Reinhard Cardinal Marx Reinhard Cardinal Marx
Function:
Archbishop of Munich and Freising
Title:
Birthdate:
Sept 21, 1953
Country:
Germany
Elevated:
Nov 20, 2010
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German Eine ganzheitliche Sicht der Wirtschaft
Jul 26, 2015
Eine kritische Distanz des Papstes zum Markt und zur Wirtschaft ist offenkundig. Sie wird flankiert von einer Warnung vor blindem Fortschrittsglauben. Doch deshalb ist die neue Enzyklika keineswegs markt- oder technikfeindlich. Ein Gastbeitrag.

18.07.2015, von Reinhard Kardinal Marx

Laudato si“: So heißt die im Juni von Papst Franziskus veröffentlichte Enzyklika. Dass es sich dabei keinesfalls - wie hin und wieder und leider auch in dieser Zeitung behauptet - um eine pessimistische Klageschrift handelt, wird angesichts des Titels aus dem Sonnengesang des heiligen Franziskus sehr deutlich. Wenn auch die zentralen Themen der Enzyklika - die derzeitige Zerstörung des Planeten sowie die weltweite Armut und soziale Ungerechtigkeit - ernste und gravierende Probleme sind, die der Papst jedem im ganzen Ausmaß ins Bewusstsein rufen möchte, bleibt er voller Hoffnung und Zuversicht. Er glaubt daran, dass sich die Menschen zur ökologischen Umkehr bewegen lassen und sich in Freiheit für das Gute entscheiden, dass sie die Herausforderungen bewältigen und die Welt zum Besseren verändern können.

Der Papst setzt an der Wirklichkeit an. Seine klare Analyse der Situation ist ein realistischer Blick auf die Welt. Er benennt sowohl die unbestreitbar großen Umweltprobleme als auch die weltweite soziale Ungerechtigkeit. Er blickt aus der Perspektive der Armen auf die Wirklichkeit, weshalb auch der ökologische Ansatz nicht vom sozialen Ansatz zu trennen ist. Wenn auch die Ursachen unterschiedlich sein mögen, sind doch die Zusammenhänge zwischen Armuts- und Umweltfrage offensichtlich: „Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozioökologische Krise“ (139). Von daher ist es nicht angemessen, die Enzyklika „Laudato si“ auf eine Umwelt- oder Klimaenzyklika zu reduzieren. Franziskus weist vielmehr den Weg für eine ganzheitliche menschen- und umweltgerechte Entwicklung.

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Wohlwissend um die Klimaskeptiker, räumt der Papst ein, dass es neben dem Menschen noch andere Ursachen des Klimawandels und der Erderwärmung gibt, aber er hegt - gestützt auf zahlreiche wissenschaftliche Studien - keinen Zweifel, dass der Klimawandel überwiegend menschengemacht ist und größtenteils auf den starken und noch immer kaum begrenzten Anstieg der Treibhausgasemissionen seit der Industrialisierung zurückzuführen ist. Die besorgniserregende Erwärmung des Klimasystems und die dramatischen Folgen des Klimawandels müssen seiner Ansicht nach dringend bekämpft werden. Denn die Leidtragenden sind schon heute die ärmsten Bewohner unseres Planeten. Weil ein „weiter so“ nicht verantwortbar ist, fordert er einen veränderten Wirtschafts- und Lebensstil, der das Prinzip der Nachhaltigkeit im Blick hat.
Reiche Länder haben bisher wenig zur Bewältigung der Umweltprobleme getan

Um die Probleme der Umweltzerstörung und der weltweiten sozialen Ungerechtigkeit zu lösen, sind alle Menschen gefragt. Insbesondere sieht der Papst jedoch die entwickelten Länder in der Pflicht. Er kritisiert scharf die Tatsache, dass die reichen Länder bisher so wenig zur Bewältigung der Umweltprobleme getan haben. „Die ärmsten Regionen und Länder besitzen weniger Möglichkeiten, neue Modelle zur Reduzierung der Umweltbelastung anzuwenden, denn sie haben nicht die Qualifikation, um die notwendigen Verfahren zu entwickeln, und können die Kosten nicht abdecken. Darum muss man deutlich im Bewusstsein behalten, dass es im Klimawandel diversifizierte Verantwortlichkeiten gibt“ (52). Damit erinnert der Papst an das schon auf dem Erdgipfel in Rio 1992 formulierte „Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung“. Zu Recht spricht er von der „ökologischen Schuld“ der wohlhabenden im Verhältnis zu den armen Staaten. Einer der Gründe dafür ist, dass in der Geschichte einige Länder Raubbau an den natürlichen Ressourcen betrieben haben. Hier verlangt er einen Kurswechsel. Allerdings stehen auch die armen Länder in der Verantwortung, etwa gegen Korruption oder das skandalöse „Konsumverhalten einiger privilegierter Bevölkerungsgruppen“ anzugehen und sich für die Entwicklung nachhaltiger Formen der Energiegewinnung einzusetzen (172).

Der Papst geht damit auf einen neuralgischen Punkt der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen ein: Denn während die Industriestaaten darauf hinweisen, dass Schwellenländer wie China und Indien schon jetzt in den Klimaschutz einsteigen müssen, weil sie die Industrieländer mittlerweile bei den CO2-Emissionen eingeholt haben und in Zukunft maßgeblich zu den Treibhausgasemissionen beitragen werden, pochen die Schwellenländer darauf, dass die Industriestaaten erst einmal ihrer historischen Verantwortung nachkommen sollen. Das Problem ist also, dass die entwickelten Staaten den Schwellenländern eine gleichartige ressourcenverbrauchende Entwicklung verwehren. Das alles deutet aber nur darauf hin, dass der globale Norden einen Lebens- und Wirtschaftsstil pflegt, der nicht verallgemeinerbar ist, ohne den Planeten zu zerstören. Deshalb folgert der Papst: „Wir lassen in der Praxis weiterhin zu, dass einige meinen, mehr Mensch zu sein als andere, als wären sie mit größeren Rechten geboren“ (90).
Der Papst verlangt einen Mentalitätswandel aller Menschen

Möglicherweise ist der im Dezember 2014 in Lima erzielte Kompromiss, die einzelnen Länder nach Wohlstand, Fähigkeiten, Emissionsniveau und historischen Emissionen zu unterscheiden, ein Schritt nach vorne. Der Papst nutzt jedenfalls die Zeit vor den Klimaverhandlungen in Paris, um die Staaten konkret zum Handeln aufzufordern. Sein Appell will bei den maßgeblichen Politikern einen unmissverständlichen Impuls zum Handeln setzen. Enttäuscht von den zähen und oftmals wirkungslosen Verhandlungsrunden, beklagt Papst Franziskus „eine leichtfertige Verantwortungslosigkeit“ und kritisiert den Umgang der Menschen mit den ökologischen Problemen: Der Mensch „versucht, sie nicht zu sehen, kämpft, um sie nicht anzuerkennen, schiebt die wichtigen Entscheidungen auf und handelt, als ob nichts passieren werde“ (59). Insofern sind nicht nur die Staaten in der Pflicht. Der Papst verlangt vielmehr einen Mentalitätswandel aller Menschen, ihre Freiheit in Verantwortung wahrzunehmen. Deshalb wendet er sich in guter Tradition bisheriger Sozialenzykliken an „alle Menschen guten Willens“. Gleichzeitig stellt er die Frage, warum er sich in der an alle Menschen gerichteten Enzyklika auf Glaubensüberzeugungen bezieht. Er findet, dass diese die Diskussion bereichern und für ökologisches und soziales Engagement motivieren können. Für die Christen schließt der Glaube an Gott die Liebe zu seiner Schöpfung unbedingt ein. Wer die Schöpfung nicht liebt, kann deshalb auch kein wirklich guter Christ sein!

Anstoß erregt die Enzyklika hinsichtlich ihrer soziologischen und kulturwissenschaftlichen Systemanalyse. Es geht um die Suche nach der Wurzel der ökologischen Krise. Jan Grossarth sprach in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von der „durchgängig pessimistischen Sicht des Papstes auf Globalisierung, technischen Fortschritt, auf Unternehmen und Marktwirtschaft“ und Daniel Deckers „von tendenziösen Beschreibungen und unterkomplexen Analysen der Wirklichkeit“. Nun ist eine kritische Distanz des Papstes zum Markt und zur Wirtschaft offenkundig. Diese wird flankiert von einer ausgeprägten Technikkritik und der Warnung vor blindem Fortschrittsglauben. Doch deshalb ist die Enzyklika keineswegs markt- oder technikfeindlich.
Fortschritt ist nicht identisch mit materieller Wohlstandsmehrung

Ausführlich legt Papst Franziskus die Errungenschaften der Technik dar (103), in deren Folge sich die Lebensbedingungen immens verändert und weitgehend auch verbessert haben. Allerdings zeigt sich inzwischen auch, dass der zivilisatorische Fortschritt die Lebensumstände nicht immer nur verbessert hat. Diese Erkenntnis, dass mit den Chancen auch neue Gefährdungen verbunden sind, ist nicht neu. Seit je her gehen mit dem Fortschritt Schwierigkeiten und negative Auswirkungen einher. Fortschrittskritik und die Ablehnung einer naiven Fortschrittsgläubigkeit sind keine Phänomene der Moderne. Allerdings stellt die ökologische Krise, die zweifellos eine Folge der untrennbar mit dem technischen Fortschritt verbundenen Industriegesellschaft ist, ein spezifisches Charakteristikum der Moderne dar. Sicherlich sind auch die Erfahrungen hinsichtlich des ökologischen Raubbaus und der ökonomischen Ausbeutung, die Papst Franziskus in Lateinamerika gemacht hat, hier zu berücksichtigen. Dies wurde auch schon beim Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ deutlich.

Die Antwort auf die Ambivalenz des Fortschritts kann nicht die radikale Abkehr sein. Dies fordert der Papst auch nicht. Vielmehr postuliert er einen differenzierten Umgang und benennt Maßstäbe, die dem Fortschritt Richtung geben. Denn letztlich bedeutet die Erweiterung der technischen Möglichkeiten auch eine größere Verantwortung. Die entscheidende Frage lautet: Können wir verantworten, was wir können? „Die menschliche Freiheit ist in der Lage, die Technik zu beschränken, sie zu lenken und in den Dienst einer anderen Art des Fortschritts zu stellen, der gesünder, menschlicher, sozialer und ganzheitlicher ist“ (112). Diese neue ganzheitliche Fortschrittsidee dient dem Wohl des Menschen. Sie rechtfertigt sich durch ihren Dienst am Menschen und an der Menschheit, indem sie zur Sicherung des Lebens und der Würde des Menschen beiträgt. Es geht um einen verantwortlichen Fortschritt, der das Ganze in den Blick nimmt und die Grenzen der Natur und des Menschen achtet. Fortschritt ist nicht identisch mit materieller Wohlstandsmehrung.
Wirtschaften muss nachhaltig sein

Besonders kritisch wird das technisch Machbare in der Kombination mit dem Primat ökonomischer Nützlichkeit. Wenn wir erstens alles machen, was auch technisch möglich ist, wenn zweitens nichts verhindert werden darf, was ökonomische Gewinne bringt, und dies drittens mit einer Moral des „minus malum“ kombiniert wird, dann gerät die Welt auf eine schiefe Bahn. Nicht jeder Gewinn ist gleichzeitig auch ein Fortschritt! Darauf basiert die Kritik von Papst Franziskus am „technoökonomischen Paradigma“, das Wissenschaft, Wirtschaft und Politik beherrscht.

Ursache hierfür ist die Tendenz, Methoden und Zielsetzungen der Technik auf das Leben der Menschen und das Funktionieren der Gesellschaft zu übertragen (107-109). Technologische Innovationen, die Triebkräfte für Wachstum und Wohlstand sind, werden blind angenommen, ohne die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt zu beachten. Rentabilität und Wirtschaftswachstum werden zum alleinigen Maßstab. Eine Kritik daran hat nichts mit Wirtschaftsfeindlichkeit zu tun. Es bedarf vielmehr immer wieder der Ermahnung, dass das Wirtschaften nachhaltig sein muss und nicht auf der Ausbeutung von Mensch und Natur beruhen darf, sondern der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen dienen muss.
Der Papst lehnt nicht generell das marktwirtschaftliche Prinzip ab

Papst Franziskus fordert von den Unternehmen aber nicht nur mahnend soziale und ökologische Verantwortung ein (194), sondern stellt die Unternehmertätigkeit auch als eine „edle Berufung“ dar. Wenn Unternehmer ihre Arbeit als Dienst am Gemeinwohl verstehen, können sie nicht nur Wohlstand erzeugen und die Welt für alle verbessern, sondern auch zur Förderung der jeweiligen Region und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen (129).

Der Papst lehnt nicht generell das marktwirtschaftliche Prinzip ab. Vielmehr appelliert Franziskus, „eine magische Auffassung des Marktes zu vermeiden, die zu der Vorstellung neigt, dass sich die Probleme allein mit dem Anstieg der Gewinne der Betriebe oder der Einzelpersonen lösen“ (190). Er kritisiert die Vorstellung, dass die Wirtschaft und die Technologie alle Umweltprobleme und dass sich mit Wachstum die weltweiten Probleme des Hungers und der Armut einfach lösen werden. Dies wird der Markt nicht aus sich selbst heraus leisten (109).
Jede Verabsolutierung soll vermieden werden

Die Marktwirtschaft muss notwendig um das Ziel der ökologischen und sozialen Verantwortung ergänzt werden. Nur ein gegenüber Werten verpflichteter Markt kann einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur oder die Rechte der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen gewährleisten. Dieser Gedanke ist dem Grundkonzept der Sozialen Marktwirtschaft sehr nahe. Ohne einen ethisch bestimmten Rahmen und ohne Institutionen, einschließlich des Staates, gibt es keine wirkliche Soziale Marktwirtschaft. Das ist bei Verfechtern der Sozialen Marktwirtschaft, zu denen ich mich zähle, common sense!

Viel Kritik an der Enzyklika des Papstes entzündet sich an der Aussage: „Darum ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann“ (193). Diese kritischen Töne rücken den Papst scheinbar in die Nähe der Degrowth-Bewegung. Doch bei näherer Betrachtung stellt man auch hier fest, dass Franziskus eine durchaus differenzierte Sichtweise hat. Sicherlich kann man für entwickelte Volkswirtschaften über Begrenzungen materiellen Wohlstandes und über qualitatives Wachstum nachdenken, doch gerade mit Blick auf wenig entwickelte Länder ist zu berücksichtigen, dass eine der wesentlichen Voraussetzungen zur Bekämpfung der Armut und zur Verbesserung der Lebensqualität wirtschaftliches Wachstum ist, das aber an den Kriterien des Gemeinwesens orientiert sein muss.

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Letztlich durchzieht die Äußerungen des Papstes zu Wirtschaft und Wachstum sowie Technik und Fortschritt die Forderung, mit Blick auf das Ganze jede Verabsolutierung zu vermeiden. Dies gilt nicht nur für die Verabsolutierung des Marktes, sondern gleichermaßen für eine Verabsolutierung der Umwelt oder des Menschen. Wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele müssen zusammengedacht werden, sonst ist die Balance für eine gesunde Entwicklung gefährdet.
Die globalisierte Welt bedarf einer „Global Governance“

Der in der Enzyklika entwickelte Ansatz der „ganzheitlichen Ökologie“ ist eng mit dem Prinzip des Gemeinwohls verbunden, das Franziskus als das zentrale Prinzip in der Sozialethik ansieht. Angesichts der globalisierten Welt ist das Gemeinwohlprinzip (156) heute selbstverständlich ein Weltgemeinwohl und impliziert die Option für die Ärmsten (158). Gerade weltweit kann der Satz „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ nicht akzeptiert werden! Ohne Chancen für alle zu ermöglichen, besonders für die Armen, ist der Fortschritt kein wirklicher akzeptabler Fortschritt.

Die globalisierte Welt bedarf im besonderen Maße einer „Global Governance“. Papst Franziskus spricht in diesem Zusammenhang von einer „Ethik der internationalen Beziehungen“ (51) und fordert „Leadership“ (53, 164) zur Lösung der globalen Umweltprobleme. Trotz aller Kritik an den Schwächen der Politik ist dies eine Ermutigung für diejenigen Staaten und politisch Verantwortlichen, die sich von Widerständen nicht beirren lassen und sich immer wieder aufs Neue für globale Lösungen einsetzen. Staat und Politik sind als ordnende Kräfte gefordert und verpflichtet, angemessene Rahmenbedingungen zu setzen. Dies gilt auch auf globaler Ebene.
Der Papst baut auf die verantwortete Freiheit

Auf dem Weg zu einer menschen- und umweltgerechten Entwicklung hat Papst Franziskus auch die Verantwortung jedes Einzelnen im Blick. Mit der Mahnung, die eigene Lebensführung entsprechend zu ändern, verbindet er die Hoffnung, dass eine Änderung der Lebensstile heilsamen Druck auf diejenigen ausüben könnte, die politische, wirtschaftliche und soziale Macht besitzen. Er erinnert an den Einfluss des Verbrauchers und warnt davor, einfach darauf zu vertrauen, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Er baut auf die verantwortete Freiheit. Denn ökologische und soziale Verwerfungen „sind letztlich auf dasselbe Übel zurückzuführen, nämlich auf die Idee, dass es keine unbestreitbaren Wahrheiten gibt, die unser Leben lenken, und deshalb der menschlichen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind“ (6).

Mit seiner Enzyklika positioniert sich der Papst in der internationalen Klimapolitik, verpflichtet aber auch jeden Einzelnen und die Wirtschaft. Er unterzieht die derzeitige wirtschaftliche, soziale und ökologische Situation einer ehrlichen Kritik, bleibt dabei aber nicht stehen, sondern formuliert eine positive Vision, weil er dem Menschen zutraut, das Ruder zu drehen. Dazu müssen wir eine ganzheitliche Sicht der Ökologie und der Wirtschaft entwickeln. Es geht um eine neue Fortschrittsidee. Dies bedarf jedoch eines Umdenkens aller Menschen, auch einer Weiterentwicklung der weltweiten Institutionen. Wären nicht besonders Europa und der Westen insgesamt aufgerufen, hier voranzugehen und Zeichen zu setzen?
Der Autor

Der Autor Reinhard Kardinal Marx ist Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Anlässlich einer der vielen Ehrungen, die dem weithin bekannten 61 Jahre alten Kirchenmann zuteil werden, würdigte ihn jüngst der Verfassungsrichter und frühere Ministerpräsident Peter Müller „als einen der profiliertesten Sozialethiker der katholischen Kirche“. Freiheit und Gerechtigkeit sind seine zentralen Begriffe, nicht in erster Linie die Verteilung. Marx wirbt für Markt und Wettbewerb, jedoch gebunden in einen Ordnungsrahmen. Askese gehört nicht unbedingt zu seinen Lebensmaximen. Zugeschrieben wird ihm der schöne Satz: „Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten.“ hig.

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