Reinhard Cardinal Marx Reinhard Cardinal Marx
Function:
Archbishop of Munich and Freising
Title:
Birthdate:
Sept 21, 1953
Country:
Germany
Elevated:
Nov 20, 2010
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German Reinhard Marx ist noch nicht am Ziel
Nov 15, 2010
Nach der Kardinalswürde: Wird der Erzbischof ab 2014 die Bischofskonferenz führen?

Reinhard Marx muss vorsichtig sein. Wenn auch für ihn der Satz gilt, dass als Kardinal aus dem Konklave kommt, wer als Papst hineingeht, dann sollten die Kommentare der vergangenen Woche zu seiner Ernennung zum Kardinal in zwei Jahren vergessen sein. Denn dann wird Robert Zollitsch, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Freiburgs Erzbischof, 75 Jahre alt und muss dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Spätestens aber 2014, nach der sechsjährigen Wahlperiode des Vorsitzenden, wird neu gewählt.

Schon vor zwei Jahren, als Zollitsch Vorsitzender der Konferenz wurde, sahen Beobachter Marx, den damals neuen Erzbischof von München, als den aussichtsreichsten Bewerber. Für die überraschende Wahl Zollitschs wurde bald die Erklärung gefunden, die Bischöfe hätten den Generationswechsel noch einmal hinausgeschoben und wollten Marx helfen, in München heimisch zu werden. Eine andere Erklärung sagt, die Weihbischöfe, die den Vorsitzenden mitbestimmen, seien weniger konservativ als die Diözesanbischöfe. Und unberechenbarer. Wer das meint, bestreitet meist auch das Argument, dass es neben Marx keinen überzeugenden Kandidaten gebe. Denn im nächsten Jahr wird der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky 75 Jahre alt. Wenn der Papst schnell einen profilierten Nachfolger findet und Zollitsch länger bleibt, wer weiß, wie sich die Weihbischöfe entscheiden?

Wie wird es sich auswirken, dass Marx in der Missbrauchsaffäre schnell und kompromisslos reagierte und seinem Bischofskollegen Walter Mixa öffentlich eine Auszeit empfahl, sodass der Papst ihn rügte? Marx gehört zudem neben den Bischöfen Franz-Josef Overbeck und Franz-Josef Bode zu einer Steuerungsgruppe, die sich Gedanken machen soll über die Aufgaben der katholischen Kirche in der Gesellschaft. Noch hat das Triumvirat nichts verlauten lassen. Irgendwann werden sie vor die Kollegen und die Presse treten.

Das Argument, er sei der Fähigste, muss nicht alles entscheiden. Das hat schon Wolfgang Huber erfahren, als er 1997 für das Amt des EKD-Ratsvorsitzenden kandidierte und die Synode der EKD den frisch ins Amt gekommenen rheinischen Präses Manfred Kock als Führungsfigur wollte.

Die ökumenischen Partner hingegen würden sich über den Kardinal aus München freuen. Denn Marx ist Sozialethiker wie Nikolaus Schneider, der in zwei Wochen als Ratsvorsitzender der EKD kandidiert und dieses Amt jetzt schon versieht. Schneiders Wahl gilt als sicher. Dann stünden zwei Arbeiterbischöfe an den Spitzen der deutschen Kirchen. Wer Schneiders Glückwunsch an Marx unter diesem Auspizium liest, dem fällt das besonders freundliche Werben um Kontakt auf. Vielleicht gibt es bald ein neues Sozialwort beider Kirchen.
© Rheinischer Merkur Nr. 43, 28.10.2010
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