den Haushalt führen." Jeden Tag um drei pflegt Lehmann übrigens mit der Hausgemeinschaft - zu der neben den Sekretärinnen der Bischofskaplan und der persönliche Referent zählen - einen entspannten Nachmittagskaffee zu sich zu nehmen. Das ein oder andere Tässchen wird Agathe Hitzel wohl noch mittrinken - Ruhestand hin oder her.
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