Reinhard Cardinal Marx Reinhard Cardinal Marx
Function:
Archbishop of Munich and Freising
Title:
Birthdate:
Sept 21, 1953
Country:
Germany
Elevated:
Nov 20, 2010
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German Kardinal warnt for falschem Konservatismus
Jul 19, 2016
Ein Empfang gegen die (soziale) Kälte.

16.07.16

Die besorgniserregende Lage in Europa, die Flüchtlingsproblematik, die Kirche und das liebe Geld: Viel Gesprächsstoff gab es beim traditionellen Jahresempfang der Erzdiözese. Und einen trotz aller Schwierigkeiten glänzend aufgelegten Kardinal.

Von Claudia Möllers

München – „Es ist wunderbar, hier zu leben.“ Aus tiefem Herzen kommen diese Worte, die Kardinal Reinhard Marx am Donnerstagabend beim traditionellen Jahresempfang an die gut 600 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft richtet. „Auch nach acht Jahren“, fügt er hinzu.

Dabei treiben ihn durchaus viele Sorgen um, wie er in seiner Rede deutlich macht. Da ist ein „falsch verstandener Konservatismus, der um Identität und Sicherheit kreist“. Und diese Debatte, so fürchtet er, könne künftige Wahlkämpfe bestimmen. Vor zehn Jahren hätte er sich nicht vorstellen können, in welcher Tonlage heute viele Diskussionen geführt würden. Er könne die Sehnsucht nach Geborgenheit verstehen, aber Kirche müsse die Zukunft aufbauen und nicht Restauration betreiben. Marx warnt vor „rückwärtsgerichteten Beschwörungsformeln“ und einer Sehnsucht nach einer Geborgenheit, „die es so nie gegeben hat“. Stattdessen ruft er zu einer „lernenden Identität“ auf und dass man auch mal alte Überzeugungen ablegt. Einer „Mentalität des Häuserkampfes“ oder der Rückeroberung vermeintlich verlorenen Terrains erteilt er eine klare Absage. Die Flüchtlingsaufgabe werde bleiben – unabhängig von der Zahl der Migranten. Die Fluchtursachen müssten in den Blick genommen werden. „Dass eine Mauer das löst, glaubt niemand.“ Marx verspricht, dass sich die Kirche auch bei der Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge beteiligen werde.

„Wir dürfen den nationalistischen Vereinfachern nicht nachgeben, auch wenn es bequemer wäre“, betont Professor Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats. „Die braunen Kleckse in der Mitte unserer Gesellschaft werden immer dicker. Sie auch noch christlich kaschieren zu wollen, dürfen wir nicht zulassen.“ Fremdenfeindliche und rassistische Positionen kämen auch in den eigenen Reihen immer ungenierter daher: „Sie sind mit der christlichen Sozialethik schlicht unvereinbar.“

Auch zur stattlichen Finanzausstattung des Erzbistums – rund sechs Milliarden – äußert sich Tremmel. „Ist unsere Erzdiözese nicht viel zu reich? Milliarden an Vermögen, das ist doch unanständig“, fragt er provozierend. Und beruft sich auf Papst Franziskus, wonach Geld dienen und nicht regieren muss – es müsse für die Verkündigung des Glaubens, für die karitative Hilfe und Bildung eingesetzt werden. Die Erzdiözese habe mit der ungeschönten Veröffentlichung ihrer Finanzen einen vorbildhaften Weg eingeschlagen.

Dass es in Bayern schön ist, wird im Garten der Akademie unter Beweis gestellt: Trotz kühler Temperaturen wird an den Tischen heiß diskutiert über Gott und die Welt. Auch wenn der Kardinal zuvor vor einer kirchlichen Kuschelwelt gewarnt hat: Für wärmende Decken ist gesorgt.

https://www.ovb-online.de/bayern/kardinal-warnt-falschem-konservatismus-empfang-gegen-soziale-kaelte-6575647.html
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