Llu Cardinal Mart Llu Cardinal Mart
Function:
Archbishop of Barcelona
Title:
Birthdate:
Apr 29, 1937
Country:
Spain
Elevated:
Nov 24, 2007
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German Kardinal Sistach: „Es sind Reformen notwendig“
Mar 03, 2013
BZ-INTERVIEW mit Kardinal Lluís Martínez Sistach über die Bilanz von Benedikt XVI. und Lampenfieber in der Sixtinischen Kapelle.

ROM. Der spanische Kardinal Lluís Martínez Sistach ist seit vier Tagen in Rom, am Donnerstag verabschiedete sich der Erzbischof von Barcelona persönlich vom Papst. Unser Korrespondent Julius Müller-Meiningen sprach mit dem Katalanen.
BZ: Wie ist Ihre Bilanz des soeben zu Ende gegangenen Pontifikats?
Martínez Sistach: Ich kenne den emeritierten Papst gut und bewundere ihn für seine Großzügigkeit, seine Konstanz und Hellsichtigkeit. Abgesehen von seiner großen intellektuellen und spirituellen Kraft hat er sich auch schwierigen Fragen nicht versperrt. Ich denke etwa an sein Bemühen zur Aufklärung von Missbrauchsfällen sowie den Versuch, mehr Transparenz in die Finanzen des Vatikan zu bringen.
BZ: Was wird von Benedikt bleiben?
Martínez Sistach: Seine Kernbotschaft war, dass die Vernunft durch Glauben bereichert wird. Auch sein Kampf gegen den Relativismus war sehr wichtig. In der Gesellschaft wirkt es oft so, als sei alles gut und richtig. Doch die Welt hat ihre Orientierung verloren, es fehlt ein Kompass.
BZ: Welche sind dabei die Herausforderungen für die Kirche?
Martínez Sistach: Der wichtigste Punkt ist die Evangelisierung, also die Verbreitung der Botschaft Jesu Christi in der Welt. Dazu sind Reformen notwendig, sowohl beim Personal als auch in der Kurie. Die Kirche besteht aus vielen Kulturen. Es gibt einige Grüppchen, aber die Kirche sollte ihre Einheit wiederfinden. Auch die Kurie muss da ihren Teil zur Reform beitragen.
BZ: Kommende Woche beginnen die Beratungen der Kardinäle vor dem Konklave. Was passiert dort genau?
Martínez Sistach: Wir werden zunächst über die von Benedikt aufgeworfenen Fragen sprechen und über die Herausforderungen, vor der die Weltkirche heute steht. Erst in einem zweiten Schritt wird es darum gehen, eine Person zu finden, die diese Fragen am Besten beantworten kann. Aber erst einmal müssen wir Kardinäle uns besser kennen lernen. Wir kennen uns ja gar nicht alle. Irgendwann werden dann auch die ersten Namen genannt, man hört sich um, nennt selbst einen Namen. So bilden sich die ersten Tendenzen heraus.
BZ: Was passiert, wenn Ihr Name genannt wird als möglicher Nachfolger?
Martínez Sistach: Daran ist überhaupt nicht zu denken, wirklich.
BZ: Wer sind ihre Kandidaten?
Martínez Sistach: Das behalte ich lieber für mich.
BZ: Welche Eigenschaften muss der neue Papst haben?
Martínez Sistach: Er muss ein Mann des Glaubens sein und der Aufgabe gewachsen sein. Er muss die Welt ebenso gut kennen wie die Kirche. Und er braucht die Fähigkeiten eines Hirten ebenso wie die eines Regierungschefs.
BZ: Ist das persönliche Profil oder die Herkunft der Kandidaten wichtiger?
Martínez Sistach: Das persönliche Profil. Erst, wenn sich zwei, drei Kandidaten herauskristallisiert haben, spielt auch die Herkunft eine Rolle.
BZ: Sie werden zum ersten Mal an einem Konklave teilnehmen. Wie stellen Sie sich dieses vor?
Martínez Sistach: Ich habe die Prozession der Kardinäle bisher nur in Filmen gesehen. Nie hätte ich gedacht, dass ich da auch einmal dabei sein werde. Das wird sicher sehr aufregend sein, wir haben eine große Verantwortung. Bei dem Gedanken, meinen Treueschwur vor dem Fresko des Jüngsten Gerichts von Michelangelo abzugeben, wird mir ganz schummrig. Und wenn ich zum Altar gehen werde, um meine Stimme abzugeben, wird mir bestimmt die Hand zittern.

http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/kardinal-sistach-es-sind-reformen-notwendig--69666733.html
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