Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Ein Gruß an Kardinal Lehmann
May 29, 2006
Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem zweitägigen China-Besuch wieder in Deutschland ist, hat sie eine wichtige Aufgabe: «Wollen Sie Kardinal Lehmann in meinem Namen grüßen?» bittet der 90-jährige Schanghaier Bischof Aloysius Jin die Regierungschefin am Dienstag beim Gang durch die St.-Ignatius-Kathedrale.

Schanghai (AP, 23.05.2006) Das an sich ganz beachtliche zweitürmige Backstein-Gotteshaus, Baujahr 1910, verschwindet fast zwischen all den Riesenhochhäusern in der chinesischen Boomtown - selbst das Haus der Gemeindeverwaltung nebendran ist höher. «Das mache ich gerne», versichert Merkel auf die Bitte Jins. Sie ist sichtlich beeindruckt von der Lebenskraft, die der alte Mann ausstrahlt. Ihr hellroter Blazer kontrastiert seltsam mit der purpurnen Leibbinde des Bischofs.

Aloysius Jin ist ein Opfer der chinesischen Kulturrevolution. 1955 wurde er verhaftet, und danach verbrachte er 27 Jahre in Gefängnis und Arbeitslager, «weil sie sagten, ich sei ein Spion von Papst Pius XII.». Offiziell hieß das Delikt «Volksaufhetzung im Namen des Vatikans». Der Mann, der vor dem Zweiten Weltkrieg in Köln und Innsbruck Deutsch lernte, gesteht Merkel beim Rundgang durch sein Gotteshaus, er hätte nach der Gefangenschaft nicht gedacht, «dass Gott mich danach noch mit einem so langen Leben beschenkt».

Noch heute ist das Verhältnis zwischen den Katholiken und der Staatsmacht getrübt, obwohl in China offiziell Religionsfreiheit herrscht. Millionen Katholiken praktizieren ihren Glauben im Untergrund, weitere fünf Millionen gehören der staatlich anerkannten, aber erst seit den 80er Jahren wieder vom Vatikan akzeptierten «Patriotischen Kirche» an.

Unter ihnen ist auch Bischof Jin, der sich immer wieder Sanktionen bei seinen Bemühungen ausgesetzt sieht, die chinesische Obrigkeit und den Vatikan zusammen zu bringen. Aber bei Gottesdiensten ist die 3.000 Personen fassende Kirche «ganz voll», wie er stolz erzählt. In Schanghai allein gibt es 140.000 Katholiken.

Nach einer Verneigung des Bischofs und seiner Besucherin vor dem Altar zeigt Jin auf die Empore. «Da stand die Orgel, sie haben sie auch zerstört.» Ob er für die neue Geld brauche, fragt Merkel, und die Umstehenden merken: Sie würde gerne das Scheckbuch zücken. «Wenn ich Geld brauche, bete ich zum Heiligen Joseph», sagt Jin ein bisschen verschmitzt. «Ich bin ja Protestantin», gesteht die Kanzlerin später. «Ich weiß», sagt Jin. Er habe sich über sie informieren lassen. Informationsfreiheit zumindest genießt er in Schanghai: «Ich lese regelmäßig den 'Rheinischen Merkur' und den 'Spiegel'. Der 'Spiegel' ist gegen alles.» Merkel lacht.

Später sagt sie, es habe sie sehr beeindruckt, wie sehr Jin daran interessiert sei, «dass es zu guten Beziehungen zwischen der chinesischen Führung und dem Vatikan kommt, und welche wichtige Rolle in dieser Gemeinschaft der Katholiken Deutschland spielt».
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