Kurt Cardinal Koch Kurt Cardinal Koch
Function:
President of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity
Title:
Birthdate:
Mar 15, 1950
Country:
Switzerland
Elevated:
Nov 20, 2010
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German „Man darf die Kraft des Gebetes nicht unterschätzen“
May 09, 2014
Wenn die Kirche mit einer Stimme spricht, kann sie in der Ukraine etwas erreichen. Das sagt der Schweizer Kardinal Koch im Interview mit FAZ.NET. Er ist vom Papst damit beauftragt, die Einheit der Christen in der umkämpften Region zu fördern.

Bei der Zuspitzung der Lage in der Ukraine, wo lokale Kräfte das Regime mit Waffengewalt an sich ziehen und die ukrainische Zentralgewalt schwächen, kommt den Kirchen eine besondere Verantwortung zu. Die Ökumene ist gefragt.

In der Tat tragen die Kirchen eine besondere Verantwortung. Nach meiner Wahrnehmung hat die große Krise die verschiedenen Kirchen in der Ukraine einander näher gebracht. Der Majdan hat gezeigt, dass mehr Gemeinsamkeiten sichtbar sind, als gewisse polemische Stimmen suggerieren. Es ist kontraproduktiv, jetzt alte konfessionelle Streitigkeiten neu auszutragen.

Zu den verschiedenen Kirchen gehören vor allem die russisch-orthodoxe mit ihrem Patriarchen in Moskau und die orthodoxe-ukrainische Kirche mit ihrem eigenen Patriarchen in Kiew. Es gibt die griechisch-katholische Kirche wieder, die der Stalinismus verboten hatte, und es gibt die römischen Katholiken. Sie, Herr Kardinal, sollen als Chef des päpstlichen Ökumene-Rates versuchen, die Einheit der Christen zu fördern. Was können Sie in der Ukraine tun?

Die offenen Briefe, die der russisch-orthodoxe Metropolit Onufrij in Kiew an Patriarch Kyrill und an Präsident Putin gerichtet hat, sich für Frieden und Dialog und die Beendigung von jeder Gewaltanwendung einzusetzen, geben die Überzeugung sehr vieler Christen in der Ukraine wieder. Je mehr sie gemeinsam ihre Stimme erheben, desto mehr können sie zu einer friedlichen Lösung beitragen.

Wäre es nicht zu hoffen, dass der russische Patriarch Kyrill I. in Moskau die prorussischen Kräfte in der Ukraine zur Zurückhaltung drängt?

Natürlich kommt Patriarch Kyrill eine besondere Verantwortung zu. Er hat unlängst in einer Botschaft betont, dass seine Kirche im politischen Konflikt eine neutrale Position einnimmt, dass sie sich vor allem für Versöhnung einsetzen und sich deshalb nicht mit einer politischen Position identifizieren will. Er hat zum Dialog und zum Verzicht auf Waffengewalt aufgerufen.

Kyrill ordnen sich einige Millionen Orthodoxe in der ukrainischen Landeskirche unter, die aber die Übergangsregierung in Kiew anerkennt und den Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland verurteilte. Ostern hatte Kyrill noch die Ukraine als integralen Bestandteil des Heiligen Rus bezeichnet. Politisch sei die Ukraine zwar ein ausländischer Staat, aber kirchlich und historisch sei sie das nicht. „Wir sind dieselbe Nation vor Gott. Wir praktizieren dieselbe orthodoxe Religion“. Hat sich da die Haltung des Patriarchen in Moskau geändert?

Man muss hier den politischen und den kirchlichen Aspekt unterscheiden. Politisch ist die Ukraine ein eigener Staat; in kirchlicher Hinsicht aber gehört die Ukraine, was die Orthodoxie betrifft, zum Jurisdiktionsgebiet des russisch-orthodoxen Patriarchats. Erschwerend kommt freilich hinzu, dass unter den Orthodoxen in der Ukraine ein Schisma besteht. Es ist deshalb sehr zu hoffen, dass die Orthodoxen ihre Einheit wiederfinden werden. Dies wäre auch für die Ökumene förderlich.

Kann der Vatikan nur hoffen? Der Papst ist für Syrien sehr aktiv geworden und jetzt in der Ukraine so wenig? Gibt es eine geheime Diplomatie?

Papst Franziskus hat bei verschiedenen Gelegenheiten seine tiefe Betroffenheit im Blick auf das schwere Leid der Menschen in der Ukraine zum Ausdruck gebracht. Er hat die Gläubigen auf dem Petersplatz zum Gebet für die Opfer der Gewalt in der Ukraine aufgerufen.

Mehr ist von Rom nicht zu erwarten?

Man darf die Kraft des Gebetes nicht unterschätzen. Für die Leidenden bedeutet es vor allem das Wissen, nicht vergessen zu sein, sondern solidarisch unterstützt zu werden. Zudem muss in einer so schwierigen und sensiblen Lage Hilfe auch im Verborgenen geschehen, damit sie ihr Ziel besser erreichen kann.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/kirchendiplomatie-in-der-ukraine-man-darf-die-kraft-des-gebetes-nicht-unterschaetzen-12927661.html
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