Péter Cardinal Erdõ Péter Cardinal Erdõ
Function:
Archbishop of Esztergom-Budapest, Hungary
Title:
Cardinal Priest of St Balbina
Birthdate:
Jun 25, 1952
Country:
Hungary
Elevated:
Oct 21, 2003
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Die Lage des Glaubens in den Großstädten Europas im Licht der Stadtmission
Dec 16, 2005
Die Mission beginnt damit, dass engagierte Christen ihr Glaubensleben erneuern, um dann die Liebe Gottes weiter zu tragen. Das erklärt Kardinal Péter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest, in diesem zweiten Teil eines ZENIT-Interviews über die Stadtmission in Lissabon und die wertvollen Erfahrungen, die dort gemacht werden konnten (Nov. 2005).

ZENIT: Am 5. November trug man die Reliquien der heiligen Therese von Lisieux in die Kathedrale von Lissabon. Papst Pius XI. hatte sie 1927 zur "Patronin der Mission" erklärt. Und Papst Johannes Paul II., der immer wieder darauf hingewiesen hatte, dass die heilige Therese vielerlei Anfechtungen ertragen musste, aber dennoch immer treu geblieben sei und das Vertrauen nicht verloren habe, erhob sie zur Kirchenlehrerin. Auch für uns heute ist diese Heilige ein Vorbild, um Zweifeln und widrigen Umständen nicht einfach nachzugeben. Wie kann uns das Beispiel dieser demütigen Frau zur Heiligkeit und zum Dienst an den Menschen anspornen?

Kardinal Erdö: Auch ich habe mich (in der Kathedrale von Lissabon) angestellt, um die Reliquien der heiligen Therese zu berühren und vor ihnen zu beten. Ich betete für uns alle, weil ich überzeugt davon bin, dass sie wahrhaftig die Patronin der Mission ist – jener Mission, die nicht nur aus Organisation oder aus bestimmten Techniken besteht oder rein karitativer Art ist, sondern vor allem von Liebe und Gebet getragen wird. Dank dem Gebet kann der gläubige Mensch zu einem wahren "Kraftfeld" werden, was sich mit Sicherheit auch auf das missionarische Wirken auswirkt. Wenn sich jemand ganz von der Kraft Gottes erfüllen lässt, dann wird diese grenzenlose Liebe in ihm zu einem großartigen Werkzeug der Evangelisierung, zur erlösenden Kraft Gottes. Aus diesem Grund ist die heilige Therese tatsächlich die Patronin der Mission und gerade auch unseres missionarischen Auftrags im Alltag.

ZENIT: In seiner Enzyklika "Redemptoris Mater" spricht Papst Johannes Paul II. davon, dass Maria "mütterlich teilnimmt an jenem ‘harten Kampf gegen die Mächte der Finsternis..., der die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht'" (47). Aus diesem Grund sieht die Kirche in ihr "die Helferin des christlichen Volkes beim unaufhörlichen Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen" (52). Ihr, der "Mutter der Hoffnung und des Trostes", hat der Vorgänger Papst Benedikts XVI. die Zukunft Europas anvertraut (vgl. "Ecclesia in Europa"). Welchen Stellenwert hatte vor diesem Hintergrund die Wallfahrt nach Fatima?

Kardinal Erdö: Während der Stadtmission, sozusagen als ihr zentraler Höhepunkt, sind alle Teilnehmer nach Fatima gepilgert. Es handelte sich um eine besondere Wallfahrt, an der ich als Zelebrant der Heiligen Messe und als Vorbeter des Rosenkranzes teilnehmen durfte. Ich bin sicher, dass die Marienfrömmigkeit und das Vertrauen, dass wir ihrer Fürsprache entgegenbringen dürfen, für uns ein großer Ansporn ist. Dadurch geling es uns, sogar unter sehr schwierigen Umständen zu glauben – dann, wenn es anscheinend wenig Hoffnung gibt. Ihre Fürsprache ist für uns eine Garantie dafür, dass ihr allerheiligster Sohn auf uns hört. Es entspricht einer wunderschönen portugiesischen Tradition, dass man einen großen Wunsch an Jesus Christus zuerst demütig an die Jungfrau Maria richtet, weil man sich der Tatsache bewusst sind, dass man es vor allem ihr zu verdanken hat, dass wir imstande sind zu bitten und noch dazu, vom Herrn erhört zu werden. Kurzum: Diese alte Tradition ist lebendiger Ausdruck einer großen Demut, ein Zeichen ganz besonderer Innerlichkeit. Sie bezeugt einen wirklich tiefen Glauben.

ZENIT: Während der Heiligen Messe im Kloster vom heiligen Hieronymus sprachen Sie am 8. November in ihrer Predigt über den atheistischen Materialismus und die Erfahrungen der Katholiken in Ungarn. Kann das, was gerade in Ungarn kulturell und religiös vor sich geht, zur Neuevangelisierung Europas beitragen?

Kardinal Erdö: Während der langen Zeit des kommunistischen Herrschaft gab es in der damals einzigen katholischen Zeitschrift Ungarns eine Rubrik mit dem ausdruckstarken Titel "Die kleine Spur – der kleine Weg". Darunter konnte man die Betrachtungen vieler katholischer Autoren lesen, die sich alle mit der heiligen Therese von Lisieux und ihrem "kleinem Weg" auseinandersetzten. Sie wandten ihre Botschaft auf die konkreten Lebensbedingungen der Katholiken im kommunistischen Ungarn an. Die politischen und sozialen Gegebenheiten vermochten sie nicht zu ändern, aber in ihrem ganz gewöhnlichen Leben gaben sie Zeugnis für Christus. Diese Möglichkeit gibt es in jeder Gesellschaft, ganz gleich, wann und wo, und sie wird es auch immer geben. Dazu braucht es eigentlich nur eine gewisse "Sensibilität". Ich glaube, dass diese Tatsache auch für die Missionierung heute eine sehr große Rolle spielt.

ZENIT: Im Jahr 2007 wird der "Kongress für die Neue Evangelisation", die Stadtmission, in Budapest stattfinden. Wie wird sich die Kirche auf dieses Ereignis vorbereiten? Wie wird man versuchen, vor allem die jungen Menschen einzubinden?

Kardinal Erdö: Vorab möchte ich sagen, dass in Lissabon wie zuvor in Wien und Paris doch recht viele Laien und Priester aus Ungarn aktiv am Kongress teilgenommen haben. Diese doch recht große Gruppe konnte die verschiedenen Stadtmissionen untersuchen und viele Erfahrungen sammeln. Zudem haben wir haben schon jemanden mit der Koordination der gesamten Vorbereitungstätigkeit beauftragt.

Ich rechne natürlich auch mit der Hilfe der Pfarrgemeinden, die bereits mit einbezogen worden sind. Auf diese Weise erhoffen wir eine tiefe Erneuerung des religiösen Lebens. Unsere Pfarren engagieren sich schon seit zwei Jahren in der so genannten "Gemeindemission". Das ist sozusagen die moderne Version der alten Volksmissionen, die in der Ära des Kommunismus verboten waren. Am Eingangstor vieler Kirchen können wir die Kreuze der Gemeindemissionen sehen. Auf ihnen scheinen die entsprechenden Missionsjahre auf – bis 1949. Seit 2003 ist es uns wieder möglich, neue Missionen und somit auch neue Einträge auf diesen Kreuzen vorzunehmen.

In Budapest haben wir gemerkt, dass es vor allem darum geht, den Glauben zu vertiefen. Das muss bei denjenigen beginnen, die bereits in der Pfarre mitarbeiten, den Priestern, Ordensleuten, Katecheten und Laien. Es ist nötig, dass ihre Spiritualität vertieft und ihr missionarisches Bewusstsein gestärkt wird. Danach sollte der Kontakt mit den anderen Mitgliedern der Pfarrgemeinde gesucht werden, auch über die Liturgie. Die großen liturgischen Feiern bieten außerdem die Möglichkeit, sich dem Sakrament der Buße neu zu nähern. Der dritte Schritt bestünde schließlich in einer allmählichen Öffnung zur Welt. Diese Öffnung bezieht sich jetzt nicht nur auf unsere konkrete Umgebung, unsere Stadt oder auf das Viertel, in dem man wohnt. Auch nicht nur auf die vielen Menschen, die nicht glauben, die die Botschaft Christi vielleicht noch nicht kennen oder noch gar nicht getauft sind. Nein, es geht darum, den Blick für die ganze Welt zu öffnen, um so auch auf die entfernten Kontinente zu schauen und das christliche Zeugnis dieser Menschen zu sehen.

Eine konkrete Form, um in der Pfarre mit den Gläubigen in Kontakt zu treten, kann die Kunst und Musik bieten, natürlich aber auch die Straßenmission. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Aber auch die Medien haben uns Gelegenheit gegeben, uns zu artikulieren. Wir verfügen bereits über eine gewisse Sendezeit, was uns Gelegenheit gibt, einen direkteren Kontakt mit der Öffentlichkeit herzustellen. Nach den Missionen in den Budapester Gemeinden haben wir schon vieles gelernt und kennen viele programmatische Aktivitäten, dies sehr erfolgreich gelaufen sind und recht fruchtbare Resultate erbracht haben. Wir wollen hoffen, dass wir auf Grundlage dieser Erfahrungen und mithilfe der Gnade Gottes auch bei uns eine gelungene Stadtmission organisieren können.
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