Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German "Ungeheuerlichkeiten"
Oct 03, 2005
Der Meinungsstreit um das in Berlin geplante "Zentrum gegen Vertreibungen" hat Gräben aufgerissen zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Vertriebenenbund-Präsidentin Erika Steinbach (CDU).

(DIE WELT.de, 24. September 2005) Bonn/Fulda - Im Gespräch mit der WELT sagte die Unionspolitikerin, mit der in Fulda von deutschen und polnischen Bischöfen unterzeichneten Erklärung, die vor einem "Ungeist des Aufrechnens" von Schuld warnt, könne sie "sehr gut leben". Das gelte aber nicht für die Bewertungen des Zentrums-Projekts durch den Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Karl Lehmann. Sie warf diesem "Ungeheuerlichkeiten" vor. Der Kardinal hatte unter anderem erklärt, die Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" habe sich zwar in der Person ihrer Vorsitzenden Steinbach von der umstrittenen "Preußischen Treuhand" distanziert, sei aber personell mit ihr verflochten. Die "Treuhand" möchte private Ansprüche Vertriebener in Polen geltend machen.

Außerdem meinte Lehmann, die Diskussion um das Zentrum müsse weitergeführt werden. Dabei dürfe es aber bis in den Titel hinein nicht nur um Vertreibungen gehen, sondern auch um Versöhnung, und es müsse die europäische Dimension einbezogen werden. In diesem Sinne hatte sich auch schon der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky geäußert, der die Bereitstellung eines Teils der geschichtsträchtigen Sankt-Michaelskirche in der Bundeshauptstadt als Standort des Zentrums ablehnte. Steinbach sagte, Lehmann und Sterzinsky seien seit langem über die wahren Intentionen der von ihr und dem inzwischen verstorbenen früheren SPD-Politiker Peter Glotz vor fünf Jahren gegründeten Stiftung genauestens informiert. Der Aufruf zu dem Informations- und Dokumentationsprojekt beginne mit den Worten "Im Geiste der Versöhnung ..." Und auch die europäische Dimension sei von Anfang an berücksichtigt. Wider besseres Wissen werde dies ignoriert. Im übrigen könne von einer personellen Verflechtung von Stiftung und "Preußischer Treuhand" nicht die Rede sein, betonte die Vertriebenenpolitikerin. Auch darüber sei Lehmann wohlinformiert. Steinbach erinnerte den Kardinal an das achte Gebot des Dekalogs: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!"

Die neue deutsch-polnische Erklärung, die an den historischen Briefwechsel zwischen deutschen und polnischen Bischöfen vor 40 Jahren anknüpft, soll heute, einen Tag vor der polnischen Parlamentswahl, in Breslau unterzeichnet werden. Ihre Autoren haben sich um einen weitgehend ausgewogenen Text bemüht. Es wird sowohl auf die NS-Politik gegenüber Polen und das Unrecht der Besatzungszeit als auch auf die Vertreibung der Deutschen Bezug genommen. Der Hildesheimer Altbischof Josef Homeyer, Zeitzeuge des Briefwechsels von 1965, wies auf die nach wie vor "heißen Eisen" zwischen beiden Seiten hin. So seien viele Polen besorgt wegen der Achse Berlin-Moskau. In Deutschland wiederum sei kaum zu verstehen, warum Polen sich so schwertäten, "ihren Anteil bei der von den Siegermächten beschlossenen Vertreibung der Deutschen einzugestehen".

Mit ihrer Fuldaer Argumentation bewegt sich die Spitze der Deutschen Bischofskonferenz in Richtung auf das von der rot-grünen Bundesregierung favorisierte "Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität". Gerhard Schröders parteilose Kulturstaatsministerin Christina Weiss fühlt sich jedenfalls durch den "klaren Appell" der Bischöfe "bestärkt".

Zum Abschluß der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda appellierte Kardinal Lehmann gestern an die Politiker in Berlin, eine stabile Regierung zustande zu bringen. Sie sollten jenseits der üblichen politischen Auseinandersetzungen nach Gemeinsamkeiten suchen, die ihnen möglicherweise so noch nicht bewußt gewesen seien. Keine weiteren Reformen zu wagen, wäre "schon an sich" eine "große Ungerechtigkeit".

Und als Mahnung an die Adresse der SPD sowie als Warnung vor der Linkspartei.PDS kann diese Aussage Lehmanns verstanden werden: Er könne sich nicht vorstellen, daß ein verantwortungsbewußter Politiker erwäge, den nächsten Bundeskanzler mit Unterstützung von Kräften zu wählen, die Veränderungen per se verhindern wollten.

Lehmann machte klar, daß sich die Bischöfe auch künftig in der Ausländerpolitik zu Wort melden werden. Vor allem die Abschiebepraxis stößt beim Episkopat auf massive Kritik.
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