Kurt Cardinal Koch Kurt Cardinal Koch
Function:
President of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity
Title:
Birthdate:
Mar 15, 1950
Country:
Switzerland
Elevated:
Nov 20, 2010
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German Kardinal Koch: „Bei ethischen Fragen mit einer Stimme sprechen“
Feb 18, 2012

Die christlichen Kirchen müssen in ethischen Fragen endlich mit einer Stimme sprechen. Das hat der vatikanische Ökumene-Verantwortliche Kardinal Kurt Koch angemahnt. Der Schweizer Kurienkardinal ist Hauptreferent einer großen internationalen Ökumene-Tagung in Innsbruck, die noch bis Mittwoch geht. Im Gespräch mit Kathpress sagte Koch am Rande der Tagung, dass sich alle Kirchen für den Schutz des menschlichen Lebens von dessen Anfang bis zu dessen Ende einsetzen sollten.

„Doch da haben wir hinsichtlich der Frage der Stammzellforschung, der Abtreibung oder auch der Euthanasie – so glaube ich zumindest – nicht jene einmütige Stimme, die wir in der Gesellschaft haben müssten.“

Dasselbe gelte auch für die Bereiche Ehe und Familie und Homosexualität, fügte Kardinal Koch an. Ökumene decke einfach viele Bereiche ab und sei nicht nur für Experten wichtig.

„Ökumene ist nämlich nicht ein Hobby von Spezialisten und besonderen Liebhabern, sondern etwas, was sich aus dem Christsein selbst heraus ergibt. Dieses Bewusstsein ist meines Erachtens noch nicht so vorhanden, und da würde die besondere Verantwortung von Menschen in den Pfarreien, die also in einem besonderen Dienst stehen, darin bestehen, dieses Bewusstsein zu vertiefen und zu verbreiten.“

Während in einer früheren Phase der ökumenischen Bewegung das Losungswort geheißen habe: „Glaube trennt - Handeln vereint“, werde dieses heute gleichsam auf den Kopf gestellt. Dazu Koch:

„Eines der heutigen Probleme ist, dass wir zwar viele ökumenische Papiere haben, dass diese aber nicht von den Kirchenleitungen anerkannt sind. Das ist der große Vorteil der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von Augsburg. Sie wurde vom Lutherischen Weltbund und von Rom angenommen. Deshalb schwebt mir eine neue Erklärung auf dieser Ebene vor - weil erst dann richtige Schritte unternommen werden können.“

Gegenwärtig sei es vor allem die Ethik, an der sich die Geister schieden, so Koch - der Glaube aber verbinde. Da hinter unterschiedlichen Sichtweisen zumeist Fragen des Menschenbildes stehen, sieht der Kurienkardinal auch die Ausarbeitung einer „gemeinsamen christlichen Anthropologie“ als eine große Aufgabe in der Ökumene:

„Das ist eine schwierige, aber schöne Arbeit. Wir haben keine Alternative. Die Einheit ist der Wille des Herrn und zu dem können wir keine Alternative finden. Die katholische Kirche hat sich, wie Papst Johannes Paul II. gesagt hat, definitiv und irreversibel für diesen Weg entschieden, deshalb müssen wir ihn weitergehen - mit allen Pannen, die geschehen können.“

Gespräche mit Orthodoxen

Zum Dialog mit der orthodoxen Kirche räumte Koch ein, dass die Gespräche der offiziellen katholisch-orthodoxen Dialogkommission zuletzt ins Stocken geraten waren. Die letzte Vollversammlung der Dialogkommission hatte sich im September 2010 in Wien mit der Rolle des Bischofs von Rom in der Gemeinschaft der Kirche des ersten Jahrtausends befasst. Es war aber in Wien nicht möglich, Übereinstimmung über ein gemeinsames Dokument zu finden.

„Es ist sicher kein Zufall, dass bei der Primatsfrage und der Bedeutung der Rolle des Bischofs von Rom große Hindernisse im Dialog entstehen. Das ist wirklich die einzige Frage, die uns von den Orthodoxen trennt. Dass das sehr viel Arbeit braucht, das ist nicht erstaunlich.“

Die orthodoxe Seite habe auch erklärt, in der Weiterarbeit an dieser historischen Frage keinen Sinn mehr zu sehen, deutete Koch an.

„Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass die orthodoxen Kirchen heute in einer nicht leichten Situation sind. Der Großteil ihrer Gläubigen lebt nicht mehr in ursprünglich orthodoxen Ländern, sondern in der Diaspora. Wir haben orthodoxe Kirchen in Österreich mit einem neuen Bischof. Auch in Amerika gibt es beispielsweise sehr viele orthodoxe Kirchen, und dasselbe gilt auch für Westeuropa. Das ist eine ganz große Herausforderung für die orthodoxen Kirchen, die es gewohnt sind, in orthodoxen Ländern bestimmend zu sein. Ein weiterer Punkt ist die panorthodoxe Synode. Sie haben seit der Kirchenspaltung keine Konzilien mehr durchgeführt. Von daher, denke ich, müssen wir Katholiken sehr viel Geduld mit den Orthodoxen haben und sie nicht drängen.“

http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/articolo.asp?c=562987
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