Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Rückkehr der Religiosität ist Chance für die Kirche
Dec 26, 2005
Die Rückkehr der Religiosität kann nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, eine Chance für die Kirche sein. Zwar richte sich die verstärkte Suche der Menschen nach Spiritualität nicht automatisch auf das Christentum, dennoch sei sie auch in der Kirche bemerkbar.

Moderation: Hanns Ostermann

(dradio.de, 24.12.2005) Ostermann: Heute Abend wird es voll in den Kirchen in Deutschland. Jene Christen, die sonst eher nicht in die Gotteshäuser strömen, werden da sein. Der Heilige Abend verläuft in vielen Familien nach einem ganz bestimmten Ritual - und dazu gehört auch am Nachmittag oder am frühen oder späten Abend der Gottesdienst, die Messe. Für uns ist das Entspannung, für die Theologen bedeutet Weihnachten eher Anspannung, eine physische und geistliche Herausforderung. Ich freue mich, dass jetzt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Telefon ist. Was wird im Mittelpunkt Ihrer Weihnachtsbotschaft stehen?

Lehmann: Ja, ich werde die Predigt morgen halten und werde aus dem Evangelium der morgigen Messe am Tag den Satz herausnehmen "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt". Und da geht es mir hauptsächlich darum, was für eine Revolution im Gottesverständnis das ist, dass Gott, der ja gewöhnlich dadurch bestimmt wird, dass er selig in sich selber ist, fern von allen menschlichen Händeln, Mensch wird. Das ist wirklich eine ganz grundlegende Revolution in Gottesverständnis. Das möchte ich in seiner ganzen Bedeutung morgen darstellen - musste das ja auch schon für die Presse vorher schriftlich fixieren. Aber ich stelle… bin immer noch am Nachdenken, wie ich es am besten formuliere.

Ostermann: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Huber, ermutigte zu mehr Gelassenheit. Sie hofften in anderen Interviews auf Optimismus der Menschen. Was geben Sie, um ein Beispiel zu nennen, Arbeitslosen oder Arbeitssuchenden konkret an die Hand? Denn natürlich tragen viele einen sehr schweren Rucksack.

Lehmann: Ja, zunächst einmal, ich würde von mir aus sagen: Es gibt überall Möglichkeiten, auch wenn man es noch so oft probiert hat; Hoffnung nicht aufgeben. Aber man muss natürlich auch Signale für diese Hoffnung setzen. Es gibt Langzeitarbeitsloseninitiativen, wir haben selber solche in der Kirche, auch für junge Menschen. Aber ich weiß natürlich schon, was für ein Leid es ist, wenn Menschen hundert- und mehrfach sich immer und immer wieder bewerben und am Ende dann doch leer dastehen. Da kann ich nur sagen, dass die Solidargemeinschaft diese Menschen dann mittragen muss, dass wir neue Anstrengungen machen müssen, Arbeitsplätze also zu schaffen, dass wir natürlich auch beweglich werden müssen, soweit das geht. Also, leichtfertig kann man über diese Sachen nicht reden, auch nicht billige Hoffnung machen, dafür haben die Menschen schon zu viel erfahren. Deswegen spreche ich weniger von "Optimismus". Ich möchte einfach sagen: Zuversicht.

Ostermann: Zuversicht - täte es der Politik ganz gut, weniger sich mit sich selbst zu beschäftigen?

Lehmann: Ja, ich hoffe, dass jetzt, nachdem die Regierung steht und da einfach gewisse Mechanismen auch dazu neigen und vielleicht auch mal verführen, sich mit sich selbst herumzustreiten, dass es jetzt einfach zur Sache geht. Und ich denke aber auch, dass das im neuen Jahr der Fall sein wird.

Ostermann: Geschätzte 200 Millionen von zwei Milliarden Christen weltweit leben in Bedrängnis oder Verfolgung, das meint die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Tun wir genug, um diesen zu helfen?

Lehmann: Wir tun sicher nicht genug. Das fängt schon mal an, dass wir ja früher einen eigenen Tag oder Sonntag für die verfolgten Christen haben. Wir haben das dann, nachdem der Eiserne Vorhang fiel, geglaubt, es wäre nicht mehr nötig. Heute merken wir, dass das nicht der Fall ist. Und wir haben das auch wieder eingeführt, dass wir einen eigenen Tag dafür nehmen, haben zum Beispiel an Vietnam gedacht und manche andere Länder. Aber das ist etwas, was wir wiedergewinnen müssen.

Ostermann: Das wäre doch ein kurzer Anruf bei Bischof Huber, dem Ratsvorsitzenden der EKD?

Lehmann: Ja, also wir machen da ja ohnehin manches gemeinsam. Und an dieser Stelle geht das zweifellos in Zukunft auch noch mehr zusammen.

Ostermann: Ereignisse wie der Evangelische Kirchentag in Hannover oder der Weltjugendtag zeigen ja: Es gibt ein Interesse an Kirche und Religion. Auch die Einweihung der Dresdener Frauenkirche könnte man als Beispiel anführen. Nutzt die katholische Kirche, nach Ihrer Einschätzung, diese Chance? Oder was würden Sie sozusagen Ihren Kollegen, den Geistlichen, mit auf den Weg geben?

Lehmann: Also, da ist natürlich jedes Bistum autonom. Aber wir Diözesen haben zum Beispiel im Mittelraum fünf Bistümer eine Initiative, dass Menschen verstärkt Informationen bekommen können, wie das zum Beispiel ist, wenn jemand wieder in die Kirche eintreten möchte. Wir haben weniger Austritte, mehr Wiedereintritte. Das ist eine Chance. Man spricht von einer Rückkehr der Religiosität. Das geht natürlich nicht einfach automatisch in das Christentum oder in die Kirche hinein. Es gibt viele allgemeine Versuche, Spiritualität und so weiter anzubieten. Aber wir dürfen uns diese Chance auf keinen Fall entgehen lassen.

Das ist, denke ich, jetzt eine wirkliche einmalige Gelegenheit, dass wir offener und bereiter sind. Und wir tun seit dem Jahr 2000 auch vor vielen einzelne Aktivitäten, auch viel, um das missionarische Bewusstsein der Christen selber zu stärken und sie auch in Stand zu setzen, Zeugnis zu geben von ihrem eigenen Leben, ansteckend zu wirken. Aber das muss natürlich sehr diskret, in vielen Stufen geschehen. Das muss zuerst auch mal etwas unterschwellig passieren, ohne dass man seinen Namen mal nennen muss. Dass man ein Gespräch findet, dass kompetente Kontaktpersonen bereit sind. Wir versuchen da schon einiges. Aber Wunder darf man sich da auch nicht erwarten.

Ostermann: Völlig klar. Papst Benedikt XVI. verschenkte an seine Mitarbeiter Sekt und Hefekuchen - typisch italienisch, kann man da sagen. Womit machen Sie eigentlich Ihrer engeren Mannschaft eine Freude?

Lehmann: Ja, ich gehe zunächst einmal zu einigen Weihnachtsfeiern von der Bischofskonferenz in Berlin und in Bonn, aber auch natürlich hier in Mainz. ...

Ostermann: Ich dachte eigentlich mehr an die kleinen Geschenke, Herr Kardinal.

Lehmann: An die kleinen Geschenke. Ja, ich habe in diesem Jahr zum Beispiel das Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche geschenkt. Das ist vor ein paar Monaten erschienen, hat also einen großen Erfolg als Buch in vielen Ländern, das ist eine kleinere Ausgabe des größeren Katechismus' und das habe ich jedem verschenkt.
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