Reinhard Cardinal Marx Reinhard Cardinal Marx
Function:
Archbishop of Munich and Freising
Title:
Birthdate:
Sept 21, 1953
Country:
Germany
Elevated:
Nov 20, 2010
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German Kardinal Marx zu EU-Zukunft: Visionärer Mut statt Angst notwendig
Dec 04, 2010
Münchner Erzbischof äußert sich bei dieswöchiger Herbstvollversammlung der EU-Bischofskomission ComECE, die am Mittwoch ihr 30-jähriges Bestehen feierte

Brüssel (KAP) Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx hat mehr visionären Mut beim Aufbau Europas verlangt. Kaum einer wage es noch, die Vereinigten Staaten von Europa oder die politische Union der EU-Staaten zu fordern. Das Evangelium könne Europa die Kraft geben, mit Hoffnung nach vorne zu schauen und nicht mit der Sorge, wie furchtbar alles sei, was auf den Kontinent noch zukommen werde, sagte der Kardinal.



Marx äußerte sich bei der dieswöchigen Herbstvollversammlung der EU-Bischofskommission ComECE in Brüssel. Die ComECE beging im Rahmen der Vollversammlung am Mittwochabend mit einer Feier ihr 30-jähriges Bestehen.



Vor einer Entsolidarisierung in Europa warnte der Kommissionspräsident Bischof Adrianus Van Luyn. Es lasse sich an vielen Beispielen zeigen, dass die europäischen Gesellschaften "härter und in vielen Fällen intoleranter geworden sind", beklagte Van Luyn bei der ComECE-Herbstvollversammlung.



Van Luyn äußerte die Sorge, als Folge der Wirtschaftskrise könne es zu eine Krise der Demokratie in Europa und zu verstärktem Populismus kommen. Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise seien eine Entsolidarisierung zwischen den EU-Staaten, aber auch zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Dies bekämen besonders die Schwächsten zu spüren, etwa Arbeitslose, Flüchtlinge und Migranten.



Der ComECE-Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang das französische Vorgehen gegen Roma im Sommer. Es müsse zu denken geben, dass der Eindruck erweckt werde, die bloße Anwesenheit einer bestimmten Gruppe gefährde die Sicherheit, unabhängig davon, ob sich einzelne Mitglieder dieser Gruppe etwas hätten zuschulden kommen lassen oder nicht.



Mit Blick auf den Erfolg populistischer Parteien in mehreren europäischen Staaten unterstrich Van Luyn, zwar gebe es dafür unterschiedliche Faktoren, aber auch auffallende Gemeinsamkeiten. Dazu zählten die vereinfachte Darstellung von Problemen und Lösungen, die Suche nach Sündenböcken und die Trennung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Das Evangelium rufe aber dazu auf, sich nicht vom Strom des Populismus oder anderer Ideologien mitreißen zu lassen. Dies sei nötig, um die unverbrüchliche Würde jedes einzelnen Menschen wie das Wohl aller Menschen zusammen zu wahren.



An die Kirchen appellierte Van Luyn, sich "mit größerer intellektueller und spiritueller Aufmerksamkeit" der europäischen Einigung zu widmen. Wünschenswert wäre innerhalb der Kirchen eine größere Neugierde gegenüber dem, was in den europäischen Institutionen gedacht und entschieden wird, sagte Van Luyn.



Rückbesinnung Europas auf seine Geschichte



Eine Rückbesinnung Europas auf seine Geschichte forderten der frühere EU-Kommissionspräsident Jacques Delors und Kurienerzbischof Rino Fisichella. "Völker ohne Gedächtnis haben keine Zukunft", sagte Delors am Mittwochabend. Fisichella unterstrich, es sei ein Irrtum zu glauben, Europa könne seine Einheit finden, wenn es seine Wurzeln vergesse. Beide verlangten Ethik und strenge Regeln für die Finanzmärkte.



Delors nannte Populismus und Nationalismus als Gefahren für Europa. Er räumte ein, die Politik habe unterschätzt, welche weltweite Machtverschiebung die Globalisierung auslösen würde. Der französische Sozialist verlangte zudem strenge Regeln für den Finanzkapitalismus. Die gegenwärtige Krise, die weit tiefer reiche als allgemein angenommen, zeige, wohin ungezügelte Macht führen könne. Eine Gefahr für die Demokratie sei zudem der grenzenlose Individualismus der Gegenwart.



Der frühere EU-Kommissionspräsident warnte zugleich davor, die Errungenschaften Europas zu unterschätzen. Die EU-Mitglieder hätten sich dem Prinzip unterworfen, Streitfragen durch das Recht schlichten zu lassen und nicht mit Kriegen und Konflikten. Einzigartig seien zudem das europäische Sozialmodell und die Offenheit Europas für die Welt, etwa als größter Geber für Entwicklungs- und humanitäre Hilfe.



Aufruf zu "neuem Humanismus"



Kurienerzbischofs Fisichella rief den Kontinent zu einem "neuen Humanismus" auf. Die Einigung Europas werde nur gelingen, wenn sie in der Kontinuität der 2.000 Jahre dauernden Geschichte des Kontinents stehe, sagte der Präsident des neu gegründeten päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Gemeinsamer Nenner der europäischen Völker sei das Christentum.



Fisichella rief dazu auf, Europa auf einem Wertesystem zu bauen, das die Familie in den Mittelpunkt stelle. Nötig sei ebenso, Wirtschafts- und Finanzwelt um eine ethische Dimension zu ergänzen. Die gegenwärtige Krise stehe in direktem Zusammenhang mit einem zynischen Blick auf die Gesellschaft. Schließlich rief der Kurienerzbischof zur Stärkung der Integrationspolitik auf. Diese könne nur gelingen, wenn die Beteiligten ihre eigene Identität nicht verleugneten.
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