Péter Cardinal Erdõ Péter Cardinal Erdõ
Function:
Archbishop of Esztergom-Budapest, Hungary
Title:
Cardinal Priest of St Balbina
Birthdate:
Jun 25, 1952
Country:
Hungary
Elevated:
Oct 21, 2003
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Predigt von Peter Kardinal Erdő zur Seligsprechung des Märtyrers Bischof Szilárd Bogdánffy
Nov 15, 2010
„Aus Treue zu Christus und der Kirche in den Tod"

ORADEA, 30. Oktober 2010. (ZENIT.org).- „Bleibst du dem Papst immer noch treu?" Mit dieser Frage verhöhnten die Peiniger Bischof Bogdánffy bei den Verhörungen und Folterungen im Gefängnis. Zugleich hebt sie auch den Grund hervor, aus dem der nur 42 Jahre alte Bischof sogar den Tod auf sich nahm: „Die Treue zu Christus, zur Kirche und zum Papst war der Grund, weshalb er mit großzügiger Liebe sogar den Tod auf sich nahm", sagte Kardinal Erdő, Primas von Ungarn, anlässlich der Seligsprechung des Märtyrers Bischof Szilárd Bogdánffy (1911-1953).

Mit dieser Seligsprechung am vergangenen Samstag in der rumänischen Stadt Oradea beginnt schrittweise die Enthüllung und Versöhnung mit der bislang in vollkommenes Schweigen gehüllten Schreckensherrschaft des kommunistischen Regimes in Rumänien, der Tausende zum Opfer gefallen sind. ZENIT dokumentiert im Folgenden den vollen Wortlaut dieser auf Ungarisch gehaltenen Predigt in einer eigenen Übersetzung.

* * *

Seligsprechung des Märtyrers Bischof Szilárd Bogdánffy

Predigt des Erzbischofs Peter Kardinal Erdő, Primas von Ungarn

Oradea, 30. Oktober 2010

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

1. Heute sind wir zu einem ergreifenden, großen Fest zusammengekommen! 54 Jahre haben wir auf diesen Tag gewartet. Gewartet hat darauf die hiesige katholische Gemeinde, das ungarische Volk und alle, die wussten oder ahnten, welch fürchterlichen Prüfungen die Kirche und die Gläubigen im Krieg und später in den düsteren Jahren des fanatischen Kommunismus ausgesetzt waren. Die Seligsprechung des Bischofs und Märtyrers Szilárd Bogdánffy durchbricht das jahrzehntelange Schweigen, die Liturgie eröffnet mit Erhabenheit und geheimnisvoller Kraft die öffentliche Verehrung einer langen Reihe von Menschen, die für die Wahrheit Christi und der Kirche gelitten und als Märtyrer oder Glaubenszeugen standgehalten haben. Auch in Ungarn ist erst vor einem Jahr der selige Märtyrer und Bischof Zoltán Meszlényi, als erster unter den katholischen Märtyrern seiner Zeit, zur Ehre der Altäre erhoben worden. Auch hier, aus der Tiefe des geschichtlichen Brunnens, leuchtet nun der glänzende Strahl der Sonne, die längst begrabene Wahrheit und der Weg der Liebe als Vorbild, als friedensstiftende, versöhnende, ermutigende Kraft auf.

2. Im heutigen Evangelium hören wir, dass Gott selbst der Garant unserer Hoffnung und Freude ist. Es ist, als ob das Evangelium vom Martyrium Bischof Szilárds sprechen würde. Was könnte einem Menschen wohl Schlimmeres zustoßen als der Tod? Dennoch ist die Verdammnis der Seele furchtbarer als der körperliche Tod. Das ganze Leben kann einem Menschen nicht weggenommen werden, denn die Seele kann nicht getötet werden. Gott ist der einzige Herr über das Schicksal der Seele. Demnach müssen wir, nach den Worten Jesu, Gott fürchten. Von der Gottesfurcht wird heutzutage nur selten gesprochen, obwohl sie sowohl in der Bibel, als auch in der Firmliturgie der Kirche unter den Gaben des Heiligen Geistes erwähnt wird. Um Gott auf eine fruchtbare und wertvolle Weise fürchten zu können, müssen wir uns in seine Allmacht und in seine unendliche, jegliche Vorstellungskraft überragende Größe hineindenken. Nur dann, wenn wir uns genügend in diese Wirklichkeit eingefühlt haben, können wir wirklich von der Tatsache ergriffen werden, dass der unendlich mächtige Gott für uns sorgt, dass er jedes Haar auf unserem Haupt gezählt hat, dass er uns persönlich beim Namen ruft. Deshalb ist es so erhebend, dass wir Kinder Gottes sein und sogar in familiärer Nähe mit ihm leben dürfen. Wir dürfen die Macht und Erhabenheit Gottes nicht banalisieren. Wir dürfen seine Liebe zu uns nicht als natürlich oder selbstverständlich voraussetzen. Gerade die Großartigkeit seines Erbarmens ist es, die jeden einzelnen von uns und unsere Gemeinschaft in den verschiedenen Situationen unseres Lebens und unserer Geschichte aufhebt.

Gott bittet uns darum, ihn vor den Menschen zu bekennen, so wie der selige Bischof Szilárd und die Märtyrer und Glaubenszeugen in der Geschichte der Kirche es getan haben. Dann wird auch Jesus uns vor dem Himmlischen Vater bekennen. Das ist die wahre Garantie unserer Hoffnung, die Quelle des christlichen Optimismus. Diese unendliche Liebe Gottes begleitet auch die Glaubensgemeinde der Diözese von Oradea auf ihrem Weg.

3. Welche Lehre birgt für uns, heutige Katholiken, die Persönlichkeit und das Martyrium des seligen Szilárd Bogdánffy hier in Mittel-Ost-Europa in sich? Zuerst lehrt sie uns, dass jedes Martyrium seine Vorgeschichte hat. Szilárd war ein fleißiger Schüler, ein Seminarist und Priester, der gerne, weder vermessen, noch leichtfertig, jeden Auftrag der Kirche angenommen hat. Nie hat er sich gegen die unzählbaren, auf ihn niederprasselnden Aufgaben aufgebäumt, die er gleichzeitig zu verrichten hatte - langsam reifte er im Stand der Gnade zum Martyrium heran. Als Theologieprofessor unterrichtete er gleichzeitig auch an der Mittelschule, war Krankenhausseelsorger und später Verwalter im kleinen Seminar, er arbeitete als Sekretär und Büroverwalter. Er verrichtete alle Aufgaben, die der Ordinarius der notleidenden Diözese ihm anvertraute. Wer im Kleinen treu ist, dem vertraut Gott große Dinge an. Nach der Verhaftung des Dieners Gottes, János Scheffler, wurde Szilárd Bogdánffy zum Generalvikar ernannt und musste die Leitung der Diözese übernehmen. In dieser Zeit, in den Jahren 1948-49, wurde der Eintrag der Generalvikare geheim gehalten, derjenige aber, der als nächster die Leitung der Diözese übernahm, machte seine Übernahme der kirchlichen Leitungsvollmacht jedoch publik. Nach 1951 wurde die Amtsübernahme jedoch nicht mehr öffentlich bekanntgegeben. Da in Rumänien in den 40-er Jahren die Apostolische Nuntiatur noch arbeitete, anders als in Ungarn, wo Erzbischof Angelo Rotta, der in den Kriegsjahren viele Flüchtlinge versteckt hatte, schon im Frühjahr 1945 vertrieben wurde, konnte Szilárd Bogdánffy am 14. Februar 1949 in der Bukarester Nuntiatur zum Bischof geweiht werden. Die Antwort der politischen Behörden ließ nicht lange auf sich warten. Bei seiner Rückkehr nach Oradea wurde der neugeweihte Bischof bereits erwartet. Anderthalb Monate nach seiner Bischofsweihe wurde er am 5. April 1949 verhaftet. In verschiedenen Gefängnissen wurde er grausam gefoltert. In Stein- und Bleibergwerken ließ man ihn arbeiten, wie die Urchristen. Es ist, als ob diese erschreckend ähnlichen Phänomene den Niedergang des lang anhaltenden konstantinschen Kirchenfriedens einläuten würden.

Aber mit welcher Haltung ertrug Bischof Szilárd das Leiden? Warum musste er überhaupt leiden? Antwort finden wir in der höhnischen Frage eines seiner Peiniger: „Bleibst du dem Papst immer noch treu?" - Die Treue zu Christus, zur Kirche und zum Papst war der Grund, weshalb er mit großzügiger Liebe sogar den Tod auf sich nahm. Schon auf der Nuntiatur sagte Erzbischof Patrick O`Hara bei seiner Weihe zu ihm: „Bruder Szilárd, ich weihe dich für das Martyrium zum Bischof." Der Leiter der Nuntiatur war der Repräsentant des Heiligen Vaters. Seine Treue, wie auch die Treue so vieler griechisch- und römisch-katholischer Bischöfe, Priester und Laien, kommt von einem aufrichtigen Glauben. Junge und Alte, Rumänen und Ungarn begegneten sich in den Gefängnissen und verstanden sich auch mit wenigen Worten, denn sie teilten den gleichen Glauben und die gleiche Hoffnung.

Glauben bedeutet die Erkenntnis und Annahme von Wahrheiten, das heißt, er hat einen ernsten, konkreten Inhalt, den wir kennen lernen und bei dem wir mit Liebe ausharren müssen. Unser Glaube ist jedoch auch Quelle der Hoffnung, Zusicherung und Vorgeschmack der ewigen Glückseligkeit. Die Lesung aus dem ersten Petrusbrief ruft uns dazu auf, stets bereit zu sein, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (vgl. 1 Pet 3,15). Papst Benedikt XVI. lehrt uns in seiner Enzyklika Spe Salvi über diese Wahrheit auf folgende Weise: „Hoffnung ist in der Tat ein Zentralwort des biblischen Glaubens; so sehr, dass die Wörter Glaube und Hoffnung an verschiedenen Stellen als austauschbar erscheinen. [...]Auch wenn der Erste Petrusbrief die Christen dazu auffordert, jederzeit zur Antwort bereit zu sein über den Logos - den Sinn und Grund - ihrer Hoffnung (vgl. 3, 15), ist "Hoffnung" gleichbedeutend mit "Glaube". Wie sehr die Beschenkung mit einer verlässlichen Hoffnung das Bewusstsein der frühen Christen bestimmte, zeigt sich auch, wo die christliche Existenz mit dem Leben vor dem Glauben oder der Situation der Anhänger anderer Religionen verglichen wird. Paulus erinnert die Epheser daran, wie sie vor ihrer Begegnung mit Christus "ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt" waren (Eph 2, 12)." (Spe Salvi 2).

Bischof Szilárds Martyrium ist für uns also Quelle der Hoffnung. Mit seinem Leiden und Tod bezeugt er, dass wir zu einer Freude berufen sind, die größer ist als das irdische Leben. Deshalb ist die Liebe stärker als der Tod (vgl. Hld 8,6), deshalb vertreibt die vollkommene Liebe die Furcht (vgl. 1Joh 4,18).

4. Die Fürsprache Bischof Szilárds unterstützt und sein Lebensbeispiel lehrt uns auch heute noch. Denn die ermüdete, auf der Suche nach der Freude der irdischen Freiheit erschöpfte Gesellschaft unserer Zeit braucht Hoffnung. Früher bedeuteten die Verfolgung eine starke Versuchung, heutzutage besteht die Versuchung eher in der schier unbegreiflichen Komplexität und Zerstreutheit, eine geheimnisvolle, innere Ermattung hindert uns daran, den guten Kampf zu kämpfen und den Lauf um das ewige Glück zu vollenden, von dem Paulus spricht (vgl. 2Tim 4,7). Es ist, als ob eine Traurigkeit unsere Herzen bedrücken würde. Aber so, wie aus der Stille der Angst und des Schweigens das Zeugnis der Märtyrer heute erschallt und aufleuchtet, so begleitet uns jene Kraft des Glaubens, die uns Hoffnung und Zukunft gibt. Wie beim Prophet Jeremia geschrieben steht: „Ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, so erhöre ich euch" (Jer 29,11-12).

Der Gott der Bibel, an den wir glauben, ist allmächtig, allwissend, barmherzig und gütig. Bischof Szilárd hat, im Vorwort seiner Doktorarbeit, zusammen mit allen Gläubigen bezeugt, dass Gott der Herr der Geschichte ist. So schieb er: „Ich habe vom Herrn und Gott der Geschichte eine glückliche, aber gleichzeitig schwierige Zeit bekommen." Denn es stellt sich die große Frage, wie ein allmächtiger, allwissender, uns unendlich liebender Gott so viel Geduld mit den Menschen und mit der Welt haben kann, wie mit unserer, mit so viel Grausamkeit und Leiden durchdrungenen Geschichte. Wenn die Wirklichkeit und unser Leben nur aus den Erfahrungen in der Zeitspanne zwischen unserer Geburt und unserem Tod bestehen würden, dann bliebe die Waage unausgeglichen, dann würden sogar Wahrheit, Güte und Allmacht in Spannung, ja sogar in Widerspruch zueinander stehen. Aber die Gedanken Gottes sind nicht die Gedanken der Menschen. Er allein kennt die ganze Weltwirklichkeit, er ist nicht nur Herr der Zeit, sondern auch Herr der Ewigkeit. In seiner Perspektive herrscht eindeutig die Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und der Friede. In dieser Hoffnung bestärken uns die Heiligen, dieser Glaube erneuert in uns die Lust und die Kraft auf das Leben und die Liebe. Denn das Blut der Märtyrer ist nicht ein Mahnmal der Bitterkeit und Forderung nach irdischer Genugtuung, sondern die unwiderstehliche Kraft der Vergebung, der Versöhnung und der Neugeburt. Das Blut der Märtyrer ist eine Saat, aus der ein neuer Glaube, neue Hoffnung und neues Leben entstehen.

5. Möge Gott unserer katholischen Gemeinde und dem ganzen Volk unserer Länder die Versöhnung, den Frieden, die Gerechtigkeit und die Kraft der Hoffnung für den Aufbau eines neuen Lebens gewähren. Maria, Patronin der Ungarn, bitte für uns! Heiliger König Ladislaus, bitte für uns! Seliger Bischof und Märtyerer Szilárd Bogdánffy, bitte für uns! Amen.

[Übersetzung des von Erzbischof Peter Kardinal Erdő, Primas von Ungarn zu Verfügung gestellten ungarischen Predigttextes durch Susanne Czupy]
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