Karl Cardinal Lehmann Karl Cardinal Lehmann
Function:
Bishop of Mainz, Germany
Title:
Cardinal Priest of San Leone I
Birthdate:
May 16, 1936
Country:
Germany
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Rheinische Post: Kardinal Lehmann h
Mar 10, 2017
Die Frage nach der Priesterweihe f

D
German Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum: Kardinal Lehmann erhält die Luther-Medaille
Nov 04, 2016
Als erster "Katholik" erhält der ehemalige Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann am Montag die Martin-Luther-Medaille für seine Verdienste um die Ökumene.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm überreichte dem langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) die Auszeichnung in einem Festgottesdienst in der Berliner Marienkirche. "Sie haben sehr bald für das Reformationsjubiläum als ökumenische Chance geworben, zu einem Zeitpunkt als die Zurückhaltung und Skepsis in Ihrer Kirche noch sehr stark war", sagte Bedford-Strohm.

Lehmann ist der erste Katholik, der die Medaille erhält. Er feierte am 16. Mai 2016 seinen 80. Geburtstag, am selben Tag hatte der Papst sein Rücktrittsgesuch angenommen. Im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 verleiht der Rat der EKD seit 2008 einmal im Jahr die Auszeichnung. Mit der Medaille werden Persönlichkeiten geehrt, die sich beruflich oder ehrenamtlich in herausragender Weise um die Evangelische Kirche verdient gemacht haben.

Der Festgottesdienst ist der Auftakt zum Reformationsjubiläum. Die Evangelische Kirche feiert 2017 den Thesenanschlag Martin Luthers. Der Reformator hatte im Jahr 1517 insgesamt 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen und mit seiner Rechtfertigungslehre eine vollkommen neue Theologie begründet, die sich gegen die Papstkirche wandte.

http://www.rp-online.de/panorama/reformationsjubilaeum-kardinal-lehmann-erhaelt-die-luther-medaille-aid-1.6362234
German Das Erreichte nicht vergessen
May 29, 2016
Podium zum Thema „Warum Ökumene nicht am Ende ist“ mit Kardinal Lehmann.

28.05.2016

„Wir müssen alles dafür tun, dass das in der Ökumene Erreichte nicht ein Zwischenergebnis bleibt. Deshalb brauchen wir einen Bericht über das, was alles bisher erreicht wurde, damit es nicht vergessen wird. Danach brauchen wir ein Programm, was noch alles zu machen ist – und das ist ja gar nicht so viel.“

Das sagte der emeritierte Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, am Freitag, 27. Mai, beim Katholikentag in Leipzig. Der Kardinal äußerte sich bei einem Podiumsgespräch zum Thema „Der Weg ist nicht das Ziel. Warum Ökumene nicht am Ende ist“.

Weiter sagte der Kardinal, dass jeder „Rippenstoß“, den er in Sachen Ökumene bekomme, für ihn ein Ansporn sei, weiterzumachen. Er erinnerte auch an das 500-jährige Reformationsgedenken im kommenden Jahr: „Davon erhoffe ich mir einen neuen Aufbruch in der Ökumene“, sagte Lehmann. In diesem Zusammenhang würdigte er auch das geplante Christusfest als eine „Chance“: „Das Christusbekenntnis ist das, was uns im tiefsten miteinander verbindet.“ Die Ökumene sei zudem eminent wichtig angesichts des gemeinsamen öffentlichen Zeugnisses der Kirchen in der Gesellschaft.

Der Präsident des deutschen Bundestages, Professor Dr. Norbert Lammert, bezeichnete die Trennung der Kirchen als „letzten großen Anachronismus unserer Zeit“. Für die Trennung habe es damals viele theologische und politische Gründe gegeben. Seiner Meinung nach existierten die Gründe, die eine Spaltung rechtfertigten, heute nicht mehr. Den fehlenden Willen nach einer Kircheneinheit führe er auch auf ein „Selbstbeharrungsbedürfnis der Institutionen“ zurück. Der evangelische Theologe Professor Dr. Michael Weinrich bezeichnete das Ziel der Ökumene als ein „nach wir vor schwieriges Thema“. Er plädierte für einen dynamischen Einheitsbegriff im Sinne der „versöhnten Verschiedenheit“, den er als ein „urchristliches, tragfähiges ökumenisches Modell“ bezeichnete. Die evangelische Theologin Elisabeth Krause-Vilmar stellte die „Ökumene der Sendung“ vor. Sie stelle sich der Frage, was die Kirchen angesichts des zu erwartenden „säkularen Tsunamis“ gemeinsam für die Menschen tun können.
ZdK-Präsident Sternberg würdigte Kardinal Lehmann

Vor Beginn des Podiumsgespräches hatte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Professor Dr. Thomas Sternberg, Kardinal Lehmann anlässlich seines 80. Geburtstages am 16. Mai gewürdigt. Lehmann sei ein „Ökumeniker mit langem Atem“, ein „glaubwürdiger Zeuge der Frohen Botschaft“ sowie ein „hohes Amtsträger, der nahe bei den Menschen geblieben ist“. Auch die Katholische Kirche habe „ihre 68er“ gehabt: „Und Sie gehörten zu den besten 68ern, die wir hatten“, sagte Sternberg. Das ZdK habe ihm „vieles zu verdanken“: „Bleiben Sie uns kritisch gewogen - so wie bislang.“ Die über 250 Teilnehmer des Podiumsgesprächs dankten Lehmann mit minutenlangem stehendem Applaus.
Gespräch mit Lehmann über die Geschichte der Katholikentage

Am Freitagabend, 27. Mai, nahm Lehmann zudem im Gemeindesaal der Propsteikirche St. Trinitatis an einem Gesprächsabend zum Thema „Katholikentage – Orte des Aufbruchs?“ teil. Der Kardinal nannte die Katholikentage wichtige und anregende Treffen, sie gehörten zur „spezifischen Geschichte der Kirche in unserem Land“, sie seien „ein Wert an sich“. „Ich kann mir die Geschichte unserer Kirche in Deutschland ohne die Katholikentage gar nicht denken“, sagte er. Hier seien „heiße Eisen“ wirklich diskutiert worden, oft genug hätten Katholikentage für Kirche und Theologie den Anreiz gegeben, sich mit bestimmten Themen näher zu beschäftigen. Lehmann erinnerte in diesem Zusammenhang an den Katholikentag in Essen 1968. Hier habe sich „Unmut und Enttäuschung Luft gemacht“ – eine Konsequenz sei aber die Würzburger Synode gewesen. Man könne es gar nicht hoch genug würdigen, dass die Katholikentage regelmäßig stattfinden: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Beispielsweise habe es während der NS-Zeit bis zum Jahr 1948 keine Katholikentage gegeben.

Lehmann, der in diesem Jahr zum 50. Mal an einem Katholikentag teilnahm, sprach an dem Abend gemeinsam mit Professorin Barbara Krause, Mitglied des ZdK, die die erkrankte Schriftstellerin Ulla Hahn vertrat. Auch in Zukunft müssten die Katholikentage „tragende Antworten für die Fragen der Menschen“, geben, sagte Krause unter anderem: „Was sind die Zeichen der Zeit und was ist unsere Aufgabe?“

http://pressestelle.bistummainz.de/detail/das-erreichte-nicht-vergessen/a2a96e26-c1e0-4855-8d6b-348eb4d77f73?mode=detail
German Malu Dreyer und Julia Klöckner würdigen Kardinal Karl Lehmann zum 80. Geburtstag
May 21, 2016
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat Kardinal Karl Lehmann anlässlich seines 80. Geburtstags als Brückenbauer und Vorbild gewürdigt.

"Seit mehr als fünf Jahrzehnten setzt Karl Kardinal Lehmann Impulse für die Gestaltung der katholischen Kirche in unserer Gesellschaft, gibt entscheidende Denkanstöße und treibt Reformen voran", erklärte die Katholikin Dreyer in Mainz. Das Wohl der Menschen sei Mittelpunkt und Antrieb seines Handelns. Sie nannte Lehmanns Einsatz für die Ökumene unermüdlich. "Er wird uns als Bischof von Mainz fehlen."

Die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner lobte Lehmann in einem Brief. "Sie sind ein moderner Mann der Kirche, der in grundlegenden Fragen wie Schwangerschaftskonfliktberatung, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder beim Thema Priestermangel - ich denke da an viri probati - Mut bewiesen hat, eigene Lösungsangebote zu formulieren", schrieb Klöckner, die auch Mitglied im Zentralrat der Katholiken ist. Viri probati sind verheiratete Männer, die bei entsprechender Eignung zum Diakon geweiht werden. Der scheidende Mainzer Bischof Lehmann wird an diesem Montag 80 Jahre alt.

http://www.wetter.de/cms/malu-dreyer-und-julia-kloeckner-wuerdigen-kardinal-karl-lehmann-zum-80-geburtstag-2894419.html
German Aktuelle Stunde zu Bischof Kardinal Lehmann – GRÜNE würdigen den Einsatz des Brückenbauers und Reformers Bischof Karl Kardinal Lehmann für die Kirche und die Menschen
May 21, 2016
Die GRÜNEN im Landtag würdigen den Einsatz des langjährigen Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann, der mit Erreichen seines 80. Geburtstags am vergangenen Montag von Papst Franziskus auf eigenes Bitten in den Ruhestand entlassen wurde.

(BPP) „In den vergangenen 33 Jahren hat Bischof Lehmann als Oberhirte der Diözese Mainz das Christentum prägnant und nachdrücklich nach innen wie auch nach außen vertreten“, erklärt Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, aus Anlass einer Aktuellen Stunde im Hessischen Landtag. „Er hat auch als langjähriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz den öffentlichen Diskurs häufig mit geprägt, indem er in kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Debatten klar Stellung bezogen hat. Seinem Einsatz für die Ökumene und für das interreligiöse Miteinander gebührt große Anerkennung. Man muss nicht gläubig oder katholisch sein und man muss bei Leibe nicht mit allem Einverstanden sein, was die Kirche tut oder vertritt, aber unbestritten hat gerade Kardinal Lehmann vielen Menschen und der katholischen Kirche Orientierung gegeben.“

Die GRÜNEN heben besonders den Einsatz des Bischofs für die Menschen hervor: „Bischof Lehmann hat viel bewegt, sei es für wiederverheiratete Geschiedene, für die Schwangerenkonfliktberatung, für mehr Einfluss von Frauen in der katholischen Kirche, für Toleranz gegenüber Homosexuellen, für einen guten Umgang mit Flüchtlingen und in vielen weiteren Bereichen“, so Wagner weiter. „Er gilt zu Recht als Brückenbauer und Reformer, der für einen offenen, zugewandten und modernen Katholizismus steht.“

Wagner wünscht dem Domkapitel eine glückliche Hand bei der Auswahl eines Nachfolgers. „Bischof Lehmann tritt nach einem dem Glauben, der Kirche und den Menschen gewidmeten Arbeitsleben und Wirken in den wohl verdienten Ruhestand. Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit und würden uns freuen, wenn er weiter seine Stimme erhebt, wenn es um die Kirche, unsere Gesellschaft und Mitmenschlichkeit geht.“

Quelle: gruene-hessen.de/landtag

http://www.bundespresseportal.de/hessen/10-hessen/aktuelle-stunde-zu-bischof-kardinal-lehmann-gruene-wuerdigen-den-einsatz-des-brueckenbauers-und-reformers-bischof-karl-kardinal-lehmann-fuer-die-kirche-und-die-menschen.html
German „Heute denke ich, ich war ziemlich frech“
May 21, 2016
Kardinal Karl Lehmann im Interview.

08.05.16

Herr Kardinal, das Gehen fällt Ihnen nach mehreren Knie-Operationen und einer Entzündung am Zeh sichtlich schwer. Wie ist es mit dem Weggehen nach mehr als 30 Jahren als Bischof von Mainz?

Ich kann mich mit dem Rollator einigermaßen gut überall hin bewegen. Im Dom spare ich mir bisweilen das Treppensteigen zum Altar. Aber ich freue mich jetzt darauf, dass allerhand Amtsvorgänge entfallen und ich mir Samstage und Sonntage freier einteilen kann.

Wer Sie so an Ihrem Krückstock sieht, für den bekommt die bischöfliche Insignie des Hirtenstabs noch einmal eine ganz eigene Bedeutung.

Manchmal ist es für den Bischof gut, wenn er eine Stütze hat. (lacht) Die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester, die mich bis in die jüngste Zeit erreichen, erschüttern mich jedes Mal aufs Neue, auch wenn sie sehr lange zurückliegen und ich manchmal den Eindruck habe, es gehe den Opfern heute nicht zuletzt um die Entschädigung. Kraft kostet es mich auch, wenn ich mich mit eigenwilligen und unbelehrbaren Priestern herumärgern muss, egal ob sie extrem rechts oder auch links stehen.
„Dieses Amt nicht überschätzen“

Mit Eigenwilligkeit ist Ihr Schüler Gerhard Müller bis zum Präfekten der Glaubenskongregation und damit zum dritten Mann im Vatikan aufgestiegen.

Wie es heute immer auch stehen mag, jedenfalls war er früher nicht so. Ich habe in meinen Akten nachgesehen: Ich habe Gerhard Müller 13 Jahre lang theologisch betreut, vom theologischen Diplom bis zur Habilitation. Da war er sehr gelehrig und konnte gut mit Kritik umgehen. Er hat tadellose Arbeiten geschrieben. Später hat er sich verändert. Ich will dies aber gar nicht beurteilen. Jeder Schüler muss seinen eigenen Weg gehen.

Ist das, was Sie beschreiben, nicht typisch für die letzten 30 Jahre Kirchengeschichte in Deutschland – Sie sind der, der mit allem und allen zu tun hatte?

So pessimistisch bin ich nicht. Als Bischof und Vorsitzender sieht man mehr. Aber man darf dieses Amt auch nicht überschätzen. Als Vorsitzender der Bischofskonferenz habe ich auch gemerkt, dass das Amt selbst weniger hergibt, als es scheint. Ein größeres Gewicht bekommt es etwa durch die Erwartungen und Anforderungen der Medien. Man muss rasch reagieren. Der Vorsitzende kann jedoch nicht jede Stellungnahme vorab im Kreis aller 27 Bischöfe erörtern. So bekommt sein Wort fast von selbst eine eigene Autorität. Ich hatte außerdem das Glück, dass mir die Mitbrüder selten dazwischen gegrätscht sind. Da kamen mir bestimmt meine genaueren Kenntnisse des deutschen Katholizismus und meine Herkunft als Theologe zu Hilfe.

Bischof „mit möglichst größter Offenheit“

Was reizte den theologischen Lehrer Lehmann, Bischof zu werden?

Ich weiß nicht, ob ich das Bischofsamt angenommen hätte, wenn ich nicht das Vorbild des Münchner Kardinals Julius Döpfner vor Augen gehabt hätte. Von ihm habe ich gelernt, wie Bischof geht. Andere kommen hinzu wie mein Vorgänger in Mainz, Kardinal Hermann Volk.

Und wie geht Bischof?

Mit möglichst großer Offenheit. Das schließt einen festen Standort nicht aus. Der verdankt sich aber einer inneren Vertiefung, wie bei einem gut verwurzelten Baum, der seine Äste oben umso weiter ausbreiten kann. An Döpfner hat mir auch die Entschiedenheit imponiert, die eigene Position zu vertreten. Er hat mir einmal erzählt, dass Papst Paul VI. von ihm verlangt habe, die „Königsteiner Erklärung“ der deutschen Bischöfe zur Gewissensfreiheit in der Frage der Empfängnisverhütung zurückzunehmen. Döpfner sagte zu ihm: „Das können wir nicht. Das ist eine Frage unseres pastoralen Gewissens.“ – „Akzeptieren Sie denn auch meine Gewissensentscheidung als Papst?“, gab Paul VI. zurück. Döpfner bejahte. Da erwiderte der Papst: „Dann müssen wir wohl damit leben.“ Es war wenige Wochen vor Döpfners Tod. Ich habe großen Respekt davor, wie beide Konflikte austrugen.

Im entscheidenden Moment zog der Papst nicht die Hierarchiekarte.

Mir hat das sehr geholfen, als ich 1987 als neuer Vorsitzender bei Papst Johannes Paul II. saß und er mit der gleichen Forderung kam: Die „Königsteiner Erklärung“ müsse weg. Da habe ich ihm gesagt: „Heiliger Vater, Sie haben das meinem Vorgänger zehn Jahre lang nicht abverlangt. Dann verlangen Sie es jetzt bitte nicht sofort von mir.“ Heute denke ich, das war ziemlich frech. Wahrscheinlich hat er auch gemerkt, dass die heiklen, intimen Fragen der Sexualmoral nicht allein über Vorschriften und Verbote zu regeln sind. Ich habe ihm ja selbst ein Gutachten gemacht. Er ist gewiss nachdenklich geworden.
„Habe mir immer ein Stück Offenheit zu bewahren versucht“

Wieder ein Jahrzehnt später hat er Sie zum Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung gezwungen. Der bitterste Moment Ihrer Laufbahn?

Mir war immer klar, dass die deutsche Rechtsfigur – Abtreibung ist strafbar, wird aber nach vorausgegangener Beratung nicht bestraft – schwer zu vermitteln ist. Nicht nur in Rom wurde das als Trickserei im Umgang mit dem ungeborenen Leben bewertet. Und mit allem, was nach Finte roch, tat sich der in ethischen Fragen so geradlinige Papst ausgesprochen schwer. Das wusste ich, und ich wusste auch, dass er es ist, der am Ende entscheidet. Unserer Beziehung hat der Dissens offenbar nicht geschadet. Ein Intimus des Papstes hat mir aus erster Hand berichtet, dass meine Ernennung zum Kardinal 2001 auf eine ausdrückliche und bewusste Intervention Johannes Pauls zurückging – und das nach all den Querelen. Ich kann ihn heute gut als Heiligen verehren.

Damals hatten Sie das Nachsehen.

Ja, und das war eine Enttäuschung und eine Niederlage. Aber ich habe mir in allen Kämpfen immer ein Stück Offenheit zu bewahren versucht, wenn ich wusste, dass die Dinge am Ende nicht in meiner Hand liegen. Das mindert am Ende die Bitterkeit. Ich denke auch an bestimmte Bischofsbesetzungen, für die in Rom an allerhand Strippen gezogen worden war und die sich gelegentlich für die Kirche nicht nur in unserem Land als mehr oder weniger unglücklich erwiesen haben. Bevor Sie fragen: Ich nenne keine Namen! Aber es war mitunter schon skandalös, wie mit den Meinungsbildungen und Bedürfnissen der Ortskirchen umgegangen wurde.

Sie verlassen das Schiff der Kirche in einer stürmischen Phase. Noch stimmen die Kirchensteuer-Einnahmen. Aber im kirchlichen Leben ist so viel Schwund und Abbruch, dass der Neffe von Kardinal Frings, ein Priester des Bistums Münster, seine Gemeinde verlassen hat und ins Kloster gegangen ist.

Der bloße Blick auf die Statistiken verführt zu einem Negativ-Bild des Niedergangs. In der Wirklichkeit der Gemeinden nehme ich demgegenüber viel Lebendigkeit und sogar Aufbruchstimmung wahr. Aber es kann sein, dass das Bischofsamt die Wahrnehmung prägt, während die Pfarrer und die Gläubigen im Alltag manche Frustration aushalten müssen. Tatsächlich gibt es ja auch in meinem Dienst Dinge, die mir auf der Seele lasten. So hat sich in den 30 Jahren, in denen ich Bischof bin, der Kirchenbesuch von 19 auf neun Prozent mehr als halbiert.

„Wir müssen als Kirche ein neues Verhältnis zu uns selbst gewinnen“

Geht das so weiter, macht Ihr Nachfolger in 30 Jahren das Licht aus.

Nein! Das sind ja keine linearen Prozesse, die rechnerisch bei Null enden. Wir müssen aber als Kirche ein neues Verhältnis zu uns selbst gewinnen: Auch als Minderheit kann man etwas bedeuten und etwas erreichen. Gutes Einvernehmen ergibt sich oft genug aus dem einvernehmlichen Tun. Wenn ich nur daran denke, was wir in den Kirchen derzeit für die Flüchtlingshilfe tun. Das wird von der Politik dankbar gesehen und anerkannt. Und das hilft uns in kritischen Momenten, wenn es zum Beispiel darum geht, aus humanitären Gründen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber zu verhindern.

Mit vielen innerkirchlichen Reizthemen haben Sie sich fast zeitlebens beschäftigt – auch mit Ehe und Familie oder der katholischen Sexualmoral. Ist das Pontifikat von Papst Franziskus für Sie eine Art Ernte dessen, was Sie an Samen der Reform zu säen versucht haben?

Wenn ich das öffentliche Echo auf das Papstschreiben „Amoris laetitia“ schaue, stelle ich ein ganz schnelles Abflauen des Interesses fest. Umso mehr müssen sich jetzt die Theologen an den Universitäten und die Fachpublikationen des Textes annehmen. Sonst bleibt er ein Schlag ins Wasser. Dass der Papst selbst behauptet, ihm gehe es mehr um die Pastoral als um Dogmatik, dispensiert die Theologie nicht vom Weiterdenken. Der Papst verlangt dies immer wieder.

Kardinal Müller sagt, Franziskus sei Seelsorger, kein Theologe.

Diesen Gegensatz, das kann man gerade beim Papst nicht machen! Jede verantwortungsvolle Seelsorge muss theologisch legitimiert sein. Gerade die Äußerungen des Papstes fußen auf einem Fundament theologischer Prinzipien. Nur dass er damit nicht ständig hausieren geht. Er geht mit der Berufung auf das Lehramt behutsam, aber durchaus selbstbewusst um.
Durch Franziskus „ein neuer Geist der Freiheit eingezogen“

Tut Franziskus der Kirche gut?

Der Papst greift Themen auf, die seit langem einer positiven Zuwendung bedurften. Ich denke insbesondere an sein Bekenntnis zur synodalen Verfassung der Kirche. Darüber bin ich ausgesprochen froh. In die Kirche ist durch ihn ein neuer Geist der Freiheit eingezogen. Ich habe es auf Synoden dreimal erlebt, dass eine Debatte über in Ehe und Familie bewährte Verheiratete als Priester, die „viri probati“, durch ein Verbot von oben unterbunden wurde. Heute sagt der Papst, „eine Synode ist frei, oder sie ist keine Synode“. Was für eine Veränderung! Hoffentlich lebt er lange genug, um noch zentrale Personalentscheidungen treffen zu können. Das Neue braucht neue Leute.

Der Papst ist nur ein halbes Jahr jünger als Sie.

Das habe ich ihm auch geantwortet, als er mich am Ende eines Gesprächs im November umarmt und gesagt hat, „Sie haben nur einen Fehler: Sie sind zu alt.“ (lacht)

Was haben Sie selbst jetzt vor?

Ausruhen, meine riesigen Akten aus mehr als 30 Jahren in Amtliches und Privates ordnen, vielleicht auch ein Buch schreiben, auf jeden Fall viel nachdenken und beten. Es reizt mich, einmal die 40-jährige Debatte über die wiederverheirateten Geschiedenen aufzuarbeiten. Mit all den Details, die keiner kennt und keiner kennen kann. Vieles wurde damals nur mündlich erörtert. Selbst in Rom sagten mir maßgebliche Leute schon in den 1970er Jahren: „Wir wissen doch, dass sich in unserer Praxis etwas ändern muss. Und es soll doch keiner sagen, dass wir nichts ändern könnten. Wir müssen es nur wollen“. Der Papst hat uns jetzt mit „Amoris laetitia“ eine große Aufgabe gestellt: seriös umsetzen!

Thomas von Aquin hat zum Ende seines Lebens gesagt, sein ganzes theologisches Werk sei nur Stroh. An dem Punkt sind Sie offenkundig nicht.

Ich zitiere dies oft, weil alles unzulänglich ist, was der Mensch über Gott sagt. Aber erstens bin ich kein Heiliger und zweitens ist Thomas von Aquin seine Erkenntnis in einer Vision Gottes zuteilgeworden. Ich habe noch keine solche Vision gehabt. Ich begnüge mich mit der Einsicht, was sogar dem „Großen Lehrer“ Thomas widerfahren ist. Um wie viel mehr schaffen wir immer nur Fragmente!?

http://www.ksta.de/politik/kardinal-karl-lehmann-im-interview--heute-denke-ich--ich-war-ziemlich-frech--24015754
German Kardinal Karl Lehmann im Interview über den Abschied, Kirchen in Osteuropa und Zölibat
May 06, 2016
Kardinal Karl Lehmann nimmt zum 80. Geburtstag am 16. Mai Abschied vom Amt des Mainzer Bischofs. Im Interview mit dieser Zeitung formuliert er Erwartungen an einen Nachfolger, kritisiert Politiker und Kirchen in Osteuropa und nimmt zum Thema Zölibat Stellung.

05.05.2016

MAINZ - Eminenz, wie ist Ihre Gemütslage angesichts des bevorstehenden Amtsabschieds?

Ich bin froh und zufrieden, dass ich meine Aufgaben erfüllen konnte und eine so lange Zeit durchgestanden habe. Eine große Entlastung ist es durchaus auch, Verantwortung in manchen schwierigen Bereichen nicht mehr tragen zu müssen. Ich denke da etwa an die Missbrauchsfälle in der Kirche, eine sehr bedrückende Problematik. Aber meine Solidarität gegenüber dem Bistum und seinen Menschen, die bleibt. Wehmut könnte aufkommen, weil ich manche vertrauten Menschen künftig seltener sehen werde. An Sonntagen kann ich hoffentlich eher das machen, was ich möchte, etwas mehr Ruhe haben zur Meditation und zum Gebet beispielsweise. Ich werde weiter schreiben und mich zu Wort melden, aber wohl dosiert, wenn es mir nötig erscheint. Eines werde ich aber auf keinen Fall tun: Meinem Nachfolger Ratschläge geben, wenn er sie nicht erbittet. Mein Abschied muss schon eine kräftige Zäsur sein. Ich gebe den Staffelstab wirklich weiter an einen Nachfolger.

Welche Eigenschaften muss Ihr Nachfolger haben?

Wie auch immer man Anforderungen formuliert: Es gibt keine Garantien, bei manchen Nachfolgern ist man enttäuscht, bei manchen positiv überrascht. Mein Nachfolger muss zunächst die Bereitschaft zur Offenheit besitzen gegenüber allen Menschen, auch denen außerhalb der Kirche. Dafür muss er tief und fest im Glauben verwurzelt sein, menschlich und spirituell. Und er muss einen Sinn haben für die Lebensart der Region, speziell auch in Mainz.

Wenn Sie auf die Jahrzehnte zurückblicken, insbesondere auf Ihre Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 1987 bis 2008: Welches waren die einschneidendsten Entwicklungen?

Die deutsche Einheit war ein herausragendes Ereignis. Wichtig war, zu erkennen: Die Ostdeutschen wollen zum Westen, aber nicht vereinnahmt werden. Was die Kirchen angeht: Sowohl die evangelische als auch die katholische muss bekennen, dass wir Defizite hatten und immer noch haben in der Art, auf ungetaufte Menschen in Ostdeutschland zuzugehen. Was mir ebenfalls früh zu denken gegeben hat: die Globalisierung, die in der Vergangenheit sehr oft eine globale Gleichgültigkeit war. Aber jetzt steht die Globalisierung in Form von konkreten Flüchtlingen vor unserer Tür. Und was geschieht noch mit Afrika?

Und wir alle, auch die Kirchen, haben wie damit umzugehen?

Hilfe steht an allererster Stelle. Allerdings: Die Entwicklungen, denen wir uns da gegenüber sehen, sind ambivalent. Es ist einerseits schon fatal und in meinen Augen ein Stück Tragik, wie wir jetzt Herrn Erdogan unterstützen müssen. Andererseits kommt es mir wie ein Wunder vor, wie groß die Hilfsbereitschaft in unseren kirchlichen Gemeinden ist. Das zeigt in meinen Augen auch, dass Christlichkeit und Humanität tiefer verwurzelt sind, als viele befürchten, freilich oft verborgen. Ich habe von Leuten gehört, die sagen: „Ich bin zwar aus der Kirche ausgetreten, aber wenn ihr jetzt – etwa unbegleiteten Kindern und Jugendlichen – so helft, habt ihr mich wieder.“

Der Islam und die christliche Gesellschaft – da gibt es offenbar wechselseitig Ängste und Misstrauen.

Wir sind eine offene Gesellschaft, in der es natürlich Regeln im Umgang miteinander geben muss. Möglicherweise haben wir die Herausforderung unterschätzt, vor allem die Tatsache, dass so viele Menschen mit einem vielgestaltigen Islam kommen würden. Sie sind oft grundverschieden und bekämpfen sich sogar. Sie dürfen sich auch durchaus eine gewisse Fremdheit bewahren, das muss unsere Toleranz aushalten, man darf an Integration nicht zu hohe Erwartungen stellen. Ich fürchte allerdings, dass wir insgesamt mit dieser Fremdheit noch nicht so richtig umgehen können. Die Bibel lehrt uns: Du sollst den Fremden lieben wie Dich selbst. Das ist eine elementare Aufgabe für Juden und Christen. Umso fataler ist es, geradezu unerträglich, wenn die AfD proklamiert, der Islam sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Hier sind – mit oder ohne AfD – noch viele Klärungen nötig.

Könnte das Flüchtlingsthema das Ende der EU bedeuten?

Man muss zwar in Rechnung stellen, dass Menschen, die früher hinter dem Eisernen Vorhang gelebt haben, nicht so viele Gelegenheiten hatten zu lernen, wie man mit Fremdem umgehen sollte. Aber: Solidarität und Freiheit, das ist die europäische Idee, von der gerade meine Generation nach dem Krieg fasziniert war. Deshalb ist es zutiefst enttäuschend, welches Maß an Unverständnis, ja Intoleranz sich vor allem im Osten der EU beim Flüchtlingsthema zeigt. Man sieht daran, dass die Aufnahme einiger Staaten doch zu schnell vor sich ging. Ich selbst habe vor einiger Zeit zum Beispiel mit Rumänen gesprochen, die sagten: „Unser Land ist noch nicht so weit, die EU müsste mehr verlangen, man bekommt in Rumänien fast nichts ohne Korruption. Auch hat der ehemalige Geheimdienst noch eine große Macht. Wir sind nicht reif.“

Wie groß ist die Intoleranz der Kirchen in der EU?

Es schmerzt mich sehr, dass ein Teil der Kirchen in Osteuropa genau so nationalistisch denkt wie manche Politiker dort. Was ich zum Beispiel in der katholischen Kirche Polens sehe, ist ein ganz trauriges Kapitel. Echte Demokratie ist offenbar schwer zu erlernen, auch wenn man im Einzelnen dabei schon öfter Vorbildliches geleistet hat.

Der Papst scheint absolut gewillt, beim Flüchtlingsthema Zeichen zu setzen. Von seinem Besuch auf Lesbos hat er drei muslimische Familien, insgesamt zwölf Personen, mit zurück nach Rom genommen. Eine gut kalkulierte kirchenpolitische Aktion?

Vielleicht auch, aber ich vermute eher eine spontane Geste der Humanität, die ich sehr gut finde. Alle Familien waren wohl Muslime mit zahlreichen Kindern.

Wie lautet insgesamt Ihr Urteil über den Papst, der Barmherzigkeit predigt, von dem man aber immer noch nicht weiß, ob er im Vatikan nicht von erzkonservativen Kräften ausgebremst wird?

Ein Papst wird nicht ausgebremst. Wenn er deutlich sagt, was er will, dann gibt es nicht viel Widerstand. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was Papst Franziskus tut und sagt. Dieser Papst lässt alle Diskussionen zu und wagt neue Ansätze. Aber wir dürfen dabei nicht Zuschauer bleiben. Er braucht uns. Der Papst macht nicht alles alleine.

Sein Dokument zur Familienpolitik vom März hat viel Kritik erfahren. Bei der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Eucharistie überlässt er die Entscheidung dem jeweiligen Seelsorger.

Das ist eine falsche Sichtweise. Gerade mit diesem Dokument, nur fünf Monate nach der Synode, hat er deutlich seine Handschrift durchgesetzt. Das heißt: Entscheidend ist für den Papst nicht der Seelsorger allein, sondern zuerst der Betroffene selbst, der sein Gewissen objektiv prüfen und damit entscheiden soll, um eventuell wieder zur Eucharistie gehen zu können. Dies kann auch durch ein Gespräch mit einem Seelsorger und geistlichen Berater noch vertieft werden.

Die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen brennt vielen Betroffenen auf den Nägeln.

Ja, die Not ist groß in dieser und anderen Fragen, das kann die Kirche nicht liegen lassen. Es gibt dafür aber keine Patentrezepte. Was der Papst uns aufzeigt und zu bedenken gibt, das muss zuerst alles in die Köpfe von Kirchenleuten und Betroffenen hinein. Das Wichtigste dabei: Kämpfen, nicht aufgeben, man darf sich durch Rückschläge nicht verdrießen lassen. Es gibt hier keine billigen Lösungen, wie man oft denkt. Das Wichtigste ist zunächst, die Menschen zu begleiten, die Situationen zu unterscheiden und den Betroffenen in der Kirche wieder eine Heimat zu geben.

Das gilt nicht zuletzt auch für die Ökumene?

Da ist viel erreicht, trotzdem gibt es im Augenblick viel Müdigkeit und Desinteresse. Manchmal frage ich mich auch: Habe ich selbst zu wenig Feuer? Aber schließlich gilt für viele, die sich jahrzehntelang um die Ökumene bemüht haben, vielleicht auch das, was Mose auf der Suche nach dem gelobten Land von Gott hörte: „Du selbst wirst nicht hineingehen.“ Ich bin zuversichtlich, dass das Jahr 2017, in dem die Evangelische Kirche den 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg begeht, neue Anstöße gibt. Aber auch 2017 kann bestenfalls eine wichtige Etappe werden. Wir geben jedoch das Ziel nicht auf.

Die katholische Kirche klagt über Priestermangel, der bewirkt, dass kleinere Gemeinden zu wenigen großen Gemeinden zusammengelegt werden. Der Weg der Zukunft?

Ich bin damit sehr unzufrieden, obwohl das Bistum Mainz noch nicht so schlimm betroffen ist. Aber wir werden nicht verschont. Ich frage manchmal andere Diözesan-Verantwortliche nach ihren Erfahrungen, wenn aus mehreren kleinen Gemeinden eine große wird. Aber wenn ich dann höre, dies gehe alles in Ordnung, kann ich das nicht so recht glauben. Hier fehlt eben doch wohl die wichtige konkrete Erfahrung von Gemeindeleben vor Ort! Deshalb bin ich skeptisch gegenüber solchen großen Strukturentscheidungen, ehe man nicht alle Folgen bedacht hat.

Aber wenn es doch zu wenige Priester gibt? Sind wir da nicht sofort bei der Forderung, den Zölibat abzuschaffen?

So einfach ist das nicht, das ist ein sehr sensibles Thema. Zunächst: Es ist keine gute Situation, dass wir viele Priester aus anderen Ländern zu uns holen müssen. Das kann auch in einer Weltkirche nicht die Lösung sein. Anfang der 1970er Jahre haben der spätere Kurienkardinal Walter Kasper, der spätere Papst Joseph Ratzinger, Karl Rahner und ich mit anderen den Bischöfen einen Vorschlag unterbreitet, ein Memorandum mit der Absicht einer möglichst vorurteilsfreien Überprüfung des Zölibats auf höchster kirchlicher Ebene. Wir haben nicht gefordert, den Zölibat abzuschaffen, wir haben gesagt: Man muss sich der Frage stellen. Aber es gab seinerzeit fast keine Resonanz. Meist wird die Frage auch zu kurzschlüssig angegangen, als ob es nur auf den Vollzug der Sexualität ankäme.

Aber jetzt findet eine heftige Diskussion statt.

Es gibt – was wir oft vergessen – in den katholischen Ostkirchen ja verheiratete Priester, etwa in Ungarn. Man sollte sich die Erfahrungen, die die Kirche dort macht, genauer anschauen. Bei uns gibt es verheiratete „Ständige Diakone“, die – abgesehen von der Eucharistie- und Beichtvollmacht – vieles machen, was die Priester tun. Der Papst alleine wird aus vielen Gründen nicht entscheiden, dass es bei diesem Thema zu Veränderungen kommt. Aber die Bischofskonferenzen könnten Anfragen stellen. Synoden können sich genauer befassen. Bei diesem Papst ist das vorstellbar. Ich habe mich schon seit 1970 immer wieder für eine nach allen Seiten unvoreingenommene Diskussion dieser Frage („viri probati“) eingesetzt, vor allem in der Kirche selbst. Das neueste Schreiben des Papstes über Ehe und Familie zeigt, dass man für gediegene Reformen bei elementaren Lebensfragen einen langen Atem braucht: Eile mit Weile, aber auch mit heiliger Ungeduld, die zähe Geduld nicht ausschließt. Ohne diese doppelte Speerspitze gibt es in der katholischen Kirche keine wahren Reformen, die wirkliche Erneuerungen sind.

http://www.wiesbadener-kurier.de/vermischtes/vermischtes/mainz-kardinal-karl-lehmann-im-interview-ueber-den-abschied-kirchen-in-osteuropa-und-zoelibat_16867150.htm
German Mainzer Bischof: Starrköpfe an verschiedenen Stellen
May 05, 2016
Nach 33 Jahren an der Spitze des Bistums Mainz verabschiedet sich Kardinal Lehmann als Bischof - denn bald wird er 80. In seiner Kirche sieht er viele Baustellen.

04.05.2016

Der scheidende Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann setzt sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. „Leider dauert es schon zu lange, bis in Rom eine Entscheidung fällt über einen Ständigen Diakonat der Frau“, sagte der 79 Jahre alte Geistliche im dpa-Interview. „Wenn ich ehrlich bin, sehe ich für ein Priestertum der Frau in unserer Kirche keinen Weg.“ Aber man dürfe nicht nur auf diese Frage starren. Diakone haben zum Beispiel Aufgaben in Seelsorge und Gemeindearbeit, sind aber nicht dem Priester gleichgestellt. Grundsätzlich gilt in der katholischen Kirche, dass nur Männer geweiht werden können.

Der Kardinal machte sich dafür stark, dass die Deutsche Bischofskonferenz die Frage der Zulassung bewährter verheirateter Männer („viri probati“) zur Priesterweihe angeht. „Wenn wir auch so viele Priester aus Indien und Polen und aus anderen Ländern zu uns berufen, kann das genau genommen keine Lösung sein“, sagte er bei einer Pressekonferenz anlässlich seines 80. Geburtstags am 16. Mai. Deswegen sei er davon überzeugt, dass man die Frage der Weihe „noch einmal intensiver beraten muss“.
„Starrköpfe an verschiedenen Stellen“

Lehmann leitete die Deutsche Bischofskonferenz von 1987 bis 2008. In anderen, mit Rom verbundenen katholischen Kirchen gibt es bereits verheiratete Priester.

Der Bischof zeigte sich trotz des Veränderungswillens von Papst Franziskus zurückhaltend, was das Reformtempo im Vatikan angeht. „So schnell geht’s mit Reformen auch nicht“, sagte er. „Starrköpfe sitzen an verschiedenen Stellen.“

Den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ beurteilte der Kardinal kritisch: „Ich halte von dem Spruch sehr wenig, gar nichts“, sagte Lehmann. „Er scheint mir für eine konkrete Regelung des Lebens einer Gesellschaft eigentlich ziemlich unbrauchbar zu sein.“ Der Satz war vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) geprägt worden.

Lehmann zeigte sich offen für einen stärkeren Dialog mit dem Islam. „Es gibt schon gute Ansätze auch bei uns“, sagte er. „Ich denke, wir stehen auch sehr am Anfang.“ Allerdings sei es schwierig, einen kompetenten Ansprechpartner repräsentativer Größe im Islam zu finden.

Am 16. Mai wird Lehmann 80 Jahre alt. Er hat Papst Franziskus gebeten, seinen Dienst als Mainzer Bischof zu beenden. Das Bistum sieht kaum einen Zweifel, dass der Papst die Bitte erfüllen werde. Lehmann genießt in der katholischen Kirche und darüber hinaus hohes Ansehen. Sein Geburtstag wird mit einem Gottesdienst und einem Festakt gefeiert.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kardinal-lehmann-befuerwortet-diakonenamt-fuer-frauen-14216077.html
German Kardinal Lehmann: «Wir leben an einer Epochenschwelle»
Jan 17, 2016
Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat dazu aufgerufen, sich angesichts von Herausforderungen wie der Flüchtlingskrise neu auf christliche Werte einzulassen. Bei einem Neujahrsempfang für Mitarbeiter der katholichen Kirche wandte sich der Geistliche am Samstag in Mainz gegen «Sturheit und Fundamentalismus». Stattdessen gelte es, das Wagnis des Glaubens in allen Lebenslagen neu zu suchen.

Mainz (dpa/lrs) - «Wir leben vermutlich an einer Epochenschwelle», sagte Kardinal Lehmann und fügte hinzu: «Es werden Herausforderungen bleiben, die wir nicht mehr weg bekommen.» Dabei rief er zur Solidarität und Verständnis für Flüchtlinge auf, die die Not in ihren Heimatländern nicht mehr aushielten und sich auf den Weg nach Europa machten: «Sie sind da, leibhaftige Menschen wie wir, sie lassen sich nicht mehr trösten und zur Geduld ermahnen, sie brechen auf.» Es sei erschütternd, dass es die Welt in den vergangenen sechs Jahren nicht erreicht habe, in Syrien Frieden zu schaffen.

Das Christentum gehöre noch nicht zum alten Eisen, sagte der Mainzer Bischof in Anlehnung an ein Zitat des verstorbenen Pariser Erzbischofs Jean-Marie Lustiger. In der Hilfsbereitschaft für geflüchtete Menschen werde deutlich, «dass in dieser Gesellschaft an verborgener Christlichkeit mehr herrscht, als wir denken.»

http://www.allgemeine-zeitung.de/politik/rheinland-pfalz/kardinal-lehmann-wir-leben-an-einer-epochenschwelle_16556145.htm
German Lehmann sieht Welt im Umbruch
Jan 04, 2016
Deutschland und die Welt stehen nach Einschätzung des Mainzer Kardinals Karl Lehmann vielleicht an einer "Epochenschwelle". Das Jahr 2015 habe außergewöhnliche Ereignisse gebracht.

Seine Predigt für die Jahresschlussandacht am Donnerstag im 1.000-jährigen Mainzer Dom überschrieb der Kardinal mit der Frage "Epochenschwelle?" Lehmann begründete dies unter anderem mit dem Klimawandel und dem Flüchtlingsansturm. Vertreibung und Flucht habe es zwar schon von Beginn der Menschheit an gegeben. Nun seien jedoch die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer geworden.

"Jetzt spüren wir, wie die Menschen in den betroffenen Ländern sich nicht mehr einfach vertrösten lassen. Sie brechen auf und stürmen trotz aller Gefahren auf dem Meer und zu Land in Länder, die ihnen geradezu als Paradies versprochen werden", sagte der Bischof. "Wir werden an die Völkerwanderung erinnert." Er dankte den vielen haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern.

"Wir spüren immer stärker die Veränderungen unseres Klimas und des Wetters", sagte Lehmann. Gewiss habe die List der undurchschaubaren Natur ihre Hand im Spiel. Aber genauso sicher sei, dass auch etwa der CO2-Ausstoß der Menschen einen großen Teil beitrage. "Es ist keine Utopie mehr, dass manche Länder und besonders Inseln im Pazifik künftig von Wasser überdeckt sein werden", mahnte Lehmann.
Lehmann fordert Rückbesinnung Europas auf gemeinsame Werte

Um diese Herausforderungen zu meistern, brauche Europa eine Rückbesinnung auf gemeinsame Werte und geistige Grundlagen. Die Europäische Union sei derzeit tief zerrissen, die Einzelstaaten verfolgten häufig nur ökonomische Eigeninteressen, kritisierte Lehmann. "Jetzt zeigt sich, dass man weitgehend von solchen egoistischen Interessen ausgegangen ist, weniger von dem, was uns von der gemeinsamen Geschichte und dem geistigen Erbe sowie den ethisch-religiösen Werten trägt."

Exemplarisch stehe hierfür das "jämmerliche" Scheitern eines Gottesbezugs für die Präambel der europäischen Verfassungsdokumente. Selbstkritisch mahnte Lehmann, auch die Kirchen hätten zur Bewältigung dieser tiefgreifenden geistigen Krise Europas bisher nicht viel beigetragen.
Lehmann kündigt Ende seiner Bischofszeit an

Im Blick auf das neue Jahr 2016 kündigte Lehmann das Ende seiner Bischofszeit in Mainz an. Sein 80. Geburtstag am Pfingstmontag sei eine "absolute Grenze" für die Ausübung des Bischofsamts, so der Kardinal: "Bis dahin arbeite ich wie bisher gerne mit Ihnen zum Wohl und Heil der Menschen zusammen."
"Gemeinsamkeit gibt es nur im Respekt"

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann forderte in seiner Predigt von Christen "Respekt vor dem Anderssein der Anderen". Die Gesellschaft müsse lernen, "dass Einheit nicht Uniformität bedeutet und Verschiedenheit nicht bedrohlich, sondern bereichernd ist", sagte Ackermann laut vorab verbreitetem Redemanuskript bei seiner Silvesterpredigt im Trierer Dom.

Es sei nicht verwunderlich, dass unterschiedliche Kulturen und Interessenslagen aufeinanderprallten und mühsam miteinander vermittelt werden müssten, wenn die Völker näher zusammenrückten. "Eine stärkere Gemeinsamkeit gibt es nur im Respekt vor den einzelnen Völkern auch in ihrer Unterschiedlichkeit", sagte der Bischof.

Stand: 31.12.2015, 18.45 Uhr

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/jahresschlussandacht-in-mainz-lehmann-sieht-welt-im-umbruch/-/id=1682/did=16734868/nid=1682/4rkx7y/
German Mainz: Kardinal Karl Lehmanns Abschied rückt näher - seine Wohnung bleibt im Bischofshaus
Dec 17, 2015
Kardinal Karl Lehmann bleibt auch nach seiner Amtszeit als Mainzer Oberhirte im Bischofshaus wohnen. Diesen bereits vor Monaten gefassten Beschluss des Domkapitels bestätigte die Bischöfliche Pressestelle auf Anfrage dieser Zeitung am Dienstag.

Das Domkapitel habe außerdem entschieden, dass ein neuer Bischof in die einstige Wohnung von Kardinal Hermann Volk in die Domstraße 12 ziehen solle, so Sprecher Tobias Blum. Das Gebäude wird derzeit nach einem Dachstuhlbrand saniert.

Während also Lehmanns künftiger Wohnort geklärt ist, bleibt die wesentlichere Frage offen, wann genau die Mainzer Katholiken Abschied von ihrem beliebten Bischof nehmen. „Pfingstmontag, 16. Mai: 80. Geburtstag von Kardinal Karl Lehmann“ steht im Jahreskalender des Bistums. Mit Vollendung des 80. Lebensjahrs ist es auch für Kardinäle an der Zeit, ihr Bischofsamt aufzugeben. Doch ob just an Lehmanns Geburtstag auch seine Amtszeit endet, vermag das Bistum nicht zu sagen. „Nach aller Erfahrung“ sei 80 Jahre „die allgemein eingehaltene Grenze“ – insofern rücke das Ende der Amtszeit „natürlich näher“, formuliert der Bistumssprecher: „Zu gegebener Zeit werden wir die genauen Modalitäten dazu öffentlich machen.“

Festgottesdienst an Pfingstmontag

In jedem Fall wird es am Geburtstag, also Pfingstmontag, wohl um 10 Uhr, einen Festgottesdienst geben, der live von der ARD übertragen wird, anschließend gegen 12.30 Uhr einen Festakt in der Rheingoldhalle, nach AZ-Informationen von ZDF-Redakteurin Barbara Hahlweg moderiert. Der Kardinal habe sich einen Festredner gewünscht, der für das Zusammenwachsen Europas steht, war zu hören. Wer es sein wird, schien noch unklar. „Die Planungen dazu sind noch nicht abgeschlossen“, so Blum.

Dass um Lehmanns Abschied ein Geheimnis gemacht wird, könnte schlicht damit zu tun haben, dass die Frage mit Rom noch nicht abschließend geklärt ist. Kirchlichen Gepflogenheiten entsprechend, müssen Bischöfe mit 75 und Kardinäle mit 80 Jahren dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Der Papst entscheidet dann, zu welchem Datum er den Amtsverzicht annimmt. Beim einstigen Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner war dies acht Wochen nach dessen 80. Geburtstag der Fall. Lehmanns Absicht soll es gewesen sein, das Thema während des Ad-Limina-Besuchs der deutschen Bischöfe vom 16. bis 21. November bei Franziskus in Rom anzusprechen.

„Der Kardinal will in Ruhestand gehen“, betonen Vertraute. Rein theoretisch wäre es laut Kirchenrecht möglich, dass der Papst einen scheidenden Bischof bittet, die Diözese als Apostolischer Administrator bis zur Installierung des Nachfolgers zu leiten. Dies aber wäre höchst ungewöhnlich. Zu erwarten ist, dass Franziskus das Rücktrittsgesuch des gesundheitlich angegriffenen Kardinals annimmt. Dann bestimmt das Domkapitel einen Diözesanadministrator – höchstwahrscheinlich dürfte dies Dietmar Giebelmann sein, der mit Abschied des Bischofs sein Amt als Generalvikar verliert.

Zwischen Rücktritt und Neuwahl vergehen meist Monate

Der Diözesanadministrator kümmert sich vorübergehend um die Bistumsverwaltung, bis der neue Oberhirte gewählt ist. Zwischen Rücktritt und Neuwahl eines Nachfolgers vergeht in der Regel ein Dreivierteljahr. Dass Lehmanns Abschied ein schwieriges Thema selbst innerhalb des Domkapitels zu sein scheint, nährte in den letzten Tagen die Spekulation, der Bischof könnte versuchen, über den Abschied hinaus die Fäden in der Hand zu behalten.

Befördert wurden solche Mutmaßungen durch den Unmut, den anscheinend die Bestellung von Udo Bentz, Regens des Priesterseminars, zum Weihbischof bei einigen Domkapitularen auslöste: Sie sollen es unpassend gefunden haben, dass Lehmann kurz vor seinem Abschied präjudizierte, wer seinem Nachfolger als Weihbischof zur Seite gestellt ist.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/mainz-kardinal-karl-lehmanns-abschied-rueckt-naeher-seine-wohnung-bleibt-im-bischofshaus_16472229.htm
German Kardinal Lehmann über Kirchenaustritte in Mainz: Entfremdung
Aug 21, 2015
Kardinal Karl Lehmann führt den dramatischen Anstieg der Kirchenaustritte im Bistum Mainz im vergangenen Jahr vor allem auf ein "stilles Sich-Distanzieren" der Katholiken von der Kirche zurück.

05.08.2015

Anzeichen für die Entfremdung sei der Gottesdienstbesuch, der in Mainz unter die Zehn-Prozent-Marke gefallen sei, schreibt Lehmann in der jüngsten Ausgabe des Bistumsblatts "Glaube und Leben". Wer nur die gesellschaftliche Mehrheitsmeinung kenne, könne auf Dauer nicht in der Kirche bleiben. "Man braucht eine gegenläufige Erfahrung, die man fast nur im Leben mit einer Gemeinde machen kann", wirbt Bischof Lehmann.

Gesellschaftlicher Wandel

Zweifellos hätten auch die Ereignisse um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sowie der veränderte Einzug der Kapitalertragssteuer zu Kirchenaustritten geführt, räumt Lehmann ein.

Hauptgrund für die große Zahl der Austritte sei allerdings der gesellschaftliche Wandel in den vergangenen Jahrzehnten. So sei es früher verpönt gewesen, bei Zusammenkünften die Fragen nach dem Kirchenaustritt zu stellen. Derzeit sei es "manchmal geradezu chic, seine Aufgeschlossenheit und Modernität durch den Kirchenaustritt zu beweisen".

Entscheidungen achten

Lehmann plädiert aber auch für einen "ehrlichen Umgang mit dem Kirchenaustritt". Im Unterschied zu vielen Ländern der Welt könnten Menschen in Deutschland frei darüber entscheiden, ob sie einer Religion angehören wollen oder nicht. "Es gibt persönliche Entscheidungen, die wir in jedem Fall zutiefst bedauern, aber auch als freie Entscheidung achten wollen", betont der Kardinal.

Im Bistum Mainz waren im vergangenen Jahr 8.885 Katholiken aus der katholischen Kirche ausgetreten, so viele wie niemals zuvor. Ihnen standen lediglich 371 Eintritte und Wiederaufnahmen gegenüber. Da es auch deutlich mehr Todesfälle als Taufen gab, sank die Zahl der Katholiken im Bistumsgebiet auf unter 745.000. Bundesweit kehrten

2014 knapp 218.000 Menschen der katholischen Kirche den Rücken, im Jahr davor waren es knapp 179.000.

http://www.domradio.de/themen/bist%C3%BCmer/2015-08-05/kardinal-lehmann-ueber-kirchenaustritte-mainz
German Kardinal Lehmann äußert sich zur Homo-Ehe
Jun 03, 2015
In der Debatte im Umgang der katholischen Kirche mit homosexuellen Lebenspartnerschaften hat sich jetzt auch der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (von 1987 bis 2008), Karl Kardinal Lehmann, mit einem Kommentar zu Wort gemeldet.

In der Juni-Ausgabe der Mainzer Kirchenzeitung betont der 79-jährige Mainzer Bischof vor allem im zweiten Teil seines Beitrags, dass dieses Thema sowohl für die katholische als auch für die evangelische Kirche von erheblicher Brisanz sei – gleichwohl sich beide christlichen Kirchen im Eheverständnis grundlegend voneinander unterscheiden.

Gut gerüstet seien beide Kirchen für angemessene Antworten auf die drängenden Fragen aber nicht, so der Bischof. Für die Beratungen auf der Ordentlichen Bischofssynode im Herbst erwartet Lehmann, dass es hoch hergehen werde. Lösungsansätze scheinen indes noch in weiter Ferne zu liegen.
Zum Streit um die "Homo-Ehe"

Von Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz

Ein ökumenischer Blick nach vorne

Die Aufmerksamkeit zur Meinungsbildung über die Homo-Ehe, wie sie im irischen Votum erfolgt ist, hat in einem ungewöhnlichen Ausmaß auch Deutschland getroffen. Dies ist ganz erstaunlich, wenn man bei uns dem eher "erzkatholisch" beurteilten, kleinen Irland geradezu nacheifert. Ein Blick in die Medien und besonders die Nachrichtenwelt hat deutlich gemacht, wie stark das Netzwerk ist, das sich neue Anstöße zu einer weiteren Gleichstellung der Homo-Ehe auch bei uns verspricht.

Sowohl der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, als auch die Botschafterin des Reformationsjubiläums, Margot Käßmann, haben diese Anstöße aufgenommen. Zugleich wurde in Sachsen ein neuer Landesbischof gewählt, Carsten Rentzig, der nie einen Hehl machte aus seiner kritischen Haltung zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Damit deuten sich bereits erhebliche Spannungen an.

Auch für die katholische Kirche ist es spätestens seit der umfangreichen Synodenumfrage 2013/14 offenkundig, dass man sich der Thematik der Homosexualität im Ganzen neu stellen muss. Schrille Töne der letzten Tage dürfen nicht darüber hinwegsehen lassen, wie kontrovers auch auf katholischer Seite über das Problem gestritten wird. Dies zeigt auch die kontrovers aufgenommene Erklärung der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im Monat Mai. Bei allen Stellungnahmen vermisst man bisher ein ruhiges, differenziertes Eingehen auf die Sache (vgl. jedoch die sehr besonnenen Worte im "Katechismus der katholischen Kirche", Nr. 2357-2359; Katholischer Erwachsenenkatechismus II, 385-387).

Die Angelegenheit wird uns ganz gewiss in den kommenden Monaten, nicht nur auf der Ordentlichen Bischofssynode im Herbst dieses Jahres, intensiv beschäftigen. Dabei handelt es sich nicht um etwas ferne bleibende theologische Fachfragen, sondern um das tägliche Leben aller Christen. Wieviel Zündstoff hier entstehen kann, zeigte die Orientierungshilfe des Rates der EKD über die Familien "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit" aus dem Jahr 2013. Bei den Beratungen der Bischofssynode im Herbst 2015 wird es um diese und andere Dinge aus dem Bereich der Sexualität nicht weniger hoch hergehen. Es wird wichtig sein, dass die Kirchen in unserem Land auch miteinander beraten und sprechen, soweit dies nur möglich ist.

Wir sind dafür nicht besonders gut gerüstet. Die Ehe spielte in den ökumenischen Gesprächen der letzten Jahrzehnte, wenigstens in unserem Land (aber nicht nur bei uns!), eine verhältnismäßig geringe Rolle. Das Gespräch wird deshalb umso dringlicher. Es muss jedoch erheblich an Tiefe gewinnen. Es ist z.B. erschreckend, was alles aus dem verkürzten Luther-Zitat, die Ehe sei ein "weltlich Ding", herausgelesen und für heute abgeleitet wird.

Auch wenn wir nicht so viele gemeinsame Aussagen zu Ehe und Familie haben, lässt sich doch früher Erarbeitetes leicht verspielen, einfach weil es auch kaum mehr bekannt ist. Ich nenne als Beispiele eine Gemeinsame Erklärung vom 15.10.1981, unterzeichnet von den damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD, Josef Kardinal Höffner und Landesbischof Eduard Lohse, mit dem Titel "Ja zur Ehe". Im Zusammenhang der Aufarbeitung der Frage, ob die Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts den heutigen Partner.

(Quelle: Der Beitrag erschien erstmals in der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben", Juni 2015)

http://www.rp-online.de/panorama/kardinal-lehmann-aeussert-sich-zur-homo-ehe-aid-1.5134994
German Im Gespräch mit Bischöfen
Dec 06, 2014
„Die katholische Kirche und die Landesregierung arbeiten auf vielen Ebenen und an vielen Stellen eng und vertrauensvoll zusammen“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach einem Gespräch des Ministerrats mit den katholischen Bischöfen am Donnerstag.

Das gemeinsame Ziel sei es, dass die Menschen im Land ein gutes und erfülltes Leben führen könnten. Minsiterpräsidentin Malu Dreyer dankte der katholischen Kirchef für diese partnerschaftliche Zusammenarbeit: "Ich freue mich darauf, diese Zusammenarbeit fortzusetzen“, so die Ministerpräsidentin.

Auch der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, dankte der Landesregierung für die gute Zusammenarbeit und hob die Bedeutung der regelmäßigen Treffen zwischen Landesregierung und katholischer Kirche hervor. „Sie erleichtern den Dialog im Alltag und helfen, bei vielleicht strittigen Fragen zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen“, sagte er.
Ein thematischer Schwerpunkt des Treffens war die aktuelle Flüchtlingssituation in Rheinland-Pfalz. „Wir sind uns mit den katholischen Bischöfen einig, dass wir den Menschen Zuflucht, Arbeit und eine neue Perspektive für ihr Leben geben müssen. Dabei sind wir der Caritas und allen kirchlichen Stellen für ihre Arbeit in den Kommunen und Kreisen sehr dankbar, die sich um die alltäglichen, aber auch die psychischen Probleme der Flüchtlinge kümmern und sorgen“, so die Ministerpräsidentin. „Die Bevölkerung lebt die Solidarität mit den vielen Flüchtlingen in unserem Land vorbildlich. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit sollten wir ihnen die Unterstützung zukommen lassen, die sie bitter nötig haben.“

Der Trierer Bischof, Dr. Stephan Ackermann, betonte, dass die rheinland-pfälzischen Diözesen, ihre Caritasverbände sowie viele Kirchengemeinden sehr intensiv in der Flüchtlingsthematik engagiert seien. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf das hohe Engagement vieler Ehrenamtlicher hin. Mit der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz in Trier sei das Bistum Trier besonders gefordert. „Es ist nicht nur wichtig, eine Willkommenskultur zu schaffen, sondern auch dafür zu sorgen, dass diese Willkommenskultur über eine längere Zeit erhalten bleibt“, sagte er. Pfarrer Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators im Bistum Limburg, regte in diesem Zusammenhang die Bildung von „Runden Tischen“ vor Ort an. Der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, bat darum, nicht zu hohe bürokratische Hürden bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu errichten.

Gemeinsam werden sich Landesregierung und katholische Kirche auch im nächsten Jahr den Chancen widmen, die der demografische Wandel bietet. Dazu hat sich das Katholische Büro Mainz der Gemeinsamen Erklärung auf dem Demografiekongress der Landesregierung im November angeschlossen. Die Kirche sei eine wichtige Partnerin der Landesregierung bei der Gestaltung des demografischen Wandels, zum Beispiel bei Seniorenangeboten, Erwachsenenbildung oder Nachbarschaftshilfen, bei Familienunterstützung, Integration oder Flüchtlingsbetreuung, betonte die Ministerpräsidentin.

Als Teil der Gesellschaft sei auch die Kirche durch den demografischen Wandel angefragt und stelle sich dieser Aufgabe, sagte der Speyrer Bischof, Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Die Kirche begleite Menschen durch alle Lebensphasen: So betrieben die rheinland-pfälzischen Diözesen rund 700 Kindertagesstätten und 75 katholische Schulen unterschiedlicher Arten. Dazu komme eine Vielzahl von Einrichtungen für Senioren. Außerdem leiste die Kirche durch die von ihr angebotenen Ausbildungsgänge in den Bereichen Erziehung, Pflege und Sozialarbeit einen „starken Beitrag in diese Gesellschaft, damit sowohl die Jüngsten als auch die Ältesten gut versorgt werden können“, sagte Wiesemann.

Ein weiteres Thema des Gespräches war die Zukunft der Schwangerenberatung. Hier zeigten sich beide Seiten erleichtert über den gefundenen Kompromiss, bei den Beratungsstellen deutlich weniger Stellen zu kürzen, als  zunächst geplant war. Die Landesregierung erklärte, dass es in diesem wichtigen und sensiblen Bereich keine weiteren Kürzungen geben soll.

Am Gespräch mit dem Ministerrat nahmen teil: Karl Kardinal Lehmann (Bistum Mainz), Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbistum Köln), Bischof Dr. Stephan Ackermann (Bistum Trier), Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Bistum Speyer), Weihbischof Manfred Grothe (Apostolischer Administrator, Bistum Limburg), Generalvikar Dietmar Giebelmann (Bistum Mainz), Generalvikar Dr. Georg Bätzing (Bistum Trier), Generalvikar Dr. Franz Jung (Bistum Speyer), Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators Pfarrer Wolfgang Rösch (Bistum Limburg), Ordinariatsdirektor Dieter Skala (Katholisches Büro Mainz), Justitiar Dr. Ralf Korden (Katholisches Büro Mainz), Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Roger Lewentz (Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur), Doris Ahnen (Ministerium der Finanzen), Prof. Dr. Gerhard Robbers (Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz), Sabine Bätzing-Lichtenthäler (Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie), Eveline Lemke (Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung), Vera Reiß (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur), Dr. Thomas Griese (Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten) und Irene Alt (Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen).

http://www.rlp.de/no_cache/einzelansicht/archive/2014/december/article/im-gespraech-mit-bischoefen/
German „So denke ich ja manchmal beinahe selbst“
Nov 24, 2014
Der Bischof von Mainz, Kardinal Lehmann, tritt 2016 in den Ruhestand. Im Interview spricht er über die Ökumene, das Zweite Vatikanische Konzil und die Lehren aus dem Fall Tebartz-van Elst.

Herr Kardinal, denken Sie eigentlich noch oft an das Konzil zurück?

Natürlich, jeden Tag. Man hat mit den Texten doch sehr häufig zu tun und wird von ihnen oft inspiriert. Gerade heute habe ich zwei, drei Mal in Konzilstexte geschaut.

Sie waren beim Konzil Assistent des bedeutenden Theologen Karl Rahner.

Ja, aber das war eine dienende Funktion für ihn, beim Konzil selbst habe ich keine Rolle gespielt. Ich war auch nur ein einziges Mal in der Aula, als Kardinal Döpfner mich mal mitgenommen hatte.

Betrachten Sie mit dem Abstand von fünfzig Jahren das Konzil als großen Gewinn für die Kirche?

Auf jeden Fall. Allerdings hätte es getrost früher beginnen können. Aber während des Krieges und bald danach war es ja auch nicht möglich.

Erinnern Sie sich an die damalige Stimmung?

Die größte Begeisterung herrschte eigentlich in der Phase vor dem Konzil. Die Zeit von der Ankündigung durch Johannes XXIII. im Januar 1958 bis zur eigentlichen Zusammenkunft – das waren knapp drei Jahre – war für uns junge Leute ungeheuer spannend. Wir haben alle bedeutenden Bischöfe und Theologen, die zur Vorbereitung nach Rom kamen, im Germanicum erlebt. Ob das die späteren Kardinäle Yves Congar und Henri de Lubac waren, Karl Rahner oder der belgische Theologe Edward Schillebeeckx – denen haben wir mit großer spiritueller und auch intellektueller Freude zugehört. Dieser unmittelbare Eindruck war beinahe stärker als die etwas routinehaften Sitzungen des Konzils.

Wie würden Sie Rahner beschreiben?

Er war durch seine sehr fromme Familie geprägt. Insofern war er bei aller Reflexionskraft und auch bei aller Kritik, die er manchmal an der Kirche geäußert hat, tief im Glauben verwurzelt. Er hatte einen unglaublich klaren Intellekt und ein tiefes philosophisches und theologisches Wissen. Es gab keine Frage, auf die er keine Antwort wusste – er hatte bei den Jesuiten ja eine ausgezeichnete Ausbildung erhalten. Als beim Lexikon für Theologie und Kirche in der vorletzten Auflage noch einige Beiträge fehlten, hat er als Herausgeber die Artikel in die Schreibmaschine diktiert, ohne dass er vorher noch etwas zu dem Thema lesen musste. Was man ihm vielleicht gar nicht zugetraut hat: Er konnte von tiefer Menschlichkeit sein, wenn er jemanden leiden sah.

Sind Sie ihm nahegekommen?

Ich sah mich in der Rolle des Assistenten und wollte mir keine falsche Nähe erschleichen. Ich hatte Respekt vor seiner persönlichen Welt mit seinen eigenen Beziehungen. In der gemeinsamen Arbeit gab es keine Grenzen.

Sie sind immer beim „Sie“ geblieben?

Nein, nachdem ich nicht mehr sein Assistent war, bot er mir das „Du“ an.

Wie ist da überhaupt bei Priestern – duzt man sich automatisch?

Nein. Schneller duzen sich Bischöfe und Kardinäle untereinander. Aber auch da will man natürlich zunächst einmal genauer wissen, wen man vor sich hat.

Sie haben einen anderen Großen der Geisteswelt kennengelernt, nämlich Martin Heidegger, über den Sie ja auch promoviert wurden.

Ich bin Heidegger zweimal begegnet. Das erste Mal war es im Sommer 1959, wir sind den berühmten Feldweg gewandert. Hier in seiner Heimat Meßkirch war er lockerer als sonst. Mir war wichtig, ihn direkt zu erleben, ihn sprechen zu hören, seine Gesten zu sehen. Und er als Philosoph hat mich ermuntert, mich zum Beispiel mit der Tübinger Theologie des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen.

Man hat Sie ja in den vielen Jahren als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz sehr stark überregional wahrgenommen, Sie waren und sind aber natürlich auch Ortsbischof.

Nicht „auch“, sondern „vor allem“. Die Doppelaufgabe in Mainz und bei der Bischofskonferenz konnte ich nur deshalb bewältigen, weil ich immer, bis heute, von einem starken und sehr loyalen Team umgeben war.

Welche Sorgen drücken das Bistum Mainz?

Ich denke, unsere Probleme unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Bistümer. Obwohl bei uns der Priestermangel noch nicht so groß ist wie etwa im Nachbarbistum Limburg, ist auch unsere Personaldecke schmaler geworden. Ich kann offene Stellen zwar noch besetzen, aber nicht mehr sehr zwischen mehreren Bewerbern auswählen.

Wie war das, als Sie selbst sich für den Priesterberuf entschieden?

Dieser Weg war nicht vorgezeichnet, und ein Erweckungserlebnis gab es auch nicht. Ich wusste auch ein halbes Jahr vor dem Abitur noch gar nicht, dass ich mich für die Theologie entscheiden würde. Aber ich hatte einen wunderbaren Deutschlehrer, der mich schon früh an die letzten Fragen heranführte: Woher kommt der Mensch? Wo geht er hin? Wozu ist er auf Erden? Das interessierte mich brennend, und so entstand der Wunsch, Theologie zu studieren, was in meiner Jugend so gut wie identisch war mit der Berufswahl des Priesters.

Was sagten Ihre Eltern?

Sie waren überrascht. Aber ich hatte wunderbare Eltern, die sagten, ich solle es einfach probieren. Und wenn es mir nicht zusage, solle ich eben etwas anderes machen. Ich lebte also im Gefühl königlicher Freiheit.

Der Gedanke an Ehelosigkeit und Armut machte Ihnen nicht zu schaffen?

Ich war in meinem Studium geradezu selig. Und der Wunsch nach dauerhaftem Austausch, auch zum Beispiel der Kritik einer Partnerin, der tauchte eher im Alter auf. Im Nachhinein wundere ich mich darüber, wie leicht mir als Jüngerem der Verzicht auf Ehe und Familie fiel.

Wenn einer Ihrer Priester sein Amt aufgibt – schmerzt Sie das?

Ich habe ungefähr 30 Priester in den Jahren als Bischof verloren, das war etwa einer pro Jahr. Natürlich tut das immer weh, aber man muss stets den individuellen Menschen sehen. Für manchen Priester mag es besser sein, den Schnitt zu machen, als sich von Krise zu Krise zu hangeln. Jeden einzelnen habe ich bis zur Hofpforte begleitet und ihm gesagt: „Wenn wir etwas für Sie tun können, zögern Sie nicht, hier zu klingeln.“ Immerhin vier von ihnen haben nach dem Ausscheiden wieder in den Priesterberuf zurückgefunden.

Für einen F.A.Z.-Fragebogen sollten Sie den Satz „Rat suche ich bei...“ vervollständigen. Sie haben gesagt: „Bei denen, mit denen ich beruflich nicht so sehr verbunden bin“. Warum?

Ich mag keine klerikale Inzucht. Ich möchte mit normalen Leuten reden und auch von ihnen lernen. Ich möchte Standpunkte erfahren, an die ich selbst nicht zuerst denke. In bestimmten, vor allem sozialen, Fragen suche ich auch ganz dezidiert den Rat von Frauen, die im Leben stehen. Aber natürlich habe ich auch unter Priestern und Bischöfen gute Freunde.

Sie haben oft und gern mit Helmut Kohl gesprochen.

Mit Helmut Kohl war ich zweimal im Jahr in dessen Urlaub einen halben oder ganzen Tag zusammen. Meist sind wir wandern gegangen. Ganz selten haben wir dabei über Politik gesprochen. Er interessierte sich sehr für die Kirche und für Rom.

Sie duzen ihn?

Ja.

Wer hat das Du angeboten?

Er als der Ältere.

Haben Sie noch Kontakt?

Ja, ich war bei seiner letzten Geburtstagsfeier. Helmut Kohl ist geistig vollkommen klar.

Sie haben sich früh für die Ökumene eingesetzt.

Seit 50 Jahren tue ich das.

Wie ist der Stand der Dinge?

Wissen Sie, ich komme aus einem Dorf, in dem es keinen einzigen protestantischen Christen gab. In der Nachbarschaft wurden evangelische Kinder sogar verprügelt. Solche Extreme gibt es gottlob nicht mehr. So betrachtet, haben wir einen langen, erfolgreichen Weg hinter uns. Aber es ist wie beim Bergwandern. Wir haben manche Berge bezwungen, aber jetzt stehen wir vor einer letzten Steilwand. Da geht es langsamer, da muss man auch einmal zurücksetzen und wieder neu aufbrechen.

Sind in Ihren Augen eigentlich 500 Jahre Reformation im Jahr 2017 ein Grund zum Feiern?

Das Wort „Feiern“ benutze ich nicht. Wir gedenken nachdenklich.

Was ist denn heute nach so viel Annäherung der Knackpunkt zwischen Katholiken und Protestanten? Die Eucharistie?

Nein, nicht mehr. Im Wesentlichen ist es die Frage nach dem Kirchen- und Amtsverständnis.

Was sagen Sie einem Christen gleich welcher Konfession, der behauptet, das Trennende, das seien doch theologische Spitzfindigkeiten?

So denke ich ja manchmal beinahe selbst. Wir waren Ende der siebziger Jahre in manchen Fragen schon weiter als heute, da gebe ich Ihnen recht.

Herr Kardinal, wir können ja nicht auseinandergehen, ohne Sie über das Bistum Limburg zu befragen. Was ist Ihre persönliche Erkenntnis aus den Vorfällen um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst?

Ich rühre das Thema Limburg nicht so gerne wieder an. Aber man muss auch darüber nachdenken, was man daraus lernen kann. Limburg geht uns in seinen Wirkungen sehr nach. Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Es geht um den Bau eines Hauses für die Domgemeinde in Worms. Da wird einem gleich das Wort „Limburg“ an den Kopf geworfen, oder es tauchen Plakate mit der Aufschrift „Limburg ist überall“ auf. In Limburg eskalierte die ganze Situation, weil man viel zu lange mit einer Klärung gewartet hat.

Aber wer hätte, wie Sie sagen, früher einschreiten können? Die Deutsche Bischofskonferenz kann doch gar keine offiziellen Sanktionen gegen einen Ortsbischof vornehmen.

Richtig, da gibt es verfassungsmäßig ein gewisses Loch. Die Stellung des einzelnen Bischofs ist sehr stark. Wer sich als Bischof ganz auf den Papst als oberste Autoritätsquelle ausrichtet und die Kollegialität der Bischöfe und der Bischofskonferenz weniger achtet, gegen den kann die Bischofskonferenz nichts unternehmen. Ich habe Bischof Tebartz von Anfang an gesagt: „Du hast es nicht leicht. Du hattest einen charismatischen Vorgänger, Franz Kamphaus, und die Menschen gewöhnen sich nicht so schnell an einen anderen Nachfolger. Wir helfen dir, wo es geht. Komm und frag.“ Aber er hat nie etwas gefragt.

Hat Tebartz-van Elst ganz allein die Schuld an den Zerwürfnissen?

Natürlich nicht. Auch das Limburger Domkapitel hat keine gute Figur gemacht. Es hätte ja das Recht gehabt, bei den Ausgaben nachzufragen, sein Veto einzulegen. Aber das hat ja das Kapitel selbst gesagt.

Hat man Bischof Tebartz-van Elst genügend mitbrüderlich unterstützt?

Erzbischof Zollitsch als Vorsitzender der Bischofskonferenz hat im Ständigen Rat – das ist die Tagung der Bischöfe ohne die Weihbischöfe – Bischof Tebartz zweimal gefragt, ob er uns denn etwas über die Vorwürfe sagen könne, die in Limburg laut geworden waren. So hatte Bischof Tebartz zweimal circa 20 bis 25 Minuten Zeit, die Lage zu erklären. Und da, das muss ich leider sagen, hat er alle schwierigen Fragen umschifft. Als dann der Antrag gestellt wurde, eine öffentliche Erklärung für ihn abzugeben, da haben einige gesagt: „Das kann ich nicht machen, weil ich nicht wirklich weiß, was in Limburg los ist.“ Wenn Bischof Tebartz kollegialer und offener gewesen wäre, hätte er von uns auch mehr Unterstützung bekommen. Er tut mir leid.

Ihr Ruhestand ist absehbar. Was planen Sie für diese Zeit?

Na, ich muss jetzt erst einmal sehen, dass ich einen neuen Weihbischof bekomme. Aber ich habe Gott sei Dank innerhalb von einer Woche von Rom die Zusage erhalten, dass die Stelle wieder besetzt wird.

Was heißt eigentlich „von Rom“ genau?

Ich schreibe direkt an den Papst. Und konkret darum kümmern wird sich weitgehend die Bischofskongregation. Immerhin hat der Vorsitzende der Bischofskongregation einmal wöchentlich Audienz beim Papst, genauso wie der Chef der Glaubenskongregation. Das sind die beiden einzigen Kongregationen, deren obersten Repräsentanten ein regelmäßiger Besuchstermin gewährt wird. Der Nuntius teilte mir dann mit, dass der Papst die Stelle bewilligt hat. Und jetzt habe ich in einem persönlichen Brief etwa 125 Leute angeschrieben und sie um einen Personalvorschlag gebeten. Das ist eine ganz gute Methode, weil man da vielleicht auch Namen genannt bekommt, die einem selbst nicht automatisch einfallen würden. Aber die Verantwortung bleibt bei mir.

Und Sie schicken dann einen Dreiervorschlag an den Nuntius?

Ja, über den Apostolischen Nuntius an den Papst.

Und wie machen Sie klar, wen von den Dreien Sie sich am meisten wünschen?

Indem ich ihn an die erste Stelle setze. Und dann muss wiederum der Nuntius für jeden von dieser Liste, über den noch kein sogenannter Informationsprozess in Gang gesetzt wurde, ungefähr 20 Personen befragen. Der Nuntius fragt überhaupt viel, vor allem bei der Besetzung frei gewordener Stühle von Bischöfen. Da ich schon so alt bin, werde ich aufgrund meiner Erfahrung oft angefragt. Ich antworte auch immer recht gründlich, denn diese Möglichkeit der Mitwirkung muss man verantwortungsvoll handhaben. Dabei hilft die Methode absoluter Vertraulichkeit. Auf diese Weise werden Personen, die nicht zum Zuge kommen, nicht beschädigt. Allerdings hat die Geheimhaltung auch einen Nachteil: Man kann sie, weil nichts öffentlich wird, auch als Einfallstor für Intrigen nutzen.

Wissen Sie, wer noch auf dem Dreiervorschlag stand, als Sie zum Bischof von Mainz gewählt wurden?

Nein, ich habe auch nie versucht, es herauszubekommen. Es hat sich mir auch niemand angedient. Dies ist die Stärke unseres „Systems“.

Jetzt haben Sie aber noch nicht erzählt, was Sie im Ruhestand machen werden.

Das werde ich erst am 16. Mai 2016 genauer wissen. Hoffentlich erlebe ich dies noch. Ich hoffe, dass wir in einigen Monaten wieder einen Weihbischof haben. Ich werde dann gewiss im Ruhestand viel lesen, werde Freunde und Verwandte besuchen, was ich leider vernachlässigen musste. So Gott will, werde ich sicherlich auch noch das eine oder andere veröffentlichen. Und sonst freue ich mich darauf, am Wochenende auch mal daheim bleiben zu können.

Herr Kardinal, Sie sind der 87. Nachfolger des Heiligen Bonifatius. Denken Sie manchmal daran?

Keine Sekunde. Ich weiß um das Erbe auf meinen Schultern. Ich blicke auch nicht zu viel in eine ohnehin fremde Zukunft. Ich versuche jeden Tag gut zu bestehen. Ich kann mich nicht in der Vergangenheit sonnen, ich kann aber auch nicht in eine unbekannte Zukunft hinein träumen.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/karl-kardinal-lehmann-im-interview-so-denke-ich-ja-manchmal-beinahe-selbst-13279655.html
German „Früher besser gepfiffen“
Jul 31, 2014
St. Andreas: Kardinal Lehmann firmt Jugendliche und bekennt sich als Fußballfan.

Lampertheim. "Der Papst braucht kein großes Palaver mit anderen, er ruht in sich", beschrieb Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, Papst Franziskus den Firmlingen von St. Andreas. Er hätte sich nie träumen lassen, mit einem Papst so offen sprechen zu können wie mit Franziskus. "Und ich habe einige Päpste erlebt", versicherte er. Franziskus "gibt einem Vertrauen und Mut", fasste Lehmann zusammen.

Der Kardinal besuchte die St. Andreas-Gemeinde in Lampertheim, um gemeinsam mit Geistlichem Rat Pfarrer Peter Hammerich den Firmgottesdienst zu zelebrieren. 20 Jugendliche aus Lampertheim sowie fünf aus Hüttenfeld hatten sich für ihre Firmung mehrere Wochen lang vorbereitet. Zuvor fand eine gut einstündige Gesprächsrunde mit den Firmlingen statt, bei der sie dem Kardinal Fragen stellen konnten. Manche von ihnen wirkten nach zehn Minuten allerdings schon gelangweilt, andere spielten mit dem Handy herum oder legten ermattet den Kopf auf den Tisch.
Persönliche Ansichten

Lehmann antwortete zwar ausschweifend auf Fragen, aber dafür bekamen die Zuhörer kirchliche Interna, Anekdoten, persönliche Ansichten und spannende Einblicke aus seinem Leben geliefert. "Ich mochte immer die Arbeit mit den Jugendlichen", erzählte Lehmann, der locker und offen mit den jungen Leuten sprach und sich selbst gar nicht als so herausragend ansah. "Ja, ich kann mehrere Sprachen", antwortete Lehmann auf die Fragen eines Firmlings: Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch und Italienisch. In dieser Sprache könne er sogar träumen, lachte er.

Die Firmlinge wollten von dem hohen Gast wissen, wie oft er in Rom weile - so ein bis drei Mal im Jahr -, ob er E-Mails schreibe - er schreibt oder diktiert seine Antworten und Mitarbeiter tippen sie ab. "Haben Sie auch die Fußballweltmeisterschaft geschaut?", fragte ihn ein Junge - ja, das habe er, kam die Antwort. Nicht gut gefallen haben ihm aber die vielen Fouls, die nicht geahndet wurden. "Ich habe selbst lange Fußball gespielt, auch im Verein, früher wurde besser gepfiffen, Fouls nicht so larifari übersehen", formulierte Lehmann seine Kritik.

"Und was ist das für ein Ring, den sie da tragen?", ging die Fragerunde weiter. Der Ring symbolisiere, wie bei der Ehe, die Verbundenheit mit der Kirche. Es sei ein Konzilring und stamme aus dem Nachlass von Julius Kardinal Döpfner, der ihn zum Priester geweiht und mit all seinen Ansichten und der Ausübung seines Amtes tief geprägt habe. "Machen sie auch mal Urlaub und fahren weg?", fragte ein Junge. Karl Kardinal Lehmann erklärte, dass er demnächst in Richtung Allgäu aufbrechen werde. "Urlaub daheim, dass geht nicht, da ist so viel los, ich muss da schon wegfahren", meinte er.

Im Anschluss ging es in die St. Andreas-Kirche. Dort wurden die Jugendlichen von Kardinal Lehmann gefirmt. Die Jugendlichen der Pfarrei Maria Verkündigung wurden einen Tag später gefirmt, und zwar von Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt.

http://www.morgenweb.de/region/sudhessen-morgen/lampertheim/fruher-besser-gepfiffen-1.1803745
German Zahl der Kirchenaustritte ist erschreckend hoch
Jul 31, 2014
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat mit Blick auf den Finanzskandal im Bistum Limburg die Zahl der Kirchenaustritte als erschreckend hoch bezeichnet. Bundesweit waren es 2013 fast 180 000 - nach rund 120 000 im Vorjahr. Wie der Mainzer Bischof in der Kirchenzeitung seines Bistums «Glaube und Leben» mitteilte, wirkten dabei auch die zuvor bekanntgewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche nach.

Mainz/Limburg - Diese Zahlen müssten sehr nachdenklich machen. «Wir haben offensichtlich einen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust erlitten, wie er selten so heftig vorkommt», räumte Lehmann ein. Verfehlungen wie die Kostenexplosion beim Sitz des einstigen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst dürften sich so nicht wiederholen. «Die Alarmglocken müssen viel früher ertönen und vor allem eine wirksame Aufmerksamkeit erzeugen», schrieb der Ex-Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Aufhorchen ließen aber auch die Zahlen zum anhaltenden Rückgang beim Gottesdienstbesuch. «Viele Katholiken haben keinen lebendigen Kontakt mehr zu ihrer Kirche.» Diese sei jedoch kein beliebiger Verein. Die kirchliche Dimension des Glaubens müsse radikal vertieft werden.

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regiolinegeo/rheinlandpfalzsaarland/article130684772/Zahl-der-Kirchenaustritte-ist-erschreckend-hoch.html
German D/Vatikan: Kardinal Lehmann spricht mit Papst Franziskus über Limburg   Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/01/18/d_vatikan:_kardinal_lehmann_spricht_mit_franziskus_%C3%BCber_limburg/ted-765338 des Internetauftrit
Jan 19, 2014
Der Fall Limburg braucht eine rasche Klärung. Das hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann an diesem Samstag bei einer Audienz Papst Franziskus anvertraut. Ende des Monats sei mit dem Abschlussbericht der Kommission zu rechnen, die von der Bischofskonferenz eingesetzt worden war, um zu den Fakten des Limburger Bauvorhabens und anderer Vorgänge im Bistum an der Lahn vorzudringen. Radio Vatikan bat den Kardinal nach der Unterredung mit dem Papst zu einem Interview. Dabei ging es auch um die Frage der Familienseelsorge. Gudrun Sailer führte das Gespräch.

„Zunächst habe ich mich einmal sehr herzlich bedankt für den großen Aufbruch, den er nach der Wahl geschaffen hat. Es sind schon zehn Monate vergangen. Wir sind beide gleich alt – also im selben Jahr geboren. Wir sind miteinander 2001 Kardinäle geworden. Ich habe dann ihm ein paar Sätze gesagt zur Kurienreform, weil ich ja während der 30 Jahren, die ich als Bischof verbracht habe und davon 21 Jahre als Vorsitzender der Bischofskonferenz, das Funktionieren und Nicht-Funktionieren der Kurie kenne. Die Auswahl der Leute ist sehr viel wichtiger als manche Strukturfragen oder rechtlichen Änderungen der Zuständigkeiten. Das ist ihm sehr bewusst.“

Sie haben mit dem Papst auch über Limburg gesprochen. Was hatten Sie dem Heiligen Vater mitzuteilen?

„Ich bin ja sozusagen seit 30 Jahren ein Nachbar Limburgs. Ich habe Franz-Peter Tebartz-van Elst schon vorher als Theologen gekannt und in den beiden Male, in denen ich mich öffentlich über ihn geäußert habe, habe ich gesagt, dass er ein hochintelligenter, höflicher und kommunikativer Mensch sei. Ich kann also nicht feststellen von Protz und Verschwenderischem. Da war doch eine üble Kampagne in Medien festzustellen. Aber es hatte seine Gründe gehabt: ich glaube, es ist nicht nur das viele Geld, das verbraucht wurde, das Problem sondern auch diese Geheimhaltungspolitik, die gemacht worden ist. Dazu kommt noch, dass er selber nie eine Zahl der Kosten genannt hat. Das ist schon sehr problematisch.“

Hat sich denn Papst Franziskus selbst geäußert zum Fall Limburg? Wie gut meinen Sie war er darüber informiert?

„Ich habe den Eindruck, dass er sehr authentisch informiert ist und auch verschiedene Quellen hat. Da habe ich den Eindruck, dass er sich ein eigenes Urteil bildet. Ich habe ihm gesagt, dass wir abwarten sollten bis die entsprechende Kommission den Bericht abliefert. Das sollte angeblich Ende des Monats der Fall sein. Auf jeden Fall darf es nicht mehr solange gehen, weil es die Limburger auch physisch und nervlich schon sehr verwundet sind. Ich habe auf jeden Fall den Eindruck, dass der Papst gut informiert und behutsam, schonungsvoll gegenüber den beteiligten Menschen wissend umgeht. Er betrachtet das Ganze mit relativer Gelassenheit. Ich habe dem Papst auch klar gesagt, dass ich Sorge habe, wenn wir das nicht bald klären. Dass die Aufbruchsstimmung, die der Papst hervorgerufen hat, so auch wieder in Spannung und Widerspruch zurückversetzt werden kann. Ich habe den Eindruck, dass er das sehr klar sieht.“

Was braucht denn die deutsche Kirche vor diesem Hintergrund besonders an Input vom Papst? Welche Stellungnahmen und Wortmeldungen sind da gefragt?

„Ich denke, dass der Papst durch die Umfrage zur Familienpastoral und die Ergebnisse auch weiß, was die Themen sind, die er mit Ernsthaftigkeit angeht. Da setzt er sehr auf die Bischofssynoden – sei es außerordentlichen als auch die ordentlichen Synoden.“

Erwarten Sie, dass es inhaltliche Änderungen in dem Thema geben wird wie beispielsweise die Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene?

„Die Frage kann man nicht umgehen, aber die darf man nicht zuerst angehen. Ich kämpfe seit 1971 zu dem Thema und es war mir immer klar, dass die Sache wiederkommen wird. Das ist nicht etwas, das mit einem schnellen Verbot regelt. Ich habe dem Papst auch gesagt, dass es äußerste Zeit ist, darüber zu befinden. Die Praxis in den Gemeinden ist sehr unterschiedlich. Ich denke, dass das Erste, was gesagt werden muss, lautet: Menschen aus zerstörten oder gestörten Beziehungen und wiederverheiratete Geschiedene haben in der Kirche einen Platz. Das sagt ja schon ,Familiaris consortio´ sehr deutlich. Das ist aber längst nicht überall bekannt. Die Leute meinen immer noch, jeder sei automatisch exkommuniziert. Es ist aber auch klar, dass die Situationen klar unterschieden werden müssen. Ich kann nicht einfach grundsätzlich von Barmherzigkeit überall predigen, es gibt auch Situationen, wo Leute böswillig verlassen werden. Zur Barmherzigkeit gehört auch die Gerechtigkeit. Ich kann nicht von Barmherzigkeit reden, ohne das Verhältnis zur Gerechtigkeit zu klären. Deswegen ist vieles im Augenblick weniger tief reflektiert als das eigentlich schon der Fall gewesen ist. Ich denke, die Chance liegt darin und das habe ich dem Papst auch gesagt. Wir werden ein Jahr lang Zeit haben, um darüber nachzudenken. Mir scheint, der Papst ist sehr fest entschlossen, weil er weiß, dass dies auch ein Stück weit ein Test ist.“

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“ unter vielen anderen Dingen davon gesprochen, dass er sich vorstellen kann, den Bischofskonferenzen eine wirkliche Teilhabe an dem ordentlichen Lehramt einzuräumen. Was bedeutet das?

„Man sieht in ,Evangelii gaudium´, wie viel ortskirchliche und kontinentale Aussagen von Bischofskonferenzen zitiert werden. Er realisiert bereits eine Ernstnahme der relativ existierenden Lehrautoritäten der Bischofskonferenzen. Wenn aber bis vor einiger Zeit noch gesagt wurde, dass Bischofskonferenzen überhaupt keine Lehrautorität ausüben und nur der Papst und der Bischof sind göttlichen Rechts und alles was dazwischen ist, ist im Grunde genommen auch entbehrlich, dann ist das jetzt schon eine wichtige Aussage. Da muss man sehr klug und vorsichtig damit umgehen. Bischofskonferenzen sind genauso wenig unfehlbar wie jedes andere Organ in der Kirche.“

Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/01/18/d_vatikan:_kardinal_lehmann_spricht_mit_franziskus_%C3%BCber_limburg/ted-765338
des Internetauftritts von Radio Vatikan
German „Manchmal fehlt es an Zivilcourage“
Oct 06, 2013
REDAKTIONSGESPRÄCH Karl Lehmann warnt vor Mauern – nicht nur im Fall Lampedusa

Wenn sich der Pulverdampf lege, sei vieles einvernehmlich zu lösen, prophezeit Kardinal Karl Lehmann, und sein Schmunzeln spiegelt den prinzipiellen Optimismus, der ihn auszeichnet. Er spricht an dieser Stelle keineswegs von innerkirchlichen Verwerfungen, die er – natürlich – kennengelernt hat in seiner 30-jährigen Amtszeit, sondern über die Lage nach der Bundestagswahl.

Ein zweistündiges, mit schwierigen Themen durchsetztes Redaktionsgespräch mit dem Mainzer Bischof ist auch deshalb angenehm und ertragreich, weil er klare Antworten gibt zum täglichen Leben als solchem. Auch zum Fluglärm. Lehmann beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema und führt viele Gespräche, möchte darüber aber nicht öffentlich sprechen, „kein Marktgeschrei machen“, wie er lächelnd anfügt. Deutlich klagend sagt er aber dies: „Die Lärmbelästigung in Mainz ist besonders schlimm. Offensichtlich kann man Königstein, Bad Homburg und Wiesbaden vor Fluglärm schützen, Mainz aber nicht.“

Der Wissenschaftler und Theologieprofessor Lehmann saß nie im Elfenbeinturm. Über die Regierungsbildung nach der Bundestagswahl sagt er, er wünsche sich „zügige Gespräche, ohne Taktiererei.“ Die soziale Zukunft der Bürger müsse gesichert werden. Sehr konkret: „Es muss in manchen Branchen einen Mindestlohn geben; es ist eine Schande, welche niedrigen Löhne in manchen Bereichen gezahlt werden.“ Sehr klare Worte findet er auch angesichts von Toten und Flüchtlingselend vor Lampedusa: „Wir in Europa dürfen nicht riesige Mauern aufbauen, da müsste man sich ja schämen, da muss die Politik jetzt in sich gehen.“ Nicht zuletzt sollten in den Herkunftsländern der Flüchtlinge stärkere Anreize gesetzt werden, damit die Menschen dort menschenwürdig leben können.

Gerechtigkeit, das Soziale – von jeher denkt der Theologe Lehmann, um Seelsorger zu sein, auch sehr konkret in Richtung politischer Entscheidungen. Familienpolitik: „Den Frauen muss es möglich sein, nach der Geburt von Kindern erfolgversprechend in den Beruf zurückzukehren.“ Es gehe um größtmögliche Wahlfreiheit, „deshalb verstehe ich auch das Geschimpfe gegen das Betreuungsgeld nicht.“

Papst entfacht Begeisterung

Die Frauen- „Politik“ der katholischen Kirche? Überhaupt, der Kanon der umstrittenen Themen: Homosexualität, wiederverheiratete Geschiedene – nach aufsehenerregenden Interviews des Papstes richtet sich die Frage an Lehmann: Gibt es eine Zeitenwende in der katholischen Kirche? Seine Antworten zeigen viel Nachdenklichkeit, aber auch verhaltenen Optimismus. „Man muss sehen, was daraus wird. Ich freue mich über den Schwung und die Begeisterung, die der Papst entfacht, aber es kostet riesige Arbeit, das mit der oft vorhandenen Härte des Buchstabens in Einklang zu bringen.“ Der Buchstabe der kirchlichen Gesetze und Regeln ist gemeint. Er sehe, resümiert Lehmann, „dass sich in den vergangenen Jahrzehnten schon sehr viel verändert hat, und es hätte sich noch mehr verändern können, aber manchmal fehlt es auch an Zivilcourage.“ Er erinnert daran, dass er gemeinsam mit anderen Theologen schon in den siebziger Jahren an den Vatikan appellierte, die Weihe von Diakoninnen theologisch zu prüfen und ins Auge zu fassen. „Ich wünschte mir, das wäre entschieden worden, aber ich nehme an, dass das jetzt geschieht“. Lehmanns Grundposition: Einer Weihe von Frauen zu Diakoninnen stünden theologische Aspekte in letzter Konsequenz nicht entgegen, „bei der Frage ‚Weihe von Frauen zu Priesterinnen‘ wäre es allerdings unlauter von mir, ein solches Urteil zu fällen.“

Es gibt Bedienstete in der katholischen Kirche, die ihren Arbeitsplatz verloren, weil sie geschieden wurden. Und es gibt Berichte, dass in manchen katholischen Kliniken homosexuelle Ärzte nicht erwünscht sind. „Es hat sich schon viel geändert“, entgegnet Lehmann, „nach dem kirchlichen Arbeitsrecht gibt es jetzt keinen Automatismus, dass eine Scheidung den Arbeitsplatz gefährdet.“

Homosexualität und Kirche

Der Papst forderte kürzlich in einem Interview Barmherzigkeit gegenüber Homosexuellen ein. „Er sagt aber auch: ‚Ich bin ein Sohn dieser Kirche‘,“ mahnt Lehmann – jener Kirche, für die Homo-Ehen keine Ehen sind. Die Auffassung des Mainzer Kardinals lautet: Es müsse möglich sein, dass Homosexuelle verantwortlich in Einrichtungen der katholischen Kirche tätig sind, „wenn sie mit ihrer Homosexualität nicht öffentlich Propaganda machen.“

Natürlich sind es oft die heikelsten Fragen, die denen gestellt werden, die das höchste Vertrauen genießen. Auf dramatische Weise steht Lehmanns Limburger Amtsbruder Tebartz-van Elst in der Kritik. Unter anderem werden ihm die überbordenden Kosten für seine Bischofsresidenz vorgeworfen, auch ein Erster-Klasse-Flug nach Indien; in letzterem Kontext untersucht die Hamburger Staatsanwaltschaft, ob Tebartz-van Elst eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Falls ja, könnte ihm eine Anklage drohen. Die Entscheidung, so die Staatsanwaltschaft, solle bis Ende kommender Woche veröffentlicht werden.

Versöhnung in Limburg?

Lehmann äußert sich sehr zurückhaltend zum Fall Tebartz-van Elst. „Die Kräfte, die heilen können, müssen nach meinem Verständnis aus dem Bistum Limburg selbst kommen.“ Tebartz-van Elst sei nach seinem Eindruck „persönlich nicht verschwenderisch“, so Lehmann. Allerdings: „Es wäre nicht so weit gekommen, wenn in Limburg manches früher klar gesagt und transparent gemacht worden wäre, auch die Kosten für die Bischofsresidenz.“ Es gehe letztlich, wie stets, darum, „Versöhnung zu schaffen“, betont der Kardinal. Dass das gerade in diesem Fall extrem schwierig ist, bedarf keiner zusätzlichen Worte.
German "Ich kann mir auch durchaus Frauen am Altar vorstellen."
Sept 27, 2013
Die katholische Kirche sollte nach Ansicht des Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann mehr Aufgaben an Frauen vergeben. «Dafür besteht genügend positiver Anlass», sagte Lehmann in einem dpa-Interview.

Die katholische Kirche sollte nach Ansicht des Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann mehr Aufgaben an Frauen vergeben. "Dafür besteht genügend positiver Anlass", sagte Lehmann der Nachrichtenagentur dpa. «Ich hätte mir gewünscht, dass die Frage der möglichen Weihe von Frauen zu ständigen Diakoninnen im Lauf der letzten 20, 30 Jahre verbindlicher geklärt worden wäre.»

Für Priesterinnen sieht er aber keine Möglichkeit. Lehmann verwies auf Dokumente von Johannes Paul II. und von Benedikt XVI., die besagten, dass Frauen nicht zum Priester geweiht werden könnten. Am 2. Oktober jährt sich Lehmanns Bischofsweihe in Mainz zum 30. Mal.

Welche Bilanz der ersten Monate von Papst Franziskus ziehen Sie?

Kardinal Karl Lehmann: Franziskus hat einen wirklich kräftigen Start hingelegt. Mir liegt aber daran, trotz mancher Pannen die Zeit von Benedikt XVI. gebührend zur Geltung zu bringen. Was spirituelle Erneuerung, theologische Weitsicht und Auseinandersetzungen mit dem Ort der Kirche in der heutigen Welt betrifft, hat dieser Papst vieles gemacht, was der Kirche in der Zukunft bleiben wird. Jetzt sind wir in einer Phase, wo aus den Impulsen und charismatischen Anstößen von Franziskus Erneuerung werden muss. Davon gibt es jetzt ein bemerkenswertes Zeichen in der Wahl von Pietro Parolin als neuer Kardinalstaatssekretär. Das ist nach dem Urteil vieler die beste Wahl, die er treffen konnte.

Welche Reformen wünschen Sie sich noch?

Lehmann: Für mich ist ganz wichtig, dass da, wo Recht ist, Recht eingehalten wird. Im Vatikan gibt es nicht so selten die Argumentation, dass der Papst da und dort eine Ausnahmeregelung treffen kann. Da wünsche ich mir, dass man bei Bischofsernennungen, aber auch bei Kompetenzen, die Bischofskonferenzen haben, etwa in der Gestaltung der Liturgie, die Spielräume lässt und nicht immer wieder im Sinne eines alten Zentralismus beschneidet. Ich könnte mir denken, dass Papst Franziskus das ermöglichen wird.

Die Erwartungen an den Papst sind sehr hoch. Kann er sie erfüllen?

Lehmann: Ein großer Teil der Leute hat ein völlig unkatholisches Bild vom Papst. Sie meinen, plötzlich, wenn er kommt, wird schlagartig alles anders, zum Beispiel auch in der Ökumene, da wird alles anders im sozialen Verhalten. Der Papst muss die anderen mitnehmen, er braucht auch uns. Es gibt viele Aufgaben. Wir brauchen zum Beispiel auch die Ernennung von zwei Bischöfen in Deutschland, Passau und Erfurt. Er soll auch Leute, die vielleicht zunächst etwas Ärger machen, eine Weile ertragen. Vielleicht sind solche Leute für die Kirche wichtiger als manche Leisetreter.

Wann wird es aus Ihrer Sicht Priesterinnen geben?

Lehmann: Ich habe keine Phobie vor Frauen, ich kann mir auch durchaus Frauen am Altar vorstellen. Ich sehe viele Pastorinnen evangelischerseits und in anderen Kirchen, die einen eindrucksvollen Dienst leisten. Aber als katholischer Theologe kann ich nicht so ohne weiteres sehen, wie die Kirche dies verändern kann. Es gibt von Johannes Paul II. und von Benedikt XVI. Dokumente, die einen sehr hohen Rang an Verbindlichkeit haben und die sagen, dass Frauen nicht geweiht werden können zum Priester. Immerhin glaube ich auch, dass eine andere Entscheidung die Kirche bis an den Rand einer Spaltung bringen würde.

Welche Ämter sollten denn für Frauen jetzt schon möglich sein?

Lehmann: Ich wehre mich, dass die Frage der Priesterweihe der Frau zur Richtschnur ihres Ranges in der Kirche gemacht wird. Das ist ganz falsch. Ich hätte mir gewünscht, dass die Frage der möglichen Weihe von Frauen zu ständigen Diakoninnen im Lauf der letzten 20, 30 Jahre verbindlicher geklärt worden wäre. Das geht mir zu langsam, aber es muss natürlich auch eine solide Entscheidung geben. Sonst bin ich dafür, dass zunächst einmal alle anderen wichtigen Aufgaben für Frauen geöffnet werden, dafür besteht genügend positiver Anlass. Unsere Bischofskonferenz hat sich im Frühjahr 2013 mit dieser Frage - auch mit konkreten Vorschlägen - befasst.

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinland/Rheinland-Pfalz-und-Nachbarn-Kardinal-Lehmann-Ich-kann-mir-auch-durchaus-Frauen-am-Altar-vorstellen;art158726,3654030
German Kardinal Lehmann hält verheiratete Priester für vorstellbar
Sept 18, 2013
Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann kann sich vorstellen, dass es in der katholischen Kirche in einigen Jahren auch verheiratete Priester geben wird. "... Und wenn ich zum Beispiel manchen verheirateten Diakon erlebe, da gibt es ganz hervorragende Leute, da kann ich mir vorstellen, dass so jemand in einigen Jahren durchaus die Priesterweihe erhalten kann", sagte Lehmann in einem Interview mit dem Magazin "Mainz Vierteljahreshefte" (Bodenheim/Ausgabe 03/2013). Es müsse einfach abgewartet und der Gedanke daran weiter verbreitet werden.

"Ich meine - ob zölibatär oder nicht - es wird immer unverheiratete Priester geben", sagte Lehmann. Grundsätzlich seien das Gespräch und eine Partnerschaft für den Menschen wichtig. "Auch wenn man zölibatär lebt, darf man kein hoffnungsloser Einsiedler werden." Ein Priester-Leben nach dem Zölibat hält Lehmann heutzutage für problematischer als in vergangenen Zeiten. "Die Lebensform des Zölibats ist sicherlich schwieriger geworden, weil sie auch immer weniger verstanden wird und die Anerkennung von außen fehlt."

Auch zum Thema Homosexualität äußerte sich Lehmann. Niemand wisse so richtig, wie und warum es Homosexualität gebe. "Wenn ich das aber heute nicht weiß, dann muss ich auch ganz zurückhaltend sein im Urteilen. Ich muss dann einfach eine gewisse Toleranz walten lassen, dass Menschen so sind." Es gebe eine hohe Pflicht gegenüber dem Einzelnen, ihm menschlich gerecht zu werden. Er wisse auch, dass der eine oder andere Priester homosexuell sei. "Was mich stört, ist diese propagandistische, lobbyhafte Art pro Homosexualität, weil es jungen Leuten Lebensformen verspricht, die dann doch nicht genügend erprobt sind", sagte Lehmann.
German Kritik am „Tridentinischen Ritus“
Jun 18, 2013
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat sich anlässlich des „Eucharistischen Kongress“ in Köln gegen vermehrte Feiern der lateinischen Messe im „Tridentinischen Ritus“ gewandt. Lehmann verteidigte die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Zum „Eucharistischen Kongress“ der deutschen Katholiken in Köln hat sich der Mainzer Kardinal Karl Lehmann gegen vermehrte Feiern der lateinischen Messe im „Tridentinischen Ritus“ gewandt. „Ich habe den Eindruck, die ganze Begeisterung auch für das Latein hat viel mit Prestige zu tun und falschen Vorspiegelungen einer vermeintlichen Kulturelite“, sagte Lehmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.  Solche Motive stimmten ihn eher skeptisch, so der Kardinal.

Er verteidigte die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) als ein „Goldstück“. 1970 war in Deutschland die erneuerte Messliturgie in Deutsch eingeführt und der bis dahin gültige Tridentinische Ritus abgeschafft worden.  Diese Form wird insbesondere von katholischen Traditionalisten geschätzt. Nach einer Teilrücknahme des Verbots unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gebe es inzwischen  ein größeres Angebot an Messfeiern im alten Ritus, ohne dass der Zuspruch in gleichem Maß zugenommen hätte, erläuterte Lehmann.

Er halte „ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinnvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist“, sagte Lehmann. „Die Entwicklung geht eher in die Richtung der erneuerten Messe.“ Zu der umstrittenen, noch von Benedikt XVI. angeordneten Revision der Wandlungsworte in der Messe sagte Lehmann, man müsse „das jetzt mal abwarten und kann das Ganze vielleicht auch etwas entspannen“.

Dem Wunsch des früheren Papstes folgend, soll es an der zentralen Stelle der Messe nicht mehr heißen, dass Jesu sein Blut „für alle“ Menschen vergossen habe, sondern „für viele“. Lehmann zufolge stand der Streit über das „für alle“ oder „für viele“ bislang „atmosphärisch im Bann der Frage, ob Rom die Traditionalisten zu sehr hoffiere. Wenn man erklärt, dass Gottes Heilswille allen Menschen gilt, sollte die Übersetzung der Wandlungsworte keine Frage von so großer Brisanz und Dramatik mehr sein“, so der Kardinal. Da Papst Benedikt XVI. selbst zugestehe, dass beide Übersetzungen theologisch angemessen und legitim sind, sei es  „nicht ganz einzusehen, warum dann strikt nur noch die eine Übersetzung zulässig sein sollte“.  Im Übrigen plädierte Lehmann für eine vertiefte Vermittlung des Ausdrucks „für alle“:  „‘Wir kommen alle in den Himmel‘, ist zu einfach“. (ksta)

http://www.ksta.de/politik/kardinal-karl-lehmann-kritik-am--tridentinischen-ritus-,15187246,23143524.html
German Kardinal Lehmann geißelt Geheimdiplomatie zu Vatileaks
Mar 28, 2013
Kritisch an der Politik des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI.

Mainz (dapd). Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat sich kritisch über die Politik des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. geäußert. Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" äußerte Lehmann die Erwartung, dass der neue Papst Franziskus all jene Katholiken mitnehme, die von dessen Vorgänger "vielleicht enttäuscht" wurden und die man neu gewinnen müsse. Konkret vermisst Lehmann laut Vorabmeldung vom Samstag vor allem eine Aufklärung über die sogenannte Vatileaks-Affäre. Die habe es auch für die in Rom versammelten Kardinäle nur teilweise gegeben, wird der langjährige Mainzer Erzbischof zitiert.

Schließlich habe Benedikt XVI. das Geheimdossier zu der Affäre nur seinem Nachfolger zur Lektüre vorbehalten. Im Konklave habe ein an der Zusammenstellung des Papiers beteiligter Kardinal "quasi nur das Kommunique vom Dezember, das alle kannten" vorgelesen. Lehmann fügte hinzu: "Dabei hatte man den Eindruck, wir stellen Fragen, aber niemand beantwortet sie." Die Affäre müsse aufgearbeitet werden. Vielleicht werde sich der neue Papst überlegen, ob er das Vorgehen seines Vorgängers ändern wolle, weil es "auch missgedeutet werden könnte", sagte der deutsche Kardinal der Vorabmeldung nach weiter.
German Kardinal Lehmann: „Papst-Toto“ eher kontraproduktiv
Feb 26, 2013

Kardinal Karl Lehmann ist einer der deutschen Kardinäle, die an dem kommenden Konklave teilnehmen werden. Es ist für den ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz das zweite Mal, dass dabei sein wird, er weiß also, was ihn und seine Kollegen erwarten wird. Von dem in diesen Tagen in der Presse bereits munter betriebenen „Papst-Toto“ hält er allerdings wenig:

„Das ist glaube ich ein Gemisch von gewissen Tendenzen in den Medien, jemanden herauszustellen und Wunschkandidaten aufzustellen. Ich weiß nicht, wie das zustande kommt. Man kann eigentlich nur sagen, wer vorher allzu oft genannt wird, der trifft auch auf eine gewisse Skepsis. Deshalb gibt es ja auch das alte Sprichwort, wer als „papabile“ ins Konklave hinein geht, der kommt mit Sicherheit als Kardinal wieder hinaus. Insofern halte ich von diesen Dingen nichts. Ich bin ganz froh, dass manche Leute nicht genannt werden, die eine Rolle spielen könnten, denn dann sind die nicht vorher schon kaputt.“

Der neue Papst, so der Kardinal, habe eine große Aufgabe vor sich. Die Weltkirche mit ihren über eine Milliarde Gläubigen stelle den Papst täglich vor neue Herausforderungen und erfordere gute, aber auch rasche Entscheidungen.

„Sonst sind für mich zwei Dinge wichtig, das eine, es muss ein Papst sein, der eine durchaus nüchterne Vision von der Zukunft der Kirche hat und es muss jemand sein, der durchsetzungsfähig ist und der das, was er als wahr erkannt hat, auch mit Entschiedenheit weiter verfolgen kann. Das ist für mich ganz entscheidend, alles andere, wie Herkunft, Hautfarbe, Kontinent ist unerheblich.“

Das Konklave ist geheim, und damit das auch so bleibt, ist den Teilnehmern jeder Kontakt nach außen strikt untersagt – bei Nichteinhaltung drohen drakonische Kirchenstrafen wie die automatische Exkommunikation. Wer sich allerdings nun vorstellt, die Kardinäle würden auf Schritt und Tritt kontrolliert und durchsucht, täuscht sich:

„Nach dem Rücktritt wird ja die Leitung der Kirche an das Kardinalskollegium übergehen, es finden gleich am anderen Tag bis zur Wahl täglich von etwa 10 Uhr bis 12.30 Uhr die so genannten Generalkongregationen aller Kardinäle statt. Da wohnt man dann auch noch privat und zieht erst, wenn offiziell zum Konklave einberufen wird, in das Haus Santa Marta. Bisher gab es da nie irgendwelche besonderen Aktionen, sondern jeder weiß, dass kein Kontakt nach außen erlaubt ist. Der Telefonverkehr ist dann gesperrt auf den Zimmern, man nimmt also das Handy also am besten gar nicht erst mit.“

http://de.radiovaticana.va/news/2013/02/26/kardinal_lehmann:_%E2%80%9Epapst-toto%E2%80%9C_eher_kontraproduktiv/ted-668474
German Mainzer Kardinal Lehmann kritisiert Intoleranz in muslimischen Staaten
Feb 23, 2013

Karl Kardinal Lehmann, kritisiert religiöse Intoleranz in muslimisch geprägten Staaten. Der ehemalige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz aus Mainz sagte der "Bild am Sonntag": "Wenn Muslime hier bei uns eine Moschee bauen können so hoch wie der Kölner Dom, dann möchte ich wenigstens in Saudi-Arabien eine Predigt halten können, ohne verhaftet zu werden. Auf dieses Gleichgewicht der Rechte kommt es im Verhältnis zwischen Islam und Christentum an. In Saudi-Arabien haben wir zum Beispiel ein solches Gleichgewicht nicht."

Kritik übte Lehmann auch an der "Wiedereinführung der Scharia mit Handabhacken und anderen Grausamkeiten in verschiedenen Ländern". Frauen würden "in unerträglicher Weise entwürdigt".

Grundsätzlich bekannte sich Lehmann zu einem interreligiösen Dialog, sieht diesen aber durch islamistische Tendenzen gefährdet: "Wir suchen grundlegend den Dialog mit dem Islam. Gerade Papst Benedikt hat diesen Dialog stark befördert. Schwierig wird es, wenn die muslimische Religion für ganz andere Zwecke instrumentalisiert oder Religion so verbreitet wird, dass sie keine Religionsfreiheit mehr bietet. Da sind dann klare Worte nötig."

http://www.allgemeine-zeitung.de/nachrichten/politik/rheinland-pfalz/12843420.htm
German "Unzulässige Vereinfachungen"
Feb 09, 2013
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann beklagt eine Boulevardisierung in den Medien. Es gehe oftmals nur noch darum, Sensationsgier zu erregen, schreibt der Kardinal in seine Kolumne für seine Bistumszeitung "Glaube und Leben".

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann beklagt eine Boulevardisierung in den Medien. Es gehe oftmals nur noch darum, Sensationsgier zu erregen, schreibt der Kardinal in seine Kolumne für seine Bistumszeitung "Glaube und Leben".

Lehmann äußert zugleich Verständnis für knapp gefasste journalistische Beiträge. Sie könnten durchaus einen ersten Eindruck vermitteln, bedürften aber einer längeren Erläuterung, etwa in Form eines Essays oder eines Kommentars. Das aber werde erschwert, wenn Vorgänge von Anfang an zugespitzt, manchmal auch dramatisiert würden, um eine besondere Aufmerksamkeit zu schaffen. Dann bleibe eine sachliche und nüchterne Betrachtung auf der Strecke: "Unsere Welt wird immer umfassender und differenzierter, während einige Medien glauben machen, man könne grenzenlos vereinfachen."

Unzulässige Vereinfachungen sieht Lehmann in letzter Zeit immer öfter bei Nachrichten über die Kirche. Als Beispiele nennt er solche über den Stopp der Missbrauchsstudie des Kriminologen Christian Pfeiffer und über die Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln.

Hoffnungslos verengte Sicht

Hinsichtlich des Kölner Falls spricht Lehmann von einer beinahe hoffnungslos verengten Sicht auf die Frage eines Ja oder eines Nein zur "Pille danach". Es falle dann vieles einfach aus, was grundlegend wichtig ist: "die menschliche Sorge, die Zuwendung zu einer tief verletzten Frau, die psychologischen und auch seelsorglichen Möglichkeiten, Empathie und Sensibilität, die medizinischen Maßnahmen, das Gespräch über den Vorfall und den möglichen Umgang mit den Folgen." Wenn alles reduziert werde auf die Verabreichung oder Verweigerung der "Pille danach", finde keine menschenwürdige, ganzheitliche Hilfe statt. Allein schon das Wort "Pille danach" sei vieldeutig und enthalte mehrere recht verschiedenartige Medikamente mit unterschiedlichen Wirkweisen, so Lehmann.

"Vorsicht, damit man nicht in solche Fallen tappt", mahnt der Kardinal auch die Medienverantwortlichen der Kirche. Man dürfe nicht einfach darauf losreden, sondern müsse die Bedingungen eines Interviews klären und vereinbaren, im Zweifelsfall auch eher auf ein Interview verzichten.

http://www.domradio.de/nachrichten/2013-01-29/kardinal-lehmann-ruegt-berichterstattung-zu-kirchenthemen
German Kardinal Lehmann kritisiert Vorgehen im Fall Schavan
Nov 03, 2012
Falsch, der Bildungsministerin "bewusste Täuschungsabsicht vorzuhalten"

Berlin, 18.10.2012 (KAP) Kardinal Karl Lehmann hat den Umgang mit der Doktorarbeit der deutschen Bildungsministerin Annette Schavan scharf kritisiert. Der Mainzer Diözesanbischof sagte am Mittwoch in Berlin, er äußere "Unmut" über die Behandlung einer Person, die "Jahrzehnte ihrer Lebenszeit in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt hat". Inhaltlich wolle er der Entscheidung der Fakultät nicht vorgreifen. Er hoffe, dass das Verfahren "nun weiter fair ausgetragen wird".

Allgemein erinnerte Lehmann an seine eigene langjährige wissenschaftliche Tätigkeit als Professor für Dogmatik, bei der er auch zahlreiche Promotionen betreut habe. Deshalb wisse er auch, "wie man damals gearbeitet hat". Dabei betonte er, dass es durchaus "da und dort Unvollkommenes" geben könne. Es sei allerdings etwas völlig anderes, daraus eine bewusste Täuschungsabsicht abzuleiten, zumal nach Jahrzehnten.

Lehmann äußerte sich beim Kardinal-Höffner-Kreis, einem Zusammenschluss katholischer Unions-Abgeordneter, der sich als Forum engagierter Christen an der Nahtstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versteht.

http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/50022.html
German Neuer Präfekt der Glaubenskongregation
Jul 16, 2012
Gratulationsschreiben von Kardinal Karl Lehmann an Erzbischof Gerhard Müller

Rom/Regensburg/Mainz. Am Montag, 2. Juli, wurde im Vatikan bekannt gegeben, dass Papst Benedikt XVI. den bisherigen Bischof von Regensburg, Professor Dr. Gerhard Ludwig Müller, zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt hat. Müller, der 1947 in Mainz geboren wurde, war 1978 in Mainz von Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht worden.

Die akademische Laufbahn von Gerhard Ludwig Müller ist eng mit dem heutigen Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, verbunden, bei dem er 1977 mit einer Arbeit über den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer zum Doktor der Theologie promoviert worden ist („Bonhoeffers Theologie der Sakramente", Frankfurt am Main 1979). Auch die Habilitation im Fach Dogmatik und ökumenische Theologie über die „Gemeinschaft und Verehrung der Heiligen. Geschichtlich-systematische Grundlegung der Hagiologie" (Freiburg u.a. 1986) im Jahr 1985 wurde von Kardinal Lehmann betreut. In einem Schreiben von Montag, 2. Juli, gratuliert Lehmann dem neu ernannten Präfekten der Glaubenskongregation. Im Folgenden dokumentieren wir das Schreiben im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Erzbischof, lieber Mitbruder Gerhard Müller!

Dein Heimatbistum Mainz und ich selbst gratulieren Dir zur heutigen Ernennung als neuer Leiter der Glaubenskongregation in Rom und wünschen Dir Gottes reichen Segen mit den Gaben des Heiligen Geistes zur Führung dieser für die gesamte Kirche besonders wichtigen Kongregation. Wir freuen uns über die Anerkennung, die Dein Wirken als theologischer Lehrer und als Bischof beim Heiligen Vater gefunden hat. Die zahlreichen Veröffentlichungen aus Deiner Hand haben Dich weltweit bekannt gemacht.

In Mainz erinnern wir uns gerne an Deine Studien an der Johannes Gutenberg-Universität und im Priesterseminar. Nach Deiner Priesterweihe am 11. Februar 1978 durch Hermann Kardinal Volk in Deiner Heimat Mainz-Finthen warst Du Kaplan in Klein-Krotzenburg, Bürstadt / St. Michael, in Offenbach / St. Josef, Religionslehrer an den Gymnasien Büdingen und Nidda. 1986 wurdest Du zum Professor für Dogmatik an die Ludwig-Maximilians-Universität in München berufen, wo Du sechzehn Jahre lang viele junge Menschen in die Katholische Glaubenslehre eingeführt und wiederum auch nicht wenige zu theologischen Lehrern ausgebildet hast. Bei der Bischofsweihe in Regensburg am 24. November 2002 haben wir die Segenswünsche Deiner Heimatdiözese überbringen dürfen.

Du bist nicht nur ein angesehener Lehrer der Glaubenslehre, der vor allem durch die vielen Auflagen und Übersetzungen Deiner sehr verbreiteten „Katholische Dogmatik" weithin wirkte, sondern hast in Deinen wissenschaftlichen Arbeiten wie wenige andere Themen aus der evangelischen Theologie bearbeitet, so z. B. über die Gestalt des großen Theologen Dietrich Bonhoeffer und die Bedeutung der Sakramente bei ihm, aber auch über die Verehrung der Heiligen in den reformatorischen Bekenntnisschriften und in der katholischen Theologie. Nicht vergessen werden dürfen auch Deine Studien zu grundlegenden Fragen der sogenannten Befreiungstheologie. Du hast darüber nicht nur in Lateinamerika Vorlesungen gehalten, sondern bist mit nicht wenigen Befreiungstheologen befreundet, nicht zuletzt mit Gustavo Gutierrez.

In Rom bist Du schon längere Zeit als theologischer Berater und seit Deiner Bischofsernennung als Mitglied wichtiger Kurienbehörden und Synoden, aber auch der Internationalen Theologenkommission bekannt geworden. Seit einigen Jahren gibst Du mit einem Institut in Regensburg zudem die Gesammelten Schriften von Papst Benedikt XVI. heraus. Nicht zu vergessen sind auch zahlreiche spirituelle Schriften aus Deiner Hand, z. B. zum Priestertum, zur Heiligen Messe und zur Gestalt von John Henry Kardinal Newman.

Wir freuen uns, lieber Mitbruder Gerhard, wenn Du mit Deinen zehnjährigen Erfahrungen als Bischof von Regensburg und in Deutschland die Gemeinschaft mit Deinem Heimatbistum aus der Heiligen Stadt lebendig aufrecht erhältst, versprechen Dir unser Gebet für Dich und Deinen hohen Auftrag und freuen uns über jede Begegnung mit Dir.

Auch im Namen des Domkapitels und der ganzen Diözese grüße ich Dich in brüderlicher Verbundenheit und in der Gemeinschaft unseres Glaubens

Dein
Karl Kardinal Lehmann
Bischof von Mainz"

http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/ordinariat/dezernate/dezernat_Z/pressestelle/index.html?f_action=show&f_newsitem_id=31004
German Was macht ein Bischof in seiner Freizeit? Mainzer Kardinal Lehmann im Interview
Jun 23, 2012

16.05.2012 - MAINZ

Wie wird man eigentlich Bischof? Kann man das lernen? Kinderreporterin Nelly interviewte Karl Kardinal Lehmann anlässlich seines 76. Geburtstages.

Viele Fragen hatte die achtjährige Kinderreporterin Nelly zu ihrem Interviewtermin mit dem Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann mitgebracht: „Was sind Sie eigentlich – Kardinal oder Bischof? Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Haben Sie sich früher auch mal gestritten?“ Die Atmosphäre war ungezwungen und herzlich und der Mainzer Bischof hat alle Fragen kindgerecht beantwortet. Ja, selbst ein Kardinal hat sich früher auch mal mit seinem Bruder gestritten. Nelly hat einige Fragen gestellt, die zahlreiche Menschen auch interessieren, vor allem, wie der Mainzer Bischof seinen heutigen Geburtstag verbringt und was er sich wünscht. „Zeit, über mich und mein Leben nachzudenken“, das ist sein eigentlicher Wunsch.

Youtube-Kanal des Bistums immer stärker genutzt

Die Rundfunk- und Öffentlichkeitsarbeit der Diözese Mainz hat das Kinderreporterinterview für die Homepage und den Youtube-Kanal des Bistums gefilmt. „Neben Fotos werden bewegte Bilder für die Nutzer unseres Online-Angebotes immer interessanter. Der Youtube-Kanal des Bistums wird deshalb immer stärker genutzt“, sagt Andrea Emmel, Pastoralreferentin und Video-Journalistin im Bistum Mainz.

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/11977720.htm
German Weihbischof Guballa im Mainzer Dom beigesetzt
Mar 25, 2012
Mainz. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist der Mainzer Weihbischof Dr. Werner Guballa am Mittwoch, 7. März, in der Bischofsgruft des Mainzer Domes beigesetzt worden. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, würdigte Guballa in seiner Predigt beim Requiem für seinen „großen und unvergesslichen Dienst“ im Bistum Mainz.

„Gewiss hat ihn der Herr über Leben und Tod gütig in seine weiten Arme aufgenommen und ihm das Licht des ewigen Lebens geschenkt. Wir werden ihm stets ein dankbares, lebendiges Gedenken bewahren", sagte der Kardinal. Lehmann wies darauf hin, dass „gestern und am heutigen Morgen" sehr viele Menschen von Weihbischof Guballa Abschied genommen hätten. „Die Wertschätzung und der Dank sind dadurch eindrucksvoll bezeugt worden", betonte der Kardinal. Weihbischof Guballa war am Montagnachmittag, 27. Februar, im Alter von 67 Jahren in Mainz an Lungenversagen gestorben. Im Juni 2011 war bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt worden. Guballa war seit 2003 Weihbischof im Bistum Mainz. Im Jahr 1996 war er als Generalvikar Mitglied der Bistumsleitung geworden.

In seiner Predigt hob Lehmann insbesondere die Art und Weise hervor, wie Guballa sein Amt als Weihbischof ausübte. „Er verband eine große Menschlichkeit mit einer hohen Einfühlungsgabe in Menschen. Gerade in seiner Zuständigkeit für die Personalverantwortung hatte er nicht nur Interesse an ihrem Dienst, sondern auch am Leben der Mitarbeiter. Er hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um allen, besonders in Notsituationen zu helfen. Immer wieder wirkte sich dies anregend für die Caritas aus, aber er hat auch viele Anregungen aus der Caritas für die Pastoral erhalten", sagte der Kardinal. Guballa sei sein „geistliches Fundament sehr wichtig" gewesen, in schwierigen Situationen blieb er stets „glaubwürdig". „Er hatte eine große kirchliche Solidarität, freilich ohne Scheuklappen und mit einer weiten Offenheit für alle Menschen und ihre Anliegen", sagte er.

Lehmann ging auch auf die Erkrankung Guballas ein, mit der der Verstorbene von Anfang an sehr offen umgegangen war. „Selten sind wir in unserer Hoffnung so enttäuscht worden wie im Blick auf den jähen Tod von Weihbischof Guballa. Neun Monate waren wir Zeugen, wie entschieden und eindrucksvoll er die Auseinandersetzung mit der schweren Krankheit aufnahm, wie sehr er monatelang auch sichtbar vor vielen Menschen mit ihr kämpfte, wie er gerade in den letzten Wochen durch die Wirkungen der Chemotherapie und besonderer Bestrahlungen Hoffnung schöpfen durfte auf eine hilfreiche Operation. ,Ich gehe meinen Weg nicht in Angst, sondern in Zuversicht.' Da machte eine Lungenentzündung, die der geschwächte Körper nicht mehr genügend abwehren konnte, alle Zuversicht zunichte", sagte der Kardinal.

Lehmann verlas nach seiner Predigt ein Schreiben, in dem Papst Benedikt XVI. durch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone den Verstorbenen würdigte. Darin heißt es: „Seine Heiligkeit verbindet sich mit Ihnen und dem ganzen Bistum im Gebet für den heimgegangenen Hirten. In seinem geistlichen Wirken ließ sich der Verstorbene stets von dem Wort leiten, dass der Glaube in der Liebe wirksam ist, und so die Liebe Gottes alle Menschen erreicht. Jesus Christus, der gute Hirte, vergelte ihm sein Tun mit himmlischem Lohn und schenke ihm das Leben in Fülle in der Gemeinschaft der Heiligen. Von Herzen erteilt Papst Benedikt XVI. allen, die in Gebet und Opfer des verstorbenen Weihbischofs gedenken, den Apostolischen Segen."

An der Trauerfeier nahmen insgesamt 18 Bischöfe und Weihbischöfe teil, unter ihnen der ehemalige Apostolische Nuntius von Belgien und Luxemburg, Erzbischof Dr. Karl-Josef Rauber, der aus dem Bistum Mainz stammt, der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, der Erzbischof von Bamberg, Professor Dr. Ludwig Schick, der Bischof von Aachen, Dr. Heinrich Mussinghoff, sowie Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Limburg, Weihbischof Robert Brahm, Trier, und Weihbischof Otto Georgens, Speyer. Als Vertreter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nahm unter anderen Propst Dr. Klaus-Volker Schütz an dem Requiem teil. Von politischer Seite waren unter anderen Staatsministerin Doris Ahnen sowie der Mainzer Bürgermeister Günter Beck gekommen. Auch die Bannerdelegationen der Jugendverbände im Bistum Mainz gaben Weihbischof Guballa das letzte Geleit. Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Domorganist Daniel Beckmann an der Orgel sowie vom Mainzer Domchor unter Leitung von Domkantor Karsten Storck.
Beerdigung in der Lulluskrypta

Nach der Feier des Requiems wurde der Sarg Guballas durch den Mittelgang und das nördliche Seitenschiff in die Bischofsgruft getragen, wo der Weihbischof seine letzte Ruhestätte findet. Die Bischoftsgruft, die so genannte Lulluskrypta, unter dem Westchor war erst bei Umbauarbeiten im Mainzer Dom zwischen 1925 und 1928 gebaut worden und wird seitdem als Grablege für die Mainzer Bischöfe genutzt. Dort sind die Gräber der Bischöfe Ludwig Maria Hugo (verstorben 1935), Albert Stohr (1961), Weihbischof Josef Maria Reuß (1985), Kardinal Hermann Volk (1988) und Weihbischof Wolfgang Rolly (2008). Außerdem ist Erzbischof Johann Friedrich Karl von Ostein (1763) dort beerdigt.
Aufbahrung in der Memorie

Am Dienstag, 6. März, war der Leichnam von Weihbischof Guballa durch das Liebfrauenportal in den Mainzer Dom überführt worden. Anschließend wurde der Sarg in der Memorie des Domes aufgebahrt. Die Liturgie gestalteten Domdekan Prälat Heinz Heckwolf und Dompräbendat Dr. Franz-Rudolf Weinert. Nach der Liturgie trugen sich Kardinal Lehmann und die Mitglieder des Mainzer Domkapitels als erste in das Kondolenzbuch für Weihbischof Guballa ein.

Werner Guballa wurde am 30. Oktober 1944 in Marienborn bei Mainz geboren. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Theologie zunächst an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und später an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Kardinal Jan Willebrands weihte ihn am 10. Oktober 1970 in Rom zum Priester. Im Jahr 1975 schloss Guballa seine Studienzeit in Rom mit einer theologischen Promotion über den Dominikaner Melchior Cano OP ab. Noch im gleichen Jahr nahm er seine Seelsorgetätigkeit im Bistum Mainz als Kaplan in Bensheim-St. Georg auf. Von 1977 an war er fünf Jahre als Subregens und Ökonom am Bischöflichen Priesterseminar in Mainz tätig. Im Februar 1982 beauftragte ihn Kardinal Hermann Volk mit der Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde St. Albertus in Mainz. 1991 wechselte er als Pfarrer nach Darmstadt-St. Ludwig, wo er 1992 auch zum Dekan des Dekanates Darmstadt gewählt wurde.

Am 1. Oktober 1996 übernahm Guballa in der Nachfolge von Martin Luley das Amt des Generalvikars im Bistum Mainz. Guballa wurde am 20. Februar 2003 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof ernannt und gemeinsam mit Dr. Ulrich Neymeyr am Ostermontag, 21. April 2003, von Kardinal Karl Lehmann im Mainzer Dom zum Bischof geweiht. Seit 1. Mai 2003 war er als Bischofsvikar für die Geistlichen und Ordensleute im Bistum Mainz sowie für das Institut zur geistlichen Begleitung der hauptberuflich in der Seelsorge Tätigen verantwortlich. Anfang 2004 war Guballa von Kardinal Lehmann zum Bischofsvikar für die Caritas und zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Caritasverbandes für die Diözese Mainz ernannt worden. Bei der Deutschen Bischofskonferenz war er in den Kommissionen Weltkirche sowie Ehe und Familie tätig. Als Mitglied der Kommission für Wissenschaft und Kultur war er der zuständige Bischof für die Seelsorge an den deutschen Hochschulen. Papst Johannes Paul II. würdigte ihn mit den Ehrentiteln „Kaplan seiner Heiligkeit" (Monsignore) im Jahr 1992 und „Ehrenprälat Seiner Heiligkeit" (Prälat) im Jahr 1998.

http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/ordinariat/dezernate/dezernat_Z/pressestelle/index.html?f_action=show&f_newsitem_id=29016
German Kardinal Lehmann will keinen «Basta-Papst»
Oct 15, 2011
Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat Erwartungen kritisiert, Papst Benedikt XVI. könne in Sachen Ökumene ein Machtwort sprechen. Mit diesen Fragen beschäftigten sich seit Jahren theologische und kirchenamtliche Gremien, schreibt Lehmann in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag für die Bistumszeitung «Glaube und Leben» (9. Oktober).

«Ich möchte keinen Papst haben, der diese Arbeiten, aber auch die noch offenen Fragen aus Anlass eines Besuches einfach mit einer einseitigen Entscheidung übergeht», erklärte der frühere Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. «Der Basta-Papst ist nicht das wahre katholische Bild des Petrusnachfolgers. Plötzlich wollen sogar angeblich Liberale einen solchen autoritären Papst! Gott bewahre uns davor.»

Papst Benedikt XVI. hatte im September Deutschland besucht. Viele hatten dabei auf Fortschritte in der Ökumene gehofft. «Die Erwartungen türmen sich bei solchen Pastoralbesuchen, besonders in unserem Land, immer wieder beim Thema Ökumene», bemerkte Lehmann. «Der Papst konnte gar nicht einlösen, was im Vorfeld und noch während dieser Tage von ihm gefordert war.»

Dennoch sieht Lehmann auch eine verpasste Chance während der Papst-Reise. «Vielleicht hätte hier manches, auch in der äußeren Regie, noch besser gemacht werden können», schrieb Lehmann. «Warum wurde z. B. die ökumenische Begegnung im Kapitelsaal des Augustinerklosters in Erfurt, als der Papst auch Martin Luther würdigte, nicht direkt im Fernsehen und im Radio wiedergegeben, da ja ohnehin schon aus Zeitgründen kein Gespräch möglich war?» Es habe aber auch so viele positive Anstöße für die Ökumene gegeben, «dass man nicht von einem Misslingen oder gar von einem Scheitern der Begegnung reden kann».

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinland/Rheinland-Pfalz-und-Nachbarn-Kardinal-Lehmann-will-keinen-Basta-Papst-;art158726,2926687
German Weltreligionen sollen Verantwortung tragen: Interview mit Kardinal Lehmann
Jun 25, 2011
SCHÖPFUNGSWOCHE II Mainzer Bischof befürwortet gemeinsame Aktion der Glaubensgemeinschaften

Anlässlich seines Besuches in Ingelheim erläutert Karl Kardinal Lehmann in folgendem Interview mit der AZ seine Beweggründe, nach Ingelheim zu kommen und seine Motivation, anlässlich der Schöpfungswoche einen Vortrag zu halten.

Sehr geehrter Herr Kardinal Lehmann, nur wenige Tage vor den Feierlichkeiten zu Ihrem 75. Geburtstag nehmen Sie sich die Zeit, zu einem Gottesdienst und Vortrag nach Ingelheim zu kommen. Was verbinden Sie mit Ingelheim?
Ingelheim ist mir in den bald 30 Jahren meines bischöflichen Dienstes durch manche Besuche in der Stadt, in den katholischen Pfarrgemeinden und natürlich auch bei der Firma Boehringer vertraut, aber auch die frühe und reiche Geschichte von Ingelheim ist nicht nur für die deutsche Geschichte wichtig, sondern auch für die Kirche.

Die Ingelheimer Schöpfungswoche ist eine gemeinsame Veranstaltung aller Glaubensgemeinschaften: von den christlichen Kirchen über die Zeugen Jehowas bis zu den muslimischen Gemeinden. Provokant gefragt: Darf ein katholischer Bischof und Kardinal bei so einem bunten Durcheinander mitmachen? Wie bewerten Sie eine solche Initiative?
Zunächst begrüße ich es sehr, dass man den elementaren Herausforderungen der heutigen Welt, besonders auch den Fragen der Bewahrung der Schöpfung, möglichst gemeinsam begegnet. Dies ist gerade die Aufgabe der Religionen, aber natürlich auch der Parteien. Es ist schon ein Erfolg, wenn man sich zur Diskussion dieser Fragen regelmäßig zusammenfindet. Ich habe in vielen Bemühungen die gemeinsame Verantwortung der Weltreligionen für diese Probleme oft hervorgehoben. Deswegen machen wir selbstverständlich bei solchen Initiativen mit. Jeder muss dabei freilich auch seine Grundüberzeugungen dem anderen verständlich machen. Man muss sich mit seinen eigenen Ansichten deswegen nicht verstecken.

Eine persönliche Frage zum Schluss: katholische Bischöfe müssen dem Papst zu ihrem 75. Geburtstag ihren Rücktritt anbieten. Vor wenigen Tagen hat der Papst Ihnen mitgeteilt, Sie mögen über Ihren Geburtstag hinaus bis auf weiteres im Amt bleiben. Ist die päpstliche Antwort für Sie Freude oder Zumutung?
Es ist eine Freude, weil ich meinen Dienst gern tue und weil es auch einen Vertrauenserweis des Papstes darstellt. Aber man braucht dafür eben auch viele Kräfte. Ich will in den Grenzen meines Alters und meiner Gesundheit das Beste geben. Aber gerade so ist man dankbar für jeden Tag.

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/ingelheim/ingelheim/10734440.htm
German Künstliche Kniegelenke für Kardinal Lehmann
Jun 25, 2011
Kardinal Karl Lehmann ist am Montag an den Knien operiert worden. Der Mainzer Bischof habe an Arthrose gelitten und deshalb in beiden Knien einen künstlichen Gelenkersatz erhalten, teilte das Bistum in Mainz mit.

Lehmann habe den Eingriff gut überstanden. In der kommenden Woche werde er in einer Reha-Klinik weiterbehandelt. Wann Lehmann seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen wird, steht noch nicht fest.
Lehmann
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Künstliche Kniegelenke für Kardinal Lehmann

aktualisiert am 07.06.2011, 11:24 Uhr | dapd

Kardinal Karl Lehmann ist am Montag an den Knien operiert worden. Der Mainzer Bischof habe an Arthrose gelitten und deshalb in beiden Knien einen künstlichen Gelenkersatz erhalten, teilte das Bistum in Mainz mit.

Lehmann habe den Eingriff gut überstanden. In der kommenden Woche werde er in einer Reha-Klinik weiterbehandelt. Wann Lehmann seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen wird, steht noch nicht fest.

Kardinal Lehmann war am 16. Mai 75 Jahre alt geworden. Erst Ende April hatte Papst Benedikt XVI. das kirchenrechtlich vorgeschriebene Rücktrittsgesuch des Kardinals abgelehnt. Bischöfe sind gemäß des kirchlichen Gesetzbuches verpflichtet, dem Papst anlässlich der Vollendung des 75. Lebensjahres ihren Rücktritt anzubieten. Lehmann war von 1987 bis 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

http://nachrichten.t-online.de/kuenstliche-kniegelenke-fuer-kardinal-lehmann/id_47010936/index?news
German „Herr Kardinal, wägen Sie Ihre Worte besser ab“ – Lehmanns Aussagen zum Alten Ritus
May 29, 2011

(Mainz/Rom) Kardinal Karl Lehmann, erst vor kurzem bestätigter Bischof von Mainz und ehemaliger Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, äußerte sich gegenüber der „Allgemeinen Zeitung“ zur Instruktion Universae Ecclesiae. Der Kardinal sprach dem Alten Ritus nicht seine Existenzberechtigung ab und verwies darauf, daß es in seinem Bistum „fünf oder sechs“ Orte gibt, an denen die Heilige Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zelebriert wird.

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, das Sakrament der Firmung im Alten Ritus zu spenden, antwortet der Diözesanbischof aber: „Daß sich Leute eine Firmung nach altem Ritus wünschen können, halte ich für Blödsinn.“ Der Kardinal scheint aber nicht auszuschließen, daß jemand eine solchen „Blödsinn“ doch wünschen könnte und fügte vorbeugend gleich hinzu: „Ich werde das nicht tun, sollen sie woanders hinreisen.“ Damit regt der ehemalige Vorsitzender deutschen Bischofskonferenz ein neues pastorales Modell an, das des „Gläubigen auf Wanderschaft“ durch die Diözesen.

Der Vatikanist Andrea Tornielli schrieb dazu: „Was soll man dazu sagen!? Ich könnte nicht behaupten, überrascht zu sein. Im Gegenteil. Es scheint mir bemerkenswert, daß es in der Diözese Lehmanns fünf oder sechs Zelebrationsorte im Alten Ritus gibt.“ Der Ton des Purpurträgers „scheint recht abschätzig“, so Tornielli. Dieser abfällige Ton, in dem der Mainzer Bischof über die außerordentliche Form des römischen Ritus spricht, soll offensichtlich die eigentliche Botschaft sein.

Der Vatikanist Tornielli, Autor des vor wenigen Monaten gemeinsam mit dem Vatikanisten Paolo Rodari veröffentlichten Buches „Der Papst im Gegenwind“, meint in Richtung Kardinal Lehmann: „Dem Papst wäre wahrscheinlich ein bißchen mehr geholfen, wenn die Kardinäle, auch jene, denen der Alte Ritus nicht paßt, ihre Worte besser abwägen würden.”

http://www.katholisches.info/2011/05/27/%E2%80%9Eherr-kardinal-wagen-sie-ihre-worte-besser-ab%E2%80%9C-%E2%80%93-lehmanns-aussagen-zum-alten-ritus/
German «Bin etwas zurückhaltend»
May 10, 2011

Mainz (dpa/lhe) - Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann steht der vom Papst angeordneten Verlängerung seiner Amtszeit nach eigenen Worten «etwas zurückhaltend» gegenüber. Wenn man 75 Jahre alt sei und die Grenzen des eigenen Lebens spüre, könne man sich gut vorstellen, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, sagte Lehmann am Mittwoch in Mainz. Andere seien in diesem Alter schon zehn oder zwölf Jahre pensioniert. Im Amt hingegen gebe es viele Aufgaben, die einen täglich forderten. «Ich glaube, dass es ganz natürlich ist, dass ich etwas zurückhaltend bin», sagte der Kardinal, der am 16. Mai 75 Jahre alt wird.

http://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-regional/kardinal-lehmann-bin-etwas-zurueckhaltend-17611628.bild.html
German Lehmann blickt nach vorn
May 10, 2011
MAINZ Eigentlich hatte Kardinal Karl Lehmann gestern über seinen bevorstehenden 75. Geburtstag plaudern wollen; über die vergangenen und gdie künftigen Jahre – die Zeit ohne Mainzer Bischofsstab. Doch dann lehnte der Papst das pflichtgemäß eingereichte Rücktrittsgesuch ab, und schon ist im Erbacher Hof zu Mainz nur noch von der Zukunft im Bischofsamt die Rede.

Hat das Lehmann nun überrascht? Der Kardinal lässt sich nicht in die Karten seines Gefühlshaushaltes schauen und bleibt so nüchtern, wie man ihn kennt. Nein, ein Freund solcher Verlängerungen sei er nicht, sagt er. Die Kriterien sind ihm nicht durchsichtig. Über Langeweile hätte er ohnehin nicht geklagt. So viele Manuskripte, die der Veröffentlichung harren, so viele Reden, die auf Symposien gewünscht werden! Doch wichtig sind ihm jetzt die Konsequenzen der päpstlichen Bitte. Und die sind einfach: "Ich werde einfach meinen Dienst weiter tun." Das Gute am Brief des Papstes: Das Geburtstagsfest wird keine Abschiedsfeier. Gottlob, kein Anlass zum "Personenkult", sagt Lehmann, der so etwas auch theologisch nicht schätzt.

Sein Blick nach vorn ermuntert zur Rückschau. "Je älter ich werde, desto dankbarer werde ich meinen Eltern", sagt er. Menschen, die ihm selbstlos das Studium ermöglicht hätten. Und gleich darauf folgt geistige Rückschau – erstaunlicherweise ist das die Zeit noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Aufbruchsstimmung, die Lehmann für die Jahre zwischen 1959 und 1962 ausmacht, ist seiner eigenen Aufbruchsstimmung geschuldet. Denn während in der Kirche die Bereitschaft zu Reformen wächst, sitzt Student Lehmann an seiner Doktorarbeit und liest Marx, Nietzsche, Heidegger.

Über den Brief aus Rom sind vor allem die Mainzer heilfroh. Man merkt es seinen Mitarbeitern an, wie sie ihren "Chef" pflegen und am Fahrstuhl in Empfang nehmen, obwohl es zum Hildegard-Saal nur ein paar Stufen sind. Aber die Entfristung ist für Lehmann auch ein deutliches Signal: "Ab jetzt läuft der Countdown; ab jetzt geht es dem Ende entgegen." Und der endgültige Abschied ist auch definiert: "Mit 80 Jahren ist dann Schluss. Das ist ein eisernes Gesetz in der Kirche." Außer für einen – den Papst natürlich, den Absender dieses folgenreichen Briefes.

http://nachrichten.rp-online.de/kultur/lehmann-blickt-nach-vorn-1.754829
German Papst bittet Lehmann zu bleiben
May 10, 2011
In einem Brief hat Benedikt XVI. jetzt das Rücktrittsgesuch von Kardinal Lehmann abgelehnt, das jeder Geistliche vor seinem 75. Geburtstag einreichen muss. Das heißt: Der Mainzer Bischof wird trotz gesundheitlicher Probleme auch künftig in der katholischen Kirche wirken.

Mainz Diese Absage des Papstes ist ausnahmsweise als Zusage zu verstehen. So ist das Rücktrittsgesuch von Karl Kardinal Lehmann – das der Mainzer Bischof vor seinem 75. Geburtstag am 16. Mai fristgerecht nach Rom schickte – jetzt abgelehnt worden. Etwas freundlicher formuliert: Papst Benedikt XVI. bittet Lehmann, auch künftig im Amt zu bleiben und zu wirken.

Das sind diese katholischen Spielregeln, die lange eingeübt sind und die für Laien oft ein wenig kapriziös erscheinen. Jeder Geistliche hat mit 75 ein solches, kirchenrechtlich vorgeschriebenes Gesuch einzureichen. Das wird dann angenommen oder abgelehnt – natürlich auch dies nach allen Regeln kurialer Wortkunst. Im Brief des Papstes, der über den Apostolischen Nuntius vor dem Osterfest nach Mainz gelangte, ist dann die lateinische Rede von einem Verbleib "donec aliter provideatur", das heißt übersetzt: bis auf andere Weise Vorsorge getroffen wird. Den zeitlichen Spielraum für eine Neubesetzung kann Rom demnach großzügig auslegen und flexibel handhaben.

Von einer Entscheidungsfreiheit des geistlichen Ruhestands-Kandidaten kann ohnehin keine Rede sein. Denn auch die so genannte Bitte des Heiligen Vaters ist keineswegs als Bitte zu verstehen. Im Grunde handelt es sich um eine Dienstanweisung für die endgültige Entfristung seelsorgerischen Wirkens. Zuletzt war mit dieser Bitte der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, 2008 bedacht worden.

Das Ansinnen des Papstes war vorhersehbar und ist gleichermaßen überraschend. Zum einen sind Personalfragen für Benedikt eine der lästigsten Aufgaben als Pontifex. Er schätzt es über alle Maßen, Würdenträger, die er kennt und zu denen er Vertrauen gefasst hat, so lange wie möglich im Amt zu belassen. Dazu zählt Lehmann, der 21 Jahre der Deutschen Bischofskonferenz vorstand und wie kein zweiter Bischof die katholische Kirche in Deutschland prägte – als einfühlsamer Moderator, leidenschaftlicher Ökumeniker und wirkmächtiger Theologe.

Aber Lehmann, obwohl er in Rom studierte und an der päpstlichen Universität Gregoriana gleich zweimal promoviert wurde, ist kein Römer geworden. Die Kurie war nie seine Heimat; dementsprechend hat es ihm dort bisweilen an Fürsprechern gemangelt. Das bekam er besonders bitter 1999 zu spüren, als sich zwar die Mehrheit der deutschen Bischöfe auf seine Seite schlug und für einen Verbleib in der staatlichen Schwangerenkonfliktberatung stimmte. Rom aber – unter beträchtlicher Mitwirkung des heutigen Papstes – lehnte den deutschen Weg ab und untersagte ein Mitwirken der katholischen Kirche an einem System, das eben auch die Abtreibung nicht ausschloss.

Und natürlich war auch das ein Zeichen: seine doch späte Ernennung zum Kardinal vor zehn Jahren. Man hat den nicht unkritischen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz warten lassen. "Ich konnte bislang auch ohne Titel meine Arbeit tun", hat er fast trotzig auf Nachfragen zu diesem Thema geantwortet. Als er aber dann, an einem sonnigen Februartag zur Kreierung vor Johannes Paul II. trat, begrüßte ihn das römische Kirchenvolk auf dem Petersplatz mit Bekundungen großer Anerkennung: "Papa Carlo" riefen ihm die Römer damals fröhlich und voller Respekt zu.

Lehmann und Ratzinger haben manchen theologischen und kirchenpolitischen Disput miteinander ausgefochten. Es wäre also mit der Annahme des obligatorischen Rücktrittsgesuchses für Papst Benedikt XVI. leicht und unaufgeregt gewesen, an die Spitze des Bistums von Mainz und damit als 88. Nachfolger des heiligen Bonifatius einen Rom-gefälligeren Hirten ins Amt zu setzen.

Dass dies nicht geschehen ist, zeigt, dass Benedikt sehr wohl weiß, welche Bedeutung Lehmann für die deutschen Katholiken hat und wie wertvoll er gerade in Zeiten von Kirchen- und Glaubenskrise noch sein kann. Auf einen wie Lehmann – mitunter "Rebellen-Bischof" genannt – scheint Rom nicht ohne Not verzichten zu wollen.

Lehmann, der Denker im Kardinalspurpur, der sein Mainzer Bischofshaus mit rund 100 000 Büchern in eine stattliche Bibliothek verwandelt hat, gehört nach wie vor zu den theologischen Wegweisern in Deutschland.

Sein Kopf ist bereit für künftig wichtige Aufgaben; sein Körper indes gibt andere Signale. Sein Knie bereitet ihm mittlerweile derart große Schmerzen, dass selbst kürzeste Wege zur Tortur werden. 2007 erlitt er während eines Gottesdienstes einen Schlaganfall; ein Jahr später musste er wegen eines drohenden Magendurchbruchs notoperiert werden.

Das ist der Tribut für viel zu viele Jahre unter Höchstbelastung. Geschont hat er sich nie. Erst die Warnrufe der Ärzte haben ihn einen kleineren Gang einlegen lassen. Eine zweite Ermahnung hat er sich selbst verordnet – mit seinem bischöflichen Wahlspruch: "State in fide", steht fest im Glauben.

http://nachrichten.rp-online.de/wissen/papst-bittet-lehmann-zu-bleiben-1.638421
German Fest zu Lehmanns Geburtstag
Apr 17, 2011

Kardinal Karl Lehmann wird am Montag, 16. Mai, 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass feiert das Bistum am Sonntag, 22. Mai, ein großes Bistumsfest.

Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst vor dem Dom, den Südwestrundfunk (SWR) und Hessischer Rundfunk (HR) live übertragen. Anschließend präsentieren sich Dekanate, Pfarreien, Verbände, Schulen und Einrichtungen an rund 130 Ständen. Dabei wird, ähnlich wie zum 70. Geburtstag des Mainzer Bischofs 2006 und zum Silbernen Bischofsjubiläum 2008, ein buntes Programm geboten. Auf zwei Bühnen im Freien und im Dom gibt es ab 13 Uhr Musik- und Kleinkunst. Das Fest endet um 17.30 Uhr mit einer Vesper im Dom.

Den Geburtstag selbst begeht Lehmann nach Angaben des Bistums in nicht-öffentlichem Rahmen. Der Kardinal wird am Vormittag des 16. Mai mit den Mitarbeitern des Bischöflichen Ordinariates einen Gottesdienst in St. Quintin feiern. Daran schließt sich ein Empfang im Bischöflichen Ordinariat an.

Bereits am Vorabend des Geburtstags gibt es um 18 Uhr ein Festkonzert im Dom. Domchor, Domkantorei, das Vokalensemble des Mädchenchores am Dom und St. Quintin werden mit Solisten und Mainzer Kammerorchester Werke von Johann Sebastian Bach und Mozart aufführen.

Karten für das Festkonzert gibt es zum Preis von zehn beziehungsweise fünf Euro im Infoladen des Bistums, Heiliggrabgasse 8, Telefon 25 38 88, und in der Dominformation, Markt 10, Telefon 25 34 12. Weitere Infos im Internet: www.mainzer-domchor.de.

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/10605175.htm
German Kardinal Lehmann fordert gemeinsames Auftreten der Kirchen
Apr 02, 2011

Ökumene bringt den Kirchen nach Ansicht des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann ein stärkeres gesellschaftliches Gewicht. "Sobald die Kirchen in einer Frage gemeinsam sprechen, haben sie ein unerhört viel größeres Echo, als wenn jeder für sich allein spricht", erklärte Lehmann in der "Zeit". Sie sollten daher stärker gemeinsam in der Öffentlichkeit auftreten.

Für die Kirchen kommt laut Lehmann viel darauf an, die Gemeinsamkeit, "von der uns trotz aller Spaltung viel mehr geblieben ist, als wir früher dachten, sichtbar zu machen". Wenn die Kirche mit ihrer Publizistik im säkularen Medienzeitalter unentbehrlich bleiben wolle, müsse sie dem Trend zur Vereinfachung entgegenwirken und geistige Führung leisten. "Die Menschen suchen immer stärker nach elementarer Orientierung", so Lehmann. "Wir werden mehr gebraucht, als wir selbst ahnen." Von der katholischen Presse erwartet Lehmann einen größeren "Mut zum Differenzieren". Es gelte, "dem Bedürfnis nach Schlagzeilen nicht mehr Opfer zu bringen, als unbedingt gefordert ist". Die katholischen Medien sollten sich zudem immer neue Themen aneignen. Die Kirche könne sich im Gespräch mit der Welt mehr aneignen, als "sie sich meist zutraut".

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-03/19654286-kardinal-lehmann-fordert-gemeinsames-auftreten-der-kirchen-003.htm
German Geht Kardinal Lehmann in den Ruhestand?
Jan 10, 2011
Mainz - In der Terminvorschau des Bistums für das kommende Jahr stehen zwei Veranstaltungen, die an sich schon bemerkenswert sind: Am Sonntag, 15. Mai, gibt es ab 18 Uhr im Dom ein Festkonzert zum 75. Geburtstag von Kardinal Karl Lehmann und am Montag, 16. Mai, findet dort ein Gottesdienst zum Geburtstag des Bischofs statt.

Mit Spannung warten nicht nur die Gläubigen, ob aus diesem freudigen Anlass noch etwas anderes geschieht. Denn: Üblicherweise können Bischöfe (wie auch Priester) anlässlich ihres 75. Geburtstages ein Gesuch an den Papst richten, um sich von ihren bischöflichen Pflichten entbinden zu lassen. In der Regel führen die Bischöfe gesundheitliche Gründe an. Das Geburtstagsfest des Bischofs könnte also ein Abschiedsfest werden.

Sein Rücktrittsgesuch könnte Bischof Lehmann jedenfalls guten Gewissens einreichen. Er war bereits im Dezember 2007 wegen Herzbeschwerden in einem Mainzer Krankenhaus behandelt worden. 2008 legte er den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz aus gesundheitlichen Gründen nieder. Die Sorge um Lehmann hielt an: Am 2. Juli 2008 brach er mit einer Kreislaufschwäche vor dem Altar zusammen. Wieder erholt, feierte er am 2. Oktober 2008 sein Silbernes Bischofsjubiläum. Am 3. November musste er wegen einer Darmoperation ins Krankenhaus.

Noch ist nicht bekannt, ob der Mainzer Bischof die Möglichkeit eines Rückzugs überhaupt in Erwägung zieht. „Das ist eine Angelegenheit allein zwischen dem Bischof und dem Papst“, heißt es offiziell. Zudem hat Lehmanns Vorgänger Hermann Volk 1978 damit negative Erfahrungen gemacht. Zum 27. Dezember, seinem 75. Geburtstag, hatte Kardinal Volk gemäß den Bestimmungen des kanonischen Rechts seinen Rücktritt eingereicht. Johannes Paul II. nahm das Gesuch nicht an und verlängerte die Amtszeit des Mainzer Bischofs um zwei Jahre. 1980 bot Volk erneut seinen Rücktritt an, der aber von Johannes Paul II. erneut nicht angenommen wurde. Diesmal wurde die Amtszeit sogar unbefristet verlängert. Erst 1982 gab der Papst dem Gesuch wegen der nunmehr angegriffenen Gesundheit Volks statt. Am 27. Dezember 1982 endete die 20-jährige Amtszeit des 86. Bonifatiusnachfolgers.

Daraus nun Schlüsse in die eine oder andere Richtung zu ziehen, wäre vermessen. Bischof Lehmanns Terminbuch ist bis Silvester 2011 gut gefüllt. Das ist aber insofern keine Überraschung, weil Lehmann das Gesuch noch nicht eingereicht hat und auch wohl niemand außer ihm selbst weiß, ob er es beabsichtigt. Für das Bistum und für Mainz wird dies eine spannende Frage. Schließlich ist Kardinal Karl Lehmann der bekannteste Mainzer und der angesehenste deutsche Katholik. Und gar über einen möglichen Nachfolger Lehmanns zu spekulieren, dafür ist es wohl viel zu früh.

http://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Geht-der-Kardinal-in-Ruhestand-_arid,182261.html
German Kardinal Lehmann ruft Kirche zu Mut und Selbstbewusstsein auf
Jan 10, 2011
Mainzer Bischof bekennt sich zur Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch  - Gedenken an verfolgte Christen

Mainz. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat die Kirche zum Jahreswechsel aufgerufen, ihre Botschaft mit Mut und Selbstbewusstsein zu verbreiten. In seiner Silvesterpredigt im Mainzer Dom bekannte er sich laut vorab verbreitetem Text erneut zu einer Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und sagte, hier dürfe es kein Vergessen geben.

Er sei aber gleichwohl der Meinung, «dass wir nach den schwierigen Erfahrungen dieses Jahres uns nicht innerkirchlich vergraben und hauptsächlich einen innerkirchlichen Dialogkurs fahren dürfen». Stattdessen solle die Kirche «die Sendung und das Zeugnis unseres Glaubens auch und gerade für unsere Zeit mutig und entschieden» auf sich nehmen, fügte Lehmann hinzu.

Der Kardinal wies den Vorwurf einer Vertuschung der Fälle von sexuellem Missbrauch erneut zurück. Er räumte aber ein, das «wir in nicht wenigen Fällen mit Anklagen und auch mit notwendigen Maßnahmen nicht mit dem nötigen Ernst und letzter Konsequenz vorgegangen» sind. Lehmann fügte laut Predigttext hinzu: «Es hat uns hart getroffen, wenn dadurch nicht wenige Menschen das Vertrauen zur Kirche und ihren Verantwortlichen verloren haben». Ausdrücklich dankte der Mainzer Bischof den Mitarbeitern in kirchlichen Kindergärten und sonstigen Einrichtungen für ihren «sensiblen, korrekten und in den allermeisten Fällen auch taktvoll-liebevollen Umgang mit so vielen Kindern und Jugendlichen».

Nicht nur die Kirche, die ganze Gesellschaft dürfe über die Missbrauchsfälle nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. «Wir haben genug und genügend klar zum Ausdruck gebracht, dass die Kirche sehr erschrocken ist über diese Vorfälle, die eigene Unzulänglichkeit erfahren und eingesehen hat und dass sie erneut um Vertrauen bittet», fuhr Lehmann fort. Er fügte aber hinzu: «Eine Inflation des Dialogversprechens und der Schuldbekenntnisse macht uns am Ende bei wichtigen Partnern und Instanzen lächerlich.»

Bedeutung von Ehe und Familie betont

In seiner Silvesterpredigt sagte Lehmann auch, in der Gegenwart gehe es immer wieder um die Religionsfreiheit und den Schutz des Glaubens in aller Welt. Heute gebe es in vielen Teilen der Welt eine außerordentlich große Verfolgung von Christen, die noch viel zu wenig beachtet werde. Der Kardinal nannte den Nahen und Mittleren Osten, und dort besonders Irak, sowie auch China.

Zu den positiven Erfahrungen des Jahres 2010 zählte er, dass die Wirtschafts- und Bankenkrise erstaunlich gut gemeistert worden sei, den 20. Jahrestag der deutschen Einigung, den Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München und die Einweihung der neuen jüdischen Synagoge in Mainz. Außerdem warb Lehmann für die Familie als «Urzelle der menschlichen Gesellschaft und in dieser Bedeutung alternativlos». Es sei ein großer Irrtum zu glauben, dass man die Institution Familie auf Dauer ohne die tragfähige Beziehung der Ehe aufrechterhalten könne.

http://www.nh24.de/index.php/vermischtes/22-allgemein/40514-kardinal-lehmann-ruft-kirche-zu-mut-und-selbstbewusstsein-auf
German Kardinal Lehmann: Kirchensteuer dient Wohlergehen des Staates
Dec 24, 2010

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat die Kirchensteuer verteidigt. Mit ihr trage die Kirche „zum Wohlergehen der Menschen in Staat und Gesellschaft“ bei. Der Kardinal betonte vor dem Kirchensteuerrat seines Bistums Mainz: die Kirche verwende die Steuer zum Beispiel für Kindertagesstätten und Schulen, durch die der Staat entlastet werde. Die Gesellschaft, so Lehmann, lebe zu einem nicht unerheblichen Teil auch von der Kirchensteuer. Er wies darauf hin, dass in Deutschland nur solche Kirchenmitglieder kirchensteuerpflichtig seien, die Lohn- und Einkommensteuer zahlten; das sei nur bei etwa einem Drittel der Kirchenmitglieder der Fall. epd

http://www.domradio.de/news/69911/kardinal-lehmann-kirchensteuer-dient-wohlergehen-des-staates.html
German Kardinal Lehmann fordert «neuen Mut zum Kirchesein»
Nov 03, 2010

Mainz (dpa/lhe) - Auch mit Blick auf die jüngsten Missbrauchsskandale hat der Mainzer Bischof Karl Lehmann einen «neuen Mut zum Kirchesein» gefordert. Der Kardinal sagte am Freitagabend in Mainz, es gelte, der Kirche treu zu bleiben, nicht nur weil sie als Glaubensgemeinschaft eine geistige Heimat sei, sondern «weil diese nicht nur eine menschliche Institution, sondern die Kirche Gottes, des Herrn, ist». Ein Grund für Traurigkeit und Frustration in der Kirche sei, dass es «so wenig bleibende und tiefgreifende Kirchenreform» gebe, ergänzte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/dpa/2010/10/09/kardinal-lehmann-fordert-neuen-mut-zum-kirchesein.html
German Kardinal Lehmann: Sinn für Frage nach ewigem Leben beinahe ausgetrocknet
Nov 03, 2010

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat eine Abstumpfung gegenüber den letzten Fragen von Leben, Sterben und Endgericht beklagt. Unheil, Unglück und Tod erschienen oft wie Naturkatastrophen, die keine Frage nach dem Warum und Wohin erlaubten. Es scheine, dass das „Wahrnehmungsvermögen und der Sinn schon für die Frage nach so etwas wie 'ewiges Leben' beinahe ausgetrocknet sind.“ Demgegenüber hob Lehmann die christliche Hoffnung auf ein ewiges Leben hervor. Diese sei nicht falsches Träumen über ein Jenseits. Stattdessen mache die christliche Besinnung darauf die Menschen bereit, „das sterbliche Leben ganz anzunehmen, ohne ihm jedoch zu verfallen“. – Lehmann äußerte sich zum Abschluss eines dreitägigen internationalen Symposiums in der Humboldt-Universität in Berlin.

http://www.domradio.de/news/68612/kardinal-lehmann-sinn-fuer-frage-nach-ewigem-leben-beinahe-ausgetrocknet.html
German Rom: Kardinal Lehmann würdigt Theologen Erik Peterson
Nov 03, 2010
Internationale Konferenz am Campo Santo Teutonico
25.10.2010

Rom, 25.10.2010 (KAP) Mit einem Vortrag Kardinal Karl Lehmanns ist eine internationale Konferenz über Leben und Werk des Theologen Erik Peterson (1890-1960) in Rom eröffnet worden. Vor rund 200 Zuhörern hob Lehmann am vergangenen Sonntagabend in der Kirche des Campo Santo Teutonico die inspirierende Rolle Petersons für das ökumenische Gespräch hervor; dieser war als evangelischer Theologe 1930 zur katholischen Kirche übergetreten. An der bis Dienstag dauernden Tagung zum 50. Todestag Petersons am 26. Oktober nehmen auch zahlreiche evangelische Wissenschaftler teil, darunter z. B. der Rektor der Berliner Humboldt-Universität, der Kirchenhistoriker Christoph Markschies. Die Teilnehmer der Konferenz wurden am Montag auch von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen.

Sowohl die katholische Kirche als auch die evangelischen Kirchen könnten von Peterson lernen, sagte der Mainzer Erzbischof in seinem Vortrag. Die katholische Kirche könne mit seiner Hilfe besser verstehen, in welchen Punkten ihr innerer Reichtum beschädigt oder verunstaltet worden sei. Die evangelischen Kirchen könnten durch eine Auseinandersetzung mit seinem Werk zu einer selbstkritischen Rekapitulation ihrer eigenen Geschichte gelangen, auch wenn sie einzelne Positionen nicht teilten. Wenn Katholiken und Protestanten auf diese Weise "gereinigt und erneuert", in Treue zum Evangelium gemeinsam den Weg zu Christus gingen, könnten sie untereinander eine Beziehung vertiefter Verbundenheit wiederentdecken, hob Lehmann hervor.

Der 1890 im Hamburg geborene Peterson, von 1924 bis 1929 Professor für Neues Testament und Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, trat 1930 im Alter von 40 Jahren zum Katholizismus über. Seit 1942 lehrte er am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie in Rom, seit 1947 bis zum seinen Tod 1960 als außerordentlicher Professor für Patrologie.

Die Schriften Petersons werden von der Diözese Mainz unter Federführung der Theologin Barbara Nichtweiß herausgegeben, die während der Konferenz ebenfalls referierte. Wie es heißt, verfolgt Papst Benedikt XVI. den Fortgang der Edition aufmerksam. Den 9. Band der Werkausgabe überreichte Lehmann dem Papst im vergangenen September während einer Audienz in Castel Gandolfo persönlich. In seinen Büchern nimmt der Papst mehrfach auf Peterson Bezug.

Vor Lehmanns Vortrag hatten der Bibliothekar und Archivar der Heiligen Römischen Kirche, Kardinal Raffaele Farina, und der Rektor des Campo Santo Teutonico, Prälat Erwin Gatz, die Gäste aus Italien und Deutschland begrüßt. Farina erinnerte in seinem Vortrag an die Unterstützung seines Vorgängers Kardinal Giovanni Mercati (1866-1957) für Peterson sowie zahlreiche namhafte deutsche Wissenschaftler, die schon in den 20er und 30er Jahren nach Rom kamen - nicht zuletzt, weil sie Gegner der Nationalsozialisten waren. Stefan Heid, Professor für Geschichte der Liturgie und Hagiographie am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie, zeichnete anschließend die römischen Jahre Petersons als Professor an dieser Forschungseinrichtung von 1942 bis zu dessen Tod 1960 nach.

Die Tagung geht auf die Initiative des italienischen Privatgelehrten Giancarlo Caronello zurück. Mitorganisatoren sind das deutsche Priesterkolleg Campo Santo Teutonico, das Päpstliche Institut für Christliche Archäologie sowie das Patristische Institut Augustinianum in Rom. Schirmherr der Veranstaltung ist die Vatikanische Bibliothek.
German Kardinal Lehmann fordert «neuen Mut zum Kirchesein»
Oct 14, 2010

Mainz (dpa/lhe) - Auch mit Blick auf die jüngsten Missbrauchsskandale hat der Mainzer Bischof Karl Lehmann einen «neuen Mut zum Kirchesein» gefordert. Der Kardinal sagte am Freitagabend in Mainz, es gelte, der Kirche treu zu bleiben, nicht nur weil sie als Glaubensgemeinschaft eine geistige Heimat sei, sondern «weil diese nicht nur eine menschliche Institution, sondern die Kirche Gottes, des Herrn, ist». Ein Grund für Traurigkeit und Frustration in der Kirche sei, dass es «so wenig bleibende und tiefgreifende Kirchenreform» gebe, ergänzte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/dpa/2010/10/09/kardinal-lehmann-fordert-neuen-mut-zum-kirchesein.html
German Medien: Kardinal Lehmann beklagt "Hemmungslosigkeit des Verdachts"
Sept 14, 2010

Mainz, 31.08.2010 (KAP) Einen allgemein und nicht zuletzt in Medien und bei staatlichen Stellen leichtfertigen Umgang mit Gerüchten und Anschuldigungen beklagt Kardinal Karl Lehmann. Es gebe heute oft eine "Hemmungslosigkeit des Verdachts", der bereits geäußert werde, bevor auch nur Anhaltspunkte dafür vorlägen, kritisiert der Mainzer Bischof und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Beitrag für seine diözesane Zeitung "Glaube und Leben".

Darin appelliert der Kardinal an die Medien, sich an die Unschuldsvermutung zu halten, bis ein gediegenes Urteil möglich sei. Staatsanwaltschaften wirft er vor, schon bei einem Anfangsverdacht an die Öffentlichkeit zu gehen. Man dürfe sich dann nicht wundern, wenn die Medien darüber berichteten.

Durch unbegründete Mutmaßungen über angebliche Schuldige würden Menschen in vieler Hinsicht belastet, so Lehmann, der konkret auf die Berichterstattung über den Tod von drei Säuglingen kürzlich in der Mainzer Universitätsklinik eingeht. Tagelang sei der Eindruck entstanden, als seien die Mitarbeiter der Klinikapotheke schuld daran, dass Darmbakterien in die Nährlösungen gelangt seien. Dann habe sich herausgestellt, dass die Verkeimung schon viel früher geschehen sei und die Verantwortlichen vor Ort nicht fehlerhaft gearbeitet hätten. Nun aber beschäftige sich kaum noch jemand mit dem ganzen Vorfall.
German Kardinal Lehmann betont Bedeutung von Religionsunterricht
Sept 09, 2010
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in Rheinland-Pfalz die Bedeutung des Religionsunterrichts hervorgehoben. In einem Brief an die Eltern von rund 10 000 Erstklässlern im Gebiet des Bistum Mainz forderte er die Eltern auf, sich über die Inhalte des Religionsunterrichts zu informieren

«Religiöse Bildung ist wichtig. Kinder haben ein Anrecht auf Religion», schrieb Lehmann laut Mitteilung des Bistums vom Donnerstag.

Dem Kardinal betonte, religiöse Bildung mache das Leben reicher und weite den Horizont. Hinzu komme der Bildungscharakter des Fachs. So könne man die Gesellschaft weder verstehen, noch gestalten, wenn man die aus der biblischen Tradition überlieferten Werte nicht beachte, unterstrich der Kardinal.

Zudem hätten Untersuchungen gezeigt, dass der Religionsunterricht neben Kunst und Sport an der Spitze der Beliebtheitsskala stünde. Nicht nur das gemeinsame Nachdenken über religiöse Fragen, sondern auch das kreative Arbeiten im Religionsunterricht spreche die Kinder an, betonte Lehmann.

http://www.ad-hoc-news.de/kardinal-lehmann-betont-bedeutung-von-religionsunterricht--/de/News/21543153
German Kardinal erhält Toleranzpreis in Salzburg
Sept 09, 2010

Der deutsche Kardinal Karl Lehmann erhält dieses Jahr den Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg. Die Auszeichnung werde ihm am Sonntag verliehen, berichtete die Katholische Presseagentur.


Ehrung für respektvolles Zusammenleben
Toleranz sei "nicht bloß ein Gelten- und Gewährenlassen, ein Dulden von Andersartigkeit, sondern Achtung und auch freie Anerkennung andersartiger Anschauungen und Handlungsweisen", sagte Lehmann, der seit 1983 Bischof von Mainz ist, den "Salzburger Nachrichten".

Es gehe auch um das Bemühen, die andersartige Meinung zu verstehen. "Auseinandersetzungen müssen darum auch in dieser Bereitschaft zum Verstehen, auch wenn der andere mir sehr fremd bleibt, ausgetragen werden, nicht mit irgendwelchen Formen von Gewalt", betonte der 74-Jährige.

Die 1997 ins Leben gerufene Ehrung würdigt Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich für die Wahrung der Menschenrechte und das respektvolle Zusammenleben über religiöse, nationale und ethnische Grenzen hinaus verdient gemacht haben.



Respektlosigkeit wird hingegen dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun derzeitig vorgeworfen. Mit seinen Aussagen zu den Todesfällen bei der Love Parade in Duisburg (D) hat der Bischof für gehörigen Wirbel gesorgt.

In der Überschrift seiner Online-Kolumne "Klartext" schrieb er vergangenen Freitag: "Love-Parade ist kein 'harmloses Feiern' - Wenn Gott 'straft', tut er dies mit der Absicht, den Menschen zurückzuholen, Gott straft aus Liebe!" Für eine Auszeichnung für besondere Toleranz hat sich der Weihbischof damit wohl nicht empfohlen.

Bei dem Techno-Spektakel am 24. Juli in Duisburg war eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Besucher kamen ums Leben. Mehr als 500 wurden verletzt und über 280 kamen ins Krankenhaus.

http://salzburg.orf.at/stories/462326/
German Kardinal Lehmann: Klassische Mann-Frau-Rollen schrittweise ändern
May 30, 2010

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat sich für einen „schrittweisen Wandel der klassischen Rollenvorstellungen von Mann und Frau“ ausgesprochen. Die Kirche trete für gemeinsam verantwortete Elternschaft ein, die es beiden Partnern ermögliche, die beruflichen und familiären Interessen auszubalancieren, heißt es in einem Grußwort Lehmanns, das am Dienstag bei einem Kongress der rheinland-pfälzischen Caritas in Ludwigshafen verlesen wurde. - Lehmann hatte seine Teilnahme kurzfristig absagen müssen.

http://www.domradio.de/news/64326/kardinal-lehmann-klassische-mann-frau-rollen-schrittweise-aaendern.html
French Le cardinal Lehmann et l’évangélisation des Juifs
May 06, 2010

J’ai parlé le 10 avril  des entretiens que le philosophe Robert Spaemann a accordés à l’éditeur français Stephen de Petiville. J’y lis encore ceci, qui me semble un débat fondamental:

« Un autre point m’inquiète: il concerne la déclaration du cardinal Lehmann à l’occasion du quarantième anniversaire de la déclaration Nostra Aetate. Il dit que pour les juifs le baptême n’est pas nécessaire. Certes il concède qu’il puisse y avoir quelques conversions, mais le chemin normal ne doit pas mener les juifs à l’Eglise. L’Eglise n’est plus l’Eglise des juifs et des païens, mais seulement l’Eglise des païens. Tout cela n’a aucun sens: il me semble au contraire qu’il faudrait dans les églises laisser le premier banc pour les juifs. C’est comme pour l’enfant prodigue dont le frère aîné ne veut plus venir à la fête. Il n’appartient pas à la communauté, mais il reste invité. Le fils prodigue devrait dire: « Voici, mon frère, ta place. » Mais non, c’est comme si l’enfant prodigue disait à son frère: « Nous n’avons pas besoin de toi. Tu as ta propre relation avec le père. Cela ne nous regarde pas. » Les païens doivent se convertir, mais non les juifs. C’est la pire forme d’antisémitisme que de dire que le Christ s’est fait homme non pour les juifs, mais uniquement pour les païens. »

http://www.chretiente.info/201005013328/le-cardinal-lehmann-et-levangelisation-des-juifs/
German Kardinal Lehmann über Erich Zenger:„Hochgeschätzter Theologe“
Apr 16, 2010

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8.4.2010
Kardinal Lehmann über Erich Zenger:„Hochgeschätzter Theologe“

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat den an Ostern verstorbenen Münsteraner Alttestamentler Erich Zenger als einen der am „meisten geschätzten und begabten Theologen der letzten 50 Jahre“ gewürdigt. Mit fachlicher Überzeugung und menschlicher Glaubwürdigkeit habe er eine ganze Generation von Theologen geprägt. Zengers Hauptwerk, die „Einleitung in das Alte Testament“, nannte Lehmann den wohl „größten und bedeutendsten Psalmenkommentar der letzten 100 Jahre“. Der Mainzer Kardinal und Zenger waren seit Beginn ihres Studiums an der Päpstlichen Universität Gregoriana freundschaftlich verbunden.

http://www.domradio.de/news/artikel_63029.html
German D: Lehmann spricht von Verleumdung
Mar 10, 2010

Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, weist Vorwürfe zurück, dass die Kirche in der Vergangenheit Missbrauchsfälle systematisch vertuscht habe. In einem Kommentar nennt der Mainzer Bischof dies eine – so wörtlich – „ganz und gar unberechtigte Unterstellung“ und eine „Verleumdung“. Zwar habe es früher sicher auch in einzelnen Fällen eine gewisse „Verharmlosung“ gegeben; doch sei die Kirche schon lange entschieden auf Aufklärung umgeschwenkt. Wer behaupte, dass die Kirche nicht wirklich aufklären wolle, verbreite „Unsinn“.
Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat derweil die Sexualmoral der katholischen Kirche als verlogen kritisiert. „Das Sexualleben steht bei ihr unter dem Verdacht, etwas potenziell Schlechtes zu sein“, sagte der 80-Jährigte in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“. Zugleich habe die Kirche in Sexualfragen stets strenge Maßstäbe an sich und ihre Mitglieder angelegt. Die inzwischen bekanntgewordenen Missbrauchsfälle zeigten jedoch, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklafften. Um ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, müsse die Kirche „von ihrem hohen Ross herunter“. Der ehemalige Jesuitenschüler bedauerte zugleich, dass der gesamte Jesuitenorden wegen des Fehlverhaltens Einzelner an den Pranger gestellt werde. Durch den Missbrauchsskandal an den Gymnasien des Ordens werde „die sehr gute Bildungs- und Erziehungsarbeit der Jesuiten diskreditiert“. Geißler wörtlich: „Das stimmt mich traurig.“
Die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger denkt weiter über eine Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährungsfrist nach. Das sagte die FDP-Politikerin der „Berliner Zeitung“. Zwar sei eine solche Verlängerung nur schwer zu bewerkstelligen, was die strafrechtliche Seite betreffe. Doch sei es möglich, die Fristen für den Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz zu verlängern. Leutheusser-Schnarrenberger war kürzlich von den deutschen Bischöfen scharf kritisiert worden, nachdem sie den kirchlichen Umgang mit Missbrauchsfällen kritisiert hatte.
Die neue Familienministerin Kristina Schröder begrüßt den Vorschlag der deutschen Bischöfe, einen Runden Tisch mit allen gesellschaftlich relevanten Gruppen zum Thema Missbrauch einzurichten. „Ich finde es falsch, jetzt nur die katholische Kirche an den Pranger zu stellen“, sagte die CDU-Politikerin der FAZ. „Probleme mit Kindesmissbrauch gibt es in unterschiedlichen Bereichen“: Nicht nur in kirchlichen Internaten, sondern etwa auch „in Sportvereinen oder in den Familien.“
(rv/kna/berliner zeitung/faz 03.03.2010 sk)
German Kardinal Lehmann weist Vorwürfe zurück
Mar 10, 2010

Kardinal Karl Lehmann ist Vorwürfen entgegengetreten, die katholische Kirche vertusche Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche. Zu behaupten, die Kirche habe keinen überzeugenden Willen zur Aufklärung, sei barer Unsinn, so Lehmann in einem Interview. Der Vorwurf, es gebe in der Kirche ein systematisches Vertuschen, erfüllt nach den Worten des Mainzer Bischofs den Tatbestand der Verleumdung. Es mache ihn in diesen Wochen traurig, „welche alten, manchmal sogar feindseligen Vorurteile ein zähes Leben haben“.

http://www.domradio.de/news/artikel_61786.html
German Gastkommentar von Karl Kardinal Lehmann zur gegenwärtigen Missbrauchsdebatte
Mar 10, 2010

Um von vornherein Klarheit zu schaffen: Jeder Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen ist, wo immer er geschieht, ohne Wenn und Aber zu verabscheuen, er ist wirklich ein Verbrechen, ein schweres Vergehen, in diesem Sinne auch eine schwere Sünde. Dadurch, dass ein solches Vergehen völlig unvereinbar ist mit Kirche, der in ganz besonderer Weise junge Menschen anvertraut werden, schadet es zusätzlich ihrer Glaubwürdigkeit nach innen und nach außen.

Unter dieser Voraussetzung möchte ich im Blick auf die Debatte der letzten Wochen zwei Stichworte herausgreifen, die einer Klarstellung bedürfen: Der Wille der Kirche zur „Aufklärung“ und der Vorwurf eines sogar systematischen „Vertuschens“.

Wille zur Aufklärung: Seitdem die Wissenschaft die „Pädophilie“ klar von anderen Verhaltensweisen im sexuellen Bereich abgegrenzt und in sich selbst zu erfassen gelernt hat, weiß man besser, dass es bei entsprechenden Vergehen nicht um einmalige moralische „Ausrutscher“ geht, sondern dass dahinter eine schwer aufklärbare und schwierig zu therapierende Verhaltensweise steht. Man muss sie viel ernster nehmen, als es früher möglich war. Darum ist auch ein bloßes „Versetzen“ von Tätern schlechterdings nicht erlaubt.

"Immer wieder um Aufklärung bemüht"

Die katholische Kirche gerade auch unseres Landes hat sich seit mehr als 20 Jahren immer wieder um diese Aufklärung bemüht. Sie hat einen von weltweit anerkannten Experten veranstalteten Kongress zur Pädophilie, wie er erstmals stattfand, und zwar im April 2003 im Vatikan, gefördert und auch die Veröffentlichung der Akten in englischer Sprache unterstützt. Als erste gesellschaftliche Gruppe haben wir „Leitlinien“ für den Umgang mit Opfern und Tätern formuliert (2002) und sie mit Experten nach den ersten Erfahrungen zweimal überprüft (2005 und 2008). Dabei ergaben sich nur geringfügige Änderungen. Dies schließt freilich eine regelmäßige Revision nicht aus.

Es ist also barer Unsinn zu behaupten, die katholische Kirche habe keinen überzeugenden Willen zur Aufklärung.

Vertuschen: Wer uns eine mangelnde Aufklärung vorwirft, ist nicht selten auch rasch bereit, der Kirche „Vertuschen“ vorzuwerfen. Wenn damit gemeint ist, dass man absichtlich Unrecht zudeckt und verbirgt, muss man den Beweis dafür erbringen. Früher hat es vielleicht, auch durch Unkenntnis und Unterschätzung, eine Verharmlosung oder gar Verniedlichung in einzelnen Fällen gegeben. Von heute aus mag dies als eine Form des unverantwortlichen Umgangs mit solchen Vergehen erscheinen. Heute, wo wir in vieler Hinsicht mehr wissen, ist dies in jedem Einzelfall unerlaubt. Es muss ohne Ansehen der Person eine lückenlose Aufklärung erfolgen.

"Schlimmer Vorwurf"

Ganz besonders schlimm finde ich aber nun den Vorwurf, der in den letzten Wochen öfter erging, es handele sich beim Verhalten der Kirche um ein geradezu systemisches bzw. systematisches „Vertuschen“. Dies ist eine ganz und gar unberechtigte Unterstellung, weil sie nicht nur den Unwillen zu einer Aufklärung annimmt, sondern weil sie auch ein regelrechtes Unterdrücken erkannten Unrechts voraussetzt. Dies steht in eklatantem Gegensatz zu dem, was wir an Aufklärung theoretisch und praktisch beigetragen haben. Ein solcher Vorwurf erfüllt den Tatbestand der Verleumdung. Dabei kommen dann auch manche ungeprüften Vorurteile an den Tag, nicht zuletzt die Beurteilung des Verhältnisses von Kirche und Sexualität, Zölibat und Sexualität.

Leider wird in diesem Zusammenhang, obgleich wir es immer wieder gesagt haben, etwas verschwiegen, was in Wirklichkeit ein großes Gewicht hat: Die Verantwortlichen in der Kirche tappen gegenüber Vermutungen und Gerüchten oft über lange Zeit im Dunkeln. Ich weiß nach bald 27 Jahren der Verantwortung als Bischof, wovon ich rede. Es ist mir in einigen Fällen trotz vielfacher Versuche meiner Mitarbeiter und von mir selbst, auch bei sehr eindringlichen Gesprächen mit möglicherweise Betroffenen, nicht gelungen, zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Ich habe auch früh von Experten zur Kenntnis genommen, dass im Bereich der Pädophilie eine extrem lang dauernde Leugnung von Vergehen zum Symptom gehört. Trotz aller Bemühung fehlte lange Zeit die nötige Klarheit.

Schließlich muss man in einer solchen Situation, gerade auch wenn man in amtlicher Verantwortung steht, einem Menschen bei allen Verdachtsmomenten bis zum Beweis des Gegenteils Glauben und Vertrauen schenken. Dies ist etwas völlig anderes als „Vertuschen“. Ich bin auch ethisch und rechtlich gehalten, niemanden nach innen und nach außen zu verurteilen, wenn ich keine Schuld erkennen kann. Dies wird sehr oft vergessen. Dieser Schutz der Person gilt auch im Umgang mit Behörden, nicht zuletzt den Staatsanwaltschaften.

"Feindselige Vorurteile"

Dennoch sind wir auch bei dieser Unsicherheit nicht untätig, naiv und blauäugig geblieben. Ich habe z.B. jemandem, dem ich nicht ganz trauen konnte, keinen Zugang zur Schule gewährt, weil ich in den Grenzen des Möglichen auch jede Gefahr von Kontakten vermeiden wollte.

Diese Dinge sind nicht neu. Ich jedenfalls habe sie seit vielen Jahren immer wieder, auch öffentlich, zum Ausdruck gebracht. Ich bin überrascht, warum nicht wenige diese schlichten Tatsachen nicht zur Kenntnis nehmen. Es macht mich in diesen Wochen manchmal traurig, wie viel Unwillen zu wahrer Aufklärung in diesem Bereich existiert und welche alten, manchmal sogar feindseligen Vorurteile ein zähes Leben haben.

http://www.allgemeine-zeitung.de/nachrichten/vermischtes/8526072.htm
German D: Kardinal Lehmann würdigt "Weiße Rose"
Jan 27, 2010

Kardinal Karl Lehmann hat den Widerstand der „Weißen Rose“ gegen das NS-Regime gewürdigt. „Auch wenn es eine kleine Gruppe war, so hat die Weiße Rose den deutschen Widerstand neben den Männern des 20. Juli auch im Ausland bekannt gemacht“, sagte Lehman am Donnerstagabend in einem Gastvortrag an der Universität München. Vor Angehörigen der Weißen Rose hielt der Mainzer Kardinal in diesem Jahr die traditionelle Weiße Rose Gedächtnisvorlesung zum Thema „Zivilcourage und Formen des Widerstands“. Einzig die Weiße Rose habe die Vernichtung der Juden so deutlich benannt, betonte Lehmann. Ihre Mitglieder seien herausragendes Beispiel einer ethisch und religiös verankerten Zivilcourage.

In seinem Vortrag erläuterte der Kardinal die kulturgeschichtliche Entwicklung des Begriffs Zivilcourage in seinen unterschiedlichen Bedeutungen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Zivilcourage bedeute freimütig alles zu sagen und sich dabei der Wahrheit zu verpflichten, so der Kardinal. In diesem Sinne sei sie „ein grundlegender Strang des europäischen politischen, ethischen und religiösen Denkens, das sich ganz besonders im vorbildlichen Leben, Wirken und Sterben der Mitglieder der Weißen Rose vollendet“, sagte Lehmann.

Unter den Zuhörern im vollbesetzten Audimax waren neben zahlreichen Studenten und dem Rektor der Ludwigs-Maximilians-Universität, Bernd Huber, auch der emeritierte Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, die ehemalige FDP-Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher sowie Prinz Christoph von Bayern.

http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=351208
German Engagement für Kinder
Jan 18, 2010
KLEPPERGARDE OB würdigt Kardinal

(ums). "Herzliches Danke für die Verleihung des Meenzer Jockelche", sagte Karl Kardinal Lehmann am Donnerstagabend im Erbacher Hof. Dort erhielt er die Auszeichnung der Mainzer Kleppergarde, die sie an Personen oder Institutionen verleiht, die sich für Kinder und Jugendliche engagieren. Als Laudator betonte Oberbürgermeister Jens Beutel, er habe mit Kardinal Lehmann eine Persönlichkeit "die mich nicht nur freut, sondern auch ehrt". Seine besondere Hinwendung zu an den Rand gedrängten Gruppen, wozu auch Kinder und Jugendliche gehörten, sei hervorzuheben. Die Jury überzeugte Lehmann dadurch, dass es ihm ein besonderes Anliegen sei, die Jugend mit einzubeziehen. Dies habe er bei Veranstaltungen wie etwa bei dem 150-jährigen Katholikentag 1998, beim Weltjugendtag 2005, bei Bistumsfesten und zuletzt auch beim Domjubiläum immer wieder gezeigt. Viele Veranstaltungen seien so konzipiert worden, dass Kinder und Jugendliche mitmachen konnten. Zudem liege sein Schwerpunkt auf dem Schutz und der Hilfe für Kinder. Des Weiteren würdigte Beutel die Jugendarbeit der Kleppergarde. Als erster Verein nahm sie Kinder und Jugendliche mit auf den Rosenmontagszug. Auch Kardinal Lehmann lobte die Kleppergarde, die sich intensiv um die Jugend bemühe. Die 1111 Euro Preisgeld spendete Lehmann an das Netzwerk Leben. In seiner Dankesrede sagte er mit Blick auf die Preisträger der vergangenen Jahre: "Ich bin bescheiden geworden als ich gesehen habe, wen sie mit dem Meenzer Jockelche geehrt haben." Seit dem Jahr 2009 wird die Auszeichnung im Erbacher Hof und nicht mehr bei der Sitzung "Jugend in die Bütt" verliehen, erklärte Generalfeldmarschall Eberhard Schneider. Im Rahmen der Veranstaltung feierte Kleppergarde-Präsident Peter Müller seinen 53. Geburtstag. Für Musik sorgte das Karl-Heinz Nagel-Trio. Zum Programm zählten ein Tanz der zehnjährigen Anna Baureiß sowie eine neue Interpretation des Märchens "Aschenputtel" durch die katholische Jugendgruppe von St. Stephan aus Gonsenheim. Gardesängerin Julia Mathes sorgte für Stimmung mit Fastnachtsliedern. Wie "Dinner for one" auf rheinhessisch abläuft, führten Marie-Luise Thüne und Friedrich Grün vor. Zum Abschluss trat Andreas Schmitt, Sitzungspräsident der "Eiskalte Brüder", als Messdiener des Kardinals auf.

http://www.allgemeine-zeitung.de/8229409.htm
German Interreligiöser Dialog ist notwendig
Nov 29, 2009
Kardinal Karl Lehmann mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet

Wiesbaden. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat den Dialog der Religionen als „dringende Voraussetzung und Struktur des gesellschaftlichen Zusammenlebens heute“ bezeichnet.

„Das Verstehenwollen und das Verstehen selbst sind gerade in unserer globalisierten Welt, wo alles näher zusammenrückt, unbedingt notwendig. In der Bereitschaft zum interreligiösen Dialog liegt eine gute Voraussetzung zu einer möglichst herrschaftsfreien Begegnung und zum Gelingen des Dialogs, schließlich auch zu mehr Toleranz", sagte Lehmann am Donnerstag, 26. November, bei der Verleihung des Hessischen Kulturpreises im Kurhaus in Wiesbaden. Lehmann wurde gemeinsam mit Professor Dr. Salomon Korn, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem Schriftsteller Dr. Navid Kermani und Professor Dr. Peter Steinacker, langjähriger Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), mit dem Preis ausgezeichnet. Er ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert.

Weiter sagte Lehmann, dass der interreligiöse Dialog „eine große Stärke in der Selbstbehauptung und zugleich Offenheit zum Partner", brauche. „Die Notwendigkeit dieses Dialogs in unserer Welt kann überhaupt nicht übersehen werden. Er verlangt Respekt, Achtung und die Anerkennung derselben Ranghöhe." Der Dialog werde fruchtbarer, wenn er die Stärken des Partners „aufsucht und würdigt". „Dies braucht jedoch nicht zu verhindern, dass man Schwächen aufdeckt und auch ideologiekritische Anfragen zulässt. Es ist überdies elementar notwendig, im Bereich der eigenen Religion selbst ohne Vorurteile Wesen und Unwesen zu unterscheiden und namhaft zu machen", unterstrich der Kardinal. Im Gegenüber zu einer anderen Religion begreife man sich selbst besser und entdecke tiefer und leichter die eigenen Grenzen.

Lehmann wies außerdem darauf hin, dass im interreligiösen Dialog nicht nur intellektuelle oder theologische Positionen aufeinander träfen, sondern das religiöse Zeugnis in der Mitte stehe. „Ohne die Berücksichtigung dieses Lebenszeugnisses wird das Gesicht einer Religion entfremdet. Durch die Berücksichtigung des fundamentalen religiösen Zeugnisses verändert sich der interreligiöse Dialog und bekommt eine eigene Qualität. Dadurch verbessert sich die Chance des Verstehens", sagte er. Als ein wesentliches Ziel des Gesprächs der Religionen benannte der Kardinal den Umgang miteinander: „Alles kommt zuerst darauf an, zu lernen, wie man - trotz mancher Verschiedenheit - miteinander umgeht."
Koch: „Sie haben uns gezeigt, wie man Probleme aus dem Weg räumen kann"

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte in seiner Laudatio, dass die deutsche Gesellschaft mehr denn je vor der Herausforderung stehe, Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und weltanschaulichem Hintergrund zu einem friedvollen Miteinander zu bringen. Er thematisierte in seiner Rede auch ausführlich die Auseinandersetzungen um die Preisvergabe und verwies auf das klärende Gespräch der Preisträger am 28. August dieses Jahres im Mainzer Bischofshaus. „Sie haben uns vor Augen geführt, wo die Schwierigkeiten und Probleme im religionsübergreifenden Dialog liegen. Aber sie haben uns auch gezeigt, wie man diese Probleme aus dem Weg räumen kann." Er bezeichnete die vier Preisträger als „Brückenbauer". Mit dem Hessischen Kulturpreis würdige man vier Personen, die sich „in besonders vorbildlicher Weise für den religionsübergreifenden Dialog engagiert und damit einen Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden geleistet haben", sagte Koch.
Dankworte der drei weiteren Preisträger

Auch Navid Kermani ging in seiner Rede auf die Konflikte um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises ein. Er betonte, das eine multikulturelle, multireligiöse Gesellschaft niemals eine konfliktfreie Gesellschaft sein werde. „Entscheidend ist vielmehr, ob sie ihre Konflikte auf friedvolle und konstruktive Weise austrägt. Und das war der Konflikt, der hinter uns liegt: Er war bei aller Schärfe im Ton friedlich, und er war konstruktiv", sagte er. Kermani kündigte an, sein Preisgeld der katholischen Pfarrgemeinde St. Theodor in Köln-Vingst und für deren sozialen Projekten zu spenden.

Salomon Korn unterstrich in seiner Rede, dass Toleranz die Voraussetzung dafür sei, „um die Wirklichkeit in ihrer Komplexität zu begreifen". „Der interreligiöse Dialog dient dem Verstehen einer immer komplexer werdenden Realität", sagte er. Ein fruchtbarer interreligiöser Dialog könne nur gelingen, wenn alle am Gespräch Beteiligten bereit seien, sich mit der Geschichte ihrer Religion auseinander zu setzen. „Toleranz beginnt dort, wo Einverständnis endet", unterstrich Korn.

Kirchenpräsident i.R. Steinacker sagte in seinem Dankwort, dass ohne religiöse Toleranz eine moderne, pluralistische Gesellschaft nicht funktionsfähig sei. Insbesondere der Respekt vor der „Hoheit und Schönheit des anderen", auch des fremden Gottesverständnisses, fordere Toleranz. „Die Akzeptanz des mir Fremden als Fremdes und nicht seine Assimilation in meine Vorstellung, also das respektvolle Unangetastetlassen dessen, was dem anderen heilig ist, bildet die Basis einer Beziehung, die den anderen Glauben weder bejaht, noch ihm einfach indifferent gegenübersteht, also wirklich tolerant ist", sagte Steinacker.

http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/ordinariat/dezernate/dezernat_Z/pressestelle/index.html?f_action=show&f_newsitem_id=18324
German „Unentbehrlich für die Geschichte von Theologie und Kirche“
Oct 23, 2009
Kardinal Lehmann stellte neuen Doppelband der Erik Peterson-Edition vor

Frankfurt. Als „unentbehrlich für die Geschichte von Theologie und Kirche im 20. Jahrhundert“ hat der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, den gerade erschienenen Doppelband der Edition der „Ausgewählten Schriften“ von Erik Peterson (1890 bis 1960) aus dem Würzburger Echter-Verlag bezeichnet. Er präsentierte zusammen mit der Herausgeberin Dr. Barbara Nichtweiß den neunten der auf zwölf Bände angelegten Edition mit dem Titel „Theologie und Theologen“.
Die Präsentation fand am Freitag, 16. Oktober, am Stand des Echter-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse statt. Nichtweiß, die im Bischöflichen Ordinariat in Mainz die Abteilung Publikationen leitet, hatte ein Exemplar des Doppelbandes am 11. September im Rahmen einer Privataudienz von Kardinal Lehmann in Castel Gandolfo persönlich an Papst Benedikt XVI. übergeben können.

Der erste Teilband führt bereits veröffentlichte und bisher unveröffentlichte Beiträge Petersons zur Frage nach dem Wesen der Theologie und ihrem Erscheinungsbild in der protestantischen und katholischen Welt zusammen. Ein Schwerpunkt ist eine frühe Vorlesung Petersons über Thomas von Aquin (1923/1924). Im zweiten Teilband steht der Briefwechsel mit dem evangelischen Theologen Karl Barth im Mittelpunkt. Wörtlich sagte Lehmann dazu: „Es ist höchst aufschlussreich, auf diese Weise einen sehr genauen Blick tun zu dürfen in das reiche, freilich auch schwierige und manchmal extrem belastete Leben eines Theologen, der von der evangelischen zur katholischen Kirche gewechselt ist und in vieler Hinsicht nicht nur zwischen die Mühlsteine böser Zeiten, sondern auch in das Räderwerk vieler Auseinandersetzungen in den beiden Kirchen gekommen ist."

Petersons Texte führen „in eine radikale theologische Mitte hinein, die jenseits der üblich gewordenen Schablonen und Extreme steht", sagte Lehmann. Und weiter: „Auch wenn man aus heutiger Sicht nicht mehr jeder einzelnen streitbaren Äußerung unkritisch zustimmen kann, fordert Erik Peterson grundsätzlich doch auch die ökumenischen Bemühungen auf der Ebene theologischer Arbeit zu einer letzten Anstrengung auf, sich wirklich den wahren Fragen aus der Tiefe des biblischen und christlichen Glaubens, aber auch der Geschichte der Kirchen zu stellen. Insofern hat Erik Peterson, recht gelesen und verstanden, die Zukunft noch vor sich." Er dankte der Herausgeberin, „die auf überzeugende Weise inhaltliche Schwerpunkte" gesetzt habe und dem Verlag, dem für die Unterstützung der seit 1994 erscheinenden Edition „großer Dank gebühre".

Nichtweiß wies darauf hin, dass die Erik Peterson-Edition aus ihrem eigenen Dissertationsprojekt entstanden sei. Bischof Lehmann habe ihr als Doktorvater damals eine Arbeit über das Werk Petersons vorgeschlagen. Es sei nun bereits 22 Jahre her, dass sie zum ersten Mal das Nachlassarchiv des Theologen an der Universität Turin besucht habe. „Die Fülle völlig unbekannter Manuskripte, Notizen, Tagebücher und Briefe, auf die ich damals in Turin stieß, war eine große Überraschung und Herausforderung, ja geradezu ein Abenteuer im Blick auf die vielen persönlichen Verbindungen Petersons zu anderen einflussreichen Gestalten seiner Zeit." Und weiter: „Zugleich habe ich diese unerwartete Ausbeute immer als Verpflichtung empfunden, es nicht bei einer sekundären Darbietung und Zusammenfassung des reichen Gedankengutes Erik Petersons zu belassen, sondern auch die Originaltexte für interessierte Leserinnen und Leser zugänglich zu machen."

Mit dem gerade erschienenen Doppelband sei „eine wichtige Etappe in der Peterson-Edition erreicht", sagte Nichtweiß. Sie wies darauf hin, dass im kommenden Jahr anlässlich Petersons 120. Geburtstag (7. Juni) in Mainz eine Buchpräsentation mit Vorträgen des Theologen zum altchristlichen Kirchenbegriff stattfinden werde und außerdem anlässlich seines 50. Todestages (26. Oktober) ein mehrtägiges, internationales Symposion in Rom geplant sei.

Hinweis: Erik Peterson, Theologie und Theologen. Mit einem Geleitwort von Karl Kardinal Lehmann. Herausgegeben von Barbara Nichtweiß. Echter-Verlag, Würzburg 2009. Teilband 9/1: Ausgewählte Schriften. LXXII und 696 Seiten, 78 Euro. ISBN 978-3-429-03162-6 und Teilband 9/2: Ausgewählte Schriften. LXXX und 584 Seiten, 68 Euro ISBN 978-3-429-03163-3. Beide Bände zusammen sind für 135 Euro erhältlich, ISBN 978-3-429-03164-0.

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German Lehmann: "Jeder nimmt, wo er kann"
Sept 13, 2009
Kardinal Karl Lehmann ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. In der aktuellen Ausgabe der "Frankfurter Rundschau" äußert er sich in einem Interview zu verlogenen Debatten in Zeiten des Wahlkampfes, zum ökumenischen Miteinander und zur noch ausstehenden Vergabe des Hessischen Kulturpreises 2009.

An der Empörung über die Dienstwagenaffäre von SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hält Lehmann vieles für verlogen: "Jeder nimmt doch heute wo er kann, zeigt aber dann gern mit dem Finger auf andere – in Wahlkampfzeiten natürlich besonders intensiv", sagte der Bischof in dem Interview, in dem er sich auch grundsätzlich über das Verhältnis von Kirche und Politik äußerte.

Thematische Schwerpunkte aus Sicht der Kirche gebe es auch in Zukunft viele, etwa den Schutz des Lebens an Anfang und Ende, den Schutz von Ehe und Familie, Bioethik sowie Schutz und Hilfe für die Schwächeren. Dabei hätten "die Menschen (…) den Schaden, wenn die Menschenwürde vor die Hunde geht. Junge Menschen suchen oft die Kirche, weil sie mehr und mehr um die Not der Orientierung wissen", so Lehmann. Über die mangelnde Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Fragen der Bioethik sei er dabei nicht überrascht. "Frau Merkel ist Physikerin, evangelisch und kommt aus der DDR. Da kann ich nicht ohne weiteres verlangen, dass sie sich unsere Positionen mir nichts, dir nichts zu eigen macht."

"Linkspartei mit grundlegenden Unklarheiten"

In Bezug auf die Wählbarkeit der Linkspartei missfallen ihm die nach wie vor ungeklärte Programmatik und die noch ungenügend vollzogene Trennung mit von der SED-Vergangenheit. "Es gibt auch grundlegende Unklarheiten im Blick auf die Kirche."

Lobende Worte findet Lehmann dagegen für das ökumenische Miteinander und den scheidenden EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, der kommunikativ und zudem ein guter Theologe und Sozialethiker sei.

Eine Abschaffung der Kirchensteuer kommt für den 73-Jährigen trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten nicht in Frage. Hinter vielen Kirchenaustritten stünden lange Entfremdungsprozesse. "Das Kirchensteuerkonzept ist gerechter als andere Formen der Finanzierung. Ich halte es für wichtig, dass wir uns um die treuen 'Kirchenfernen' kümmern und ihnen unsere Wertschätzung ausdrücken. Der Staat weiß viel zu gut, wie viele Aufgaben und Lasten wir übernehmen – etwa in Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern."

Gegen pseudo-liberale Gleichgültigkeit

In dem Interview äußert sich Lehmann auch zu der Debatte um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises 2009 an den muslimischen Schriftsteller Navid Kermani. Nach einer Intervention Lehmanns und des ehemaligen Kirchenpräsidenten Peter Steinacker war die Verleihung ausgesetzt worden. "Das interreligiöse Gespräch ist unerlässlich. Aber man darf es nicht mit dieser Ignoranz für den eigenen Wert jeder Religion führen, nicht mit dieser pseudo-liberalen säkularen Gleichgültigkeit, die unter dem Deckmantel von Toleranz und Religionsfreiheit den ganz eigenen Charakter von Religion nicht ernst nimmt." Er sei überrascht gewesen, mit wie viel Ignoranz über die Sache selbst, aber auch über ihn geredet worden sei: "An meiner positiven Haltung zum interreligiösen Dialog sollte kein Zweifel möglich sein", so Lehmann. Er habe übrigens nie gefordert den Preis abzuerkennen. Dies werde er Kermani in einem persönlichen Gespräch darlegen.

Lehmann wurde als Sohn eines Volksschullehrers und einer Buchhändlerin geboren. Von 1956 bis 1964 studierte er Theologie und Philosophie in Freiburg und Rom. Dort wurde er 1963 zum Priester geweiht. 1983 wurde Lehmann zum Bischof von Mainz ernannt. Von 1987 bis 2008 saß er der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz vor. Am 28. Januar 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. in Rom zum Kardinal.

http://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen.html?&news[action]=detail&news[id]=2366
Spanish Cardenal Lehman: «La Fraternidad Sacerdotal de San Pío X es un recipiente para recoger a todos los posibles desilusionados y frustrados»
Sept 13, 2009
La lefebvrista Fraternidad Sacerdotal San Pío X es «un recipiente que puede recoger a todos los posibles desilusionados y frustrados» pero, en relación con ellos, incluso si continuasen con sus provocaciones contra el Papa y el Vaticano, no será necesario recurrir nuevamente a la excomunión. Lo ha dicho, en una entrevista en el periódico alemán Frankfurter Rundschau, el cardenal Lehmann, arzobispo de Maguncia y expresidente de la Conferencia episcopal alemana.

(InfoCatólica) “Si los lefebvristas continuasen comportándose desconsideradamente y siguiesen jugando con el Papa y con la Curia, habría entonces que decir que no pertenecen a nuestra comunidad. Pero ciertamente no con los antiguos instrumentos”, ha afirmado el cardenal, añadiendo que la excomunión es hoy considerada como la cosa más oscura y regresiva".

"No obstante – observa Lehmann – cuando algunas personas, como los lefebvristas, no encajan en el esquema, enseguida se alza la petición de excomunión” y una “nueva Inquisición” no parece entonces una cosa tan mala.  El pontífice, en cambio, según el cardenal, no tiene ciertamente ese estilo y actúa “como sumo pastor que cumple su deber”, respondiendo positivamente a las repetidas peticiones de reconciliación de los lefebvristas.

Esto no quita nada, sin embargo, a que la Fraternidad sea “un recipiente para recoger a todos los posibles desilusionados y frustrados: “Algunos no están de acuerdo con la modernidad, otros no aceptan la Revolución francesa, otros son contrarios a la libertad de religión o a la reforma litúrgica de los años 60”. Muchos, no obstante, según Lehmann, son al final reconciliables con la Iglesia, aunque esto no quita que haya algunos “irreformables”, como el negador del Holocausto mons. Williamson: “Quizá – observa el cardenal – se debería haber distinguido antes y con mayor claridad entre estos y aquellos, para evitar el dolor y los abandonos de la Iglesia católica en Alemania que siguieron a la revocación de la excomunión de los obispos lefebvristas”.
German Kerzen als Zeichen der Solidarität
Jul 28, 2009

. Karl Kardinal Lehmann hat die Caritas-Solidaritätsaktion "Eine Million Sterne - damit Kinder leben" eröffnet. "Die Aktion ist ein Zeichen der Hoffnung für Kinder - hier bei uns und in Brasilien", sagte Lehmann, der Schirmherr der Aktion ist. Mit der Solidaritätsaktion wollen die Caritasverbände im Bistum Mainz mit den Pfarrgemeinden zum Abschluss des Jubiläums "1 000 Jahre Mainzer Willigis-Dom" ein sichtbares Zeichen für solidarisches Handeln mit armen Kindern und ihren Familien in der Diözese und in der Weltkirche setzen. Mit einer Spende von drei Euro werden "Lichter-Aktionen" am 13. und 14. November in verschiedenen Städten des Bistums unterstützt: Am 13. November ist eine Lichteraktion auf dem Bürgermeister-Neff-Platz in Bingen.

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/ingelheim/ingelheim/7162113.htm
German Lehmann fordert mehr Calvin-Studien
Jun 28, 2009

Zum 500. Geburtstag von Johannes Calvin hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem Werk des Reformators aufgerufen. Manche Lehren und Werke Calvins böten ein „ökumenisches Verständigungspotenzial, das wir wohl noch nicht ausgeschöpft haben“, sagte der Mainzer Bischof bei einem am Wochenende in Mainz zu Ende gegangenen Kongress über „Calvin und Calvinismus“. Gerade mit Blick auf die 500-Jahrfeier der Reformation im Jahr 2017 seien neue Ansätze denkbar.
Berührungspunkte zu Calvin sieht der Kardinal etwa bei der Lehre von der Kirche und bei der Rechtfertigungslehre, also der Frage, was entscheidend dafür ist, dass das durch die Sünde gestörte Verhältnis zwischen Gott und Mensch in Ordnung kommt. Lehmann betonte, gerade in Deutschland sei es wichtig, bei der starken Konzentration auf Person und Werk von Martin Luther die anderen großen Reformatoren nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Calvin-Forschung sei bislang eher zu kurz gekommen. - Calvin wurde am 10. Juli 1509 im nordfranzösischen Noyon geboren. Er starb am 27. Mai 1564 in Genf. Der Reformator gilt als ein „Gründungsvater“ des reformierten Protestantismus.

www.oecumene.radiovaticana.org
German Landesverdienstorden für Kardinal Lehmann
Jun 22, 2009

(dpa). Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat Kardinal Karl Lehmann (73) am Freitag in Mainz den Landesverdienstorden verliehen. „Als brillanter Theologe, als warmherziger Seelsorger und als herausragender Kirchenführer haben Sie mit Ihrem Wirken Maßstäbe gesetzt“, sagte Beck laut Mitteilung. Der Mainzer Bischof stehe für klare Positionen und die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und unterschiedliche Auffassungen zu versöhnen. „Für unsere Landeshauptstadt Mainz und Rheinland-Pfalz sind Sie eine prägende Persönlichkeit“, sagte Beck weiter.

Aus gesundheitlichen Gründen hatte Lehmann im Februar 2008 nach fast 21 Jahren an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz den Vorsitz abgegeben. Der Mainzer Bischof habe in diesen gut zwei Jahrzehnten die katholische Kirche in Deutschland entscheidend mitgeprägt, sagte Beck. „Sie stehen in Treue zu der Kirche, aber vor allen Dingen auch zu den Menschen.“ Auch in schwierigen Zeiten habe der Mainzer Bischof klare Positionen bezogen und Mut zum Umdenken gemacht.

Der Landesverdienstorden ist die höchste staatliche Auszeichnung in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der lebenden Ordensträger ist nach Angaben der Staatskanzlei auf 800 begrenzt.
German Kardinal Lehmann ist eine prägende Persönlichkeit
Jun 22, 2009
Als brillanter Theologe, als warmherziger Seelsorger und als herausragender Kirchenführer haben Sie mit Ihrem Wirken Maßstäbe gesetzt", sagte Ministerpräsident Kurt Beck bei der Verleihung des Landesverdienstordens an Karl Kardinal Lehmann.

Sie stehen für klare Positionen und die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und unterschiedliche Auffassungen zu versöhnen. Für unsere Landeshauptstadt Mainz und Rheinland-Pfalz sind Sie eine prägende Persönlichkeit“, so Beck weiter.

Fast 21 Jahre habe Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die katholische Kirche in Deutschland entscheidend mitgeprägt und in der Weltkirche in herausragender Weise repräsentiert. Seinem Wahlspruch für das Amt des Bischofs in Mainz „Steht fest im Glauben“ sei er während seines jahrzehntelangen Wirkens mehr als gerecht geworden. „Sie stehen in Treue zu der Kirche, aber vor allen Dingen auch zu den Menschen“, sagte Ministerpräsident Beck. Kardinal Lehmann wisse um die Zeichen der Zeit und habe die Konflikte in der Gesellschaft immer benannt und sich in christlicher Verantwortung mit ihnen auseinandergesetzt. Auch in schwierigen Zeiten habe er klare Positionen bezogen und Mut zum Umdenken gemacht.

Ministerpräsident Beck dankte Kardinal Lehmann vor allem auch für die Bindungen und Verbindungen, die er zwischen Kirche und Politik ermögliche. „Ich persönlich schätze Sie als liebenswürdigen und zuverlässigen Gesprächspartner, der mir viele wertvolle Anregungen für meine Arbeit gegeben hat.“ Als Professor, Bischof und Kardinal sei Mainz für Lehmann immer Lebensmittelpunkt gewesen. Karl Kardinal Lehmann sei ein großer Name, der aus Rheinland-Pfalz nicht mehr wegzudenken sei.

„Es ist für mich deshalb eine besondere Freude und Ehre, dass ich Ihnen heute den Landesverdienstorden überreichen darf“, so Ministerpräsident Beck. Er wünsche sich, dass Lehmann noch viele Jahre Wege aufzeige und Brücken baue zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger des Landes. Dazu wünschte Ministerpräsident Beck ihm vor allem Kraft, Gesundheit und Gottes Segen.

/www.rlp.d
German "Vieles war schon morsch"
Jun 10, 2009
Karl Kardinal Lehmann im Gespräch"Vieles war schon morsch"

Kardinal Karl Lehmann ist eines der bekanntesten Gesichter des Katholizismus in Deutschland. Der Bischof ist Hausherr des Mainzer Doms, der 1.000-jähriges Bestehen feiert. Im Interview bei „SWR1 Leute“ sagt er anlässlich dieses Jubiläums, wie die soziale Marktwirtschaft aussehen sollte. Zudem spricht er über seine sportliche Vergangenheit und darüber, inwieweit der Papst ihn überrascht hat.

Katja Heijnen (SWR1): Die Wirtschaftskrise beschäftigt uns alle, aktuell etwa eine Bürgschaft für Opel von fast fünf Milliarden Euro. Mir wird da ganz schwindelig. Wie geht es Ihnen?
Karl Kardinal Lehmann: Oh ja. Man hat in der Verantwortung für das Bistum vielleicht mit 300 Millionen Euro zu tun, aber wenn es an die Milliarden-Grenze geht, wird es dann schon schwer vorstellbar. Allerdings: Wir bekommen jetzt auch vieles auf den Tisch, was vorher schon morsch war. Das fängt etwa mit Überkapazitäten bei Autos an. Es ist nicht nur die Wirtschaftskrise allein, sondern es hat sich manches aufgestaut.

Was Not tut, ist die Krise zu nutzen, um über das Wirtschaftssystem und das Wertegerüst dafür nachzudenken. Haben Sie den Eindruck, dass es passiert?

Manchmal kann man den Eindruck haben, dass es zu wenig geschieht, weil man im Moment ganz konkret handeln muss. Trotzdem wäre kurzsichtiges, rein aktionistisches Handeln nicht angebracht. Man muss sagen, was auf Dauer verändert werden muss. Wir haben das, was soziale Marktwirtschaft ist, etwas zu wenig ernst genommen, es unterschätzt.

Eigentlich ist es ein widersprüchlicher Begriff. Auf der einen Seite regiert der Markt, der auf Nachfrage reagiert, und ist da manchmal auch brutal; wer da nicht bestehen kann, fliegt raus. Insofern muss man den Markt zügeln. Es braucht gegenüber den selbstständigen und produktiven Kräften einen Ausgleich, und das ist die soziale Rücksicht. Und das muss jeweils neu errungen werden. Das ist nicht einfach ein System, was ewig funktioniert. Da ist uns manches im Bewusstsein verloren gegangen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Leute nach anderen Werten suchen, füllt die Krise die Kirchen?

Da bin ich skeptisch. Im Augenblick gibt es Nachdenklichkeit. Das nehme ich sehr, sehr ernst. Nicht, um mehr Leute für die Kirche einzufangen, sondern weil ich denke, das ist die Gelegenheit, um Menschen wieder Mut zu machen und sie von ihren Ängsten zu befreien. Aber die Erfahrung zeigt, dass die Nachdenklichkeit nicht sehr lange anhält.

Mainz 05 ist in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Sie selbst sind fußballbegeistert. Waren Sie an dem Tag dabei?

Leider nein, da der Bischoff von Trier ins Amt eingeführt wurde. Ich habe aber, nachdem ich es hörte, die frohe Botschaft in der Sakristei verkündigt.

Sie selbst waren sehr sportlich, haben früher viel Fußball gespielt...

Ich habe gerne Fußball gespielt, in Verteidigung und Sturm. Habe leichtathletischen Fünfkampf gemacht und sehr gern Tischtennis gespielt. Als Professor hier an der Universität habe ich noch Hallenfußball gespielt, aber das wurde immer weniger, und jetzt bleibt nur noch Schwimmen in den Ferien.

Ihre Abiturarbeit 1956 widmete sich dem Thema "Die doppelte Beanspruchung der Frau in Familie und Beruf". Mussten Sie das Thema bearbeiten oder haben Sie sich freiwillig dafür entschieden?
Wir hatten ja in Baden-Württemberg Zentralabitur, man konnte nicht ahnen, was auf einen zukommt, und wer das benotet. Es gab drei Themenvorschläge. Das eine war ein Gedicht, aber ich dachte, die Deutung kann schwierig ausfallen, und das zweite war ein politisches Thema, da dachte ich ebenfalls, da lass mal die Finger davon. Da blieb das Frauen-Thema übrig. Ich wundere mich heute noch, dass ich es damals gewählt habe. Ich bin gut damit gefahren, habe dafür eine Eins bekommen.

Sie kennen Papst Benedikt gut, Sie duzen sich, haben gemeinsam Bücher veröffentlich. Sie haben nach seiner Wahl gesagt, dass dieser Papst für eine Überraschung gut ist. Gab es etwas, was Sie überrascht hat, obwohl Sie ihn schon so lange kennen?

Mich hat überrascht, dass dieser Papst im Umgang mit Kindern, Kranken, verschiedenen Menschen schnell einen eigenen Stil entwickelt hat. Man meinte, er werde ein unpolitischer Papst, er werde sich nicht so intensiv um die Nöte in der Welt kümmern. Das ist ganz anders gekommen. Bei schwer wiegenden Dingen kommt seine Stimme sehr bald. Das sind sehr positive Überraschungen, die nicht so selbstverständlich sind.

Der Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Gesprächs, das Katja Heijnen mit Karl Lehmann in der Sendung "SWR1 Rheinland-Pfalz Leute" am 7.6.2009 führte. Web-Fassung: Henning Hooss
German Kardinal Lehmann kritisiert ZdK nach gescheiterter Wahl
May 14, 2009
Frankfurt/Main (ddp-rps) Kardinal Karl Lehmann hat dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ungeschicktes Verhalten gegenüber der Bischofskonferenz vorgeworfen.

Frankfurt/Main (ddp-rps). Kardinal Karl Lehmann hat dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ungeschicktes Verhalten gegenüber der Bischofskonferenz vorgeworfen. Bei der Wahl zu einem neuen ZdK-Präsidenten seien dem Gremium «technische Fehler» wie unvollständige Unterlagen unterlaufen, sagte Lehmann der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Donnerstagsausgabe).

Die Wahl des hessischen Kultusstaatssekretärs Heinz-Wilhelm Brockmann zum neuen ZdK-Präsidenten war in der vergangenen Woche gescheitert. Die im Gremium vertretenen Diözesanbischöfe hatten ihm nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit gegeben.

Als unklug bezeichnete Lehmann auch die Veröffentlichung des ZdK zur Judenmission, die den Konflikt mit den Bischöfen zusätzlich angeheizt habe. Hierbei habe es sich um eine «theologisch in hohem Maße unzulängliche» Erklärung gehandelt. Das ZdK hatte erklärt, die Juden bedürften keiner Missionierung durch die Christenheit. Die von Papst Benedikt XVI. benutzte Karfreitagsfürbitte legt dies aber nahe.

Der Kardinal betonte die wichtige Position des ZdK-Präsidenten für den Katholizismus in Deutschland als Vermittler zwischen Laien und Bischöfen. Er sagte aber auch: «Manche Bischöfe schätzen vielleicht die Existenz des ZdK für die Gegenwart und die Zukunft zu gering ein.»

Das ZdK ist ein Koordinationsgremium, dem außer den Diözesanbischöfen auch Vertreter katholischer Verbände und Laien angehören. Es ist jedoch kein offizielles Kirchenorgan. In den vergangenen Jahren war das Verhältnis zwischen dem ZdK und den Bischöfen gespannt gewesen wegen unterschiedlicher Positionen von Würdenträgern und Laien zum Beispiel zur Schwangerschaftskonfliktberatung

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German Kardinal Lehmann tritt Stiftungsprofessur an
May 05, 2009
Mainz (ddp-rps) Der Kardinal und Bischof Karl Lehmann hat am Dienstag seine Stiftungsprofessur an der Universität in Mainz angetreten.

Mainz (ddp-rps). Der Kardinal und Bischof Karl Lehmann hat am Dienstag seine Stiftungsprofessur an der Universität in Mainz angetreten. Zu Beginn seiner Vorlesungsreihe «Weltreligionen - Verstehen, Verständigung, Verantwortung» sagte Lehmann, er wolle eine Begegnung mit den Weltreligionen erreichen, «um unser eigenes Welt- und Menschenbild zu bereichern». Dabei werde er bis Mitte Juli in elf Vorträgen gemeinsam mit anderen Gastrednern aus ganz Deutschland die verschiedenen Weltreligionen vorstellen und diskutieren.

In der Auftaktveranstaltung untersuchte Lehmann vor rund 700 Zuhörern das Thema «Rückkehr der Religion? Von der Ambivalenz eines zeitdiagnostischen Schlagwortes». Lehmann sagte, eine Rückkehr der Religion sei im Lauf der vergangenen Jahrhunderte immer wieder in ganz unterschiedlicher Richtung beschworen worden. Die wiederkehrende Aufmerksamkeit für Religion müsse jedoch gerade im medialen Zeitalter kritisch analysiert werden, weil starke religiöse Motive im Zusammenhang mit unvergleichlicher Gewaltanwendung stehen könnten.

Der Vorsitzende der Stiftung «Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur», Andreas Cesana, betonte, das Thema Weltreligionen sei ein «unumgängliches Thema». Man habe mit dieser Angelegenheit «etwas ganz Besonderes wagen» wollen.

Die Stiftungsprofessur wurde im Jahr 2000 anlässlich des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg gegründet und lädt renommierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, öffentlichem und kulturellem Leben ein. Diese setzen sich in Gastvorträgen mit aktuellen, fachübergreifenden Problemfeldern auseinander.

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German Eine Ermutigung für den Weg des jüdisch-christlichen Dialogs
Mar 11, 2009
Karl Kardinal Lehmann würdigt den Theologen Prof. Dr. Erich Zenger

Anlässlich der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit 2009 ist heute (Sonntag, 1. März 2009) dem katholischen Alttestamentler Prof. Dr. Erich Zenger die Buber-Rosenzweig-Medaille in Hamburg verliehen worden. An dem Festakt nahmen unter anderem Bundespräsident Horst Köhler und die Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, teil.

In seiner Laudatio würdigte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, Zenger als mutigen Förderer des jüdisch-christlichen Dialogs. Der Ruf Zengers beruhe vor allem auf seiner Fähigkeit, die Schriften des Alten Testamentes mit dem ganzen heute möglichen Wissen im Blick auf ihre existentielle, gesellschaftliche und kirchliche Bedeutung eindrucksvoll zu erschließen. „Gerade weil Erich Zenger immer überzeugt war, dass das Alte Testament kein vergangenes oder gar veraltetes Buch darstellt, hat er leidenschaftlich nicht nur die Gegenwartsbedeutung der ganzen Bibel betont, sondern sich auch um Rezeption und Integration der zeitgenössischen jüdischen Schriftauslegung bemüht“, so Kardinal Lehmann. Das Motto der diesjährigen Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille, „1949 – 2009. So viel Aufbruch war nie“ gelte in allen Bereichen und Ebenen für Professor Zenger. „Ich bin gewiss, dass das, was er in drei Jahrzehnten, gemeinsam mit vielen Weggefährten aus Christentum und Judentum auf- und ausgebaut hat, die alternativlose Richtung unseres Verhältnisses zueinander ist“, betonte Bischof Lehmann. Dafür gebühre Zenger und der Jury ein großer Dank „und ein herzlicher Glückwunsch, und zwar bewusst in der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit, aber auch im Zusammenhang der unsäglichen Auseinandersetzung der letzten Wochen um den Antisemitismus in unserer Kirche. Dies ist eine neue Ermutigung für den Weg, den der jüdisch-christliche Dialog im vergangenen halben Jahrhundert bis heute eingeschlagen hat. Dahinter gibt es kein Zurück.“ Die wissenschaftliche Einzeldisziplin Zengers als Forscher des Alten Testamentes sei die Basis für sein unermüdliches Wirken im jüdisch-christlichen Dialog, sagte Kardinal Lehmann in Hamburg.
German Kardinal Lehmann verteidigt Papst Benedikt XVI.
Mar 11, 2009
"Der Papst ist kein geheimer Förderer der Lefebvre-Bewegung" - Appell
an die Katholiken, "Freude und Hoffnung des Zweiten Vatikanischen
Konzils" nicht durch Verweigerung oder Missbrauch zu trüben"

Mainz, 2.3.09 (KAP) Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat Papst
Benedikt XVI. verteidigt und die Katholiken vor übereilten Reaktionen
als Folge der Debatte um die "Pius-Bruderschaft" gewarnt. In einem
Hirtenbrief zur Fastenzeit appelliert Lehmann an alle Katholiken, die
wegen der Turbulenzen um die Lefebvrianer aus der Kirche ausgetreten
sind, "ihren Entschluss zu überdenken und wieder zurückzukehren". Der
Kardinal verteidigt in seinem Schreiben Papst Benedikt XVI.
ausdrücklich gegen Vorwürfe. "Er ist kein verkappter Traditionalist
oder ein geheimer Förderer der Lefebvre-Bewegung. Absurd ist es
geradezu, seine Treue zum ganzen Zweiten Vatikanischen Konzil
anzuzweifeln, ganz zu schweigen von den Vorwürfen einer unklaren
Stellung zum Antisemitismus und zur Leugnung des Holocausts", so
Lehmann wörtlich. Man verkenne die Einstellung von Benedikt XVI.,
wenn man sein Verhalten an anderen Maßstäben messe als an seinem
Auftrag zur Sorge um die Einheit der Kirche.

In seinem Hirtenwort geht der Kardinal detailliert auf die Vorgänge
in den vergangenen Wochen ein. Er mache dies, so Lehmann obwohl er
"sonst den Hirtenbrief zur vorösterlichen Bußzeit nicht zur
Erörterung tagesaktueller Begebenheiten" benutze. Die "unsäglichen
Äußerungen" des lefebvrianischen Bischofs und Holocaust-Leugners
Richard Williamson hätten mit dem Kern des Konfliktes - den
Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils und deren Umsetzung in
die Praxis - "nichts zu tun". Das Zusammentreffen der beiden Aspekte
war, so Lehmann, "besonders unglücklich". Die Reaktion der
"Pius-Bruderschaft" auf die Rücknahme der Exkommunikation bewertet
der Mainzer Bischof als "Beleidigung und höhnische Zurückweisung" des
Papstes.

Lehmann weist zugleich Vorwürfe zurück, er habe die Haltung des
Papstes kritisiert. Der Kardinal äußert aber erneut sein Bedauern
darüber, dass "das Management der Kurie im Umgang mit der
Öffentlichkeit innerhalb und außerhalb der Kirche nicht besser im
Stande war, den Papst selbst mit seinen Absichten zu schützen, rasch
auf Missdeutungen zu reagieren und in solchen Konflikten zuverlässig
die richtigen Maßnahmen zu ergreifen".

Der Mainzer Bischof appelliert an die Katholiken, "die Freude und die
Hoffnung, die das Zweite Vatikanische Konzil geprägt haben und die es
ausstrahlt, nicht durch Verweigerung oder Missbrauch zu trüben". Das
Konzil, so Lehmann, "ist und bleibt, wenn es richtig verstanden und
verwirklicht wird, ein großes Geschenk für die Kirche des 21.
Jahrhunderts".
German Lehmann verwahrt sich gegen Vorwurf der Papst-Kritik
Mar 09, 2009
Mainzer Kardinal betont, dass er Fehler und Ungeschicklichkeiten der Kurie beim Namen genannt habe

Mainz, 3.3.09 (KAP) Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat sich im Zusammenhang mit dem Streit um die vier lefebvrianischen Bischöfe gen den Vorwurf verwahrt, er habe "Kritik am Papst" geübt. Zu einer solchen Kritik habe es keinen Anlass gegeben, betonte Lehmann in einem Beitrag für die Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben".

Nach den Worten Lehmanns sind in der ganzen Angelegenheit Fehler gemacht worden, wie im Vatikan selbst eingestanden worden sei. So habe man zweifellos Papst Benedikt XVI. nicht genügend über die Hintergründe des britischen lefebvrianischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson informiert. Hier sei nicht der Papst zu kritisieren, sondern das "Management der Kurie". Wenn man dieses Fehlverhalten oder "mindestens diese Ungeschicklichkeit" der Kurie beim Namen nenne, kritisiere man nicht den Papst selbst.

Er habe einen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Papst und den ihm zugeordneten und dienenden Instanzen gemacht, so Lehmann weiter. Von Anfang an habe er in der Diskussion gesagt, dass er mit dem Papst leide, weil dessen guten Absichten so missverstanden worden seien. Er nehme Benedikt XVI. in Schutz, weil man dem Papst nicht Versäumnisse anderer anlasten solle.

Lehmann schloss allerdings nicht grundsätzlich aus, dass er den Papst bei "überzeugenden Gründen" im Rahmen des katholischen Glaubens kritisieren könnte. "Der Papst ist ja keineswegs in allem, was er sagt und tut, automatisch unfehlbar. Manche meinen dies wohl", stellte Lehmann fest. Im Fall Williamson jedoch gebe es zu einer solchen Kritik keinen Anlass.
German Wie wir beten sollen: Kardinal Lehmann über das Vaterunser
Mar 09, 2009
Predigt bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe Deutschlands in Hamburg

HAMBURG/BONN, 3. März 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen das Manuskript der Predigt, die der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, der frühere Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, heute Morgen während der Eucharistiefeier im Rahmen der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg gehalten hat.

Der Kardinal betrachtete das Vaterunser und erklärte: „Die größte Versuchung für uns Christen besteht darin, dass wir den Kampf gegen die Mächte des Bösen nicht mehr aufnehmen, ihn in der verborgenen Tiefe unseres Herzens für verloren geben und uns so dem Auftrag, d.h. unserer Berufung, nicht mehr entsprechen. Deshalb mahnt uns die Österliche Bußzeit und die Tradition der Kirche mit der tiefsten und letzten Begründung im Vaterunser, diesen beständigen geistlichen Kampf in unserem Leben, den jeder Einzelne und auch die Gemeinschaft der Glaubenden führen muss, nicht aufzugeben."

***

Im Evangelium des heutigen Tages haben wir von Jesus gelernt, wie wir beten sollen. Die Fassung des Vaterunser bei Matthäus ist nach der überwiegenden Ansicht der Exegeten heute etwas erweitert und enthält in der sechsten Bitte eine Doppelung: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Man kann die beiden Bitten aber auch in ihrem Zusammenhang als eine Aussage sehen.

Das Vaterunser dürfte wohl nach Ansicht vieler das am meisten gesprochene Gebet aller Religionen sein. Es hat eine immer wieder erstaunliche Kürze, Dichte und Konzentration. Dies gilt von der knappen Anrede „Vater" bis zu dem geradezu abrupten Ende. Nicht zuletzt deswegen hat man wohl auch sehr früh (vgl. schon Didache) diesen Schluss um die so genannte Doxologie erweitert: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Gebete endigen ja, besonders auch im Judentum mit einem solchen Lobpreis. Wir haben ja in der erneuerten Eucharistiefeier nach dem Konzil diesen Lobpreis aufgenommen, vom Grundtext des Vaterunsers durch ein Gebet abgehoben, dem so genannten Embolismus.

Bei Lukas sind die Adressaten des Gebetes besonders klar. Bei ihm bittet einer der Jünger Jesu: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat." (Lk 11,1). Das Vaterunser ist grundlegend ein Jüngergebet. Die Nachfolger Jesu sollen ihre eigenen Wünsche und Lebenspläne zurückstellen und nur noch das wollen, was Gott will. Es ist damit auch ein herausforderndes, ja für die Jünger geradezu gefährliches Gebet. Man hat dies in der frühen Kirche noch gut gespürt. Die Taufbewerber haben erst kurz vor ihrer Taufe mit dem Glaubensbekenntnis auch das Vaterunser überreicht bekommen (traditio orationis). Nach der Taufe haben sie es mit der Gemeinde zum ersten Mal gebetet. Für uns ist das Vaterunser oft blass und formelhaft, ja verschwommen und unscharf geworden. Im Munde Jesu und in den Ohren der Jünger hatte es eine sehr klare, genaue Kontur. Diese Kostbarkeit wollen wir aber uns nicht entgehen lassen.

Gewöhnlich teilen wir das Vaterunser ein in sechs Bitten. Es sind die drei Du-Bitten und die drei Wir-Bitten. Auf die Anrede kommen wir noch kurz zurück. 1. Bitte: Dein Name werde geheiligt, 2. Bitte: Dein Reich komme, 3. Bitte: Dein Wille geschehe. Diese drei Bitten sind im engen Sinne das „Gebet Jesu". Die letzten drei Bitten sind für die Jünger bestimmt. Die 4. Bitte: Unser tägliches Brot gib uns heute, 5. Bitte: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern, 6. Bitte: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen (der Nachsatz bei Matthäus wird manchmal auch, wie schon erwähnt, als eigene Bitte gezählt). Es folgt am Schluss die schon genannte Lobpreisung (Doxologie).

Uns überrascht die Kürze des Vaterunser. Ohne den Lobpreis am Schluss hat die Lukasfassung, die wahrscheinlich die älteste Form des Vaterunser bietet, in einer hebräischen Rückübersetzung gerade einmal 23 Wörter, in der deutschen Übersetzung 49 Wörter (ohne Doxologie). Jesus sagt uns etwas über diese Kürze: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern, wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. (Mt 6,7) Diese Knappheit steht im umgekehrten Verhältnis zu der komprimierten Tiefe. Das Gebet kommt auch sofort zur Sache. Andere Gebete sind in der Tradition der Religionen viel langsamer und wortreicher in der Annäherung an Gott. Am stärksten wird dies in der einzigen Anrede „Vater - Abba" deutlich. Es ist eine familiäre Anrede. In der Familie spricht man direkt, ohne Umschweife und ohne große Worte zu machen. Das Vaterunser ist ein Gebet für diese neue Gemeinschaft des Jüngerkreises, die man auch mit einer Familie neuen Stils in Zusammenhang bringen kann.

Die Zweiteilung des Gebetes ist sehr deutlich. In der hebräischen Sprache wird dies durch Rhythmus und Reim noch markanter. Im ersten Teil geht es um den Namen, die Herrschaft und den Willen Gottes. Ja, es ist die Sorge Gottes um die Welt und besonders um den Menschen, ohne dass deswegen unsere Mitverantwortung ausgeschlossen wird. Im zweiten Teil kommt erst die Sorge der Jünger ins Spiel: ihre tägliche Sorge um das Essen, um die Not der Schuld und die Schwierigkeit der Versuchungen. Das Verhältnis der beiden Teile wird uns am besten durch das Jesuswort erläutert: Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. (Mt 6,33) Gott selbst soll sein Reich herbeiführen. Er soll seinen Willen zum Ziel bringen. Er ergreift die Initiative. Und doch kann Gott wegen der Personwürde und der Freiheit - so will er den Menschen haben - in der Welt nichts tun, wenn er nicht Menschen findet, die seinen Willen zu ihrem eigenen Willen machen und so seinem Tun Raum geben. Man kann also sagen, dass Jesus im Vaterunser seine ganze Botschaft und seine Hoffnung zusammengefasst hat.

Wir brauchen hier nicht das ganze Vaterunser auszulegen. Dafür gibt es heute viele Hilfen aus der Überlieferung des Glaubens in der Kirche und auch aus der gegenwärtigen exegetischen Wissenschaft. Wir wollen jedoch die wichtigsten Themen stichwortartig wenigstens anschlagen: Wir dürfen direkt Abba, lieber Vater, sagen, weil wir von ihm gerufen sind und seine Jünger sein dürfen. Gott möge das zerrissene und zerstreute Volk sammeln, um seinem Namen vor der ganzen Welt die Ehre zu geben. In seinem Namen sollen wir die Gemeinde zusammenführen. Er allein soll unser Herr sein. Wir wollen nicht länger den selbstgemachten Göttern und Götzen dienen. Wir sollen leben ohne Gewalt und ohne Hass, in seinem Frieden und in seiner Gerechtigkeit. Dein Reich komme! Gottes Wille, sein Plan, soll vom Himmel auf die Erde gelangen. Sein Ratschluss soll durch seine Kraft und uns geschehen. Unsere erste Sorge soll das Reich Gottes sein. Dann gibt er uns auch so viel an Brot, wie wir für den morgigen Tag brauchen (vgl. auch Mt 6,34). Immer jedoch bleiben wir in der Liebe zurück. Wir können das, was wir Gott schuldig geblieben sind, niemals abbezahlen. Um so mehr müssen wir unseren Brüdern und Schwestern alles, was sie uns schulden, vergeben.

Etwas intensiver wollen wir uns der letzten Bitte zuwenden, ob man sie getrennt als zwei Bitten betrachtet oder sie als zweigeteilte, aber zusammengehörige Aussage begreift. Wir tun dies heute auch deshalb, weil wir in diesen Tagen immer wieder auch über die Macht des Bösen in der Welt und über den geistlichen Kampf des Menschen gegen das Böse sprechen. Es ist zunächst die Versuchung, unsere Jüngerschaft aufzugeben und an die Verwirklichung von Gottes Willen in unserer Welt, aber auch in unserer Kirche, nicht mehr zu glauben. Hier darf man an den Sinn des Wortes Versuchung durch eine etwas andere Übersetzung herankommen. Unser Wort „Versuchung" kann man von der biblischen Sprache her auch als „Erprobung" übersetzen. Wir fragen uns ja, wie die ganze Bibel, immer wieder: Kann denn Gott einen Menschen versuchen? Bereits der Jakobusbrief setzt sich ausführlich damit auseinander, wenn er sagt: Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der jenen verheißen ist, die Gott lieben. Keiner der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt, ist aber die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor. (Jak 1,12-15) Der Jakobusbrief weist also ein falsches Verständnis dieser Vaterunserbitte ab. Gott will nicht das Böse. Doch regt uns die scharfe Sprache des Vaterunsers dazu an, noch etwas genauer der Sache nachzugehen. Wir wollen sie nicht einfach vorschnell abschwächen.

Denken wir an die Erzählung von der Opferung Isaaks. Die Geschichte wird eigeleitet mit den Worten: Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abrahahm auf die Probe (Gen 22,1). Gott prüft, Gott erprobt den Glauben. Versuchung ist nicht unbedingt und in jedem Fall schon und nur Versuchung zum Bösen. Gott führt uns in Situationen, wo wir uns in der Erprobung entscheiden müssen. Hier werden wir an die Versuchung Jesu in der Wüste erinnert (vgl. Mk 1,12f.), damit aber auch an die Wüstenerfahrung Israels, die ebenfalls 40 Tage dauerte (vgl. Dtn 8,2; 29,5; Jos 5,6; Am 2,10). Gott kann uns also, wie die Geschichte Gottes mit Abraham und mit Jesus zeigt, in Erprobungssituationen hineinführen. Dies kann einem ganzen Volk und einzelnen Menschen geschehen. Wenn Gott aber nicht das Böse will, dann müssen wir unsere Bitte in folgendem Sinn verstehen: Führe uns nicht in eine Erprobung, die über unsere Kräfte geht und wo die Macht des Bösen stärker wird als wir. Hier werden wir durch Paulus an die Erprobungssituation Israels in der Wüste geführt: Das aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient; uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben, uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat. Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt. Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt. (1 Kor 10,11-13). Gott sorgt dafür, wenn wir auf ihn hören, dass wir der Versuchung nicht erliegen und nicht darin untergehen. Dies können wir nicht von uns aus erreichen. Blicken wir auf Jesus (vgl. Mt 4,1-11), dann sehen wir, wie er auf die Versuchung des Teufels hin die Verführungen Satans durch ein ursprüngliches Hören auf das Wort der Schrift antwortet und dadurch stark wird. Dreimal antwortet Jesus mit einem Wort aus der Bibel (vgl. auch schon Dtn 8,2f.). Hier werden wir an die Kraft des Wortes Gottes erinnert, die uns heute in der Lesung begegnet. Wer diesem Wort vertraut, wird auch stark in den Versuchungen und Erprobungssituationen: Es (das Wort Gottes) kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe. (Jes 55,11)

Gewiss haben wir manchmal den Eindruck, wir würden über unsere Kräfte hinaus in Versuchung geführt. Wahrscheinlich entsteht dieses Gefühl besonders deshalb, weil wir so viel auf uns zählen. Das Vaterunser sieht die Dinge gerade in der letzten Bitte (oder im Nachsatz zu der 6. Bitte) anders: Sondern erlöse uns von den Bösen. Wir könnten auch übersetzen: Entreiße uns dem Bösen. Die jüngere Auslegung des Vaterunsers hat immer wieder betont, dass das ganze Gebet Jesu, besonders aber diese Bitten, ein ausgesprochener Schrei, ja ein Notschrei ist. Es ist ein Bittgebet in der Not. Wir brauchen Erlösung und Befreiung. Dabei kann es hier offen bleiben, ob mit dem Bösen, was grammatikalisch möglich ist, mehr das Böse mit all seinen Mächten in der Welt und/oder der Böse im Sinne des Teufels gemeint ist. Beides schließt sich nicht aus und kann auch ineinander übergehen. Doch wollen wir diesem Problem hier nicht mehr nachgehen.

Die größte Versuchung für uns Christen besteht darin, dass wir den Kampf gegen die Mächte des Bösen nicht mehr aufnehmen, ihn in der verborgenen Tiefe unseres Herzens für verloren geben und uns so dem Auftrag, d.h. unserer Berufung, nicht mehr entsprechen. Deshalb mahnt uns die Österliche Bußzeit und die Tradition der Kirche mit der tiefsten und letzten Begründung im Vaterunser, diesen beständigen geistlichen Kampf in unserem Leben, den jeder Einzelne und auch die Gemeinschaft der Glaubenden führen muss, nicht aufzugeben. Wir dürfen dem „Vater" vertrauen, dass er uns rettet. Dann verstehen wir besser, warum in unserer Messe zwischen der ältesten Fassung des Vaterunsers und dem abschließenden Lobpreis das Gebet eingeschoben wird, das uns manchmal stört, aber doch viel tiefer ist als wir meist denken und durchaus an der richtigen Stelle steht: Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten. Man kann es auch nochmals mit einem Wort Jesu sagen: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet (Mt 26,41). Amen
German Lauterste Absichten
Feb 08, 2009
Kardinal Lehmann: Im Vatikan sind Fehler gemacht worden

Nach dem Eklat um die vier Tradionalisten-Bischöfe hat Kardinal Karl Lehmann der zuständigen Kommission im Vatikan Fehler vorgehalten. Zugleich nahm der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Interview der „Welt am Sonntag“ Papst Benedikt XVI. in Schutz: „Es tut mir für den Papst leid, der ja die lautersten Absichten hatte.“

Lehmann warf der vom kolumbianischen Kardinal Dario Castrillon Hoyos geleiteten Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ vor, sich über Bischof Richard Williamson kein zutreffendes Bild gemacht zu haben. Unabhängig von dessen Leugnung des Holocaust habe dieser sich ja schon öfter zu anderen Themen problematisch geäußert. „Dieses Wissen hätte man eigentlich voraussetzen müssen.“ Offensichtlich seien im Vatikan die politischen Zusammenhänge und Verflechtungen zu wenig beachtet worden.

Der Kardinal widersprach der Ansicht, dass der Papst restaurative Kräfte auf den Plan gerufen habe. Dass dies aber wegen der Äußerungen von Williamson so wahrgenommen werde, sei eine „schlimme Sache“. Nach Einchätzung des Mainzer Bischofs geht es der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Piusbruderschaft in erster Linie nicht um liturgische, sondern um dogmatische Fragen. Der Kardinal kritisierte, dass sich die Traditionalisten niemals mit der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit abgefunden hätten. Sie lehnten auch die Botschaft ab, dass es in Glaubensfragen keinen Druck geben darf und die Kirche auf weltliche Machtansprüche verzichtet. Lehmann wandte sich auch gegen die Thesen der Piusbruderschaft, wonach die Aufwertung der Kollegialität der Bischöfe der Autorität des Papstes widerspreche, und jedes ökumenische Bemühen ein Verrat an der Wahrheit sei.

Die Bewegung vertrete bedenkliche politische Positionen, so der Kardinal. Die Anhänger stünden teils in der Tradition der um 1900 entstandenen radikal nationalistischen „Action francaise“, die sich militant katholisch, monarchistisch und antisemitisch gegeben habe und von Pius X. schon 1914 für unvereinbar mit der katholischen Religion erklärt worden sei. Im Milieu der Lefebvre-Anhänger habe man sich bis heute nicht mit der Französischen Revolution abgefunden. Indem sich die kleine Gruppe auf die lateinische Liturgie konzentriere, verschleiere sie ihre wahren Absichten.

Der Kardinal war nach eigenen Worten bereits skeptisch gewesen, als der heutige Papst als Leiter der Glaubenskongregation vor 20 Jahren mit Lefebvre selbst eine Erklärung aushandelte, die dann vom Begründer der Piusbruderschaft im letzten Moment nicht unterschrieben worden sei. Lehmann: „Ich hielt die Formulierung, es sei bei dem Konzil eher um pastorale und nicht so sehr um dogmatische Fragen gegangen, für viel zu weich.“

Lehmann beklagte, dass es innerhalb der Kirche „einen ziemlich großen Bodensatz von Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit“ gebe. Wenn er als Bischofskonferenz-Vorsitzender über das Verhältnis von Deutschen und Ausländern oder über die Beziehung der Kirche zu den Juden gesprochen habe, seien die Reaktionen regelmäßig viel zahlreicher als bei allen anderen Themen gewesen. Vor allem seien sie „zu einem großen Teil sehr unverschämt“ gewesen. „Da gibt es noch ein großes Reservoir an Abneigung, ja auch an Hass.“
German Kardinal Lehmann gegen Beliebigkeit durch Pluralismus
Jan 30, 2009

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat die Gesellschaft zu einem neuen Gespräch über Grundwerte aufgerufen. Es gehe um jene Fundamentalüberzeugungen, die auf Dauer die Normen des menschlichen Zusammenlebens bildeten. Dabei reiche es nicht, immer mehr auf Pluralismus zu setzen und die Grundwerte als reine „Privatsache“ zu betrachten. Sonst bröckele auch der Konsens über die Grundnormen des menschlichen Lebens weiter ab, sagte der Kardinal. Der Pluralismus stehe in der Gefahr, „zur Beliebigkeit zu werden“. Zu fordern sei ein „ wahrer Postmodernismus“. Dieser zelebriere nicht die unverbindliche Beliebigkeit, sondern suche selbst nach neuen Verbindlichkeiten, die lebbar und sehr real sein müssten, so Kardinal Lehmann.
German Lehmann kritisiert gierigen Kapitalismus
Jan 26, 2009

Kardinal Karl Lehmann hat angesichts der globalen Finanzkrise eine Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft gefordert. Die Wirtschaftslage könne sich nur verbessern, wenn man den selbstzerstörerischen Einfluss des „ethikfreien Turbo-Kapitalismus“ begreife. Das sagte der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag in Berlin. Lehmann forderte ein grundsätzliches Umdenken des Kapitalismus. Die Soziale Marktwirtschaft sei in den vergangenen Jahren von neoliberalem Denken schier ausgehöhlt worden, beklagte er. Zu diesem Denken zählten die mangelnde ethische Fundierung der Volkswirtschaft, die „Zügellosigkeit“ der Finanzbranche und die Unterschätzung sozialer Werte, so der Kardinal.
German Neujahrsempfang des Bistums Mainz mit Kardinal Lehmann im Erbacher Hof
Jan 11, 2009
Mainz. Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, hat zum Beginn des neuen Jahres zu „Zuversicht aus dem Glauben“ aufgerufen. „Gott macht uns stark, mit Vorläufigkeiten zu leben, auch mit der Endlichkeit unseres Lebens“, sagte Lehmann in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang der Diözese am Samstag, 10. Januar, im Erbacher Hof in Mainz.

Einen besonderen Dank richtete der Kardinal an die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bistum Mainz, auf die die hauptamtlichen Mitarbeiter „fundamental angewiesen“ seien: „Ich danke Ihnen für Ihre Bereitschaft, die Sendung der Kirche vor Ort zu konkretisieren.“

Ein pastoraler Schwerpunkt der kommenden Jahre werde das Thema „Taufe“ sein, sagte Lehmann weiter. Er bezeichnete die Taufe als ein „Fundament des Christseins“, das immer wieder erneuert werden müsse. Zudem wies Lehmann auf das Jubiläum „1.000 Jahre Mainzer Willigis-Dom“ hin. Das Bistum Mainz feiert 2009 das 1.000-jährige Jubiläum der Vollendung des Mainzer Domes unter Erzbischof Willigis (um 940-1011) vom 1. Februar bis 15. November mit zahlreichen Veranstaltungen. Eröffnet wird das Jubiläum am Sonntag, 1. Februar, um 10.00 Uhr mit einem Gottesdienst im Mainzer Dom. Ein Höhepunkt wird ein Festakt am Sonntag, 11. Oktober, im Mainzer Dom sein, bei dem Kardinal Lehmann den Festvortrag halten wird. Von Freitag, 28., bis Sonntag, 30. August, steht außerdem das Treffen der deutschsprachigen Dombauhütten in Mainz mit einem Handwerkermarkt auf dem Programm, bei dem ein Modell des Mainzer Willigis-Domes erstellt wird.  

Der Generalvikar des Bistums Mainz, Prälat Dietmar Giebelmann, ging in seiner Begrüßung auf die Herausforderungen ein, die ein neues Jahr mit sich bringen: „Niemand steht ganz allein vor einem Berg von Zeit. Denn wir sind gemeinsam unterwegs – als Gemeinschaft der Glaubenden, als Gemeinschaft des Bistums. Gemeinsam sind wir bis jetzt durch alle Schwierigkeiten hindurch geschritten, gemeinsam werden wir es schaffen.“ „Die Gemeinsamkeit ist unser größtes Kapital“, sagte Giebelmann. Die Geschäftführende Vorsitzende der Diözesanversammlung, Dr. Hildegard Dziuk aus Darmstadt, zeichnete in ihrer Ansprache ein Bild von Kirche als Turm. „Hinauf kommt man nur, wenn man in Bewegung bleibt. Auch wenn es Abschnitte gibt, in denen es besonders dunkel zu sein scheint oder der Weg anstrengend wird, ist es wichtig, solche Phasen gemeinsam zu meistern – im Vertrauen darauf, dass es Begabungen gibt, die sich gerade in diesen Momenten entfalten und hilfreich sein können. Und: Jeder Schritt bringt das Ziel näher“, sagte sie unter anderem.

Am Neujahrsempfang nahmen über 200 Personen aus dem gesamten Bistum Mainz teil. Eingeladen waren unter anderen die Mitglieder des Domkapitels und der Dezernentenkonferenz, die Ordensoberen und die Leitungen der Geistlichen Gemeinschaften, die Mitglieder des Diözesan-Pastoralrates, des Diözesan-Kirchensteuerrates, der Verbände im Bistum Mainz und der diözesanen Einrichtungen sowie der Dekanatsräte der insgesamt 20 Dekanate im Bistum Mainz. Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von Schülerinnen und Schülern der Elisabeth von Thüringen-Schule aus Mainz unter Leitung von Christiane Drescher. Außerdem überbrachten Sternsinger aus den Pfarreien Heilig Geist und St. Bonifatius in Raunheim einen Segenswunsch zum neuen Jahr.
German Warnung vor Habgier und Überfluss
Jan 02, 2009

Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, sprach in seiner Predigt von Entgleisungen in Bankenwesen und Bankenmoral, gebot allerdings auch, "zurückhaltend zu sein mit Schuldzuweisungen". Schließlich seien alle Teil dieses Wirtschaftssystems. Vielmehr müsse jeder seine "Grundeinstellung zum Leben in unserer Gesellschaft überprüfen".

Mit Bezug auf einen Text aus dem Lukas-Evangelium warnte der Bischof vor Habgier und Überfluss, davor, den Sinn des Lebens auf ein großes Vermögen zu bauen. In unserer so genannten Überflussgesellschaft sei es nicht leicht, sich einer Dynamik zu entziehen, die auf dem Anhäufen von Vermögen basiere. Dennoch sei es bedenklich, wenn die ständige Steigerung des Konsums "auch heute noch als Heilmittel aus der Krise angepriesen" werde.
German Augen nicht verschließen
Dec 26, 2008

Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, betonte in seiner Weihnachtspredigt im Mainzer Dom, es bleibe auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen die Botschaft von Weihnachten, „dass das Licht auch und gerade in der Finsternis aufleuchtet“. Die Menschen sollten auch an Weihnachten nicht die Augen davor verschließen, was tatsächlich in unserer Welt geschehe, sagte Lehmann. „So haben wir in den letzten Wochen und Monaten in der sogenannten Finanz- und Wirtschaftskrise ein Wort wieder verstehen und buchstabieren gelernt, das ganz fremd geworden war: das Wort von der Gier.
German Kardinal Lehmann neues Mitglied des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel
Dec 21, 2008

ROM, 19. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat nach einer Presseerklärung der Deutschen Bischofskonferenz den deutschen Kardinal Karl Lehmann zum neuen Mitglied des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel ernannt.

Der Mainzer Bischof und langjährige ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wurde für fünf Jahre in das Gremium berufen.

Die Hauptaufgabe des genannten vatikanischen Dikasteriums, dem  Erzbischof Claudio Maria Celli vorsteht, bestehe darin, „das Handeln der Kirche und der Christen in den vielfältigen Formen der sozialen Kommunikationsmittel anzuregen und zu unterstützen; und dabei zu helfen, dass Tageszeitungen, Zeitschriften, Kinofilme, Radiosendungen und Fernsehsendungen immer mehr von einem christlichen Geist durchdrungen werden“.

Durch die Kommunikationsmittel solle erreicht werden, dass „die Heilsbotschaft und der menschliche Fortschritt zur Förderung der weltlichen Kultur und der Sitten beitragen können“ (vgl. Apostolische Konstitution Pastor Bonus über die Römische Kurie vom 28. Juni 1988).

Die Deutschen Albert Scharf, ehemaliger Intendant des Bayerischen Rundfunks, und Dirk H. Voss, Geschäftsführer des Sankt-Ulrich-Verlags, gehören ebenfalls aber im Beraterstatus seit 2006 dem Päpstlichen Rat für die Kommunikationsmittel an.
German Was bedeutet Weihnachten für Kardinal Lehmann?
Dec 18, 2008
In BILD schreiben Prominente, was ihnen dieses Fest bedeutet. Heute: Karl Kardinal Lehmann (72), Bischof von Mainz.

„Weihnachten habe ich zuerst im Krieg als Kind erfahren dürfen, verbunden mit der Hoffnung, dass der Vater gesund zurückkehrt. Die Sehnsucht nach Frieden und Freude ist geblieben und hat mich immer tief geprägt.

Auch später blieb Weihnachten eine Zeit der Unterbrechung: keine Schule, weniger Arbeit. Wegen dieser Unterbrechung des oft stressigen Alltags sind mir auch heute Feste kostbar, besonders eben Weihnachten als ein Urbild von Fest und Feier.

Schließlich habe ich die Tiefe von Weihnachten kennengelernt: Gott selbst kommt in seinem einzigen Sohn in unsere Welt. Der Mensch kann Gott in sich aufnehmen! Was ist der Mensch?! In ihm zeigt sich die Menschenfreundlichkeit Gottes. Warum sind wir dann nicht menschlicher zueinander? Weihnachten gibt trotz mancher Enttäuschung Mut dazu.
German Mainzer Bischof Lehmann bekommt Stiftungsprofessur
Nov 10, 2008

Mainz Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, wird im nächsten Jahr die zehnte Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur bekommen. Lehmann sei einer «der bedeutendsten Theologen der Gegenwart» und setze mit seinem Wirken Maßstäbe «sowohl im ökumenischen als auch im interreligiösen Dialog», teilte die Vereinigung «Freunde der Universität Mainz» am Montag mit.

Er stehe für klare Positionen und zugleich für die Fähigkeit, zu differenzieren und zu integrieren. Lehmann liegt derzeit nach einer Darmoperation im Krankenhaus. Nach Angaben seines Bistums vom Montag schreitet die Genesung voran.
German "Die Spaltung ist nicht nur Luthers Schuld"
Nov 02, 2008
Der Bischof von Mainz spricht im GA-Interview über Reformation und Politik

Mainz. Die Spaltung der Kirche vor einem halben Jahrtausend, die bis heute noch belastet, ist nicht nur die Schuld Martin Luthers. Das erklärt Karl Kardinal Lehmann, der heute als katholischer Gast bei der Bonner Reformationsfeier in der Kreuzkirche predigt, im Interview mit dem General-Anzeiger. Über die Ökumene und über das verloren gegangene Vertrauen in die Politik sprach mit dem Mainzer Bischof Karl Rüdiger Durth.
General-Anzeiger: Herr Kardinal, Philipp Melanchthon und Martin Buber standen in der Reformationszeit auf der Kanzel der Bonner Münster-Basilika. Beim Reformationsfest 2008 werden Sie auf der Kanzel der benachbarten Kreuzkirche, dem größten evangelischen Gotteshaus der Bundesstadt, stehen. Worin würden Sie den Unterschied sehen?

Karl Kardinal Lehmann: Ich vergleiche nicht gerne sehr verschiedene geschichtliche Situationen, damals und heute. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass die einzelnen Kirchen heute Partner aus den Nachbarkirchen einladen zur Übernahme einer Predigt, auch beispielsweise am Reformationstag, und ganz bewusst ein Austausch über bisher kontroverse Fragen stattfindet.

GA: Auf dem Katholikentag 2008 in Osnabrück haben Sie vorgeschlagen, dass sich die katholische Kirche am 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 beteiligen könnte. Wie könnte diese Beteiligung aussehen?

Lehmann: Wir müssen gemeinsam Dinge tun, die relativ unabhängig von einem Jubiläum sind, das erst in neun Jahren gefeiert wird. Wir arbeiten an theologischen Problemen weiter, dies gilt gerade für die theologischen Fragestellungen Martin Luthers; näherhin bemühen wir uns um ein möglichst gemeinsames Verständnis der Reformation, wenn auch hier Unterschiede bleiben werden. Im Übrigen werden alle diese Bemühungen nicht nur offiziell von den Kirchenleitungen veranstaltet?

GA: ...sondern?

Lehmann: Daran ist auch die wissenschaftliche Theologie beteiligt, auf andere Weise die einzelnen Gemeinden, man denke an Ökumenische Arbeitskreise auf vielen Ebenen, aber auch das vielfältige gemeinsame Wirken von Christen in der Politik, in der Caritas/Diakonie und nicht zuletzt in den Pfarrgemeinden. Da darf man nicht auf ein Jubiläum allein setzen. Zehn Jahre sind ohnehin ein weiter Weg. Haben wir die Kraft für einen so langen Weg?
Zur PersonKarl Kardinal Lehmann (72) kam als Sohn eines Lehrers in Baden-Württemberg zur Welt. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Freiburg und Rom promovierte er in Rom. 1963 zum Priester geweiht, wurde er 1968 Professor in Mainz und 1971 in Freiburg. 1983 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz. 2001 wurde er Kardinal.

1987 - 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Kardinal, der auch zahlreiche römische Ämter innehat, ist der populärste katholische Kirchenführer in Deutschland und zählt zu den bedeutendsten katholischen Theologieprofessoren der Gegenwart.

Lehmann in Bonn

Karl Kardinal Lehmann ist am Freitag zu Gast in der Kreuzkirche am Kaiserplatz. Als katholischer Gast des protestantischen Reformationstages predigt der Bischof ab 19.30 Uhr bei der zentralen Bonner Reformationsfeier, die unter dem Motto "Um der Wahrheit willen" steht.

Lehmann wird dabei über den 1. Korintherbrief, Kapitel 11, Vers 19 predigen: "Denn es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden." Im Anschluss lädt der Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Bonn zum öffentlichen Jahresempfang in die Krypta der Kreuzkirche.
GA: Ihr Nachfolger im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, hat angeregt, vielleicht bis 2017 ein gemeinsames Lutherbild zu entwerfen. Welche Bedeutung hat Martin Luther für Sie?

Lehmann: Martin Luther ist gewiss ein sprachmächtiger, leidenschaftlicher und in vieler Hinsicht imponierender Theologe. Es ist aber tragisch, dass er zwar mit vielen guten Gründen die Kirche erneuern wollte, daraus aber schließlich - dies ist nicht nur seine Schuld - eine Spaltung der Kirche geworden ist, die uns auch heute noch belastet.

GA: Um die Ökumene ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Ist dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Lehmann: Die weiterführende und grundlegende Arbeit ist auch in der Ökumene nicht lautstark und marktschreierisch. In aller Stille geschieht vieles positiv. Wir sind lange Zeit beim Abbau von Missverständnissen und dem Wiederfinden verschütteter Gemeinsamkeiten erstaunlich rasch vorangekommen. Kein Wunder, dass es bei den noch ungelösten Fragen mühsamer und langsamer wird. Deshalb darf man aber nicht die Flinte ins Korn werfen.

GA: Nicht nur die Kirche bedarf der Reform, sondern auch die Gesellschaft. Wo müssen gesellschaftliche Reformen Ihrer Ansicht nach ansetzen?

Lehmann: Alle Reformen müssen bei uns selbst, bei jedem Einzelnen ansetzen. Wozu sind wir alle bereit? Da muss jeder zuerst vor seiner eigenen Haustüre kehren. Ein Ruf nach Reformen, die nur die anderen angehen, ist für mich ärgerlich. Wenn man darüber einig ist, gibt es genug zu tun: die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, die Bildungsmisere, der Zerfall von Ehe und Familie. Diese Dinge hängen auch miteinander zusammen. Davon ist leider zu wenig die Rede.

GA: Viele Menschen haben ihr Vertrauen in die Politik verloren, nun auch in die Wirtschaft. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Vertrauen des Bürgers in Staat und Wirtschaft?

Lehmann: Vertrauen kann man nicht einfach "machen". Wenn es verloren ist, kann es nur durch Glaubwürdigkeit, Sachkompetenz und den eigenen Vorbildcharakter wiedergewonnen werden. Viele Politiker realisieren dies auch. Sie nehmen ihre Verantwortung ernst. Die Existenz einiger schwarzer Schafe darf nicht zu Pauschalurteilen reizen.

GA: Was kann getan werden, um neues Vertrauen zu schaffen?

Lehmann: Jeder muss auch dazu beitragen, mehr Einsicht und Aufklärung über unsere Situation zu gewinnen. Wir dürfen uns nicht um seriös arbeitende Stellungnahmen herumdrücken. Wir sollen aber auch selbst beispielsweise in Parteien mitarbeiten, wenn wir unzufrieden sind.

GA: Könnten hier auch die Kirchen gefragt sein und einen Beitrag leisten?

Lehmann: Wir spielen als Kirche nicht direkt mit in der politischen Arena. Aber wir wollen mitarbeiten an den Voraussetzungen, nämlich an der Stärkung wichtiger Grundhaltungen, wie rücksichtsvoller Umgang miteinander, Bereitschaft zum Teilen der Lebenschancen, schonungsvoller Umgang mit der Schöpfung und Umwelt. Wir kümmern uns aber auch um die vielfachen "Opfer" unseres Systems.

GA: Immer lauter wird inzwischen die Forderung nach einer neuen Weltwirtschaftsordnung, die auch die Armen endlich in den Blick nimmt. Ist das eine realistische Forderung?

Lehmann: Solche Programme werden ja schon, gerade durch die Kirchen, seit Jahrzehnten entworfen. Etwa durch den unvergesslichen Bischof Hermann Kunst, erster Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesregierung in Bonn, und die verschiedenen Partner von katholischer Seite. Es gibt seit Jahrzehnten veröffentliche Vorschläge. Daran fehlt es nicht.

GA: Hat der Kapitalismus abgewirtschaftet und der Sozialismus eine neue Chance?

Lehmann: Wir haben ja längst in der Sozialen Marktwirtschaft einen ganz bewussten "dritten Weg" eingeschlagen. Nur ist dieser Weg kein Selbstläufer. Auch er verlangt Erneuerung, braucht ethische Quellen. Die Väter der Sozialen Marktwirtschaft wussten dies noch sehr genau.

GA: Viele Menschen hat Angst erfasst. Ist diese berechtigt?

Lehmann: Das Aufkommen von Angst ist verständlich. Aber Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Im Übrigen kann man sie gewöhnlich nur überwinden, wenn man ihren Gründen nachgeht und die tatsächlichen Probleme anpackt. Dann kommt der Mut wieder.
German "Wir trinken aus denselben Kelchen"
Nov 01, 2008
Kardinal Karl Lehmann predigt vor rund 3 000 Christen im zentralen Reformationsgottesdienst

Bonn. Ein Katholik, zumal der wohl bekannteste katholische Kardinal Deutschlands, auf der Kanzel einer protestantischen Kirche und das auch noch am evangelischen Reformationstag - diese ungewöhnliche Konstellation konnten rund 3 000 Besucher verschiedener christlicher Konfessionen Freitagabend beim zentralen Reformationsgottesdienst in der übervollen Kreuzkirche erleben.
Kardinal Karl Lehmann, der bis Anfang des Jahres 21 Jahre lang die Deutsche Bischofskonferenz leitete und weiterhin Bischof von Mainz ist, war von Eckart Wüster, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, eingeladen worden zu predigen: "über die Reformation in ihrem Ursprung und ihrer kritischen Verwurzelung in der katholischen Tradition".

Natürlich ging es dabei auch um die zentrale Person der Reformation, Martin Luther, den Lehmann als Reformer, nicht als Kirchenspalter darstellte: "Luther ist in der einen und selben katholischen Kirche geboren und gestorben."

Lehmann zitierte dazu auch den evangelischen Kirchenhistoriker Hanns Rückert: "Luther ist gestorben in dem gleichen Glauben, in dem er gelebt und gehandelt hatte: in dem Glauben der katholischen Kirche, die es nach seiner Meinung nur gibt und um deren katholische Reform es ihm ging."

Luther habe nicht daran gedacht, eine neue Kirche neben der alten zu schaffen, sagte Lehmann in Anspielung auf das Leitwort seiner Predigt: "Denn es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden" (Korintherbrief). Die Kirche könne keine Spaltungen dulden, dennoch habe es sie gegeben und es stelle sich die Frage, ob es so etwas wie eine "göttliche Zulassung" gebe.

"Was begehen wir am Reformationstag wirklich?" Da Luther oft politisch instrumentalisiert worden sei, rief Lehmann dazu auf, dass Protestanten und Katholiken gemeinsam und gerade im Blick auf das Jubiläumsjahr 2017 - 500 Jahre Reformation - "im Interesse einer wahrheitsgetreuen Deutung den tiefen Zusammenhang Luthers mit der ganzen Geschichte der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche stärker sehen müssen".

Lehmann zu seinen "Schwestern und Brüdern": "Wir sind enger geeint, als uns manche Polemik zu denken übrig lässt." Und: "Wir trinken das heilige Blut aus denselben Kelchen", appellierte er, Kontinuitäten zu erkennen. "Es geht schließlich um unsere gemeinsame Zukunft."
German Solidarität mit verfolgten Christen
Nov 01, 2008
Kardinal Lehmann nimmt Stellung zum Thema Glaubensfreiheit in der islamischen Welt

Die freie Ausübung der Religion, ein anerkanntes Menschenrecht, ist vielerorts auf der Welt nur ein Wunschtraum. Menschen werden aufgrund ihres Glaubens diskriminiert, gefoltert und ermordet. Im Erbacher Hof forderte Karl Kardinal Lehmann jetzt Solidarität mit verfolgten Christen.

"Wären wir zu dieser Solidarität nicht fähig, so würden wir unseren eigenen Glauben ver-raten", sagte Lehmann bei der Diskussion auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema "Glaubensfreiheit - Schutz der Christen in der islamischen Welt" vor gut 150 Zuhörern. Das Leid, das Christen gerade jetzt im Irak erlebten, verpflichte zur Hilfe, erklärte der Kardinal, der sich um die in die Nachbarstaaten Türkei, Syrien und Jordanien Geflohenen in Sorge zeigte.

Über 200000 Christen haben nach Angaben der CDU-Bundestagsabgeordneten Ute Granold seit 2003 den Irak verlassen und stehen vor dem Nichts. Als Mitglied des Parlamentsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat Granold jüngst Betroffene in der Türkei und im Nahen Osten besucht, die ihr Heimatland aufgrund von Verfolgung, Entführungen und Morddrohungen durch radikale Muslime verlassen mussten. Sie setze sich bei den Regierungen von Bund und Ländern sowie bei der EU für eine schnelle Aufnahme der christlichen Flüchtlinge ein, denn die Zeit dränge.

Neben der akuten Notlage der Christen aus dem kriegsgebeutelten Land war die Situation der Glaubensgemeinschaft in der Türkei Hauptthema bei der vom Journalisten Martin Lohmann geleiteten Diskussion. In drastischen Worten schilderte Dr. Otmar Oehring, Leiter der Fachstelle Menschenrechte des Hilfswerks Missio, wie der türkische Staat durch Verwehrung der Rechtsverfasstheit und Nichtanerkennung als Glaubensgemeinschaft den Niedergang der christlichen Gemeinden fördere. Trotz formell strikter Trennung von Staat und Religion sei das Land de facto ein islamischer Staat, meinte Oehring. Christen sei es nicht erlaubt, sich zu organisieren oder Kirchen zu bauen. Den Gemeinden liefen die jungen Leute weg, da sie im Ausland ein besseres Leben suchten.

Der Kardinal forderte die An-wesenden auf, sich und andere über religiöse Diskriminierung und Verfolgung zu informieren und sich für Hilfe stark zu ma-chen. Granold schloss sich Lehmanns Forderungen an: "Drängen Sie die Politik zum Dialog, treiben Sie das Thema in der öffentlichen Diskussion voran", bat sie eindringlich.
German Kardinal Lehmann betont Verbundenheit der beiden großen Kirchen
Nov 01, 2008

Der Mainzer Kardinal Lehmann hat die beiden großen Kirchen dazu aufgerufen, sich auf die gemeinsamen Traditionen zu besinnen. Die Kirchen seien nicht nur durch die Bibel und die Glaubensbekenntnisse tief miteinander verbunden, sondern auch durch ihre mittelalterliche Geschichte. Das sagte Lehmann in seiner Predigt zum Reformationstag am Freitagabend in der Bonner Kreuzkirche. Die Kirchenspaltung bleibe ein Skandal und ein Ärgernis. Der Kardinal zeigte sich aber zuversichtlich, dass die beiden Kirchen bis zum Reformationsjubiläum neue Türen auftun und einiges miteinander klären könnten. Ausdrücklich würdigte Lehmann die ökumenische Zusammenarbeit in der Wissenschaft und der Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas.
German Kirchenspaltung ist nicht allein Luthers Schuld
Oct 31, 2008

onn, 31.10.08 (KAP) Die Spaltung zwischen evangelischer und katholischer Kirche ist nach Einschätzung des Mainzer Kardinals Karl Lehmann nicht allein die Schuld Martin Luthers. Luther habe im 16. Jahrhundert "aus vielen guten Gründen" die Kirche erneuern wollen, sagte Lehmann am Freitag in einem Interview mit dem "Bonner General-Anzeiger". Es sei "tragisch", dass daraus eine Spaltung der Kirche geworden sei, die "uns auch heute noch belastet". Der Mainzer Bischof war am Freitag Gast bei der zentralen Reformationsfeier in Bonn und hielt in der größten evangelischen Kirche der Stadt die Predigt zum Reformationstag.

Mit Blick auf die 500-Jahr-Feier des Thesenanschlags von Wittenberg im Jahr 2017 sagte der Kardinal, die Kirchen bemühten sich um ein gemeinsames Verständnis der Reformation. Daran müsse gearbeitet werden, "wenn auch hier Unterschiede bleiben werden".

Unabhängig von dem Jubiläum müsse aber die grundlegende Arbeit in der Ökumene weiter fortgesetzt werden, fügte Lehmann hinzu. Die Kirchen seien beim Abbau von Missverständnissen und der Suche nach verschütteten Gemeinsamkeiten in den vergangenen Jahrzehnten sehr schnell vorangekommen. "Kein Wunder, dass es bei den noch ungelösten Fragen mühsamer und langsamer wird", fügte der Kardinal hinzu.

Mit Blick auf die gegenwärtige Banken- und Wirtschaftskrise appellierte der Mainzer Kardinal an Politik und Wirtschaft, das Vertrauen durch Glaubwürdigkeit, Sachkompetenz und vorbildliches Verhalten zurückzugewinnen. Andererseits dürfe die Existenz einiger schwarzer Schafe nicht zu Pauschalurteilen verführen. Darüber hinaus müsse jeder Bürger dazu beitragen, dass sich die Gesellschaft reformieren könne. Es gebe genügend Probleme, die gelöst werden müssten: etwa die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, die Bildungsmisere und der Zerfall von Ehe und Familie.
German Ein Zuhörer mit viel Zeit
Oct 25, 2008
Karl Kardinal Lehmann beim Kuratorium des Dombauvereines

Schon oft war Karl Kardinal Lehmann vom Dombauverein oder dem Kuratorium des Dombauvereines eingeladen worden, doch meist machte der übervolle Terminkalender des Mainzers einen Strich durch die Rechnung. Jetzt hatte es endlich geklappt, die etwa 30 erschienen Mitglieder des Kuratoriums unter dessen Vorsitzendem Wulf Meier erlebten einen sehr interessierten Kardinal, der vor allem zuhörte, Fragen stellte und viel Zeit für Gespräche in der Kapelle der Prinz-Carl-Anlage mitgebracht hatte.

Ohne darauf angesprochen zu werden, brachte der Bischof von Mainz selbst ein sensibles Thema auf die Tagesordnung. Er wisse ja, dass sich die Wormser Dom-Gemeinde schon lange wünsche, Conkathedrale zu werden. Sehr diplomatisch machte Lehmann den Anwesenden klar, dass er dies sehr wohl schon lange in sich wäge, es aber eben keine leichte Entscheidung sei. Wirklich Hoffnung machte er nicht, ohne aber dabei die Tür gänzlich zu verschließen.

Der altehrwürdige Dom und die modernen Medien: Den neuen Internetauftritt des Dombauvereines präsentierte Dresdener-Bank-Vorstand und Kuratoriumsvorsitzender Wulf Meier. Der Vorsitzende des Dombauvereines, Heinz Friedrich Mauer, erläuterte unter anderem die Finanzen des Vereines und zeigte so auf, dass die derzeit laufende Sanierung des Chorgestühles finanziert ist. Bis Weihnachten sei die eine Seite fertig, im kommenden Jahr folge die zweite. Schon jetzt könne man sehen, wie prächtig sich künftig der gesamte Altarraum präsentieren werde. In einem widersprach der Kardinal dem Vereins-Vorsitzenden. Mauer hatte bedauert, dass die Zahl der Mitglieder bei wenig mehr als 800 stagniere. Dies sei in Relation zu anderen Dombauvereinen eine respektable Zahl, betonte Kardinal Lehmann.

Hoch erfreut zeigte sich der Kardinal von der jüngsten Aktion des Dombauvereines, die Kuratoriumsmitglied Dr. Angela Scheugenpflug vorstellte: Den Dom als Bastelbogen. Einige von Schülern gefertigte und phantasievoll bemalte Exemplare konnten sich die Anwesenden anschauen. Scheugenpflug wies besonders darauf hin, dass es so gelungen sei, dass sich Kinder mit dem Dom befassen. Besonders erläutern ließ sich der Kardinal, welche Rolle der Dom bei den Nibelungen-Festspielen spiele und wie es um die wirtschaftliche Situation der Stadt stehe. Gute Tradition ist es, dass jedes Jahr ein Weingut einen "Domwein" auflegt, der zugunsten der Sanierung des Gotteshauses verkauft wird. Den aktuellen Domwein stellt der Abenheimer Winzer Dr. Andreas Schreiber vor. Ausgewählt wurden ein 2007er Grauer Burgunder sowie ein 2007er Merlot & Cabernet Sauvignon, Gutsabfüllungen. Sie sind im Weingut zu haben, vom Preis von fünf Euro geht einer als Spende an den Dombauverein.
German Der liebe Gott und die Abwasserversorgung
Oct 24, 2008
Diskussion "Wie viel Kirche verträgt der Staat?"

MAINZ Der Papst meldet sich zur Wirtschaftskrise zu Wort. Der Streit um einen Gottesbezug in der EU-Verfassung droht die Mitgliedsstaaten zu spalten. Wie viel Religion braucht der Staat, wie viel Staat die Religion? Das Institut für Europäische Geschichte und die Landeszentrale für politische Bildung in Mainz luden zur Podiumsdiskussion in den rheinland-pfälzischen Landtag. Thomas Friedrich Koch aus der Landeskulturredaktion des SWR moderierte.

Die Trennung von Kirche und Staat gilt in Deutschland seit 1919. In der Präambel des deutschen Grundgesetzes findet sich jedoch nach wie vor ein Gottesbezug. Dass es einen solchen direkten Bezug in der EU-Verfassung nicht geben werde, damit habe er gerechnet, sagte Kardinal Karl Lehmann in der Diskussionsrunde. Er bedaure die Entscheidung jedoch nicht übermäßig: "Es kommt doch darauf an, was sonst inhaltlich in der Verfassung steht."

Christoph Link, Professor für Kirchenrecht an der Universität Erlangen-Nürnberg, warf die Frage auf, welcher Gott denn für die EU-Verfassung herangezogen werden solle. Ein lediglich christlicher Gottesbezug sei angesichts der Religionsvielfalt in der Europäischen Union unzulänglich. Wären Vertreter anderer Religionsgemeinschaften eingeladen gewesen, hätte an diesem Punkt eine interessante Diskussion anschließen können - auch hinsichtlich des Gottesbezugs im deutschen Grundgesetz.

Eine "punktuelle Zusammenarbeit" zwischen Kirche und Staat, wie sie in Deutschland praktiziert werde, halte er für richtig, erklärte Lehmann. Dieses Zusammenspiel von Trennung, Unabhängigkeit und Kooperation sei eine über Jahrhunderte ausgearbeitete Errungenschaft. "Unabhängigkeit steht nicht im Gegensatz zum Glauben", betonte er.

Mit Blick auf das Nachbarland Frankreich bezweifelte Lehmann, dass der dort propagierte strikte Laizismus, also die strikte Trennung von Kirche und Staat, tatsächlich befolgt werde. Schließlich sei die Kathedrale von Dijon mit Staatsgeldern renoviert worden. Auch Antje Heider-Rottwilm, langjährige Europa-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, sieht die französische Trennung von Kirche und Staat im Abbau begriffen. "Die Kirche steht in Frankreich sehr wohl in ständigem Dialog mit dem Staat", erklärte sie. Mathias Rohe, Professor für Bürgerliches Recht an der Universität Erlangen-Nürnberg, bezeichnete den Laizismus in Frankreich gar als "Etikettenschwindel".

Nur durch die Trennung von Staat und Kirche sei wirkliche Religionsfreiheit zu garantieren, sagte Rohe. Ein Politikanspruch "von Gottes Gnaden" käme einer Anmaßung gleich: "Sonst macht man Gott noch für Finanzkrisen und mangelhafte Abwasserversorgung verantwortlich."

In seinem Schlusswort betonte Lehmann, dass sich die Kirchen nicht auf den staatlichen Garantien ausruhen dürften, die es für sie in Deutschland schließlich durchaus gebe: "Wir haben keinen Ewigkeitsanspruch."
German Gläubige feiern Kardinal Lehmann
Oct 06, 2008
Papst Benedikt XVI. hat ihn für seine "Volksnähe" gelobt: Kardinal Karl Lehmann, der in diesen Tagen sein 25-jähriges Bischofsjubiläum begeht. Am Sonntag feierten Gläubige den Bischof mit einem Fest rund um den Mainzer Dom.

(hessenschau, 05.10.2008) Lehmann war vor 25 Jahren zum Bischof geweiht worden. Er sei "den Priestern, den Männern und Frauen im Ordensstand und allen Gläubigen" immer sehr nah geblieben, schrieb Papst Benedikt XVI. in einem am Sonntag veröffentlichen Brief an Lehmann vom 24. September. "Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass du in Deutschland bei jeder gesellschaftlichen Gruppe Wohlwollen und Anerkennung genießt", schrieb der Papst.

Bereits seit Donnerstag finden verschiedene Feiern zu Ehren Lehmanns statt. Rund um den Mainzer Dom gab es am Sonntag ein großes Bistumsfest. Damit feierten die Gläubigen des Bistums Mainz, das auch weite Teile Hessens umfasst, ihren beliebten Bischof.

Los ging es um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst. Auf zwei Großbühnen traten anschließend Chöre, Musik- und Kleinkunstgruppen auf. An 120 Ständen informierten Pfarreien und kirchliche Gruppen über ihre Arbeit.

Vesper im Dom

In einem Begegnungszelt wurde Jubiläumswein verkauft. Außerdem lag dort ein Buch aus, in dem Gläubige ihre Grüße an Kardinal Lehmann verewigen konnten. Schlusspunkt der Feiern bildete eine Vesper im Dom um 17 Uhr.

Kardinal Lehmann (72) gilt als einer der beliebtesten Bischöfe in Deutschland. Von 1987 bis 2008 war er als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die wichtigste Stimme der deutschen Katholiken. Lehmann gilt als Mann des Ausgleichs, geriet mehrfach aber auch in Konflikte mit dem Vatikan.

Schwangerenkonfliktberatung

1999 wollte er die katholischen Beratungsstellen im staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung halten, scheiterte aber am Veto des damaligen Papstes Johannes Paul II.
German Glaube ist "nicht nur Sache der Profis"
Oct 06, 2008
Kardinal Lehmann lobt die Laien / Bistumsfest lockt tausende Besucher an den Dom.

(Allgemeine Zeitung, 06.10.2008) Gäbe es in der Kirche Fan-Clubs - der Mainzer Kardinal hätte garantiert einen. Nieselregen hin oder her, über 2 500 Menschen nahmen gestern am zweistündigen Festgottesdienst unter freiem Himmel teil. Mit ihm begann das große Bistumsfest, das am späten Nachmittag mit einer Vesper im Dom endete.  

Sie stehen dicht an dicht: Menschen aus der ganzen Region, Junge, Alte, Katholiken, Protestanten füllen den Marktplatz. Viele Väter haben ihre Kinder auf die Schultern genommen - auch die lieben Kleinen wollen den Mann des Tages sehen. Dabei steht auf der Bühne kein Rockstar, sondern ein Geistlicher. Karl Kardinal Lehmann, vor 25 Jahren zum Bischof von Mainz geweiht, freut sich sichtlich über die vielen Menschen, die an diesem Morgen gekommen sind - und sagt das auch.

Mit dem großen Fest feiert das Bistum nicht nur das Bischofsjubiläum Lehmanns, sondern auch die Gründung der Pfarrgemeinderäte vor 40 Jahren. Ein Glücksfall für die Kirche sei dies gewesen, erklärt Lehmann; in seiner Predigt wird er nicht müde, immer wieder zu betonen, wie wichtig und willkommen die Mitarbeit von Laien sei. Glaube, Liebe, Hoffnung - das sei nicht in erster Linie "Sache der Profis".

Ohne das Engagement von vielen hundert Ehrenamtlichen wäre auch das Bistumsfest nicht möglich gewesen. Auf dem Markt und dem Liebfrauenplatz haben über hundert Gruppen aus der ganzen Diözese ihre Stände aufgebaut, hier spiegelt sich das pralle kirchliche Gemeindeleben wider. Die einen sorgen dafür, dass die rund 4 500 Festbesucher weder hungern noch dürsten müssen. Suppe gibt es, Würste und selbstgebackenen Kuchen. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kdf) verkauft Kunsthandwerk aus Ruanda, die Malteser stellen das Berufsbild "Rettungsassistent" vor, der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen wirbt um Bekanntheit. Tausende Menschen bummeln an den Ständen vorbei, und wem´s zu kalt wird, der nippt an einer Tasse heißem Kaffee - oder macht einen Abstecher ins Innere des Doms, wo ein geistlich-musikalisches Programm geboten wird.

Und nach einem kleinen Päuschen nach dem Gottesdienst taucht auch Karl Lehmann wieder auf. Lächelnd schreitet er von Pavillon zu Pavillon; sein Gefolge ist eifrig bemüht, das Haupt des Kardinals mit Schirmen vor dem Regen zu schützen, doch der 72-Jährige scheint gegen das schlechte Wetter immun. Immer wieder bleibt er stehen, um sich mit Passanten zu unterhalten, oft bückt er sich, um Kindern die Hand zu geben und nach ihren Namen zu fragen. Sie liegen ihm eben besonders am Herzen, die Kinder und Jugendlichen: Bereits sein Vater, plaudert er, sei "ein leidenschaftlicher Lehrer gewesen". Aufmerksam verfolgt der Kardinal den Auftritt einer Jugendgruppe auf der Bühne, die kroatische Lieder singt, und spendet den Mädchen Applaus. Er weiß: "Wochenlang haben sie sich vorbereitet", um dieses Fest gelingen zu lassen.

"Damit hätte ich nie gerechnet!" Hildegard ist immer noch ein bisschen aufgeregt: Die 16-Jährige Maria-Ward-Schülerin hat gerade eben den Kardinal persönlich kennengelernt. Er war zum Stand ihrer Schule gekommen, hat sich das riesengroße "Schulbuch" zeigen lassen - und mit den Schülerinnen ein paar nette Worte gewechselt. "Er ist gar nicht von oben herab, sondern sehr freundlich", sagt Hildegard begeistert.

Auf dem Frauenlobplatz blicken die Festbesucher immer wieder erstaunt gen Himmel - an einem großen Baum baumeln etliche alte Kinderwagen. Keine schwebenden Engel, sondern ein Mannheimer Aktionskünstler hat sie dort in einer "Nacht- und Nebelaktion" aufgehängt - um sich, wie er mitteilte, "kritisch mit der Haltung der katholischen Kirche zum Thema Verhütung in der Dritten Welt auseinanderzusetzen". Eine ernsthafte Störung des Festes sieht darin aber niemand - auch Generalvikar Dietmar Giebelmann fühlt sich nicht provoziert, sondern nimmt´s gelassen. "Wir hatten nur ein bisschen Bedenken, dass der Wind einen der Wagen herunterreißen und einen Besucher damit treffen könnte", sagt der Geistliche. Doch die Kinderwagen richten kein Unheil an - sondern hängen, bis die Feuerwehr sie "pflückt".
German Pfarrgemeinderäte haben sich «voll und ganz bewährt»
Oct 06, 2008
«Erhebliche Verlebendigung des Lebens und Wirkens unserer Gemeinde» gewürdigt.

Mainz (ddp-rps). Die Einrichtung von Pfarrgemeinderäten vor 40 Jahren hat sich dem Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann zufolge «voll und ganz bewährt». Die Verwirklichung des Pfarrgemeinderates gehöre «mit zu den größten Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils», sagte Lehmann am Sonntag in Mainz in seiner Predigt vor dem Dom anlässlich des Bistumsfestes. Die Pfarrgemeinderäte hätten eine «erhebliche Verlebendigung des Lebens und Wirkens unserer Gemeinden gebracht», erläuterte er. Im Bistum Mainz hatten im Jahr 1968 die ersten Pfarrgemeinderatswahlen stattgefunden. Der Pfarrgemeinderat sei aber nicht nur eine «Entlastung des Pfarrers», sagte Lehmann. Der tiefe Grund liege «in der aktiven Mitwirkung der Laien in der Kirche». Dabei gehe es vor allem um die vom Konzil (1962-1965) geforderte «Verwirklichung des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen» sowie «des Sendungsauftrages der Kirche». (ddp)
German Tagungsband dem Jubilar gewidmet
Oct 04, 2008
Karl Kardinal Lehmann erfreut über den wissenschaftlichen Anteil an seinem Bischofsjubiläum.

(Allgemeine Zeitung, 04.10.2008) In einem "affenartigen Tempo" sei die Publikation entstanden. So sagt es Prof. Dr. Andreas Tacke, der reichlich Erfahrung besitzt. Es ist nicht die erste Tagung, die er erlebt hat und dass ein Tagungsband in einer Zeit von vier Monaten veröffentlicht wird, sei tatsächlich selten. Motiviert habe ihn, den Herausgeber, insbesondere die in Aussicht stehende Übergabe an den Widmungsträger. Das Buch sollte auf jeden Fall zum Vorabend des silbernen Bischofsjubiläums von Karl Kardinal Lehmann fertig werden.

Der Band "Kunst und Konfession. Katholische Auftragswerke im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517-1563" wurde nun im Haus am Dom an den Widmungsträger übergeben. Damit wird ein roter Faden weiter gesponnen, der 1990 von Lehmann aufgenommen worden war. Damals fand in Mainz eine Tagung zu Albrecht von Brandenburg statt. Seitdem hat er immer wieder die Schirmherrschaft zu Veranstaltungen in diesem Themenumfeld übernommen. "Die Publikation ist nun die Summe dessen, was bisher zu diesem Thema gebracht wurde" , stellte der Trierer Professor für Kunstgeschichte fest.

"Der Band stellt die Kunst zur Zeit des Umbruchs einer breiten Öffentlichkeit vor", hatte Prälat Dietmar Giebelmann, Generalvikar des Bistums Mainz, zuvor in seiner Begrüßung gesagt. Dr. Albrecht Weiland, Leiter des Verlags Schnell und Steiner aus Regensburg, bekannte, ihm sei es ein persönliches Anliegen gewesen, das Buch, das seinem früheren Freiburger Professor Lehmann gewidmet ist, zu veröffentlichen.

Kardinal Lehmann dankte den Beteiligten für die schnelle Realisierung des Buchprojekts. "Was wäre für mich ein 25. Bischofsjubiläum, ohne dass es auch einen wissenschaftlichen Anteil hat", betonte er. Der Sammelband könne helfen, "manche Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten".

Den Festvortrag hielt der Dresdner Kunsthistoriker Thomas Packeiser, der in die Thematik einführte. Er sprach zum Thema "Katholische Kunst angesichts der Reformation".

Musikalisch gestaltet wurde die vom Erbacher Hof organisierte Buchpräsentation von Ju yeon Shin (Violine) und Seung-Jo Cha (Klavier).

Andreas Tacke (Hg.), Kunst und Konfession. Katholische Auftragswerke im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517-1563. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2008. 424 Seiten, 123 Abbildungen, 49,90 Euro. ISBN 978-3-7954-2133-5.
German "Einer, zu dem man aufsehen kann"
Oct 04, 2008
Er ist der vielleicht beliebteste Mann in Mainz: Karl Kardinal Lehmann hat am Donnerstag sein 25. Bischofsjubiläum gefeiert. Der Tag begann mit einem Gottesdienst im Dom, an den sich ein Empfang im Erbacher Hof anschloss.

(Allgemeine Zeitung, 04.10.2008) Am Tag zuvor hat es noch wie aus Kübeln geschüttet, doch jetzt, gegen Mittag, ist es schön. Die Leute, die in der Sonne über den Wochenmarkt schlendern, schielen neugierig zu den beiden Polizisten, die den Eingang des Doms bewachen. Auch eine Gruppe Touristen schaut verdutzt auf die Uniformierten, marschiert aber unverdrossen an ihnen vorbei - ebenso wie an dem Schild, das bittet, wegen des Gottesdienstes auf Besichtigungen zu verzichten. In einer Hand einen halbverzehrten Apfel haltend, stößt eine der Frauen die Tür auf, stiefelt kauend ins Innere des Doms - und hält verdutzt inne, als sie der unzähligen Menschen, die hier sitzen und stehen, gewahr wird. "Irgendwas ist hier los!", wispert sie ihren Begleitern zu.

Womit sie natürlich recht hat: Mit 1 500 Menschen feiert Karl Kardinal Lehmann ein bedeutendes Jubiläum - vor 25 Jahren wurde er hier zum Bischof von Mainz geweiht. Entsprechend festlich ist der Rahmen des Gottesdienstes, der jetzt gerade ausklingt. Die vielen Geistlichen, die gekommen sind, um dem früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz die Ehre zu erweisen, bilden zum Auszug aus dem Dom eine Prozession; an ihrem Ende läuft der Kardinal, die Hand zum Gruß, zum Segen erhoben. Und es ist, als ob er mit seinem Blick, seiner Geste alle erfassen wollte, die da am Rande stehen. Die Würdenträger, die Wegbegleiter, aber auch die vielen unbekannten Frauen und Männer, die ihm an diesem Tag für einen Moment nah sein wollen.

Schwester Maria, eine "Maria-Ward-Schwester", bleibt noch ein Weilchen in ihrer Kirchenbank sitzen. An diesem Tag mit dem Kardinal einen Gottesdienst zu feiern, sei "nicht nur eine Gnade, sondern auch eine große Freude", sagt die alte Dame. Was Lehmann für sie sei? Schwester Maria lächelt strahlend: "Ein Heiliger - das ist der beste Ausdruck für diesen Mann." Viele Kerzen leuchten im Dom; auch Brigitte Heep hat eine angezündet. Vor allem für die Tochter, die ein Baby erwartet, erzählt die Harxheimerin. Aber auch für den Kardinal: "Damit er uns noch lange erhalten bleibt und viel für die Ökumene tun kann."

Im Erbacher Hof wird weitergefeiert - erst mit dem Festakt, den die PFG-Bigband von Willigis-Gymnasium und Maria-Ward-Schule musikalisch begleitet, dann mit "Fingerfood". Eines der Hauptthemen der Gäste: Das Befinden des Kardinals. Ein bisschen wacklig sei er ja, wenn er Stufen hinauf- oder hinabgehen müsse, heißt es ein bisschen besorgt. "Ich wünsche ihm weiterhin Schaffenskraft - und Pausen der Erholung, damit seine Gesundheit stabil bleibt und er noch lange unser Bischof sein kann", sagt Domdekan Heinz Heckwolf. Ganz ähnlich äußert sich Dr. Andrea Litzenburger, künftige Schulleiterin der katholischen Maria-Ward-Schule. "Er soll noch viele Begegnungen haben mit Menschen, die sich von ihm so angenommen fühlen."

Von denen gibt es zahlreiche. Monsignore Joachim Schroedel etwa; der Seelsorger für deutschsprachige Katholiken im Nahen Osten ist aus Ägypten angereist, nur um bei der Jubiläumsfeier dabei zu sein. Lehmann sei "ein Vater" für ihn - "anders kann ich es einfach nicht sagen".

Und der Kardinal? Der freut sich still über die vielen Gäste, die Sympathie, die ihm entgegen schlägt. Er fühle sich in Mainz zu Hause, betont Lehmann - und die Mainzer sehen ihn längst als einen der ihren. Wie Horst-Josef Oellnisch, eigentlich Haustechniker im Erbacher Hof - an diesem Festtag backt er Brezeln für die Gäste. "Da hab ich den Blaumann mit dem weißen Bäckerkittel getauscht", lacht er. "Für den Kardinal tue ich das gerne. Das ist einer, der immer grüßt, immer wissen will, wie es einem geht", erzählt Oellnisch. "Mit ihm haben wir in Mainz einen Mann, zu dem man aufschauen kann. Das gab es ja seit Jockel Fuchs und Ernst Neger so richtig nicht mehr."
German Kardinal Lehmann feiert Silbernes Jubiläum
Oct 02, 2008
Herzlichen Glückwunsch, Kardinal Karl Lehmann: Heute feiert er sein Silbernes Bischofsjubiläum. Seit 25 Jahren leitet der 72-Jährige das katholische Bistum Mainz, dessen größter Teil in Hessen liegt.

(hr-online.de, 2.10.2008) Anlässlich der Bischofsweihe Lehmanns vor einem Vierteljahrhundert finden am Donnerstag ein Pontifikalamt im 1.000-jährigen Mainzer Dom und ein Empfang statt - viel Prominenz inklusive. Auf der Gästeliste stehen unter anderem die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Hessen, Kurt Beck (SPD) und Roland Koch (CDU). Drei Tage später, am 5. Oktober feiert der Kardinal, der nach frühen Überlieferungen bereits der 102. Mainzer Bischof ist, dann einen Gottesdienst sowie ein großes Fest rund um den Dom.

Bei dem bunten Programm auf zwei Bühnen und an rund 120 Ständen werden Besucher aus dem gesamten Bistum erwartet. Dieses liegt zu einem Drittel in Rheinland-Pfalz und zu zwei Dritteln in Hessen. Es zählt etwa 790.000 Katholiken.

Mann des Ausgleichs für Öffnung der Kirche
Übersichtskarte Bistum Mainz (Bild: www.bistummainz.de)
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Zwei Drittel des Bistums Mainz liegen in Hessen, wie die Karte zeigt.
Der 72-jährige Oberhirte mit der barocken Figur und dem dröhnenden Lachen ist über die Konfessions- und Parteigrenzen hinweg beliebt. Als Theologe, Buchautor und ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (1987 bis 2008) ist der langjährige Weggefährte von Papst Benedikt XVI. weltweit bekannt. Lehmann gilt als ein Mann des Ausgleichs, als Brückenbauer, der sich jedoch nicht verbiegt. Er ist Träger von acht Ehrendoktorhüten, Ritter des Ordens "Wider den tierischen Ernst" sowie Träger des "Preises für Lebensfreude" und der PR-Auszeichnung "Kommunikator des Jahres".

Der am 16. Mai 1936 als Sohn eines Dorfschullehrers im schwäbischen Sigmaringen geborene Lehmann ist stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) geprägt. So setzt er sich für die dort propagierte Öffnung der Kirche zur Welt ein, ebenso für die Annäherung zwischen den Konfessionen: "Es gibt überhaupt gar keine Alternative, als bei der Ökumene nach vorne zu schauen", sagt er.

Konflikte mit dem späteren Papst Benedikt XVI.
(Bild: picture-alliance/dpa)
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Kardinal Lehmann in vollem Ornat
Mit seiner Bereitschaft zum Dialog ist Lehmann im Vatikan wiederholt auf Misstrauen gestoßen. So versuchte der Bischof bis zum päpstlichen Machtwort im Jahr 1999, die katholischen Beratungsstellen im staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung zu halten, um die Zahl der Abtreibungen zu verringern. Desgleichen scheiterte Lehmann mit seinem Vorstoß in Rom, wiederverheirateten geschiedenen Katholiken den Gang zur Kommunion zu ermöglichen.

Papst Benedikt XVI. war damals als Präfekt der Glaubenskongregation und somit oberster Glaubenshüter sein Gegenüber. Lehmann spricht indes nicht von Konflikten, sondern nur von "Sachklärungen". Sein Verhältnis zu Joseph Ratzinger werde "oft falsch dargestellt" - in Wahrheit sei es nach wie vor "absolut intakt", sagt Lehmann. Der Mainzer Bischof und der neun Jahre ältere Papst kennen sich bereits seit fast einem halben Jahrhundert.

Fußball als Kitt für auseinanderstrebende Gesellschaft
Lehmann liebt Bücher - aber auch Fußball. Früher kickte er selbst, später saß er gerne auf der Tribüne. Mit Blick auf die Europameisterschaft 2008 bezeichnete Lehmann den Sport gar als neuen "Kitt, um die auseinanderstrebenden Bereiche unserer Gesellschaft zusammenzufügen".

Die private Bibliothek Lehmanns umfasst rund 100.000 Bände, vor allem aus den Bereichen Theologie und Philosophie, aber auch Literatur und Kunst. Über sich selbst sagt der Büchernarr: "In meinem relativ großen Haus ersticke ich fast an Büchern, aber ich liebe sie auch." Für Kardinal Walter Kasper ist Lehmann ein "Bücherwurm, der sich inzwischen zu einem wandelnden wahrhaftigen Lexikon ausgewachsen hat".

Rücktritt nach Herz-Rhythmus-Störungen
Der Mainzer Oberhirte ist auch selbst ein Mann der Feder. 1.417 Seiten zählt allein die erste seiner zwei Doktorarbeiten. Die Bibliografie mit seinen Büchern und kürzeren Texten umfasst fast 3.500 Einträge. Zudem hortet Lehmann viele unveröffentlichte Manuskripte, die noch der Bearbeitung für den Druck harren.

Der Kardinal hat sich nie geschont: Ende 2007 erlitt er Herz-Rhythmus-Störungen und trat deshalb im Februar 2008 als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zurück. Damals schrieb Lehmann: "Ich hatte eine lebensbedrohliche Krankheit, die mir in Zukunft nicht mehr diese oft rücksichtslose Ausschöpfung meiner Kräfte erlaubt." Mainzer Oberhirte will er aber weiterhin bleiben. In den Ruhestand gehen Bischöfe in der Regel mit 75 - bei Lehmann wäre dies im Jahr 2011 der Fall.
German „Da habe ich geweint – was in meinem Leben nicht oft vorkam“
Sept 21, 2008
Im Gespräch: Karl Kardinal Lehmann.

(FAZ, 17. September 2008) Im Interview äußert sich Karl Kardinal Lehmann zur Lage in seinem Bistum, seinem Amtsverständnis, dem Verhältnis zum Papst und zu seinen Tränen.

Herr Kardinal, am 2. Oktober feiern Sie Ihr Jubiläum: 25 Jahre Bischof von Mainz. Welches Lob würden Sie dann am liebsten hören?

Am liebsten gar keines.

Wirklich?

Naja, es freut jeden, wenn anerkannt wird, was man zu tun versucht hat. Ansonsten halte ich es mit der Bergpredigt: „Wehe, wenn euch alle Menschen loben“ – Lukasevangelium 6,26.

Aus der Furcht, vereinnahmt zu werden?

Ja. Es gibt aber auch eine Lobhudelei, die ich nicht mag. Ich habe getan, was ich konnte, und da waren auch Fehler dabei.

Was werfen Sie sich denn vor?

Keine großen Versäumnisse, aber ich habe mich mitunter in Menschen geirrt. Es gab auch andere Enttäuschungen. Ich denke da auch an zwei Pfarrer, die Kinder missbraucht haben und die uns gegenüber nicht offen waren. Schließlich musste ich davon in Illustrierten lesen. Das sind aber Einzelfälle.

Wie sehen Sie Ihr Bistum insgesamt aufgestellt?

Finanziell sind wir insofern gut aufgestellt, als wir über die Kirchensteuer am Wohlergehen der Region teilhaben, besonders wichtig ist dabei das Rhein-Main-Gebiet. Gut überlegen müssen wir, wie jedes Bistum, was wir mit unseren Immobilien machen, nicht nur mit den Kirchen. Wir haben 1200 Immobilien. Bis jetzt haben wir keine einzige Kirche umgenutzt und werden das auch nicht so einfach tun. Für die Instandhaltung aller Immobilien haben wir auf Dauer aber nicht das nötige Geld. Wir mussten deswegen die Gemeinden stärker in die finanzielle Pflicht nehmen. Gut aufgestellt sind wir in der Umorganisation unserer pastoralen Strukturen, weil wir uns viel Zeit gelassen haben, mit den Betroffenen zu sprechen. Mehr als je zuvor beschäftigen wir neben den Priestern auch Ständige Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten, Frauen und Männer in der Seelsorge, zusammen an die tausend Personen. Vom Priestermangel sind wir zwar auch betroffen, aber zum Glück nicht so stark wie andere Bistümer. Trotzdem klemmt es bei der „Versorgung“ der Gemeinden mit Eucharistiefeiern, die ja nur ein Priester leiten kann. Aber allein davon dürfen wir das Leben in einer Gemeinde nicht abhängig machen, es gibt ja auch andere Gottesdienstformen. Was mich am meisten bedrückt, ist der Rückgang beim Gottesdienstbesuch um mehr als fünf Prozent im Vergleich zur Zeit vor 25 Jahren. Das ist viel.

Worauf führen Sie das zurück?

Sicherlich liegt das an der generellen „Säkularisierung“ unserer Gesellschaft, an den vielen Freizeitangeboten, die es gibt. Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich unglaublich geändert. Auf sie müssten wir uns mehr einstellen. Hinzu kommt eine große Zahl von konfessionsverschiedenen Ehen. In ihnen färbt der etwas liberalere Gottesdienstbesuch bei den Protestanten bisweilen auf die Katholiken ab. Ein weiterer Grund ist die mangelnde Attraktivität mancher Gottesdienste, nicht zuletzt auch der Predigt.

Welchen Stellenwert wird die Ortsgemeinde in Zukunft noch haben? Ihr Limburger Amtsbruder schreibt in seinem jüngsten Hirtenbrief, es sei vielfach zu einer „praktischen Übererwartung und theologischen Überbewertung“ der Gemeinden gekommen.

In manchen Großstadtbereichen mag dies stimmen. Aber sonst ist es mir wichtig zu betonen, dass der Mensch auch ein Wesen räumlicher Nähe ist, der Nachbarschaft und des gemeinsamen Wohnens im konkreten Umfeld. Dies wird oft unterschätzt, auch von Soziologen und Pastoraltheologen.

Sie sind ein Bischof, der stark als Theologieprofessor und Wissenschaftler wahrgenommen wird. Wäre Ihnen eine wissenschaftliche Laufbahn ohne all die Kirchenpolitik eigentlich lieber gewesen als jene in der Hierarchie?

Vor 25 Jahren vom Professorenamt Abschied zu nehmen war sehr schwer. Da habe ich geweint, was nicht oft vorkam in meinem Erwachsenenleben. Es gibt nur einen Grund, warum ich Bischof geworden bin: meine Bereitschaft, der Kirche zu dienen, wie ich es bei der Priesterweihe versprochen habe. Ich wäre vermutlich geistlich-menschlich unglücklich geworden, wenn ich mich damals verweigert hätte. Freilich konnte es einen auch reizen, Erkanntes zu verwirklichen und zu gestalten.

Waren Sie jemals amtsmüde?

Müde war ich schon gelegentlich (lacht), vor allem wegen der vielen Terminverpflichtungen. Natürlich habe ich mich auch mal geärgert, amtsmüde war ich aber nie. Ein wesentlicher Charakterzug von mir ist Zuversicht, vor allem aus dem Glauben, die etwas anderes als billiger Optimismus ist. Auch bei Niederlagen ist mir nie in den Sinn gekommen, alles hinzuschmeißen. Da dachte ich eher: jetzt erst recht.

Welche Niederlage hat Sie am meisten mitgenommen?

Der vom Papst 1999 verfügte Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung. Mir war klar, dass es gegen unsere Position für den Verbleib im Beratungssystem Gegengründe gibt und dass man das in Rom anders sieht und vielleicht auch sehen muss. Ich war aber traurig darüber, dass bestimmte Leute einen einseitigen Einfluss in Rom ausüben und ausnutzen konnten.

Wen meinen Sie?

Dies möchte ich hier nicht sagen, aber ich hatte den Eindruck, auf meine Argumente werde weniger gehört. Sicher lag es auch an der Persönlichkeit Johannes Pauls II., der aus seiner Erfahrung in Polen eine um jeden Preis eindeutige Kirche wollte. Das konnte er mit dem Verbleib in der Konfliktberatung nicht vereinbaren.

Neigen führende Kirchenmänner zu autoritären Entscheidungen?

Das kann ich so allgemein nicht sagen. Es ist immer eine Sache des jeweiligen Charakters. Einige Bischöfe haben ein problematisches, weil theologisch überhöhtes Berufsbild. Sie projizieren zu viel auf ihr Amt. Das führt gelegentlich zu einem Episkopalismus, der nicht meine Sache ist. Alleine ist ein Bischof nichts. Deswegen bin ich gerade für die vielen Haupt- und vor allem auch Ehrenamtlichen in der Kirche sehr dankbar.

Stehen jüngere Bischöfe eher in der Gefahr, ihr Amt zu überhöhen, als Männer Ihrer Generation?

Auch unter den jüngeren Bischöfen gibt es viele Typen, die einen teilen ihre Verantwortung, andere berufen sich eher auf ihre Autorität.

Der Papst ist, wie Sie, ein leidenschaftlicher Theologe. Welches Verhältnis haben Sie zu ihm, und wie unterscheidet sich Ihre Art, Theologie zu treiben, von seiner?

Wir kennen uns nun seit mehr als 40 Jahren. Joseph Ratzinger ist ein anderer Denktyp als ich. Er ist zum Beispiel ein exzellenter Augustinus-Kenner. Ich habe mich für meine erste, philosophische Promotionsarbeit viel mit Heidegger, Kant, Marx und Hegel befasst. In meiner theologischen Doktorarbeit habe ich wissenschaftliche Exegese betrieben, der gegenüber der Papst vielleicht zurückhaltender war. Eine gewisse kirchenpolitische Differenz zwischen uns gab es seit der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer zur Umsetzung der Konzilsbeschlüsse während der siebziger Jahre. Ratzinger hatte ein anderes Kirchenbild. Die Synode war ihm nicht sehr gewogen. Damals hat er einmal in diesem Kontext gesagt, er setze „nicht auf Gremien, sondern auf prophetische Existenz“. Er hat es einfach nicht mehr für wert gehalten, sich in der Synode mit allen möglichen Leuten herumzustreiten und so seine Zeit zu vergeuden. Er hat sich nie in das Dickicht und das Unterholz des kirchlichen Betriebs hineingegeben. Aber dies sind ja keine ernsthaften Differenzen zwischen uns. Wir haben auf vielen Ebenen und lange zusammengearbeitet. Alles andere ist ein Märchen und lässt sich durch viele Dokumente auch widerlegen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm heute?

Ich hatte nie ein Problem, ihn trotz einzelner Meinungsverschiedenheiten, die wir miteinander hatten, als älteren, ja als genialen Theologen zu verehren. Wir sehen uns aber kaum. Der Papst hat die Zahl der Audienzen drastisch gesenkt, auch, um Zeit zum Arbeiten zu haben. Mehr als sich um die kirchliche Administration zu kümmern, sieht er es zum Beispiel als seine Sendung an, in seinen Büchern das Jesusbild wieder zurechtzurücken.

Was sehen Sie als Ihre Sendung an?

Bis heute ist für mich der Maßstab geblieben, dass die Kirche sich tief mit der Moderne befassen muss, will sie ernst genommen und ihrem Auftrag gerecht werden. Dies ist etwas ganz anderes als Anpassung. Es kommt auf die Unterscheidung der Geister an. Ich bin immer für eine Kirche eingetreten, die ohne Scheuklappen in der heutigen Welt präsent ist. Wir brauchen wieder mehr „Mut zum Dialog“ – so lautet auch der Titel meines neuen Buches.

In all den Jahren haben Sie sich auch stark engagiert im ökumenischen Dialog. Seit einiger Zeit ist von einer „Ökumene der Profile“ die Rede.

Ich halte von diesem Begriff nicht viel. Natürlich braucht der ökumenische Dialog profilierte Partner. Aber ich finde es hermeneutisch und menschlich sehr schwierig, das eigene Profil zu schärfen und gleichzeitig die bestehende Gemeinsamkeit aufrechtzuerhalten. Das Erste darf nicht auf Kosten des Zweiten gehen. Aber die Tendenz zur Profilierung im Sinn der Abgrenzung ist zum Teil weit vorangeschritten. Aber so hat dieser Weg keine Zukunft.

Auch katholischerseits.

Ja, durch das missverständliche und ungut aufgenommene Papier „Dominus Iesus“ im Jahr 2000, bei dem zuerst gar kein ekklesiologischer Teil geplant war. Später wurde die Aussage, die evangelischen Kirchen seien gar keine Kirchen im wahren Sinn, zu knapp im Verhältnis zum Gewicht.

Wie soll es nun weitergehen?

Wir haben viel erreicht. Wir dürfen dies nicht preisgeben. Diese Gefahr ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt freilich noch einige erhebliche Differenzen im Verständnis des Kircheseins, in einigen Fragen des christlichen Ethos, zum Beispiel in der Bioethik, aber auch im Amtsverständnis besonders der sogenannten Apostolischen Nachfolge des Bischofsamtes. Man muss klar unterscheiden zwischen kirchentrennenden und nichttrennenden Differenzen. Irgendwann sind Entscheidungen auch nicht mehr in der theologischen Retorte allein zu fällen, sondern es braucht ekklesiale Entscheide. Der zweite Ökumenische Kirchentag 2010 in München schafft vielleicht eine neue Ausgangssituation.

Wie geht es Ihnen nach der akuten Herzerkrankung, die Sie im Dezember 2007 erlitten haben, inzwischen?

Es geht mir wieder recht gut, ich muss mehr auf meine Gesundheit achten. Ich muss mehr mit den Grenzen des Alters und manchen Beeinträchtigungen rechnen.

Im Jahr 2011, dann werden sie 75 Jahre alt, müssen Sie dem Papst Ihren Rücktritt anbieten. Wie gehen Sie auf dieses Datum zu?

Gelassen. Dann soll Schluss sein mit dem aktiven Bischofsamt – so der Papst es auch will. Ich habe jedenfalls noch genügend andere Dinge vor. Die theologische Forschung wird mich nicht loslassen, auch möchte ich noch das ein oder andere publizieren. Darauf freue ich mich.
German Deutscher Kardinal Lehmann sieht Qualitätsjournalismus "unter Druck"
Sept 21, 2008
Wachsende Informationsflut im Internet sei nicht nur Segen.

(Der Standard, 15.9.2008) Die wachsende Informationsflut im Internet bedeutet für die Qualität des Journalismus nach Ansicht der katholischen Kirche in Deutschland eine Gefahr. "Der Qualitätsjournalismus ist unter Druck geraten", sagte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann am Montag in München bei der Einweihung der neuen Räume des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). Das ifp war 1968 von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zur Journalistenausbildung gegründet worden und hat nun künftig seinen Sitz in einem Trakt des Münchner Kapuzinerklosters St. Anton.
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Journalisten sollten im digitalen Medienzeitalter den Menschen "unverzichtbare Hilfe zur Orientierung geben und damit einen Dienst an der Gesellschaft leisten", sagte Lehmann in seiner Festrede. Journalisten müssten die Fähigkeit haben, Ereignisse zu deuten und Hintergrundwissen zu liefern. "Wir brauchen Journalisten, für die Wahrheitstreue und Fairness gegenüber den Interviewpartnern selbstverständliche Grundsätze sind, und die die Menschen, denen sie begegnen, nie nur als Lieferanten einer Story sehen, sondern als Mitmenschen, denen sie mit Offenheit und Respekt begegnen", betonte Lehmann.

In seiner Predigt hatte der Münchner Bischof Reinhard Marx zuvor erklärt, dass sich auch die Regeln der Kommunikation nach den zehn Geboten und dem Gebot der Nächstenliebe richten sollten: "Diese grundsätzliche Ethik gilt immer - auch in Redaktionen", sagte Marx. Er rief die Medien dazu auf, "nicht nur die schönen Seiten des Lebens zu zeigen". Journalisten dürften bei Leid und Not der Menschen nicht wegschauen. (APA/dpa)
German Freiheit - ein gefährliches Ideal?
Sept 05, 2008
Der Mainzer Stadtschreiber Michael Kleeberg im Gespräch mit Bischof Karl Kardinal Lehmann.

(Wormser Zeitung, 04.09.2008) MAINZ "Die Deutschen haben ein ambivalentes Verhältnis zur Freiheit", sagt der Mainzer Stadtschreiber Michael Kleeberg. Nach vielen Jahren im Ausland, zuletzt in Paris, sei ihm dies bei seiner Rückkehr besonders aufgefallen: "Freiheit" gelte hierzulande zwar als erstrebenswertes Ideal, aber auch deutlich als unsicher, als gefährlich. So nutzt er nun sein Stadtschreiberjahr, um in vier "Mainzer Freiheitsgesprächen" diesem Phänomen nachzugehen. Sein erster Gesprächspartner, der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, machte es ihm nicht leicht: Immerhin hätten ja die begeisterten, Fahnen schwenkenden Herolde der Freiheit auch die Guillotine aufgerichtet, warf er ein. Ist die Ambivalenz der Freiheit also doch mehr als ein deutsches Problem?

Keinen Disput, sondern ein "öffentliches, gemeinsames Nachdenken" hatte sich Kleeberg vorgestellt - übernahm aber dann mehr und mehr die Rolle des Interviewers und Stichwortgebers, der den Kardinal zur Position der katholischen Kirche befragte. Eine lange und wechselvolle Geschichte - Lehmann sprach vom Kampf der frühen Christenheit gegen die Sklaverei, Kleeberg vom Arrangement der Kirche mit Francos Faschisten, aber auch von dem "polnischen Papst", der ein Zeichen für die Freiheit gesetzt habe (während der Kardinal das Reichskonkordat mit der Naziregierung als einen bitteren Irrtum bezeichnete). Die Kirche sei kein geschlossenes System, so fasste er zuletzt den kurzen Rückblick auf die lange Geschichte zusammen: immer wieder sei sie gefordert, sich in konkreten Situationen neu zu positionieren und doch den Schatz von Grundüberzeugungen zu bewahren, die alle Zeiten überdauern. Die "goldene Regel" der Nächstenliebe etwa, oder das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten. Dass die Kirche einst Waffen gesegnet habe, erschrecke ihn. Immer wieder hätten Menschen solchen Missbrauch mit dem Namen Gottes getrieben. Den Begriff "gerechter Krieg" sieht er deshalb mit größter Zurückhaltung. "War der Krieg gegen Nazi-Deutschland nicht gerecht?" warf der Stadtschreiber ein.

Es ist ein "ungeheures Dilemma" überall auf der Welt, dass Freiheit immer wieder mit Gewalt erkämpft werden muss: da waren sich die Gesprächspartner einig. Und dann lenkte der Kardinal das gemeinsame Nachdenken entschlossen in eine andere Richtung: Ghandi, Nelson Mandela, Mutter Teresa, der Fall der Berliner Mauer im November 1989, ein persönliches Erlebnis mit Israelis und Palästinensern, das ihn noch heute sichtlich bewegt - es gibt Beispiele, die zeigen, dass es auch anders geht: Der kleine Stein, ins Wasser geworfen, zieht große Kreise.

Es ist also die Kraft der Schwachen, die die Welt zur Freiheit hin verändern kann, machte der Stadtschreiber deutlich. Und dann wollte er noch wissen, ob der Mensch, genetisch gesehen, überhaupt zur Freiheit fähig sei - was der Kardinal mit Heiterkeit quittierte: Das neue Kapitel Hirnforschung wollten dann beide nicht mehr aufschlagen. Er jedenfalls, bekräftigte Kardinal Lehmann, werde er das Lob der Freiheit stets verteidigen.
German Kardinal Lehmann zusammengebrochen
Jul 02, 2008
Der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann ist während eines Gottesdienstes wegen Kreislaufschwäche zusammengebrochen. Notärzte mussten ihn im Mainzer Dom behandeln. Anschließend wurde der 72-Jährige in ein Krankenhaus gebracht.

(Stern, 01. Juli 2008) Der Mainzer Bischof und frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat am Dienstag bei einem Gottesdienst eine Kreislaufschwäche erlitten. Der 72-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er bis Mittwoch bleiben soll, wie sein Sprecher Tobias Blum erklärte.

Der Kardinal sei wohlauf und werde am Mittwoch auch seine Arbeit wieder aufnehmen. Bei der stationären Untersuchung im Krankenhaus wurde den Angaben zufolge eine Kreislaufschwäche bestätigt.

"Wir alle hoffen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht", erklärte der Sprecher weiter. Genauere Informationen gebe es momentan jedoch nicht. Lehmann hatte im Februar wegen Herzrhythmusstörungen den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz abgegeben.

Kardinal Lehmann hatte nach Angaben des Bistums den Gedenk-Gottesdienst für den vor 20 Jahren gestorbenen Kardinal Hermann Volk gefeiert. Kurz vor Austeilung der Kommunion sei er am Altar zusammengebrochen. Wenig später seien Sanitäter und ein Notarzt eingetroffen. Lehmann sei bei Bewusstsein gewesen, als er auf die Trage gehoben wurde, sagte der Bistumssprecher.

Lehmann hatte 20 Jahre lang den Vorsitz der katholischen Deutschen Bischofskonferenz inne. Sein Nachfolger wurde der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch.
German Den Protestanten Mitarbeit angeboten
May 25, 2008
Kardinal Karl Lehmann hat der evangelischen Kirche in Deutschland Unterstützung bei der Vorbereitung des Luther-Jubiläums 2017 angeboten.

(Radio Vatikan, 24/05/2008) „Vielleicht werden wir Katholiken dabei, auch wenn wir nicht Veranstalter sind, eine wichtige Rolle übernehmen“, sagte Lehmann am Samstag beim Katholikentag in Osnabrück. Bei einer Grundsatzansprache zur Ökumene wandte sich der Kardinal gegen eine einseitige „Ökumene der Profile“ und forderte weitere Sacharbeit zu kontroversen Themen. „Wir leben immer noch in einem günstigen Augenblick“ der Ökumene, sagte Lehmann. Diese Zeit gelte es zu nutzen. Als „Gebot der Stunde“ bezeichnete er die ernsthafte Fortsetzung des Gesprächs. Nach seinem Eindruck seien beide Seiten unangenehmen Wahrheiten auch aus dem Weg gegangen oder hätten das gemeinsam Erarbeitete nicht richtig umgesetzt. Die ökumenische Annäherung, so der Kardinal, brauche Geduld und Tiefgang, nicht Unbeweglichkeit oder blinden Übereifer.
German „Arbeit des Kolbe-Werkes noch nicht vollendet“
Apr 23, 2008
Kardinal Lehmann würdigt in seiner Laudatio zum Eugen-Kogon-Preis die Verdienste des Hilfswerks.

(24.4.2008) Königstein (ton) – Dem Maximilian-Kolbe-Werk wurde am vergangenen Donnerstag von der Stadt Königstein der Eugen-Kogon-Preis verliehen. Karl Kardinal Lehmann würdigte in seiner Laudatio das Hilfswerk für dessen Unterstützung der Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos. Lehmann betonte, dass die Arbeit des Maximilian-Kolbe-Werkes noch nicht vollendet sei: „Immer noch gibt es Überlebende des NS-Regimes, die auf Hilfe angewiesen sind und deren Geschichten den Nachgeborenen erzählt werden können.“ Der Eugen-Kogon-Preis, benannt nach dem Publizisten und Politologen Kogon, würdigt die Arbeit des Werkes bei der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Unrechts und dessen Einsatz für die Versöhnung mit den Opfern.
Lehmann ging auch auf die Geschichte des Maximilian-Kolbe-Werks ein. Dort könne man erfahren, dass materielle Hilfe und Entschädigung eine Brücke zu den Opfern bilden können, wenn sie vom Geist einer wirklichen Anerkennung des Leidens der anderen bestimmt seien. „Und schließlich haben die Jahrzehnte der Arbeit uns gelehrt, dass sich in konkreter menschlicher Begegnung das Geschenk von Versöhnung ereignen kann“, sagte der Bischof von Mainz.
Er zog auch die Parallelen von Eugen Kogon zum Kolbe-Werk. Kogon, der als Häftling im Konzentrationslager Buchenwald war, hat „dieselben oder ähnliche Erfahrungen der Unmenschlichkeit gemacht wie die Opfer, die das Maximilian-Kolbe-Werk unterstützt“. Das Werk habe vieles von Kogons elementaren Intentionen aufgegriffen und verwirklicht, besonders auch im Blick auf den europäischen Horizont, den Eugen Kogon schon in früher Zeit förderte und der heute in mancher Hinsicht Wirklichkeit geworden sei. „So möchte ich hoffen, dass diese Auszeichnung zu einer erneuten Verlebendigung des intensiven Dialogs zwischen Polen und Deutschland führt“, sagte Lehmann.
Im Blick auf die Zukunft sagte Lehmann, dass die neu gegründete deutsch-polnische Maximilian-Kolbe-Stiftung die Opfer ungerechter Gewalt, von Kriegen und Bürgerkriegen, von totalitärer Herrschaft, Vertreibungen und ethnischer wie kultureller Ausgrenzung in die Mitte des Blickfeldes rücken soll. „Anders als bei den Anfängen des Maximilian-Kolbe-Werks blicken wir als Deutsche und Polen und als Kirche in beiden Ländern also nicht mehr aufeinander, sondern wir richten den Blick gemeinsam auf andere, die unserer Hilfe bedürfen.“
Für das Maximilian-Kolbe-Werk dankte dessen Präsident, Dr. Friedrich Kronenberg, der Stadt Königstein für die Überreichung des Preises. Kronenberg würdigte auch das jahrelange Engagement von Karl Kardinal Lehmann für das Werk: „Unsere Versöhnungsarbeit im Namen des heiligen Maximilian Kolbe war Ihnen immer ein ganz persönliches Anliegen.“
Maximilian Kolbe und Eugen Kogon seien, so Kronenberg, geistige Weggefährten, die uns auch heute den Weg zu einem menschenwürdigen und solidarischen Zusammenleben in einem freien und friedlichen Europa weisen. „Wir sollten uns bei der Bewältigung der heutigen Aufgaben wieder mehr dieser Zeugen erinnern, auch der mit Schuld behafteten eigenen Geschichte, die das Unrecht und die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus möglich gemacht hat“, sagte Kronenberg weiter.
Die Wahrnehmung gesellschaftlicher und politischer Verantwortung in Europa sei mit der Übernahme des Erbes einer Geschichte verbunden, die durch Versagen, Schuld und schrecklichstes Unrecht gekennzeichnet ist. „Nur wer den Holocaust anerkennt, wer von Völkermord spricht, wo er verübt wurde, wer die unterschiedlichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit als solche bezeichnet, nur wer so handelt, übernimmt das Erbe der Geschichte, einer Geschichte, auf die sich die Zukunft immer gründen muss“, so Präsident Kronenberg. Denn Versöhnung sei ohne Erinnerung unmöglich.
Der Eugen-Kogon-Preis wird von der Stadt Königstein verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Erster Preisträger war 2002 der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Es werden Persönlichkeiten und Institutionen bedacht, die sich den Grundwerten lebendiger Demokratie verpflichtet fühlen, ihr Leben in den Dienst dieser Werte stellen und dabei so erfolgreich waren, dass dies in ihrer öffentlichen Bedeutung ablesbar ist.
German Kardinal Lehmann für islamischen Religionsunterricht
Apr 10, 2008
Der katholische Kardinal Karl Lehmann spricht sich für einen islamischen Religionsunterricht in Deutschland aus. "Ich bin dafür, wenn das ein Unterricht in deutscher Sprache ist, wenn die Lehrer in Deutschland ausgebildet werden und alles im Rahmen unseres Schulgesetzes geschieht", sagte der langjährige Vorsitzende der Bischofskonferenz der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ, Dienstagausgabe).

(NRZ, 07.04.2008) Essen - Lehmann beklagte jedoch Kommunikationsprobleme mit muslimischen Organisationen: "Es ist nicht leicht, hier die richtigen Gesprächspartner zu finden, weil es keine gemeinsame Führung gibt."   Darüber hinaus sprach sich Lehmann für Lohnuntergrenzen in einzelnen Branchen aus, äußerte sich aber skeptisch zu einem branchenübergreifenden, bundesweiten Mindestlohn. "Womöglich würde dies viele Arbeitsplätze gerade in den unteren Lohngruppen zerstören." Lehmann sprach von einer "Abkühlung" im Verhältnis zwischen katholischer und evangelischer Kirche und warnte davor, bei der Profilsuche der Konfessionen die Unterschiede zu sehr zu betonen. "Manche Abgrenzung von früher feiert heute fröhlich Urständ", sagte Lehmann, der sich seit Jahrzehnten in der ökumenischen Theologie engagiert. Er sieht "großen Gesprächsbedarf" zwischen den Kirchen - etwa in bioethischen Fragen. Nach vielen gemeinsamen Resolutionen der Kirchen betone der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in der Frage der Stammzellforschung viel stärker eine eigene Position. Lehmann: "Wir müssen aufpassen, dass wir deswegen nicht manche andere Konsenspunkte gefährden."
German Lehmann erschreckt über vorschnelle Kritiker
Apr 02, 2008
Als unbegründet hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann die massiven Vorwürfe gegen die neue katholische Karfreitagsfürbitte für die Juden bezeichnet.

(domradio.de, 1.4.2008) In einem Beitrag für die Bistumszeitung „Glaube und Leben“ schreibt der Kardinal, von der Wertschätzung des Judentums werde kein Jota zurückgenommen. Lehmann bezeichnete es als erschreckend, wie rasch und uninformiert Kritiker über den Text hergefallen seien. Der Kardinal unterstützt die Einschätzung von Kurienkardinal Kasper, der Unmut sei „emotional begründet“. Dass dies aber überhaupt möglich sei, zeige, wie sensibel man im christlich-jüdischen Dialog miteinander umgehen müsse.
German WAZ: Kardinal Lehmann weist die Angriffe des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber zu embryonalen Stammzellen zurück
Jan 23, 2008
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hat die Angriffe des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, im Streit über den Stichtag für den Import von embryonalen Stammzellen zurückgewiesen.

Essen (ots,  22.01.2008) - Kardinal Lehmann sagte der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ): "Angesichts des Ernstes der Sache muss es diese Diskussion geben." Auf die Frage, ob Hubers Angriff das ökumenische Verhältnis belaste, antwortete Kardinal Lehmann: "Das ökumenische Verhältnis ist wichtig, darf aber nicht zur Verschleierung einer fundamentalen Wahrheit führen, nämlich des Lebensrechtes und der Schutzbedürftigkeit des Embryos von Anfang an." Huber hatte die katholische Kirche in dieser Frage hart angegriffen und erklärt, der Disput trage Züge eines "Kulturkampfes". Kardinal Lehmann begrüßte, dass es bei der Abstimmung im Bundestag über eine Verschiebung des Stichtags beim Import dieser Stammzellen keinen Fraktionszwang geben wird. "In der CDU/CSU sind alle Meinungen zu dieser Frage vertreten. Ähnliches gilt für die anderen Parteien. Es ist gut, dass bei einer Entscheidung wie der nun anstehenden der Fraktionszwang aufgehoben ist. Im Augenblick gibt es vier verschiedene Gruppenanträge, die Ausdruck dieser Vielfalt sind. Man kennt unsere Argumentation ausreichend. Wir sind und bleiben im Gespräch", so Kardinal Lehmann. Die Forschung an embryonalen Stammzellen lehnt der Vorsitzende der Bischofskonferenz strikt ab. "Es geht nicht um den Stichtag, sondern um die Voraussetzungen dafür. Die entsprechenden embryonalen Stammzellen kann man nur erhalten, wenn ein Embryo getötet wird. Da die katholische Kirche, aber nicht nur wir, sondern viele Wissenschaftler und auch Ethiker nach der Vereinigung von Ei- und Samenzelle im Embryo ein Menschenwesen erblicken, dem Menschenwürde und Lebensrecht zukommen, sehen wir keine Grundlage, moralische und rechtliche Abstufungen dieses Lebensschutzes durchzuführen. Darum haben wir auch 2002 bei der ersten Festlegung eines Stichtages nicht zugestimmt. Hier kommt es auf Klarheit an von Anfang an."
German Die respektierte Stimme des deutschen Katholizismus
Jan 18, 2008
Nach mehr als 20 Jahren Amtszeit tritt Kardinal Karl Lehmann vorzeitig vom Vorsitz der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zurück. Von Gernot Facius.

(Die Welt, 16. Januar 2008) Das ist eine Zäsur, das Ende einer Ära. Kardinal Karl Lehmann (71) hat das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland fast ein Vierteljahrhundert geprägt wie kein Zweiter: fast 21 Jahre als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), davor zwei Jahre als Stellvertreter, präsent auf allen TV-Kanälen und politischen Podien. Seine großen Vorgänger Joseph Höffner und Julius Döpfner waren zwölf beziehungsweise elf Jahre im Amt. Lehmann hat einen Rekord aufgestellt. Viermal wurde er gewählt. Zuletzt, nach heftigen internen Debatten, 2005. Nun sagt er, es sei "Zeit für eine Wachablösung". Während einer lebensbedrohlichen Krankheit reifte der Entschluss, am 18. Februar, nach der Frühjahrsvollversammlung des Episkopats, zurückzutreten. Bischof von Mainz will er bleiben. Der Zeitpunkt seines Abtretens mache einen "guten Sinn", meint der Kardinal.
In der Tat, einige wichtige Bischofsernennungen sind abgeschlossen, eine neue Generation von Oberhirten tritt an (WELT vom 15.1). Dennoch trifft Lehmanns Demission seine Kirche in einer schwierigen Lage. Einen "natürlichen" Nachfolger gibt es nicht. Sein Stellvertreter Heinrich Mussinghoff (Aachen) hat wohl kaum Chancen, aufzurücken. Und der an der kirchlichen Spekulationsbörse für die Zeit nach Lehmann gehandelte künftige Erzbischof von München und Freising muss sich erst noch in die nicht unkomplizierten bayerischen Verhältnisse einarbeiten.
Kardinal Lehmann, das gibt er selber zu, hat seine Kräfte oftmals überschätzt, auf die Gesundheit nicht geachtet. Mit geradezu enzyklopädischer Bildung ausgestattet, stets auf der Höhe der Aktualität und immer bereit, sich einzumischen, weil ihm ein Sakristei-Christentum suspekt war, zählt der 1936 im schwäbischen Sigmaringen geborene Sohn eines Lehrers zu den Topgesprächspartnern von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. An seinen Vorträgen feilte er bis tief in die Nacht.
Es gibt zwar 27 Diözesan- und 44 Weihbischöfe in Deutschland, aber der ehemalige Dogmatikprofessor war stets die erste Anlaufadresse für Veranstalter von Tagungen und Kongressen. Lehmann, einst Assistent des großen Jesuitentheologen Karl Rahner, schon 1962 mit einer Arbeit über Martin Heidegger zum Doktor der Philosophie promoviert, gilt als "Liberaler". Er selber akzeptiert diese Einschätzung nur unter Vorbehalt: wenn sich "liberal" auf Dialogbereitschaft bezieht, auf Diskurs und Gespräch, "was nicht Standpunktlosigkeit bedeutet". Immerhin lautet sein Wahlspruch: "Steht fest im Glauben."
15 Jahre lehrte Lehmann in Mainz und Freiburg Dogmatik, die "schönste Zeit meines Lebens". 1983 wird er, 47 Jahre jung, Bischof von Mainz. Zwei Jahre später tritt er als Vize an die Seite Höffners in der Bischofskonferenz. Dann 1987 eine kirchliche Sensation: Nicht Kardinal Friedrich Wetter (München), sondern der Mainzer Oberhirte wird Höffners Nachfolger. Rom ist nicht amüsiert. 1988 muss der neue Vorsitzende in den Wirren um die vom Papst gewünschte Einsetzung von Kardinal Joachim Meisner als Kölner Erzbischof vermitteln. Und wiederum ein Jahr später, die Mauer ist gefallen, beginnt die Integration der Berliner Bischofskonferenz in die DBK.
In den 90er-Jahren bindet der Streit um die gesetzliche Schwangerenkonfliktberatung alle Kräfte. Lehmann kämpft gegen den "Ausstieg", muss sich aber wie seine Amtsbrüder dem Machtwort des Papstes beugen. Das hinterlässt Spuren, die bis heute nicht verweht sind. Erst 2001, und dazu noch im zweiten Durchgang, wird der DBK-Vorsitzende in den Kardinalsstand erhoben. Als er die Insignien seiner neuen Würde überreicht bekommt, ist zu Lehmanns Ehren sogar der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock nach Rom gereist. Ein ökumenisches Zeichen. Kocks Anwesenheit drücke aus, "was wirklich ist", würdigt der Neu-Kardinal und leidenschaftliche Ökumeniker diese Geste. Und als Johannes Paul II. Lehmann den Kardinalsring überreicht, bekommen die Zuschauer der Zeremonie mit, was der greise Pontifex zu dem vor ihm Knienden sagt: "Ja, Mainz, gut, gut, gut."
Karl Lehmann - auf Distanz zu Rom? Es gibt unter Traditionalisten einige, die ihm bis heute einen antirömischen Affekt unterstellen. Dabei kann der Kardinal darauf verweisen, dass er seine kirchliche Prägung vor allem in Rom erhalten hat. Gleich zweimal war er an der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert worden. Lehmann ist ein "Römer". Aber einer, der sich trotz seiner Verehrung für die "römische Schule" der Jesuiten den unabhängigen Blick bewahrt hat. Mit seinem Verzicht auf den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz tritt der Kardinal, wie er sagt, "ins Glied zurück". Aber er wird sich von Mainz aus weiter zu Wort melden. Er bleibt Mitglied wichtiger römischer Gremien, und er hat schon angedeutet, welchen Themen er sich auch in Zukunft mit Leidenschaft widmen wird: der schwierigen Situation der Ökumene. Eigentlich, erzählte er gern in vertrauter Runde, habe er ja "nur" Pfarrer werden wollen. Lehmann ist mehr geworden: international angesehener Theologe, Kardinal und - dank der Medienpräsenz - die respektierte Stimme des deutschen Katholizismus.
Das sieht auch Kanzlerin Merkel so: "Kardinal Lehmann genießt weit über die Grenzen der Katholischen Kirche hinaus hohes Ansehen", sagte Merkel nach einem Telefongespräch mit Lehmann. Er werde für sie und für die Politik ein geschätzter Gesprächspartner bleiben.
English Notoriously Leftist German Cardinal Lehman Announces Resignation
Jan 17, 2008
Cardinal Karl Lehmann, the bishop of Mainz, has announced that he is resigning from his position as head of the Catholic Bishops' Conference in Germany, a position he has held since 1987. His resignation will take effect on Feb. 18. Lehmann will, however, continue on as bishop of Mainz.

MAINZ, Germany, January 16, 2008 (LifeSiteNews.com) - The announcement of the Cardinal's resignation comes after a year in which he has apparently suffered from ill health, having been admitted to the hospital last year for heart-related problems.

"The demands from public life and the media, the personal meetings and the letter writing keep on increasing. Recently I was overdoing it," he said in a letter to the heads of the other German dioceses.

Lehmann is widely known to be an extremely liberal figure in the Catholic Church.

Most notoriously the Cardinal butted heads with the former pope, Pope John Paul II, over the issue of counseling certificates that could be used in Germany to obtain abortions.

According to German regulations at the time, women who wanted to obtain an abortion had to first attend counseling sessions, at the end of which they would be issued a certificate, thereby enabling them to obtain an abortion. The Catholic Church had been participating in this government-sponsored counseling program, including the issuing of the certificates.

While the Church's certificates said on them that they could not be used to obtain abortions, it was widely known that German doctors were accepting them as sufficient. Pope John Paul II himself was eventually forced to order the Church in Germany to cease participating in the counseling program.

''After a fundamental consideration of all the arguments, I cannot escape the view that there is an ambiguity here that casts a shadow over the clarity and resolve of the church's witness and its counseling centers,'' a letter from the Pope in 1998 said.

''Accordingly, dear brothers, I should like to urgently request you to find ways to prevent certificates of this kind from being issued by church or church-associated counseling centers,'' the letter said.

Cardinal Lehmann, however, strongly resisted the Pope's order.

The issue came to a head in 2000, when a letter from Joseph Cardinal Ratzinger stated that "whoever continues to operate in the system of counseling centers is placed in open opposition to the Pope," and when Lehmann himself issued a veiled call for the Pope's resignation.
English End of an Era
Jan 16, 2008
After 20 years at the helm of the influential German bishops' conference, Cardinal Karl Lehmann of Mainz is stepping down.

Whispers in the Loggia, Tuesday, January 15, 2008

After 20 years at the helm of the influential German bishops' conference, Cardinal Karl Lehmann of Mainz is stepping down.

Lehmann, 71, said he was resigning for health reasons, according to wire reports. The cardinal was hospitalized late last year with an irregular heartbeat and said today that he would preside over the conference's spring assembly in mid-February before departing the post on the 18th. At his election to a fourth term in 2005, he announced that the six-year renewal would be his final one.

The spring assembly will elect Lehmann's successor, the conference announced.

The early departure "makes sense," Lehmann wrote in a statement, adding the latest waves of episcopal appointments in Europe's largest country made for a "necessary generational shift" of the conference's chairmanship. He also said he wanted to devote more of his energy to the 800,000-member church in Mainz, where he marks his 25th anniversary as bishop later this year.

In the name of the conference, deputy chair Bishop Heinrich Mussinghoff of Aachen, praised Lehmann for his "indefatigable" service, "theological knowledge [and] intellectual openness."

The leader of the German episcopate's liberal-progressive wing, the Mainz prelate suggested publicly in 2000 that Pope John Paul II "would have the courage" to resign if ill health prevented him from "lead[ing] the church with authority." A year later, after Lehmann protested that his remarks were taken out of context and said he wasn't calling for John Paul's departure, the late pontiff elevated him to the college of cardinals.

Before this morning's announcement, the mantle of the chairmanship's "heir apparent" has long fallen on the incoming archbishop of Munich and Freising, Reinhard Marx. Named in November to the post held by Pope Benedict from 1977-81, Marx's installation in Munich is scheduled for Candlemas Day, 2 February.

Last week, the Pope received his closest adviser on his homeland's affairs, Cardinal Joachim Meisner of Cologne, in an evening audience.
German Kardinal Lehmann tritt zurück
Jan 15, 2008
Kardinal Karl Lehmann wird den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz niederlegen. Das verlautete aus informierten Kirchenkreisen. Bischof von Mainz will er jedoch bleiben. Lehmann war vor Weihnachten wegen Herzbeschwerden in einer Klinik behandelt worden.

(Die Welt, 15. Januar 2008) In einem am Dienstag in Bonn veröffentlichten Brief an die Konferenzmitglieder erklärte der Kardinal, er wolle wegen einer lebensbedrohlichen Krankheit sein Amt am 18. Februar niederlegen. Bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Würzburg in der Woche zuvor soll bereits ein Nachfolger gewählt werden.

Lehmann ist seit 1987 Vorsitzender. Er wurde vier Mal in Folge in dieses Amt gewählt. Er erreichte mit mehr als 7.400 Tagen die längste Amtszeit eines Vorsitzenden nach dem Zweiten Weltkrieg. Der 71-Jährige war im Dezember wegen Herzproblemen kurzzeitig ins Krankenhaus gegangen und hatte dann eine Kur angetreten. Am 6. Januar nahm er die Arbeit wieder auf.

Mit den Herz-Rhythmus-Störungen sei, so Lehmann in dem Brief, eine eindeutige Zäsur erreicht, die ihm diese „oft rücksichtslose Ausschöpfung“ seiner Kräfte im bisherigen Maß nicht mehr erlaube.

Deshalb mache er nun von der bereits 2005 bei seiner Wiederwahl angekündigten Möglichkeit Gebrauch, die vierte Sechs-Jahres-Amtszeit nicht voll auszuschöpfen. Ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt mache Sinn, weil die jüngsten Bischofsernennungen einen Generationswechsel und Zeit für eine Wachablösung anzeigten.
German „Ich will in Saudi-Arabien Messen feiern“
Dec 20, 2007
Interview mit Karl Kardinal Lehmann. Für viele gilt er als der liberale Gegenspieler zu einem konservativen Papst.

Im Jahr 2008 sollen in einigen deutschen Städten Großmo­scheen gebaut
werden. Dazu regt sich – etwa in Köln – immer lauter Protest der Bevölkerung. Wie sehen Sie das eigentlich?…

Zunächst einmal trete ich für Religionsfreiheit ein. Die Muslime haben ein Recht darauf, würdige Moscheen dort zu bauen, wo sie leben. Andererseits habe ich Verständnis für manche Sorgen der Bundesbürger, insbesondere wenn es scheinbar auch um politische Machtdemonstration geht und nicht um Religion. Manchmal drängt sich auch der Eindruck auf, dass einige islamische Gemeinden von islamistischen Tendenzen beeinflusst werden.

Das heißt, der Staat soll intervenieren?

Über Moscheebauten wird entsprechend dem Baugesetz und im Rahmen der kommunalen Bauleitpläne entschieden. Insofern sind immer auch die Behörden beteiligt. Grundsätzlich darf die Neutralität des Staates im Blick auf die einzelnen Religionen nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Wo immer es Hinweise auf ein gewaltsames Wirken von Religion gibt, ist nicht unreflektierte Toleranz gefragt; sondern da ist der Staat zum Schutz der Bürger gefordert.
Manche Muslime erwarten vom Staat, dass er ihren Verbänden den gleichen rechtlichen Status zuerkennt wie ihn aufgrund einer jahrhundertelangen historischen Entwicklung die Kirchen in Deutschland haben. Bislang aber erfüllen die muslimischen Organisationen, wie gerichtlich festgestellt wurde, die dafür notwendigen Voraussetzungen nicht. So haben auch nur wenige von ihnen entsprechende Anträge gestellt. Insofern stellt sich die Frage einer rechtlichen Gleichstellung derzeit nicht. Das Christentum hat nicht nur die Geschichte Europas geprägt, sondern wirkt auch über die europäische Rechtskultur bis in die Gegenwart hinein. Das kann man nicht einfach ignorieren.

Dann stört es Sie also doch, wenn Minarette deutsche Stadtbilder prägen und Moscheen zuweilen größer gebaut werden als christliche Kathedralen?

Ich würde mir schon wünschen, dass man beim Moscheenbau zuweilen mehr Rücksicht nimmt auf das soziale und bauliche Umfeld der jeweiligen Stadt. Mir geht es bei dieser Debatte aber auch um die Zustände in islamischen Ländern. Von mir aus könnte man sogar in Rom eine Moschee bauen, die höher ist als der Petersdom. Aber ich möchte dann im Gegenzug auch nicht verhaftet werden, wenn ich in Saudi-Arabien eine Messe lese. Also: Ohne eine Reziprozität in der Gewähr von Grundrechten wie Religionsfreiheit geht es auf die Dauer nicht.

Bezieht sich das auch auf die Türkei?

Natürlich. Auch da wird ein offener Dialog nicht nur Konsens, sondern auch Kritik einschließen müssen. Christliche Gemeinden können in der Türkei bis heute kein Grundstück erwerben, um darauf eine Kirche zu bauen, weil sie noch nicht einmal einen rechtlichen Status haben, also in rechtlicher Hinsicht nicht existieren…

…versuchen sie es denn überhaupt?

Ja, wir haben ja zum Beispiel in Istanbul eine Kirche und ein Altersheim. Aber dies war nur über einen türkischen Gewährsmann möglich. Da ist unsere Autonomie begrenzt. Konkret war es so, dass er plötzlich gegen unseren Willen alles verkauft hatte. Und wir haben dann drei, vier Jahre gebraucht, bis wir unser Eigentum wieder zurückbekommen konnten. Von einer freien Religionsausübung im Sinne eines Grundrechts auf Religionsfreiheit kann für Christen in islamisch geprägten Ländern bis heute kaum die Rede sein – nicht einmal in der Türkei, die ja in die EU will. Vielleicht ist es noch am ehesten in Teilen Indonesiens möglich, diesem Ziel näher zu kommen.

Dass heißt, Sie halten die türkische Religionspolitik für europauntauglich?

Ja, wenigstens in Teilen: insoweit die Türkei sich nämlich als „laizistisch“ bezeichnet, tatsächlich aber den Islam durch eine riesige Behörde mit rund 100000 staatlich besoldeten Mitarbeitern verwaltet und kontrolliert. Sie gibt religiösen Aktivitäten außerhalb dieses Rahmens keinen Freiraum, sondern toleriert sie lediglich. Dabei geht das Maß an Duldung christlicher Aktivitäten derzeit eher zurück, als dass es sich auf die in Europa gültigen Standards hin entwickelt. Das bestärkt uns auch, künftig stärker in die Offensive zu gehen und für die Rechte religiöser Minderheiten einzutreten. In der Vergangenheit wirkten wir selbst vielleicht etwas zu unentschlossen. Jedenfalls wird unser Anliegen, den Kirchen einen Rechtsstatus zu geben, bislang nicht wirklich ernst genommen. Auf Fundamentalismus mit Fundamentalismus zu antworten, dies wäre gewiss falsch. Aber auf Intoleranz und Fanatismus mit falscher Liberalität zu antworten, ist auch nicht richtig.
Was könnte denn „Offensive“ konkret heißen?
Der Papst hat das Jahr 2008 zum „Paulus-Jahr“ bestimmt. Ich finde es eine gute Idee, für die Pilger, die in der Türkei seinen Spuren folgen und damit die frühesten Wirkungsstätten der Christenheit besuchen, in Ephesus oder bei Tharsus, den Zentren des Frühchristentums in Kleinasien, eine Kirche zu bauen. Das werde ich, wie auch andere, immer wieder zur Sprache bringen. Wenn sich die türkischen Behörden für dieses Anliegen offen zeigen, wäre dies ein gutes Zeichen der Verständigung.

Hatten Sie eigentlich persönlich jemals Angst vor islamistischen Übergriffen?
Angst eher nicht. Aber eigenartige Situationen gab es schon. Vor nicht allzu langer Zeit passierte mir in Mainz Folgendes: Immer wenn ich im Talar zum Dom ging und an einem bestimmten Kebab-Stand vorbeikam, stand da ein Orientale vor der Tür. Der hatte ein Messer in der Hand und wenn er mich gesehen hat, hat er immer eine Geste des Halsabschneidens gemacht. Ich habe dann ein-, zweimal versucht, ins Gespräch zu kommen. Er konnte aber kein Wort Deutsch, und ich konnte kein Wort Türkisch. Inzwischen ist dort ein anderer Besitzer, der viel freundlicher und offener ist. Wie man an diese Menschen herankommen kann, die unsere Sprache nicht sprechen, beschäftigt mich seither sehr. Ich glaube, dass wir in Fragen der Integration ungeheuer sorglos waren und die sprachliche Dimension der Begegnung total unterschätzt haben.

Immer häufiger wird im Westen am positiven Effekt eines Dialogs der Kulturen gezweifelt. Tun Sie das auch?
Nein, das tue ich nicht. Wir hatten in Mainz eine Ausstellung über die Geschichte der Kreuzzüge, die neben den dunkelsten Kapiteln der Religionsfehden auch sehr eindrückliche Friedenszeichen gezeigt hat. Wunderbare Schriften von beiden Seiten, die zur Versöhnung aufgerufen haben, inmitten der Kreuzzüge. Das sollte uns Vorbild sein. Was aber weniger weiterhilft, ist ein einseitiges, zu friedliches Gesamtbild zu malen. Leider gibt es im Islam derzeit manchmal eine Tendenz, die militante Tradition zu betonen. Mohammed ist in der Tat auch ein Krieger gewesen. Und die wichtigste Frage ist, wie das Gottesbild und die Gewalt zusammenhängen, und wie man sich von der Gewalt lösen kann. Wir haben im Christentum selber leidvolle Erfahrungen gemacht. Gott und die Gewalt, Gott und das Leid – dies ist wohl die Kernfrage.

Die Union erwägt, sich künftig stärker für rechtsstaatlich orientierte Muslime zu öffnen. Warum machen Sie das nicht auch? Wie wäre es mit einem Täuferprogramm und dem offenen Aufruf an Muslime, zum Christentum zu konvertieren?
Dass eine Volkspartei, die regieren möchte und sich fragen muss, wie sie Mehrheiten bindet, auf solche Ideen kommt, verstehe ich. Aber für eine Kirche ginge so etwas mit einer Aufweichung grundlegender christlicher Substanz einher. Und wenn nicht beides zusammenkommt, nämlich eine Stärkung der Substanz mit der breiteren Ansprache, dann wäre das nur eine Art seichter Anpassung. Davon halte ich überhaupt nichts.

Also wird es kein Täuferprogramm für wechselbereite Moslems geben?
Da würden wir die Not der Einzelnen unterschätzen. Vor kurzem war ich in Frankfurt zu einem Vortrag. Und es kam anschließend ein Mann auf mich zu und sagte: Ich bin Iraner, ich wollte mit Ihnen sprechen. Meine Frau ist katholisch geworden, meine Kinder sind katholisch getauft, meine Familie hat aber noch großen Besitz in Persien, und ich muss deswegen von Zeit zu Zeit in den Iran. Wenn ich nun Christ werde, was ich gerne würde, bin ich nicht sicher, ob ich nicht getötet werde. Ich muss jedenfalls damit rechnen.

Und was haben Sie ihm geraten? Er soll bleiben, wie er ist?
Ja, im Augenblick soll er das, habe ich ihm gesagt.

Was macht denn die Essenz des Glaubens aus?
Dass er in allen Schwierigkeiten für den Menschen einen letzten Rückhalt gibt. Dies schenkt uns wahre Freiheit. Dass man darum die Existenz eines guten, lebendigen Gottes verkünden kann. Deswegen ist für mich auch das Gespräch zum Beispiel mit dem Judentum und mit den anderen christlichen Kirchen elementar wichtig, auch im Sinne einer Gemeinschaft des Zeugnisses.

Aber, Herr Kardinal, das klingt jetzt arg politisch. Wir fragen doch nach einer ganz persönlichen Sache. Es ist doch so, dass die größten Gläubigen immer auch die größten Zweifler sind. Darf ein Kardinal öffentlich nicht über seinen Zweifel reden?
Natürlich darf er das. Für mich ist das alttestamentliche Suchen und Finden Gottes ganz wichtig. Man kann Gott nicht finden, wenn man ihn nicht sucht. Und ich habe meine Habilitationsschrift angefangen mit dem Titel: Der verborgene Gott. Weil mich das Phänomen, dass Gott sich auch dem Glauben entziehen kann, sehr bewegt.
Nun würde ich nicht von Glaubenszweifel sprechen, aber Anfechtungen des Glaubens, die gibt es auf jeden Fall. Ich bin froh, dass jetzt das Buch von Mutter Teresa, „Komm, sei du mein Licht!“, herauskam, wo sich plötzlich zeigt: Diese Frau, die einer ganzen Generation sozusagen als das Muster von Festigkeit im Glauben erschien, hatte tiefe Anfechtungen durchzustehen. Das ist mir auf den Leib geschnitten, das empfinde ich ähnlich. Diese Anfechtungen muss man durchtragen. Da spielt für mich auch das Kreuz eine große Rolle. Bei Katastrophen, bei scheinbar so sinnlosen Ereignissen, bei Schmerzen, die andere haben, da blicke ich auf das Kreuz und rufe: Mein Gott! Die Klage gehört zum Gebet und damit zum Glauben.

Sagen Sie mal, warum sind Sie eigentlich, wo Sie mit Ratzinger vieles gemein haben, am Ende doch unterschiedliche Wege gegangen, dass der eine den liberalen Katholizismus in Deutschland verkörpert und der andere den konservativen Part?
Wenn man der Sache auf den Grund geht, sind wir im Endeffekt vielleicht gar nicht so verschieden. Es ist jetzt natürlich schwieriger, sich auszutauschen, weil auch für einen Kardinal ein Papst nicht einfach „verfügbar“ ist. Ich möchte den Papst auch nicht unnötig beanspruchen oder stören. Aber ein Unterschied liegt wohl ein Stück weit in unserer Ausbildung und Bildung. Ich habe mich stark mit neuzeitlicher Philosophie beschäftigt, während er sich stärker auf die früheren Phasen der Kirchen- und Theologiegeschichte konzentriert hat. So habe ich mich auch in meiner theologischen Doktorarbeit mit kritischer Exegese befasst, während Joseph Ratzinger ein herausragender Kenner der alten Kirche ist, der großen Gestalten, vor allem des Augustinus, aber auch der mittelalterlichen Scholastik, besonders Bonaventura.

Stört es Sie eigentlich, wenn man Sie als liberale Gegenfigur zum Papst betrachtet?
Von meiner eigenen Auffassung her stört mich das, denn so liberal bin ich gar nicht. Die sieben Jahre in Rom vor dem Konzil und während des Konzils, die haben mich sehr geprägt, die vier Jahre bei Karl Rahner auch… – Und eine Gegenfigur zum Papst will ich ohnehin nie sein. Da bin ich viel zu katholisch.

Nun führt die Freiheit in der Kirchenrealität zuweilen zu offenem Streit zwischen konservativen und liberalen Positionen. Wie haben Sie da eigentlich 20 Jahre an der Spitze überlebt?
Ich musste natürlich in 20 Jahren als Vorsitzender der Deutschen Bischofkonferenz ein hohes Maß an Integration leisten. Und integrieren heißt natürlich auch, da haben Sie recht, die Flügel zu berücksichtigen. Am Anfang habe ich mich hiermit sehr schwergetan und musste lernen, dass ich nicht alles vereinen kann. Darum habe ich intensiv den Dialog gepflegt. Bei den großen Fragen lasse ich reden und diskutieren bis zum Ende. Jeder muss die Überzeugung haben, dass alles gesagt werden konnte.

Wie würden Sie denn Ihr Verhältnis zum jetzigen Papst beschreiben?
Es ist besser, als man meint. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte. Er ist freilich neun Jahre älter. So vergesse ich ihm nicht, dass er mir einmal auf meinem akademischen Weg sehr geholfen hat. Ich war ja noch nicht habilitiert, trotz meiner beiden Promotionen, als ich berufen worden bin. Da ist er nach seinem Urteil gefragt worden, und es gibt einen schönen Brief, der mich gestärkt hat. Also, eigentlich hat das Verhältnis über Jahre und Jahrzehnte hinweg ganz gut funktioniert. Ich hatte auch einige Vertrauenserweise von ihm. In der Zeit, da er in Rom war, hat er, wenn eine Sache ganz verfahren gewesen ist, zum Beispiel in einer Lehrauseinandersetzung, manchmal gesagt: Setz’ dich doch mal dahinter, bei uns ist dies eine schwierige Geschichte geworden, die muss man neu angehen. Und da durfte ich schon bei einigen Dingen mithelfen, die für die Stellung der Glaubenskongregation ein ungeheurer Durchbruch waren. Seine Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation wird man später bestimmt besser bewerten als heute. Ich habe auch, längst bevor er Papst wurde, nie einen Zweifel daran gelassen, dass viele in Deutschland ein einseitiges und schiefes Bild von ihm hatten. Deswegen habe ich, wenn Leute ihn primitiv kritisiert haben, immer gesagt: Bellen sie nicht den Mond an! Man ist seiner geistigen Größe oft nicht gerecht geworden.

Und heute wird das Verhältnis überlagert durch diese Geschichte, Sie hätten die Papstwahl von ihm verhindern wollen. Ist das eigentlich wahr?
Also, erstens, es gibt ein sehr strenges Konklave-Geheimnis: Niemand darf über die Vorgänge im Konklave sprechen. Aber, abgesehen davon: Wie sollte ein Einzelner überhaupt so etwas vermögen, was Sie da ansprechen; selbst wenn er es wollte? Es war, zweitens, eines der kürzesten Konklave in der Geschichte der letzten zwei-, dreihundert Jahre. Das zeigt ja, wie schnell ein Konsens gefunden war. Und das heißt natürlich auch, dass Kardinal Ratzinger in den fast 25 Jahren, als er in Rom war, für die Kardinäle aus aller Welt nicht auf seine Herkunft aus Deutschland festgelegt war. Ich habe vorher nicht gedacht, dass ein Deutscher gewählt werden könnte, und das hatte mit der Person von Joseph Ratzinger gar nicht viel zu tun. Ich dachte mir, das ist kaum möglich. Heute bin ich, drittens, froh, dass einer Papst geworden ist, vor dessen Theologie ich immer größten Respekt hatte. Und, wenn ich da oder dort mal etwas anderer Meinung bin, so muss ich doch sagen, ich habe mehr von ihm gelernt als man ahnt. Ich bin froh, viele Lehrmeister gehabt zu haben. Gerade wenn sie so verschieden sind wie Rahner und Ratzinger, Balthasar und Heidegger, macht dies stark.
German Kardinal Lehmann aus Krankenhaus entlassen
Dec 16, 2007
Nach einem Krankenhausaufenthalt wegen akuter Herzbeschwerden geht es dem Mainzer Bischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, offenbar wieder besser.

(ddp, 15. Dezember 2007 ) Wie das Bistum Mainz am Samstag mitteilte, konnte Lehmann die Klinik am Freitag verlassen. Er werde jetzt eine mehrwöchige Kur antreten.

Nach einem Krankenhausaufenthalt wegen akuter Herzbeschwerden geht es dem Mainzer Bischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, offenbar wieder besser. Wie das Bistum Mainz am Samstag mitteilte, konnte Lehmann die Klinik am Freitag verlassen.
Er werde jetzt eine mehrwöchige Kur antreten. Der 71-Jährige war am vergangenen Montag wegen Herzrhythmusstörungen zur Beobachtung in ein Krankenhaus eingewiesen worden.
German Kardinal mit Herzrhythmus-Störungen in Klinik
Dec 13, 2007
Generalvikar Giebelmann zerstreut Sorgen um Mainzer Bischof: Lehmann wird Weihnachtsgottesdienst halten.

(Allgemeine Zeitung, 12.12.2007) MAINZ Wegen Herzrhythmus-Störungen liegt Karl Kardinal Lehmann im Krankenhaus. Die Nachricht erregte bundesweit Aufmerksamkeit. Dabei gebe es "überhaupt keinen Grund zur Besorgnis", bemühte sich das Mainzer Domkapitel gestern, die Sorgen um die Gesundheit des 71-Jährigen zu zerstreuen.

"Ich war heute Mittag bei ihm. Er ist wohlauf und voller Tatendrang", berichtete Generalvikar Dietmar Giebelmann dieser Zeitung. Die Ärzte gingen davon aus, die Herzbeschwerden des Mainzer Bischofs seien medikamentös und ohne operativen Eingriff zu behandeln. "Wir sind ein wenig erschrocken, welche Aufregung die Meldung vom Klinikaufenthalt ausgelöst hat", sagt Giebelmann.

Der Mainzer Bischof habe sich am Wochenende unwohl gefühlt, deshalb habe der 71-Jährige sich am Montag ins Katholische Klinikum Mainz (KKM) fahren lassen, um sich stationär beobachten zu lassen. "Spätestens Ende dieser Woche ist der Kardinal wieder zu Hause", zeigt sich der Generalvikar optimistisch. Dass der Klinikaufenthalt öffentlich wurde, habe mit Interviewterminen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu tun, die er absagen musste. Auch in der nächsten Woche werde Lehmann kürzer treten. Giebelmann: "Den Weihnachtsgottesdienst im Dom wird er halten."

Aus Lehmanns Umfeld ist öfter zu hören, dass der Mainzer Bischof sich zu viel zumute, indem er als Schirmherr oder Gastredner sehr viele öffentliche Termine annimmt. Bislang allerdings reduzierte Lehmann sein Arbeitspensum kaum. Auch für Bewegung bleibt, wie Giebelmann anfügt, beim Mainzer Bischof wenig Zeit.

Stress ist ein möglicher Auslöser für Herzrhythmus-Störungen. Mediziner unterscheiden zwei Gruppen von Arhythmien, die von ihrem Auftreten zum einen im Vorhof des Herzen, zum anderen in der Herzkammer lokalisiert sind.

Gerät das Herz aus dem Takt beim Vorhofrhythmus, so gilt dies gemeinhin als harmlos. Die Beschwerden können für den Betroffenen unangenehm sein, sind aber gut behandelbar. Auch ist bekannt, dass eine große Zahl von Betroffenen diese leichte Arhythmie überhaupt nicht bemerkt. Allerdings kann das so genannte Vorhofflimmern als dauerhaft auftretende Störung auch Komplikationen auslösen, weshalb im Einzelfall die Ursachen genau abgeklärt werden müssen.

Gefährlich ist eine Rhythmusstörung der Herzkammer, die zum Kammerflimmern übergehen kann und intensivmedizinisch behandelt werden muss. Beim Kammerflimmern ist das Herz binnen kürzester Zeit nicht mehr in der Lage, seine Funktion als "Motor des Lebens" zu erfüllen. Es kommt zu Bewusstlosigkeit und lebensbedrohlichen Kreislaufstillstand. Das klassische Diagnose-Instrument bei Rhythmusstörungen ist das EKG (Elektrokardiogramm).
German Kardinal Lehmann betont Bedeutung von Ehe und Familie
Nov 16, 2007
Familienpolitisches Papier der rheinland-pfälzischen (Erz-)Diözesen vorgestellt.

(cms.bistum-trier.de, 15. November 2007) Mainz - Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat die Bedeutung der Ehe für die Gesellschaft hervorgehoben. Die politische Formel „Familie ist, wo Kinder sind" greife zu kurz, auch wenn die darin zum Ausdruck kommende Sorge um die Kinder zu begrüßen sei. Wörtlich sagte er: „Die Abtrennung von der Ehe schafft Probleme, wenn eine solche ‚Familie’ von ihrer Struktur her keinen wirklichen, dauerhaften Raum des Schutzes und der Geborgenheit darstellen kann. In der Ehe sind dieser Schutz und diese Verlässlichkeit grundsätzlich gegeben, auch wenn dies im einzelnen Fall versagt. Der verfassungsmäßige Schutz von Ehe und Familie ist Ausdruck dieser Einsichten und will ihre Bedeutung aufrecht erhalten."

Der Kardinal äußerte sich am Donnerstag, 15. November, bei der Vorstellung eines neuen familienpolitischen Papiers der rheinland-pfälzischen (Erz-)Diözesen. Gemeinsam mit Ordinariatsdirektor Bernhard Nacke, Leiter des Katholischen Büros Mainz, präsentierte er im Erbacher Hof in Mainz vor Journalisten das 94-seitige Positionspapier „Familie - Grundlage einer starken Gesellschaft". Herausgeber sind die rheinland-pfälzischen (Erz-)Diözesen Trier, Speyer, Mainz, Limburg und Köln und ihre Diözesancaritasverbände. Erstellt wurde das Dokument von einer 15 Mitglieder umfassenden Arbeitsgruppe aus den Diözesen und Mitarbeitern des Katholischen Büros unter Leitung von Bernhard Nacke.'

Lehmann warnte davor, durch gesetzliche Rahmenbedingungen „Menschen in bestimmte Lebensformen der Familie zu drängen". So dürften etwa staatliche Hilfen für Kinder unter drei Jahren nicht zu einer Dominanz des Staates in der frühkindlichen Erziehung führen. „Das elementare Elternrecht darf nicht faktisch ausgehöhlt werden", betonte Lehmann. Wenn sich ein größerer Bedarf nach Hilfen für unter Dreijährige zeige, sei es erforderlich, diese Familien zu unterstützen, damit beide Elternteile berufstätig sein können. „Aus Gründen der Gerechtigkeit darf man dann aber nicht die Familien leer ausgehen lassen, die diese Aufgaben selber leisten wollen. Denn auch sie leisten einen gleich großen unschätzbaren Beitrag für das Gemeinwohl." Elterngeld und Betreuungsgeld befänden sich „auf derselben Gerechtigkeitsebene", sagte der Kardinal. Und weiter: „Deswegen ist eine echte finanzielle Wahlfreiheit der Eltern für eine an Gerechtigkeit orientierte Politik von großer Bedeutung. Sie ist auch Ausdruck dafür, dass die Erziehungsleistung der Eltern in Politik und Gesellschaft dieselbe Wertschätzung und Anerkennung erhält wie Erwerbsarbeit."

Nacke betonte, dass die Familie mehr sei, als „ein Raumgeben für das Aufwachsen von Kindern. In ihr geschieht viel Gemeinwohlrelevantes." Er verwies darauf, dass in vielen Studien der letzten Jahre „eine steigende Gefährdung von Kindern und Jugendlichen" festgestellt werde. Dies gelte etwa für Fragen der körperlichen Gesundheit und psychische Belastungen. Auch sei eine gesunde Ernährung nicht immer gegeben. Trotz vieler Unterstützungsstrukturen, „die seit vielen Jahren gute Arbeit leisten, hat sich keine Verbesserung der gesamten Situation eingestellt". Dies gelte besonders für Familien in prekären Lebenslagen. Der Leiter des Katholischen Büros mahnte insbesondere eine größere Übersichtlichkeit bei den verschiedenen Familienleistungen an.

Hinweis: „Familie - Grundlage einer starken Gesellschaft. Wort der rheinland-pfälzischen (Erz)Diözesen und ihrer Diözesancaritasverbände zur Situation der Familie." Herausgegeben von Bernhard Nacke. Mit einem Vorwort von Kardinal Karl Lehmann. Herder-Verlag, Freiburg 2007. 94 Seiten, 6 Euro. ISBN978-3-451-29824-0.
German "Der Bezug zu Gott fehlt"
Nov 11, 2007
Kardinal zu EU-Vertrag/Bei Martinsempfang über Bischöfe spekuliert.

(Allgemeine Zeitung, 09.11.2007) Der Hauptredner des Abends war zugleich am kürzesten anwesend: Direkt nach seinem Referat zum europäischen Grundlagenvertrag eilte Kardinal Lehmann zum Flughafen, um zur Bischofskongregation nach Rom zu reisen.

Beim anschließenden Smalltalk am Rande des traditionellen "Martinsempfangs" im Erbacher Hof waren die bis zum Jahresende erwarteten Bischofsernennungen in Deutschland ein Hauptthema. Die fraglichen Bistümer waren im Erbacher Hof prominent präsent: Dem Trierer Bischof Reinhard Marx werden Chancen nachgesagt, in München zum Zuge zu kommen. Vakanzen gibt es auch in Speyer und Limburg, die Bistümer waren durch ihre jeweiligen Diözesanadministratoren, Dr. Günther Geis (Limburg) und Weihbischof Otto Georgens (Speyer) , vertreten. Weiter hartnäckig hält sich das Gerücht, der Mainzer Weihbischof Neymeyr sei für eine der Diözesen ein Kandidat.

In seiner Ansprache lobte Lehmann zwar den Vertrag über die Europäische Union als "großen Erfolg" hin zu einer funktionierenden inneren Ordnung der EU. Trotzdem zeigte er sich enttäuscht, dass der Vertrag "in keiner Form Bezug auf Gott nimmt". Es sei nicht gelungen, in der Präambel eine Formulierung zu finden, die das Christentum als bedeutendste religiöse Wurzel des Kontinents anerkennt.

Lehmann betonte, die Kirche wolle die europäische Integration gleichwohl "kritisch, vor allem aber konstruktiv" begleiten. Gerade die Kirchen in den EU-Mitgliedsstaaten hätten seit langem für eine Ratifikation des Verfassungsvertrages geworben. "Wir werden auch jetzt nicht nachlassen, uns für das Inkrafttreten des zukünftigen Vertrags von Lissabon einzusetzen".

Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) meinte, dass beim EU-Vertrag auch soziale Aspekte noch deutlicher hätte akzentuiert werden können. Er unterstütze den so genannten "Vertrag von Lissabon" aber nachdrücklich als einen "Gesamtkompromiss, der die EU nach innen und nach außen stärkt".

Der St. Martinsempfang ist das jährliche Treffen der rheinland-pfälzischen Bischöfe mit Vertretern der Landesregierung, der Parlamente und gesellschaftlichen Gruppen aus Rheinland-Pfalz. Veranstaltet wird der Empfang vom Katholischen Büro Mainz unter Leitung von Ordinariatsdirektor Bernhard Nacke. Musikalisch gestaltet wurde der Abend vom Kammerorchester des Willigis-Gymnasiums unter Leitung von Hannelore Swartman.
German Was bleibt jetzt in Europa zu tun? Kardinal Lehmann zieht Bilanz
Nov 11, 2007
Vortrag beim Martinsempfang des Katholischen Büros in Mainz.

MAINZ, 10. November 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Karl Kardinal Lehmann am 7. November anlässlich des Martinempfangs des Katholischen Büros in Mainz gehalten hat.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zog eine Bilanz des „Vertrags von Lissabon“, den die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten Mitte Okober unterzeichnet hatten. Er würdigte die positiven Aspekte, zeigte zugleich aber auch die Schattenseiten auf. „Dass der zukünftige Vertrag über die Europäische Union hingegen in keiner Form Bezug auf Gott nimmt, ist für uns enttäuschend“, unterstrich Kardinal Lehmann.

* * *

Was bleibt jetzt in Europa zu tun?
Vom Verfassungsentwurf zum Grundlagenvertrag

I.

Am 18. Oktober diesen Jahres haben sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union über den zukünftigen „Vertrag von Lissabon“, den Reformvertrag zur Änderung der bestehenden Europäischen Verträge, geeinigt. Die öffentliche Reaktion auf diesen neuen Grundlagenvertrag der Europäischen Union ist bislang recht zurückhaltend und nüchtern. Das ist insofern auch verständlich, als Europa in den letzten Jahren bereits an einer Europäischen Verfassung schnuppern konnte, sich jetzt aber mit einer Einarbeitung von strukturellen und inhaltlichen Reformen in die bestehenden Verträge zufrieden geben muss. In den letzten Jahren haben wir hier beim Martinsempfang des Katholischen Büro Mainz immer wieder zur Frage einer Verfassung für Europa gesprochen. Ich darf selbst auf frühere Ausführungen hinweisen. [1] Deshalb möchte ich die heutige Gelegenheit unseres Empfanges nützen, um nun nach der Einigung vom 18. Oktober 2007 und vor der endgültigen Annahme durch die Regierungskonferenz im Dezember dieses Jahres eine vorläufige Zwischenreflexion durchzuführen und ein wenig innezuhalten.

Auch wir bedauern, dass der Verfassungsprozess, der mit den Arbeiten des Konvents und dem Ergebnis der Regierungskonferenz im Jahr 2004 zunächst so erfolgversprechend angelaufen war, bereits ein Jahr später an der Ratifikation in zwei Verfassungsreferenden gescheitert ist. Dennoch besteht kein Anlass, den jetzigen Reformschritt der Europäischen Union klein zu reden.

Einerseits ist die Einigung von Lissabon an sich schon ein großer Erfolg, der Europa aus einer langwierigen Verfassungskrise geholt hat. Und wir sind dankbar, dass Deutschland mit seiner EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr und der Aushandlung des Mandats für die Regierungskonferenz auf der Zusammenkunft des Europäischen Rats im Juni 2007 einen bedeutenden Beitrag zu dieser Einigung leisten konnte. Denn gerade wir Deutschen haben nicht nur in der Vergangenheit in jeder Hinsicht von der europäischen Einigung profitiert, sondern das Fortschreiten der europäischen Integration ist auch weiterhin ein ureigenes deutsches Interesse. Niemand weiß dies besser als die Menschen in Rheinland-Pfalz, die in den letzten Jahrhunderten in besonderem Maße von den großen europäischen Rivalitäten und kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen waren.

Anderseits ist der Vertrag von Lissabon auch inhaltlich ein bedeutender Erfolg. Die meisten – und vor allem die wichtigsten – Änderungen, die mit dem Vertrag über eine Verfassung für Europa hätten eingeführt werden sollen, sind nun in den Reformvertrag hinübergerettet worden. Zwar ist der Verzicht z.B. auf Unionssymbole wie Flagge und Hymne bedauerlich und teilweise auch unverständlich, wenn man gleichzeitig auf eine Stärkung des europäischen Bewusstseins setzt. Dass aber die Übernahme der Strukturentscheidungen bezüglich der Institutionen und Entscheidungsverfahren der Union in den Reformvertrag gelungen ist, gerade angesichts der politischen Lage rund um die Gipfel vom Juni und Oktober, ist ein europäischer Erfolg, der sich nicht verstecken muss.

So wie die Kirche die europäische Einigung stets begleitet und unterstützt hat, so begrüßt sie nun nachdrücklich auch diesen neuen Vertrag, zumal sie sich aktiv und intensiv in den Prozess der Verfassungsgebung eingebracht und ihn öffentlich begleitet hat. Sie hat die Verfassung begrüßt [2] und hat auch nach ihrem Scheitern eine Fortsetzung der institutionellen Reformen angemahnt, nicht zuletzt beim 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge im März dieses Jahres. [3] In der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zu diesem Jubiläum heißt es beispielsweise: „Damit Europa aber auch seiner Verantwortung in der Zukunft gerecht werden kann, braucht es eine gut funktionierende innere Ordnung, die die Europäische Union auch dann, wenn sie eines Tages wirklich alle europäischen Völker vereint, nach innen und nach außen handlungsfähig macht. Es ist deshalb gut, wenn zum fünfzigsten Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge der europäische Verfassungsprozess neu aufgenommen wird.“ [4] Mit dem zukünftigen Vertrag von Lissabon hat die Europäische Union nun einen bedeutenden Schritt in Richtung einer solchen funktionierenden Ordnung getan, sodass wir uns über das neue Vertragswerk freuen sollten.

II.

Dabei stellt es einen besonderen Fortschritt dar, dass der zukünftige Vertrag von Lissabon die Werte und Ziele erweitert, denen sich die Union verpflichtet fühlt. Dazu gehört an erster Stelle auch die Menschenwürde, was wir besonders begrüßen – erwächst doch gerade die unverletzliche Würde eines jeden Einzelnen dem christlichen Menschenbild. Einen weiteren Beitrag zur Fortentwicklung der Europäischen Union zu einer Wertegemeinschaft bildet die Charta der Grundrechte, die nach ihrer Proklamation im Dezember 2000 bislang nur rechtserheblich war, deren Rechtsverbindlichkeit nun aber im Reformvertrag festgeschrieben wird. Von besonderem Interesse innerhalb dieser Charta ist für uns die Verankerung der Religionsfreiheit in ihrer individuellen, kollektiven und korporativen Dimension. Beachtlich ist zudem, dass aus der gesamten Präambel des Verfassungsvertrages nur der Erwägungspunkt in die überarbeitete Präambel des EU-Vertrages übernommen wurde, in dem u.a. vom religiösen Erbe Europas die Rede ist.

Ein besonderes Augenmerk haben wir innerhalb des Verfassungsprozesses auf den Art. I-52, den so genannten Kirchenartikel, gelegt. Zur positiven Bilanz des zukünftigen Vertrags von Lissabon gehört, dass der Kirchenartikel nun als Art. 15 b in den neu benannten Vertrag über die Arbeitsweise der Union, den derzeitigen EG-Vertrag, eingefügt wird. Damit wird der Inhalt der so genannten Kirchenerklärung zur Schlussakte des Amsterdamer Vertrages in das Primärrecht der Europäischen Union übernommen und zur vollen rechtlichen Geltung gebracht. Nach dieser Bestimmung achtet die Union den Status der Kirchen, wie er jeweils in der nationalen Rechtsordnung festgelegt ist. Auch der dritte Absatz des Kirchenartikels, der für die Europäische Verfassung neu entworfen worden war, wird über den zukünftigen Vertrag von Lissabon in Kraft treten. Dieser neue Absatz besagt, dass die Union in Zukunft einen offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog mit den Kirchen führt. Die Zukunft wird zeigen, auf welche Weise wir den uns so eröffneten, institutionellen Rahmen mit Leben und Inspiration erfüllen können.

III.

Aber wo Licht ist, da fällt auch Schatten. Wenn wir als Kirche den Vertrag von Lissabon begrüßen und seine verschiedenen Elemente als bedeutende, wichtige und richtige Schritte in der europäischen Entwicklung zu mehr Transparenz, Demokratie und Effizienz würdigen, so gehört es doch ebenso zu einer Gesamtbeurteilung, diejenigen Punkte zu benennen, in denen wir uns ein anderes Ergebnis hätten vorstellen können.

Wir begrüßen die Aufnahme des Kirchenartikels in den Reformvertrag und sind allen dankbar, die sich dafür eingesetzt haben. Es gibt allerdings Stimmen, die den Kirchenartikel lieber als Teil des Vertrags über die Europäische Union gesehen hätten. Ich habe für diese Auffassung nicht nur Verständnis, sondern teile sie, denn schließlich finden sich in diesem Vertrag auch die meisten anderen Artikel des ehemaligen Verfassungskapitels über „Das demokratische Leben der Union“, darunter die parallel zum Dialog mit den Kirchen ausgestaltete Verpflichtung der Unionsorgane zum Dialog mit der Zivilgesellschaft. Gleichwohl ist aber festzuhalten, dass beide Verträge, der Vertrag über die Europäische Union und der über ihre Arbeitsweise, Grundlage der Union sind und den gleichen rechtlichen Stellenwert haben. Dies wird der Vertrag über die Europäische Union sogar explizit in seinem neuen Art. 1 festschreiben. Angesichts dieser Hervorhebung des gleichen rechtlichen Stellenwertes beider Verträge an derart – im Vergleich zu früheren Entwürfen des Reformvertrags – prominenter Stelle sowie vor dem Hintergrund der Berichte und Zusicherungen, die uns von Beobachtern und Teilnehmern der Regierungskonferenz erreichten, gehen wir fest davon aus, dass die rechtliche Bedeutung des Kirchenartikels in seiner Verortung im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union nicht nur kurz-, sondern auch langfristig ungeschmälert zum Tragen kommen wird. Hieran werden wir auch festhalten und den konkreten Verlauf des zukünftigen Vorgehens sorgfältig begleiten. Zweifellos bedeutet die Einordnung unter die „Arbeitsweisen“ bei aller formellen Sicherung auch die Versuchung zu einer pragmatischen Interpretation.

Die Grundrechtecharta ist nicht in das zukünftige Vertragswerk aufgenommen worden. Dies kann man bedauern, denn es hätte nicht nur Symbolcharakter gehabt, wenn die Grundrechtecharta – wie beim Verfassungsvertrag vorgesehen – in den Vertrag über die Europäische Union inkorporiert worden wäre. Allerdings bestimmt Artikel 6 des zukünftigen Vertrages über die Europäische Union, dass „die Union (…) die Rechte, Freiheiten und Grundsätze anerkennt, die in der Charta der Grundrechte (…) niedergelegt sind; die Charta der Grundrechte hat dieselbe Rechtsverbindlichkeit wie die Verträge.“

Ein Wermutstropfen ist, dass sich einzelne Mitgliedsstaaten eine Option bezüglich der Geltung der Grundrechtecharta vorbehalten haben. Inwieweit die Inanspruchnahme dieser so genannten „Opt-outs“ der Glaubwürdigkeit Europas als Wertegemeinschaft dient, wird die Zukunft zeigen. Anlass zur Zuversicht geben die vorsichtigen Andeutungen jedenfalls unserer polnischen Nachbarn, diese Option nicht in Anspruch zu nehmen und die Geltung der Grundrechtecharta anzuerkennen.

Die katholische Kirche bedauert insbesondere, dass es nicht gelungen ist, in der Präambel des zukünftig geänderten Vertrags über die Europäische Union eine Formulierung zu finden, die der Geschichte Europas gerecht wird und die das Christentum als die bedeutendste religiöse Wurzel des Kontinents anerkennt. Das „kulturelle, religiöse und humanistische Erbe Europas“, von dem die Präambel nun spricht, ist ohne den Beitrag des Christentums unvorstellbar. Es erscheint uns deshalb unverständlich, warum man das religiöse Erbe Europas dann nicht mit einem Hinweis auf das Christentum präzisiert. Darüber hinaus hätten wir uns einen Gottesbezug in der Präambel gewünscht.

Ich weiß, dass viele von Ihnen dieses Anliegen unterstützt haben. Ein solcher Gottesbezug, wie wir ihn auch in Deutschland kennen, hätte die Begrenztheit menschlichen und politischen Handelns verdeutlicht und hätte auch dem europäischen Staatenverbund gut angestanden. Einen noch deutlicheren Gottesbezug als das Grundgesetz der Bundesrepublik weist übrigens die rheinland-pfälzische Landesverfassung auf, die mit den Worten beginnt: „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft...“ Dass der zukünftige Vertrag über die Europäische Union hingegen in keiner Form Bezug auf Gott nimmt, ist für uns enttäuschend. [5]

IV.

Uns ist aber auch bewusst, dass der Reformvertrag nur ein weiteres Glied in einer Kette zahlreicher europäischer Vertragsrevisionen bildet, dessen Ende und letztes Glied noch nicht erreicht ist. Selbst wenn es vielleicht länger dauern wird als bei den letzten Vertragsüberarbeitungen, wird auch dieser Reform der Verträge eine weitere folgen. Wir sind von der Zeitlosigkeit und der Berechtigung unserer Anliegen überzeugt. Insofern werden wir unsere Vorschläge nicht beiseite legen, sondern die nächsten Jahre nutzen, um in Europa weiter für eine Unterstützung in diesen Fragen zu werben. Die Kirche wird den europäischen Einigungsprozess also auch in Zukunft kritisch, vor allem aber konstruktiv begleiten. Gerade weil uns die europäische Integration am Herzen liegt, werden wir im Rahmen unseres Auftrags und unserer Möglichkeiten den Auf- und Ausbau des gemeinsamen europäischen Hauses weiter unterstützten. Auf europäischer Ebene gibt uns dazu der Dialog Gelegenheit, zu dem der zukünftige Vertrag von Lissabon die europäischen Institutionen verpflichtet.

Dies ist insofern wichtig, als die Stimme der Kirchen um so nötiger wird, als auch der Wirkungsbereich der Europäischen Union zunimmt. Wenn auf europäischer Ebene z.B. über die Förderung der Stammzellforschung entschieden wird, wenn die soziale Dimension der Union an Bedeutung gewinnt [6] oder wenn die EU als Element einer globalen Friedensordnung agieren will, dann sind die Kirchen gefordert, ihre Stimme und ihre Mahnungen in diese öffentlichen europäischen Diskussionen mit einzubringen.

Doch der schwierigste Schritt ist immer der nächste, dies hat sich in der europäischen Politik immer wieder bewahrheitet. Deshalb gilt es nun, den Blick auf die Ratifikation des zukünftigen Vertrags von Lissabon zu richten. Dass dieser Vertrag in relativ kurzer Zeit in Kraft treten wird, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher. Das Inkrafttreten des Vertrages kann durch das Scheitern des Ratifikationsprozesses in einem einzigen der 27 Mitgliedstaaten verhindert werden. Nicht allein ein Referendum über den zukünftigen Vertrag von Lissabon, wie dies jedenfalls in Irland Voraussetzung für den Ratifikationsprozess sein wird, kann im Falle seines negativen Ausgangs den Ratifikationsprozess stoppen, sondern auch die Verweigerung der Zustimmung zu diesem Vertrag durch ein einziges nationales Parlament.

Die Kirchen haben in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits für eine Ratifikation des Verfassungsvertrages geworben. Wir werden auch jetzt nicht nachlassen, uns für das Inkrafttreten des zukünftigen Vertrags von Lissabon einzusetzen. So berechtigt die eine oder andere Kritik an den konkreten Schritten der europäischen Einigung auch sein mag, so sind wir nun gehalten, die Perspektiven des neuen Reformvertrages für die EU darzustellen: Möge die Europäische Union hierdurch eine bessere werden als sie es bereits ist. [7]

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ANMERKUNGEN:

[1] Gott in der Europäischen Verfassung? Hintergründe einer aktuellen Diskussion (= ergänzter und erweiterter Text der Ansprache beim Martinsempfang 2003), hrsg. vom Katholischen Büro Mainz. Mit einem Vorwort von Bernhard Nacke, Mainz 2004. Auch in: Gott in der Europäischen Verfassung? – Hintergründe einer aktuellen Diskussion, in: Militärseelsorge, 41 (2003), Dokumentation v. 5.1. 2004, Berlin 2004, 127-141. Aktualisiert auch in: Helmut Goerlich / Wolfgang Huber / Karl Lehmann, Verfassung ohne Gottesbezug?. Zu einer aktuellen europäischen Kontroverse (= FORUM. Theologische Literaturzeitung, ThLZ.F 14 [2004]), Leipzig 2004, 61-78.
[2] Vgl. die Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, und des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, zur Einigung über den europäischen Verfassungsvertrag, Hannover/Bonn, 19.06.2004.
[3] Vgl. mein Statement zur Eröffnung beim Ökumenischen Vespergottesdienst anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge in Berlin am 25.03.2007, in: Europa: In Verantwortung vor Gott und den Menschen. Texte zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge (=Stimmen der Weltkirche 39), hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2007, 42-45.
[4] Europa: In Verantwortung vor Gott und den Menschen, S. 7-15, hier: S. 15.
[5] Vgl. dazu M. Strunz, Der Gottesbezug in dem Vertrag über die Europäische Union – Ein Lösungsvorschlag –, in: Bayerische Verwaltungsblätter 138 (2007), Nr. 21, 1.11.2007, 648-651.
[6] Vgl. K. Lehmann, Europa eine soziale Gestalt geben. Einführungsreferat zu einer Veranstaltung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen am 10. Mai 2007 in Brüssel – im Druck.
[7] Vgl. zum Beleg meine Ausführungen in: Das neue Europa als Herausforderung für die Christen, Festvortrag zum 1000-jährigen Bestehen des Bistums Bamberg, in: Dokumentation über den Neujahrsempfang 2007 des Erzbischofs von Bamberg, Bamberg 2007, 13-31; auch in: Cartell Rupert Mayer, Mitteilungen März 2007, Fürth 2007, 9-23. Europa – ein Ort der Kirche. Festvortrag in der Residenz am 6. Juni 2007, in: Verordnungsblatt der Erzdiözese Salzburg. Sondernummer anlässlich des 10. Jahrestages der Bischofsweihe und des 70. Geburtstages von Erzbischof Dr. Alois Kothgasser SDB, Nr. 6/2 vom Juni 2007, Salzburg, 103-119; auch in: KNA Dokumente, 8 / August 2007, 17-27.

[Von der Pressestelle des Bistums Mainz zugesandtes Original-Manuskript]
German Kardinal Lehmann warnt vor Lockerung von Stammzellgesetz
Oct 29, 2007
In der Debatte über das Stammzellgesetz hat die Katholische Kirche vor einer Lockerung der Vorschriften gewarnt. «Die Förderung auch hochrangiger Forschungsinteressen darf unter keinen Umständen dazu führen, dass embryonale Menschen verzweckt und getötet werden.»

Berlin (dpa, 28.10.2007) - Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, im Magazin «Focus». Die von Forschern und Politikern verlangte Verschiebung des Stichtags würde den Schutzgedanken des Stammzellgesetzes noch weiter aushöhlen. Laut Gesetz dürfen in Deutschland nur embryonale Stammzelllinien zu Forschungszwecken eingesetzt werden, die aus dem Ausland kommen und vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.

Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche (CDU), setzt sich dafür ein, den Stichtag ganz zu streichen. «Der Stichtag, der die Forscher auf alte, weitgehend unzulängliche Zelllinien festlegt, muss ersatzlos aufgehoben werden», schrieb sie in der «Bild am Sonntag».

In den Parteien gibt es in dieser Frage kein klares Meinungsbild. Die Grünen lehnen eine Lockerung strikt ab, die FDP ist dafür. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) plädierte zuletzt für «eine Verschiebung des Stichtags, solange er in der Vergangenheit liegt und keinen Anreiz für den Verbrauch von Embryonen schafft».

Der Grünen-Politiker Volker Beck warf Reiche vor, mit ihrem Vorstoß komme «beim Schutz des menschlichen Lebens alles ins Rutschen». Beck: «Embryonale Stammzellen werden durch das Töten von Embryonen, also das Vernichten menschlichen Lebens gewonnen.»

Es wird erwartet, dass sich das Parlament im Herbst mit der Stichtagsregelung befasst. Der SPD-Forschungsexperte René Röspel hat vorgeschlagen, den Stichtag einmalig auf den 1. Mai 2007 vorzuziehen.

Der Bonner Neurobiologe Oliver Brüstle sagte «Focus», deutsche Experten würden durch das strikte Gesetz massiv benachteiligt: «Wir müssen übervorsichtig sein und können nicht einmal innerhalb der EU frei kooperieren. Das wird unsere Rolle weiter schmälern.» Mediziner erhoffen sich von der Arbeit mit embryonalen und erwachsenen (adulten) Stammzellen, irgendwann einmal Krankheiten wie Diabetes, Arthrose oder Demenz heilen zu können.
German Lehmann ruft zu mehr Respekt zwischen Christen und Muslimen auf
Oct 12, 2007
Zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, Christen und Muslime zu mehr Dialog und gegenseitigem Respekt aufgerufen.

Bonn (AP, 11.10.2007) Die Diskussionen über den Bau von Moscheen in deutschen Großstädten seien in den vergangenen Monaten nicht immer «im Geiste eines gedeihlichen Zusammenlebens geführt worden», erklärte Lehmann am Donnerstag in einer Grußbotschaft an die Muslime.

Die Religionsfreiheit, zu der sich auch die katholische Kirche bekenne, schütze das Recht der Muslime, würdige Moscheen in jenen Gegenden zu bauen, in denen sie leben. Im Zuge der Planungen müsse jedoch auch offen über Probleme gesprochen werden, so etwa bei der Frage nach dem Standort oder der architektonischen Gestaltung.

«Auch die Kirche steht gerne zu solchen Gesprächen bereit, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu Ausgleich und Verständigung beizutragen», unterstrich der Kardinal. Nur bei einem konstruktiven Meinungsaustausch zwischen Christen und Muslimen «können auch strittige Diskussionen einen Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben leisten».
German Grußbotschaft von Karl Kardinal Lehmann, zum Fastenbrechen 2007
Oct 12, 2007
Kardinal Lehmann spricht sich für den Bau von Moscheen aus, im Geiste der Religionsfreiheit als „ein zentrales Menschenrecht mit universalem Geltungsanspruch“

(islam.de, 11.10.2007) islam.de liegt die Grußbotschaft des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz vor, die in Gänze toto zu lesen ist:

"Sehr geehrte muslimische Schwestern und Brüder,
zum Ende des Fastenmonats Ramadan und dem Fest Eid al-Fitr wünsche ich im Namen der Deutschen Bischofskonferenz allen Muslimen in Deutschland eine gesegnete Zeit der Besinnung und des Betens. Möge Gott Ihr Fasten und Beten annehmen und allen Gläubigen inneren und äußeren Frieden schenken!
Wir alle waren in den vergangenen Wochen und Monaten Zeugen einer lebhaften Diskussion über den Bau von Moscheen in mehreren deutschen Großstädten. Leider wurden diese Debatten nicht immer im Geiste eines gedeihlichen Zusammenlebens geführt. Es ist mir deshalb wichtig, Ihnen einmal mehr zu sagen, dass sich die Katholische Kirche nachdrücklich zum Recht auf Religionsfreiheit bekennt. Sie gilt für Christen wie für Muslime, für Andersgläubige und auch für Nichtgläubige. Die Religionsfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht mit universalem Geltungsanspruch. Überall in der Welt muss sie deshalb eingefordert werden. In Deutschland garantiert unsere Verfassung die Religionsfreiheit. Sie schützt auch das Recht der Muslime, würdige Moscheen in jenen Gegenden zu bauen, in denen sie leben.

Die Katholische Kirche hat aber immer auch darauf hingewiesen, dass die Planungen zum Bau einer Moschee langfristig angegangen und durch intensive Diskussionen mit der Wohnbevölkerung und mit den Behörden vorbereitet werden sollten. Auch die Kirche steht gerne zu solchen Gesprächen bereit, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu Ausgleich und Verständigung beizutragen. Erforderlich ist ein konstruktiver Meinungsaustausch auf der Grundlage wechselseitiger Wertschätzung, bei dem offen auch über Probleme bei der Auswahl eines geeigneten Standortes und über Fragen der architektonischen Gestaltung gesprochen wird. Auf diesem Wege vermögen legitime unterschiedliche Auffassungen zusammengeführt und gute Lösungen gefunden werden. Wenn alle Beteiligten sich vom Geist des Ausgleichs bestimmen lassen, können auch strittige Diskussionen einen Beitrag zu einem friedlichen und gedeihlichen Zusammenleben leisten.

Neben manchen Unterschieden zeichnen sich Christentum und Islam durch Gemeinsamkeiten aus, die noch immer nicht genügend entdeckt sind. Daher ist der christlich-muslimische Dialog auch weiterhin von außerordentlich großer Bedeutung. Das Gespräch und die Begegnung der Gläubigen unterschiedlicher Religionen setzen voraus, dass man sich gegenseitig als Geschöpfe Gottes und als Träger der gleichen unverlierbaren Menschenwürde und der universalen Menschenrechte anerkennt und annimmt.

In diesem Sinne spreche ich Ihnen auch in diesem Jahr meine herzlichen Grüße und Wünsche zu Ihrem so bedeutenden Fest aus. Den Gott des Friedens und der Barmherzigkeit bitte ich, Ihnen allen eine gute Gesundheit, inneren Frieden und Wohlergehen zu schenken.
Ihr
Karl Kardinal Lehmann“
German „Mehr als Strukturen …“ Pastorale Neuordnungen in den Diözesen
Sept 27, 2007
Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann (Mainz), beim Pressegespräch am 26. September 2007 in Fulda.

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat sich im April 2007 in Reute bei einem Studientag ausführlich mit den pastoralen Neuordnungen in den einzelnen (Erz-)Diözesen beschäftigt. Dabei ging es sowohl um erste Erfahrungen mit bereits abgeschlossenen Prozessen als auch um Perspektiven künftiger Entwicklungen zur Neuorientierung der Pastoral. Von den 27 (Erz-)Diözesen hatten zu diesem Zeitpunkt – also im April 2007 – 17 einen Prozess der pastoralen Neuordnung begonnen oder bereits abgeschlossen.

Für solche Prozesse der Neuorientierung der Seelsorge gibt es verschiedene Gründe: Häufig wird eine Neuordnung zunächst einmal angestoßen durch eine deutlich geringere Finanzkraft einzelner (Erz-)Diözesen, besonders auch im Blick auf zukünftige Prognosen. Aber auch der Priestermangel zwingt uns zum Handeln. Zukünftige Planungen sehen deshalb sehr häufig einen veränderten Verteilungsschlüssel des Seelsorgepersonals vor, insbesondere auch der Priester.
Es sind aber nicht nur Mangelsituationen, die uns Veränderungen abverlangen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen: insbesondere die demographische Entwicklung und die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen. Grundsätzlich haben sich die (Erz-)Diözesen der Herausforderung zu stellen, Kirche dort einladend sichtbar zu machen, wo die Menschen leben und arbeiten.

Für die Pfarrgemeinden heißt das, unter veränderten Bedingungen in größeren pastoralen Zusammenhängen für die Menschen erkennbar zu sein. Die Kirche zieht sich nicht aus der Fläche zurück, wie es mancherorts empfunden wird, wenn Pfarreien zusammengelegt werden. Vielmehr wird die Konzentration auf pastorale Zentren die Bedeutung kirchlicher Orte wie Krankenhäuser, Sozialstationen, Schulen und Kindergärten als Orte des Glaubens stärken. Die Kirche darf nicht ihr Gesicht verlieren, wohl aber ihr Aussehen verändern, um unter ebenfalls veränderten Bedingungen den Menschen dort zu begegnen, wo der Alltag gelebt wird. Folgerichtig konnte das Thema des Studientages der Deutschen Bischofskonferenz in der Frühjahrs-Vollversammlung nur lauten: „Mehr als Strukturen … Entwicklungen und Perspektiven der pastoralen Neuordnung in den Diözesen“.

Nach diesem Studientag haben wir drei Kernorientierungen festgehalten, die bei den verschiedenen Veränderungsprozessen beachtet werden sollen:

  1. Die Vergrößerung der pastoralen Räume, die Zusammenlegung von Pfarreien und die Vernetzung einzelner Gemeinden untereinander machen einen verstärkten Einsatz notwendig, um auf vielfältige Weise den Menschen seelsorglich, räumlich und zeitlich nahe zu sein. Orte christlicher Diakonie, Institutionen der Caritas, der Bildungsarbeit oder der Kategorialseelsorge gilt es als authentische Dimension von Kirche zu verstehen.

  2. Nicht alle seelsorglichen Angebote können und müssen an einem Ort vorgehalten werden. Wir werden in den nächsten Jahren die Vernetzung der unterschiedlichen kirchlichen Orte sowie der Formen und Vollzüge von Seelsorge deutlich verstärken müssen. In diesem Zusammenhang soll auch ausdrücklich auf zeitlich begrenzte Initiativen hingewiesen werden. So ist z. B. die Wallfahrtsbewegung für nicht wenige eine zeitlich begrenzte, aber hoch intensive Zeit des Glaubenslebens, des Glaubensaustausches und der Erfahrung von Gemeinschaft in der Kirche geworden.

  3. Es ist deutlich geworden, dass die Veränderungen der pastoralen Strukturen und Einsatzformen sowie die Vernetzung der verschiedenen Orte kirchlichen Lebens eine unmittelbare Auswirkung auf die pastoralen Berufe haben wird. Die vielfach erfahrene Belastung durch eine Überfülle von Aufgaben bringt die Gefahr mit sich, dass das Einladende und Schöne eines geistlichen Berufes nicht mehr hinreichend in den Blick kommt. Wenn es gelingt, Pfarreien, pastorale Räume, kirchliche Orte der Diakonie, geistliche Zentren, Wallfahrten, Kommunitäten und Klöster in einem Netzwerk der Kirche miteinander zu verknüpfen, werden wir die Vielfalt der Berufungen einladender darstellen können.

Wir sind froh, dass es gelungen ist, die derzeit geltenden Richtlinien für die pastorale Neuordnung in den einzelnen (Erz-)Diözesen zusammenzustellen. Dieser Überblick liegt Ihnen als Arbeitshilfe Nr. 216 mit dem Titel „Mehr als Strukturen ...“ Neuorientierung der Pastoral in den Diözesen. Ein Überblick“ vor.

Fakten, Daten und Zahlen tragen zu einem realistischen Blick bei, um die Neuordnungen menschennah und pastoraltheologisch verantwortbar durchzuführen. Dabei bedarf es in jedem Fall eines sensiblen und wertschätzenden Umgangs mit dem, was in den Gemeinden gewachsen und geworden ist. Darüber hinaus ist eine vom Glauben her begründete Zuversicht bei allen Zukunftsplanungen notwendig, um das heute Aufgetragene zu gestalten.

In dem jetzt vorliegenden Überblick werden die pastoralen Neuordnungen mit Hilfe eines Tabellenformulars in drei Rubriken „Grundlagen, Strukturen und Realisierung“ beschrieben. Damit soll auch eine gewisse Vergleichbarkeit der Entwicklungen in den einzelnen (Erz-) Diözesen erzielt werden. Dennoch handelt es sich um eine Momentaufnahme, da in vielen Diözesen die Prozesse noch nicht abgeschlossen sind und spätere Eintragungen notwendig werden.

Der Überblick macht deutlich: Trotz der Verschiedenheit der (Erz-)Diözesen in unserem Land weisen die Entwicklungen und die daraus resultierenden Veränderungen eine verhältnismäßig hohe Vergleichbarkeit und beachtliche Gemeinsamkeiten auf. Es zeigt sich, dass die (Erz-) Diözesen ihre Prozesse nicht nur strukturell begreifen, sondern mit ihnen eine theologische Grundorientierung verbinden. Diese Momentaufnahme wird für die weiteren Überlegungen auch insoweit hilfreich sein, als dass bei aller regionalen Unterschiedlichkeit das gemeinsame kirchliche Anliegen sichtbar bleibt. Dabei werden (Erz-)Diözesen, die ihren Schwerpunkt in städtischen Ballungsgebieten haben, selbstverständlich andere Modelle anwenden als (Erz-) Diözesen mit weiten ländlichen Gebieten und einer eher mittelstädtischen oder dörflichen Struktur.

Ein unverstellter Blick auf die Wirklichkeit zeigt, dass es nicht nur ein Mangel an Priesterberufen oder die angestrengte Finanzlage ist, die zu Veränderungen der pastoralen Strukturen führen. Wer nur ‚spart’, gerät in die Gefahr, den ‚Reichtum’ zu übersehen, nämlich die Menschen, die sich der Kirche verbunden wissen, Zeit und Arbeit einbringen, um mit daran zu arbeiten, dass unsere Kirche eine sichtbare Gestalt für die Menschen hat. Deshalb wird in den kommenden Jahren der besondere Dienst der ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer besondere Aufmerksamkeit erfahren. Ihr Dienst ist nicht einfachhin Ersatzdienst für nicht zur Verfügung stehendes pastorales Personal. Sie haben eine eigene, für die Kirche unverzichtbare Berufung. Dies kommt nicht zuletzt im Text des Nachapostolischen Schreibens „Christifideles laici“ (Papst Johannes Paul II. über die Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt vom 30.12.1988) zum Ausdruck, an das wir im nächsten Jahr anlässlich des 20. Jahrestages seines Erscheinens besonders erinnern. Dieses Schreiben hat in unseren katholischen Verbänden eine wichtige Rolle gespielt. Auch die kirchlichen Verbände und Organisationen haben als Orte des diakonischen Engagements und der Vergewisserung im Glauben in den Prozessen der pastoralen Neuordnung unverzichtbare Aufgaben.

Eines macht diese Arbeitshilfe gewiss auch deutlich: Es geht um wesentlich mehr als Strukturen in den Entwicklungen und Perspektiven zur Neuordnung der Pastoral.
German "Glücksfall für katholische Kirche"
Sept 26, 2007
Karl Kardinal Lehmann ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

(osthessen-news.de) 25.09.07 - Fulda - In dieser Zeit hat sich auch das Verhältnis der Bischofskonferenz zu den Medien gewandelt: seit Jahren schon gibt es am ersten Nachmittag ein Pressebriefing - nicht immer mit erfreulichen Themen oder harmlosen Fragen

Seit 140 Jahren treffen sich die Bischöfe aller deutschen Bistümer regelmäßig in Fulda zu ihrer Herbstvollversammlung. Seit 1867 ist die "Fuldaer Bischofskonferenz" eine feste Einrichtung, wenn auch erst rund 100 Jahre später durch das Zweite Vatikanische Konzil eine kirchenrechtliche Verankerung erfolgte. Seit 1966 heißt das Gremium Deutsche Bischofskonferenz, aber seit Anfang gleich geblieben sind zweierlei: die Konferenz vereint die Spitzen der katholischen Kirche in Deutschland und hat einen Vorsitzenden. In diesen 140 Jahren gab es bisher "erst" 10 Vorsitzende. Und dieser 10. amtierende "Chef der Bischöfe", Karl Kardinal Lehmann aus Mainz, kann in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum im Amt feiern.

Mit 20 Jahren Aufgabe als Führungspersönlichkeit des höchsten klerikalen Gremiums in Deutschland ist der beliebte Seelsorger nun am zweitlängsten Vorsitzender der Bischofskonferenz: am 22. September 1987 wurde Karl Lehmann, der erst vier Jahre zuvor zum Bischof von Mainz ernannt worden war, erstmals in das Amt gewählt. Damit hat er seine beiden Vorgänger Joseph Kardinal Höffner aus Köln (1976 - 1987) und Julius Kardinal Döpfner aus der Erzdiözese München und Freising (1965 - 1976) weit hinter sich gelassen. Doch auch den Erzbischof von Köln, Josef Frings (1945 - 1965), der in Fulda das katholische Hilfswerk "Misereor" gründete, wird Karl Lehmann überrunden. Lediglich der Fürsterzbischof von Breslau, Adolf Bertram, der heute wohl kaum noch bekannt ist, amtierte (von 1920 bis 1945) länger.

Der heute 71-jährige Karl Kardinal Lehmann wurde vor zwei Jahren zum vierten Mal zum Vorsitzenden gewählt. Mit seiner offenen, fast volkstümlichen, Art und dem wachen, wohlmeinenden Interesse an Menschen, seiner Bereitschaft zum Dialog auch mit Andersdenkenden und dem zugleich renommierten wissenschaftlich-theologischen Ansatz in seinen Arbeiten verkörpert Karl Lehmann - im Vergleich zu den früheren Vorsitzenden - einen "neuen Typ Kirchenführer".

Karl Lehmann gilt als liberal unter den katholischen Oberhirten. Er hat - nicht nur in Sachen Schwangerenberatung - mit dem konservativen früheren Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba so manchen "Strauß gefochten", auch wenn davon nur wenig nach "draußen" drang - und blieb doch unbeschadet in Amt und Person. Erst 18 Jahre nach seiner Bischofsweihe und 14 Jahre nach der ersten Wahl zum Bischofskonferenz-Vorsitzenden wurde Karl Lehmann von Papst Johannes Paul II zum Kardinal ernannt - als viele seiner Gläubigen, Studenten oder Mitarbeiter schon nicht mehr damit rechneten.

Vielleicht kam die Ernennung gerade wegen seines liberalen Rufes und seinem steten Eintreten für Ökumene so spät. Als Vorsitzender der Bischöfe aller 27 Diözesen ist Lehmann gewählt bis zum Jahr 2011 - und auch falls er nicht "die volle Distanz" gehen würde: in dieser langen Amtszeit wird der Professor der Theologie und Philosophie die katholische Kirche in Deutschland ganz entscheidend geprägt haben. Und das wird sowohl für eine Reihe von Katholiken wie auch Freunde des Kardinals eine "stille Genugtuung" sein angesichts der langen Zeit des Wartens auf vatikanische Anerkennung. (gw)

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff aus Aachen, hat in einer Ansprache gestern Abend das 20-jährige Jubiläum von Karl Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gewürdigt. Lesen Sie dazu das Grußwort von Bischof Mussinghoff IM

WORTLAUT:

„Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig und stark. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – so mahnt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief (16, 13). Mitten darin steht das Wort: „Steht fest im Glauben“.
„State in fide“ ist das bischöfliche Leitwort unseres Vorsitzenden. Diese paulinische Paraklese prägt Leben und Wirken unseres Vorsitzenden in der Konferenz, in der Öffentlichkeit, in seinem bischöflichen Dienst.
Wir spüren Deine Standfestigkeit im Glauben, die Freiheit lässt, die Geduld übt, die Handeln fördert.

Am 22. September 1987 wurde der Bischof von Mainz Karl Lehmann zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Dieser Erstwahl folgten drei weitere Wahlen. Seit 20 Jahren bist Du unser Vorsitzender. Du bist ein Glücksfall für uns in Deutschland. Durch Dein ungeheures Wissen in Theologie, Philosophie und vielen anderen Wissenschaften, durch Deine zahllosen Kontakte und Gespräche mit Politikern, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden, durch Deine stete und ausgewogene Präsenz in den Medien, durch Deine geduldige und zielbedachte Verhandlungsführung in unseren Konferenzen bist Du zu einem führenden Vertreter des deutschen Katholizismus geworden, Person und Ereignis zugleich.

Die Menschen mögen Dich, schätzen Dein Wort und hören auf Dich. Dabei übst Du Geduld, gibst Zeit zur Aussprache, jeder kommt zu Wort. Du bringst Dich selbst ein mit zielgerichteten Lösungsvorschlägen. Es tut dem öffentlichen Ansehen unserer katholischen Kirche gut, dass und wie Du präsent bist. Du hast die Zahl der Jahre im Vorsitz der Konferenz erlangt, die der Kölner Kardinal Frings hatte, und bist auf dem besten Wege, die Zahl der Jahre zu erlangen, die der Breslauer Kardinal Bertram erreicht hat, der von 1920 bis 1945 Vorsitzender war.

Lieber Karl! Du bist Philosoph, Theologe und Ökumeniker. Schon als junger Student in Rom hast Du Dich mit der modernen Philosophie befasst und Dich in Deiner philosophischen Dissertation 1962 mit dem Thema „Vom Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers“ beschäftigt. Es war der Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils. Professor Dr. Karl Rahner war auf den jungen, suchenden, fragenden und belesenen Studenten aufmerksam geworden und erbat ihn sich als Assistenten. Damit tratest Du in die harte Schule des Jesuitenpaters Karl Rahner.

Vor allem machtest Du dort auch die Erfahrung des Konzils mit seinem Ringen und Kämpfen, mit seinen Aufbrüchen und Klärungen. Du hattest den frischen Wind gespürt, der durch die geöffneten Fenster des seligen Papst Johannes XXIII. in die Kirche wehte, und erlebtest die Aufbruchstimmung im Katholizismus jener Jahre, die Dich prägte und Dir Rüstzeug für das Leben gab. Dabei warst Du immer behutsam und abwägend, was auch Pater Rahner gut getan hat. Du gehörst zu den wenigen Theologen, die das Konzilsgeschehen ganz miterlebt haben. Du bist Zeitzeuge des wichtigsten Ereignisses in der katholischen Kirche der jüngeren Zeit.

Du folgtest Pater Rahner von München nach Münster und brachtest in kürzester Zeit Deine theologische Dissertation zur Reife: „Auferweckt am Dritten Tag nach der Schrift: früheste Christologie, Bekenntnisbildung und Schriftauslegung im Lichte von 1 Kor 15,3–5“. Du suchtest die Erkenntnis in der Zuversicht des Glaubens: „Die Erfüllung der Hoffnung liegt nicht in endzeitlicher Ferne und ist keine verzweifelte Utopie, vielmehr ist sie gewiss vorläufig, bruchstückhaft und verletzlich, aber wirklich und erneuernd gegenwärtig.“

Mit 32 Jahren wurdest Du auf den Lehrstuhl für Dogmatik an die Mainzer Universität gerufen und folgtest drei Jahre später dem Ruf auf die Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie an Deine Heimatuniversität Freiburg. In dieser Zeit wurdest Du auch Mitglied der Gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland (1971-1975). Hier hast Du in der Sachkommission I „Glaubenssituation und Verkündigung“ mit Deinem akademischen Lehrer Karl Rahner zusammengearbeitet, warst Mitglied der Vorbereitungskommission und der Zentralkommission. Du warst – wie wir damals gern sagten – der „Kissinger“ der Synode, der durch seine Pendeldiplomatie Spannungen abbauen und zuträgliche Lösungen finden konnte.

Nach 12 Jahren akademischer Lehrtätigkeit (1968-1983) berief Dich Papst Johannes Paul II. auf den Mainzer Bischofsstuhl als Nachfolger von Hermann Kardinal Volk. Hier galt es nun, in Pastoral und geistliches Leben umzusetzen, was Ertrag all Deiner Studien war. Es war 1987 eine Überraschung, als Du als Nachfolger des Kölner Kardinals Joseph Höffner zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt wurdest. Hier wurde Dein Wahlspruch noch einmal zum Programmwort, in dem Du uns Bischöfen zuriefst: „Steht fest im Glauben“. Das befähigte Dich, wachsam, mutig und stark auf Freiheit zu setzen und gleichzeitig dem vernebelnden Zeitgeist entgegenzutreten mit der Wahrheit des Glaubens. Es ist Deine Stärke, zu hören und gesprächsbereit und fähig zu sein. Du scheust nicht die Auseinandersetzung und bleibst Hüter und Verkünder der Frohen Botschaft. Kritisch, engagiert und sachkompetent hast Du Dich eingebracht im Kampf für die Würde des Menschen und für das Menschenrecht auf Leben am Anfang und am Ende. Davon zeugt die „Woche für das Leben“.

Im Land der Reformation galt Deine besondere Aufmerksamkeit dem ökumenischen Gespräch. Schon nach dem Papstbesuch 1980 hast Du führend mitgearbeitet an „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ Du hast von Deinem Vorgänger die Arbeit im Jaeger-Stählin-Kreis übernommen, der die ökumenische Arbeit seit vielen, vielen Jahren wissenschaftlich begleitet. Du hältst unbeirrbar am Ziel der ökumenischen Bewegung fest, die una sancta catholica et apostolica ecclesia nach dem Willen Christi zu verwirklichen, die neben dem wissenschaftlichen Gespräch vor allem des geistlichen Ökumenismus bedarf.

In einem Interview hast Du gesagt, dass die deutsche Einheit 1989 das größte Ereignis Deiner Amtszeit sei. Dankbar schauen wir zurück, dass durch Dein Mitwirken wir in der Konferenz diese Einheit abbilden und leben können. Das erfüllt mich und uns mit großer Dankbarkeit.

Es hat uns mit Freude erfüllt, dass Papst Johannes Paul II. Dich 2001 zum Kardinal ernannt hat und damit Dein Wirken auch in der Deutschen Bischofskonferenz anerkannt und geehrt hat.

„State in fide“. Unter diesem Leitspruch gehen wir mit Dir in die kommenden Jahre und wünschen Dir, ein lehrender und lernender Hirte zu bleiben, der für viele Menschen im Land zum Orientierungspunkt dessen, was katholisch ist, geworden ist. Wir wollen den Weg gemeinsam mit Dir gehen in der Weggemeinschaft der Glaubenden und „aus der Zuversicht des Glaubens“ „Weg und Weite“ gewinnen.
Im Namen der Konferenz spreche ich Dir herzliche Glück- und Segenswünsche aus."
German EKD würdigt geistliche Ausstrahlung von Kardinal Lehmann
Sept 20, 2007
Der Rat der EKD hat Karl Kardinal Lehmann (Mainz) zu seinem 20-jährigen Amtsjubiläum als Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gratuliert.

H a n n o v e r (idea, 19.09.07) – Der Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), schreibt, der Kardinal habe sich durch seine verlässliche Arbeit, seine geistliche Ausstrahlungskraft und seine souveräne Repräsentanz der römisch-katholischen Kirche großen Respekt und Achtung in beiden großen Kirchen und der Gesellschaft erworben. Laut einer Mitteilung des EKD-Kirchenamts in Hannover, erinnert Huber daran, dass Lehmann bisher vier Ratsvorsitzende gegenüberstanden bzw. -stehen: die Bischöfe Martin Kruse und Klaus Engelhardt, Präses Manfred Kock und Huber selbst. Alle hätten Lehmann als verständnisvollen und menschlich zugewandten Partner erlebt. Huber geht in seinem Schreiben auch auf die Ökumene ein: Manche Hoffnung, die vor 20 Jahren stark und prägend gewesen sei, werde nun mit größerer Zurückhaltung formuliert. Gleichwohl sei in dieser Zeit deutlicher geworden, wie sehr die römisch-katholische Kirche und die EKD vor gemeinsamen missionarischen Herausforderungen stünden.
German Rotes Altarbild im blauen Licht
Sept 11, 2007
Kardinal Lehmann eröffnet sanierte Sakramentskapelle im Dom.

(Main Rheiner, 12.09.2007) In neuer Gestalt -  hell und mit blau leuchtenden Fenstern sowie mit einem expressiven neuen Altarbild -  präsentiert sich die Sakramentskapelle des Doms, der laut Karl Kardinal Lehmann "heiligste Ort im Dom". Mit einer Feierstunde und einem Gottesdienst hat der Mainzer Bischof die Kapelle, den Standort des Tabernakels mit den geweihten Hostien, gestern wiedereröffnet.

Die "schöpferische Synthese von Alt und Neu" in der Kapelle bezeichnete Lehmann in einer Meditation über die Kapelle als "geglückt".

Klagen habe es gegeben, die Kapelle sei für Beter "wenig einladend" und durch die Nordausrichtung "zu dunkel", erinnerte der Kardinal. Durch ihre Abgeschlossenheit innerhalb des Domes habe die Kapelle die Möglichkeit eröffnet, eine "Neugestaltung zu versuchen, die auch den Einsatz modernen Kunst zulässt".

Die beiden 9,20 Meter hohen Fenster hat der renommierte Glaskünstler Professor Johannes Schreiter entworfen und ausgeführt, überwiegend in Blau, versetzt mit weißen und roten Elementen. "So kommt Licht in die Welt", fasste Lehmann seinen Eindruck der beiden Fenster zusammen: "Das konzentrierte Blau des Himmels findet den Weg in unsere Welt", ein Blau, das auch in die "Nähe zu Chagalls Blau in St. Stephan" führe.

Die von Domkonservator Dr. Hans-Jürgen Kotzur formulierte Notwendigkeit, an diesem Ort der Anbetung "alles Nebensächliche und Ablenkende zu vermeiden", sei Schreiter "herausragend gelungen", sagte Lehmann. Die Gestaltung der Fenster führe zu dem neuen Altarbild von Bernd Zimmer hin. Der Künstler, der zu den Neuen Wilden gezählt werde, sei einen überraschenden Weg gegangen, sagte der Bischof zu dem Bild, das das mächtige barocke Altarkreuz in eine Landschaft mit blutrotem Himmel und einem gleißend hellen Lichtschein setzt. Auch hier, wie in den Fenstern überwiege das Licht. Auch Jesus bringe "Licht in die Welt".

Die Kosten dieses Teils der umfassenden Domsanierung von bislang 235000 Euro wurden finanziert durch Sponsoren wie die Landesbank Rheinland-Pfalz, den Dombauverein sowie die Rotary Clubs Mainz und 50° Nord. Zur Vollendung der Kapelle soll ein neues Gitter den Raum zum Dom hin abgrenzen. Der Wettbewerb dafür laufe, sagte Domdekan Prälat Heinz Heckwolf, eine Entscheidung solle dieses Jahr fallen. Doch zunächst hoffe er, so Heckwolf, dass ab heute "die Sakramentskapelle von vielen Beterinnen und Betern aufgesucht wird".
German Islam rechtlich nicht gleichstellen
Jun 22, 2007
"Keine Gleichgültigkeit und unreflektierte Toleranz"

(F.A.Z., 20. Juni 2007) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Lehmann, hat sich gegen die rechtliche Gleichstellung christlicher und nichtchristlicher Religionen in Deutschland ausgesprochen. „Die Neutralität des Staates im Blick auf die einzelnen Religionen darf nicht mit Gleichgültigkeit und unreflektierter Toleranz gegenüber dem Wirken von Religionen in der Gesellschaft verwechselt werden“, sagte Lehmann.

Das Christentum habe nicht nur die Geschichte Europas geprägt, sondern wirke über die europäische Rechtskultur bis in die Gegenwart hinein. Das könne nicht einfach ignoriert werden. Lehmann wandte sich gegen ein Verständnis der Religionsfreiheit, das dieses Grundrecht auf seine Funktion als Abwehrrecht reduziere. Diese Sicht führe zu einer falschen Toleranz, die alle Religionen unabhängig von der Zahl ihrer Mitglieder und ihrer Geschichte gleich behandele.

Gegenseitiger Lernprozess zwischen Staat und Kirche

Lehmann verteidigte die historische gewachsene „partnerschaftliche“ Beziehung zwischen Staat und Kirche gegen den Vorwurf, die Verfassung privilegiere das Christentum gegenüber anderen Religionsgemeinschaften. Als Körperschaften öffentlichen Rechts wirken zu können sei „Ausdruck europäischer Kulturidentität“. Nach seinen Worten verbietet es sich daher, den Körperschaftsstatus „relativ beliebig“ zu verleihen.

Man dürfe den wechselseitigen Lernprozess zwischen Staat und Kirche nicht übersehen, der der Stellung der Kirchen als Teilen der „guten, öffentlichen Ordnung“ zugrunde liege, sagte Lehmann. Dieser Aspekt werde „vor allem im Blick auf die Verleihung des Körperschaftsstatus an den Islam weitgehend übersehen“.

„Offene, die Glaubensfreiheit fördernde Ausrichtung“

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Papier, pflichtete Lehmann mit den Worten bei, der christliche Glaube sei über seine kulturell vermittelten und historisch verwurzelten Wertüberzeugungen und Einstellungen „von überragender Prägekraft“. Wenn das Bundesverfassungsgericht die Bedeutsamkeit staatlicher Neutralität in religiösen Angelegenheit hervorgehoben habe, dann sei diese Neutralität nicht als distanzierende Haltung im Sinn einer strikten Trennung von Staat und Kirche zu verstehen, sondern als eine „offene, die Glaubensfreiheit fördernde Ausrichtung“.

Ein strikteres Verständnis staatlicher Neutralität sei im Wege (landes)gesetzlicher Vorgaben möglich, „von Verfassungs wegen jedoch nicht geboten“. Eine Verbannung alles Religiösen aus dem öffentlichen Raum habe nur den Charakter einer Konfliktverdrängungsstrategie, sagte Papier weiter. Lehmann und Papier äußerten sich während eines Empfangs, den der Erzbischof von Freiburg, Zollitsch, und der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Fischer, gemeinsam für die obersten Bundesgerichte in Karlsruhe gaben.

„Ungutes Gefühl“ beim Bau der Kölner Moschee

Unterdessen hat der Kölner Erzbischof, Kardinal Meisner, von einem „unguten Gefühl gesprochen“, das er in Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer Großmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld habe. Im Deutschlandfunk sprach Meisner von einem „Erschrecken“ und einem „Kulturbruch“, wenn im Panorama von Köln künftig auch eine Moschee zu sehen sei. Mit Blick auf Bedenken vieler Kölner sagte Meisner: „Könnte die Ablehnung nicht daran liegen, dass zum Beispiel Muslime, die bei uns hier in Köln Christen werden, wo Religionsfreiheit herrscht, sich in ihrem Leben durch ihre Glaubensgenossen bedroht fühlen?“

Man müsse aufpassen, „dass die Terrains, die man hier muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zur Verfügung stellt - da geht es ja nicht nur um Moscheen, sondern auch um andere Räume -, nicht Territorien werden, auf denen sich die Scharia in unseren Graden immer mehr entfaltet“. Nach einer Umfrage im Auftrag der Zeitung „Kölner Stadtanzeiger“ befürworten nur 35,6 Prozent der Kölner uneingeschränkt den geplanten Bau.
German Für einen zweiten Aufbruch
Jun 16, 2007
»Ökumene muss intensiv unseren Alltag beherrschen«, sagt der Mainzer Kardinal Karl Lehmann.

(Evangelisches Sonntagsblatt für Bayern, 17.06.2007) Er liebt die Musik des evangelischen Komponisten Johann Sebastian Bach, schätzt Martin Luthers Bibelübersetzung und freut sich über die wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche: Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, warnte beim Kölner Kirchentag vor einer Verengung auf eine »Ökumene der Profile« und mahnte Fortschritte im Gespräch der christlichen Kirchen an. Wir dokumentieren - in gekürzter Fassung - seinen Kölner Vortrag.
»Der erste Aufbruch scheint sich erschöpft zu haben, Ökumene ist hoffähig geworden - ein nicht ungefährliches Klima«: Kardinal Karl Lehmann.
Foto: epd-bild
 »Der erste Aufbruch scheint sich erschöpft zu haben, Ökumene ist hoffähig geworden - ein nicht ungefährliches Klima«: Kardinal Karl Lehmann.

Es gibt ein hohes Maß von Gemeinsamkeiten, das auch mit dem Bild umschrieben werden kann, dass uns wie bei einer eingestürzten oder zerstörten Brücke noch viele verlässliche Pfeiler stehen geblieben sind und uns mehr Gemeinsames verbindet als Trennendes hindert. Dennoch gibt es bei allen Erfolgen noch bestehende Hindernisse. Sie werden angesichts der wiedergewonnenen Gemeinsamkeit noch belastender. Es handelt sich hauptsächlich um drei Brennpunkte, die nicht zufällig zwischen Theorie und Praxis, Theologie und Alltag des Lebens angesiedelt sind:

das Fehlen vollwertiger gemeinsamer Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen, die uneingeschränkt anerkannt werden;

die kirchliche Anerkennung und seelsorgliche Begleitung konfessionsverschiedener Ehen;

das Warten auf eine gegenseitige Einladung und Anerkennung im Blick auf das Herrenmahl.

Die Tragik der Kirchenspaltung erweist gerade im Persönlichsten, wie es Ehe und Familie darstellen, ihre stärkste Macht. Hier erleben viele Menschen die jahrhundertelange Entfremdung furchtbarer als im öffentlichen Verhältnis der Kirchen selbst. Dies muss ein wichtiger Motor unseres ökumenischen Einsatzes bleiben. Dies hat nachhaltig bis heute mein ökumenisches Engagement bestimmt.

Eine solche Situation ist schwierig. Der erste große Aufbruch scheint sich erschöpft zu haben. Die Hoffnung scheint nicht mehr weiterzutragen. Das Verhältnis der Kirchen zueinander erscheint trotz einiger Rückschläge in grundlegenden Fragen als entschärft.

ÖKUMENE IST HOFFÄHIG GEWORDEN - auf allen Veranstaltungen und Ebenen. Wir spüren aber auch, dass dieses Klima nicht ungefährlich ist. Schwerwiegende Differenzen, über die noch zu reden sein wird, werden eher zurückgestellt. Sie stören und sind lästig. Man geht ihnen aus dem Weg. Hier gibt es gewiss auch eine falsche Höflichkeit. Man hat sich dann in dem, was erreicht worden ist, recht und schlecht eingerichtet. Es lässt sich nicht leugnen: Je geringer die Differenzen geworden sind, umso schwieriger kann der Dialog werden. Es besteht die Gefahr, dass immer weitere Unterschiede beigebracht werden, welche vielleicht keinen entscheidenden Rang haben, aber eben als beinahe unüberwindbar angesehen werden. So erscheint plötzlich der Ablass viele trennende Aspekte aufzuweisen, dass man dies - manchmal ohne es zu wollen - gegen die Grundvereinbarung in der Rechtfertigungslehre vom 31. Oktober 1999 wendet, ohne im Übrigen die wichtigen neueren theologischen Interpretationen zum Ablass zur Kenntnis zu nehmen.

DIESE OBJEKTIV HEIKLE SITUATION kann leicht zu falschen Grundeinstellungen führen. Man verfällt in Resignation, weil der ökumenische Frühling vorüber ist. Vielleicht hat man da und dort auch zu sehr und auch zu unreflektiert auf irreale Hoffnungen gesetzt. Viele sehen nur noch einen Stillstand auf dem Weg zur Einheit; der offizielle Ökumenismus bestätige nur sich selbst; darum sei der Rückzug auf kleine, lebendige Basisgruppen die einzige Rettung; die etablierten Kirchen seien letztlich reformunfähig; eine Stärkung dieses Ökumenismus sei - so heißt es - sogar unerwünscht, weil er nur die konservativen Kräfte in den Kirchen stütze. So wird der Aufruf zum eigenen, nur aus dem ökumenischen Gewissen geborenen Handeln verständlich, das in vorwegnehmender Zivilcourage das tun soll, was ohnehin längst geboten, aber formell (noch) nicht erlaubt sei.

Es gehört zur Nüchternheit und auch Glaubwürdigkeit der ökumenischen Arbeit, dass man sich des bleibenden Wegcharakters bewusst sein muss. Dabei werden Enttäuschungen und auch manchmal rückläufige Tendenzen unvermeidlich sein. Es gibt im Leben des Geistes und des Glaubens nie bloß breite Königs-straßen ohne verschlungene Pfade, Umwege und Holzwege, Abwege und Irrwege. Dennoch wäre es fatal, wenn eine resignierende Grundstimmung sich gegen ihre letzte Absicht daran beteiligen würde, das immer noch brennende ökumenische Feuer löschen zu helfen. Wer die gewachsenen Differenzen in ihrer Tiefenwirkung zu gering schätzt und auf ihre ernsthafte Aufarbeitung meint verzichten zu können, wird nur Scheinerfolge erreichen können. Nach meiner Erfahrung sind jedoch nicht gedeckte Schecks in der Ökumene besonders gefährlich, weil nach ihrer Entlarvung die Enttäuschung entsprechend groß ist.

Ziel ist eine theologische Übereinstimmung um der kirchlichen Einheit willen. Die Übereinstimmung muss freilich nicht alle Verschiedenheiten aufheben, sondern will nur jene überwinden, die kirchliche Gemeinschaft verhindern. Wir sprechen so von kirchentrennenden Differenzen.

Unter diesen Voraussetzungen bezieht sich der evangelisch-katholische Dialog vor allem auf die drei Gebiete Eucharistie, Kirchesein, Amt. Es lässt sich nicht übersehen, dass diese und andere Fragen, vor allem auch der Marien- und Heiligenverehrung, durch die am 31. Oktober 1999 unterzeichnete Vereinbarung zur Rechtfertigung zwischen dem Lutherischen Weltbund und dem sogenannten »Einheitsrat« in Rom eine ganz neue Dimension erhalten haben. Hier wurde ein Einvernehmen gefunden, trotz verbleibender Unterschiede im Einzelnen sind in Grundwahrheiten des Rechtfertigungsverständnisses keine kirchentrennenden Hindernisse gegeben.

Inhaltlich wird die Weiterarbeit nicht zuletzt darin bestehen, dass im Zusammenhang der Rechtfertigungsbotschaft die gemeinsamen Fundamente für das Verständnis der Kirche und des Kircheseins bedacht werden müssen. Die Frage nach den Sakramenten und dem Amt kann dadurch auch leichter und besser gelöst werden, wenn man sie in diesen größeren Kontext der Kirchenfrage einbezieht.
»Es gibt keine Alternative zum Gebot des Herrn«

Es kann hier gewiss auch nicht darum gehen, dass wir uns gegenseitig »Sündenregister« vorlegen, wenn sie überhaupt solche sind. Es ist freilich notwendig, sich die Frage zu stellen, was hinter einem gewissen Wandel der Grundstimmung stehen könnte, der sich für mich nach der Jahrtausendwende bemerkbar gemacht hat (die Bevorzugung der »Lutherübersetzung« in ökumenischen Gottesdiensten sowie das Erscheinen von »Dominus Iesus«).

WIR SIND HEUTE IN GEFAHR, eine Ökumene ohne theologischen Tiefgang zu betreiben. Dann belässt man es auch leicht bei den üblichen Forderungen an den ökumenischen Partner. Man hat dann selbstverständlich auch das Gefühl, es herrsche ein Stillstand, obgleich dies gar nicht so ist.

Damit hängt eng zusammen, dass ich oft das Gefühl habe, wir verharrten in einer ökumenischen Immobilität. Gerade der geistliche Ökumenismus, etwa der Gruppe von Taizé, erinnert uns immer daran, dass wir auf dem Weg der Ökumene umkehren müssen und nach vorne hin je auf unsere Weise und gemeinsam spirituell wachsen. Dies kann und wird gewöhnlich auch in kleinen Schritten geschehen. Wir haben aber nach meiner Einschätzung eine abnehmende Veränderungsbereitschaft, wenn es um dieses gemeinsame Wachsen in der Ökumene geht. Man fordert immer stärker eine wechselseitige Anerkennung, die eine sofortige Beendigung aller Trennungen verlangt. Es ist eine gewisse spirituelle Weigerung: »Du musst mich so annehmen, wie ich bin.« Das ist gewiss wichtig für die Ausgangssituation, wo nur Gleiche mit Gleichen, die sich auch so anerkennen, miteinander in einen Dialog kommen können. Aber dann ist auch klar, dass man auf diesem Weg und in diesem Prozess durch den anderen und mit ihm lernen kann und muss. Mit dem Theologieverlust und dem Schwächerwerden der ökumenischen Impulse gibt es auch eine abnehmende Veränderungsbereitschaft.

Wenn diese Feststellungen stimmen, geben sie zu denken. Dann müssen wir uns auch fragen, ob wir auch von Amts wegen eine genügende ökumenische Dynamik schaffen oder uns kräftig einsetzen, damit die Suche nach mehr Einheit lebendig bleibt. Vielleicht finden die immer wiederholten Vorwürfe, die Ökumene leide am meisten unter den untätigen Kirchenleitungen, hier ein Körnchen Wahrheit. Wenn die Spannung überdehnt oder gar nicht genützt wird, verläuft sie im Flachen.

Wir werden auch diese Probleme Schritt für Schritt abzubauen versuchen und ehrlich, auch wenn es länger dauert, einer Lösung entgegenführen. Es gibt keine Alternative vor allem zu dem Gebot des Herrn, dass wir mit allen Kräften Trennungen, wo es notwendig und möglich ist, überwinden und die zerbrochene Einheit wieder suchen und finden.

Wie soll es weitergehen? Zunächst einmal müssen wir offen und aufrichtig die Situation bedenken. Ökumenische Gewissenserforschung tut Not. Aber dann müssten wir auch endlich intensiver die Themen angehen, die wir schon seit längerer Zeit immer wieder umgehen, wenngleich durchaus in der Ökumenischen Theologie einiges geschieht.

IM LAUF DER LETZTEN JAHRE ist mir immer wieder ein wichtiges Grundgesetz des ökumenischen Miteinanders in den Sinn gekommen. Gerade wenn man das eigene Profil stärker betont, wie es auch z.B. durch die Hervorhebung der Luther-Übersetzung der Bibel geschieht, gibt es ein gutes Kriterium, nämlich ob wir uns freuen können an der Stärke des anderen, nicht nur an Bach, sondern am Wiedererstehen der Frauenkirche in Dresden. Aus dieser Anerkennung des anderen und vielleicht zuerst oder manchmal auch auf längere Strecke Fremden wird echte und nachhaltige Gemeinschaft, die uns im Geist Jesu Christi enger zusammenführt. Für mich ist eine ernsthafte Fortsetzung des Austausches zwischen uns das Gebot der Stunde, nicht allein die »Ökumene der Profile«. Es gibt aber auch große gemeinsame Gestalten, die uns auf dem Weg begleiten, wie z.B. Roger Schutz, dessen tragischer Tod uns nicht von seinen bleibenden Impulsen trennen darf.

Es bleibt das Gebet für die Einheit. Nichts ist wichtiger als die gemeinsame Fürbitte an den Herrn. Es gibt vieles, was wir sofort könnten und was nicht verboten ist. Ich denke an eine gemeinsame Lesung der Heiligen Schrift, gerade auch im Blick auf den Alltag des Glaubens. Warum schweifen wir oft in die Weite, wo das Gute doch so naheliegt? Warum nutzen wir nicht auch das, was sofort und ohne Konflikt angepackt werden kann. Ökumene ist nichts Extravagantes, sondern muss intensiv den Alltag beherrschen.
German Lehmann haut den Papst raus
Jun 08, 2007
Von Christian Geyer.

(FAZ, 30. Mai 2007) Kennt Karl Kardinal Lehmann den Unterschied zwischen einer Kirche und einer Zeitung? Man kann sich da Zweifel erlauben. Alles begann ganz harmlos mit einer bischöflichen Solidaritätsadresse aus Mainz an den Bundesinnenminister in Berlin. Kritik an Schäubles Sicherheitsmaßnahmen vor dem G-8-Gipfel widerspreche dem selbstverständlichen Fairnessgebot, gab Lehmann in einem pfingstlichen Interview zu verstehen.

Er selbst, so Lehmanns theologisches Argument ad hominem, habe Schäuble „seit Jahrzehnten als erfahrenen, besonnenen Politiker erlebt“ und könne sich nicht vorstellen, „dass dieser Mann leichtsinnig handelt“. Doch kaum hatte der Kardinal den Minister für Inneres dergestalt rausgehauen, siehe, da reute ihn solch fahrlässige Überschreitung seiner Amtsbefugnis, und er dachte bei sich: Ei, ich wäre wohl ein schlechter Kardinal, wollte ich immerdar nur alle möglichen Minister in Berlin raushauen und nicht wenigstens ein einziges Mal auch meinen Chef in Rom.

Den Papst wird's amüsieren

Und so schrieb der Bischof flugs einen Essay für sein Mainzer Bistumsblatt „Glaube und Leben“, in welchem er die Frankfurter Allgemeine Zeitung dafür tadelt, dass sie nebst manchen wohlwollenden Berichten und Stellungnahmen zum päpstlichen Jesus-Buch auch eine entschieden kritische Rezension aus der Feder des Saarbrücker Theologen Karl-Heinz Ohlig veröffentlicht hatte. Bei dem Rezensenten handele es sich um einen Autor, der in der Vergangenheit mit seinen theologischen Thesen in Konflikt mit dem kirchlichen Lehramt geraten sei, schreibt Lehmann. „Na und?“, fragt sich die säkulare Zeitung aus Frankfurt keck.

Er, Lehmann, aber frage sich, warum ausgerechnet ein Dissident wie Karl-Heinz Ohlig für die Rezension in einem derart einflussreichen Medium ausgewählt worden sei. „War es die Lust an Konfrontation und Sensation? Oder was sonst? Wo blieb da die sonst selbstverständliche Fairness?“ Was den Kardinal wohl geritten haben mag, die Kritik unseres Rezensenten als unfair zu bezeichnen? War’s der Teufel? War’s Lehmanns Lust, bei der römischen Kurie den Geruch des unsicheren Kantonisten loszuwerden? Oder was sonst? Wollte Lehmann mit seiner Schelte vielleicht nur vergessen machen, was die Theologen von den Kirchtürmen pfeifen: dass er selbst es gewesen sei, der den nun flugs verteufelten Rezensenten vor Jahr und Tag mit einem Gutachten aus dem römischen Disziplinarverfahren rausgehauen habe, in das Ohlig – Rahner-Schüler wie Lehmann – wegen seiner unbotmäßigen Thesen verwickelt war?

Joseph Ratzinger dürfte, was den ritterlichen Vorstoß seines langjährigen Kritikers Lehmann in Sachen Jesus-Buch angeht, im Stillen amüsiert sein. Man hört ein mildes: „Ach Karl, lass die Debatte doch laufen, wie sie läuft.“ Schließlich kommt jedem Autor nichts so gelegen wie Widerspruch, zu welchem Ratzinger im Vorwort seines Buches denn auch ausdrücklich einlädt, ja aufruft. Nur Widerspruch hält eine Debatte in Gang, ein Buch im Gespräch. Ist Lehmanns Versuch, die Debatte zu unterbinden und aus der Zeitung eine Kirche zu machen, also nur eine besonders raffinierte Art, das Papst-Buch zu sabotieren? Ein Teufelchen, wer solches denkt.
German Lehmann gegen gemeinsames Abendmahl
May 25, 2007
Kardinal Karl Lehmann hat sich gegen eine gemeinsame Abendmahlsfeier auf dem evangelischen Kirchentag Anfang Juni in Köln ausgesprochen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre die gemeinsame Abendmahlsfeier «eine unreife Frucht», sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung (Freitagausgabe). Nach seiner Ansicht gibt es jedoch «keine Alternative zu einer stärkeren ökumenischen Einheit».

(jesus.de / epd) - Gerade Menschen in konfessionsverbindenden Ehen wünschten sich dringend das gemeinsame Mahl. «Sie müssen ohne eigene Schuld unter der Kirchentrennung leiden», betonte Lehmann. Allerdings hätten die Kirchen bislang nicht die theologischen Grunddifferenzen überwunden, vor allem beim Verständnis des kirchlichen Amtes und dem zentralen Stellenwert der Eucharistie für die Katholiken.

Er rechne nicht mit der Beteiligung katholischer Priester an einer Abendmahlsfeier in Köln, sagte der Kardinal: «Die Zeit solcher Provokationen ist eher vorbei.» Wenn aber ein Priester demonstrativ daran teilnehme, müsse der zuständige Bischof sehen, wie er mit ihm umgehe. Dann komme auch viel auf die Medien an.
German Wort zum Segen: Gabe und Sendung
May 01, 2007
Wechselseitige Anerkennung der Taufe. 11 Kirchen in Deutschland unterzeichnen am 29. April in Magdeburg Erklärung. Von Karl Kardinal Lehmann.

(dbk.de, 29.04.2007) Die feierliche Unterzeichnung der Taufanerkennung ist ein Beleg dafür, dass die ökumenischen Bemühungen nicht erstarrt sind. Dies ist vielleicht noch nicht so deutlich geworden, weil die Taufe ein Stück weit das Stiefkind im ökumenischen Gespräch gewesen ist. Man ging lange Zeit davon aus, dass hier keine nennenswerten Differenzen sind. In Wirklichkeit aber geht es in der Taufe um die grundlegende Gemeinsamkeit zwischen den Christen überhaupt. So kann man nur hoffen, dass die förmliche Taufanerkennung heute auch zum Startzeichen wird für ein vertieftes Gespräch über die Würde und Bedeutung der wechselseitig anerkannten Taufe, aber auch eine Ermutigung für das gelebte Zeugnis der getrennten Christen im Alltag unseres Lebens. Denn darauf kommt es schließlich an.

Alle Kirchen müssen sich jedoch hüten, das Verständnis der Taufe falsch anzusetzen. Es ist nicht unser Ritus, über den wir verfügen. Die Taufe ist zuerst die Gabe Gottes. Am meisten werden wir daran erinnert, dass es nach der allgemeinen Überzeugung der christlichen Kirchen Jesus Christus selbst ist, der in der Taufe dem Menschen neues Leben schenkt. Dies kann auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass diese Gabe in besonderer Weise durch die Herabkunft des Gottesgeistes vermittelt wird. Es gibt dafür viele Formen, auch in unserer Sprache, z. B. wenn wir von Wiedergeburt in der Taufe sprechen. Diese Gabe wird uns auch geschenkt durch die Predigt des Evangeliums, die zur Rechtfertigung führt. Unser Tun dabei darf nicht verdunkeln, dass wir nur im Namen Gottes und Jesu Christi handeln, nicht aus unserer eigenen Machtvollkommenheit heraus.

An dieser Stelle hat immer auch ein gewisses Missverständnis gedroht. Die Gabe Gottes befreit uns wirklich aus der Knechtschaft von Sünde und Tod. Sie ist nicht nur ein äußeres Symbol. Aber diese Befreiung geschieht nicht so, dass wir bei aller Wirksamkeit der Taufe jetzt schon das volle Heil erreicht hätten, geradezu in den Himmel versetzt würden. Paulus muss immer wieder mit diesem enthusiastischen Missverständnis kämpfen. Deswegen betont er gerne, dass wir mit Jesus Christus durch die Taufe begraben sind – dies ist bereits geschehen – und dass wir mit ihm auch auferstehen werden. Wir sind noch nicht am Ziel (vgl. Röm 6). Auch deswegen gehört zur Taufe die feste Überzeugung, dass sie Gottes Gabe ist, aber auch unsere menschliche Antwort auf sie dazugehört.

Darum sind fast alle Taufaussagen bei Paulus mit Mahnungen verbunden (vgl. 1 Kor 10,1-6; Röm 6,2.12; Gal. 3,27; Röm 13,14; Kol 3,3.5). Wir kennen die Rede vom Indikativ, der klaren Ansage einer neuen realen Heilssituation des Menschen, der nichts abgemarktet werden darf, und zugleich vom Imperativ, der Aufforderung, aufgrund dieser Gabe auch ein neues Leben zu führen und Abstand zu nehmen von den Bosheiten der Welt, in die auch wir uns immer wieder verstricken. Ein schönes Wort von Günther Bornkamm fasst dies alles gut zusammen: „Die Taufe ist die Zueignung des neuen Lebens, und das neue Leben ist die Aneignung der Taufe.“ (Das Ende des Gesetzes, München 1952, 50)

Darum ist die Taufe zwar wirksame Gabe Gottes, aber gerade deswegen stellt sie uns auch in die Sendung. Die Wirklichkeit des neuen Lebens kann nur dann bewahrt werden, wenn sie in unserem täglichen Lebensvollzug zu immer neuer Wirksamkeit kommt. Dies gilt für unser Christsein und für die Zeugenschaft des Glaubens im Alltag.

Es gilt aber auch für unsere ökumenische Aufgabe. Es ist ein großer Schatz, dass die Kirchen in hohem Maß trotz aller Trennungen das sakramentale Band der Einheit durch die Taufe erhalten haben. Alle Einheit geht aus der Taufe hervor. Aber es ist doch ein unvollkommenes Band der Einheit. Diese ist ausgerichtet auf ein weiteres Wachsen in das Maß der Fülle Jesu Christi (vgl. Eph 4,13). Dies fordert uns in ganz besonderer Weise heraus, in diesem Geist und in einer neuen Spiritualität der Taufe die Hindernisse zwischen uns zu überwinden und noch mehr wahre Einheit zu gewinnen.

Dies ist die heilige Verpflichtung, mit der uns die Taufanerkennung entlässt. Darum bitten wir aus tiefem Herzen, dass Gott der Herr durch seinen Segen uns dabei Gelingen schenken möge.
German "Ein mutiges Wagnis"
Apr 16, 2007
Kardinal Lehmann präsentiert Papst-Buch.

(Wormser Zeitung, 16.04.2007) MAINZ Geplant war eine Auflage von 150000 Exemplaren für "das Buch des Jahres 2007" aus der Feder von Papst Benedikt XVI. Heute - zum 80. Geburtstag des Autors -  kommt es auf den Markt, die Auflage beträgt 250000 Stück, und "bis zum Monatsende wird das wohl reichen", freut sich Manual Herder, Chef des gleichnamigen Verlagshauses, als Karl Kardinal Lehmann im Erbacher Hof in Mainz das Buch präsentiert.

Sicherlich ist bei diesem schnellen Erfolg ein Papst-Bonus im Spiel - von einem Professor Josef Ratzinger verfasst, hätte ein Buch über "Jesus von Nazareth" wohl kaum so großes Aufsehen erregt. Deshalb mahnte Kardinal Lehmann auch, alle kirchen- und theologiepolitischen Spekulationen beiseite zu lassen: Er sieht in dem Buch nichts Sensationelles, sondern ein wissenschaftlich fundiertes und dennoch frommes - "Nimm und lies!" zitierte er das berühmte Wort aus der Legende des Kirchenvaters Augustinus.

Benedikt XVI. versucht in seinem Buch eine neue Sicht der Jesusgestalt. Mit dem Einzug der historisch-kritischen Methode in die Theologie sind viele mythische und legendenhafte Elemente in den Bibeltexten aufgedeckt worden. Darüber hat sich jedoch allmählich ein gespaltenes Jesus-Bild entwickelt: hier die historische Gestalt des Wanderpredigers, der in Israel umherzog, dort der "Christus des Glaubens", von den Evangelien nachträglich zum "Gottessohn" erklärt und mit göttlichen Attributen ausgestattet. Benedikt XVI. will nun diese beiden Ebenen der Auslegung zusammenzuführen. Er greift die Ergebnisse, ausdrücklich auch der evangelischen, historisch-kritischen Forschung auf und versucht, darüber hinaus zu gelangen zu "einer eigentlich theologischen Interpretation der Bibel", die den Glauben einfordert, aber den historischen Ernst darum nicht aufgibt. Ein "Wagnis", das Kardinal Lehmann ebenso mutig wie spannend nennt: "Da kommt noch einiges!" vermutet er mit Hinblick auf einen geplanten zweiten Band, der die Kindheitsgeschichte Jesu, Passion und Auferstehung, die nachösterlichen Erscheinungen und das Pfingstgeschehen zum Gegenstand haben soll.

"Zu diesem Jesus-Buch bin ich lange innerlich unterwegs gewesen," hat Josef Ratzinger erklärt. Die Vorarbeiten zu dem Themengebiet reichen lange zurück, die wichtigsten Kapitel entstanden 2003 und 2004. Vielleicht hängt es auch mit dieser Vorgeschichte zusammen, dass sich der schreibende Papst nun nicht auf die Autorität seines Lehramtes berufen hat, sondern im Vorwort ausdrücklich jedermann frei stellt, ihm zu widersprechen: "Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt."

Joseph Ratzinger - Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder Verlag, 448 Seiten, 24 Euro.
German Bischof wirbt für die neue Synagoge
Apr 16, 2007
Karl Kardinal Lehmann bittet Stadt, Land und Bund um "tatkräftige Mithilfe".

(Main Rheiner, 16.04.2007) Für den Neubau einer Synagoge in Mainz setzt sich Karl Kardinal Lehmann ein. Ein Memorandum des Bischofs, das der AZ vorliegt, ist ein eindringliches Plädoyer, das Projekt in der Hindenburgstraße 44 endlich zu ermöglichen.

"Ich bitte Stadt, Land und Bund um tatkräftige Mithilfe, dass es gelingt, unseren älteren Geschwistern im biblischen Glauben wieder ein würdiges Gotteshaus zu schaffen", schreibt Lehmann. Der Bischof ist Mitglied des "Kuratoriums zur Förderung eines jüdischen Gemeindezentrums". Er hat seinen Aufruf eigens für weitere Verhandlungen mit Land und Bund verfasst.

"Durch den Bau der Hauptsynagoge im Jahre 1912 war in der Stadttopographie ein wunderbar symbolischer Dreiklang entstanden", erinnert Lehmann an die Vergangenheit des Areals Hindenburgstraße 44. "Neben dem katholischen Dom und der evangelischen Christuskirche stand nun auch eine bedeutende Synagoge in einem Verbindungsbogen, der Toleranz und Geschwisterlichkeit vereint". Die Hauptsynagoge, ein prachtvoller Jugendstilbau, brannten die Nazis in der Pogromnacht 1938 nieder. Heute steht hier ein Gebäude der Bundeszollverwaltung. Seit über zehn Jahren gibt es Bemühungen, am Platz des alten jüdischen Bauwerks eine neue Synagoge zu bauen. Der preisgekrönte Entwurf stammt vom Kölner Architekten Manuel Herz, einem Schüler von Daniel Libeskind, der das Jüdische Museum in Berlin plante.

Herbert Heidel, Vorsitzender des Kuratoriums, zeigte sich gegenüber der AZ "sehr zuversichtlich, dass wir bis Ende 2007 die noch offenen Fragen der Finanzierung klären können". Er sei "sehr dankbar über das Engagement des Bischofs". Inzwischen habe es "positive Gespräche" mit dem Chef der Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, gegeben. Nach einem gemeinsamen Vorstoß der Bundestagsabgeordneten Ute Granold (CDU), Rainer Brüderle (FDP) und Michael Hartmann (SPD) habe überdies das Bundesfinanzministerium Verkaufsbereitschaft für das Grundstück signalisiert. Weitere Angaben machte Heidel nicht. Nach AZ-Informationen ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Koblenz mit der Sache befasst.

Zehn Millionen Euro kostet der Neubau. Die Stadt will 3,5 Millionen Euro dazu geben, dem Vernehmen nach erhoffen die Verantwortlichen jeweils ein weiteres Drittel von Land und Bund, wobei der Bund zudem das Grundstück frei geben müsste. Dessen künftige Nutzung hat die Stadt im Bebauungsplan festgeschrieben - "ausschließlich kirchlichen Zwecken" soll es dienen.

Die Jüdische Gemeinde kann nach eigenem Bekunden nur den Unterhalt des künftigen Gemeindezentrums stemmen. Die Vorsitzende Stella Schindler-Siegreich betonte, die neue Synagoge werde "ein offener Ort" sein, Begegnungsstätte mit Veranstaltungen, Dokumentationen, Ausstellungen. Längst seien die Synagogenräume in der Forsterstraße zu eng geworden. Die Jüdische Gemeinde hat inzwischen fast 1100 Mitglieder, 90 Prozent sind Aussiedler aus dem Osten.

Nicht nur die Raumnot sieht Lehmann als gewichtiges Argument für den Neubau, sondern auch die historische Bedeutung von "Magenza", dem jüdischen Mainz. "Mit Worms und Speyer zählte Mainz zu den so genannten Schum-Städten, den wichtigsten Städten des abendländischen Judentums." Über Jahrhunderte sei die Stadt "Sitz der ältesten und angesehendsten Judengemeinde im deutschen Reich" gewesen. Dieser historischen "herausragenden überregionalen und europäischen Bedeutung" werde der Entwurf von Manuel Herz für eine neue Synagoge gerecht.
German "Karl, lass mal die Heiligkeit weg"
Apr 08, 2007
Interview mit Kardinal Karl Lehmann.

(Der Tagesspiegel, 07.04.2007) Berlin - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Karl Lehmann hat in einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" seinen berufsbedingten Verzicht auf Ehe, Familie und Sexualität als nicht so schwer bezeichnet. Der Kardinal sagte in dem Interview, er sei schon vor dem Abitur von den großen Fragen fasziniert gewesen - "Woher kommt der Mensch? Wohin geht er?" Lehmann, der im Alter von 27
Jahren zum Priester geweiht wurde, räumte aber ein, in seiner Jugend gelegentlich den Mädchen hinterher geschaut zu haben. "Es gab Mädchen, die hat man aus der Ferne angehimmelt. Als Schüler im Zug hat man sich gesehen, vielleicht auch mal Händchen gehalten. Aber wir waren damals ja außerordentlich brav."

Lehmann  bedauert auch nicht,  nicht als Zeitgenosse Jesu gelebt
zu haben. "Ich habe ein hohes Vertrauen in solides Brauchtum, weiß aber auch, dass diese Geschichten in der Bibel bearbeitet sind", sagte der Kardinal. Es gebe nicht wenige Theologen, die gar nicht erst nach Israel fahren wollten, weil sie sich ihre Fantasie nicht nehmen lassen wollten, wie das nun am See Genezareth genau gewesen sei. "Wenn die dann vor Ort sehen, dass da ganz gewöhnliche Steine herumliegen, dann sind sie eher etwas enttäuscht".
Ihm selbst gehe das aber nicht so, sagte Lehmann. "Ich freue mich da eher über die großartige Landschaft. Wenn ich auf dem Berg der Seligpreisungen stehe und den wunderschönen Sonnenuntergang über dem See Genezareth erlebe, dann finde ich diesen Ort schon faszinierend genug. Dann ist es mir eigentlich gleichgültig, ob Jesus genau hier die Bergpredigt gehalten hat oder woanders". Er traue aber einer langen Überlieferung, fügte der Kardinal an.
German Zuversicht und Mut
Apr 07, 2007
Kardinal Karl Lehmann über die Auferstehung

(Schweriner Volkszeitung, 6.4.07) Er ist der ranghöchste Katholik in Deutschland. Der 70-jährige Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, steht seit 1987 der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz vor. Lehmann sieht im Osterfest ein „Zeichen des Aufbruchs“, die aber nicht zwangsläufig in die Kirche führe. Unser Mitarbeiter Benjamin Lassiwe hat mit ihm über das Osterfest, die katholische Kirche in Ostdeutschland und die Folgen der Papstbesuche gesprochen.

Kardinal Lehmann, an diesem Wochenende feiern die Christen Ostern. Was bedeutet Ihnen das Fest persönlich?

Kardinal Lehmann: Ostern führt mit den dazugehörigen Festtagen zum Kern des christlichen Glaubens: Jesus Christus ist als Erster von den Toten auferstanden. Deshalb hat auch für uns Menschen heute der Tod in all seinem Leid und seinem Schmerz, den wir freilich nicht einfach wegreden können, am Ende nicht das letzte Wort. Das Leben siegt.

In Deutschland gibt es viele Menschen, die an der Auferstehung zweifeln. Warum glauben Sie daran? Kardinal Lehmann: Dieser Glaube macht das Leben reicher: Wir müssen nicht alles in dieses irdische Leben packen und so tun, als wäre danach alles aus. Der Glaube an die Auferstehung öffnet den Horizont, gibt Zuversicht und Mut.

Kann auch die Kirche in Deutschland eine Auferstehung erleben? Wie steht es um die katholischen Christen in Ostdeutschland?

Kardinal Lehmann: Man kann von der Sache her die Auferstehung Christi nicht mit einer „Auferstehung“ der Kirche vergleichen. Gleichwohl sehen wir Zeichen des Aufbruchs, die uns Mut machen. Gerade in den neuen Ländern entdecken mehr und mehr Menschen eine neue Freude am Glauben. Die Herrschaft des Sozialismus gab dafür wenig Raum. Umso befreiender wirkt diese Entdeckung, die freilich nicht zwangsläufig in die Kirche führt.

Hat die Kirche in einem ganz normalen Landkreis, in dem es vielleicht noch drei oder vier kleine katholische Gemeinden gibt, überhaupt noch eine Zukunft?

Kardinal Lehmann: Es kommt nicht immer auf die großen Zahlen an. Oft erfahren kleine Gemeinden in der Diaspora einen besonderen Zusammenhalt und Solidarität untereinander. Gerade hier gilt auch das Jesus-Wort der Bibel: (Sogar) wo (nur) zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Mit diesem Beistand kann die Zukunft nicht hoffnungslos sein.

Spüren Sie Zulauf nach den beiden Papstbesuchen?

Kardinal Lehmann: Sicher hat der Papst aus unserem Land für ein neues Interesse an Fragen des Glaubens in Deutschland gesorgt. Wir wissen aber auch, dass wir uns nicht auf kurzlebige Trends verlassen dürfen und dies in bloßen Zahlen – etwa neuer Mitglieder – messen können. Die Zahl der Kirchenaustritte stagniert, die Zahl der Wiedereintritte steigt. Dies ist erfreulich, aber nicht das einzige Ziel. Wichtig ist, dass sich mehr und mehr Menschen von der froh machenden und befreienden Botschaft des Evangeliums ansprechen lassen.

Ein großes Thema ist zurzeit der Klimaschutz. Die Kirchen in Deutschland gehörten lange Zeit zu den Vorreitern, wenn es um umweltgerechte Politik ging. Warum hat man sie erst so spät gehört?

Kardinal Lehmann: Die Bewahrung der Schöpfung ist – neben dem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit – in der Tat eines der zentralen Ziele des so genannten „Konziliaren Prozesses“ nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Das Problem ist wohl, dass man die Folgen eines umweltschädigenden Verhaltens erst sehr spät unmittelbar spürt. Umso wichtiger ist die beständige Sensibilität für das Problem, auch wenn das Thema gerade nicht die Schlagzeilen in den Medien füllt.
German Kardinal Lehmann kritisiert Pauschalurteile in der Familienpolitik
Apr 03, 2007
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat vor Pauschalurteilen in derFamilienpolitikk gewarnt. Man dürfe nicht die Kinderbetreuung und -erziehung gegeneinander ausspielen. Wichtig sei vielmehr, dass den Kindern ein guter Start in das Leben ermöglicht werde, sagte er im Interview.

(AP, 02. April 2007) Mainz - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat sich mit seinen Äußerungen zur Familienpolitik viel Unmut zugezogen. Wie steht die Bischofskonferenz zur Ausweitung von Krippenplätzen? Ist das christliche Familienbild bedroht, wenn man für Eltern die Möglichkeit einer besseren Kinderbetreuung schafft?

Lehmann: Die Kirche selbst ist ja einer der größten Anbieter von Kindergarten-, Kinderkrippen- und Kindertagesstättenplätzen. Hier wird hervorragende Arbeit von den Erzieherinnen und Erziehern geleistet, in Ergänzung zur elterlichen Erziehungsarbeit. Es ist absolut verzerrt, wenn man Kinderbetreuung und -erziehung in der Familie und in einer Einrichtung gegeneinander ausspielt. Wichtig ist es, dass den Kindern ein guter Start ins Leben ermöglicht wird. Das kann auf unterschiedliche und sich ergänzende Weise geschehen. Pauschalurteile sind - wie so oft - fehl am Platz.

Bei der Reise deutscher Bischöfe nach Israel gab es zuletzt Misstöne. Sind die ausgeräumt? Wie beurteilen Sie das aktuelle Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum?

Lehmann: Einzelne Irritationen, die schnell bereinigt werden konnten, können nicht den Erfolg der gesamten Reise des Ständigen Rates der deutschen Bischofskonferenz in Frage stellen. Das Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum ist auf einem guten Weg, das zeigen unter anderem auch viele Begegnungen und Kontakte auch außerhalb der Reise, etwa mit der Rabbinerkonferenz oder mit anderen jüdischen Einrichtungen, Verbänden und Institutionen. Wer die Texte der offiziellen Ansprachen und Stellungnahmen während und nach der Reise liest, kann keinen Zweifel an den guten Beziehungen haben.

Sowohl beim Thema Kinderkrippen als auch in Israel hat Bischof Mixa mit seinen Äußerungen zumindest sehr polarisiert. Muss die Kirche mit so Aufsehen erregenden und kontroversen Äußerungen auffallen? Oder wäre es nicht besser, diplomatischer zu agieren?

Lehmann: In der Sache sind sich die deutschen Bischöfe - sowohl was die Bedeutung der Erziehung und die Grundlinien der Familienpolitik in unserem Land, als auch was die Probleme der beiden Konfliktparteien in Israel angeht - weitgehend einig. Man muss sich deshalb nicht immer und in jedem Detail die Wortwahl einzelner zu Eigen machen. Worum es uns gemeinsam geht, ist, dass wir die Sorge der Menschen teilen und uns zum Anwalt der Schwachen machen möchten, um so zu Gerechtigkeit und Frieden beizutragen.

Mit Bischof Kamphaus und Kardinal Wetter verliert die katholische Kirche aus Altersgründen zwei profilierte Persönlichkeiten. Machen Sie Sich Sorgen um den Nachwuchs? Wie sieht es an der Basis bei den Priestern aus? Mit welchen Argumenten würden Sie einen jungen Mann zum Priestertum ermutigen? Macht es die Entwicklung nicht auch notwendig, über mehr geistliche Funktionen von Frauen in der katholischen Kirche nachzudenken?

Lehmann: Die Leiter unserer Priesterseminare stehen in ständigem Kontakt zu Fragen der Nachwuchsförderung und verbessern mehr und mehr die Auswahlkriterien. Die «Leidenschaft für Gott und sein Volk» ist nach wie vor das beste Qualitätsmerkmal für einen künftigen Priester. Wer nur den Manager sucht oder einen spirituellen Überflieger, der den Bodenkontakt verloren hat, wird der Berufung eines Priesters nicht gerecht. Der Priesterberuf hat viel mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick scheint. Es gibt aber auch viele andere kirchliche Berufe für Frauen und Männer, die die je eigene Berufung eines Menschen erfüllen können. Die Bistümer haben dazu eigene Informationsstellen. Auch hier darf man nicht an der Oberfläche bleiben und mit schnellen Urteilen und pragmatischen Forderungen die Komplexität der Sache verkennen.
German Gegen aktive Sterbehilfe
Mar 18, 2007
Mit Leidenden solidarisch sein.

MAINZ (dpa, 19.03.2007) Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat sich erneut strikt gegen aktive Sterbehilfe ausgesprochen. "Wir dürfen mit vielen Mitteln die Schmerzen lindern, aber nicht aktiv das Leben beenden", sagte der Kardinal und Vorsitzende der Bischofskonferenz Wochenende beim ersten Mainzer Hospiz- und Palliativtag.

"`Du sollst nicht töten` ist ein unbedingtes Gebot", sagte Lehmann. Alles Leid, das einen Menschen treffe, müsse und solle gemindert werden, soweit dies möglich sei, betonte er. "Wir haben aber nicht das Recht, unser Leben selbstmächtig zu beenden oder unser Menschsein durch völlige Ausschaltung unserer Sinne und unseres Denkens und Wollens zu betäuben oder geradezu auszuschalten." Kardinal Karl Lehmann rief dazu auf, mit leidenden Menschen solidarisch zu sein.

"Schlechthin fremdes Leid darf es für den Menschen nicht geben", sagte er laut der Mitteilung vom Wochenende. Wo es so viel Verdrängung und Apathie, Flucht und Verweigerung vor dem Leiden gebe, seien Solidarität und Mitleiden gefordert.

Die Veranstaltung in Mainz stand unter dem Motto "Dem Leid begegnen - Welche Hilfen und Chancen bieten Hospizarbeit und Palliativmedizin?". Sie wurde von Hospizeinrichtungen und anderen Institutionen ausgerichtet.
German Kardinal Lehmann als lebensfroh geehrt
Mar 17, 2007
Für seine Verdienste um das Wohlgefühl erhält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den «Champagne-Preis für Lebensfreude».

(KNA, 16. Mrz 2007) Wie kein anderer verstehe es der Mainzer Bischof, die Freude als zentrale Botschaft des Evangeliums in den Alltag der Kirche und der Menschen zu tragen und fromm zu sein, ohne zu frömmeln, teilte die Vereinigung der Champagnewinzer und –häuser am Freitag in Reutlingen zur Begründung mit.

Dotiert ist die Auszeichnung, die am Montag in Hamburg verliehen wird, mit einer Einladung auf die Schlösser und Herrschaftshäuser der Champagne. Zudem gibt es einen «exquisiten» Champagne-Keller.

Preisträger der vergangenen Jahre waren Franz Beckenbauer (2005), Thomas Gottschalk (2004) und der Dresdner Trompeter Ludwig Güttler (2003). Vergangene Woche hatte Lehmann ein 225-Liter-Eichenholzfass mit Gutedel-Wein von der Markgräfler Gutedelgesellschaft im südbadischen Neuenburg am Rhein bekommen.

Der seit 1998 vergebene Champagne-Preis soll Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum auszeichnen, die sich auf «originelle, fröhliche, prickelnd spritzige Weise» um Lebensart und –freude verdient machen. Verliehen wird er vom «Comite Interprofessionnel du Vin de Champagne» im französischen Epernay.
German Kardinal Lehmann entschuldigt sich beim Zentralrat der Juden
Mar 08, 2007
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat den umstrittenen Vergleich eines deutschen Bischofs bezüglich Israels Politik in den Palästinensergebieten mit der NS-Zeit bedauert.

(europolitan.de, 08.03.2007) Berlin - Medienberichten zufolge hatte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke während einer einwöchigen Pilgerreise im Heilige Land einen Vergleich zwischen der Situation der Juden im Warschauer Ghetto und der heutigen Lage der Palästinenser in den Autonomiegebieten angestellt.

In einem Antwortbrief an den Vorsitzenden der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Tel Aviv, Avner Shalev, der eine Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz gefordert hatte, bedauerte Kardinal Lehmann heute den umstrittenen Vergleich."Die Gefühle der Überlebenden der Shoah oder der jüdischen Bevölkerung in Israel zu verletzen, war zweifelsfrei niemandes Absicht" und "heutige Problemlagen oder Situationen des Unrechts in irgendeiner Weise mit dem nationalsozialistischen Massenmord an den Juden in Verbindung zu bringen" sei unangemessen.

In dem Brief schreibt Lehmann auch über die emotionale Betroffenheit der Bischöfe nach ihrem Besuch in Jad Vaschem und während der Fahrt in die Palästinensergebiete. Nicht wenige Bischöfe hätten „eine starke innere Anspannung angesichts der bedrückenden Situation verspürt“, die sich dann in einigen harten Äußerungen niedergeschlagen habe. Lehmann zufolge werde die Bedrohung Israels durch den Terrorismus allerdings auch von den kritisierten Geistlichen keineswegs in Frage gestellt. „ Auch sie vertreten uneingeschränkt das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht des Staates Israel“, schrieb der Kardinal an Shalev.
German Kardinal Lehmann glaubt nicht an die Kirche
Mar 08, 2007
In der am Mittwochabend ausgestrahlten SWR-Sendung „Quergefragt" gab der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, ein Statement ab, das nicht nur seinen Diskussionspartner, den Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon, verblüffte.

(hpd-online.de, 8 Mär 2007) MAINZ. Lehmann bekannte, er glaube nicht an die Kirche, er glaube auch nicht an das Christentum, er glaube an Gott. Damit hat sich Lehmann nach traditionellem katholischem Verständnis als „Ketzer" geoutet, heißt es doch im katholischen Glaubensbekenntnis, das der Kardinal schon von Amtswegen Tag für Tag betet: „Ich glaube an die heilige, katholische und apostolische Kirche!"

In der Diskussion ging Lehmann wenig später sogar noch einen Schritt weiter, als er sagte, dass es die Kirche wohl irgendwann nicht mehr geben würde, den Glauben an Gott aber sehr wohl.

„Ich weiß nicht, wie Herr Lehmann dies in Einklang bringt mit dem geltenden Katechismus der Katholischen Kirche", erklärte Schmidt-Salomon hierzu gegenüber hpd, „denn dort heißt es doch sehr deutlich, dass es außerhalb der Kirche kein Heil gibt." Man dürfe gespannt sein, wie die anderen deutschen Bischöfe und der Vatikan auf diese „fast freigeistig klingenden Äußerungen" Lehmanns reagieren würden. Dass der Mainzer Bischof der streng-dogmatischen Theologie des gegenwärtigen Papstes wenig abgewinnen könne, sei selbstverständlich schon vorher klar gewesen, meinte Schmidt-Salomon. Wie gravierend diese Unterschiede aber tatsächlich seien, habe erst diese Sendung des SWR-Fernsehens aufgezeigt.
German Erste Reise der deutschen Bischöfe ins Heilige Land: Kardinal Lehmann zieht Bilanz
Mar 07, 2007
„Wir ermutigen ausdrücklich alle Gläubigen, ins Heilige Land zu pilgern.

JERUSALEM, 6. März 2007 (ZENIT.org).- „Wir wollen mit dazu beizutragen, dass die Christen hier eine Zukunft haben“, bekräftigte der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, im Namen aller deutschen Bischöfe am Sonntag in Jerusalem.

„Das Heilige Land darf kein Freilicht-Museum des Christentums werden. Der freie Zugang zu den Heiligen Stätten muss für die Angehörigen aller Religionen gewährleistet sein. Wir ermutigen ausdrücklich alle Gläubigen, ins Heilige Land zu pilgern“, so der Kardinal am Ende der ersten Pilgerreise des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz ins Heilige Land (26. Februar - 4. März).

In Israel seien die Christen als Araber „in einer doppelten Minderheitenposition“, fuhr der Kardinal unmittelbar vor dem Heimflug fort. „In den palästinensischen Gebieten sind sie durch einen wachsenden Islamismus herausgefordert. Nach wie vor bedrückend ist die hohe Zahl derer, die das Land verlassen.“

Bei ihren Besuchen in der Westbank hätten die Ortbischöfe der 27 deutschen Diözesen „die erschreckende, geradezu katastrophale Situation kennen gelernt, der die Palästinenser ausgesetzt sind: eine Arbeitslosigkeit von bis zu 60 Prozent, drastische Behinderungen der Bewegungsfreiheit, die manche Familien auf Dauer voneinander trennen, eine Praxis an den Kontrollpunkten, die viele Palästinenser als demütigend empfinden – all dies lässt viele in Hoffnungslosigkeit versinken und befördert auch eine politische und religiöse Radikalisierung. Besonders schlimm haben wir die Lage in Bethlehem erlebt, wo sich die Menschen angesichts des Verlaufs der Sicherheitsanlagen geradezu als eingeschlossen empfinden.“

Kardinal Lehmann wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass das ohnehin geringe Vertrauen zwischen Israelis und Palästinensern immer mehr abzunehmen scheine. „Der Vertrauensverlust wird von vielen als geradezu irreparabel gesehen. Das ist eine gefährliche Sackgasse.“

Anhand von konkreten Beispielen führte der Kardinal den beachtlichen Beitrag vor Augen, den die Kirche im Heiligen Land angesichts der schwierigen Lebensbedingungen zum gesellschaftlichen Leben leiste – unter anderem „durch Schulen und soziale Einrichtungen aller Art“, die allen Menschen offen stünden.

„In diesem Zusammenhang sind die rechtliche Stellung der Kirche und die Besteuerung kirchlicher Organisationen und kirchlichen Besitzes von hohem Belang. Dies haben wir auch im Gespräch mit Shimon Peres, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des Staates Israel, deutlich herausgestellt. Es ist erfreulich, dass Peres unserer Delegation zugesichert hat, sich persönlich dafür einzusetzen, dass die Verhandlungen zwischen Israel und dem Vatikan zügig abgeschlossen werden.“

Die deutschen Bischöfe hatten am Ende ihres Aufenthalts in der Heimat Jesu auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht, was für alle ein „bewegender und auch erschütternder Moment“ gewesen sei. Diesbezüglich berichtete Kardinal Lehmann: „Wir haben an diesem Ort unterstrichen, dass es für alle Deutschen – letztlich auch für die ganze Menschheit – unerlässlich bleibt, sich dem Völkermord an den Juden auch in Gegenwart und Zukunft zu stellen. Dies habe ich auch in meiner Eintragung in das Gedenkbuch zum Ausdruck bringen wollen: ‚Niemand kann frei sein, der frei sein will vom Gedenken an die Shoa.‘“
German «Heiliges Land darf kein Freilicht-Museum des Christentums werden»
Mar 07, 2007
Zum Abschluss der Pilgerreise der katholischen deutschen Bischöfe ins Heilige Land hat Kardinal Karl Lehmann zur Solidarität mit der christlichen Minderheit in der Region aufgerufen.

(epd, 05.03.2007) - «Das Heilige Land darf kein Freilicht-Museum des Christentums werden», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nach einer am Sonntag in Bonn verbreiteten Erklärung in Jerusalem.

Die Christen in Israel und den palästinensischen Gebieten müssten eine Zukunft haben, bekräftigte Kardinal Lehmann. Der freie Zugang zu den Heiligen Stätten müsse zudem für die Angehörigen aller Religionen gewährleistet sein. «Wir ermutigen ausdrücklich alle Gläubigen, ins Heilige Land zu pilgern.»

Die Ortsbischöfe der 27 deutschen Diözesen hatten vom 26. Februar bis 4. März eine Pilgerreise ins Heilige Land unternommen. Stationen waren unter anderem Nazareth, Jerusalem und Bethlehem. Nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung in der Region sind Christen.
English Cardinal asks Germans to leave cars at home
Feb 22, 2007
The head of the Catholic Church in Germany called on his compatriots on Thursday to give up their beloved cars for Lent to make a personal contribution to preventing climate change.

(iol.co.za, February 23 2007) Berlin - Cardinal Karl Lehmann said in Bild newspaper on Thursday that the period of 40 days before Easter in the Christian calendar "requires us to rethink our lifestyle".

"Far too often, we do things that are harmful to our fellow citizens and the environment.

"Let us use Lent to make a personal contribution to improving our climate by having car 'fast'.

"Preserving creation is a duty which falls to all of us," Lehmann, the chairperson of the German bishops' conference, said.

Germany - home to luxury car makes BMW, Mercedes and Porsche - this week announced plans to tax vehicles not by engine size, but according to how much carbon dioxide and other dangerous
emissions they produce.

A UN report said this month that global warming was almost certainly caused by humans, and carbon pollution disgorged this century would disrupt the climate system for a thousand years to come. - Sapa-AFP
German "Wir Mainzer lieben Sie"
Jan 04, 2007
Ranzengarde ehrt Karl Kardinal Lehmann bei Generalappell im Schloss.

(Main Rheiner, 03.01.2007) Bei ihrem großen musikalischen Generalappell hat die Mainzer Ranzengarde gestern Abend vor 444 Besuchern im Großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses Kardinal Karl Lehmann den "Mainzer Ranzengardisten" verliehen. Damit zeichnet die "Mutter aller Mainzer Garden" alle zwei Jahre eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und deren Einsatz für das freundlich-freudige Mainz aus.

Aus den Händen von Generalfeldmarschall Johannes Gerster nahm der Bischof das Modell des Ranzengardebrunnens, gestaltet von Künstlerin Liesel Metten aus Nieder-Olm, entgegen. Der Preis, erläuterte Gerster, der gestern seinen 66. Geburtstag feierte, "ist gedacht für Persönlichkeiten, die in schwierigen Ämtern und Funktionen zeigen, dass Menschlichkeit in dieser technisierten, manchmal kalten Welt möglich ist". Lehmann verkörpere "eine römisch-katholische Kirche, die eine weltoffene Kirche ist". Bei wichtigen Entscheidungen "das menschliche Maß im Auge zu haben", sei sein Verdienst. Gerster: "Lieber Kardinal, Sie sollen wissen, wir Mainzer lieben Sie. Wir lieben Sie so, wie sie sind. Sie verkörpern die christliche Botschaft als eine Botschaft der Hoffnung und der Freude."

Längst hatten sich die Besucher von den Stühlen erhoben und spendeten lange anhaltenden Beifall. "Ich bedanke mich von ganzem Herzen", sagte der Kardinal sichtlich ergriffen, "weil ich mich dadurch noch mehr als bisher schon als Mainzer angenommen fühle." Nach 27 Jahren fühle er sich "hier wirklich auch zu Hause - aber nicht nur durch die Länge der Zeit."

"Ich kenne eigentlich keine Stadt, die für mich so offen, menschlich, tolerant, humorvoll, freundlich, entgegenkommend und verstehend ist", sagte Lehmann. Die Mainzer Fastnacht, die sich durch Esprit, Scharfsinn und "eine ungeheuerlich große Versöhnlichkeit" auszeichne, habe für ihn "einen besonderen Klang".

Der Kardinal ist der zweite Preisträger nach ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter. Mit Lehmann habe man den Richtigen ausgezeichnet, sagte Kulturdezernent Peter Krawietz, bevor Schächter seinen Nachfolger in einer in Versform vorgetragenen Laudatio als "guten Hirten vom Bistum" und volksnahen "Brückenbauer erster Güte" würdigte.
German "Wir wollen keinen religiösen Mischmasch"
Jan 03, 2007
Kardinal Lehmann über neuen Glauben, die Auseinandersetzung mit dem Islam und eine Überarbeitung der Richtlinien für "multireligiöse Feste". Anwohner wehren sich gegen die erste Moschee im Osten.

(Berliner Morgenpost, 3. Januar 2007) Berlin - Der Mainzer Erzbischof, Kardinal Karl Lehmann, äußert sich immer wieder auch zu weltlichen Dingen. Zum Jahreswechsel warnte er davor, die großen Errungenschaften des Sozialstaats preiszugeben. Der notwendige Umbau dürfe nicht gleichgesetzt werden mit dessen Abbau, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Als ein Wunder bezeichnete er die Einigung Europas in der vor 50 Jahren gegründeten EU. Derzeit hätten die Staaten die Chance, die Europaidee neu zu beleben. Eine nicht zu unterschätzende Rolle könne dabei die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Deutschland spielen, so der Erzbischof. Daneben bewegen Kardinal Lehmann aktuelle religiöse Fragen. Mit ihm sprach Gernot Facius.
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Berliner Morgenpost: Herr Kardinal, der Satz von der "Wiederkehr des Religiösen" ist so strapaziert, dass man ihn gar nicht gerne wiederholen möchte. Handelt es sich nicht eher um eine diffuse Religiosität?

Karl Kardinal Lehmann: In der Tat ist die "Wiederkehr des Religiösen" ambivalent. Religion ist nicht von vornherein immer schon gut. Es muss wirklich um den letzten Sinngrund für den Menschen gehen, der ihm sein Leben meistern hilft. Religion muss den Menschen zur Freiheit führen und darf ihn nicht erneut knechten. Sie darf nicht in problematische Formen verführerischer Religiosität zurückfallen. Hier gibt es auch viele Kuriositäten, darunter gefährliche, zum Beispiel satanische Kulte.

Sie reisen mit der Bischofskonferenz im Frühjahr nach Israel. Welches Signal soll von dieser Visite ausgehen?

Das Heilige Land, in dem Jesus lebte, gehört zur Quelle unseres Glaubens. Die Christen brauchen Ermutigung, im Land zu bleiben. Schließlich wollen wir auch die Fragen und Nöte des israelischen Volkes näher kennenlernen und haben deshalb auch Gespräche mit Verantwortlichen vorgesehen, nicht zuletzt auch mit der Führung der Palästinenser. Es ist freilich zurzeit viel im Fluss.

Der Disput über den Islam wird auch 2007 weitergehen. Im Kirchenvolk herrscht Verwirrung, wie auch die Reaktion auf Kardinal Meisners "Richtlinien" über multireligiöse Feiern gezeigt hat. Bedürfen die "Leitlinien" der Bischofskonferenz aus dem Jahr 2003 einer Präzisierung?

Ja, eine Überarbeitung der "Leitlinien für multireligiöse Feiern" ist aus verschiedenen Gründen angesagt: Die Arbeitshilfe ist vergriffen; in der Neuauflage sollen die Erfahrungen der letzten Jahre verarbeitet werden. Einige Dinge können präzisiert und vielleicht korrigiert werden. Es gibt auch Anfragen mehr allgemeiner Art aus Rom. Wir wollen ja keinen "religiösen Mischmasch" fördern. Die Möglichkeit gemeinsamer Gottesdienste muss zweifellos genauer geklärt werden. Hier gibt es auch eine noch nicht abgeschlossene theologische Diskussion (Haben wir denselben Gott?) und darin die Tendenz, bei gottesdienstlichen Zusammenkünften jeweils in der eigenen Religion in Gegenwart anderer zu beten, aber nicht in gleichlautenden gemeinsamen Gebetsformen.

Sie haben vor zwei Jahren in dieser Zeitung deutliche Vorbehalte gegenüber dem "Dialog" mit Muslimen geäußert. Inwieweit hat sich Ihre Einstellung verändert?

Ich war etwas skeptisch, weil mir die übliche Rede vom Dialog zu leichtfüßig und manchmal geradezu blauäugig vorkam. Durch die Vorkommnisse vor allem der letzten Monate empfinde ich diesen Dialog zwar als schwierig, aber nach diesen Erfahrungen noch notwendiger und vielleicht mit mehr Chancen verbunden.

Die EKD betont wieder stärker den Missionsgedanken - auch gegenüber den Muslimen. Was sagt die katholische Kirche?

Wir hatten den Missionsgedanken immer wieder hervorgehoben, so im Konzilsdekret über die Missionstätigkeit ("Ad gentes", 1965) und in einer viel zu wenig bekannt gewordenen Enzyklika von Johannes Paul II. aus dem Jahr 1990 ("Redemptoris missio"). Die Kirche in unserem Land hat das missionarische Bewusstsein in mehreren wichtigen Texten zu wecken versucht. Für die Kirche ist dies eine Überlebensfrage. Die Muslime sind als potenzielle Adressaten nicht ausgeschlossen, werden aber auch nicht besonders herausgestellt.

Muslimische Organisationen in Deutschland beklagen sich, dass ihr moderates Verhalten in den Diskussionen nicht hinreichend gewürdigt worden sei. Eine berechtigte Klage?

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die anerkennenswerten Reaktionen manchmal etwas spät kamen. Die leiseren Töne wurden dann leider oft nicht mehr so wahrgenommen. Aber wir haben das moderate Verhalten wahrgenommen und anerkannt.

Herr Kardinal, seit Monaten wird über die "Freigabe der alten Messe" spekuliert. Was ist konkret aus Rom zu erwarten?

Trotz unseres Besuches "Ad limina" in Rom im November habe ich hierüber keine genaueren Informationen. Ich weiß kaum etwas, was über die Vermutungen in den Medien hinausreicht.

Besteht die Gefahr, dass es über dieser Frage zu einem Riss oder gar zu einer Spaltung kommen könnte? Sie haben ja bisher Bitten um die Erlaubnis zur Feier der "alten Messe" eher restriktiv gehandhabt.

Zu einem tieferen Riss wird es wohl nicht kommen. Der Papst ist bestrebt, das andauernde oder drohende Schisma zu beseitigen beziehungsweise zu verhindern. Als Bischof muss ich bestrebt sein, alle Mitglieder der Kirche in ihren ernsthaften Anliegen zu verstehen und ihnen auch, soweit dies möglich ist, entgegenzukommen. Deswegen habe ich auch in einem Fall die Erlaubnis zur Feier der "alten Messe" im Bistum gegeben.

Der wirkliche Bedarf ergibt sich im Übrigen nicht aus manchmal lautstark vorgetragenen Forderungen.

Krisen in Ihrer Kirche werden von manchen Gläubigen mit dem Verlust der "alten Messe" in Verbindung gebracht. Ist diese Einschätzung also übertrieben?

Ich halte sie im Vergleich zu den elementaren Herausforderungen in unserer Zeit und damit auch zu den wirklichen Einbußen der Kirche in der Tat für überzogen. Ich bin selbstverständlich für die Wertschätzung der lateinischen Sprache und Kultur. Aber ich entdecke nicht selten hinter dem Ruf zur Messe von 1962 dogmatische Abwertungen unserer nach dem Konzil erneuerten Eucharistiefeier, die ich keinesfalls teilen kann. Mit Trauer und Bedauern muss ich auch feststellen, dass in manchen Unterschriftenlisten Kinder und solche Leute geführt werden, die mit Sicherheit kein Latein können. Im Übrigen wäre mir bei der Einführung der erneuerten Messe 1969 eine längere Übergangszeit mit Duldung der "alten Messe" lieber gewesen.

Und das war nicht möglich?

Ich habe dies Kardinal Julius Döpfner damals dringend geraten. Papst Paul VI. wollte jedoch einen entschiedenen und klaren Übergang.

Die Kirchen müssen, Stichwort demografische Entwicklung, Gotteshäuser und Kirchengebäude aufgeben. Wo hat die "Umwidmung" ihre Grenzen?

In der Öffentlichkeit werden solche Maßnahmen überschätzt, zum Teil auch falsch kommentiert. Ich will Ungeschicklichkeiten nicht leugnen. Aber die Sache selbst ist einfacher: Zu den Kirchen gehören viele Immobilien, deren Sanierung auf absehbare Zeit finanziell kaum verantwortbar ist. Darunter können auch einige Kirchen und Kapellen sein. Im Einzelfall kann es besser sein, eine Kirche abzureißen, anstatt sie fragwürdigen Zwecken auszuliefern. Man sollte aber die Anzahl nicht überschätzen. In meinem Bistum ist bisher keine einzige Kirche umgewidmet worden. Man muss jedoch jedem Bistum in seiner Situation gerecht werden. Es ist kein Thema für kulturkritische Lamentos in Feuilletons.

Verstärken Skandale in Politik und Wirtschaft die Verdrossenheit an der Demokratie?

Zweifellos kann dies zum Beispiel Wahlmüdigkeit hervorrufen, die wir ja in letzter Zeit sehr beklagen müssen. Aber die Skandale sind auch der Widerschein falscher Verhaltensweisen in der Gesellschaft überhaupt. Man nimmt, was man bekommt, der Profit unterdrückt das Ethos. Insofern kann die "Verdrossenheit" auch etwas heuchlerisch werden.

Die katholische Kirche hat ein besonders intensives Verhältnis zu Polen. Wie kann sie helfen, das Tief zwischen Warschau und Berlin zu überwinden?

Die Wurzeln für die Aussöhnung mit Polen liegen tief. Der Prozess dazu war ja auch mühsam. Aber darum ist auch die Versöhnung keine Eintagsfliege, die sich durch den Wechsel von Stimmungen und auch bestimmten Politikern zu sehr beeinflussen ließe. Die jetzige Phase nehmen wir ernst, weil sie alte Vorurteile auf beiden Seiten wecken kann. Aber sie ist wohl nur ein Zwischentief.

Sie haben sich sehr verhalten zu einem Zentrum gegen Vertreibungen geäußert. Warum? Muss nicht auch Polen bereit sein, seinen Teil an der Tragödie der vertriebenen Deutschen zuzugeben?

Unsere Kirche war nicht grundsätzlich zurückhaltend. Ich habe immer nur drei Bedingungen formuliert: Wir sprechen uns gegen alle Vertreibungen in Europa aus, somit auch gegen die "ethnischen Säuberungen" im ehemaligen Jugoslawien. Zweitens: Wir wollen nicht nur vom Unrecht der Vertreibungen sprechen, sondern auch von der erreichten Aussöhnung. Drittens: Der Ort eines solchen Zentrums mit europäischen Dimensionen muss einvernehmlich entschieden werden, auch zum Beispiel unter Beteiligung der Episkopate in Polen und Deutschland. Gewiss braucht man auch in Polen ein neues Verständnis für das Unrecht aller Vertreibungen. Lassen wir den Menschen in Polen dafür jedoch Zeit.
German Kardinal Lehmann sieht Dialog mit dem Islam skeptisch
Dec 28, 2006
Der Vorsitzende der Deutschen  Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hat sich skeptisch zu einem Dialog mit dem Islam geäußert

Mainz (RPO, 28.12.2006) Religion müsse dem Menschen zur Freiheit verhelfen. Der Islam müsse sich mit dem Verhältnis von Gottesbild und Gewalt auseinandersetzen, so Lehmann. "Man war im Umgang mit dem Begriff des interreligiösen Dialogs ein bisschen leichtsinnig und zu blauäugig. Miteinander zu reden und sich zu unterhalten ist ja nicht Dialog", sagte der Mainzer  Erzbischof in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Dialog  wolle zumindest einen Teilkonsens erzielen. Religion müsse dem Menschen letztlich zu seiner Freiheit verhelfen. "Wenn sie ihn neu versklavt, dann  muss sie auch vom authentischen Glauben bekämpft werden", sagte Lehmann. Er sei nicht der Ansicht, dass der Islam den Menschen versklave, aber natürlich müsse man sich im Islam das Verhältnis von Gottesbild und Gewalt genauer vornehmen und diese spannungsvollen Aussagen zwischen den Suren versuchen aufzulösen - rational und vernünftig. "Das ist ein großes Gebiet", sagte der Kardinal. Nach der Regensburger Papstrede habe es Missverständnisse gegeben, die Benedikt XVI. zurecht gerückt habe. Aber es gab keinen Anlass, etwas zurückzunehmen oder zu entschuldigen, wie Lehmann betonte. Wenn die Diskussion um die Rede dazu gedient haben sollte, dass der Dialog zwischen Christentum und Islam ernsthafter werde, habe alles aber auch seinen guten Sinn gehabt. Zurückhaltend äußerte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz zum Verbot multireligiöser Feiern, das der Kölner Kardinal Joachim Meisner in seinem Bistum kürzlich verfügt hatte. Solche multireligiösen Feiern könnten einen religiösen Mischmasch fördern. Es gebe in diesem Zusammenhang noch eine Reihe von theologischen Fragen. Aber nach Ansicht Lehmanns besteht durchaus die Möglichkeit, zu bestimmten Anlässen gemeinsam eine Feier zu veranstalten. Allerdings sollten die einzelnen Religionen dann ihren jeweils eigenen Part darin haben. Karl Lehmann ist der Vorsitzende der  Deutschen Bischofskonferenz.
German Ist Gott Weihnachten näher bei uns, Herr Kardinal?
Dec 22, 2006
Das große BILD-Interview mit Karl Kardinal Lehmann.

Audienz bei Karl Kardinal Lehmann (70), dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Deutschlands prominentester Priester.

Seine Eminenz (schwarzer Anzug, weißer Priesterkragen) empfängt in einem der Bibliotheksräume im Erdgeschoss der Mainzer Bischofsresidenz. Dort kann der Kardinal in rund 100 000 Büchern lesen.

BILD: Wie würden Sie einem Kind Gott beschreiben?

Lehmann: ER ist der, dem wir die ganze Welt verdanken. Aber eigentlich sollte man vermitteln, dass Gott nicht abbildbar ist. Du sollst Dir kein Bildnis machen, heißt es in der Bibel. Doch da wir Menschen nun einmal Anschauungen brauchen, scheint mir das Bild von dem Vater, der den verlorenen Sohn in seine Arme nimmt, ein ganz besonders schönes, wichtiges zu sein.

BILD: Wo wohnt Gott, wo ist Gott?

Lehmann: Der Himmel ist da, wo Gott ist. Und der Himmel, das ist Seligkeit. Aber Gott ist natürlich überall, je auf seine Weise. Er ist im Herzen des Menschen. Er ist da, wenn Menschen sich sehr gut verstehen. Er ist aber auch da, wo ich z. B. trotz großer Schwierigkeiten, trotz großen Leids, die Hoffnung nicht aufgebe und mich nicht unterkriegen lasse. Gott ist auch beim Tapferen, der einem, der allein steht und dem niemand sonst hilft, beispringt. Aber er ist besonders nah in seinem eigenen Wort, im Wort Gottes, in den Gotteshäusern.

BILD: Und wo war Gott, als die 14-jährige Stephanie wochenlang missbraucht wurde oder der kleine Leon in der Wohnung seiner Mutter verdurstete oder ...

Lehmann: Ja, das ist die Urfrage des Menschen gegenüber allem Leid. Auch Jesus fragt: Warum mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

BILD: Ja, warum?

Lehmann: Diese Warum-Frage können wir Menschen nicht befriedigend beantworten. Gott schenkt den Menschen Freiheit, letztlich sogar auch, das Böse zu tun.

BILD: Und was sagen Sie beispielsweise den Eltern, die ihr Kind ausgerechnet auf einem Weihnachtsmarkt verloren haben, weil ein Ast von oben herabfällt und die 4-jährige Tochter erschlägt? Und die nun fragen, wie, lieber Gott, konntest Du das zulassen?

Lehmann: Diese Frage kann kein Mensch der Welt beantworten. In solchen Situationen ist der Glaube umso wichtiger. Nur er hilft durch die Finsternis. Entscheidend ist, dass wir bei einem solchen Leid bei den Menschen bleiben, dass wir sie nicht allein lassen.

BILD: Können Sie verstehen, dass sich Menschen in solchen Fällen dann auch von Gott abwenden?

Lehmann: Auch im Glauben gibt es Nacht und Wüste und Trockenheit. Gott muss man eigentlich immer suchen. Und zwischen Suchen und Finden kann unter Umständen eine lange Strecke sein.

BILD: Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich nicht an Gott glaube?

Lehmann: Das würde ich bei niemandem einfach voraussetzen. Aber es gibt auch keine Legitimation, nicht an Gott zu glauben. Ich bin sowieso skeptisch, wenn Menschen sagen, dass sie überhaupt nicht an Gott glauben. Irgendwo hat doch jeder einen letzten Halt, für den er vielleicht nur keinen Namen kennt. Ich sage gerne, Gott hat viele Vornamen, ob das Hoffnung, Gerechtigkeit oder etwa Liebe ist.

BILD: Sind die Menschen zu Weihnachten Gott näher?

Lehmann: Gott ist immer nahe bei uns. Er ist nahe – aber wir sind vielleicht weit weg. Aber dadurch, dass er nah ist, kann man sich ihm immer nähern. Natürlich bietet eine Zeit wie Weihnachten mehr Chancen, Gott kennenzulernen.

BILD: Erhört mich Gott auch, wenn ich nur zu Weihnachten bete?

Lehmann: Wenn ich ernsthaft bete, erhört mich Gott immer.

BILD: Wie bete ich überhaupt richtig?

Lehmann: Das Beten hat ungeheuer viele Möglichkeiten. Ob Menschen aus ihrem eigenen Leben erzählen, wenn sie Gott anrufen, ob sie klagen, ob sie schreien oder ob sie freudig sind.

BILD: Kann ich nur mit Hilfe der Bibel beten?

Lehmann: Beten können Sie immer und überall. Beten bedeutet, die Nähe zu Gott zu suchen. Das Gebet ist eine Oase in unserem Leben. Das kann oft ein sehr kurzes Gebet sein, das muss kein langes Gebet sein. Es gibt z. B. das Stoßgebet, wo ich nur sage: „Mein Gott!“ wenn ich nicht mehr zurechtkomme und mich ein Stück weit befreie aus der Enge dessen, was ich erlebe.

BILD: Darf man sich von Gott auch etwas wünschen, etwa „Lieber Gott, mach, dass ich ein Auto geschenkt bekomme ...“?

Lehmann: Natürlich gibt es auch Bitt-Gebete. Wenn ich krank bin oder vor einer Operation stehe und sage: Lieber Gott, gib, dass ich wieder gesund werde. Das ist ein ganz legitimes Gebet. Aber, Bitten kann auch schlechtes Betteln werden. Und kann sogar so weit führen, dass man mit Gott einen Kuhhandel treibt und sagt, also wenn ich wieder gesund werde, dann gehe ich öfter in die Kirche. Das ist ein unangemessenes Handeln mit Gott.

BILD: Wie feiern Sie selbst Weihnachten?

Lehmann: An vielen Weihnachten bin ich am Heiligen Abend zu einem sozialen Brennpunkt gegangen, habe mit Obdachlosen gefeiert, war im Waisenhaus, auf einer Krebsstation, in Gefängnissen, auch mal in einem Frauengefängnis. Dieses Jahr gibt es ein ganz einfaches Weihnachtsfest zu Hause mit meinen Mitbewohnern, mit den Ordensschwestern und meinem Sekretär, der im Haus wohnt. Abends gehe ich zur Messe in den Dom.

BILD: Und was gibt’s zu essen?

Lehmann: Ich brauche keine Weihnachtsgans, ich mach da kein großes Gelage. Weihnachten ist für mich nicht so vom Essen her definiert.

BILD: Welche Erinnerungen aus Ihrer Kindheit haben Sie an Weihnachten?

Lehmann: Ich bin 1936 geboren, während meiner ersten bewusst erlebten Weihnachten herrschte Krieg. Mein Vater war jahrelang an Weihnachten nicht bei uns. Mal wussten wir über Wochen und Monate gar nicht mehr, wo er ist und ob er überhaupt noch lebt. Weihnachten gab es damals auch keine Geschenke wie heute. Wir waren froh, wenn wir neue Strümpfe, neue Schuhe bekamen. Aber die Freude an diesen einfachen Dingen war vielleicht größer, als wenn ich heute Luxusgeschenke bekomme, die ich eigentlich nicht brauche. So habe ich an Weihnachten mit 10 Jahren zum ersten Mal eine Banane geschenkt bekommen und eine Orange gesehen. Und ich muss sagen, das kleine Glück von damals kommt mir eigentlich immer noch als sehr großes Glück vor. Und natürlich war die Freude groß, als mein Vater 1945 nach Hause kam, als wir wieder mit ihm und der ganzen Familie Weihnachten gefeiert haben. Aber ich werde auch die Gottesdienste und die Gespräche, die ich mit Obdachlosen hatte, nie vergessen. Menschen, denen das Leben oft böse mitgespielt hat, bei denen scheinbar alles danebengegangen ist.

BILD: Was ist das schönste Geschenk, das sich Menschen machen können?

Lehmann: Das allerschönste Geschenk ist, Zeit füreinander zu haben. Sich auch Zeit zu nehmen für jemanden, der leidet. Vielleicht auch für Menschen, mit denen nicht immer leicht umzugehen ist.

BILD: Was wünschen Sie sich selbst zu Weihnachten und für das neue Jahr?

Lehmann: Zeit. Schöne, gute Zeit. Und ich wünsche mir Frieden im Nahen Osten, dazu eine Lösung für die verzweifelte Situation im Irak und dass man mit schwierigen Regierungen wie im Iran, Syrien oder Libanon auf dem Weg des Gespräches eine Aussöhnung findet. Ich denke aber auch, dass es bei uns viel Leid gibt. In Berlin gibt es ca. 40 000 hungernde Kinder. Wir dürfen gerade zu Weihnachten nicht das Elend vor der eigenen Türe übersehen.
German Letzte Vorbereitung auf Weihnachten
Dec 19, 2006
Niemals sei es zu spät, sich auf Weihnachten vorzubereiten, bekräftigt Karl Kardinal Lehmann.

MAINZ, 18. Dezember 2006 (ZENIT.org).- In einem kurzen Beitrag für ZENIT-Leser gab der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der zugleich Bischof von Mainz ist, mit Blick auf die bevorstehende Feier des Weihnachtsgeheimnisses einige praktische Ratschläge, die dazu beitragen wollen, das, worauf es ankommt, im Trubel der Vorweihnachtszeit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Der Kardinal schreibt: „Auch die letzte Minute ist noch nicht zu spät, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Was kann man dafür tun? Geschäftliche Verhandlungen endlich beenden, persönliche Spannungen in Ordnung bringen, sich an einfachen Dingen erfreuen, Mut haben zu Ruhe und Besinnung, dabei auch einmal die Leere aushalten – Warten können wieder lernen.“

In einem ausführlichen Gespräch mit ZENIT erklärte Kardinal Lehmann im Juni dieses Jahres über seinen persönlichen Umgang mit dem Auferstandenen, dass er Jesus zwar nicht gleichsam auf die Schulter klopfen könne, dass aber dessen Zusage „Ich bin bei euch alle Tage“ (Mt 28,20) dennoch gültig sei.

„Wir erleben die Kraft dieser Gegenwart täglich, wenn wir hellhörig und sensibel bleiben für unsere Mitmenschen, für die Sorgen und Nöte der Zeit und für unser eigenes Leben. Das kann in Begegnungen mit Menschen geschehen, aber auch im Gebet und in Zeiten der Stille und Einkehr. Hier spricht Gott zu uns und ist uns nah. Die Heilige Schrift und die Eucharistie bilden, wie die Emmaus-Geschichte zeigt (vgl. Lk 24), die besten Zugänge zu Jesus Christus.“
German Jede Form von Antisemitismus verurteilt
Dec 01, 2006
Kardinal Lehmann sprach über Kirche und Judentum / Empfang in der Hechinger Synagoge.

(Schwäbisches Tagblatt, 30.11.2006) HECHINGEN. Aus Platzgründen referierte Karl Kardinal Lehmann am Dienstag in der Stiftskirche über „den heutigen Stand des Gesprächs“ zwischen „Kirche und Judentum“. Zuvor sprach Deutschlands ranghöchster Katholik in der Hechinger Synagoge über den Papstbesuch in der Türkei und andere aktuelle Fragen.

Was Karl Kardinal Lehmann am Dienstag in der Synagoge zu Hechingen über den Besuch des Papstes in der Türkei voraussagte, hat sich als richtig erwiesen. Im Gespräch mit dem TAGBLATT empfahl der Kardinal „weniger Aufregung auf allen Seiten, auch in den Medien. Viel verhaltener als erwartet waren ja die bisherigen Proteste, und dass Benedikt XVI. die Blaue Moschee (in Istanbul, d. Red.) besucht, wird doch auch als Zeichen des guten Willens erkannt werden“. Für die weitere Entwicklung des Verhältnisses von Muslims und Christen in der Türkei ist Lehmann zuversichtlich: „Ich habe mit Verantwortlichen in der Türkei gesprochen; viele sehen ein, dass man da vorwärts gehen muss, um wirklich Reziprozität (Wechselseitigkeit) in der Gewährung von Rechten zu erreichen, damit also die christlichen Kirchen in der Türkei endlich Eigentum besitzen dürfen, ein Altersheim, eine Kirche. Auf dem Weg der Aufklärung müssen wir weitergehen, und in der Türkei sind gerade auf dem Lande die Menschen oft noch wenig informiert. Vielleicht kann der Papstbesuch da sogar helfen“.

Besonnenheit bevorzugt

Überhaupt bevorzugt der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz besonnene, abwägende Sätze, ohne dabei deutliche Stellungnahmen zu scheuen. So wichtig der Dialog mit anderen nichtchristlichen Religion und besonders dem Islam auch sei: „Zum Judentum gibt es eine ganz einzigartige Beziehung, die ich nachher im Vortrag erkläre.“ Dass die katholischen Kirche sich meist zögerlicher als die evangelische zu eher weltlichen, auch aktuellen sozialen Fragen äußert, sei wohl wahr, aber doch nicht verkehrt. „Ach, es sind doch ausgereifte Stellungnahmen nachhaltiger, und das Aktuelle kann auch bloß Modisches sein.“ Zur Verkündigung des Glaubens – „zentral ist die Nächstenliebe“ – gehört auch das Eintreten für soziale Gerechtigkeit, und den Fragebogen, den Baden-­Württembergs Innenminister Rech für einbürgerungswillige Menschen vorschreibt, hält er für „ganz untauglich und überflüssig“.

Fast totale Kehrtwendung

Vor seiner großen Rede in der Stiftskirche – über 600 Hörer/innen waren gekommen – dankte der Kardinal dem Hechinger Förderverein Alte Synagoge, dessen beharrliche und energische Arbeit es ermöglichte, das in den Novemberpogromen 1938 zerstörte und entweihte Gotteshaus so zu renovieren, dass in ihm seit 2003 wieder jüdische Gottesdienste gefeiert werden können. Die 1965 verabschiedete Konzilserklärung „Nostra Aetate – in unserer Zeit“ über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen bezeichnete Lehmann als „Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Kirche und Judentum“, sogar als „fast totale Kehrtwendung im Blick auf die bisherigen Äußerungen der Kirche“.

Die „bisherigen Äußerungen“ erwähnte der Kardinal nicht eigens. Verkürzt wäre zu sagen, dass die Erklärung von 1965 mit rund 1900 Jahren des kirchlichen Antijudaismus bricht – religiös begründetem Antisemitismus, der sich besonders während der faschistischen Epoche mit rassistischer Judenfeindlichkeit verbündete. Nostra Aetate beklagt und verwirft offiziell „alle Hassausbrüche und Äußerungen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von wem auch immer gegen das Judentum gerichtet haben“.

Judentum gleichwertig

Zu einem der meistdiskutierten Texte, obwohl er der kürzeste des Konzils ist, wurde die „Nostra Aetate“-­Erklärung auch, weil sie deutlich die Annahme einer „Schuld der Juden“ an der Kreuzigung Jesu ablehnte und „alle Prediger und Katecheten (Glaubens-­Unterweiser) ermahnte, sich vor jeglicher Verfälschung der christlichen Botschaft durch feindseliger Ausfälle gegen die Juden der Zeit Jesu und der heutigen Zeit zu hüten“. Das Konzil bekräftigte, „dass die Juden weiterhin von Gott geliebt werden, der sie mit einer unwiderruflichen Berufung erwählt hat“. Die Aufforderung zum „geschwisterlichen Gespräch“ zwischen Christen und Juden wurde eifrig befolgt, und die mit „Nostra Aetate“ eingeleitete Kehrtwendung führte zur Anerkennung der Gleichwertigkeit des Judentums, was die Chance auf Erlösung betrifft. Missionierung von Juden lehnt die katholische Kirche ab.

Antisemitismus ist Sünde

In mehreren Erklärungen haben seither der Heilige Stuhl und Bischöfe die Mitschuld der Institution Kirche am Massenmord an den Juden bekannt. Kardinal Lehmann zitierte Papst Johannes Paul II.: „Die Juden sind unsere bevorzugten Brüder, und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder.“ Und: „Der Antisemitismus ist ein Sünde gegen Gott und die Menschheit.“ Mit Zitaten wies Lehmann nach, dass Benedikt XVI. diese Überzeugungen seines Vorgängers teilt. Natürlich sei es möglich, „Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu üben, ohne gleich in den Verdacht des Antisemitismus zu geraten“, hatte Lehmann im Vorgespräch gesagt, „die wird auch in Israel diskutiert!“
German Kardinal Lehmann würdigt in Berlin Leben und Wirken von Joseph Kardinal Höffner (1906-1987)
Nov 17, 2006
Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag des Begründers der Christlichen Gesellschaftslehre.

BERLIN, 16. November 2006 (ZENIT.org).- Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hat heute in Berlin die besondere Bedeutung des Lebens und Wirkens von Joseph Kardinal Höffner (1906-1987) gewürdigt. Kardinal Lehmann sprach bei der Vorstellung eines Sonderpostwertzeichens, das aus Anlass des bevorstehenden 100. Geburtstags von Kardinal Höffner (24. Dezember) vom Bundesfinanzministerium herausgegeben wird. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Karl Diller MdB, stellte die Sonderbriefmarke im Wert von 55 Cent im Rahmen einer kleinen Feierstunde der Öffentlichkeit vor.

Als einer der Begründer der Christlichen Gesellschaftslehre habe Joseph Kardinal Höffner – von 1951 bis 1962 Professor der Christlichen Sozialwissenschaften in Münster und langjähriger Direktor des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften – immer wieder die Priorität des Gemeinwohls jenseits aller partikularen Interessen betont, erklärte Kardinal Lehmann nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz in seiner Ansprache. In den wissenschaftlichen Beiräten verschiedener Bundesministerien war er einer der Initiatoren vieler sozialpolitischer Maßnahmen, die zum festen Bestandteil der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gehören, darunter die „dynamische Rente“, Eigentumsstreuung als Ziel der Sozialpolitik, Familienlastenausgleich, Handwerkerversorgung und Vermögensbildung in Arbeiterhand. „Wenn man heute Aufsätze dieser Zeit liest, staunt man über die aktuelle Frische seiner Äußerungen“, bemerkte Kardinal Lehmann über den zweifach promovierten und habilitierten Theologen, der sich durch Qualitätssinn und Nüchternheit, durchsichtige Logik und prägnante Knappheit ausgezeichnet habe.

Auch nach seiner Ernennung zum Bischof im Jahr 1962 habe sich Höffner vor allem für praktische Fragen engagiert, erinnerte Lehmann. Als Vorsitzender der Kommission für Gesellschaftspolitische Fragen der Deutschen Bischofskonferenz (1966-1976) habe er sich u. a. besonders für das Lebensrecht des ungeborenen Kindes und des sterbenden Menschen sowie die Diskussion um Reform des Strafrechts engagiert. Und auch als Bischof von Münster (1962-1969), Erzbischof von Köln (1969-1987) sowie als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (1976-1987) habe Kardinal Höffner stets über nationale Grenzen hinaus gedacht. Der Aufbau eines geistig fundierten und starken Europas war ihm ein „Herzensanliegen“ und „er wurde nicht müde, für eine wirksame Entwicklungspolitik zu werben und für eine gerechte Verteilung der Güter dieser Welt bis hin zu notwendigen Landreformen einzutreten“, erklärte Lehmann, der 1987 zum Nachfolger Höffners im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurde.

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hatte beim Gedächtnisgottesdienst zum 19. Todestag von Kardinal Höffner am 15. Oktober im Hohen Dom zu Köln betont: „Wir verehren in Kardinal Höffner einen tiefgläubigen Christen, einen christusförmigen Priester, einen klugen und hochintelligenten theologischen Wissenschaftler und einen apostolisch denkenden und handelnden Bischof“.
German Ungleiche Berichterstattung über Christentum und Islam
Oct 06, 2006
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, beobachtet eine ungleiche Berichterstattung über Christentum und Islam in den Medien. "Gelegentlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Künstler, Journalisten und Intellektuelle, die sich dem Christentum gegenüber besonders mutig und kritisch gebärden und auch vor Häme und Spott nicht zurückschrecken, gegenüber dem Islam eine betont behutsame, manchmal ganz ängstliche Tonlage pflegen", sagte Lehmann dem "Focus" (München).

M ü n c h e n (PRO, 2.10.06) - Das Christentum sei in Europa lange als bestimmende Religion wahrgenommen worden, gegen deren tatsächliche oder angebliche Macht man durch gezielte Provokation angehen wollte. "In der Aufklärung und im Zeitalter der Revolution hat das besonders kräftig Gestalt angenommen. Aus dieser provokativen Religionskritik ist seit einigen Jahrzehnten ein meist bloß noch gedankenloser und oft primitiver Umgang mit den christlichen Symbolen hervorgegangen. Der Rest ist in der Comedy und der Popkultur gelandet", beklagte Lehmann weiter.

"Nicht mit religiösen Gefühlen spielen"

Bei der Abwägung zwischen der Freiheit von Meinung, Kunst und Presse oder der Achtung von religiösen Gefühlen und Symbolen gehe es "nicht um eine Rangliste", so Lehmann. "Beides ist wichtig und Grundlage unseres Zusammenlebens. Entscheidend ist, dass mit der Freiheit in Kunst und Presse verantwortungsvoll umgegangen wird. Das schließt ein, religiöse Gefühle nicht zu verletzen, nicht mit ihnen zu spielen."

Politik müsse sich zudem bewusst machen, dass der Glaube für die Menschen wichtig sei und vernünftige Rahmenbedingungen und Raum für die Entfaltung und Vermittlung des Glaubens schaffen. "Die Politik muss beispielsweise dafür Sorge tragen, dass Kindern bundesweit die Teilnahme am Religionsunterricht ermöglicht wird."
German Kardinal Lehmann lobt den Papst
Oct 05, 2006
Kardinal Karl Lehmann hat sich zufrieden über die Einladung des Papstes zum Gipfeltreffen mit muslimischen Diplomaten nach Castelgandolfo geäußert. Das sei eine positive und "freundliche Geste" gewesen.

(Zeit, 25.09.2006) Fulda - Er sei froh, dass der Vatikan "alles tut, um die Wogen zu glätten", sagte Lehmann zum Auftakt der diesjährigen Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Thema des Treffens sind Äußerungen des Papstes bei einer wissenschaftlichen Rede am 12. September in Regensburg. Unter Verwendung eines umstrittenen Zitats hatte Benedikt XVI. dort die Gewaltbereitschaft bei einigen islamischen Gruppen kritisiert.

Der Dialog zwischen Christentum und Islam habe eine lange Tradition. Es zeige sich aber, "dass er manchmal schwieriger ist, als man denkt", sagte Lehmann. Hier seien solche Zitate selbstverständlich. Dennoch habe es ein "böses Erwachen" gegeben. Positiv stimmten aber die vielen differenzierten Reaktionen wichtiger islamischer Länder. In der Diskussion "wird jetzt deutlich, worum es geht", betonte der Kardinal. Benedikt XVI. hatte in seiner Rede das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie von Glaube und Gewalt thematisiert.

Lehmann nahm die Diskussion zum Anlass, erneute Anstrengungen für die Integration der Türken in Deutschland zu fordern. Die Sprachkompetenz sei hierbei bislang vernachlässigt worden, kritisierte er.

Zur Vollversammlung in Fulda kommen bis Donnerstag 71 katholische Bischöfe und Weihbischöfe in Fulda zusammen. Schwerpunktthemen sind der Papst-Besuch sowie Kirche und Kultur. Am Mittwoch wollen die Bischöfe eine Erklärung zum Klimawandel veröffentlichen. (tso/AFP)
German Verantwortung übernehmen
Oct 05, 2006
Eröffnungsvortrag von Karl Kardinal Lehmann bei der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda

FULDA, 26. September 2006 (ZENIT.org).- Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, forderte am Montag in Fulda ein Konzept von sozialer Gerechtigkeit, dass dazu verpflichtet, „die Teilhabe eines jeden Menschen an der Entwicklung des menschlichen Lebens sicherzustellen“.

Ein ausführliches Referat des Kardinals, der dem Bistum Mainz als Bischof vorsteht, bildete den Auftakt der diesjährigen Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe, die vom 25. bis zum 28. September 2006 in Fulda tagen.

Zum Konzept der sozialen Gerechtigkeit, das Kardinal Lehmann für nötig hält, gehört auch „die Wiederherstellung der eigenen Fähigkeiten“ im Sinne einer verstärkten Übernahme von Eigenverantwortung – um „Schmarotzertum“ vorzubeugen und im Sinne des Subsidiaritätsprinzips „nicht Abhängigkeit, sondern Selbstständigkeit zu fördern“. Eindeutig bekannte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz zur sozialen Marktwirtschaft.

Kardinal Lehmann sagte zu Beginn, dass es zunächst notwendig sei, eine Begriffsklärung vorzunehmen. In seinem historischen Exkurs stellte er bei den verschiedenen Vertretern grundlegender ethischer Konzepte die Wandlung dieses Begriffs heraus, der nach mehreren Jahrhunderten zum „Gemeingut der Katholischen Soziallehre“ avanciert sei. So sei es „auch nicht zufällig, dass die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit schon in der Botschaft der Konzilsväter vom 20. Oktober 1962, also zu Beginn des Konzils, unter Verweis auf die Enzyklika ‚Mater et Magistra’ einen herausragenden Platz hat. Dies zeigt, wie der Begriff der sozialen Gerechtigkeit dynamisch und kontinuierlich Aufnahme gefunden hat.“

Wie und mit welchen Mitteln „soziale Gerechtigkeit“ erreicht werden kann, zeigte der Kardinal paradigmatisch anhand der biographischen Eckdaten des deutschen Bischofs Wilhelm Emmanuel von Kettelers auf. Mit ausgiebigen Quellenzitaten des herausragenden Oberhirten machte Lehmann die innere Entwicklung dieses Kirchenmanns durchsichtig, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der „sozialen Frage“ und dem Elend der Lohnarbeiter herausfordern ließ und nach und nach zur Überzeugung gelangte, dass sich der Staat als Garant dieser Gerechtigkeit soziales Engagement an den Tag legen müsse.

Das Referat führte Schritt für Schritt in den Gesinnungswandel dieses Vordenkers ein, der vom Glauben getragen und motiviert wurde. „Das Eintreten der Kirche für die soziale Gerechtigkeit und Liebe ist für Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler nicht Politik, sondern Seelsorge. In seiner wohl bekanntesten Schrift ‚Die Arbeiterfrage und das Christentum’ (1864) präzisierte Ketteler seinen Standpunkt“, resümiert Kardinal Lehmann den Standpunkt, den der Bischof anfänglich eingenommen habe. Aufgrund der Erfahrung der nachfolgenden Jahre habe er später die Notwendigkeit eines „Weges der Sozialpolitik“ gefordert. Konkret sei es dabei vor allem um einen „gewerkschaftlichen Zusammenschluss der Arbeiter und die Einschaltung der staatlichen Gesetzgebung zur Ordnung und Humanisierung der industriellen Arbeitswelt“ gegangen. „Dahinter steht eine prinzipiellere Annerkennung der modernen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, verbunden mit der Überzeugung, dass eine auf Einzelmaßnahmen gerichtete Sozialpolitik die entstandenen Nachteile wenigstens mildern kann“, so Kardinal Lehmann.

Im Einklang mit den sozialethischen Arbeiten Otto Höffes arbeitete er im zweiten Teil seines Referats die Schwerpunkte einer umfassenden Konzeption zur Erreichung von Lebenschancen heraus: „Die soziale Gerechtigkeit scheint mir zuerst wichtig zu sein im Bereich der fundamentalen Lebensmöglichkeiten, die von der nackten Existenz bis zu einem menschenwürdigen Leben reichen“ unterstrich der Mainzer Oberhirte. „Wenn ein Mitglied einer Gemeinschaft an einem grundsätzlichen Mangel hinsichtlich dieser elementaren Lebensmöglichkeiten leidet, dann ist die Gemeinschaft verpflichtet, ihm wenigstens im Sinne eines minimalen menschenwürdigen Lebens Hilfe zu leisten. Dies ist vor allem notwendig, um die Teilhabe eines jeden Menschen an der Entwicklung des menschlichen Lebens sicherzustellen.“

Dazu gehöre auch „die Wiederherstellung der eigenen Fähigkeiten“ im Sinne einer verstärkten Eigenverantwortlichkeit. „Wenigstens in einem Minimum sollte erkennbar sein, dass dieses grundsätzliche Engagement überhaupt existiert. Sonst müsste man ja eher davon sprechen, dass jemand die Gemeinschaft rücksichtslos und schamlos ausnützt und so durchaus auch zu einem ‚Schmarotzer’ werden kann.“

Abschließend untersuchte Kardinal Lehmann auch die politische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf diese Ziele und benannte so genannte „Fehlstellungen des Sozialstaats“, dessen Sozialsystem gerade „kollabiere“. Er bezog sich auf die gescheiterte Familienpolitik und die Langzeitarbeitslosigkeit.

Konkret bemängelte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass „Familien-, aber auch Bildungs- und Berufsbildungspolitik“, also die zukunftsorientierten Bereiche der Gesellschaftspolitik, bei der aktuellen Debatte weitgehend ausgeblendet würden.

„Zur Wahrnehmung ihrer Freiheit und damit zu eigenverantwortlichem Handeln müssen die Menschen fähig und befähigt werden“, bekräftigte der Kardinal. „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass Menschen an gesellschaftlichen Prozessen beteiligt werden. Ganz im Sinne des aus der Katholischen Soziallehre stammenden Subsidiaritätsprinzips muss es darum gehen, nicht Abhängigkeit, sondern Selbstständigkeit zu fördern.“
German Kardinal Lehmann stellt interreligiösen Dialog infrage
Sept 21, 2006
Unter dem Eindruck anhaltender muslimischer Proteste gegen die Regensburger Vorlesung des Papstes hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, klare Bedingungen für einen fruchtbaren interreligiösen Dialog formuliert.

(Die Welt, 20.09.2006) Berlin/Bonn - Beim traditionellen Sankt-Michaels-Empfang in Berlin warnte Lehmann gestern vor der "naiven, jedoch weitverbreiteten" Vorstellung, das Gespräch der sogenannten drei abrahamitischen Religionen (Christen, Juden, Muslime) sei eine "Art Hilfsaggregat" der Politik, das sich jederzeit zur Beruhigung internationaler oder innergesellschaftlicher Konflikte anwerfen lasse. Es sei wichtig, die Möglichkeiten eines solchen Dialogs sorgfältig auszuloten und sich dabei auch "der Grenzen einsichtig zu werden", wenn man nicht in Enttäuschung oder Frustration verfallen wolle. Der Kardinal forderte dazu auf, zu fragen, inwieweit in der heutigen Gewaltproblematik der muslimischen Religion die theologische Tradition des kämpfenden und herrschenden Islam, "die mit einer gewissen Ungebrochenheit die Zeiten überdauert zu haben scheint", eine Rolle spiele. Es müssten im Gespräch mit dem Islam unbedingt die Freiheits- und Menschenrechte thematisiert werden. "Die Antwort auf die Frage, ob der heutige Islam im Sinne der Moderne freiheitsfähig ist, hängt auch davon ab, wie sich Muslime zum traditionellen Konzept der Einheit von Religion und Gemeinwesen und zum Gedanken der Herrschaft des Islam verhalten", sagte Lehmann in seiner in Bonn vorab verbreiteten Rede. Er hoffe auf "Bewegung" auf islamischer Seite in all diesen Fragen. Die augenblickliche Krisensituation beruhe wesentlich auch auf einem innerislamischen Konflikt, der nicht einfach auf dem Wege eines interreligiösen Dialogs gelöst werden könne. "Und ebenso wenig vermag das Gespräch der Religionen die fundamentale politische Auseinandersetzung über Gebietsansprüche und die staatliche Existenz der Völker im Heiligen Land überwinden." Der Kern des Konflikts im Nahen Osten, befand der Kardinal, sei nicht religiöser Natur. Zwar könne die Überwindung der dschihadistisch-islamistischen Ideologie letztlich nur innerhalb des Islam selbst erfolgen, hob Lehmann weiter hervor. Im Gespräch zwischen den Religionen ließen sich allerdings Fehlentwicklungen der jeweils anderen Religion korrigieren. Voraussetzung sei freilich, dass sich ein solcher Dialog nicht von "bloßer Aktualität" leiten lasse. "Der interreligiöse Dialog muss seine eigene Agenda entwickeln", forderte der Vorsitzende des katholischen Episkopats. "Ein bloßes Schauspiel des Dialogs bliebe leer und fruchtlos." Der Kardinal stellte in seinem Vortrag klar, dass das Christentum dem Judentum in einer grundlegend anderen Weise verbunden sei als dem Islam. Es sei schließlich aus dem Judentum hervorgegangen. Die Beziehung zu den Muslimen könne deshalb für die katholische Kirche niemals eine "konstitutive, theologisch im eigentlichen Sinne grundlegende Bedeutung" haben.
German "Papst hat rasch seinen eigenen Stil gefunden"
Sept 12, 2006
Es ist ja schon eine nicht übersehbare Leistung, wenn der Papst sich täglich mit voller Kraft um die Nöte und Sorgen der Kirche und der Menschen auf der ganzen Welt kümmert.

(dpa, 21.08.2006) Frage : Nach dem Weltjugendtag in Köln kommt Papst Benedikt XVI. zum zweiten Mal nach Deutschland. Was erwarten Sie von der zweiten Visite – wird es einen religiösen Schwung über den Tag hinaus, sozusagen einen Glaubenskick, geben ?

Kardinal Lehmann : Ich sehe den Besuch von Papst Benedikt XVI. vor allem von der persönlichen Seite her. Der Heilige Vater möchte einen Besuch in seiner Heimat machen, nicht zuletzt bei den Gräbern seiner Eltern und seiner Schwester Maria, aber auch bei seinem lebenden älteren Bruder Georg. Wenn ein Papst aber eine solche Reise unternimmt, kann er dies nicht einfach nur privat tun. Es gibt deshalb offi zielle Begegnungen und Kontakte, aber es ist kein Staatsbesuch. Ich glaube aber, dass diese Form des Besuches stärker auf die Menschen wirken kann als ein zweifellos eindrucksvolles, offi zielles Zeremoniell. Die Ausstrahlung seiner Person und des von ihr geprägten Amtes wird weit über die Kirche hinausreichen.

Frage : " Sie selbst sind bei der Begrüßung des Papstes am Münchner Flughafen dabei. An welchen Stationen werden Sie noch dabei sein und vor allem, werden Sie den Gottesdienst in der Neuen Messe München konzelebrieren ?

Kardinal Lehmann : Ich habe die Mitteilung bekommen, dass ich als Vorsitzender der Deutsche Bischofskonferenz während des Aufenthaltes des Heiligen Vaters mit den Bischöfen der vom Papst zu besuchenden Diözesen ( München, Regensburg, Passau ) zum päpstlichen Gefolge gehöre. Dies hat zur Konsequenz, dass ich wohl bei allen Stationen, wo dies möglich ist, dabei sein werde. Einzelheiten sind mir – vom Programm abgesehen – zurzeit auch noch nicht bekannt.

Frage : Der neue Papst ist mit sehr viel Euphorie begrüßt worden, doch erste Kritiker beklagen, dass sich unter dem Pontifikat von Benedikt bisher im Grunde nichts oder nur wenig bewegt hat. Welche theologischen Hoffnungen verbinden Sie selbst mit dessen Pontifi kat – gerade auch mit Blick auf die Ökumene und die Frage eines gemeinsamen Abendmahls, die so vielen konfessionsverschiedenen Ehepaaren ein Herzensanliegen ist ?

Kardinal Lehmann : Diese gelegentlich vorgebrachte Kritik am Pontifikat von Benedikt XVI. halte ich für grundfalsch. Er hat rasch einen eigenen Stil gefunden. Es ist ja schon eine nicht übersehbare Leistung, wenn der Papst sich täglich mit voller Kraft um die Nöte und Sorgen der Kirche und der Menschen auf der ganzen Welt kümmert. Er hat eine wichtige erste Enzyklika geschrieben. Die allermeisten Personalentscheidungen fanden Anerkennung. Die Menschen streben wie noch nie zu den Audienzen und den Begegnungsmöglichkeiten. Der Papst ist sehr " politisch ". Was will man mehr ? Dem Papst kommt es zuerst auf die Erneuerung und Vertiefung des Glaubens in den heutigen Zeitumständen an. Wenn dies gelingt, profi tiert auch die Ökumene davon. Aber hier kommt es ja nicht allein auf den Papst an.
German «Spät, aber nicht zu spät»
Sept 11, 2006
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann kritisiert das Bekenntnis von Günter Grass zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS als «reichlich spät». Zugleich warnte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz aber auch davor, Grass nun «deswegen moralisch zu verurteilen oder menschlich herabzusetzen».

Mainz (ddp, 16.8.2006). Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann kritisiert das Bekenntnis von Günter Grass zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS als «reichlich spät». Zugleich warnte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz aber auch davor, Grass nun «deswegen moralisch zu verurteilen oder menschlich herabzusetzen». In einem Kommentar für die am Donnerstag erscheinende Ausgabe der Kirchenzeitung des Mainzer Bistums «Glaube und Leben» forderte Lehman den Literaturnobelpreisträger stattdessen auf, sich selbst nachträglich bei den Personen zu entschuldigen, die er moralisch verurteilt habe.

Als «noch belastender» empfinde er die jahrelangen Attacken von Grass gegen Politiker wie Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Franz Josef Strauß, schreibt der Kardinal. Lehmann erinnerte in diesem Zusammenhang insbesondere an einen offenen Brief von Grass aus dem Jahr 1966 zur Wahl von Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler, in dem der Schriftsteller wegen Kiesingers Mitgliedschaft in der NSDAP regelrecht auf diesen «eingedroschen» habe.

Das nun erfolgte Bekenntnis von Grass komme zwar spät, aber nicht zu spät, unterstrich der Bischof. Es bleibe bei einer solchen Einsicht noch Zeit für ein «angemessenes Wort der Entschuldigung», das man auch «Wiedergutmachung» nennen könne.
German Kardinal wischt die Bibel vom Tisch
Sept 11, 2006
In einem bereits im vergangenen Oktober publizierten Artikel behauptete ein deutscher Kardinal, daß es für Juden einen Heilsweg ohne Christus gebe.

(kreuz.net, 29. August 2006) Zum 40. Jahrestag der Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ veröffentlichte die Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz einen Artikel ihres Vorsitzenden, Karl Kardinal Lehmann.

Die Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ behandelt das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, besonders zum Judentum und zum Islam.

Der Artikel von Kardinal Lehmann wurde am 28. Oktober 2005 publiziert und steht unter dem Titel „Nostra Aetate – ein folgenreicher Konzilstext“.

Der Kardinal erklärt darin, die Kirche habe „über ihre lange vertretene Überzeugung selbstkritisch nachgedacht, Juden müßten, um das Heil erlangen zu können, getauft werden.“

Es sei zunehmend bewußt geworden, daß „Mission als Ruf zur Umkehr vom Götzendienst zum lebendigen und wahren Gott (1 Thess 1,9)“ nicht auf Juden angewandt werden könne.

Darum könne es in der Katholischen Kirche keine „judenmissionarischen“ Aktivitäten mehr geben:

Zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk gehe es um die Begegnung „auf der Ebene ihrer je eigenen religiösen Identität“ schreibt Kardinal Lehmann mit Hinweis auf eine Aussage von Papst Johannes Paul II. am 12. März 1979.

Einzelne Konversionen, die auf Grund einer „sehr persönlichen Entscheidung“ erfolgten, seien aber nicht ausgeschlossen.

Kardinal Lehmann erwähnt auch das Dokument „Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel“, das im Jahr 2001 von der Päpstlichen Bibelkommission publiziert wurde.

Es sei für die religiöse Verhältnisbestimmung zwischen Judentum und Christentum von besonderer Bedeutung, wenn in diesem Dokument ein „zweifacher Ausgang des Alten Testaments“ herausgestellt werde.

Kardinal Lehmann spricht von einer „je eigenständigen, aber in unterschiedliche Lebenszusammenhänge eingebundene und von daher je für sich berechtigte Lesart alttestamentlicher Traditionen in Judentum und Christentum“.

Im weiteren zitiert der Kardinal das Dokument der Päpstlichen Bibelkommission:

„Christen können und müssen zugeben, daß die jüdische Lesung der Bibel eine mögliche Leseweise darstellt, die sich organisch aus der jüdischen Heiligen Schrift der Zeit des Zweiten Tempels ergibt, in Analogie zur christlichen Leseweise, die sich parallel dazu entwickelte. Jede dieser beiden Leseweisen bleibt der jeweiligen Glaubenssicht treu, deren Frucht und Ausdruck sie ist. So ist die eine nicht auf die andere rückführbar.“

Dagegen verweisen katholische Kritiker solcher Darstellungen unter anderem auf die Rede des Apostels Petrus in Jerusalem, wie sie im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte berichtet wird.

Darin fordert der Apostelfürst „das ganze Haus Israel“ auf, mit Sicherheit zu erkennen, daß „Jesus, den ihr gekreuzigt habt“, von Gott zum Herrn und Messias gemacht wurde.

„Bekehrt euch, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden“, ruft der heiligen Petrus seinen Landsleuten zu und beschließt mit dem Aufruf:

„Rettet euch aus diesem verderbten Geschlecht!“ (Apg.2,36ff.).
German Kardinal wischt die Bibel vom Tisch
Sept 11, 2006
In einem bereits im vergangenen Oktober publizierten Artikel behauptete ein deutscher Kardinal, daß es für Juden einen Heilsweg ohne Christus gebe.

(kreuz.net, 29. August 2006) Zum 40. Jahrestag der Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ veröffentlichte die Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz einen Artikel ihres Vorsitzenden, Karl Kardinal Lehmann.

Die Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ behandelt das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, besonders zum Judentum und zum Islam.

Der Artikel von Kardinal Lehmann wurde am 28. Oktober 2005 publiziert und steht unter dem Titel „Nostra Aetate – ein folgenreicher Konzilstext“.

Der Kardinal erklärt darin, die Kirche habe „über ihre lange vertretene Überzeugung selbstkritisch nachgedacht, Juden müßten, um das Heil erlangen zu können, getauft werden.“

Es sei zunehmend bewußt geworden, daß „Mission als Ruf zur Umkehr vom Götzendienst zum lebendigen und wahren Gott (1 Thess 1,9)“ nicht auf Juden angewandt werden könne.

Darum könne es in der Katholischen Kirche keine „judenmissionarischen“ Aktivitäten mehr geben:

Zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk gehe es um die Begegnung „auf der Ebene ihrer je eigenen religiösen Identität“ schreibt Kardinal Lehmann mit Hinweis auf eine Aussage von Papst Johannes Paul II. am 12. März 1979.

Einzelne Konversionen, die auf Grund einer „sehr persönlichen Entscheidung“ erfolgten, seien aber nicht ausgeschlossen.

Kardinal Lehmann erwähnt auch das Dokument „Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel“, das im Jahr 2001 von der Päpstlichen Bibelkommission publiziert wurde.

Es sei für die religiöse Verhältnisbestimmung zwischen Judentum und Christentum von besonderer Bedeutung, wenn in diesem Dokument ein „zweifacher Ausgang des Alten Testaments“ herausgestellt werde.

Kardinal Lehmann spricht von einer „je eigenständigen, aber in unterschiedliche Lebenszusammenhänge eingebundene und von daher je für sich berechtigte Lesart alttestamentlicher Traditionen in Judentum und Christentum“.

Im weiteren zitiert der Kardinal das Dokument der Päpstlichen Bibelkommission:

„Christen können und müssen zugeben, daß die jüdische Lesung der Bibel eine mögliche Leseweise darstellt, die sich organisch aus der jüdischen Heiligen Schrift der Zeit des Zweiten Tempels ergibt, in Analogie zur christlichen Leseweise, die sich parallel dazu entwickelte. Jede dieser beiden Leseweisen bleibt der jeweiligen Glaubenssicht treu, deren Frucht und Ausdruck sie ist. So ist die eine nicht auf die andere rückführbar.“

Dagegen verweisen katholische Kritiker solcher Darstellungen unter anderem auf die Rede des Apostels Petrus in Jerusalem, wie sie im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte berichtet wird.

Darin fordert der Apostelfürst „das ganze Haus Israel“ auf, mit Sicherheit zu erkennen, daß „Jesus, den ihr gekreuzigt habt“, von Gott zum Herrn und Messias gemacht wurde.

„Bekehrt euch, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden“, ruft der heiligen Petrus seinen Landsleuten zu und beschließt mit dem Aufruf:

„Rettet euch aus diesem verderbten Geschlecht!“ (Apg.2,36ff.).
German Kardinal wischt die Bibel vom Tisch
Sept 11, 2006
In einem bereits im vergangenen Oktober publizierten Artikel behauptete ein deutscher Kardinal, daß es für Juden einen Heilsweg ohne Christus gebe.

(kreuz.net, 29. August 2006) Zum 40. Jahrestag der Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ veröffentlichte die Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz einen Artikel ihres Vorsitzenden, Karl Kardinal Lehmann.

Die Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ behandelt das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, besonders zum Judentum und zum Islam.

Der Artikel von Kardinal Lehmann wurde am 28. Oktober 2005 publiziert und steht unter dem Titel „Nostra Aetate – ein folgenreicher Konzilstext“.

Der Kardinal erklärt darin, die Kirche habe „über ihre lange vertretene Überzeugung selbstkritisch nachgedacht, Juden müßten, um das Heil erlangen zu können, getauft werden.“

Es sei zunehmend bewußt geworden, daß „Mission als Ruf zur Umkehr vom Götzendienst zum lebendigen und wahren Gott (1 Thess 1,9)“ nicht auf Juden angewandt werden könne.

Darum könne es in der Katholischen Kirche keine „judenmissionarischen“ Aktivitäten mehr geben:

Zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk gehe es um die Begegnung „auf der Ebene ihrer je eigenen religiösen Identität“ schreibt Kardinal Lehmann mit Hinweis auf eine Aussage von Papst Johannes Paul II. am 12. März 1979.

Einzelne Konversionen, die auf Grund einer „sehr persönlichen Entscheidung“ erfolgten, seien aber nicht ausgeschlossen.

Kardinal Lehmann erwähnt auch das Dokument „Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel“, das im Jahr 2001 von der Päpstlichen Bibelkommission publiziert wurde.

Es sei für die religiöse Verhältnisbestimmung zwischen Judentum und Christentum von besonderer Bedeutung, wenn in diesem Dokument ein „zweifacher Ausgang des Alten Testaments“ herausgestellt werde.

Kardinal Lehmann spricht von einer „je eigenständigen, aber in unterschiedliche Lebenszusammenhänge eingebundene und von daher je für sich berechtigte Lesart alttestamentlicher Traditionen in Judentum und Christentum“.

Im weiteren zitiert der Kardinal das Dokument der Päpstlichen Bibelkommission:

„Christen können und müssen zugeben, daß die jüdische Lesung der Bibel eine mögliche Leseweise darstellt, die sich organisch aus der jüdischen Heiligen Schrift der Zeit des Zweiten Tempels ergibt, in Analogie zur christlichen Leseweise, die sich parallel dazu entwickelte. Jede dieser beiden Leseweisen bleibt der jeweiligen Glaubenssicht treu, deren Frucht und Ausdruck sie ist. So ist die eine nicht auf die andere rückführbar.“

Dagegen verweisen katholische Kritiker solcher Darstellungen unter anderem auf die Rede des Apostels Petrus in Jerusalem, wie sie im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte berichtet wird.

Darin fordert der Apostelfürst „das ganze Haus Israel“ auf, mit Sicherheit zu erkennen, daß „Jesus, den ihr gekreuzigt habt“, von Gott zum Herrn und Messias gemacht wurde.

„Bekehrt euch, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden“, ruft der heiligen Petrus seinen Landsleuten zu und beschließt mit dem Aufruf:

„Rettet euch aus diesem verderbten Geschlecht!“ (Apg.2,36ff.).
German Libanon: Kardinal Lehmann fordert Verhältnismäßigkeit ein
Aug 04, 2006
Sicherheit für Israel und sofortigen Schutz der Zivilisten im Libanon hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Karl Lehmann gefordert.

(Radio Vatikan, 28/07/2006) In gleich lautenden Briefen an die katholischen Patriarchen des Nahen Ostens verurteilt der Kardinal die seit Herbst 2005 anhaltenden – so wörtlich - „Terrorakte gegen die israelische Zivilbevölkerung und die Verschleppung israelischer Soldaten, die den Auftakt des neuerlichen gewalttätigen Konflikts bilden“. Israel habe das Recht, „seine Existenz in gesicherten Grenzen zu verteidigen“. Er erinnerte aber auch an das Prinzip der Verhältnismäßigkeit beim Einsatz militärischer Mittel. Kampfhandlungen dürften nicht unterschiedslos auch einer großen Anzahl von Zivilisten schwerste Schäden zufügen. Von allen Verantwortlichen forderte er „ein ernsthaftes und rasches Bemühen“ um die Beendigung der Kämpfe.
German Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, zur Stellungnahme des Nationalen Ethikrates "Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende" am 13. Juli 2006
Jul 31, 2006
"Es ist eine Aufgabe aller, das Vertrauen der Sterbenden in den ihnen geschuldeten Beistand zu festigen"

BONN, 14. Juli 2006 (ZENIT.org).- Am gestrigen Donnerstag hat der Nationale Ethikrat eine 62-seitige Stellungnahme (pdf-Format) zum Thema Sterbebegleitung vorgestellt, die insgesamt positiv aufgenommen wurde, jedoch auch Anlass zu kritischen Anfragen gab.

Zu einigen wichtigen Fragen war es unter den Mitgliedern des Expertengremiums zu keinen einstimmigen Antworten gekommen, und ihre Begründungen blieben, wie das "Ergänzende Votum" am Ende der Stellungnahme feststellt, "an manchen Stellen zu undeutlich".

Wörtlich heißt es in dieser Ergänzung, die vom Augsburger Weihbischof Anton Losinger, dem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien, Dr. Peter Radtke, sowie dem Theologieprofessor Dr. Eberhard Schockenhoff unterzeichnet wurde: "Sie zeichnen ein Bild vom Menschen, das einseitig an den Idealen von Selbstbestimmung, Autonomie und Unabhängigkeit ausgerichtet ist." Die Achtung vor der Würde des schwer kranken und sterbenden Menschen erfordere jedoch "mehr als bloßen Respekt vor einer angeblich unbeeinflussten Selbstbestimmung", fügten sie hinzu. "Die Achtung vor der Person des Schwerkranken und Sterbenden erfordert daher die Bereitschaft, ihm in der letzten Phase seines Lebens verlässlich beizustehen; dazu gehört auch das gemeinsame Warten auf den Tod und das Dabeibleiben, das den Sterbenden nicht seiner Einsamkeit und Not überlässt."

In seiner Erklärung zum Dokument "Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende" kritisiert Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, im Namen der deutschen Bischöfe insbesondere die Aussagen zum Sprachgebrauch sowie die angeführten Überlegungen zu Suizid, Suizidintervention und Beihilfe zum Suizid. Diesbezüglich stellte der Kardinal fest: "Entschieden abzulehnen ist der Vorschlag einer öffentlichen Duldung oder Förderung institutionalisierter Suizidbeihilfe."

* * *

Wir begrüßen, dass der Nationale Ethikrat in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme "Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende" wichtige Fragestellungen zum Thema Sterben und Umgang mit Sterbenden aufgreift, die seit einigen Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch in unseren Nachbarländern kontrovers diskutiert werden.

Die Sorge um eine menschenwürdige Sterbebegleitung, die sich an den Grundsätzen von Leidminderung, Zuwendung und Fürsorge orientiert und jeder Form von aktiver Sterbehilfe, die ja Tötung ist, eine klare Absage erteilt, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie hat für die Kirchen allerhöchste Bedeutung.

Nach einem einleitenden Kapitel "Der Mensch und sein Tod" analysiert der Text verschiedene gesellschaftliche, kulturelle und historische Aspekte im Blick auf Entscheidungen am Lebensende und beschreibt unterschiedliche Orte und Einrichtungen, in denen Menschen in unserer Gesellschaft sterben. Schwerpunkte der Stellungnahme bilden eine Problematisierung des heutigen Sprachgebrauchs im Zusammenhang von Sterbebegleitung und Fragestellungen im Kontext der Selbsttötung. Der Text endet mit abschließenden Empfehlungen sowie einem "Ergänzenden Votum", das von Dr. Dr. Anton Losinger, Weihbischof in Augsburg, Dr. Peter Radtke, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien, sowie Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, katholischer Professor für Moraltheologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., abgegeben wurde. Dieses klare Votum, für das ich den Autoren sehr dankbar bin, arbeitet besonders die Aspekte heraus, die in der Stellungnahme des Nationalen Ethikrates zu kurz kommen oder nur unzureichend deutlich werden.

Wir begrüßen, dass sich der Nationale Ethikrat einmütig dafür ausspricht, die Strafbarkeit und damit das Verbot der Tötung auf Verlangen beizubehalten, jede Form der Anstiftung zur Selbsttötung als ethisch verwerflich zu verurteilen und alle gewinnorientiert betriebenen Formen der Sterbebegleitung abzulehnen.

Es fällt jedoch auf, dass es in vielen anderen grundlegenden Fragen offenbar keine Einigkeit unter den Mitgliedern gibt und auch die ethischen und rechtlichen Begründungen recht unterschiedliche Sichtweisen und Bewertungen zum Ausdruck bringen. So ist es außerordentlich befremdlich, wenn der Eindruck entsteht, dass das Verbot der Tötung auf Verlangen nach Meinung einiger Mitglieder des Nationalen Ethikrates lediglich aus Rücksicht auf die besondere historische Situation in Deutschland aufrechterhalten wird. Wir bedauern, dass in vielen wichtigen Fragen kein größerer Konsens erzielt werden konnte.

Insbesondere im Blick auf die Überlegungen zu Suizid, Suizidintervention und Beihilfe zum Suizid, die im Vergleich zu vielen anderen wichtigen Fragestellungen in der Stellungnahme merkwürdig ausführlich behandelt werden, weichen die Auffassungen und Voten zum Teil erheblich voneinander ab. Dies gilt auch im Blick auf die Aufgaben und Pflichten von Ärztinnen und Ärzten in diesem Zusammenhang.

Die Kirche, aber auch die Ärzteschaft selbst hat immer wieder unmissverständlich deutlich gemacht, dass eine Mitwirkung von Ärzten bei der Selbsttötung dem ärztlichen Ethos widerspricht. Das ergänzende Votum betont deshalb ausdrücklich: "Die Bereitstellung von Mitteln, die den Suizid ermöglichen oder die direkte Beteiligung an derartigen Handlungen sind mit dem ärztlichen Ethos unvereinbar. … Im ärztlichen Ethos oder in standesrechtlichen Vorschriften verankerte Regelungen zur ärztlichen Suizidbeihilfe würden … dem irrtümlichen Eindruck Vorschub leisten, es handle sich dabei um Tätigkeiten, die zum normalen Auftrag des Arztes gehören und denen er sich allenfalls durch die Berufung auf einen entgegenstehenden Gewissenszwang entziehen könne."

Entschieden abzulehnen ist der Vorschlag einer öffentlichen Duldung oder Förderung institutionalisierter Suizidbeihilfe. Die Akzeptanz solcher Angebote würde den Schutzauftrag der Gesellschaft gegenüber suizidgefährdeten Menschen aushöhlen und dem Suizid den Anschein von Normalität und gesellschaftlicher Akzeptanz verleihen.

Im Blick auf die angeregte Debatte über den Sprachgebrauch im Zusammenhang mit Sterbebegleitung halten wir fest: Auch terminologisch muss eine unmissverständliche Unterscheidung zwischen solchen Handlungen aufrechterhalten bleiben, die den Tod aktiv herbeiführen und deshalb ethisch entschieden abzulehnen sind, und solchen, die dem Sterbenden bei einem menschenwürdigen Sterben beistehen, ohne den Tod in irgendeiner Weise herbeizuführen.

Es ist eine Aufgabe aller, das Vertrauen der Sterbenden in den ihnen geschuldeten Beistand zu festigen. Dieser verlässliche Beistand für Sterbende muss auch durch die Rechtsordnung und durch die medizinische Gesundheitsfürsorge gewährleistet werden. Mit Nachdruck unterstützen wir deshalb den grundsätzlichen Hinweis des "Ergänzenden Votums": Selbstbestimmung, Autonomie und Unabhängigkeit am Lebensende dürfen nicht ausgespielt werden gegen Fürsorge, Unterstützung und die Notwendigkeit ausreichender medizinischer Versorgung und pflegerischer Betreuung, mitmenschlicher Nähe und Zuwendung. Gerade in der genaueren Verhältnisbestimmung zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge, vor allem am Lebensende, liegt eine entscheidende Aufgabe, die über die "Stellungnahme" hinausführen muss und für die das christliche Menschenbild noch zu wenig genützte Einsichten bereit hält.
German Kinder spielen Klassik
Jul 12, 2006
Kardinal Lehmann Schirmherr des Schott-Workshops mit Justus Frantz.

(Main-Rheiner, 12.07.2006) "Oh, das hat Gewicht", sagte Kardinal Lehmann, als er zum 70. Geburtstag nachträglich einen Ehrenpreis von Prof. Udo Ungeheuer überreicht bekam. "In die fünf Kilo schwere Glasstele aus reinem so genanntem optischem Glas wurden Bischofswappen samt Widmung fein säuberlich "hineingelasert", sagte der Vorstandsvorsitzende der Schott AG.

Anlass für das Treffen im Bischofshaus gab es gestern noch einen weiteren: Erstmals findet ein viertägiger Klassik-Workshop "Kinder musizieren mit Justus Frantz" vom 22. bis 25. August unter Schirmherrschaft des Kardinals statt - initiiert und gefördert von der Schott AG. Höhepunkt wird ein klassisches Konzert auf dem Markt am 27. August um 16 Uhr sein.

Insgesamt 100 Kinder zwischen 8 und 16 Jahren aus 20 Mainzer Schulen nehmen daran teil. Das Musikprojekt durchführen wird der Dirigent und Pianist Justus Frantz mit seiner von ihm 1994 gründeten "Philharmonie der Nationen". Zur Auswahl stehen für die Kinder drei Stücke, erklärte Ungeheuer, unter anderem Haydns "Kindersymphonie" C-Dur.

"Ich freue mich, dass ein Wirtschaftsunternehmen wie Schott als kultureller und gesellschaftlicher Mäzen auftritt", würdigte Lehmann das Engagement. Es könnten "nicht genug" Kinder an schöpferisch-kreativen Aufgaben herangeführt werden, um "verborgene Gaben zu entdecken", so der Kardinal zu seinem Amt als Schirmherr.

"Unser Ziel ist es, Werte zu vermitteln", begründet Ungeheuer die Initiative und das soziale Engagement des Konzerns, das bereits Schotts Gründungsväter betrieben hätten. "Fleiß, Disziplin, mit anderen zusammenwirken zu wollen und dabei Erfolg erleben, das sind Eigenschaften, die wir bei Kindern gerne fördern." Am Workshop nähmen nicht nur Kinder von Schott-Mitarbeitern teil. "Wir haben alle 26 Mainzer Schulen aller Schulformen dazu eingeladen", so Ungeheuer, damit jeweils zwei Schüler je Schule an der Aktion teilnehmen können.

Das Musikprojekt sei auf insgesamt drei Jahre angelegt. Ein Workshop mit Konzert soll es künftig zwei Mal im Jahr geben.
German "Von der Wahrheit des einen Gottes Zeugnis geben": Kardinal Lehmann über die christlich-jüdische Zusammenarbeit
Jul 12, 2006
Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der Veröffentlichung von "Nostra Aetate" in Berlin

BERLIN, 7. Juli 2006 (ZENIT.org).- Auf Initiative des israelischen Botschafter in Berlin, Shimon Stein, fand gestern Nachmittag im Tagungszentrum der Katholischen Akademie eine hochrangig besuchte Festveranstaltung zum 40. Jahrestag des Erscheinens der Konzilserklärung Nostra Aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen statt.

Nach den beiden Festvorträgen, die Dr. Hans Hermann Henrix, der ehemalige Leiter der Akademie, und Rabbiner David Rosen, Präsident des Internationalen Jüdischen Komitees für den interreligiösen Dialog (IJCIC), hielten, richtete Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ein Schlusswort an die Anwesenden, in dem er dankbar auf die Vertiefung der Beziehung zwischen Christentum und Judentum zurückblickte.

Dank der Konzilserklärung habe sich das Verhältnis der Kirche zum jüdischen Volk entscheidend zum Positiven hin gewandelt. Allerdings gelte es nun, "die Verwurzelung der Kirche im Judentum und ihr bleibendes Angewiesensein auf diese Herkunft" noch mehr zu erforschen, fügte der Kardinal hinzu. Im Bereich der Liturgiewissenschaften geschehe das zurzeit. "Aber dies reicht nicht, denn wir müssen diese Ergebnisse noch viel stärker in das allgemeine Bewusstsein innerhalb und außerhalb der Kirche bringen."

Die Anstrengungen für einen nachhaltigen Bewusstseinswandel "dürfen nicht nachlassen", bekräftigte Kardinal Lehmann, der in diesem Zusammenhang auf die Erklärung Nostra Aetate – ein folgenreicher Konzilstext der deutschen Bischöfe verwies, wo es heißt: "Noch immer und wieder verstärkt gibt es auch in Deutschland und in den Ländern Europas antijüdische Ideologien, Propaganda und Ausschreitungen. Die Deutsche Bischofskonferenz weiß sich mit der ganzen Kirche einig, wenn sie dazu aufruft, solchen Tendenzen entgegenzuwirken" (6).

Anschließend rückte der Kardinal die bereits bestehende Zusammenarbeit in den Blick: "auf sozialem, ethischem und politischem Feld, zum Beispiel in der Bewahrung der Schöpfung, bei der Sicherung des Friedens, der Bekämpfung der Armut, dem Eintreten für die Menschenrechte und die Menschenwürde, bei der Klärung bioethischer Fragen und in der Kritik an der zunehmenden Ökonomisierung unseres Lebens". Die gemeinsamen religiösen Wurzeln, die theologisch noch zu vertiefen seien, bildeten das Fundament dieses gemeinsamen Engagements. "Von der Wahrheit des einen Gottes Zeugnis zu geben, ist die gegenwärtig wohl wichtigste Aufgabe von Christen und Juden", zitierte der Kardinal abschließend ein weiteres Mal aus der zuvor angeführten Erklärung.
German Der Kardinal ist Kult in Mainz
Jun 24, 2006
Bischof Karl Lehmann feiert mit der Stadt und den Gläubigen seinen 70. Geburtstag

(Wiesbadener Kurier, 22.05.2006) MAINZ - Sonne und Wolken, fröhliche Begegnungen, aber auch nachdenkliche Töne, all das gehörte gestern zum Bistumsfest. Rund um den Dom feierte die Mainzer Diözese mit mehr als 100 beteiligten Gruppen und tausenden Besuchern den 70. Geburtstag von Kardinal Karl Lehmann.

"Herr, bleibe bei uns, denn es wird Abend werden", zitiert der Bischof die Jünger. Sein 70. Geburtstag sei ihm auch Anlass, über die eigenen Kräfte und das eigene Ende nachzudenken. Er sei dankbar, wenn ihn die Gläubigen - noch mehr als sonst - in ihre Gebete einschlössen, und mit ihm seinen Weg gingen, so lange Gott wolle, dass er sein Amt ausübe. Nachdenkliche Worte, die aufhorchen lassen. Doch aus Lehmanns Umgebung heißt es beruhigend: Zur Besorgnis bestehe kein Anlass. Der Bischof habe nur so gebetet, wie es jeder "gute Katholik" tue; angesichts des 70. Geburtstags sei es selbstverständlich, an Alter und mögliche Krankheiten zu denken.

Dass das Leben des Menschen in Gottes Hand ist, dieses Motto durchzieht mit dem Wort aus dem Johannes-Evangelium "Gott ist größer als unser Herz" den Gottesdienst. So groß ist das rote Papp-Herz, das die Jungen und Mädchen im Kindergottesdienst gebastelt haben und auf die Bühne bringen, dass der Nachwuchs fast dahinter verschwindet. Das menschliche Herz könne sehr groß sein, sagt der Bischof, so groß wie die Liebe zweier Menschen zueinander, so groß wie das Streben, die Nöte anderer Menschen zu lindern.

Draußen auf dem Liebfrauenplatz gibt´s den Kardinal zum Vernaschen - für einen Euro. "Lecker", seufzt ein junges Mädchen und beißt dem süßen Karl genüsslich die Mütze ab. Ein Gedicht aus Biskuit und Marzipan.

Ein paar Dutzend Meter entfernt steht irgendwann der echte Kardinal Karl Lehmann: nicht zum Anbeißen, aber immerhin zum Anfassen. Und davon machen die Menschen reichlich Gebrauch. "Alles, alles Gute und viel Gesundheit", wünscht eine ältere Dame und drückt Lehmanns Hand, als wolle sie sie gar nicht mehr loslassen. Doch der Kardinal muss noch viele, viele Hände schütteln an diesem Tag - Tausende sind zum Bistumsfest rund um den Dom gekommen, um mit dem Bischof seinen 70. Geburtstag zu feiern.

Dass so viele hier sind: "Das freut mich schon", sagt Karl Lehmann bescheiden. Keine Frage - der Kardinal ist Kult. Er wird gefeiert wie ein Pop-Star, als er das Bad in der Menge nimmt. Junge Katholiken lassen sich mit ihm fotografieren, Kinder strecken schüchtern die Hand nach seinem Gewand aus. Lehmann übersieht keines von ihnen. Oft sieht man ihn gebückt, immer wieder geht er in Augenhöhe zu kleinen Jungen und Mädchen, spricht mit ihnen. Elisabeth, 8, schaut mit großen Augen zu. zupft dann ihre Mutter am Ärmel: "Kommt der Papst auch?"

Nein, der Papst ist nicht da, aber er verpasst was: Die Stimmung auf dem Domplatz ist toll, und der Kardinal ist bestens aufgelegt. Gleich nach dem Gottesdienst macht er beim Torwandschießen am Missio-Stand mit. Dann verspeist er zum Mittagessen schnell ein Würstchen, bevor er die lange Runde über Markt- und Liebfrauenplatz macht - stets umringt von Gratulanten aus seinem Bistum und über dessen Grenzen hinaus. Über 100 Pfarreien und Verbände sind vertreten; stellen ihre Arbeit vor, bieten Leckereien an. Auf drei Bühnen spielen Bands Musik, mal Kirchenlieder, mal Songs von ABBA - bekanntlich die Lieblingsband Lehmanns.
German Zuversicht aus dem Glauben
Jun 24, 2006
Predigt von Kardinal Karl Lehmann im Pontifikalgottesdienst am 16. Mai 2006 zum 70. Geburtstag

An einer Stelle in der Heiligen Schrift kommt der 70. Geburtstag vor. Der Mensch erfährt dabei seine Vergänglichkeit. Gegenüber der Ewigkeit Gottes sind die Worte des Psalmisten eher düster im Blick auf die Hinfälligkeit des Menschen: „Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub und sprichst: ‚Kommt wieder, ihr Menschen!’ Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht ... Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin.“ (Ps 90,3-4.10)

In Erinnerung an die Urgeschichte des Menschen wird die Erfahrung ausgesprochen, dass der Mensch nicht mehr im Paradies lebt und dass er unter Mühsal und im Schweiße seines Angesichts das Brot essen wird (vgl. Gen 3,16-19). Wenn er sich bis in das Alter abgearbeitet hat, spürt er diese Endlichkeit noch viel stärker.

Es ist gut, dass wir an die Begrenztheit des menschlichen Lebens erinnert werden, gerade auch an einem Geburtstag. Die Heilige Schrift weiß, dass dies freilich nicht nur unsere einzige Erfahrung ist, nämlich dass das Leben einfach und plötzlich ohne Ertrag zu Ende geht. Es fliegt nicht einfach weg wie ein Vogel. Wir haben auch Grund zum Dank. Dies beginnt schon mit unserem Dasein, das wir durch die Hand Gottes unseren Eltern verdanken. Es ist immer schon ein Wunder, dass wir überhaupt sind und unser Leben bis zum heutigen Tag bewahrt worden ist. Hier legt sich die Frage des Philosophen nahe: Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts? So ist das Erste an diesem Tag das Staunen darüber, dass wir grundlos in der Welt sind und durch die Güte Gottes leben dürfen. Dabei wollen wir nicht vergessen, dass es unzähligen Menschen auf unserer Welt viel schlechter geht. Für sie ist unser Leben oft zur Hölle geworden. Nicht alle wohnen auf der Sonnenseite der Erde. Um so mehr empfinden wir Dank und sind zum weltweiten Zeugnis von Glaube, Hoffnung und Liebe verpflichtet.

So gibt es auch keinen Anlass zu Selbstgerechtigkeit und Stolz. Mit Recht sagt der hl. Paulus: „Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ (1 Kor 4,7) Dies steigert nochmals unsere Dankbarkeit.

Vor so viel Gunst und Gnade entsteht in unserem Leben das, was ich gerne mit dem Wort Zuversicht bezeichnen möchte. Sie rührt davon her, dass es uns trotz mancher Schicksalsschläge bisher gut gegangen ist. Zuversicht ist mehr als Hoffnung. Sie ist auch viel mehr als ein bloßer Optimismus. Es ist eine intensive, gestärkte, begründete Hoffnung. Dies schafft Vertrauen und Gewissheit, dass wir auch in Zukunft diese gnädige Unterstützung und Begleitung erfahren dürfen. Diese Erfahrung lässt geradezu die Erwartung aufkommen, dass wir auch in Zukunft bewahrt werden. In treffenden Worten sagt dies schon der mailändische Kirchenvater und Bischof Ambrosius: „Zuversicht ist die Stärke unserer Hoffnung und zugleich so etwas wie Autorität, eine Ermächtigung des Hoffenden.“ (Erklärung zu Psalm 118, 15, 28)

Ich glaube, dass wir Christen diese Zuversicht im Glauben auf besondere Weise erfahren dürfen. Seitdem Gott in Jesus Christus bereits mitten in der Geschichte das Heil angekündigt und gebracht hat, wissen wir, dass Gott wirklich unter uns ist und mit uns das Leben teilt. Die Erfüllung der Hoffnung liegt nicht in endzeitlicher Ferne und ist keine verzweifelte Utopie, vielmehr ist sie gewiss vorläufig, bruchstückhaft und verletzlich, aber wirklich und erneuernd gegenwärtig. Man kann und darf darum zuversichtlich sein. Diese Zuversicht ist Sache aller Christen. Wir fliegen dabei nicht leichtfüßig und illusionär über die oft brutale Wirklichkeit unserer Welt. Schließlich ist es die Hoffnung, die am Holz des Kreuzes gesiegt hat. Deshalb ist die Zuversicht oft eher verborgen wirksam. Diese Hoffnung wird oft auch durch uns selbst, durch unsere Furcht, unsere Zweifel und unseren Kleinglauben verdeckt.

Verehrte, liebe Schwestern und Brüder, dies ist auch das Bekenntnis meines Lebens. Es ist eine auf Gott bauende, dadurch vertrauensvolle Zuversicht. Die Erfüllung dieser Erwartung verlangt Geduld und Gelassenheit. Dies ist etwas anderes als Nachlässigkeit. Wir legen nicht träge die Hände in den Schoß. Es ist eine aktive Geduld. Sie weiß, was der Herr uns sagt: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“ (Lk 17,10) Diese Zuversicht wächst durch die Erfahrung, dass Gott jedes begonnene Werk zur Vollendung führt: „Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu.“ (Phil 1,6)

Eine solche Zuversicht ist ein zentrales Kennzeichen des christlichen Glaubens. Wie schon das Neue Testament zeigt, ist diese Zuversicht gerade für die frühe Christenheit wichtig, weil sie nach dem ersten Aufschwung der Begeisterung im Glauben müde geworden ist und überall Phänomene einer schleichenden Resignation sowie des stillen Abfalls zeigt. Hier schenkt uns diese Zuversicht aus dem Glauben auch heute das beste Heilmittel (vgl. besonders Hebräer-Brief 11,1 u.ö.). Dafür ist uns in beiden Testamenten der Bibel Gottes Segen verheißen: „Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“ (Jer 17,7 f., vgl. auch Ps 1,3)

Dennoch dürfen wir die Klage über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, die wir am Anfang im Psalm 90 gehört haben, nicht vergessen. Es wäre sonst ein zu billiges Lob des menschlichen Lebens, auch wenn es aus dem Glauben erfolgt. Wir wissen schließlich um unsere Versäumnisse und unsere Vergehen. Gott kennt auch die Abgründe unseres Herzens. Es ist darum ein großer Trost, sagen zu dürfen: „Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles.“ (1 Joh 3,20 b)

Vor diesem Hintergrund mahnt uns der Psalmist nicht nur negativ im Blick auf die Hinfälligkeit des Menschen, er bittet auch um die rechte Lebensweisheit, mit unserer Endlichkeit so umzugehen, dass das Leben als Gabe Gottes angenommen und erfüllt gelebt werden kann. „Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.“ (Ps 90,12) Das Wissen um die Begrenztheit der uns zugemessenen Zeit soll uns die Kostbarkeit jedes einzelnen Tages bewusst machen. Wir sollen jeden Augenblick als Gabe des guten Schöpfergottes staunend annehmen und als Herausforderung bestehen. Ein weises Herz gewinnt einer, der seine Grenzen kennt, weil er an die Begrenztheit des menschlichen Lebens denkt.

So versöhnt uns auch der Psalmist am Ende bei aller eindringlichen Mahnung wieder: „Es komme über uns die Güte des Herrn, unseres Gottes. Lass das Werk unserer Hände gedeihen, ja lass gedeihen das Werk unserer Hände.“ (Ps 90,17) Amen.
German Tausende gratulieren Kardinal Lehmann
Jun 24, 2006
Bistumsfest mit Open-Air-Gottesdienst

(Wiesbadener Tagblatt, 22.05.2006) MAINZ - Knapp zehntausend Menschen kamen gestern zur großen Geburtstagsparty von Karl Kardinal Lehmann nach Mainz. Das Bistumsfest unter dem Leitwort "Gott ist größer als unser Herz" begann mit einem Open-Air-Gottesdienst, bei dem Lehmann, der vergangenen Dienstag 70 Jahre alt wurde, auch nachdenkliche Töne anklingen ließ. Er bat die Gläubigen, ihn in ihre Gebete einzuschließen und äußerte Gedanken über die eigenen Kräfte und das eigene Ende.

Beim anschließenden Fest rund um den Dom war jedoch ein durchweg fröhlicher Kardinal zu erleben. Er genoss sichtlich das Bad in der Menge, schüttelte unzählige Hände, nahm Glückwünsche entgegen. Vor allem Kinder steckten ihm kleine, oft selbstgebastelte Geschenke zu. Auf zwei Bühnen spielten Bands nicht nur Kirchenlieder - auch Songs von ABBA, der Lieblingsgruppe des Kardinals, erklangen.

Rund 110 Pfarreien und Einrichtungen aus dem Bistum präsentierten sich auf Markt- und Liebfrauenplatz und boten Speisen und Getränke an. Dabei zeigten sie sich durchaus einfallsreich: Das Dekanat Wetterau-Ost zum Beispiel trumpfte mit süßen Kardinälen zum Vernaschen auf - aus Biskuit und Marzipan.

Die Besucher, die es nicht schafften, zum stets umringten Kardinal durchzudringen, konnten sich in die ausliegenden Glückwunschbücher eintragen. "Ich finde es toll, was Lehmann mit 70 Jahren leistet - andere sind in dem Alter längst in Rente", sagte ein Mainzer. Und auch Rafael Bujotzek aus Offenbach findet den Kardinal durch und durch sympathisch. "Es ist schön, dass er sich die Zeit nimmt, allen die Hand zu schütteln." Für Karl Lehmann selbst ist das eine Selbstverständlichkeit. "Als Priester ist man für die Menschen da", sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. "Ich denke, es ist ein entscheidendes Fundament für dieses Amt, dass man Bodenkontakt hat. Wenn man nicht mehr weiß, was Menschen drückt, ist das schlecht für die seelsorgerische Arbeit."

Mit einer Vesper im Dom klang das Bischofsfest aus.
Spanish Confidencias del cardenal Karl Lehmann sobre su experiencia de fe
Jun 24, 2006
«La fe me da confianza», declara el cardenal Karl Lehmann, obispo de Maguncia y presidente de la Conferencia Episcopal Alemana, en una entrevista concedida a Zenit.

MAGUNCIA, miércoles, 21 junio 2006 (ZENIT.org).- El purpurado afirma obtener energía de la oración, de la celebración de la Eucaristía, del encuentro con los demás, y de las preocupaciones o necesidades de nuestro tiempo. Sus raíces teológicas se hunden en el Concilio Vaticano II, en el Sínodo Común de las diócesis alemanas, y en el pensamiento de Karl Rahner.

--¿Cómo concibe su ministerio pastoral?

--Cardenal Lehmann: A este respecto, pienso como el apóstol Pablo: «No es que pretendamos dominar sobre vuestra fe, sino que contribuimos a vuestro gozo, pues os mantenéis firmes en la fe» (2 Cor 1, 24), que armoniza bien con mi lema episcopal, sacado de la primera Carta a los Corintios: «Sed fuertes en la fe» (1 Cor 16,1 3). Además, encuentro la conciencia que tengo de mí mismo en el decreto conciliar «Christus Dominus» sobre el ministerio pastoral de los obispos. Esto se expresa exactamente en la primera frase: « Cristo Señor, Hijo de Dios vivo, que vino a salvar del pecado a su pueblo y a santificar a todos los hombres, como El fue enviado por el Padre, así también envió a sus Apóstoles, a quienes santificó, comunicándoles el Espíritu Santo, para que también ellos glorificaran al Padre sobre la tierra y salvaran a los hombres "para la edificación del Cuerpo de Cristo" (Ef., 4,12), que es la Iglesia». En este sentido, mi deseo es el de animar a confiar en la fe.

--Una pregunta más personal: ¿nos podría contar algo sobre su decisión de ser sacerdote y en general sobre su itinerario de fe? ¿Quién o qué le ha acompañado en este camino?

--Cardenal Lehmann: El primer contacto con la fe lo tuve a través de mi familia. Allí pude vivir y experimentar la fe casi naturalmente. Después vinieron los profesores, en el tiempo de la escuela y en la universidad, por quienes conservo mucha gratitud, en especial por el profesor Karl Rahner, de quien tuve la posibilidad de ser su asistente. Un itinerario de fe sería impensable sin todos aquellos compañeros de viaje, dispuestos siempre a animar y a infundir confianza.

--¿Tiene algo así como una patria espiritual o un «background» teológico?

--Cardenal Lehmann: Viví los preparativos y las primeras sesiones del Concilio Vaticano II, como estudiante en Roma y tuve también experiencia directa del Sínodo de las diócesis en la República Federal Alemana, participando activamente y colaborando en su organización. El periodo en el que fui asistente de Karl Rahner me formó más que cualquier otro profesor de Teología. En este contexto, encuentro mis raíces teológicas, que luego claramente en el curso de los años han podido desarrollarse ulteriormente, pero sin estos tres pilares --Concilio, Sínodo y Rahner-- en mi vida, no se habrían dado los mismos resultados.

--¿De dónde saca su vida interior? ¿Tiene algún manantial especial de fuerza?

--Cardenal Lehmann: La fe me da confianza. Encuentro manantiales de fuerza en la oración, en la celebración de la Eucaristía, pero también en salir al encuentro de las personas y de las preocupaciones y necesidades de nuestro tiempo. Se trata de interpretar los signos de los tiempos a partir de la fe, y como mortales de tender hacia las cosas celestiales, sin dejar de tener los pies en la tierra.

--El Sínodo de los Obispos de todo el mundo, celebrado el pasado octubre, se centró en el tema de la Eucaristía, como fuente y centro de la vida cristiana. ¿Qué significado tiene para usted la Eucaristía?

--Cardenal Lehmann: En el título oficial del Sínodo de los Obispos ya se expresa todo: ella es «Fuente y cumbre de la vida y de la misión de la Iglesia». Ella es el secreto de nuestra fe. En la redención realizada por Cristo se hace visible a todos los seres humanos la voluntad de salvación de Dios. Esta se actualiza en la celebración de la Eucaristía. De aquí obtiene su fundamento la Iglesia.

--¿Qué quiere decir creer? ¿Y cuál es su repercusión?

--Cardenal Lehmann: He hablado anteriormente de la confianza que deriva de la fe. Sin la fe, la vida sería en el fondo insatisfactoria y carecería de toda fortaleza. Incluso quienes quieren abandonar o distanciarse de Dios sienten sin embargo nostalgia de una respuesta a la gran demanda de sentido. Al final, esto se convierte en el criterio: ¿cómo tiene significado mi vida? Y es aquí donde la fe intenta ofrecer respuestas. Porque Dios ama al hombre, lo ha llamado a la existencia y está a su lado a lo largo de todos los tiempos. Quien cree no está nunca solo.

--Jesús ha resucitado. ¿En qué logra vislumbrarlo, y cómo se comunica con Él?

--Cardenal Lehmann: Una vez más es de la fe de donde extraigo mi confianza. El Resucitado no esta sentado a mi lado y tampoco he tenido la suerte de darle una palmada en la espalda. Sin embargo, ahí está la promesa: «Yo estoy con vosotros todos los días» (Mateo 28, 20). Nosotros vivimos la fuerza de esta presencia cada día, si permanecemos abiertos a la escucha y sensibles hacia nuestros semejantes, a las preocupaciones y a las necesidades de nuestro tiempo, y ante nuestra misma vida. Esto puede suceder cuando se encuentran personas pero también en la oración y en los momentos de silencio y recogimiento. Allí Dios nos habla y está cercano a nosotros. Las Sagradas Escrituras y la Eucaristía son, como revela el relato de Emaús, los mejores puntos de acceso a Jesucristo.

--¿Qué es lo que más le preocupa?

--Cardenal Lehmann: La máxima «Dios es más grande que nuestro corazón» nos da en todas las situaciones humanas un fundamento verdaderamente inquebrantable, aunque a veces reconozcamos que estamos hundiéndonos bajo tierra. Por esto agradecemos también esta extrema certeza de nuestra conciencia. ¡Bendito sea el hombre que puede poner su confianza en un Dios de este tipo! Lo que necesitamos, justo en el momento de los cambios, cuando nos debemos ocupar de algunas cuestiones estructurales de la pastoral, es acordarnos de la profunda y a menudo escondida fuerza de la fe, de manera que sepamos en el fondo de qué se trata. Para esto quiero dar yo mi aportación.

--¿Dónde ve los grandes desafíos de nuestro tiempo?

--Cardenal Lehmann: Como presidente de la Conferencia Episcopal Alemana, con motivo de la Asamblea General de otoño de 2005, hice un introducción sobre este tema, que está también documentada en mi nuevo libro. El título era «Nuevos signos del tiempo. Criterios de distinción para diagnóstica la situación de la Iglesia en la sociedad y para la acción eclesial hoy». Todo lo que fue puesto de relieve durante el Concilio, sobre los «signos de los tiempos», exige una ulterior interpretación, aplicada al proceso de la diagnosis («Cairología») así como al contenido. Entre cambio y estabilidad, necesitamos actitudes de fondo que puedan ser puntos a partir de los cuales oponer una reacción, sin retroceder frente a una actualidad siempre inagotable.

--¿Qué nos dice del Papa Benedicto XVI y qué esperanza tiene en él?

--Cardenal Lehmann: Conozco a Joseph Ratzinger desde hace ya más de cuarenta años y me he encontrado con él en varias ocasiones. El Santo Padre está al servicio de toda la Iglesia. Y por esto es equivocado ver en él un «Papa alemán». El Papa pertenece a la Iglesia universal. En su primer año de pontificado, para muchos sorprendente, ha propuesto acentos personales en gran continuidad con su predecesor. Muchos tenían también una imagen distorsionada de Ratzinger. Hay que darle tiempo porque este Papa es capaz de sorprendernos. Lo dije ya a la prensa inmediatamente después de su elección, y lo puedo repetir y subrayar con fuerza una vez más desde mi punto de vista actual.
Italian “Senza la fede la vita sarebbe in fondo insoddisfacente e priva di ogni saldezza”
Jun 24, 2006
Intervista al Presidente della Conferenza Episcopale Tedesca

MAINZ, martedì, 20 giugno 2006 (ZENIT.org).- “La fede mi dona fiducia”, ha confessato il Cardinale Karl Lehmann, Vescovo di Mainz e Presidente della Conferenza Episcopale Tedesca, in una intervista concessa a ZENIT.

Il porporato afferma di trarre energia dalla preghiera, dalla celebrazione dell’Eucaristia, così come dall’incontro con le altre persone e dalle loro preoccupazioni o necessità. Le sue radici teologiche affondano nel Concilio Vaticano Secondo, nel Sinodo Comune delle Diocesi tedesche e nel pensiero di Karl Rahner.

Che concezione ha del suo ufficio pastorale?

Cardinale Lehmann: A tal riguardo la penso come l’Apostolo Paolo: “Noi non intendiamo far da padroni sulla vostra fede; siamo invece i collaboratori della vostra gioia, perchè nella fede voi siete già saldi” (2 Cor 1,24), che ben si collega al mio moto episcopale tratto dalla prima Lettera ai Corinzi: “Siate saldi nella fede” (1 Cor 16,13). Inoltre rintraccio la coscienza che ho di me stesso anche nel Decreto conciliare Christus Dominus sull’ufficio pastorale dei Vescovi. Lì questo è espresso esattamente nella prima frase: “Cristo Signore, Figlio di Dio vivo, è venuto per salvare il suo popolo dai peccati e per santificare tutti gli uomini; com'egli era stato mandato dal Padre, così mandò i suoi apostoli e li santificò dando loro lo Spirito Santo, affinché, a loro volta, glorificassero il Padre sopra la terra e salvassero gli uomini, ‘per l'edificazione del suo corpo’ (Ef 4,12), che è la Chiesa”. In questo senso il mio desiderio è quello di incoraggiare a trarre fiducia dalla fede.

Una domanda più personale: ci potrebbe raccontare un po’ sulla sua decisione di diventare sacerdote ed in generale sul suo percorso di fede? Chi o cosa l’ha accompagnata?

Cardinale Lehmann: Il primo contatto con la fede l’ho avuto attraverso la mia famiglia. Qui ho potuto vivere e sperimentare la fede quasi naturalmente. Dopo sono venuti i docenti al tempo della scuola e durante l’università, per i quali nutro molta gratitudine, in particolar modo per il professor Karl Rahner, al quale ho avuto al possibilità di fare da assistente. Un percorso di fede sarebbe impensabile senza quei tanti compagni di viaggio, pronti sempre ad incoraggiare e ad infondere fiducia.

Ha qualcosa come una patria spirituale o un background teologico?

Cardinale Lehmann: Ho vissuto i preparativi e le prime sedute del Concilio Vaticano Secondo come studente a Roma ed ho fatto anche esperienza diretta del Sinodo Comune delle Diocesi nella Repubblica Federale Tedesca, partecipando attivamente e collaborando alla sua organizzazione. Il periodo in cui sono stato assistente di Karl Rahner mi ha formato più di quanto abbia fatto qualsiasi altro docente di teologia. E’ in questo contesto che rintraccio le mie radici teologiche, che poi chiaramente nel corso degli anni hanno avuto modo di svilupparsi ulteriormente, ma senza questi tre pilastro – Concilio, Sinodo e Rahner – nella mia vita non ci sarebbero stati gli stessi risultati come è invece accaduto.

Da dove attinge la sua vita interiore? Ha qualche particolare sorgente di forza?

Cardinale Lehmann: La fede mi dona fiducia. Trovo delle sorgenti di forza nella preghiera, nella celebrazione dell’Eucaristia, ma anche nell’andare incontro alle persone e alle preoccupazioni e necessità del nostro tempo. Si tratta di interpretare i segni del tempo a partire dalla fede, e così come mortali tendere verso le cose celestiali, senza smettere di avere i piedi per terra.

Il Sinodo dei Vescovi di tutto il mondo tenutosi lo scorso Ottobre era incentrato sul tema dell’Eucaristia come fonte e centro della vita cristiana. Quale significato riveste per lei l’Eucaristia?

Cardinale Lehmann: Nel titolo ufficiale del Sinodo dei Vescovi è già espresso tutto quanto: essa [l’Eucaristia, ndr] è “Fonte e culmine della vita e della missione della Chiesa”. Essa è il segreto della nostra fede. Nella redenzione operata da Cristo diviene visibile per tutti gli esseri umani la volontà di salvezza di Dio. Questa si attualizza nella celebrazione dell’Eucaristia. Da qui trae fondamento la Chiesa.

Cosa vuol dire credere? E qual è la sua ripercussione?

Cardinale Lehmann: Ho parlato in precedenza della fiducia che deriva dalla fede. Senza la fede la vita sarebbe in fondo insoddisfacente e priva di ogni saldezza. Persino coloro, che vogliono abbandonare o distanziarsi da Dio, sentono tuttavia una nostalgia per una risposta alla grande domanda di senso. Alla fine questo diviene il criterio: in che modo la mia vita ha un significato? Ed è qui che la fede tenta di fornire delle risposte. Perché Dio ama l’Uomo, lo ha chiamato all’esistenza e gli sta accanto attraverso tutti i tempi. Chi crede non è mai solo.

Gesù è risorto. In cosa riesce a scorgerlo, e in che modo comunica con Lui?

Cardinale Lehmann: Ancora una volta è dalla fede che attingo la mia fiducia. Il Risorto non mi siede accanto, e allo stesso tempo non mi è dato di bussargli sulla spalla. Tuttavia vale la promessa: “Io sono con voi tutti i giorni” (Mt 28,20). Noi viviamo la forza di questa presenza ogni giorno, se rimaniamo pronti all’ascolto e sensibili verso i nostri simili, alle preoccupazioni e alle necessità del nostro tempo, e nei confronti della nostra stessa vita. Ciò può accadere quando si incontrato delle persone, ma anche nella preghiera e nei momenti di silenzio e raccoglimento. Lì Dio ci parla e ci è vicino. Le Sacre Scritture e l’Eucaristia costituiscono, come mostra il racconto di Emmaus, i migliori punti di accesso a Gesù Cristo.

Che cos’è che le sta più a cuore?

Cardinale Lehmann: La massima “Dio è più grande del nostro cuore” ci dona in tutte le situazioni umane un fondamento veramente incrollabile, anche se a volte riconosciamo che stiamo sprofondando sotto terra. Perciò siamo anche grati per questa estrema certezza della nostra coscienza. Sia benedetto l’uomo, che può riporre fiducia in un Dio di questo tipo! Ciò di cui abbiamo bisogno, proprio nel momento dei rivolgimenti, quando ci dobbiamo occupare di alcune questioni strutturali della pastorale, è di ricordarci della profonda e spesso nascosta forza della fede – così da sapere, in fondo di cosa si tratta. E’ per questo che voglio fornire il mio contributo.

Dov’è che vede le grandi sfide del nostro tempo?

Cardinale Lehmann: Come Presidente della Conferenza Episcopale Tedesca, in occasione della Assemblea Generale d’autunno del 2005, ho svolto una prolusione su questo tema, che è anche documentata nel mio nuovo libro. Il titolo della prolusione recitava “Nuovi segni del tempo. Criteri di distinzione per la diagnosi della situazione della Chiesa nella società e per l’azione ecclesiale oggi”. Quanto messo in rilevo durante il Concilio sui “segni dei tempi” esige una ulteriore interpretazione, che si riferisce al processo della diagnosi (Cairologia), ma anche al contenuto. Tra mutamento e stabilità abbiamo bisogno di atteggiamenti di fondo, che possano essere punti a partire dai quali opporre una reazione, senza indietreggiare di fronte ad una attualità ogni volta inesauribile.

Cosa ci dice di Papa Benedetto XVI, e quale speranza ripone in lui?

Cardinale Lehmann: Conosco Joseph Ratzinger ormai da più di quarant’anni e mi sono incontrato con lui in diverse occasioni. Il Santo Padre è a servizio di tutta la Chiesa. Ed è per questo sbagliato volerlo limitare in senso nazionale o del tutto personale ad un “Papa tedesco”. Il Papa appartiene alla Chiesa universale. Nel suo primo anno di pontificato – per molti sorprendente – ha proposto accenti personali in grande continuità con il suo predecessore. Molti avevano anche una immagine distorta di Ratzinger. Bisogna concedergli del tempo, perché questo Papa è capace di sorprenderci. L’ho già detto alla stampa subito dopo la sua elezione, e lo posso ripetere e sottolineare con forza ancora una volta dal mio punto di vista attuale.
German "Ohne Glauben wäre das Leben letztlich unbefriedigend und hätte keine Verwurzelung"
Jun 24, 2006
Interview mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz

MAINZ, 7. Juni 2006 (ZENIT.org).- "Der Glaube gibt mir Zuversicht", betont Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, im ersten Interview der neuen ZENIT-Reihe "Who is who: Die Hirten des deutschsprachigen Raums".

Besondere Kraftquellen sind für ihn das Gebet, die Feier der Eucharistie – "aus ihr gründet sich die Kirche" – sowie die Begegnung mit den Mitmenschen und deren Sorgen und Nöten. Seine theologischen Wurzeln sieht Kardinal Lehmann im Zweiten Vatikanischen Konzil, der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer sowie in Karl Rahner.

ZENT: Wie verstehen Sie Ihr Hirtenamt?

Kardinal Lehmann: Ich halte es hier mit dem Apostel Paulus: "Wir wollen ja nicht Herren über euren Glauben sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude; denn im Glauben seid ihr fest verwurzelt" (2 Kor 1, 24), verbunden mit meinem bischöflichen Leitwort aus dem ersten Korintherbrief: "Steht fest im Glauben!" (1 Kor 16,13). Auch im Konzilsdekret Christus Dominus über die Hirtenaufgabe der Bischöfe kann ich mein Selbstverständnis wiederfinden. Dort heißt es gleich im ersten Satz: "Christus der Herr, der Sohn des lebendigen Gottes, ist gekommen, sein Volk von den Sünden zu erlösen und alle Menschen zu heiligen. Wie er selbst vom Vater gesandt worden ist, so sandte er seine Apostel. Darum heiligte er sie, indem er ihnen den Heiligen Geist gab, damit auch sie auf Erden den Vater verherrlichen und die Menschen retten, 'zum Aufbau des Leibes Christi' (Eph 4,12), der die Kirche ist." In diesem Sinn möchte ich ermutigen zur Zuversicht aus dem Glauben.

ZENIT: Eine persönlichere Frage: Könnten Sie uns etwas über Ihre Entscheidung zum Priestertum und allgemein Ihren Glaubensweg erzählen? Wer oder was hat Sie begleitet?

Kardinal Lehmann: Den ersten Kontakt mit dem Glauben hatte ich durch mein Elternhaus. Hier wurde der Glaube beinahe selbstverständlich gelebt und erfahrbar. Danach kamen meine Lehrer der Schulzeit und der späteren universitären Laufbahn, denen ich viel zu verdanken habe, besonders Professor Karl Rahner, dessen Assistent ich sein durfte. Der Glaubensweg wäre nicht denkbar ohne viele Wegbegleiter, die immer wieder Mut machen und Zuversicht geben.

ZENIT: Gibt es für Sie so etwas wie eine geistige Heimat, einen theologischen Hintergrund?

Kardinal Lehmann: Ich habe die Vorbereitungen und die ersten Sitzungsperioden des Zweiten Vatikanischen Konzils als Student in Rom erlebt und im Anschluss daran die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland auch durch aktive Teilnahme und Mitgestaltung hautnah erfahren. Die Assistentenzeit bei Karl Rahner hat mich geprägt – mehr noch als jeder andere theologische Lehrer. In diesem Kontext sehe ich meine theologischen Wurzeln, die sich freilich im Lauf der Jahre selbstständig noch weiter entwickelt haben, aber ohne diese drei Eckpfeiler – Konzil, Synode und Rahner – wäre vieles nicht so entstanden, wie es in meinem Leben gekommen ist.

ZENIT: Woraus schöpft Ihr inneres Leben? Gibt es für Sie eine besondere Kraftquelle?

Kardinal Lehmann: Der Glaube gibt mir Zuversicht. Ich sehe solche Kraftquellen im Gebet, in der Feier der Eucharistie, aber auch in der Begegnung mit Menschen und den Sorgen und Nöten der Zeit. Es kommt darauf an, die Zeichen der Zeit in Unterscheidung der Geister aus dem Glauben zu deuten, und so als irdische Menschen nach dem Himmlischen zu streben, ohne den Bodenkontakt zu verlieren.

ZENIT: Die Weltbischofssynode im Oktober vergangenen Jahres stand unter dem Thema der Eucharistie als Quelle und Mittelpunkt des christlichen Lebens. Welche Bedeutung hat die Eucharistie für Sie?

Kardinal Lehmann: In dem offiziellen Titel der Bischofssynode ist schon alles gesagt: Sie ist "Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche". Sie ist das Geheimnis unseres Glaubens. In der Erlösungstat Christi wird der Heilswille Gottes für alle Menschen sichtbar. Dies wird vergegenwärtigt in der Feier der Eucharistie. Aus ihr gründet sich die Kirche.

ZENIT: Was bedeutet es, zu glauben? Wie wirkt sich das aus?

Kardinal Lehmann: Ich sprach vorhin von der Zuversicht aus dem Glauben. Ohne Glauben wäre das Leben letztlich unbefriedigend und hätte keine Verwurzelung. Selbst diejenigen, die sich von Gott distanzieren oder lossagen, haben doch eine Sehnsucht nach Antwort auf die große Frage nach dem Sinn. Dies wird am Ende das Kriterium sein: Wie hat mein Leben einen Sinn? Hier versucht der Glaube, Antworten zu geben. Weil Gott den Menschen liebt, hat er ihn ins Dasein gerufen und steht ihm bei durch alle Zeit. Wer glaubt, ist nie allein.

ZENIT: Jesus ist auferstanden. Wo sehen Sie ihn, wie kommunizieren Sie mit ihm?

Kardinal Lehmann: Auch hier schöpfe ich Zuversicht aus dem Glauben. Der Auferstandene sitzt nicht neben mir, und ich kann ihm nicht gleichsam auf die Schulter klopfen. Dennoch gilt seine Zusage "Ich bin bei euch alle Tage" (Mt 28,20). Wir erleben die Kraft dieser Gegenwart täglich, wenn wir hellhörig und sensibel bleiben für unsere Mitmenschen, für die Sorgen und Nöte der Zeit und für unser eigenes Leben. Das kann in Begegnungen mit Menschen geschehen, aber auch im Gebet und in Zeiten der Stille und Einkehr. Hier spricht Gott zu uns und ist uns nah. Die Heilige Schrift und die Eucharistie bilden, wie die Emmaus-Geschichte zeigt (vgl. Lk 24), die besten Zugänge zu Jesus Christus.

ZENIT: Was sind Ihre Herzensanliegen?

Kardinal Lehmann: Das kleine Wort "Gott ist größer als unser Herz" gibt uns in allen Lagen des Menschen ein wirklich unerschütterliches Fundament, auch wenn wir manchmal annehmen, dass wir im Boden versinken und untergehen. Deshalb sind wir auch dankbar für diese letzte Gewissheit unseres Glaubens. Selig der Mensch, der auf einen solchen Gott vertrauen darf! Wir brauchen gerade in der Zeit des Umbruchs, wenn wir uns mit manchen Strukturfragen der Pastoral befassen müssen, eine wache Erinnerung an die tiefe, oft verborgene Kraft unseres Glaubens – damit wir wissen, worum es am Ende letztlich geht. Dazu will ich meinen Teil beitragen.

ZENIT: Worin sehen Sie die großen Herausforderungen unserer Zeit?

Ich habe als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bei der Herbstvollversammlung 2005 ein Grundsatzreferat zu diesem Thema gehalten, das auch in meinem neuen Buch dokumentiert ist. Der Titel des Referates lautete "Neue Zeichen der Zeit. Unterscheidungskriterien zur Diagnose der Situation der Kirche in der Gesellschaft und zum kirchlichen Handeln heute". Die konziliare Hervorhebung der "Zeichen der Zeit" verlangt eine fortführende Interpretation, die sich auf das Verfahren der Diagnose (Kairologie), aber auch auf die Inhalte bezieht. Zwischen Wandel und Beständigkeit brauchen wir Grundhaltungen, die Ausgangslage für eine Reaktion sind, ohne einer stets wieder versiegenden Aktualität hinterherzulaufen.

Konkret denke ich an die sozialen Probleme in unserem Land, die demografische Entwicklung bis hin zu den Fragen der Globalisierung und der Gerechtigkeit weltweit – und nicht zuletzt die Situation von Bildung und auch Glaube in dieser Zeit. Dies sind aber keine Fragen, die pessimistisch werden lassen. Auch hier dürfen wir mit Gottes Hilfe zuversichtlich sein, wenn wir die Probleme angehen.

ZENIT: Was sagen Sie zu Papst Benedikt XVI., welche Hoffnungen verbinden Sie mit ihm?

Kardinal Lehmann: Ich kenne Joseph Ratzinger schon seit mehr als vier Jahrzehnten und bin ihm in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder begegnet. Der Heilige Vater hat einen Dienst für die ganze Kirche. Es ist daher falsch, ihn national oder gar persönlich eingrenzen zu wollen als "deutschen Papst". Der Papst gehört der Weltkirche. Er hat im ersten Jahr seines Pontifikates – für manche überraschend – in großer Kontinuität zu seinem Vorgänger eigene Akzente gesetzt. Manche hatten auch ein verzerrtes Ratzinger-Bild. Man muss ihm Zeit lassen, dann ist dieser Papst für Überraschungen gut. Das habe ich gleich nach der Wahl vor Vertretern der Presse gesagt, das kann ich auch aus heutiger Sicht nur nochmals wiederholen und kräftig hervorheben.
Spanish Cardenal alemán pide que el Mundial sea "señal visible" de paz
Jun 15, 2006
El cardenal Karl Lehmann, presidente de la Conferencia episcopal alemana, pidió que el Mundial de fútbol haga reflexionar a todos los pueblos sobre el valor de la paz.

(La Segunda, 11 de Junio de 2006) CIUDAD DEL VATICANO - Como "señal visible" de estas "expectativas de esperanza", el purpurado encendió un cirio pascual.

"La vela de la paz debe permanecer encendida por toda la duración del Mundial y seguir siendo un recuerdo vivo incluso después de los partidos", afirmó Lehmann antes de invocar la bendición de Dios.

El presidente del Consejo de la Iglesia evangélica, el obispo Wolfgang Huber, subrayó por su parte la contribución de Dios en el buen resultado de las acciones humanas.

"La verdadera victoria no es el trofeo del Mundial sino la fe en Dios", afirmó Huber a la agencia Sir.

"Por tanto, podemos disfrutar los juegos de las próximas semanas sin que su resultado haga derrumbarse al mundo; podremos festejar con aquellos que tendrán motivo de festejar y estar cerca de aquellos que quedarán desilusionados", explicó.

"Es así que la fe nos ayuda a vivir plenamente el fútbol por lo que es: una bonita cosa de la vida", concluyó.
German Heidegger ergründet
Jun 14, 2006
Symposium zu Ehren von Kardinal Lehmann

(Main-Spitze, 22.05.2006) MAINZ Für die Akademie des Bistums Mainz gab es am Wochenende gleich zwei gute Gründe, ein Symposium zu veranstalten: Zum einen der 70. Geburtstag von Karl Kardinal Lehmann, zum anderen der 30. Todestag von Martin Heidegger am 26. Mai. Was verbindet den Theologen mit dem Philosophen? "Kardinal Lehmann ist eine Koryphäe in der Heidegger-Forschung", erklärte Akademiedirektor Prof. Peter Reifenberg. Was viele Forschung heute nicht wissen: Die Philosophie ist neben der Theologie Kardinal Lehmanns liebstes Kind.

1962 verfasste er eine knapp 1500 Seiten umfassende philosophische Dissertation zum Thema "Von Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers". "Diese außerordentliche Arbeit kann als `opus magnum´ betrachtet werden", meinte Prof. Friedrich-Wilhelm von Herrmann, der zu Martin Heideggers Lebzeiten als dessen Assistent arbeitete. "Vielleicht", spekulierte von Herrmann im Scherz, "hat sich der Kardinal so ins Zeug gelegt, weil er ahnte, dass er später nie wieder so viel Zeit aufbringen können würde!"

Kardinal Lehmann zeigte sich in der Eröffnungsrede gerührt über die Würdigung seines wissenschaftlichen Werkes: "Dieses Symposium, in dem ich mich nach über 40 Jahren wieder meiner zweiten großen Leidenschaft widmen kann, ist eines der schönsten Geschenke."

Zur Festakademie "Heidegger und die christliche Tradition" wurden namhafte Heidegger-Forscher aus ganz Deutschland eingeladen. Von Herrmann, der zu den wichtigsten Kennern zählt, betonte, dass das Symposium nicht nur einen völlig neuen Blickwinkel betrachte, sondern das Thema auch äußerst brisant sei. "Heideggers Verhältnis zu Kirche und Religion war zwiespältig", so von Herrmann, "dies ließ ihn zu einer umstrittenen Persönlichkeit innerhalb der Theologie werden." Und doch - oder vielleicht gerade deshalb - gelten die Untersuchungen der theologischen Ansätze in Heideggers philosophischem Werk als besonders ergiebig.

Die Themen der Referenten waren vielfältig: Von Heideggers Auslegung Paulinischer Briefe über die Johanneische Dimension in seinem Denken bis zu den Parallelen in Heideggers und Augustinus Schriften wurden viele Aspekte untersucht. Kardinal Lehmanns Vortrag "Sagen, was Sache ist: der Blick auf die Wahrheit der Existenz" behandelte Heideggers Verhältnis zu Luther. Das Wissen hierüber bezieht der Kardinal im Gegensatz zu den meisten Heidegger-Kennern nicht nur aus Forschungen, sondern aus persönlichen Gesprächen: In den 60er Jahren traf er sich mit dem Philosophen und befragte ihn zu seiner Meinung über Religion. "Heidegger äußerte sich stets sehr skeptisch", erzählte Kardinal Lehmann, "und doch deutete er die Existenz eines ‚letzten Gottes’ an."

Die Resonanz der Referenten und der zahlreichen Tagungsbesucher war überaus positiv. "Der Querschnitt durch verschiedene Wissenschaften, Generationen und Länder ist gelungen", lobte der Kardinal. Für ihn sei es nicht nur eine sehr schöne Gelegenheit gewesen, seine seit Jahrzehnten brachliegenden Kenntnisse aufzufrischen, sondern sich auch mit anderen Heidegger-Forschern auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
German Kardinal feiert mit Mozart
Jun 14, 2006
Festliche Musik zum Geburtstagskonzert

(Allgemeine Zeitung, 22.05.2006) An kaum einem Mainzer dürfte unbemerkt vorübergegangen sein, dass Karl Kardinal Lehmann in dieser Woche seinen 70. Geburtstag feierte. Aber auch Wolfgang Amadeus Mozarts 250. Geburtstag steht dieses Jahr bekanntermaßen im Mittelpunkt zahlloser Festlichkeiten. Wenn nun noch hinzukommt, dass Kardinal Lehmann den Komponisten Mozart sehr hoch schätzt - dann kann man sich wohl an fünf Fingern abzählen, wessen Werke bei Kardinal Lehmanns Geburtstagskonzert im Mainzer Dom am Samstag gespielt wurden.

Mozarts Musik steht - im Gegensatz zu der seines Zeitgenossen Beethoven - nie wirklich für schwer verdauliche Kost, und so bieten sich gerade zu festlichen Anlässen unzählige Werke des Salzburgers an. Die drei Werke, die Mainzer Domchor und Kammerorchester sowie Gesangssolisten unter der Leitung von Mathias Breitschaft zu Gehör brachten, zeichneten sich entsprechend vor allem durch eine majestätisch-feierliche Stimmung aus.

Die Eröffnung gelingt mit Mozarts Vespervertonung "de Dominica" hörenswert. Der häufige Wechsel der Besetzungen zwischen Chor und vier Gesangssolisten sorgt für viel klangliche Kurzweil. Der Knabenchor des Doms präsentiert sich in hervorragender Form, ausgewogen und voluminös. Bei den vier Gesangssolisten Sabine Goetz (Sopran), Barbara Arneke (Alt), Thomas Ströckens (Tenor) und Clemens Breitschaft (Bass) ist vor allem die Sopranistin Sabine Goetz zu erwähnen, die in den Solopassagen mit jugendlich-frischer Stimme und frappierend klarer Intonation zu begeistern weiß. Das Kammerorchester übt sich derweil über weite Strecken dynamisch in maßvoller Zurückhaltung.

Den Hauptteil des Konzerts bildet die C-Dur-Messe, die auch als "Credo-Messe" bekannt ist. Gerade die verhältnismäßige Einfachheit des Orchester- und Chorsatzes unterstreicht hier den festlichen Charakter des Konzerts. Im Credo entwickelt der Domchor ein beeindruckendes Volumen, das in einem Anflug von Übereifer geradezu über die Gesangssolisten hinwegfegt. Nicht ganz nachvollziehbar ist allerdings, weshalb die bemerkenswert von Sabine Goetz gesungene Motette "Exsultate, jubilate" mitten in die Messe hinein platziert wurde und so die Sätze auseinander reißt. Dem Gesamteindruck schadet das jedoch nicht: Ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Konzert, das dem feierlichen Anlass mehr als gerecht wird.
English God’s light leads to true justice, German cardinal says
Jun 05, 2006
Catholics and other Christians need God's light to lead them to a new justice, the head of the German bishops' conference said at the closing service of the biennial assembly of the nation's Catholics.

SAARBRUCKEN, Germany (CNS, 5/30/2006) – "We must heal ourselves of the false promise that we can realize complete justice in a secular society," said Cardinal Karl Lehmann of Mainz, bishops' conference head. To reach this state, "we must come before the presence of God. He must always purify our perception and our desire from the ground up."

"Justice in the Sight of God" was the theme of the May 24-28 assembly, or Katholikentag, which attracted some 40,000 people to Saarbrucken, a city on the French border. The Central Committee of German Catholics and the host Diocese of Trier organized about 1,000 events: The green program booklet had 575 pages, and 1,500 volunteers wore green scarves to make it easier for participants to spot them.

At the opening service in front of the city's castle, Pope Benedict XVI's message, read by Archbishop Erwin Josef Ender, apostolic nuncio to Germany, referred to St. Ambrose, born in Trier, who maintained that "the foundation of justice is faith." Pope Benedict called on Christians to contribute to justice in the world but said lay Christians would only be able to offer their specific skills and knowledge "if they avoid everything which might obscure the clarity of the Christian witness."

In a wide range of talks and discussions, prominent figures from Germany and Europe spoke about their sense of justice -- in the church, in the state, in Europe and in the wider world.

Bishop Reinhard Marx of Trier said the issue of justice was not one that could be dealt with by Catholics alone.

"We have a responsibility for society, which is waiting for answers from us," he said, adding that the approach offered by Catholic social teaching "was, is and will provide a significant orientation for political activity."

German President Horst Koehler, a Lutheran and former managing director of the International Monetary Fund, discussed how to deal with world poverty with Pascal Lamy, director-general of the World Trade Organization, and Cardinal Oscar Rodriguez Maradiaga of Tegucigalpa, Honduras.

German Chancellor Angela Merkel, a Lutheran, discussed her ideas on Europe with young people and surprised listeners with the passion of her support for the European ideal and for the introduction of a reference to God in the preamble of any new European constitution.

Europe was a central theme of this Katholikentag. Saarbrucken's position on the edge of Germany meant there were many visitors from just over the border, especially from Luxembourg and France. Parts of the closing service were held in French, several French-speaking bishops led events, and a number of nearby foreign dioceses had booths in the Hall of the Dioceses. Several events dealt with cross-border issues, and a cross-border pilgrimage route included sites of German-French enmity that had turned into symbols of reconciliation.

Justice in the church produced some of the most heated debates. Cardinal Lehmann participated in a panel discussion on sexual justice in the church with a number of outspoken supporters of women's ordination. He defended the church's record in improving the position of women in church structures, noting that he had appointed a woman as head of the pastoral care office in his Diocese of Mainz.

Addressing panelist Sabine Demel, professor of church law at the University of Regensburg, he said her appointment would not have been possible in previous years.

But Demel asked, "What role does a person's sex play in vocation?"

"I'm sick to the back teeth," responded Cardinal Lehmann, "at always having to talk about the priesthood in this issue." He said he wanted the contribution of women in other roles properly recognized.

Following the debate, a nun who identified herself as Dominican Sister Klarisse of Frankfurt said that Cardinal Lehmann and the other male member of the panel had "simply repeated well-known positions. They just don't want to give up their power." But by denying women equality, "the church does itself out of a richness," she said.

Anna Grashake, 16, traveled to the Katholikentag with 14 members of her parish from Geldern. On the first day, she said she planned to spend time in the youth center.

"I'm most interested in issues of equal rights, about one's relationship to one's body and about the death sentence," she said.

The assembly featured special programs on Muslim-Christian and Jewish-Christian dialogue and, for the first time, an Orthodox schoolhouse, in which people could meet and talk to members of the Orthodox Church and attend talks on various aspects of Orthodox belief and practice.

The Katholikentag offered a wide variety of church services, from one directed at those who are divorced and separated to a Mass with liturgical dance elements to an ecumenical youth service featuring folk-rock music. Many of the services featured the issue of justice. The youth service, for example, included young people acting out situations in which people felt they were unjustly treated.

The assembly attracted critical Catholics, too. The lay movement We Are Church was featured in at least two events in the official program, as well as one event outside the official agenda.

The Katholikentag was held as Germany discussed the future of its social security and health systems, as well as immigration and its role in a globalized world.

"We have raised public awareness of the issue of justice as a challenge for society," Hans Joachim Meyer, president of the Central Committee of German Catholics, said at the end of the event.
German Der Chef ist auch ihre Familie geworden
Jun 05, 2006
Agathe Hitzel war Sekretärin der Kardinäle Volk und Lehmann - jetzt geht sie in Ruhestand

(Main-Rheiner, 02.06.2006) Kaum jemand kennt den Kardinal so gut wie sie. 23 Jahre lang war Agathe Hitzel die Sekretärin von Kardinal Lehmann, nächste Woche geht sie in Ruhestand. Am Pfingstmontag wird sie 65 Jahre alt; mit der AZ trank Agathe Hitzel schon vorab einen kleinen Geburtstags-Espresso.

Auf ihrem Schreibtisch im ersten Stock des Bischofshauses stapelt sich immer noch die Arbeit - Berge von Briefbögen, Büchern, Unterlagen. Viele Jahre saß sie hier, durch die offene Tür konnte sie prima ins Büro ihres Chefs gucken. Und das tut sie auch jetzt. "Ach herrje", seufzt Agathe Hitzel, "bei ihm sieht´s ja noch schlimmer aus als bei mir..." Und tatsächlich: Im Arbeitszimmer des Kardinals gibt es kaum ein Fleckchen Fußboden, das nicht mit Büchern und Papieren bedeckt ist. "Der Kardinal", lächelt seine Sekretärin nachsichtig, "hat gerade eine Rede geschrieben. Dabei ist er sehr gründlich."

Espresso

Wenn das eine weiß, dann sie: Agathe Hitzel arbeitet für Karl Lehmann, seit er Bischof in Mainz wurde - also seit 23 Jahren. Und da lernt man sich kennen. "Mit Kardinal Lehmann kann man über alles reden - auch mal über private Belange", sagt die Sekretärin. Und ein bisschen sei der Kardinal ihr, einer allein stehenden Frau ohne Kinder, zur Familie geworden.

Was offenbar auf Gegenseitigkeit beruht. Als Lehmann 2001 vom Papst in den Kardinalsstand erhoben wurde, nahm er seine "Familie" mit nach Rom - darunter Agathe Hitzel. Und die bekam dort mal wieder Gelegenheit, mit Johannes Paul II. ("ein sehr warmherziger Mensch") ein paar Worte zu wechseln. Man kannte sich freilich schon. Als der mittlerweile verstorbene Pontifex 1980 in Mainz weilte, speiste man gemeinsam im Bischofshaus - damals noch am Rosengarten - zu Mittag. Gastgeber war Lehmanns Vorgänger Hermann Kardinal Volk, mit dem Agathe Hitzel fünf Jahre zusammenarbeitete.

Jahre, an die sich die Jubilarin gerne erinnert. "Volk war ein sehr väterlicher Mann", erzählt sie und verrät dann eine kleine Anekdote - der Kardinal spielte liebend gern den Osterhasen. "Einen Tag vor Ostern klopfte es immer an meine Bürotür", lacht sie. "Hier ist der Osterhase", verkündete eine tiefe Stimme. Die Sekretärin - "und dabei war ich damals schon fast vierzig!" - musste dann ein paar Minuten aus dem Fenster schauen - und sich dann auf die Suche machen. Irgendwo im Büro war stets ein Schokoeiernest versteckt.

Es ging menschlich zu im Bischofshaus - und als Karl Lehmann kam, sorgte er dafür, dass das so blieb. "Als 1983 bekannt war, dass er Bischof von Mainz würde, schickte er mir aus Freiburg einen Brief", erzählt Agathe Hitzel. "Darin schrieb er: `Ich bin zwar nicht Kardinal Volk - aber jeder darf so bleiben, wie er ist.` Und so hat er es immer gehalten."

Die Zuneigung zu ihrem Chef - sie spricht aus jedem Satz, den Agathe Hitzel über Lehmann sagt. "Seine Menschlichkeit, seine ruhige Art" schätze sie am meisten an ihm, betont die Sekretärin. Nur manchmal habe sie einen etwas strengeren Ton anschlagen müssen - weil er trotz seiner 70 Jahre viel zu viel arbeite. "Er versichert dann, dass er besser auf seine Gesundheit achtet - aber davon ist nichts zu merken", seufzt Agathe Hitzel lächelnd. "Aber ich habe immer versucht, ihn zu bremsen."

Ein bisschen will sie auch weiterhin auf ihn aufpassen. "Ich werde schon noch ein-, zweimal die Woche ins Bischofshaus kommen", verrät sie. Zu gut hat sie noch die erschreckte Reaktion ihres Chefs im Ohr, als sie ihm vor einiger Zeit sagte, dass ihr Abschied näher rücke: "Ja - und ich?", rief Lehmann aus.

Doch 50 Jahre Arbeit sind genug, befindet Agathe Hitzel und ist fest entschlossen, den Ruhestand mit Reisen und Gartenarbeit zu genießen. Erste Berufserfahrung sammelte die Sprendlingerin vor einem halben Jahrhundert als Sekretärin des damaligen Oberbürgermeisters in Bingen; 1978 wechselte sie dann ins Bischöfliche Ordinariat und wurde erst die rechte Hand Volks, später Lehmanns. Und was macht die Sekretärin eines Kardinals? "Dasselbe wie jede andere Chefsekretärin auch", erklärt Agathe Hitzel. "Post erledigen, Terminbuch pflegen (damit hat man Tag und Nacht zu tun), Briefe schreiben, bei Manuskripten helfen." Und - Kaffee kochen? "Nein", schüttelt die Jubilarin lachend den Kopf. "Das erledigen die beiden Schwestern, die dem Kardinal den Haushalt führen." Jeden Tag um drei pflegt Lehmann übrigens mit der Hausgemeinschaft - zu der neben den Sekretärinnen der Bischofskaplan und der persönliche Referent zählen - einen entspannten Nachmittagskaffee zu sich zu nehmen. Das ein oder andere Tässchen wird Agathe Hitzel wohl noch mittrinken - Ruhestand hin oder her.
German Ein Gruß an Kardinal Lehmann
May 29, 2006
Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem zweitägigen China-Besuch wieder in Deutschland ist, hat sie eine wichtige Aufgabe: «Wollen Sie Kardinal Lehmann in meinem Namen grüßen?» bittet der 90-jährige Schanghaier Bischof Aloysius Jin die Regierungschefin am Dienstag beim Gang durch die St.-Ignatius-Kathedrale.

Schanghai (AP, 23.05.2006) Das an sich ganz beachtliche zweitürmige Backstein-Gotteshaus, Baujahr 1910, verschwindet fast zwischen all den Riesenhochhäusern in der chinesischen Boomtown - selbst das Haus der Gemeindeverwaltung nebendran ist höher. «Das mache ich gerne», versichert Merkel auf die Bitte Jins. Sie ist sichtlich beeindruckt von der Lebenskraft, die der alte Mann ausstrahlt. Ihr hellroter Blazer kontrastiert seltsam mit der purpurnen Leibbinde des Bischofs.

Aloysius Jin ist ein Opfer der chinesischen Kulturrevolution. 1955 wurde er verhaftet, und danach verbrachte er 27 Jahre in Gefängnis und Arbeitslager, «weil sie sagten, ich sei ein Spion von Papst Pius XII.». Offiziell hieß das Delikt «Volksaufhetzung im Namen des Vatikans». Der Mann, der vor dem Zweiten Weltkrieg in Köln und Innsbruck Deutsch lernte, gesteht Merkel beim Rundgang durch sein Gotteshaus, er hätte nach der Gefangenschaft nicht gedacht, «dass Gott mich danach noch mit einem so langen Leben beschenkt».

Noch heute ist das Verhältnis zwischen den Katholiken und der Staatsmacht getrübt, obwohl in China offiziell Religionsfreiheit herrscht. Millionen Katholiken praktizieren ihren Glauben im Untergrund, weitere fünf Millionen gehören der staatlich anerkannten, aber erst seit den 80er Jahren wieder vom Vatikan akzeptierten «Patriotischen Kirche» an.

Unter ihnen ist auch Bischof Jin, der sich immer wieder Sanktionen bei seinen Bemühungen ausgesetzt sieht, die chinesische Obrigkeit und den Vatikan zusammen zu bringen. Aber bei Gottesdiensten ist die 3.000 Personen fassende Kirche «ganz voll», wie er stolz erzählt. In Schanghai allein gibt es 140.000 Katholiken.

Nach einer Verneigung des Bischofs und seiner Besucherin vor dem Altar zeigt Jin auf die Empore. «Da stand die Orgel, sie haben sie auch zerstört.» Ob er für die neue Geld brauche, fragt Merkel, und die Umstehenden merken: Sie würde gerne das Scheckbuch zücken. «Wenn ich Geld brauche, bete ich zum Heiligen Joseph», sagt Jin ein bisschen verschmitzt. «Ich bin ja Protestantin», gesteht die Kanzlerin später. «Ich weiß», sagt Jin. Er habe sich über sie informieren lassen. Informationsfreiheit zumindest genießt er in Schanghai: «Ich lese regelmäßig den 'Rheinischen Merkur' und den 'Spiegel'. Der 'Spiegel' ist gegen alles.» Merkel lacht.

Später sagt sie, es habe sie sehr beeindruckt, wie sehr Jin daran interessiert sei, «dass es zu guten Beziehungen zwischen der chinesischen Führung und dem Vatikan kommt, und welche wichtige Rolle in dieser Gemeinschaft der Katholiken Deutschland spielt».
German Mit Gleichberechtigung nicht am Altar beginnen
May 29, 2006
Kardinal Karl Lehmann hat sich gegen eine Priesterweihe von Frauen ausgesprochen. Der Altarraum sei nicht der Ort, an dem man die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter lösen könne, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag beim Katholikentag in Saarbrücken.

Saarbrücken, 25.5.06 (Kipa) Lehmann verwies zugleich auf Fortschritte, die in den vergangenen Jahrzehnten in der Kirche hinsichtlich der Rolle der Frau erreicht worden seien. Aus der Feststellung, dass Frauen und Männer absolut gleichwertig seien, dürfe man nicht sofort Konsequenzen für die Ämterfrage ziehen. "Mir hängt es zum Hals heraus, ständig über Ämter und Dienste zu sprechen", so Lehmann.

Die Kirche habe aber mit dem Nachdenken und mit dem Ändern von Dingen angefangen. "Im Denken darf man auch über Grenzen hinausgehen", sagte der Kardinal. Er warnte, die Benachteiligung von Frauen dürfe nicht allein zu einem Kirchenproblem gemacht werden. Das gesamte abendländische Denken sei belastet von einer Unausgewogenheit hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Männern und Frauen.

Demel: Kirche muss Signal an Frauen senden

Die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel unterstrich, die Kirche müsse ein deutliches Signal an die Frauen senden. Die Frauen seien seit Jahrhunderten missachtet und unterdrückt worden und würden noch heute nicht ernst genommen. Die Kirche solle strukturell daran arbeiten, das zu ändern.

Die Männerdominanz am Altar sei nicht nur physisch, sondern auch spirituell spürbar, so die Wissenschaftlerin. "Uns ist die Vielfalt des Lebens abhanden gekommen, die in den Altarraum gehört", so Demel, die dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehört.
German Karl Kardinal Lehmann zum Podiumsgespräch bei Mainz 05
May 29, 2006
Prominente Gesprächsrunde bei Mainz 05. Am Dienstag, 30. Mai, findet im VIP-Zelt neben dem Bruchwegstadion eine Podiumsdiskussion mit Karl Kardinal Lehmann zum Thema "Im Fußballfieber... Nachdenkliches zur Fußballweltmeisterschaft 2006" statt. Nähere Informationen stehen hier...

(mainz05.de, 24.05.2006) Die Weltmeisterschaft rückt näher. Fußball präsentiert sich als das große Geschäft mit Titeln, Toren und Triumphen. Wo aber liegen die Wurzeln des Fußballs und seine eigentliche Faszination? Warum gewinnt Fußball in diesen Tagen so an Bedeutung? Den Fußball aus dieser anderen Perspektive zu betrachten und ihn nach seiner Sinn, Identität und Gemeinschaft stiftenden Bedeutung zu interpretieren ist das Ziel einer Podiumsdiskussion mit Gästen um den Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, die am Dienstag, 30. Mai, um 18 Uhr im VIP-Zelt des Mainzer Bruchwegstadions stattfindet.

Mit Karl Kardinal Lehmann diskutieren Harald Strutz, Präsident des 1. FSV Mainz 05, der frühere Nationalspieler Marco Bode und Prof. Dr. Dietmar Mieth vom Lehrstuhl für Theologische Ethik der Universität Tübingen zum Thema „Im Fußballfieber… Nachdenkliches zur Fußballweltmeisterschaft 2006“. Wahrscheinlich wird auch WM-Schiedsrichter Dr. Markus Merk noch zur Runde stoßen.

„Mainz 05 ist sehr gerne Gastgeber für diese Podiumsdiskussion, bei der wir den Fußball unter Gesichtspunkten beleuchten, die im Tagesgeschäft in den Hintergrund gedrängt werden“, sagt 05-Präsident Harald Strutz. „Ich freue mich auf spannende Gespräche und hoffe auf großem Zuspruch bei unseren Gästen.“

Den humoristischen Einstieg in den Abend findet Kabarettist Christian Springer. Der vom Erbacher Hof, der Akademie des Bistums Mainz, gemeinsam mit dem 1. FSV Mainz 05 im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2006 veranstaltete Abend wird von TV-Journalist und Autor David Kadel (N24, „Fußball-Gott“) moderiert. Alle Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.
German Kardinal Lehmann: 'Es hängt mir zum Hals heraus'
May 29, 2006
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betont beim Katholikentag in Saarbrücken, dass er von den Debatten um die Priesterweihen für Frauen genug habe.

Saarbrücken (www.kath.net, 28. Mai 2006) In der Debatte um die Stellung der Frau in der Kirche hat Kardinal Karl Lehmann am Donnerstag am Abend davor gewarnt, immer nur über die Priesterweihe zu reden. Mittlerweile erführen Frauen in der Kirche deutlich mehr Wertschätzung als in der Vergangenheit, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Saarbrücken. Wenn aber in diesem Zusammenhang immer nur über die Weihe von Frauen debattiert werde, passiere wenig. Offen bekannte der Kardinal bei einer Podiumsdiskussion auf dem 96. Deutschen Katholikentag in Saarbrücken: "Es hängt mir zum Hals heraus, im Zusammenhang mit Ämtern und Diensten immer nur dieses Thema zu diskutieren." Viel stärker müsse stattdessen darüber nachgedacht werden, welche Aufgaben von Frauen übernommen werden können. "Wir tun dies mehr, als die meisten denken", sagte Lehmann.

Zugleich plädierte der Kardinal für ein neues Miteinander von Frau und Mann. Dies gelte für die Gesellschaft ebenso wie für die Kirche. Das ganze abendländische Denken sei belastet durch die unausgewogene Betrachtung der Geschlechter. Lehmann plädierte für die gleichwertige Behandlung von Mann und Frau. Das bedeute aber nicht, dass beide Geschlechter gleich seien. Im Übrigen habe er schon als Theologieprofessor stets seine Studentinnen gefördert, denn: "Die besten Doktorarbeiten haben bei mir die Frauen geschrieben." Außerdem sei es für ihn selbstverständlich und wichtig, bei vielen Entscheidungen eigens die Ansichten von Frauen einzuholen.
German Kirche und Politik feiern Lehmann
May 29, 2006
Kardinal Kasper würdigt die Loyalität des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

Mainz (DT/KNA, 18.05.2006) Mit einem Festgottesdienst und mit einem Festakt ist am Dienstag in Mainz der 70. Geburtstag von Kardinal Karl Lehmann gefeiert worden. Dazu waren mehr als 1 300 geladene Gäste in Lehmanns Bischofsstadt gekommen, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vize-Kanzler Franz Müntefering (SPD), Alt-Kanzler Helmut Kohl, mehrere Kardinäle und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Erwin Josef Ender. In dem Gottesdienst im Mainzer Dom sprach der Nuntius Lehmann auch im Namen von Papst Benedikt XVI. Glück- und Segenswünsche aus. Durch seine Festigkeit im Glauben, seinen unermüdlichen Einsatz für die Belange der Kirche und der Menschen und durch seine Güte und Liebenswürdigkeit habe sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz weit über die Kirche hinaus großes Ansehen erworben, erklärte Ender. Bei dem Festakt nach dem Gottesdienst wünschte Merkel namens der Bundesregierung Lehmann Gesundheit, Wohlergehen und Gottes Segen. Sie nannte den Kardinal eine große moralische Autorität und einen Freund der Menschen. Bereits am Montag hatte Bundespräsident Horst Köhler den Kardinal als eine der herausragenden Persönlichkeiten der katholischen Kirche gewürdigt. Zu den Gästen der Feier gehörten der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn. Gekommen waren auch mehrere Bundesminister sowie der neue SPD-Bundesvorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der hessische Regierungschef Roland Koch (CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier. In seiner Laudatio würdigte Kasper Lehmann als Mann des Dialogs, den Beständigkeit, Standfestigkeit, Verlässlichkeit und Treue auszeichneten. Wörtlich erklärte Kasper: "Das Mitfühlen mit den Menschen, mit ihren Nöten und Sehnsüchten, hat den Bischof Karl Lehmann zu öffentlichen Schritten und Äußerungen veranlasst, die in der Kirche nicht allen gleich gut gefallen haben. Ich nenne nur zwei Stichworte: Der Hirtenbrief der drei oberrheinischen Bischöfe zur Frage der wiederverheiratet Geschiedenen vom September 1994 und die sich lange hinziehende Diskussion um die Schwangerschaftskonfliktberatung. Was Bischof Lehmann da zusammen mit anderen sagte, war nicht leichtsinnig und schon gar nicht aufmüpfig. Wer dahinter mangelnde Loyalität vermutet, der hat wenig von Loyalität und wenig von Karl Lehmann verstanden. Denn Loyalität ist nur dann kein Duckmäusertum, wenn sie mit der Ehrlichkeit und mit dem Freimut verbunden ist, den die Kirche und die oberste Kirchenleitung von einem Bischof erwarten können. An solcher Loyalität hat es Karl Lehmann nie fehlen lassen. Er hat seine gründlich geprüfte Überzeugung vertreten, dann aber die Entscheidung des Papstes ohne Wenn und Aber angenommen. Er hat gezeigt, Gehorsam verbiegt nicht." Kohl, den mit Lehmann eine langjährige Freundschaft verbindet, bescheinigte dem Jubilar, er habe auch als Kardinal nicht abgehoben, sondern sei Pastor geblieben, stehe den Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Der Alt-Bundeskanzler nannte Lehmann eine große moralische und geistliche Autorität. Mit großer Leidenschaft vertrete er seine Überzeugung. Huber bezeichnete Lehmann als einen engagierten Verkünder des Evangeliums und als einen "idealen Partner auf der gemeinsamen ökumenischen Wanderschaft". Mit staunenswerter Beharrlichkeit bemühe sich der Kardinal um "ökumenische Nachhaltigkeit". Im Festgottesdienst hatte Lehmann an die Begrenztheit menschlichen Lebens erinnert. "Es ist immer schon ein Wunder, dass wir überhaupt sind und unser Leben bis zum heutigen Tag bewahrt worden ist", sagte der Kardinal. Er wies auf alle jene hin, die nicht auf der Sonnenseite der Erde wohnten, und sprach von der Pflicht, gerade für diese Menschen weltweit Zeugnis zu geben von Glaube, Hoffnung und Liebe. Als Bekenntnis seines Lebens nannte Lehmann eine auf Gott bauende und dadurch vertrauensvolle Zuversicht. Lehmann ist seit 1983 Bischof von Mainz und seit 1987 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Vor fünf Jahren hatte ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben.
German Kirchenlieder und Abba-Songs
May 27, 2006
Der Mann ist Kult - Katholiken feiern Lehmann wie einen Popstar

(Main-Rheiner, 22.05.2006) Auf dem Liebfrauenplatz gibt´s den Kardinal zum Vernaschen - für einen Euro. "Lecker", seufzt ein junges Mädchen und beißt dem süßen Karl genüsslich die Mütze ab. Ein Gedicht aus Biskuit und Marzipan. Ein paar Dutzend Meter entfernt steht der echte Kardinal Karl Lehmann: nicht zum Anbeißen, aber immerhin zum Anfassen. Und davon machen die Menschen reichlich Gebrauch. "Alles, alles Gute und viel Gesundheit", wünscht eine ältere Dame und drückt Lehmanns Hand, als wolle sie sie gar nicht mehr loslassen. Doch der Kardinal muss noch viele, viele Hände schütteln an diesem Tag - Tausende sind zum Bischofsfest rund um den Dom gekommen, um mit dem Bischof seinen 70. Geburtstag zu feiern.

Dass so viele hier sind: "Das freut mich schon", lächelt Karl Lehmann bescheiden. Keine Frage - der Kardinal ist Kult. Er wird gefeiert wie ein Popstar, als er das Bad in der Menge nimmt. Junge Katholiken lassen sich mit ihm fotografieren, Kinder strecken schüchtern die Hand nach seinem Gewand aus.

Lehmann übersieht keines von ihnen. Oft sieht man ihn gebückt, immer wieder geht er in Augenhöhe zu kleinen Jungen und Mädchen, spricht mit ihnen. Elisabeth, 8, schaut mit großen Augen zu, zoppelt dann ihre Mutter am Ärmel: "Kommt der Papst auch?"

Nein, der Papst ist nicht da, aber er verpasst was: Die Stimmung am Dom ist toll, und der Kardinal ist bestens aufgelegt. Gleich nach dem Gottesdienst macht er beim Torwandschießen am Missio-Stand mit und trifft, wenn schon nicht die Löcher, dann doch wenigstens das Tor. Dann verspeist er zum Mittagessen schnell ein Würstchen, bevor er die lange, lange Runde über Markt und Liebfrauenplatz macht - stets umringt von Gratulanten aus seinem Bistum und über dessen Grenzen hinaus. "Ich bin aus Sigmaringen - genau wie Sie, Herr Kardinal", erzählt ihm eine Frau schüchtern. Und Lehmann freut sich: "Kennen Sie den Herrn...", plaudert er sofort angeregt. Kinder stecken ihm kleine Geschenke zu: ein selbst gezeichnetes Bild, einen bemalten Kieselstein. Und der Kardinal freut sich. Über 100 Pfarreien und Verbände aus dem Bistum sind vertreten; stellen ihre Arbeit vor, bieten Leckereien an. Auf drei Bühnen spielen Bands Musik, mal Kirchenlieder, mal Songs von Abba - bekanntlich die Lieblingsband das Kardinals.

Was wünscht sich dieser eigentlich ganz persönlich zum Geburtstag? "Dass ich noch längere Zeit gesund bin und meine Arbeit machen kann. Und dass ich - gemeinsam mit vielen anderen - Menschen für die Kirche und den Glauben begeistern kann."
German Großes Herz als Geschenk für Kardinal
May 27, 2006
Sonne und Wolken, fröhliche Begegnungen, aber auch nachdenkliche Töne zum Thema Alter, all das gehörte gestern zum Bistumsfest. Rund um den Dom feierte die Mainzer Diözese mit mehr als 100 beteiligten Gruppen und vielen tausend Besuchern den 70. Geburtstag von Karl Kardinal Lehmann.

(Main-Rheiner, 22.05.2006) "Herr, bleibe bei uns, denn es wird Abend werden", zitierte der Bischof die Jünger. Sein 70. Geburtstag sei ihm auch Anlass, über die eigenen Kräfte und das eigene Ende nachzudenken. Er sei dankbar, wenn ihn die Gläubigen - noch mehr als sonst - in ihre Gebete einschlössen, und mit ihm seinen Weg gingen, so lange Gott wolle, dass er sein Amt ausübe.

Nachdenkliche Worte, die aufhorchen ließen. Doch aus Lehmanns Umgebung hieß es beruhigend: Zur Besorgnis bestehe kein Anlass. Der Bischof habe nur so gebetet, wie es jeder "gute Katholik" tue; angesichts des 70. Geburtstags sei es selbstverständlich, an Alter und mögliche Krankheiten zu denken.

Dass das Leben des Menschen in Gottes Hand ist, dieses Motto durchzog mit dem Wort aus dem Johannes-Evangelium "Gott ist größer als unser Herz" den Gottesdienst. So groß war das rote Papp-Herz, das die Jungen und Mädchen im Kindergottesdienst gebastelt hatten und auf die Bühne brachten, dass der Nachwuchs fast dahinter verschwand. Das menschliche Herz könne sehr groß sein, sagte der Bischof, so groß, wie die Liebe zweier Menschen zueinander, so groß, wie das Streben, die Nöte anderer Menschen zu lindern. Und doch sei Gott größer als dieses Herz, denn nur er kenne alle guten Seiten, alle Abgründe.

Der Vorsitzende der Diözesanversammlung, Wilhelm Schulze, dankte Lehmann für seinen "unermüdlichen Einsatz" und überreichte ihm einen Korb mit Spezialitäten aus Hessen und Rheinhessen sowie Gaben der ausländischen Gemeinden. Nicht zuletzt wegen Lehmanns Drängen auf eine zeitgemäße Pastoral sei die Diözese, so Schulze, eine lebendige Gemeinschaft. Wie lebendig, bewies der "Bistumschor" (Leitung: Thomas Drescher), der mit dem Bläserchor Heidesheim und Regionalkantor Ruben Sturm den musikalischen Rahmen gestaltete. Dazu gehörte auch ein Glückwunsch-Kanon: "Viel Glück und viel Segen". Hinter den Musikern flatterte eine Fahne, deren Aufdruck vielleicht eine Antwort auf die ehrlichen Schlussworte Lehmanns gab: "Du bistum geben", "Du bistum jubelt" und "Du bistum sorgt" stand als Wortspiel darauf.
German Westerwelle gratuliert Kardinal Lehmann
May 25, 2006
FDP-Sprecher Robert von Rimscha teilt mit:

(fdp-kleinmachnow.de, 16. 05. 2006) Berlin. Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Dr. Guido Westerwelle hat Karl Kardinal Lehmann herzlich zu seinem 70. Geburtstag gratuliert. In dem Glückwunschschreiben heißt es:

"Sehr geehrter Karl Kardinal Lehmann,

zur Vollendung Deines 70. Lebensjahres möchte ich Dir im Namen der FDP-Bundestagsfraktion, der Freien Demokratischen Partei und auch ganz persönlich sehr herzlich gratulieren.

Dein unermüdlicher Einsatz für den christlichen Glauben und für eine tolerantere Gesellschaft machen Dich zu einer moralischen Instanz unseres Landes. Dein fester Wertekompaß und Dein Gefühl für die Menschen geben vielen Halt und Orientierung.

Lieber Karl, nochmals von Herzen alles Gute. Ich hoffe, Du verlebst heute einen fröhlichen und angenehmen Geburtstag. Für die Zukunft wünsche ich Dir weiterhin viel Tatkraft, beste Gesundheit und Gottes Segen."
German Brückenbauer zwischen Konfessionen"
May 25, 2006
Kirche und Politik feiern Lehmann. Kardinal Karl Lehmann wird 70

(hr-online.de, 16.05.2006) Er gilt als geschickter Moderator zwischen Modernisierern und Konservativen in der katholischen Kirche. Seit fast zwanzig Jahren ist Karl Kardinal Lehmann Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Am Dienstag feierte er in Mainz seinen 70. Geburtstag.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Mainzer Dom. Lehmann selbst gestaltete das Pontifikalamt gemeinsam mit mehreren Bischöfen. 1.300 Gäste aus Kirche, Wirtschaft und Politik waren gekommen. Bundeskanzlerlin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Lehmann, der auch Bischof von Mainz ist, als einen der bedeutendsten Theologen der Gegenwart und als gefragten Gesprächspartner ihrer Regierung.

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, würdigte Lehmanns Einsatz für das Miteinander der Kirchen: "Wie eng Sie der Ökumene verbunden sind, spürt jeder, der mit Ihnen verbunden ist", sagte Huber. Unter den Gästen war auch der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper.

Auch Ministerpräsident Roland Koch (CDU) war gekommen. Er bezeichnete den Kardinal als über die Konfessionsgrenzen hinweg geschätzten Glaubensführer. "Seine Kombination aus Geradlinigkeit und Praxisbezug ist selten", erklärte Koch. Zur Diözese des Mainzer Oberhirten gehören auch Teile Hessens.

Lehmann selbst rückte die Zuversicht in den Mittelpunkt seiner Predigt. Eine auf Gott bauende und damit vertrauensvolle Zuversicht sei "das Bekenntnis meines Lebens", sagte Lehmann. Die Erfüllung dieser Erwartung verlange allerdings "aktive Geduld" und Gelassenheit.
German Kardinal Lehmann "ist Pfarrer geblieben"
May 25, 2006
Ein Freund der Menschen, eine Institution, einer der bedeutendsten Theologen der Gegenwart: Kardinal Lehmann wurde an seinem 70. Geburtstag von Vertretern aus Politik und Religion Kardinal Lehmanns in den höchsten Tönen gelobt.

(Stern, 16. Mai 2006) Mit einem Pontifikalamt im Mainzer Dom haben die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, begonnen. In Gegenwart zahlreicher Vertreter von Politik und Kirchen überbrachte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, die Glückwünsche von Papst Benedikt XVI. Lehmann habe sich große Verdienste um die Kirche erworben und genieße weit über die Grenzen der Kirche hinaus großes Ansehen, sagte Ender.

An der Messe sowie am anschließenden Festakt in der Mainzer Rheingoldhalle mit insgesamt 1300 geladenen Gästen nahmen mehrere Vertreter der Bundesregierung teil, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Franz Müntefering (SPD), Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Ebenfalls unter den Festgästen waren der neue SPD-Chef Kurt Beck sowie Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier.

Ein Freund der Menschen
Angela Merkel hat Kardinal Karl Lehmann einen der bedeutendsten Theologen der Gegenwart genannt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sei ein gefragter Gesprächspartner für die Bundesregierung. "Sie sind ein Freund der Menschen", ergänzte Merkel. Der Mainzer Bischof Lehmann sei zudem ein Mensch, "der die Zweifel durchaus ausdrücken kann, der sich aber von Zweifeln nicht unterkriegen lässt".

Kurt Beck sowie Altbundeskanzler Helmut Kohl würdigten Lehmann. "Dankeschön dafür, dass Sie vielen Menschen Hilfe im Glauben und in Konflikten, die das Leben bringt, gegeben haben", erklärte Beck. Kohl sagte, Lehmann sei auch als Kardinal nicht abgehoben, sondern habe "ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte" der Menschen. "Du bist Pfarrer geblieben", sagte Kohl.

Loyalität und Ehrlichkeit
In seiner Laudatio auf Lehmann sagte Kurienkardinal Walter Kasper, Gesicht und Stimme des Geehrten hätten sich in den vergangenen 23 Jahren seines bischöflichen Wirkens der Öffentlichkeit fest eingeprägt: "Karl Lehmann ist so etwas wie eine Institution geworden." Viele, nicht nur katholische Christen, würden ihn kennen und schätzen. Das Mitfühlen mit den Menschen und ihren Nöten und Sehnsüchten habe ihn zu öffentlichen Schritten bewogen, "die in der Kirche nicht allen gleich gut gefallen haben".
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Kasper verwies auf Lehmanns Eintreten für die Belange wiederverheirateter Geschiedener sowie für den Verbleib der Kirche im System der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung. Die Stellungnahmen des Mainzer Bischofs in beiden Fragen hätten nichts mit mangelnder Loyalität gegenüber dem Vatikan zu tun: "Er hat seine gründlich geprüfte Überzeugung vertreten, dann aber die Entscheidung des Papstes ohne Wenn und Aber angenommen." Lehmanns Loyalität und seine Ehrlichkeit hätten vielen Menschen Mut gemacht, in der Kirche zu sein und in der Kirche zu bleiben.

Feierlichkeiten bis Ende der Woche
Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber würdigte den Einsatz des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz für die Ökumene. "Den Dialog der Kirchen haben Sie aus theologischer Substanz heraus geprägt", sagte Huber bei dem Festakt in der Rheingoldhalle. Der Mainzer Kardinal sei ein engagierter Verkünder des Evangeliums. Sein weiter theologischer Horizont und seine Fähigkeit zur Wahrnehmung einer vielschichtigen Realität machten den Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz "zu einem idealen Partner auf der gemeinsamen ökumenischen Wanderschaft". Bis zum Ende der Woche werden weitere Feierlichkeiten im Bistum Mainz stattfinden. Lehmann leitet die deutsche Bischofskonferenz bereits seit 19 Jahren, länger als jeder seiner Vorgänger.
German Mit Glück und Geduld die rechte Zeit abwarten
May 17, 2006
Karl Kardinal Lehmann über Mut und Erfolg, Fragen an den Papst, Tränen und Freuden als Bischof.

(Rhein-Mainer 13.05.2006) MAINZ - Rund 1300 geladene Gäste werden dem Mainzer Bischof, Karl Kardinal Lehmann, am Dienstag, 16. Mai, zum 70.Geburtstag Glück wünschen. \"Von der besonderen Kunst glücklich zu sein\" handelt eines seiner Bücher. Wir unterhielten uns mit dem Kardinal anlässlich seines Geburtstags über Mut, Erfolg und über das Glück, Geduld mit der eigenen Kirche zu haben.

Sie schreiben, das Leben sei \"ein einziger Roman von der Schwierigkeit, glücklich zu sein\". Was macht Sie glücklich?

Lehmann: Das hat sich im Lauf des Lebens geändert. Heute bin ich froh, wenn ich jeden Morgen frisch und munter aus dem Bett steigen kann, wenn ich das Gefühl habe, ich habe die Kraft, meine Arbeit zu machen. Was andere Freizeit nennen, spielt bei mir keine große Rolle. Natürlich freut es mich, wenn ich da und dort Gutes erreichen kann, Erfolg habe.

Was war Ihr größter Erfolg?

Lehmann: Das Wort Erfolg habe ich eben nur mit Zögern benutzt. Da zitiere ich Martin Buber: Erfolg ist kein Name Gottes. Aber dennoch will der Mensch ja sehen, dass das, was er tut, nicht fehlgeht; er will, wie die Bibel es sagen würde, Gedeihen und Segen erleben. Erfolg in diesem Sinne meint keine großen Ereignisse: Wenn ich am Abend sagen kann, es gab gute Begegnungen, es gab gute Stunden, dann ermutigt mich das. Dies genügt.

Was entmutigt Sie?

Lehmann: Man darf sich nicht leicht entmutigen lassen. Es gibt Dinge, die im ersten Moment nach Scheitern aussehen, etwa 1993 der Versuch vom damaligen Freiburger Bischof Oskar Saier, dem heutigen Kardinal Walter Kasper und mir, Fortschritte in der Geschiedenenpastoral zu erzielen. Das ist auf offiziellem Wege nicht akzeptiert worden. Aber die Frage ist nach wie vor aktuell, ich werde oft darauf angesprochen, selbst beim Konklave zur Papstwahl. Auch Leute, die früher in dieser Frage gegen unser Anliegen waren, sagen heute: Da ist noch eine Aufgabe zu lösen. So sind Erfolg und Misserfolg relativ.

Aber einen Erfolg wird es auch unter Papst Benedikt XVI. nicht geben, oder?

Lehmann: Für alle Dinge, die man tut, ist der richtige Zeitpunkt wichtig. Ich denke, in einer Zeit, in der Treue in der Ehe wieder etwas zählt, und man zugleich weiß, dass es doch immer wieder Situationen gibt, in denen Menschen an ihrer Zweisamkeit scheitern, könnte man leichter anders entscheiden. Vor der Wiederzulassung zur Kommunion gibt es viele Schritte. In jedem Fall ist das Gespräch mit einem erfahrenen Seelsorger wichtig. Kirche darf sich nie der Hilfe entziehen.

Für welches Thema ist nun der rechte Zeitpunkt, worüber wollen Sie als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Papst reden?

Lehmann: Ich würde gerne mit ihm über ein, zwei Punkte ins Gespräch kommen, von denen ich glaube, dass man in Rom Befürchtungen uns gegenüber hegt. Da gibt es die Instruktion gegen Missstände in der Liturgie, also zu viel "Wildwuchs" in den Gemeinden. Aber sollten bestimmte Entscheidungen nicht doch vor Ort bleiben, frage ich mich, auch die Formulierung von bestimmten liturgischen Texten? Ob das Leute in Rom besser ausarbeiten können als Menschen, die hier leben?

Dann stehen wichtige Personalentscheidungen in der Deutschen Bischofskonferenz an: die Ernennung des Bischofs von Eichstätt, weitere Wechsel folgen in den kommenden Jahren. Diese Bischofsernennungen werden die Handschrift des neuen Papstes zeigen.

Sie sind seit 1983 Mainzer Bischof. Wieso haben Sie vor dem Abschied als Professor in Freiburg geweint?

Lehmann: Da kam einiges zusammen. Ich habe gerne wissenschaftlich mit jungen Menschen gearbeitet, ihre Begeisterung für Theologie geweckt. Und ich wusste, dass man als Hochschullehrer ein sehr freier Mensch ist. Dazu kam, dass ich in einem wunderschönen Schwarzwalddorf gewohnt habe, dass ich Freude am dörflichen Leben hatte, gerne im Garten arbeitete, Freude an den Katzen hatte, die ums Haus waren. Als ich zum letzten Mal den Schlüssel herumdrehte, hat es mich übermannt. Ich wusste, es folgt ein abstrakteres Leben.

Haben Sie Ihren Lebensweg je bereut?

Lehmann: Nein, ich weiß noch genau, als ich am 10. Oktober 1963 bei meiner Priesterweihe gesagt habe: Adsum, ich bin bereit. Mir war klar, dass nicht mehr ich meinen Weg festlege, sondern die Kirche.

Was ist das Schöne am Bischofsamt?

Lehmann: Man kommt mit allen möglichen Menschen zusammen, aus allen Schichten, allen Berufen: Kinder und Erwachsene, Kranke und Gesunde, Namenlose und Prominente. Als neugieriger Mensch ist dies für mich ein ungeheurer Schatz von Begegnung und Erfahrung. Als gläubiger Mensch ist es für mich eine Freude, bei Gottesdienst und Gebet in Gemeinschaft zu sein.

Gilt die Freude auch den Insignien und Gewändern?

Lehmann: Da habe ich kaum ein Verhältnis dazu. Glücklicherweise muss ich nur selten solch schwere brokatene Messgewänder tragen. Ich bin für Einfachheit und mag auch nicht diese haushohen Türme als Mitra. Aber es gibt heute schöne schlichte Gewänder. Ich schaue halt, dass die Dinge zueinander passen und verlasse mich da gerne auf andere, nicht zuletzt auf Frauen, die sagen, das sieht gut aus und das nicht.

Wie präsent muss ein Bischof sein? Haben Sie nicht manchmal zu viele Termine?

Lehmann: Das ist eine Schwäche von mir, dass ich Termin-Anfragen noch viel zu selten absage, trotz der heute schon fast 70 Prozent Absagen, die ich alleine schon wegen Terminkollisionen schreiben muss. Dann gilt: Zähne zusammenbeißen und durch. Denn ich lege Wert darauf, dass ich Zusagen einhalte. Aber es muss immer noch eine Reserve bleiben für Wichtiges, das aktuell dazukommt. Ich war glücklicherweise nie länger krank. So lange ich an die Grenzen der Belastbarkeit gehen kann, ist das gut. Wenn ich es nicht mehr könnte, würde ich ohne Zögern sagen: Ich bin alt genug, um mich zurückzuziehen. Diesen Beruf kann man nur ganz oder gar nicht erfüllen. Es gibt kein halb.

Bischöfe bitten mit 75 Jahren um ihren Rücktritt; wie ist das für Kardinäle?

Lehmann: Auch Kardinäle reichen mit 75 Jahren ein Rücktrittsgesuch beim Papst ein. Es hat sich aber herausgebildet, dass Papst Johannes Paul II. Kardinäle länger wirken ließ, aber das hat Schwierigkeiten. Was sollen die Kriterien sein? Geht es nach Akzeptanz, nach Gesundheit? Kardinal Martini, der fast 80 ist, hat gemeint, als es beim jüngsten Konsistorium um einen späteren Ruhestand für Bischöfe ging: \"Lasst die Finger davon, die vergangenen fünf Jahre waren die glücklichsten meines Lebens.\"

Sie hoffen also auf einen Ruhestand ab 75?

Lehmann: Ich kann mich zumindest an dem Gedanken erfreuen, mehr zu beten und zu meditieren, auch mal eine Reise zu unternehmen, die ich nicht von Amts wegen mache, oder ein Buch von 500 bis 600 Seiten in zwei, drei Tagen zu lesen.

Wo wollen Sie Ihren Ruhestand verleben?

Lehmann: Ich bin die meiste Zeit meines Lebens nun in Mainz gewesen und kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben.

Was wollen Sie als Bischof noch erreichen?

Lehmann: Wir sind auf gutem Wege bei der Neuordnung der pastoralen Strukturen, die auch - aber nicht nur - nötig war wegen der rückläufigen Priester-Zahl. Entscheidender ist, dass wir mehr Mut finden, unaufdringlich in der Öffentlichkeit den Glauben zu bezeugen, Menschen nachdenklich zu machen über den Sinn ihres Lebens; all das also, was man missionarische Seelsorge nennt.

Leider ist es immer noch so, dass wir viele getauften Katholiken in der eigenen Kirche nicht mehr erreichen, dass wir ein Defizit an Begeisterungsfähigkeit haben. In allem leitet und motiviert uns letztlich die Zuversicht aus dem Glauben.

Aber gibt es dafür nicht zu wenig Priester? Muss der Pflichtzölibat bleiben?

Lehmann: Ich glaube, dass es immer Männer und Frauen geben wird, die um des uneingeschränkten Einsatzes für das Evangelium willen auf Ehe und Familie verzichten. Zugleich darf man nicht vergessen, dass wir in den katholischen Ostkirchen verheiratete Männer haben, die genauso legitimiert sind und das Priesteramt ausüben wie unverheiratete Priester in der westlichen Kirche.

Es existieren längst verschiedene Lebensformen. Auf Dauer muss man überlegen, was man für welchen Dienst verlangen kann. Der westlichen Kirche würde sicher etwas fehlen, wenn es den ehelos lebenden Priester nicht mehr geben würde.

Katholiken und Protestanten hoffen weiter auf eine gemeinsame Mahlfeier ...

Lehmann: In diesem Falle blicke ich zunächst zurück und sage: Wir haben in der Ökumene in den letzten 40 Jahren so viel erreicht, dass dies keine Utopie sein müsste, falls die Dynamik beibehalten würde. Ich würde aber nie ein Datum nennen. Im Augenblick stellt sich mir allerdings die Frage, ob die Leidenschaft für die Einheit der Kirche wirklich noch so groß ist, dass Hindernisse überwunden werden können. Da sehe ich mehr Müdigkeit als Willen. Wenn wir aber nicht stärker voneinander lernen, wenn wir nicht gemeinsam intensiver auf das Evangelium zugehen, dann wird die Ökumene leer. Dann lohnt der Aufwand nicht. Ich glaube aber, dass es zur Ökumene keine Alternative gibt.

Gibt es an Ihrem Geburtstag private Minuten?

Lehmann: Kaum. Um acht Uhr steht offenbar das Landespolizeiorchester vor dem Bischofshaus. Dann folgen Pontifikalamt und Festakt. Aber abends werde ich mit der Hausgemeinschaft anstoßen.

Zumindest haben Sie sich selbst beschenkt...

Lehmann (lacht): Ja, ich habe ein neues Privatauto, einen Mercedes B-Klasse, und ich habe fest vor, damit selbst zu fahren. Meinen über 15 Jahre alten Audi hatte ich zuletzt sehr vernachlässigt.
German Das AP-Porträt «Das Amt in der Kirche ist immer Dienst»
May 17, 2006
Auf die Frage, welche Person er gerne gewesen wäre, hat er einmal geantwortet: «Ich, nur besser.» Das gelte auch ohne etwas Konkretes zu meinen - für den Rückblick auf seine sieben Lebensjahrzehnte bisher. Am Dienstag (16. Mai) wird der Mainzer Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, 70 Jahre alt.

Mainz (AP, 11.05.2006) Seit 19 Jahren ist Lehmann oberster Repräsentant der katholischen Kirche in Deutschland - so lange wie kein anderer in der Geschichte der Bischofskonferenz. Zuletzt war ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen, daraus machte er bei seiner vierten Wahl im vergangenen Jahr kein Hehl. Aber bei dem überwältigenden Vertrauen, das ihm entgebracht worden sei, hätte er sich nicht wohl gefühlt, Nein zu sagen. «Das Amt in der Kirche ist immer Dienst. Jesus sagt: Wer bei euch groß sein will, soll der Diener aller sein», erklärt Lehmann.

Obwohl Lehmann auf den ersten Blick manchmal etwas bärbeißig wirkt, gilt er als weltoffen, humorvoll und ist als bekennender Fußballfan nicht nur bei großen Teilen des Kirchenvolks sehr beliebt. Vergangenes Jahr erhielt er den «Orden wider den tierischen Ernst» für Humor und Menschlichkeit im Amt. Der Mainzer Bischof sei ein «Schlitzohr im Kardinalstalar» begründet der Aachener Karnevalsverein seine Wahl.

Der Sohn eines Dorfschullehrers wurde am 16. Mai 1936 in Sigmaringen geboren. Nach dem Abitur studierte er Philosophie und Theologie in Freiburg, ging dann auf Geheiß des Freiburger Erzbischofs zu Studien nach Rom. 1962 promovierte Lehmann in Philosophie, ein Jahr später wurde er zum Priester geweiht. 1967 erhielt er den Doktortitel der Theologie summa cum laude. Seine akademische Laufbahn begann der spätere Kardinal an der Universität Mainz, später wechselte er nach Freiburg.

1983 ernannte Papst Johannes Paul II. Lehmann zum Mainzer Erzbischof, vier Jahre später wurde er erstmals zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Unbeirrbar in den zentralen Fragen der Dogmatik und der Grundwerte, zeigte sich Lehmann in seiner langen Amtszeit dennoch offen für vorsichtige Reformschritte.

Seine für einen katholischen Geistlichen eher liberale Haltung in der Diskussion um Abtreibung und Schwangerschaftsberatung brachte Lehmann ernste Probleme - sowohl in der Bischofskonferenz als auch mit dem Vatikan.

Duzfreundschaft mit dem Papst

Jahrelang war Lehmann als Kandidat für die vom Papst verliehene Kardinalswürde im Gespräch, wurde aber nie berücksichtigt, was Beobachter auch als Missbilligung seines liberalen Kurses werteten. Anfang 2001 kam dann doch die überraschende Ernennung - allerdings zusammen mit einem siebenseitigen Mahnschreiben des Papstes. Mit Joseph Ratzinger verbindet Lehmann dagegen eine lange Duzfreundschaft - daran hat sich auch nach Ratzingers Aufstieg zum Papst nichts geändert.

Fünf Jahre dauert Lehmanns Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz noch. Als die größten Herausforderungen nennt er, die Zeichen der Zeit im Blick zu behalten und aus dem Glauben Antworten etwa auf die hohe Arbeitslosigkeit, die Frage der Integration oder dem Schutz von Ehe und Familie zu finden.

Aber auch im Verhältnis zur evangelischen Kirche sieht Lehmann Nachholbedarf: «Die Trennung beim Herrenmahl ist nach wie vor das größte Ärgernis der christlichen Ökumene», sagt er. Das gemeinsame Abendmahl müsse das Ziel und die sichtbare Vollendung der Kirchengemeinschaft sein; es kann aber nicht der Weg zur Einheit sein.
German Festakt zum 70. Geburtstag von Karl Kardinal Lehmann in Mainz
May 17, 2006
Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Mainz, begeht morgen, Dienstag, seinen 70. Geburtstag.

ROM, 15. Mai 2006 (ZENIT.org).- Dieser Anlass wird in der Bischofsstadt des Geburtstagskindes mit einer Eucharistiefeier und einem anschließenden Festakt in der Mainzer Rheingoldhalle gebührend gefeiert.

Unter den rund 1.300 geladenen Gästen befinden sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Altbundeskanzler Helmut Kohl, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Vize-Kanzler und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und designierte SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck sowie der hessische Regierungschef Roland Koch.

Von katholischer Seite werden neben Walter Kardinal Kasper, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der die Laudatio halten wird, unter anderem auch Erzbischof Erwin Josef Ender, Apostolischer Nuntius in Deutschland, Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, sowie Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof von München und Freising, teilnehmen.

Von evangelischer Seite hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sein Kommen angekündigt. Am Freitag würdigte der Bischof in Hannover die "staunenswerte Beharrlichkeit" Kardinal Lehmanns um die ökumenische Nachhaltigkeit.

Ebenfalls am Freitag wurde Kardinal Lehmann in Bonn die Festschrift "Wir Nachbarn des Himmels" überreicht. Wie die Pressestelle der deutschen Bischofskonferenz berichtete, lassen die Herausgeber, P. Dr. Hans Langendörfer, Sekretär der deutschen Bischofskonferenz, und Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, in dem Buch 35 Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Freunde, Mitarbeiter und Kollegen zu Wort kommen, die Kardinal Lehmann auf diese Weise zum 70. Geburtstag gratulieren. Zu den Autoren dieses "Glaubensbuches besonderer Art", das "Erfahrungen, Reflexionen, Bekenntnisse und Meditationen, aber auch zeit- und kirchengeschichtliche Beobachtungen und Einsichten verschiedener Weggefährten enthält", gehören:

Wladyslaw Bartoszewski, Kurt Beck, Ludwig Georg Braun, Daniel Deckers, Matthias Drobinski, Ernst Ludwig Ehrlich, Klaus Engelhardt, Norbert Feldhoff, Heinz-Joachim Fischer, Wolfgang Frühwald, Gundula Gause, Alois Glück, Thomas Gruber, Agathe Hitzel, Johanna Holzhauer, Jörg-Dietrich Hoppe, Wolfgang Huber, Johannes B. Kerner, Roland Koch, Helmut Kohl, Norbert Lammert, Robert Leicht, Angela Merkel, Hans Joachim Meyer, Roland Minnerath, Heinrich Mussinghoff, Christa Nickels, Johannes Reiter, Markus Schächter, Henning Scherf, Nikolaus Schweickart, Wolfgang Thierse, Bernhard Vogel und Ernst-Ludwig Winnacker.
German Glückwunschschreiben der Bundeskanzlerin an Kardinal Lehmann
May 17, 2006
Bundeskanzlerin Angela Merkel sandte Seiner Eminenz, Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, folgendes Glückwunschschreiben (bundesregierung.de, 15.05.2006).

Eminenz, lieber Herr Kardinal,

zu Ihrem 70. Geburtstag gratuliere ich Ihnen sehr herzlich.

Als Sie im vergangenen Jahr zur vierten Amtsperiode als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurden, war die Freude hierüber in der Kirche, aber auch weit darüber hinaus zu spüren. Mit dieser erneuten Wiederwahl wurde die hohe Anerkennung und das Vertrauen, das Sie in der katholischen Kirche genießen, eindrucksvoll bestätigt.

Sie sind Theologe aus Leidenschaft, der sowohl der Wissenschaft als auch der Seelsorge eng verbunden ist. Auf Politik und Gesellschaft haben Sie einen gelegentlich auch kritischen Blick, aber er ist ganz von der Liebe zu den Menschen geprägt. Ich habe es immer wieder auch persönlich erleben dürfen, wie Sie feste Brücken zwischen den Konfessionen und in die Gesellschaft hinein bauen. Ich bin überzeugt, dass es gerade der Politik gut tut, diese Brücke zu nutzen und die Perspektive zu wechseln.

Es gehört zu Ihrer festen Überzeugung, dass die Kirche den eigenen, den unverwechselbaren Standort in der Fülle so unterschiedlicher Stimmen in unserer Gesellschaft braucht. Kirche kann keine Allerweltsantwort geben oder gar schweigen. Sie braucht den Mut zum Widerspruch. Sie muss, so sagen Sie zu Recht, immer wieder die Zeichen der Zeit erkennen. Zu Ihrem Verständnis von Kirche gehört es, diese Zeichen exemplarisch aufzugreifen: Die Armut vieler Völker, die gleiche Würde der Frau, die Durchsetzung der Menschenrechte oder den Dialog der Religionen. Nach Ihrem Selbstverständnis muss die Kirche wunde Punkte ansprechen, in Solidarität hierzulande wie weltweit, in Ethik und Moral und in den Grundorientierungen des Lebens.

Sie haben die Gabe, das Christsein jeden Tag lebendig zu erklären. Der Glaube ist für Sie in besonderer Weise zukunftsfähig. Hierzu gehören Zuversicht und Demut. Beides hilft, Probleme anzugehen und sich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen. Diese Überzeugung leitet Sie seit Jahrzehnten im Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft - mit Geduld, mit diplomatischem Geschick, mit Ausdauer und großer Freundlichkeit. Hierfür gebührt Ihnen dankbare Anerkennung.
Zu Ihrem 70. Geburtstag wünsche ich Ihnen von Herzen Glück und Gottes reichen Segen, Gesundheit und Kraft für Ihr Amt zum Wohle der Kirche, der Christen und der Gesellschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Merkel
German "Uns fehlt ein tieferer, wirksamerer missionarischer Geist"
May 17, 2006
Karl Kardinal Lehmann sorgt sich um eine wachsende Gleichgültigkeit auch unter Kirchenmitgliedern - Mahnung an die Politik.

(Die Welt, 16. Mai 2006) DIE WELT: Herr Kardinal, 70 Jahre sind, auf die Kirche bezogen, eine kurze Zeit. Hat sich dennoch etwas verändert?

Karl Kardinal Lehmann: Die Kirche ist längst nicht mehr so einförmig wie in meiner Jugend. Sie zeichnet sich durch innere Vielfalt aus. Für mich war das Zweite Vatikanische Konzil das entscheidende Ereignis. Das, was Kirche zu Kirche macht - ein großer Halt für die Menschen -, das hat sie bei all den Wandlungen bewahrt.

WELT: Ein eifrig kolportierter Vorwurf lautet, die Liturgiereform sei schuld daran, daß sich die Kirchen leerten. Teilen Sie diesen Vorwurf?

Lehmann: Im Kern teile ich ihn nicht. Im Gegenteil. Ich habe die Erfahrung machen können, daß die Liturgiereform weltweit erstaunlich gut angenommen worden ist. Sie wurde zwar mit einer gewissen Eile, aber ohne falschen Druck nach vorne gebracht.

WELT: Und Sie haben nichts zu kritisieren?

Lehmann: Natürlich gab es Heißsporne, unerleuchtete Reformer, die über die Grenzen der Reform hinausgegangen sind. Aber es gab auch Menschen, die nicht genügend in Rechnung stellten, daß die alte Liturgie ja auch nicht eine ewige Ordnung war, sondern gewachsen ist.

WELT: Kritik an der Reform hatte sich aber auch der gegenwärtige Papst zu eigen gemacht.

Lehmann: Zweifellos hat er sich ein paar wunde Stellen vorgenommen, und er sah den Verlust grundlegender Ideen. Ich denke zum Beispiel an den Opfergedanken im Verständnis der Eucharistie. Das hatte freilich immer schon gewaltige ökumenische Probleme hervorgerufen. Es gab dann auch Punkte, die die Liturgie nicht direkt, aber im Kontext betrafen: Liturgie und Musik, moderne Musik, auch Liturgie und Architektur. Da sind Dinge passiert, die so nicht hätten geschehen dürfen. Da wurden Altäre leichtfertig aus den Kirchen herausgeworfen und zum Glück auf den Dachböden aufbewahrt, so daß sie wieder restituierbar sind. Aber manche sind unwiederbringlich verloren gegangen. Doch das sind Ausnahmen. Es gab keinen Kahlschlag.

WELT: Was macht Ihnen zur Zeit am meisten Sorge in Kirche und Gesellschaft?

Lehmann: Daß es eine wachsende Gleichgültigkeit auch unter Menschen gibt, die der Kirche angehören. Man kann da und dort eine gewisse Häme, manchmal auch Aggressivität feststellen. Bei der Diskussion zum Beispiel über die Sendung Popetown bin ich erschrocken, mit was für einer knallharten Haltung Leute einem begegnen. Was uns am meisten fehlt, ist ein tieferer, wirksamerer missionarischer Geist. Wir finden uns viel zu sehr damit ab, daß zum Beispiel in Teilen der neuen Bundesländer 80 bis 90 Prozent kaum etwas gehört haben von Jesus Christus. Daß uns das nicht mehr aufregt, das ist unsere Schwäche.

WELT: Gibt es die "Wiederkehr des Religiösen"?

Lehmann: Wir haben es mit einem ziemlich diffusen Phänomen zu tun. Auf der einen Seite ist diese "Wiederkehr" ein Zeichen dafür, daß das Religiöse im Menschen zwar verdrängt werden kann, aber bei großen Erschütterungen - Tsunami, Terrorismus usw. - wieder nach oben drängt. Aber was bei dieser "Wiederkehr" manchmal herauskommt an dumpfer Irrationalität, das kann von der Kirche nicht gebilligt werden, es muß eher bekämpft werden: Okkultismus, Astrologie, mannigfache Formen des Aberglaubens, Satanismus. Zum christlichen Glauben gehört, daß er mitteilbar ist, verständlich, übersetzt werden kann in andere Sprach- und Kulturräume. Und eine echte Religiosität muß die Freiheit des Menschen fördern.

WELT: Wogegen die Kirche oft verstoßen hat.

Lehmann: Zugegeben. Aber es gibt heute besonders auch die innere, ja auch moralische Freiheit, die gestärkt werden muß, die Selbständigkeit der Person - daß sie sich nicht mitreißen läßt, weder von der Politik, noch von der Werbung. Das ist wichtig in der Auseinandersetzung mit dieser aufkommenden Religiosität. Sie hat im Übrigen oft ein Kollektivethos, das genau weiß, was andere tun müssen, aber eher zurückscheut vor dem individuellen Ethos.

WELT: Ist nicht die aktuelle Wertedebatte diffus? Muß die Kirche ihre eigene Position klarer machen?

Lehmann: Der Wertebegriff ist zu unbestimmt. Es kommt auf die Sache an. Die Kirchen haben ihren eigenen Auftrag, sie sind nicht an erster Stelle Lieferanten gesellschaftlich notwendiger Grundwerte. Überall, wo der Glaube an Gott und die Liebe zum Nächsten verkündigt wird, sittliche Weisung für den Alltag geschieht und die Zehn Gebote gelebt werden, werden auch "Grundwerte" gefördert. Je überzeugender das konkrete christliche Ethos bezeugt wird, um so mehr dient die Kirche dem Erhalt lebenswichtiger Grundwerte. Aber sie erschöpft sich nicht in einer Art Zivil-Religion. Die Kirchen dürfen sich im Übrigen nicht in die Rolle des einzigen Garanten der Moralität in der säkularisierten Gesellschaft drängen lassen.

WELT: Ein Zitat von Ihnen aus früheren Jahren: "Die Kirche kann kein Gesprächspartner mit eilfertiger Zunge sein." Gilt dies auch gegenüber der Politik?

Lehmann: Zweifellos müssen wir auf Gediegenheit politischer Entscheidungen drängen. Es kommt auch darauf an, daß man eine Reform- und Korrekturbereitschaft zeigt, wenn man Fehler gemacht hat. Die Kirche hat nicht für einzelne Probleme Lösungen in der Tasche, sie darf auch nicht so tun, als ob sie es besser wüßte. Aber sie kann versuchen, die notwendigen Grundhaltungen auszubilden und die Menschen stutzig zu machen gegenüber Mogelpackungen.

WELT: Zum Beispiel?

Lehmann: Hartz IV. Da kann man sich doch fragen: Besaß man bei der Planung nicht genügend prognostische Möglichkeiten, um zu sagen, da könnte es schwierig werden? Es geht viel zu langsam mit der Korrektur. Ich sehe heute an Äußerungen mehrerer Politiker, daß man sich deutlicher als früher auch dazu bekennt zu sagen: Politik kann manches nicht von sich aus schaffen, da braucht sie Bündnisse verschiedener Art.

WELT: Herr Kardinal, werden Sie mit dem Papst weiter über alte "heiße Eisen", etwa die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, sprechen?

Lehmann: Dieses Thema geht weiter. Leute, die 1993 gegen uns gewesen sind, sagen heute selber: Da muß noch einmal nachgedacht werden! Das konnte ich selbst während des Konklaves hören. Und ich könnte mir gut vorstellen, daß auch Papst Benedikt neu an die Dinge herangeht. In der Kirche müssen alle Menschen, die aus gestörten oder zerstörten Ehe- oder Familienverhältnissen kommen, zunächst einmal eine positive menschliche Aufnahme finden. Mir ging es eigentlich immer zu schnell auf die Kommunion zu. Wir müssen zunächst alles tun, um das Prinzip unwiderruflicher lebenslanger ehelicher Treue zu stärken.

WELT: Schmerzt es Sie, wenn von traditionalistischer Seite das Wort "Lehmann-Kirche" fällt?

Lehmann: Ich finde das so dümmlich, daß ich mich darüber nicht aufrege. Ich bin froh darüber, daß ich eine unverdorbene römische Theologie studiert habe. Da ich das Wort "Lehmann-Kirche" in der Sache so absurd finde, werde ich damit gut fertig. Die Gemeinsamkeit in der Bischofskonferenz ist größer als man so denkt.

WELT: Sie ärgern sich also nicht?

Lehmann: Ich bin eher perplex und ärgere mich an einem anderen Punkt. Auf der einen Seite sagen die Leute, wenn wir Bischöfe eine gemeinsame Haltung haben: Da sieht man wieder, alles stromlinienförmig! In dem Augenblick, wo eine vernünftige, zur Klärung notwendige Diskussion stattfindet, die auch mal einen polemischen Anstrich haben kann, heißt es: Schaut, die streiten miteinander! Hier eine gewisse Ausgewogenheit zu finden, die auch dem realen Leben in der Bischofskonferenz entspricht, das würde ich mir für den Rest meiner Tage wünschen.

Mit Kardinal Karl Lehmann sprach Gernot Facius
German Für den Kardinal gibt´s "Fingerfood" statt Sahnetorte
May 15, 2006
Am Dienstag wird sein Chef, der Kardinal, 70 Jahre alt. Und als Generalvikar ist es Dietmar Giebelmanns Aufgabe, die Geburtstagsfeier zu organisieren. Nach turbulenten Wochen ist die Planung jetzt so ziemlich abgeschlossen - und Giebelmann fand sogar ein Stündchen Zeit für einen Espresso mit der AZ.

(Allgemeine Zeitung, 13.05.2006) Wochen, nein Monate des Organisierens liegen hinter ihm. Ein Geburtstagsfest mit 1300 Gästen auf die Beine zu stellen, ist schließlich keine Kleinigkeit, und die Gästeliste liest sich wie das Who is Who von Deutschlands Politik und Geistlichkeit: Von Erzbischof Meisner bis Bundeskanzlerin Merkel kommen sie alle.

Espresso

Jetzt rückt der große Tag unaufhaltsam näher, am Dienstag feiert Karl Kardinal Lehmann seinen 70. Und Chef-Planer Dietmar Giebelmann? Strahlt nichts als Gelassenheit aus. "Ach wissen Sie, wir sehen das nicht mit so großer Aufgeregtheit", lächelt der Generalvikar, "Wir wollen, dass es ein Tag der Freude wird. Und wenn etwas schief läuft, dann wird es eben gerichtet." Sagt´s und richtet kurz einen schelmischen Blick nach oben - dorthin, wo er den vermutet, der schon alles gutgehen lässt.

Giebelmann - der in diesem Jahr übrigens selbst einen runden, nämlich den 60. Geburtstag feiert, will vor allem eines: dem Kardinal einen schönen Tag bereiten. "Weil er ein toller Chef ist", lacht Giebelmann. Was er Lehmann persönlich wünscht? "Dass er seine Tatkraft und seine Fröhlichkeit erhält - und dass er noch lange unser Bischof ist."

Übrigens: Das Bischöfliche Ordinariat hält sich nicht ganz an die Anweisung des Kardinals, von Präsenten doch bitte abzusehen und statt dessen für die Domstiftung zu spenden. "Wir schenken ihm eine kleine barocke Statue seines Namensvetters Karl Borromäus aus der Zeit um 1750", erzählt Giebelmann. Trotzdem hofft er, dass die 1 300 geladenen Gäste keine Geschenke mitbringen: "Die Übergabe wäre gar nicht zu organisieren."

Dem Kardinal sei ohnehin vor allem eines wichtig: die Begegnung mit den Gästen. "Er freut sich drauf, viele alte Freunde und Bekannte wiederzusehen", verrät der Generalvikar. Längst nicht nur Prominente habe Lehmann eingeladen. "Es kommen auch ein Schulkamerad, seine Familie, sein Doktorvater werden da sein - einfach viele Weggefährten frühester Zeit."

Gefeiert wird zuerst im Dom mit einem Pontifikalamt, dann geht es mit Festakt und Empfang in der Rheingoldhalle weiter. Bekommt der Kardinal eigentlich auch eine Geburtstagstorte? Giebelmann lacht. "In der Rheingoldhalle wird´s keine geben. Aber wer weiß - vielleicht backen ihm die Schwestern im Bischofshaus ja eine. Beim großen Empfang wird nicht nur auf eine Torte, sondern auch auf ein zeitaufwendiges Menü verzichtet. "Es gibt ein Buffet mit - na, wie heißt das - Fingerfood", erzählt Giebelmann. Da sei der Kardinal flexibler und könne zwischen seinen Gästen umherlaufen. "Es wird sowieso schwierig werden, mit allen ein paar Worte zu wechseln."

Aus Gründen der Sicherheit dürfen nur geladene Gäste in den Dom und in die Rheingoldhalle - das "normale Volk" muss draußenbleiben. Wie wohl der volksnahe Kardinal dazu steht? "Das tut uns allen weh", sagt Dietmar Giebelmann. "Aber das ist der Preis, den wir dafür zahlen müssen, dass so prominente Gäste kommen." Das Bundeskriminalamt habe die Sicherheitsauflagen formuliert - so wird es etwa am Domportal Einlass-Schleusen geben. "Aber Mainz wird nicht im Ausnahmezustand sein wie damals bei Bush", versichert Giebelmann lachend: "Kanaldeckel werden nicht zugeschweißt."

Die große "Fete" mit allen, die Lehmann gratulieren wollen, steigt dann am 21. Mai rund um den Dom. Das Bistumsfest "wird dann der Freudentag, das Bad in der Menge", sagt Giebelmann. "Dabei kann jeder, der will, dem Kardinal die Hand schütteln."

Als dieser übrigens, lang ist´s her, zum ersten Mal über seinen 70. Geburtstag nachdachte, wünschte er sich nur eine kleine Feier und einen Gottesdienst, erzählt Giebelmann. "Und es war wirklich nur ein bescheidenes Fest geplant, wir kamen erst gar nicht darauf, etwas Größeres zu veranstalten. Doch dann wurde daraus ein Ball, der immer größer wurde, je länger er rollte." Am besten zeige dies das wachsende Medieninteresse. "Zuerst fragte der SWR an, ob er einen Eineinhalb-Minuten-Beitrag über den Gottesdienst für die Landesschau machen könne. Und was ist jetzt daraus geworden? Eine Live-Übertragung in der ARD." Doch im Grunde sieht Giebelmann den Rummel mit Freude - zeigt er doch, "wie beliebt der Kardinal bei den Menschen ist."
German Kardinal Lehmann würdigt Paul Spiegel als "engagierten Brückenbauer"
May 07, 2006
Im Namen der katholischen Bischöfe in Deutschland hat Karl Kardinal Lehmann den am 30. April 2006 gestorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, als "hochgeschätzten Partner" und "engagierten Brückenbauer" gewürdigt.

BERLIN, 3. Mai 2006 (ZENIT.org).- "Die deutschen Bischöfe bekunden ihre Trauer über den Tod des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. h.c. Paul Spiegel. Sie erklären der Witwe, Frau Gisèle Spiegel, der Familie und dem Zentralrat der Juden in Deutschland ihr Mitleid und versprechen ihr Fürbittgebet für den Toten", heißt es im Kondolenzschreiben des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz.

"Wir haben Respekt vor dem Mann, der in einem belgischen Versteck das Ende des Nationalsozialismus erlebte und trotz der erlebten Gräuel wieder nach Deutschland kam. Seit dem Jahr 2000 gab es zwischen ihm und einzelnen Bischöfen, nicht zuletzt in Konfliktsituationen, intensive Gespräche. Wir haben in Paul Spiegel immer einen offenen und glaubwürdigen, menschlich überzeugenden und versöhnungsbereiten Repräsentanten des Judentums in unserem Land gefunden und bedauern aus ganzem Herzen seinen Verlust. Er war auch deswegen ein hochgeschätzter Partner, weil er seine Überzeugungen als Jude unbeirrt ins Spiel brachte und dennoch zutiefst ein Mann der Offenheit und der Toleranz war, mit großem Verständnis auch für die Christen."

Abschließend betont Kardinal Lehmann, dass er und alle Bischöfe mit Paul Spiegel einen "engagierten Brückenbauer des so wichtigen Gesprächs mit unseren jüdischen Mitbürgern" verloren hätten.
German "Heil anzukommen hängt nicht von uns ab"
May 07, 2006
Bei meist sonnigem, aber kühlen Wetter nahmen 20000 Biker an der 15. Altrhein-Motorrad-Segnung und der anschließenden 60 Kilometer langen Rundfahrt teil. Die Segnung nahm Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, vor.

(Wormser Nachrichten, 01.05.2006) EICH - Was eine katholische Kirchengemeinde, 60 Aktive der "Motorradfreunde Eich" und rund 80 freiwillige Hilfskräfte seit 15 Jahren logistisch auf die Beine stellen, ist schon allerhand. Eine halbe Stunde vor der Segnung gleicht der kaum 3200 Einwohner zählende ehemalige Fischerort einem riesigen Parkplatz. Allerdings nur für heiße Öfen. Motorräder aller Couleur, so weit das Auge reicht. In allen Zufahrtsstraßen stehen sie, meist in Reih und Glied aufgestellt und abfahrtbereit für die Rundtour.

Zunächst aber warten die 20000 Biker, so die offizielle Schätzung von Feuerwehr und Polizei, geduldig auf dem für das Event längst zu klein gewordenen Rathausplatz. Biker teils mit Kind und Kegel lauschen bollernder Rockmusik aus der Konserve oder kauen an Grillwurst und Steak. Der Kardinal stehe noch im Stau, heißt es bei der Leitung. Dann erscheint er, in kardinalstypischem Rot gewandet, auf der zentralen Bühne. Applaus brandet auf. Etwas verlegen winkt Karl Kardinal Lehmann in die Menge, der zuvor noch in Stuttgart die "Woche für das Leben" eröffnet hatte.

"Ich werde dir einen Engel schicken, der dir vorausgeht", liest Pfarrer Bernhard Gugerel, Initiator und "Urvater" des Treffens, aus 2. Mose, Kapitel 23, Vers 20 der Bibel vor: "Er soll dich auf dem Weg beschützen." In seiner Ansprache bezieht sich Lehmann auf diese alttestamentliche Stelle: Motorradfahrer lebten im Zwiespalt zwischen der Freude am Fahren und der Gefahr, die "eigenen Kräfte zu überschätzen". Heil anzukommen, "hängt nicht nur von uns ab", betont das 69-jährige Oberhaupt der deutschen katholischen Bischöfe. Sondern: "Wir brauchen jemanden, der seine Hand schützend über uns hält und uns Schutzengel zur Seite stellt."

Report

Obwohl selbst kein Biker, weiß Lehmann, wovon er spricht: "Es ist ein besonderer Reiz, die Kraft von Motor und Technik unmittelbar zu verspüren." Ungewöhnliche Worte aus seinem Mund. Schön sei auch, einfach "durch die Landschaft zu fahren und den Fahrtwind um sich pfeifen zu hören". Immerhin: Lehmann sei als Kind bei seinen Onkeln "vorne mitgefahren". In Gebeten appellierten er und Gugerel, rücksichtsvoll und vernünftig mit Technik und Umwelt umzugehen.

Bei einem Empfang betont Lehmann gegenüber dieser Zeitung, nicht Maschinen stünden bei der Segnung im Mittelpunkt. "Der Segen gilt zumeist den Menschen." Übrigens sei er nicht das erste Mal bei einer Segnung in Eich gewesen. "Ich habe bereits 1992/93 am Rande teilgenommen", erinnert sich Lehmann. Anschließend wurde ihm zu Ehren eine so genannte "Kardinalseiche" auf dem Gelände der Pfarrgemeinde St. Michael gesetzt worden. Während erste Teilnehmer von der 60 Kilometer langen Rundfahrt am Ziel auf dem Reitschulplatz eintreffen, mischt sich auch Lehmann kurzzeitig unter die Leute.

Dort, auf dem Kerbeplatz, gab es einen gemütlichen Ausklang. Nicht wenige nutzten die Möglichkeit, Überschlag- und Verkehrssimulatoren von Polizei und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) auszuprobieren. 40 Polizisten und 70 bis 80 zusätzliche Helfer sorgten an diesem Tag für Ordnung. Die Segnung mitgestaltet haben Joachim Vierheller, Vorsitzender des Clubs Motorradfreunde Eich, und Gugerels Nachfolger, der katholische Pfarrer Ryszard Strojek.
German "Hier ist ein guter Ort für Kunst"
May 07, 2006
Kardinal Lehmann eröffnet Lesung im Dom mit dem Mainzer Stadtschreiber Patrick Roth

(main-rheiner.de, 01.05.2006) "Auch die emanzipierten Schriftsteller haben den Menschen in der Kirche und gerade auch den Verkündigern etwas zu sagen", erklärte der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, im Mainzer Dom. Lehmann führte in die Lesung des Stadtschreibers Patrick Roth ein, der seine im Jahr 2002 erschienene Erzählung "Magdalena am Grab" las. Musikalisch gestaltete Domorganist Albert Schönberger den Abend, der von der Bücherei am Dom und dem Katholischen Bildungswerk Mainz-Stadt in Kooperation mit der Stadt Mainz veranstaltet wurde.

"Die Suche nach dem Menschen, nach seinem Bild und dem Sinn seines Lebens, ist geradezu unerschöpflich. Immer wieder werden in der Kunst Einblicke und Einsichten zu Tage gefördert, die uns helfen, den Menschen in seiner ganzen Realität, mit seinen Höhen und Tiefen, mit seinen Ambivalenzen, gewiss auch in seinen Abgründen und Verlorenheiten zu verstehen", so der Kardinal. Darum bedürfe es immer wieder der erneuten Begegnung von Glaube und Literatur, von Kirche und Kunst.

Der Mainzer Dom sei ein geeigneter Ort für diese Begegnung. "Hier ist ein guter Ort für Kunst. Hier ist sie seit mehr als einem Jahrtausend zu Hause. Dies sieht man nicht nur an den Denkmälern und an der Architektur, sondern ich denke auch zum Beispiel an den Hymnus `Veni, Creator spiritus´, wohl verfasst von dem Mainzer Erzbischof Rabanus Maurus, dessen 1150. Todesjahr wir gerade begehen", betonte Lehmann. Und merkt an: "Ich denke aber auch an die vielfältige musikalische Gestaltung unserer heutigen Gottesdienste. So hat auch eine Dichterlesung hier ihren Platz."

Patrick Roth sei wie kaum ein anderer Schriftsteller der Gegenwart "mit einer ungewöhnlichen Direktheit immer wieder auf Gestalten und Themen der Bibel zugegangen", sagte Lehmann. "Dahinter steckt nicht nur ein großer Mut, sondern auch ein hohes Vertrauen, in diesen `Stoffen´ noch viel entschlüsseln und entdecken zu können." Der Kulturdezernent Peter Krawietz hatte die Besucher im gut gefüllten Mainzer Dom begrüßt.
German Dialog mit Muslimen verstärken
May 07, 2006
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, hat sich für einen besseren Dialog zwischen Christen und Muslimen ausgesprochen. Moderation: Bettina Klein

(dradio.de, 16.04.2006) Im Vergleich zur innerchristlichen Ökumene und dem Austausch mit dem Judentum sei das Gespräch mit dem Islam bisher zu kurz gekommen. Schwierigkeiten, etwa durch unterschiedliche Strukturen der Religionsgemeinschaften, dürften nicht zur Ausrede werden, um einem Dialog auszuweichen, mahnte Lehmann.

Bettina Klein: Herr Kardinal, Millionen Christen feiern an diesem Sonntag das Osterfest. Für viele ist es vielleicht einfach ein Feiertag, ein verlängertes Wochenende mit schönen oder auch stressigeren Stunden. Viele finden vielleicht auch Muße zur Besinnung, und für manche bietet der Auferstehungsgedanke wirklich Hoffnung. Wenn Sie jetzt in die Welt hinein schauen in diesen Ostertagen, wenn Sie in unser Land schauen, in unsere Gesellschaft: Gibt es etwas, was Ihnen persönlich Hoffnung macht, Mut macht, und dass Sie denen vermitteln können, die ihre eigene Situation, ihre eigenen Lebensumstände im Moment vielleicht nicht so hoffnungsvoll sehen?

Kardinal Karl Lehmann: In diesem Jahr, aber auch in den anderen Jahren geht einem natürlich in den Kar- und Ostertagen besonders die Macht der Gewalt auf in unseren menschlichen Beziehungen. Jesus ist auch durch Gewalteinwirkung äußerster Art zu Tode gekommen. Es vergeht kein Tag, wo wir nicht viel von Gewalttaten hören, aber man darf auch nicht übersehen: Es gibt auch in den verborgeneren zwischenmenschlichen Beziehungen viel Gewalt. Ostern ist für mich ein Tag, wo mir besonders deutlich wird, dass mit dem Tod Jesu am Kreuz eigentlich alle Gewalt ihre letzte Macht verloren hat und dass etwas, was wie verrückt klingt, richtig ist, nämlich dass am Ende eigentlich die Liebe die stärkste Gewalt ist. Aber das ist ein weiter Weg und geht über viele Hindernisse hinweg. Da fällt mir natürlich schon in unserer Welt ein, dass es immer schwieriger ist, gemeinsam Überzeugungen zu haben. Wahlen gehen oft so aus, dass sich zwei Lager gegenüberstehen, wie jetzt auch in Italien wieder. Es ist immer schwieriger, diese gemeinsamen Überzeugungen auch umzusetzen in konkrete Politik.

Klein: Wo sehen Sie das Hoffnungsvolle?

Lehmann: Das Hoffnungsvolle finde ich zunächst einmal, wenn der Mensch überhaupt mal eine Pause macht, wenn er etwas zurücktritt, wenn er sich nicht einfach gefangennehmen lässt von den unmittelbaren Emotionen, von unmittelbaren Parteien und so fort, und im Grunde genommen wieder neu ansetzen kann und vielleicht der Horizont sich dann auch weitet. Also ich denke, diese Grundhaltungen sind eigentlich das Entscheidende, um an die einzelnen Dinge dann heranzugehen. Und deswegen glaube ich, dass gerade auch nach diesem strapazierten Jahr die Politikerinnen und Politiker dann doch auch etwas Erholung finden. Was Ministerpräsident Platzeck geschehen ist, lässt ja nachdenklich werden. Und ich glaube, dass das doch auch zusammenhängt mit der notwendigen Geduld, die Dynamik nicht ausschließt oder schwere Probleme anzunehmen.

Klein: Lassen Sie uns einen Augenblick dabei bleiben. Wenn Sie die politische Entwicklung in unserem Land ansehen: Wir werden seit einem halben Jahr von einer großen Koalition regiert. Viele Menschen waren eigentlich hoffnungsvoll und haben gesagt: Das gibt jetzt die konzertierte Aktion, die uns dazu befähigt, die wirklich großen Aufgaben zu lösen. Inzwischen macht sich ein wenig Resignation, Enttäuschung breit, weil viele das Gefühl haben, es geht nicht so richtig los. Und vielleicht entsteht schon wieder so ein Gefühl der Lähmung. Wie beurteilen Sie die Kraft, die momentan von der politischen Klasse ausgeht - jetzt mal jenseits der kleinen mühseligen Schritte, die in der Reformpolitik nötig sind?

Lehmann: Ich habe den Eindruck, dass die Bundeskanzlerin eigentlich sehr rasch auf Tempo gedrückt hat, weil - ich denke, alle die die letzten Jahre mitbekommen haben, die haben ja gemerkt, dass bei den letzten zwei, drei Legislaturperioden vor allen Dingen am Anfang zu viel Zeit vergangen ist, bis man wirklich gestartet ist. Und als dann bei schwierigen Reformvorhaben einigermaßen Ergebnisse dalagen, war schon wieder der nächste Bundestagswahlkampf vor der Tür
dass die Zeit in den vier Jahren zu knapp wird, wenn man nicht sofort startet. Und da glaube ich eigentlich, dass wir im Moment noch keinen Anlass haben für große Enttäuschung, denn im Grunde ist eigentlich mit dem Januar/Februar, als die Regierung richtig angetreten ist, schon auch klar gewesen: Sie muss die Probleme der Rentenversicherung, sie muss die Gesundheitsreform sofort anpacken. Sie tut das, und jeder weiß auch, dass das schwerwiegende Aufgaben sind. Ich will aber auch natürlich nicht verschweigen, dass es für eine große Koalition bei zwei großen Volksparteien, die da und dort einfach unterschiedliche Konzeptionen haben, also etwa bei der Gesundheitsreform, da ist es nicht so einfach, einen gemeinsamen Weg zu finden.

Klein: Wir sprechen viel über Werte wieder in diesen Tagen und Wochen, unter anderem auch entzündet an der Problematik der Gesundheitsreform, also der Reform der Krankenversicherung. Wir diskutieren über die Frage, welche Werte brauchen wir für unsere Gesellschaft grundlegend, welche müssen wir neu entdecken. Sind Sie im Zuge dieser gesellschaftlichen Debatte eigentlich auch neu zum Nachdenken über diese Fragen gekommen, oder sagen Sie: Wir predigen Euch seit langem, wir, die katholische Kirche, was Ihr eigentlich braucht, Ihr müsst das eigentlich nur umsetzen?

Lehmann: Es ist ja etwas tragisch und lähmend, dass alle drei Jahre, vor allen Dingen auch dann im Zusammenhang mit Wahlen, wieder so ein kleiner Höhepunkt kommt, wo man die Wertedebatte wieder anfängt, und dann geht alles wieder mehr oder weniger bergab, und es ist kein Interesse mehr da. Und das ist natürlich für diese Frage eigentlich tödlich. Wir werden jetzt vielleicht doch stärker gezwungen, gerade auch von der großen Koalition her, der Frage uns stärker zuzuwenden, weil damit ja doch das Problem gegeben ist, welche verlässlichen geistigen, ethischen Grundüberzeugungen gibt es in unserem Land, auf die man sich einigen kann. Und die Leitlinien sind für die Ausarbeitung von Gesetzen.

Klein: Welche Werte wären für Sie zentral?

Lehmann: Also zunächst einmal sind natürlich von der Französischen Revolution her die drei großen Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - "Geschwisterlichkeit" würde man heute vielleicht sagen - leitende Themen. Ich selber denke aber, dass zum Beispiel die Gerechtigkeit, die hier fehlt, ein ganz entscheidendes Grundprinzip also ist, dass natürlich auch mit Freiheit dann also wieder zu tun hat. Aber man kann ja nicht bei diesen Werten stehenbleiben, sondern man muss sich ja fragen: Wie werden sie eigentlich begründet, und mit welcher Verlässlichkeit werden sie begründet. Und auf diesem Weg muss es eine Einigungsmöglichkeit geben unter Menschen, bei denen zwar das Religiöse vielleicht eine Rolle spielt, aber in der Einigung selber ist das nicht unbedingt nötig, da kann es auch eine humane Plattform einfach sein. Aber es gibt dann eben die Frage einer Letztverbindlichkeit: Woher weiß ich eigentlich im letzten, dass ich die Menschenwürde auf gar keinen Fall verletzen darf in jedem Fall. Warum darf ich zum Beispiel auch um einen noch so hohen Preises wieder nicht foltern und dergleichen. Und da braucht man, glaube ich, dann über die Ethik doch religiöse Motive, die jeder für sich wählt.

Klein: Uns beschäftigt in diesen Tagen auch eine Problematik, in der die Wertefrage immer wieder durchscheint. Und das ist die Frage: Wie ist es uns gelungen, wie gelingt es uns, Menschen ausländischer Herkunft in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wie kann es besser funktionieren, wie kann es vielleicht überhaupt funktionieren. Wir haben vor einigen Monaten schon über Parallelgesellschaften gesprochen, dann ebbte das wieder ab. Dieses Mal ist der Anlass der Hilferuf aus einer Berliner Hauptschule, von Lehrern dort artikuliert. Worin sehen Sie die Ursache dafür, dass wir jetzt "ganz plötzlich" - in Anführungsstrichen - über diese Fragen und über offenbar viele nicht gelöste Probleme stolpern?

Lehmann: Die Frage ist alt. Irgend jemand hat einmal gesagt, wir haben Gastarbeiter gerufen und gekommen sind Menschen. Und da scheint mir schon ein Problem zu liegen, für beide Seiten. Aber so skeptisch mit Blick auf die Integration würde ich auf die ganze Breite doch nicht sein. Wir haben zum Beispiel von der Kirche aus natürlich uns mit den Menschen, die zu uns gekommen sind aus Portugal, aus Spanien, aus Italien, aus Kroatien doch sehr intensiv beschäftigt. Wir haben etwa in einem Bistum wie Mainz zwölf Prozent der Katholiken, die Katholiken in einer anderen Muttersprache sind. Wir haben fast an die 30 ausländische Gemeinden. Und da hat zum Beispiel bei diesen Nationen eine relativ starke Integration stattgefunden. Ein großes Problem - und das ist, denke ich, schon länger der Fall - sind einfach die gut drei Millionen Türken und die Muslime, die überhaupt sonst noch dazu kommen, wo eben aus manchen Gründen die Isolierung etwas stärker war. Da fehlte natürlich auch ein bisschen der gesellschaftliche Partner, wie wir das etwa für die genannten südeuropäischen Länder gewesen sind. Also, ich würde sagen, man muss differenziert urteilen. Wichtig ist mir eigentlich immer wieder nicht nur das, was wir tun - da können wir nachher noch drauf kommen -, sondern auch die Absicht und der Willen der Emigranten. Haben sie zum Beispiel vor, entschieden für eine längere Zeit hier zu bleiben, dann hat das viel zu tun mit dem Bildungswillen für ihre Kinder. Dann ist auch klar, dass die Kinder deutsch lernen müssen. Dann ist auch klar, dass sie so gute Abschlüsse bekommen müssen, dass sie eine zukunftsvolle berufliche Ausbildung bekommen können. Ich mache immer wieder so die Erfahrung, es gibt immer, auch heute noch, Leute, die verschieben von Jahr zu Jahr ihre Rückkehr in ihre Heimat und leben dann im Grunde im Niemandsland. Hier sind sie noch nicht zuhause, und zuhause nicht mehr, und sitzen dann mehr oder weniger mit ihren Kindern auf der Straße. Wenn die Kinder nach Italien kommen und mit den Altersgenossen spielen, dann heißt es "du Deutscher" und hier heißt es "du Italiener" und so weiter. Und deswegen ist es ganz wichtig, das sehe ich auch so an praktischen Erfahrungen, dass, wenn Eltern diesen erklärten Bildungswillen haben, sie für ihre Kinder zunächst mal auch dann alles tun. Da liegt eine Sache, wo wir alle wahrscheinlich zu wenig getan haben. Und sonst, denke ich, muss man gerade auch mit Blick auf die Muslime, unabhängig vom religiösen Dialog, vor allen Dingen in dreierlei Hinsicht, auf drei Feldern stärker - und fast kann man sagen neu - tätig werden. Das erste ist die Sprache. Die Sprache ist einfach das Fundament jeder Kommunikation. Und das zweite ist die Arbeit. Und die Arbeitswelt ist eigentlich ein großes Feld, wo die Menschen sich kennenlernen können, soundso viele Stunden am Tag. Da ist aber oft Schweigen, und da fehlt es halt auch an der Sprache. Da bleibt oft eine große Fremdheit. Und ich denke, es ist drittens auch der Alltag der Nachbarschaft in der Straße und so fort. Da haben wir eigentlich durchaus Möglichkeiten bei Straßenfesten, bei Pfarrfesten, bei allen möglichen Dingen. Man darf auch nicht vergessen, dass der Sport ein enormes Feld ist, wo diese Integration stattfinden kann. Also, deswegen muss man, glaube ich, die Sache grundsätzlich neu anfangen in der Konzeption und in den Rahmenbedingungen. Aber es geschieht Gott sei Dank eigentlich auch schon viel.

Klein: Sie sprechen vom Bildungswillen der Eltern. Sie sprechen vom Kern, den die Sprache für die Möglichkeit der Integration bildet. Bedeutet das auch, wenn Sie sagen, wir brauchen eine neue Konzeption, zum Beispiel diesem Bildungswillen mit einer gewissen Pflicht, also mit Gesetzen nachzuhelfen?

Lehmann: Also, realistischerweise wird es in unseren Gesellschaften ohne einen Nachdruck nicht gehen. Die Freiwilligkeit allein wird das nicht schaffen. Gesetze allein sind für mich aber dann doch das letzte, was unter Umständen eingesetzt werden kann. Es müsste auch ein paar stärkere Anreize geben, damit man die Leute selbst in Bewegung bringt und in Fahrt bringt. Bei Gesetzen sehe ich eigentlich nur eine Chance, wenn es durch andere Dinge gut vorbereitet ist, gerade in diesen Dingen, wo ja ein inneres Mitgehen mit Gesetzen eigentlich verlangt wird, da hat der Buchstabe allein wenig Chancen. Und da glaube ich auch, dass es nicht genügt, bestimmte formale Kenntnisse einfach abzufragen. Und dann ist die Sache der Einbürgerung und der Integration sozusagen klar. Aber auch keine Drohungen, dass man sagt, wer das und das nicht schafft und so fort, den schieben wir ab und dergleichen. Ich glaube, es geht schon drum, dass wir vor allem auch Vertrauen schaffen, und wenn es ein minimales Vertrauen ist. Aber es gibt natürlich schon kleinere Minderheiten auch unter den Zuwanderern, etwa fundamentalistisch eingestellte Leute. Ich habe zum Beispiel etwas Erfahrung vor Ort, wo ich also weiß, es gibt fundamentalistische Muslime. Da gibt es drei Gebote: Der Mann darf am Arbeitsplatz nicht sprechen, die Frau darf nicht alleine einkaufen, Mädchen dürfen nicht in die Schule.

Klein: Müssen wir das hinnehmen?

Lehmann: Nein, das kann man auf Dauer nicht hinnehmen, denn diese Leute, die finden ja keine Heimat, es wird immer hier fremd bleiben, vielleicht sogar feindlich sein, denn was man gar nicht versteht und was völlig fremd ist, das lehnt man dann unter Umständen auch entschieden ab und da ist dann auch vielleicht mal Gewalt nicht so weit weg. Also, da gibt es sicher auch ein paar Grenzlinien, die man ziehen muss.

Klein: Sehen Sie da auch die katholische Kirche gerufen? Also, das Stichwort 'interreligiöser Dialog' fiel schon. Was können Sie dazu beitragen?

Lehmann: Also, als Weltkirche waren wir natürlich immer schon genötigt, mit anderen und fremden Religionen ins Gespräch zu kommen, in den Kolonien zum Beispiel. Das Zweite Vatikanische Konzil hat diese Arbeit ganz zentral gemacht und hat ja auch eine Erklärung über das Gespräch mit den nichtchristlichen Religionen und hat dafür auch eine eigene Einrichtung geschaffen. Wir haben in Deutschland nach meinem Empfinden nicht so zur Kenntnis genommen, dass vor allem im Pontifikat von Johannes Paul II ein sehr starkes, breites Programm aufgelegt worden ist für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen. Es gibt ein Band mit 1000 Seiten, wo im Pontifikat von Johannes Paul II die Dokumente allein von Rom aus gesammelt sind, die in diese Richtung eigentlich zielen. Und da haben wir natürlich zunächst einmal bei uns im Land die innerchristliche Ökumene als ein Feld des Dialogs, das Gespräch mit dem Judentum, das gerade in unserem Land besondere Bedeutung hat. Da ist dann der Dialog vor allen Dingen mit den Muslimen doch etwas zu kurz bekommen.

Klein: Das würde mich zu der Frage bringen: Was bringt uns ein Band mit 1000 Seiten für den Alltag hier zwischen Muslimen und Christen?

Lehmann: Also, immerhin ist es ein Zeichen, eine Ermutigung, dass dieser Dialog überhaupt installiert wird, dass man sich nicht mit Ausreden begnügt. Es gibt ja gewisse Schwierigkeiten, zum Beispiel den richtigen Ansprechpartner zu finden, weil jede Gemeinde da relativ autonom ist und eigentlich kein Dach über sich hat und dergleichen. Aber das darf nicht zur Ausrede werden, dass man dem Dialog ausweicht.

Klein: Wie könnte der in der Praxis vonstatten gehen, der Dialog, den Sie meinen?

Lehmann: Also, wir haben ja diesen Dialog immer wieder, auch regelmäßige Treffen etwa mit dem Zentralrat der Muslime, oder es gibt sonst gemeinsame Auftritte in den Medien, nicht zuletzt auch bei den Katastrophen und dergleichen. Wir haben auch gemeinsame Veranstaltungen. Ich war an mehreren Universitäten und habe mit Dr. Elias zum Beispiel gesprochen. Dann will ich etwas nicht vergessen: Wir haben als Bischofskonferenz schon über 30-40 Jahre ein Zentrum in Frankfurt zur Begegnung von Islam und Christentum, ein Begegnungszentrum. Das haben wir jetzt der Jesuitenhochschule in Frankfurt, St. Georgen, angegliedert. Und da ist zum Beispiel ein eigener Studiengang in einem Block, wo man also den Islam mehr kennen lernt, gerade auch für den Dialog. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir den ersten Ausbildungsgang vor zwei Jahren mit 28 Leuten begonnen haben. Das sind nachher wichtige Leute um zum Beispiel in den Bistümern Referent zu sein für diese Gespräche. Aber es ist natürlich auch nicht so ganz leicht. In einer Stadt wie Mainz sind vier oder fünf Moscheen, davon ist die Mehrzahl fundamentalistisch, wo unter Umständen ein Dialog von vorneherein abgelehnt wird.

Klein: Herr Kardinal, wenn hierzulande so genannte Ehrenmorde begangen werden, wenn zum Beispiel Mädchen und Frauen Rechte verweigert werden in den Familien mit Bezug auf den Islam, Rechte, die wir als unerlässlich empfinden in Demokratie und Freiheit, muss die Kirche da stärker intervenieren?

Lehmann: Also, das ist natürlich nicht primär eine Sache der Kirche, wenn es da um konkret angewendete Gewalt geht. Aber es ist keine Frage, dass wir noch lauter und noch deutlicher, wie alle anderen gesellschaftlichen Gruppen auch, die Ächtung solcher Praktiken deutlich machen müssen. Und ich bin einfach auch überzeugt, dass wir Mittel und Wege finden müssen, zunächst einmal die Menschen zu bewegen, sich schließlich stärker auf unsere Lebenswelt und auch die rechtlichen Verhältnisse einzulassen. Wenn das nicht der Fall ist, also Heiratszwang für junge Frauen und dergleichen, dann können solche Leute eigentlich auf Dauer nicht bleiben.

Klein: Was schlagen Sie der Politik vor?

Lehmann: Ich schlage zuerst vor, dass wir eben alles tun, um durch bessere Bildung, durch bessere Ausbildung und so fort, durch Veranstaltungen auch in der nächsten Lebenswelt, Nachbarschaft und so fort, die Leute etwas mehr an unser Leben heran zu führen, denn oft sind sie weit weg. Es gibt ja auch da unendlich viele positive Beispiele. Wenn ich zu meinem Zahnarzt gehe, wenn ich zum Frisör gehe, dann sind da junge türkische Frauen, die sind professionell hervorragend, die sprechen perfekt deutsch und so fort. Es geht also. Und warum nützen wir uns eigentlich nicht viel mehr die Erfahrung zum Beispiel dieser jungen Leute. Wenn es bei denen geht, dann müsste es doch bei den anderen auch gehen. Und von daher möchte ich also nicht so kraftmeierische Rezepte anbieten, dann schieben wir die eben ab. Das ist eigentlich eine Verzweiflungstat und in einzelnen Fällen muss das sicher der Fall sein, aber ein Rezept ist das nicht.

Klein: Ein Problem haben andere Länder nicht - wir schon. Das ist die Tatsache, dass wir einen starken Geburtenrückgang zu verzeichnen haben hierzulande, um auf diesen Punkt einmal einzugehen. Das Thema ist jetzt auf der Agenda. Wir diskutieren darüber. Man hat so ein bisschen den Eindruck, dass die gesellschaftliche Verantwortung für diesen Umstand die Frauen tragen, insbesondere die jungen, gut ausgebildeten. Ist das auch die Haltung der Katholischen Kirche?

Lehmann: `Nein, ganz und gar nicht. Ich bin überhaupt sehr überzeugt, dass heute ein Gelingen von Ehe, erst recht dann auch von Familie, auch unbedingt zur Voraussetzung hat, dass es eine klare, gute, beide Teile in Pflicht nehmende Vereinbarung sozusagen gibt, gerade auch zwischen den Eheleuten, wo auch die Aufgaben sozusagen verteilt sind. Und da kann nie nur eine Seite in Anspruch genommen werden. Natürlich macht mich schon auch nachdenklich, dass es in jedem Jahr 130.000 Abtreibungen zum Beispiel gibt und dass man also noch sehr viel stärker sich fragen muss, wie man Frauen, in welcher Lage sie immer sind, helfen kann. In den allermeisten Fällen wollen sie ja eigentlich das Kind im Grunde auch behalten. Es ist natürlich auch die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die ist genug diskutiert in den letzten Jahren. Ob schon genug dafür getan ist, ist eine andere Frage. Aber es ist natürlich auch ein Problem, ob eine Gesellschaft den jüngeren Generationen Mut machen kann für eine menschenwürdige Zukunft. Insofern glaube ich, dass der Mut zur Zukunft eben auch von den Lebensbedingungen abhängig ist. Das ist eigentlich das Entscheidende. Und das betrifft Mann und Frau genau so, und erst recht das Miteinander, denn sie müssen miteinander eine Zukunft entdecken. Und natürlich leben wir auch in einer völlig anderen Welt, als Konrad Adenauer, von dem gesagt worden ist, man müsse sich doch später für Rentenversicherung und ihre Zukunft einsetzen und so weiter. Man hatte demographische Probleme, obwohl er etwas angesprochen hat. Er hat gesagt: Kinder bekommen die Leute immer. Aber Kinder bekommen die Leute nicht immer, zumindest gibt es Möglichkeiten der Empfängnisregelung und der Familienplanung, wo das eben nicht mehr so selbstverständlich ist. Also ist die Ermutigung und eben auch die Unterstützung viel, viel wichtiger, als das jemals war.

Klein: Die Sie worin sehen würden, die Ermutigung?

Lehmann: Die sehe ich eben nicht nur in den notwendigen familienpolitischen finanziellen Maßnahmen. Da ist es gut, dass manches gemacht worden ist. Aber ich finde zum Beispiel immer, es gibt noch viele Dinge, zum Beispiel muss einfach die Familienzeit besonders, aber nicht nur für die Frauen eine ganz andere Berücksichtigung und Anerkennung finden. Und ich sage mir das auch ganz persönlich und habe es immer wieder auch in Predigten gesagt: Wir brauchen einfach auch viel mehr Anerkennung für das, was zum Beispiel Frauen, ob sie vorher oder nachher berufstätig sind oder nicht, in den Familien leisten, dass sie auch bereit sind, Kinder auf die Welt zu bringen, dass sie 13 Jahre lang Kinder zu begleiten, oft dabei auch allein gelassen sind, das braucht eine ganz andere Form der Anerkennung. Und ich bin überzeugt, dass das auf die Dauer auch eine gute Wirkung tut.

Klein: Herr Kardinal, ich danke Ihnen für das Gespräch.
German "Kinder sind ein Segen".
May 07, 2006
Predigt von Karl Kardinal Lehmann zum Auftakt der "Woche für das Leben" 2006: "Uns anvertraut von Anfang an. Menschsein beginnt vor der Geburt"

Stuttgart, 6. Mai 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, am 29. April 2006 anlässlich der heute, Samstag, zu Ende gegangenen Woche für das Leben 2006 während des Ökumenischen Gottesdienstes in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart gehalten hat.

"Was da in der Mutter heranwächst, wird einen eigenen unverwechselbaren Namen tragen und hat auch seine eigenen Lebenschancen, die wir nicht zerstören oder beeinträchtigen dürfen."

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In diesem zweiten Schritt der Themen für die dreijährige Gestaltung der Woche für das Leben 2005-2007 lautet das Leitwort: "Uns anvertraut von Anfang an. Menschsein beginnt vor der Geburt." Meist reden wir bei dieser Fragestellung über die bioethische Frage, welchen "Status" der Embryo hat und wie das vorgeburtliche Dasein des Menschen anthropologisch, moralisch und rechtlich zu bewerten ist. Dies ist auch zur Klärung notwendig, um die praktischen Fragen beantworten zu können, ob es zum Beispiel in den verschiedenen Phasen ein gestuftes Lebensrecht gibt, das besonders am Anfang bestimmte Experimente zulassen könnte, in denen es am Ende um die Erlaubnis zur Tötung des Embryo geht.

Aber mit diesem Thema ist, was wir bei diesen Problemen immer schon wussten und zu berücksichtigen versuchten, noch mehr angesprochen. Es geht zunächst darum, dass Kinder uns anvertraut sind. Wir haben uns heute ja schon seit Jahrzehnten so sehr an die Planbarkeit und Machbarkeit auch von Kindern gewöhnt, nicht zuletzt auch durch die Empfängnisverhütung und durch die In-Vitro-Fertilisation, dass wir das Kind sehr stark in der Perspektive unserer Wünsche und Leistungsmöglichkeiten sehen. Das Kind erscheint vielen als ein "Produkt", das auch von der Geschlechtsbestimmung (Junge oder Mädchen) über die Haarfarbe bis zu möglichen Fehlbildungen einer Qualitätsüberprüfung unterworfen wird. Die pränatale Diagnostik, die gewiss in hohem Maß auch zum Austragen eines Kindes ermutigen kann, darf hier nicht zu einer Art Selektionsmedizin werden. Manche meinen, dies wäre schon eine Realität, auch wenn es nicht so deutlich gesagt wird.

Nun können und wollen wir das Rad der Geschichte und der wissenschaftlichen Möglichkeiten nicht einfach zurückdrehen. Es ist für den Menschen schwer, auf das zu verzichten, was er technisch machen kann. Der christliche Glaube verbietet auch nicht, dass Mann und Frau sich über den Zeitpunkt und die Zahl ihrer Kinder verständigen. Wir brauchen hier nicht über die Methoden der Familienplanung zu reden. Aber hier geht es ja nicht nur um die Freiheit, sondern in höchstem Maß auch um die Verantwortung, die uns aufgetragen ist. Denn gerade auch bei unseren heutigen Möglichkeiten darf man nicht vergessen: Kinder sind ein Geschenk Gottes, über das wir nicht verfügen können. Wir spüren es vielleicht noch am schmerzlichsten, wenn ein Kinderwunsch trotz aller Bemühungen nicht erfüllt werden kann. Bei allen planerischen Überlegungen und medizinischen Hilfen müssen wir eigentlich immer wieder staunen gegenüber dem Leben, das uns unverdient geschenkt wird. Dieses Geschenk ist in letzter Instanz nicht planbar. Man kann ein Kind nicht herbeizwingen. Wir haben freilich in unserer Welt nicht mehr so viele Möglichkeiten, das Sein der Welt und unser Leben als Geschenk zu verstehen. Man spürt es jedoch immer wieder in herausragenden und außerordentlichen Situationen, wie in der Krankheit, bei der Heilung, in der Liebe und eben auch bei der Geburt eines Kindes.

Dies hat freilich Folgen für unser Verständnis des Kindes. Bei aller menschlichen Mitwirkung und Verantwortung lebt es nicht nur von Gnaden des Menschen. Ein Anderer hat es ins Leben gerufen. Darum können wir auch nicht einfach über sein Werden und Leben verfügen. Deshalb sind die Würde und das Recht auf das Leben des Kindes unantastbar. Dies ist auch etwas Wichtiges vor der Geburt, und zwar nicht nur im Blick auf verschiedene Eingriffe des Menschen in das Leben des Kindes im Mutterschoß. Was da in der Mutter heranwächst, wird einen eigenen unverwechselbaren Namen tragen und hat auch seine eigenen Lebenschancen, die wir nicht zerstören oder beeinträchtigen dürfen, auch z.B. durch ein unvernünftiges Verhalten in der Schwangerschaft.

Wir haben gesagt, dass das Kind uns von Anfang an anvertraut ist. Es gehört uns also nicht im Sinne eines fraglosen Besitzes, über den wir verfügen könnten. Es gibt in Vergangenheit und Gegenwart rechtliche Bestimmungen z.B. über die Gewalt des Vaters über ein Kind, die damit unverträglich sind. Was uns anvertraut ist, ist freilich so auch in unsere Verantwortung gegeben. Die Vera