Miloslav Cardinal Vlk † Miloslav Cardinal Vlk †
Function:
Former Archbishop of Praha, Czechia
Title:
Cardinal Priest of S Croce in Gerusalemme
Birthdate:
May 17, 1932
Country:
Czechia
Elevated:
Nov 26, 1994
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Gegenwärtig nicht nur in der Liturgie
Dec 02, 2004
Aus einer Predigt anläßlich des Partnerschaftstags und der Bistumswallfahrt des Bistums Magdeburg

(Bistum Magdeburg, 11.09.2004) Ich muss gestehen, als ich diese Predigt für die Messe vorbereitete, wusste ich noch nichts von diesem schönen Leitwort der Wallfahrt „mit Christus unterwegs“. Durch Gottes Fügung habe ich aber genau dieses Wort aufgegriffen.

Ich will hier nun auch keine belehrende Predigt halten, sondern als Nachfolger des heiligen Adalbert – Vojtèch, möchte ich eher einen Austausch machen, Ihnen eine Erfahrung meines Glaubens aus den vergangenen kommunistischen Zeiten übergeben.

Am Anfang des Kommunismus war ich als junger Christ, der in einer guten religiös-traditionellen Familie auf den christlichen Grundlagen erzogen worden war, mit dem geheimen Ideal im Herzen, Priester werden zu wollen, mit vielen anderen dem starken kommunistischen ideologischen Druck im alltäglichen Leben ausgesetzt. In dieser Situation schien es mir, dass mein guter Glaube nicht fest genug, nicht hinreichend tragend war, um uns – manchmal allein, den Feinden ausgesetzt – genug Kraft zu geben. Ich war fromm und fühlte mich stark in der Kirche, zusammen mit den anderen Glaubenden. Ich glaubte fest, dass Jesus – zu dem ich eine persönliche Beziehung hatte, wirklich in der göttlichen Eucharistie unter uns gegenwärtig ist. Ich hatte keine Zweifel an seiner Gegenwart.

Am Ende der Messe war ich aber oft sehr traurig, wenn ein süsses melancholisches Abschiedslied gesungen wurde:
„Adieu, meine Freude, Eucharistischer Jesu. Wenn ich dich verlassen soll, gehe ich mit grossem Schmerzen …Ich kehre zurück in die schlechte, böse Welt, unter die Schmerzen und Sorgen…“

Ich war dann wieder allein unterwegs…Der Glaube an die Allgegenwärtigkeit Gottes half wenig…Er war zu wenig konkret… In Polen, zum Beispiel, wo viele Christen da waren, gab es eigentlich die Situation des Alleinseins nicht…

Deswegen war es für uns eine grosse Sache, als die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils im 7. Art. über die vierfache Gegenwart Jesu gesprochen hat – viermal wird wird dort gesagt „presens adest“.

Jesus ist gegenwärtig nicht nur in der Liturgie der Kirche, sondern auch real in der Welt, unter den Glasubenden, mit uns unterwegs: überall „wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich unter ihnen“/ Mt 18,20/. Diese Stimme Jesu haben wir auch heute im Evangelium gehört.

Es war damals eine sehr starke Sache für uns, die wir uns in den Wäldern und Bergen oft versammelt haben, um uns der Kontrolle der Polizei zu entziehen. In der Mitte unserer gelebten gegenseitigen Liebe im heiligen Geist haben wir Jesus, der wirklich gegenwärtig war, gespürt. Es war eine neue grosse Chance nicht nur für uns, sondern auch für die Familie – die später auch „Ecclesiola“, kleine Kirche oder „Hauskirche“ gennant wurde.

Aber dann, später, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, spürte ich mehr und mehr einen tiefen Schmerz, der bis heute andauert. Ich war tief enttäuscht, als ich gesehen habe, und bis heute bin ich enttäuscht, wenn ich sehe, dass diese Lehre des heiligen Geistes im Konzil wieder für manche Glaubenden, für manche Pfarreien bis heute nur schöne Theorie geblieben ist oder eine schöne Tatsache für die Meditation. Dabei hat doch Papst Paul VI. in seiner Enzyklika Mysterium fidei betont, dass diese Gegenwart Jesu unter uns real, wirklich, ist.
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