Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Lehmann im Amt bestätigt
Oct 03, 2005
Kardinal Karl Lehmann bleibt trotz mancher Kritik aus den eigenen Reihen für eine vierte sechsjährige Amtszeit Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) - ein Rekord in der Geschichte dieses seit 1965 bestehenden Gremiums.

(Die Welt, 21. September 2005) Bonn/Fulda - Die 67 zu ihrer Herbstssitzung in Fulda versammelten Erzbischöfe, Bischöfe und Weihbischöfe der 27 Diözesen bestätigten ihn gestern in geheimer Wahl in diesem Amt, in das er erstmals 1987 gewählt worden war.

Lehmann erhielt schon im ersten Wahlgang, dem entgegen den Gepflogenheiten eine Aussprache vorausging, die Zweidrittelmehrheit. Er ist nach den Kardinälen Julius Döpfner und Joseph Haffner erst der dritte Vorsitzende der DBK. Bis zuletzt hatte der international hochangesehene Theologe und Mainzer Bischof offengelassen, ob er noch einmal zur Verfügung stehen wird. "18 Jahre Vorsitzender, das reicht jetzt auch langsam mal", meinte Lehmann im Frühjahr, nach der Papstwahl.

Vor allem der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat ihm das Leben nicht leichtgemacht. Er war es, der am Auftreten und an Aussagen Lehmanns Anstoß nahm, zum Beispiel als dieser während des Ulmer Katholikentages mit dem Papstkritiker Hans Küng diskutierte. Eine "stroherne Epistel" nannte der Kölner Kardinal Lehmanns Stellungnahme nach der Wahl von Benedikt XVI., weil ihr, wie die Katholische Nachrichtenagentur bemerkte "der Jubel fehlte, der nach Meisners Ansicht damals für jeden deutschen Bischof angesagt gewesen wäre".

Nach dem Weltjugendtag griff Meisner seinen Mainzer Amtsbruder wegen eines Interviews an, in dem Lehmann gesagt hatte: "Die Mädchen auf dem Petersplatz, die dem Papst zujubeln, haben die Pille in der Tasche: Das wissen wir schon lange." Ein chancenreicher Gegenkandidat zu Lehmann war freilich nicht zu erkennen. Meisner selber wäre nicht mehrheitsfähig gewesen. Er winkte schon im August ab: "Selbst wenn ich einstimmig gewählt würde, ich würde die Wahl nicht annehmen."

Zur Eröffnung der Herbstvollversammlung versuchte Lehmann eine Positionsbestimmung der katholischen Kirche in der Gesellschaft von heute. Absolutistisches und fundamentalistisches Gehabe sei für sie ebenso schädlich wie Anpassung und blinde Gefolgschaft gegenüber dem Zeitgeist. Gesellschaftlicher Pluralismus sei Faktum und Aufgabe zugleich: "Wenn das Alte und Bewährte wiederholt wird, dann muß es auch seine klärende und befreiende Kraft für heute erweisen. Dies ist wahrhaft katholisch." Von seiner Kirche verlangte Lehmann sowohl die innere Kraft zum Dialog als auch zum Widerstand. Zu seiner Wiederwahl erhielt der Kardinal Glückwünsche von den Spitzen der Politik und der anderen Kirchen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sagte, er sei "dankbar für das Maß an Gemeinschaft, das in all den Jahren gewachsen ist". In jüngster Zeit hatte der Rückzug der EKD aus dem Projekt einer gemeinsamen Bibelübersetzung zur Verstimmung zwischen den ökumenischen Partnern geführt. Die Gruppierung "Wir sind Kirche", die sich als Reformbewegung im Katholizismus versteht und von vielen Bischöfen heftig kritisiert wird, würdigte Lehmann als glaubwürdigen "Vermittler zwischen vatikanischen Positionen und deutscher Kirchenrealität".

Heute soll in Fulda eine Erklärung unterzeichnet werden, die an den historischen Briefwechsel zwischen deutschen und polnischen Bischöfen vor 40 Jahren anknüpft. In dem Text werden Deutsche und Polen aufgerufen, ihre geistigen und materiellen Kräfte nie mehr gegeneinander zu richten und sich für ein christliches Europa einzusetzen. Erzbischof Alfons Nossol (Oppeln) bedauerte, daß noch immer in Kategorien der Aufrechnung gedacht werde. Ohne eine wahre deutsch-polnische Aussöhnung werde es kein wirklich vereinigtes Europa geben.
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