Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German "Der Mann ist für Überraschungen gut"
May 02, 2005
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der gestern im Amt bestätigte Kurienkardinal Walter Kasper haben Papst Benedikt XVI. gegen anhaltende Kritik aus den eigenen Reihen, vor allem von Theologen wie Hans Küng und Eugen Drewermann, verteidigt.

(Welt, 22. April 2005) Bischof Lehmann, dessen Verhältnis zu dem früheren Präfekten der Glaubenskongregation oftmals gespannt war, spricht jetzt von einem "verzerrten Bild" Joseph Ratzingers in Deutschland. Kasper warnt, man solle ihn nicht voreilig "in eine Schublade stecken". Vieles, was aus Rom gekommen sei, habe man einfach dem Kurienkardinal zur Last gelegt, sagte Lehmann in mehreren Interviews. Er nehme an, daß der neue Pontifex wisse, was er ändern möchte und worunter er in den 24 Jahren in Rom "auch sicher gelitten hat". Benedikt XVI. verfolge keinen blinden Konservatismus, sondern wäge genau ab, was es zu bewahren gelte und wo man neue Schritte gehen könne.

Diese Einschätzung sucht Lehmann mit dem Hinweis zu untermauern, daß Ratzinger als Leiter der Glaubenskongregation "große Mühe" darauf verwendet habe, das Archiv der ehemaligen Inquisitionsbehörde für die Forschung zu öffnen. Zudem habe er das Gespräch mit Intellektuellen wie Jürgen Habermas gesucht: "Da braucht man sich eigentlich keine Sorgen zu machen, daß er nicht sehr offen ist." Kasper fordert, Benedikt XVI. eine Chance zu geben.

Das Schlüsselwort in den kirchlichen Stellungnahmen heißt "Hoffnung". So hofft neben katholischen Frauenorganisationen auch Kardinal Lehmann, daß Rom unter Benedikt XVI. seine Haltung gegenüber einem Diakonat der Frau noch einmal überdenkt. "Hier muß man doch deutlich sagen, daß die Frage der Frau im Bereich des Diakons endgültig nicht entschieden ist", meinte er. Die Ständige Synode der deutschen Bistümer hatte sich, unterstützt von Lehmann, für das Frauendiakonat stark gemacht.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, verbindet das Pontifikat von Benedikt XVI. mit einer Hoffnung: nach vertiefter Gemeinschaft der Kirchen. "Das hat eine besondere persönliche und familiäre Ernsthaftigkeit überall dort, wo Menschen in konfessionsverbindenden Familien leben und die Hoffnung haben, auch gemeinsam die Eucharistie beziehungsweise das Heilige Abendmahl empfangen zu können", schreibt Huber in einem Brief an den Papst. Als Kardinal habe Benedikt XVI. theologische Beiträge geleistet, die weit über die katholische Kirche hinaus die Christenheit insgesamt und die säkulare Öffentlichkeit beeindruckt hätten. Offenbar traut man dem neuen Pontifex zu, in der Frage der eucharistischen Gastfreundschaft, die bisher wie ein Sperriegel zwischen den beiden Großkirchen stand, flexibler zu werden.

Vor Huber hat der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich es als "ermutigende Handlung" bezeichnet, daß Kardinal Ratzinger bei der Begräbnisfeier für Johannes Paul II. dem protestantischen Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Roger Schutz, die Kommunion gereicht hatte. Dies zeige, daß in besonderen Fällen ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten möglich sei.

Selbst der Münsteraner Theologe Johann Baptist Metz, dessen Berufung an die Universität München vom damaligen Erzbischof Ratzinger verhindert worden war, findet freundliche Worte für den Papst. "Der Mann ist für Überraschungen gut", meint Metz.

Ratzinger sei kein Fundamentalist, denn Fundamentalismus sei ein Zeichen von Dummheit. Professor Metz kann aus eigenem Erleben ein Beispiel für Überraschungen nennen: Als er, der einst Ratzinger als "zu links und gefährlich" erschien, 1998 seinen 70. Geburtstag feierte, kam der Kurienkardinal zu einer Festakademie nach Münster.
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