Kurt Cardinal Koch Kurt Cardinal Koch
Function:
President of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity
Title:
Birthdate:
Mar 15, 1950
Country:
Switzerland
Elevated:
Nov 20, 2010
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German Kardinal Koch: Ökumene ist für Kirche "nicht Kür sondern Pflicht"
May 06, 2012
kathbild.at / Rupprecht

Vatikanischer "Ökumeneminister" referierte in Wien über "Zukunftspotenzial des Ökumenismusdekrets" des Konzils

Wien (KAP) Ein Engagement in der Ökumene ist für die katholische Kirche "nicht Kür, sondern Pflicht" - und zwar eine Pflicht, der sich jeder Gläubige aber auch die Kirchenspitze verpflichtet fühlen muss. Dies unterstrich der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, bei einem Vortrag an der Universität Wien. Die Spaltungen der Christenheit seien eine bis heute schmerzende Wunde, deren Heilung "dem Willen Jesu Christi" selbst entspreche und der sich das gesamte Zweite Vatikanische Konzil zutiefst verpflichtet fühlte, erinnerte Koch bei dem Vortrag am Montagabend. Christliche Ökumene sei "kein bloßer Zusatz oder ein Anhängsel im Leben der Kirche, sondern gehört elementar zum Wesen der Kirche". Besondere Relevanz erlange die Ökumene im Projekt der Neuevangelisierung.



Der Vortrag über das "Zukunftspotenzial des Ökumenismusdekrets" bildete den Höhepunkt eines Symposions aus Anlass des 50. Jahrestages der Eröffnung des Konzils. Das von der Universität Wien, den Wiener Theologischen Kursen und der Stiftung "Pro Oriente" ausgerichtete Symposion stand unter dem Titel "Erinnerung an die Zukunft". Weitere Referenten waren der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der orthodoxe Theologe Ioan Moga und der Wiener Ostkirchenexperte Prof. Rudolf Prokschi.



Ganz oben auf der ökumenischen Agenda müsse heute laut Koch die Frage nach dem Kirchenverständnis stehen. Dabei seien vor allem die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen angefragt, die beantworten müssten, ob sie die Reformation als "totalen Bruch" verstehen oder sich in "bleibender Kontinuität mit den vorangehenden 1.500 Jahren" sehen, so Koch. Von der Klärung dieser Frage hänge "die weitere Zukunft des ökumenischen Dialogs" ab. Sorge bereite ihm in diesem Zusammenhang eine "zunehmende und vielfältige Fragmentierung" innerhalb des Weltprotestantismus, der zugleich eine Vervielfältigung der Ökumene-Begriffe und des Verständnisses von Kircheneinheit mit sich bringe.



Die Fragmentierung führte Koch auf ein "relativ lockeres Verständnis der Einheit der Kirche" und zugleich auf den großen Wachstumserfolg einiger vor allem charismatischer und evangelikaler protestantischer Kirchen zurück. Man habe in der heutigen Ökumene daher nicht mehr nur mit einzelnen Lehrunterschieden zu tun, sondern mit einer "anderen ekklesialen Grundstruktur und einem anderen Typ von Kirche", so der Kardinal. Ausdrücklich wehrte sich Koch jedoch gegen jüngste Versuche, einen Übergang von einem "Konsens zum Differenzmodell" in der Ökumene zu sehen. Dieses, etwa vom Wiener reformierten Theologen Ulrich Körtner vertretene Modell weise in eine falsche Richtung und verdeutliche eine "mangelnde Verständigung über das Ziel der Ökumenischen Bewegung".



Mahlgemeinschaft ist Ziel, nicht Anfang der Ökumene



Koch wies in seinem Vortrag außerdem alle Rufe nach einer raschen Eucharistiegemeinschaft als nächste Schritte in der ökumenischen Bewegung von sich. Die katholische Kirche halte sich im ökumenischen Dialog an klare katholische Prinzipien wie sie das Konzil etwa mit der Idee eines gestuften Kirchenverständnisses vorgelegt hat. "Eingangstor" zur Kirche und zugleich Fundament der Ökumene bleibe demnach vor allem die Taufe und deren wechselseitige Anerkennung, so Koch. Man müsse auf diesem Punkt so beharren, da gerade von protestantischer Seite diese Frage oftmals aufgeweicht werde.



Gleiches gelte für einen weiteren ökumenischen Streitpunkt: die Eucharistie. Auch in diesem Punkt gebe es evangelische Gemeinschaften, so Koch, bei denen er den Eindruck habe, "das ökumenische Ziel sei nicht mehr die kirchliche Communio, sondern die eucharistische Interkommunion" - und er fügte mit Kardinal Walter Kasper hinzu: "Das gemeinsame Mahl gehört insgesamt an das Ende und nicht an den Anfang ökumenischer Bestrebungen."



Als Garanten eines stetigen ökumenischen Bemühens verwies Koch nicht nur auf Johannes Paul II. sondern vor allem auch auf Papst Benedikt XVI., der etwa den ökumenischen Dialog mit der Orthodoxie neu gestartet habe - mit dem wichtigen Zwischenerfolg des Dokuments von Ravenna 2007. Außerdem habe Benedikt XVI. mit der Einrichtung des neuen Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung ein "schönes ökumenisches Zeichen" gesetzt und auf die Neuorientierung der Ökumene in Richtung einer gemeinsamen Praxis in der Neuevangelisierung verwiesen. "Im Mittelpunkt aller Neuevangelisierung muss die Gottesfrage stehen, die wir ökumenisch zu verantworten haben", so Koch. Die gegenwärtige "Gotteskrise" eine die Christenheit in der gemeinsamen Herausforderung, ähnlich wie die Bedrohung zur Zeit des Faschismus die Kirchen in der Praxis geeint habe.



Im Rahmen seines Wien-Besuchs trifft Kardinal Koch auch mit Kardinal Christoph Schönborn, dem Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios Kardamakis und dem Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (mit Bischofsvikar Nicolae Dura an der Spitze) zusammen.



Bünker für Dialog über "Katholizität" der Kirche



Vor Kochs Vortrag loteten der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der rumänisch-orthodoxe Theologe Ioan Moga und der katholische Theologe Prof. Rudolf Prokschi bei dem Sympopsion Rezeption und langfristige Auswirkungen des Ökumenismusdekrets für das ökumenische Gespräch aus. Zur Sprache kam dabei u.a. erneut auch die Debatte um das Kirchenverständnis der katholischen Kirche und das Schreiben "Dominus Iesus" aus dem Jahr 2000, in dem der heutige Papst Benedikt XVI. die katholische Auffassung bekräftigte, Protestanten seien "nicht Kirche im eigentlichen Sinn".



Bünker legte dazu die theologischen Auffassungsunterschiede dar, verwies aber auch darauf, dass er im aktuellen ökumenischen Dialog das Gespräch über die "Katholizität", also die Ganzheit der Kirche, für wichtiger erachte. Bünker: "Eine Schlüsselstellung für die zukünftigen Gespräche sollte nicht unbedingt das Kirchenverständnis als solches - das ist hinreichend geklärt und die Unterschiede liegen klar am Tisch - und damit des Amtsverständnisses sein. Ich frage, ob es nicht einmal lohnend wäre, die Bedeutung der 'Katholizität' miteinander und füreinander zu überprüfen."



Protestanten und Katholiken verbinde die gemeinsame Sorge um die Kirchenspaltungen im Sinne einer "Wunde". Beide stellten "einen gewissen Mangel hinsichtlich der Katholizität fest". Umgekehrt bedeute dies auch, "dass die Kirchen füreinander verantwortlich sind", sagte Bünker. "Jede hat ihr Verständnis von Ökumene und Einheit aus ihrer eigenen Lehrtradition und Glaubensüberzeugung, insbesondere aus dem eigenen Verständnis von Kirche und Amt heraus zu entwickeln. Aber: Wahrscheinlich kann es keine mehr ohne die andere tun."



Diskurs über "Schwesterkirchen"



Das Verhältnis der katholischen Kirche zur Orthodoxie und den damit zusammenhängenden Ausdruck "Schwesterkirchen" analysierte im Anschluss Prof. Prokschi. Im Zentrum stand dabei ein vor einigen Jahren bekannt gewordener Briefwechsel zwischen dem orthodoxen Metropoliten Damaskinos und dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger aus den Jahren 2000 und 2001 zur Erklärung "Dominus Iesus" und die "Note über den Ausdruck Schwesterkirchen" der vatikanischen Glaubenskongregation aus dem Jahr 2000.



Letztere Note habe "den bis dahin uneingeschränkt positiv besetzen Terminus Schwesterkirchen stark relativiert und auf beiden Seiten neue Fragen aufgeworfen", erinnerte Prokschi und versuchte anschließend auf Basis des Briefwechsel die Hintergründe der Debatte darzustellen.



Prokschi: "Wenn ich die Aussagen aus diesem Briefwechsel richtig verstanden habe, so besteht zwischen den beiden Repräsentanten Einigkeit darüber, dass sowohl die römisch-katholische Kirche als auch die orthodoxe Kirche für sich allein nicht den Anspruch erheben kann, die eine heilige katholische und apostolische Kirche von Jesus Christus eingesetzte, universale Kirche zu sein. Es braucht das Eingestehen der eigenen Unzulänglichkeit im Geiste der Buße und der Bitte um Heilung. In diesem Sinn scheint mit der Terminus Schwesterkirchen durchaus angemessen, weil beide Kirchen durchaus im selben Boot sitzen, dass aber nach gemeinsamer Überzeugung von Gottes Geist gesteuert wird."



Plädoyer für "geistlichen Ökumenismus"



Der rumänisch-orthodoxe Theologe Moga legte die Rezeption des Ökumenismusdekrets bei orthodoxen Theologen und Kirchenvertretern dar. Grundtenor nach der Veröffentlichung sei gewesen, dass das Ökumenismusdekret "Unitatis Redintegratio" zusammen mit der Konzilskonstitution "Lumen Gentium" über die Kirche "eine willkommene und verheißungsvolle Wende im Verhältnis zu den anderen Christen eingetreten ist, die neue Horizonte des Dialogs geöffnet hat".



Vor dem Hintergrund eines heute immer stärker werdenden Rufs nach einer "Ökumene der Ethik", rief Moga zur verstärkten Wiederentdeckung des "geistlichen Ökumenismus" auf. Fruchtbare Ökumene dürfe nicht nur auf das Eintreten für gemeinsame ethische Werte und Prinzipien von Christen reduziert werden. "Ökumene hat ohne eine geistliche Dimension kein Herz."



Zwischen Katholiken und Protestanten in Westeuropa sei so etwas wie ein "geistlicher Ökumenismus" auch wegen der kulturellen Nähe immer wieder erlebt worden, so Moga. In den Beziehungen zwischen Ost- und Westkirchen gäbe es in dieser Hinsicht aber noch "ungeschöpftes Potenzial": "Das Fremdsein zwischen Ost- und Westkirchen stellt leider vielerorts immer noch eine Realität dar - und zwar auf beiden Seiten

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