Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
Send a text about this cardinal »
View all articles about this cardinal »
German Interview statt Festrede
Oct 03, 2005
50 Jahre Haus am Maiberg: Kardinal Karl Lehmann bekennt sich zur Bildungsarbeit als Aufgabe der katholischen Kirche.

(echo-online.de, 1.10.2005) HEPPENHEIM. Für den Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, gehört die politische und soziale Bildung zu den zentralen Aufgaben der katholischen Kirche. Lehmann sprach in der Akademie Haus am Maiberg in Heppenheim. Dort wurde Jubiläum gefeiert. Die Institution wurde am 30. September 1955 vom damaligen Bischof Albert Stohr eingeweiht.

100 Gäste waren gestern an den Maiberg gekommen. Lehmann und der Heppenheimer Pfarrer und Dekan, Monsignore Hermann-Josef Herd, zelebrierten zunächst in der Marienkapelle einen Gottesdienst. Auf die üblichen Festreden wurde verzichtet. Akademiedirektor Benedikt Widmaier und dessen Stellvertreter Titus Möllenbeck baten in eine Art Talkshow zu Interviews. Kardinal Lehmann war einer der Interviewpartner.

Zunächst wurde die „Ära Balke“ beleuchtet. Barbara Balke, von 1969 bis 1998 mit dem Haus verbunden, zuletzt als kommissarische Leiterin, erinnerte an ihren Mann Wilhelm, der von 1969 bis zu seinem Tod 1987 als Leiter die Bildungseinrichtung prägte.

„Es war eine schöne Zeit“, sagte sie und drückte aus, dass die sozialen Aspekte nicht nur als Theorie im Haus verbreitet waren, sondern gelebt wurden. Improvisieren war Methode. „Für meinen Mann war die katholische Soziallehre der Maßstab. Die Schwachen stark machen, war sein Prinzip“.

Professor Heiner Ludwig von der Technischen Universität Darmstadt, Vorgänger von Widmaier, sieht die Akademie als wichtige Instanz in einer Situation, in der gesellschaftlich wichtige Fragen zu beantworten sind. Ludwig wies auf die Bedeutung des Themas Arbeit am Übergang von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft hin. Wichtig sei, dass die Menschen lernen, ihre Stimme zu erheben. Im Haus am Maiberg müsse diese Fähigkeit vermittelt werden. „Konkret werden, zeigen, was christlicher Glaube beizutragen hat in dieser gesellschaftlichen Situation“, so Ludwig auf die Frage von Möllenbeck nach den Aufgabenstellungen einer katholischen Bildungseinrichtung.

Widmaier wies darauf hin, dass sich das Haus am Maiberg als Teil eines Netzwerks versteht, als er Lothar Hales ans Mikrofon bat. Harles ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB). Er sagte, Bildungsarbeit müsse dazu führen, Informationen einordnen zu können.

„Das Land braucht das Haus am Maiberg“, dieses Bekenntnis legte der Heppenheimer Landtagsabgeordnete Norbert Schmitt ab. Schmitt war in den siebziger Jahren Zivildienstleistender am Maiberg. Der heutige Generalsekretär des SPD-Landesverbands Hessen sagte, die Dienstzeit habe seinen Werdegang mitgeprägt. Schmitt wies auf die internationalen Kontakte der Akademie hin.

Professor Ludwig Pongratz warnte davor, die Bildungssysteme in eine „Hitparade der Leistungsfähigkeit“ einzuordnen. Zertifizierung, Standardisierung und Autonomie seien Instrumente und Begriffe in der Diskussion über Bildung, die zu einer „Kontrollgesellschaft“ führen könnten. In diese Entwicklung muss laut Pongratz die Aufregung über die Ergebnisse der Pisa-Studie eingeordnet werden. Pongratz ist Professor am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der Technischen Universität Darmstadt.

„Hier begegnen sich Kirche und Welt“, sagte Domkapitular Prälat Jürgen Nabbefeld, Dezernent für Weiterbildung im Bischöflichen Ordinariat in Mainz. Das Haus am Maiberg sei ein „wichtiger politischer Ort der sozialen Begegnung“.

Erwachsenenbildung, der Umgang mit Medien, die Arbeitswelt, Kontakte zu Bildungseinrichtungen in Bulgarien und Tschechien, Pflege der Kontakte zu den hessischen Partnerregionen – das sind Schwerpunkte, mit denen sich die Akademie einen Namen gemacht hat. Dazu kommt die Organisation von Freiwilligendiensten, zu denen neben dem Zivildienst das Freiwillige soziale Jahr (FSJ) und der internationale Austausch junger Erwachsener gehört.

Dem Kardinal liegt die Jugendbildung besonders am Herzen. Im Zeitalter der Globalisierung sei dabei „der Blick über Grenzen hinweg“ wichtig. Weltoffenheit dürfe allerdings nicht verwechselt werden mit „überall und nirgends“. Der Mensch müsse wissen, wo er hingehört. Lehmann verwies auf die Erfahrungen vom Weltjugendtag in Köln. Er sei erstaunt gewesen, „wie unkompliziert sich junge Menschen verstehen“. Grenzenlose Begeisterung und Konzentrationsfähigkeit seien Eigenschaften, die der Jugend meist zu Unrecht abgesprochen werden. Lehmann: „Wir können den jungen Leuten viel mehr zutrauen, als wir es tun“.

Auch der Mut für das öffentliche Glaubenszeugnis gehöre zum Auftrag des Hauses. Als Themen der Zukunft nannte der Kardinal Arbeitslosigkeit und den Wandel in der Arbeitswelt. Gleichzeitig forderte er die Mitarbeiter auf, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass politische Bildung gebraucht wird. „Haben Sie keine Scheuklappen“, sagte Lehmann.
45 READERS ONLINE
INDEX
RSS Feed
back to the first page
printer-friendly
CARDINALS
in alphabetical order
by country
Roman Curia
under 80
over 80
deceased
ARTICLES
last postings
most read articles
all articles
CONTACT
send us relevant texts
SEARCH