Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Karl Kardinal Lehmann zur Absage des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland an gemeinsamer Revision der "Einheitsübersetzung"
Oct 03, 2005
"Die Deutsche Bischofskonferenz bedauert, dass der Rat einseitig und ohne weitere Rücksprache eine 'abschließende (negative) Entscheidung' getroffen hat"

BONN, 9. September 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Erklärung von Karl Kardinal Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, zur Absage des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland an eine gemeinsamen Revision der "Einheitsübersetzung" der Heiligen Schrift.

* * *

Die Deutsche Bischofskonferenz erhielt am 7.9.2005 ein Schreiben, in dem der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, den Beschluss des Rates von seiner Sitzung am 2./3.9.2005 mitteilt, dass die Voraussetzungen für die geplante, gemeinsam verantwortete Revision der "Einheitsübersetzung" der Heiligen Schrift nicht mehr gegeben seien und keine Aussicht bestehe, in absehbarer Zeit eine Lösung für die Schwierigkeiten zu finden.

Die Deutsche Bischofskonferenz bedauert diese Entscheidung des Rates. Nachdem die EKD bereits im Jahr 2001 die bis dahin hohe Selbstverständlichkeit des Gebrauchs der gemeinsamen "Einheitsübersetzung" (Psalmen und Neues Testament) für ökumenische Gottesdienste zugunsten der Luther-Übersetzung zurückgenommen hatte, war es zwar schwierig, die evangelische Seite zur Teilnahme an einer begrenzten Revision der "Einheitsübersetzung" zu bewegen, schließlich wurden aber doch in einem sehr hohen Maß gemeinsam die Verfahren, die Kriterien sowie die Mitarbeiter für ein gemeinschaftliches Vorgehen festgelegt.

Die Betrachtung der Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung "Liturgiam authenticam" vom 28.3.2001 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 154), die den Gebrauch der Volkssprache bei der Herausgabe der liturgischen Bücher ordnet und in diesem Rahmen auch die Bibelübersetzungen behandelt, insofern diese Verwendung in den Gottesdiensten finden, hat zunehmend die evangelische Seite irritiert. Es ist leider nicht gelungen, genügend die Überzeugung zu festigen, dass auch die katholische Kirche trotz der Bedeutung der lateinischen Bibelübersetzung (Vulgata) eine Übersetzung "vor allem aus den Urtexten der heiligen Bücher" vorsieht und dass solche Übersetzungen "auch mit den getrennten Brüdern zustande kommen können", so dass "sie von allen Christen benutzt werden können" (Offenbarungs-Konstitution "Dei Verbum" des Zweiten Vatikanischen Konzils, 22). Die Instruktion "Liturgiam authenticam" hat darum dieses Vorhaben nicht grundsätzlich behindert, wenngleich sie die Übersetzung der Bibel immer auch im Blick auf den gottesdienstlichen Gebrauch und die Tradition der Kirche betrachtet hat. Es ist keineswegs so, dass die Bindung der katholischen Seite an die Instruktion "Liturgiam authenticam" einen Rückgang auf den Urtext und den Ruf "Zurück zu den Quellen" ("ad fontes") verhindert hätte, wie der Brief vom 7.9.2005 nahe legt. Über das nähere Verhältnis von Schrift und Tradition, das gewiss nicht nur in Traditionskritik besteht, hat im Übrigen das ökumenische Gespräch bei allen noch ungelösten Einzelfragen gerade in unserem Land beträchtliches Einvernehmen erzielt (vgl. Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen: Verbindliches Zeugnis, Band I – III, Freiburg i. Br./Göttingen 1992-1998).

Eine letzte Einigung über die Revision, die bereits sehr nahe war, ist letztlich an diesem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber den Anforderungen von "Liturgiam authenticam" und einem verantwortlichem Umgang damit gescheitert.

Der Brief vom 7.9.2005 erweckt den Eindruck, als ob die katholische Seite einen unerträglichen Zeitdruck ausgeübt hätte. Gewiss hatte die Bischofskonferenz seit dem Frühjahr 2004 auf den inneren Zusammenhang der Revision der "Einheitsübersetzung" mit der Arbeit an einem neuen Gebet- und Gesangbuch und der Revision des deutschen Messbuchs hingewiesen. Diese Aufgaben sind schon lange innerhalb der katholischen Kirchen des deutschen Sprachgebietes geplant. Es wurde wegen dieses inneren Zusammenhangs aber nie ein Druck ausgeübt oder gar eine Drohung ausgesprochen. Nachdem wir schon seit dem Jahr 2003 über die moderate Revision der "Einheitsübersetzung" verhandelt haben, hatten wir allerdings auf eine Rücksichtnahme des evangelischen Partners auf diese Situation gehofft. Die Deutsche Bischofskonferenz bedauert, dass der Rat einseitig und ohne weitere Rücksprache eine "abschließende (negative) Entscheidung" getroffen hat.

Mit vielen sind wir der Überzeugung, dass die so lange angezielte und auch geradezu ersehnte praktische Arbeit an der Revision der Übersetzung gezeigt hätte, dass auftretende Schwierigkeiten, die ja heute oft quer durch die Kirchen und Konfessionen laufen, beim konkreten Vorgehen überwindbar gewesen wären. Man musste allerdings für den äußersten Fall, dass einmal auf dem Weg des Konsensverfahrens bei Ausschöpfung aller Wege keine Einigung zustande gekommen wäre, eine Entscheidungsmöglichkeit ins Auge fassen, die letztlich auf die Feststellung einer Mehrheit hinausgelaufen wäre. Wir bedauern, dass der Rat sich nicht in diesem Sinn zum Vertrauen auf den Partner unter den Herausgebern und die konkrete fachliche Arbeit der Exegeten beider Seiten entschließen konnte.

Der Weg für eine größere Einheit der Kirche ist immer wieder auch ein dorniger Weg gewesen. Nachdem wir in den letzten Jahrzehnten auf vielen Gebieten echte und positive Fortschritte erreichen konnten, wozu auch die Vereinbarung über die "Einheitsübersetzung" aus dem Jahre 1979 gehört, darf die Hoffnung so vieler auf die Erfüllung des Gebotes des Herrn nach Einheit durch einzelne Rückschläge auf dem weiteren Weg nicht entmutigt werden. Freilich ist es eine erhebliche Belastung, wenn gerade im Land der Reformation, wo wir über ein Vierteljahrhundert schon auf eine gemeinsame Übersetzung zurückgreifen konnten, dieses gemeinsame Zeugnis unterbrochen wird, während viele Nachbarn in anderen Ländern inzwischen ökumenisch vereinbarte Übersetzungen geschaffen haben. Wir hoffen inständig, dass wir später auch wieder neue gemeinsame Wege finden können.

Die Deutsche Bischofskonferenz wird nun gemeinsam mit den anderen Herausgebern – der Österreichischen und der Schweizer Bischofskonferenz sowie den (Erz-) Bischöfen von Bozen-Brixen, Lüttich, Luxemburg, Straßburg und Vaduz – zügig an eine Revision der "Einheitsübersetzung" gehen.
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