Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German "Die Kampagne gegen Ratzinger ist einfach blöde"
Apr 26, 2005
Kardinal Karl Lehmann hat gestern dafür geworben, das deutsche "Ratzinger-Bild" zu überdenken. Harsch dementierte er Gerüchte, Benedikt XVI. habe ihm ein Amt in der Kurie angetragen. Zugleich ließ der Bischof offen, ob er eine Wiederwahl als Vorsitzender der Bischofskonferenz anstrebt.

(Wiesbadener Kurier, 26.04.2005) Kardinal Lehmann ist grundsätzlich ein den Medien zugewandter Kirchenmann. Und so dankte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gestern im Erbacher Hof erst mal allen Anwesenden für ihr "freundliches Interesse". Mehr als 60 Journalisten saßen da dicht gedrängt - und der Kardinal nahm sich Zeit für sie noch bis kurz vor Beginn des Pontifikalamts der Bischöfe im Dom.

Eigentlich hatte er ja von den in Rom gewonnenen Eindrücken nach der Papst-Wahl berichten wollen. Doch noch immer schwebte das Gerücht durch den Raum, der deutsche Papst wolle ihn, Lehmann, nach Rom holen, ein Gerücht, das aber nur zu gerne mit spitzen Fingern angefasst wurde, schließlich hatte die "Bild"-Zeitung die Behauptung ohne jede Quellenangabe lanciert.

So gesehen, blieb die harmonische Beziehung zwischen Kardinal und Journaille trotz folgender Medien-Schelte erhalten. "Ich habe Verständnis für Boulevard-Journalismus, aber irgendwann ist die Grenze des Erträglichen überschritten", diktierte er in die Blöcke. Und: "Das ist in meinen Augen eine absolut falsche Presse-Ente." Besonders "fies" sei die Meldung gewesen, "weil geschrieben wurde, ich hätte mir bis heute Bedenkzeit auserbeten". Nein, er habe "mit niemandem, schon gar nicht mit dem Papst, ein solches Gespräch geführt".

Gefragt wurde der Kardinal dafür in Mainz, ob er im Herbst für eine weitere Wahlperiode als Vorsitzender der Bischofskonferenz bereit stehe. Eine Frage, die für ihn gestern "nicht zur Beantwortung anstand". Einen Satz später sagte er: "Ich bin ja nun seit 18 Jahren Vorsitzender, irgendwann reicht es dann mal." Trotzdem: Wie Desinteresse am Spitzenamt des deutschen Episkopats klang dies nicht. Vor allem nicht, und das wurde Lehmann nicht müde zu betonen, weil das beginnende Pontifikat von Benedikt XVI. nicht per se eine Einschränkung bedeute. "In ihm sind viele Möglichkeiten, wenn man freundlich auf ihn zugeht", sagte Lehmann, begann eine ausführliche Darstellung von Ratzingers Schriften - und hielt zum Beleg zwei dicht bedruckte Seiten Bibliographie hoch. Der Papst habe jetzt ganz andere Möglichkeiten, "sein Denken offen zu legen", als noch als Präfekt der Glaubenskongregation. Konkret auf die deutsche Kirche bezogen ließ sich das Gesagte so zusammenfassen: Wie es in den Wald ruft, so schallt es hinaus. Daher sei die "Anti-Kampagne" mancher Theologen gegen Ratzinger einfach "blöde": "Wir sollten ihm Zeit lassen für seine Entscheidungen, dann ist er für Überraschungen gut."

Das gelte für den "communio"-Gedanken, der Ratzinger umtreibe und der zu mehr Mitsprache der Bischöfe und einer klar strukturierten Zusammenarbeit der Kurie führen könne. Das gelte vielleicht auch für den Umgang mit wieder verheirateten Geschiedenen. Dies gelte sicher nicht für eine überhastete Ökumene: "Ich finde es primitiv zu glauben, der Papst könne die Abendmahlgemeinschaft quasi vom Himmel herunterholen", redete Lehmann sich in Rage. Und machte deutlich: Nicht nur das bisherige Ratzinger-Bild mag ein Klischee sein, ein Klischee wäre es auch, Lehmann in die Rolle des Gegenspielers zu pressen.
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