Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
Send a text about this cardinal »
View all articles about this cardinal »
German "Er wird sich treu bleiben"
Apr 26, 2005
Kardinal Lehmann wird bei der Amtseinführung von Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. dabei sein. Den Umgang mit dem früheren Widersacher in manch theologischer Streitfrage schildert der Mainzer Bischof als "offen, herzlich und in überraschender Weise unkompliziert".

(Wormser Zeitung, 23.04.2005) ROM - Am Sonntag wird mit Papst Benedikt XVI. erstmals seit 480 Jahren ein Deutscher zum Oberhaupt der katholischen Kirche. Wir fragten Karl Kardinal Lehmann, Mainzer Bischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, welche Weichen dies für den deutschen Katholizismus stellt.


Frage:Wie haben Sie das Konklave erlebt?

Kardinal Lehmann:Das Konklave im engeren Sinn dauerte ja nur 24 Stunden. Die Verantwortung lag schon merklich auf den Schultern. Die Sixtina ist ein idealer Ort, der einem aber auch zusetzt - vor dem Riesengemälde des Jüngsten Gerichts von Michelangelo.

Frage:Haben Sie mit einer so schnellen Einigung gerechnet?

Kardinal Lehmann:Ich habe frühestens mit dem Mittwochabend als Ende gerechnet, vielleicht auch nach insgesamt 13 Wahlen am Donnerstagabend. Es war eine eindrucksvolle Erfahrung, wie schnell das vielgestaltige Kardinalskollegium sich einigen konnte. Ich habe mich besonders gefreut, dass es nie Streit gab um nationale Zugehörigkeit oder ähnliche Dinge.

Frage:Sie haben den neuen Papst als Bewahrer des Glaubens gewürdigt. In welchen Bereichen wünschen Sie sich dennoch einen Aufbruch?

Kardinal Lehmann:Beides steht nicht im Widerspruch, denn wirkliches "Bewahren" ist nur möglich durch ein schöpferisches Entfalten der Substanz des Glaubens in den jeweiligen konkreten Umständen. Wirklicher Glaube ist immer Aufbruch, wie schon der Vater des Glaubens, nämlich Abraham, zeigt. Benedikt XVI. wird zunächst einmal ganz grundlegend diesen Weg des Glaubens heraus aus bloßen Gewohnheiten und hin auch zur Sendung in die Zerrissenheiten unserer Welt vor Augen stellen und annehmen.

Frage:Im Heimatland des Papstes stieß die Wahl nicht auf die Begeisterung, die eine solche Entscheidung anderswo ausgelöst hätte. Was sagen Sie allen, die auf Reformen hoffen - beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, bei den strikten Regeln für die Lehre, um Beispiele zu nennen?

Kardinal Lehmann:Reformen gibt es im Bereich des Glaubens und der Kirche wirklich nur, wenn man bei sich selbst anfängt. Ohne Veränderungsbereitschaft seiner selbst gibt es keine wirkliche Erneuerung. Es kann nicht nur um freistehende Funktionen und Strukturen gehen. Davon wird Papst Benedikt XVI. nie abrücken. Für jede Geschiedenenpastoral muss zum Beispiel klar sein, dass die lebenslange Treue in der Ehe eine bleibende zentrale Größe im christlichen Leben ist. Wenn daran kein Zweifel besteht, können in einzelnen Situationen konkrete Wege gefunden werden, die von Fragen der Ehegerichtsbarkeit bis zur Kommunionzulassung gehen können. Aber es kann nie einfach ein Automatismus sein. Benedikt XVI. hat Augenmaß für das, was echt katholisch ist.

Frage:Sie hatten mehrere Konflikte mit Ratzinger, der medienwirksamste war der Streit um die Konfliktberatung: Wie ist heute Ihr Verhältnis zu ihm?

Kardinal Lehmann:Es ist verständlich, dass die Medien vor allem Konflikte suchen. Aber dies gibt ein verzerrtes Bild. Ich habe in über 40 Jahren viele gemeinsame Dinge mit dem heutigen Papst erarbeitet, zum Beispiel auch in dem gemeinsamen Buch: "Mit der Kirche leben" (1977). Bei den Konflikten ging es um die Klärung von tief reichenden Problemen, bei denen ich immer auch um die Stärke der Argumente von der anderen Seite her wusste. Sonst kann ein Dialog keine sachliche Annäherung bringen. Deshalb waren auch die Begegnungen mit dem neuen Papst in Rom offen, herzlich und in erstaunlicher Weise unkompliziert. Es war noch einfacher, als ich erwartete.

Frage:Wie wird der Papst auf die deutsche Kirche blicken?

Kardinal Lehmann:Ein Papst, besonders wenn er fast 24 Jahre in Rom lebte und sich um die ganze Weltkirche kümmern musste, gehört nicht mehr einfach einem Land, auch wenn es seine Heimat ist. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir wie alle anderen Länder behandelt werden, nämlich gleich. Dass er dabei Deutschland besonders im Auge behält, ist fast selbstverständlich. Aber wie ich ihn mit seinem Gerechtigkeitssinn und weltkirchlichen Denken kenne, braucht man hier, von welcher Seite auch immer, keine Ungleichheit zu befürchten.

Frage:Zur Ökumene: Mit der Erklärung Dominus Jesus, in der sich die katholische Kirche über andere Glaubensgemeinschaften stellt, stieß Ratzinger die Protestanten vor den Kopf...

Kardinal Lehmann:"Dominus Jesus" ist im ersten Teil durch die ökumenisch ohne Zweifel gemeinsame Aussage über den einzigen Erlöser Jesus Christus eine wichtige, viel zu wenig beachtete Klammer. Rechtfertigungsbotschaft und Christologie gehören eng zusammen.

Die Konsequenzen für das Verständnis der Kirche, die man nicht einfach ausklammern kann, sind leider im Dokument zu knapp und darum auch missverständlich formuliert. In den zahlreichen Anmerkungen, die kaum jemand genauer verfolgt, stecken wichtige Klärungen. Es geht in "Dominus Jesus" in erster Linie nicht um die reformatorischen Kirchen, sondern um den Dialog mit den nicht-christlichen Religionen. Benedikt XVI. hat im Übrigen in seinen ersten Ansprachen keinen Zweifel gelassen, wie wichtig ihm die Ökumene ist. Dies zeigt sich auch in seinen Veröffentlichungen seit 50 Jahren. Im Übrigen gehören zu einer guten Ökumene immer zwei Seiten.

Frage:Viele sprechen von Ratzinger I, dem progressiven Theologen beim Zweiten Vatikanischen Konzil, und Ratzinger II, dem strengen Präfekten der Glaubenskongregation. Wird es als Papst einen Ratzinger III geben, einen, der sogar ein Drittes Konzil einberuft?

Kardinal Lehmann:Ratzinger ist ein Theologe mit klarem Profil und bei allen Wandlungen in fünf Jahrzehnten mit einem roten Faden, der sich durch das Werk zieht. Er hatte freilich vor dem Konzil, während des Konzils und in der Zeit danach nicht nur auf unterschiedliche Situationen zu achten, sondern der Präfekt der Glaubenslehre hat eben auch einen anderen Standort und eine andere Verantwortung als ein einzelner Theologe. Er wird sich treu bleiben.
29 READERS ONLINE
INDEX
RSS Feed
back to the first page
printer-friendly
CARDINALS
in alphabetical order
by country
Roman Curia
under 80
over 80
deceased
ARTICLES
last postings
most read articles
all articles
CONTACT
send us relevant texts
SEARCH