Miloslav Cardinal Vlk † Miloslav Cardinal Vlk †
Function:
Former Archbishop of Praha, Czechia
Title:
Cardinal Priest of S Croce in Gerusalemme
Birthdate:
May 17, 1932
Country:
Czechia
Elevated:
Nov 26, 1994
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German „Das Niveau der tschechischen Politik ist wirklich unter null“
Apr 16, 2007
Die katholische Kirche muss heute den Prager Veitsdom an den Staat zurückgeben. Kardinal Vlk tobt.

(Die Presse, 16.04.2007) Prag. Vierzehn Jahre schon währt der juristische Streit darüber, wem die berühmteste Prager Kathedrale, der Veitsdom, gehört – der katholischen Kirche oder dem Staat. Unter dem Druck eines neuen Gerichtsurteils sieht sich die Kirche gezwungen, die Kathedrale heute, Dienstag, wieder an den Staat zu übergeben. „Wir stehen in dieser Sache auf verlorenem Posten“, klagt der Prager Kardinal Miloslav Vlk im Interview mit der „Presse“ und spricht von einer „schreienden Ungerechtigkeit“.

Kommunismus noch in den Köpfen

„Im Ausland meint man, Tschechien ist Teil der EU, und damit sei alles in Ordnung. Der Fall der Kathedrale zeigt, dass es leider nicht so ist. Der Kommunismus ist zwar zusammengebrochen, aber in den Köpfen steckt er immer noch drin. Auch bei den Politikern“, bemerkt Vlk.

Dreimal hatten Gerichte bestätigt, dass der Dom auf dem Gelände der Prager Burg der Kirche zustehe. Das Höchstgericht habe jetzt eine anders geartete, eine „rein politische Entscheidung“ getroffen, „die rechtlich unhaltbar“ sei. Hinzu komme, dass der Vorsitzende Richter schon zu kommunistischen Zeiten Urteile gefällt habe, betont der Kardinal.

Die Kirche sei entschlossen, wegen der Kathedrale notfalls das Verfassungsgericht oder den europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg anzurufen. Der Fall, so Vlk, stehe exemplarisch für den „generellen Unwillen des Staates, die offenen Fragen mit der Kirche zu lösen“.

Seilschaften zwischen Politik und Justiz

Vor allem die sozialdemokratischen Regierungen hätten auf eine Blockadetaktik gesetzt und versucht, die der Kirche auch in der Verfassung zugesagten Rechte zu beschneiden. Das sei auch vom Verfassungsgericht moniert worden. „Das für uns zuständige Kulturministerium, voll von erbitterten Gegnern der Kirche, scherte sich aber nicht um die Meinung des Verfassungsgerichts“, betont Vlk und fügt hinzu: „Was für ein Unding in einem Land, das sich als Rechtsstaat begreift. Das Niveau der Politik ist hier wirklich unter null.“

Doch auch die neue, von den Konservativen geführte Prager Regierung betrachte Kirchenfragen nicht als vorrangig. Das größte Problem stellten aber die Gerichte dar. „Zwischen staatlichen Organen und Gerichten gibt es regelrechte Seilschaften, die teilweise noch aus der totalitären Zeit stammen. Gegen diese Maschinerie kann die schwache Kirche nur schwer etwas ausrichten.“ Die Gründe für die kirchenfeindliche Atmosphäre vor allem in Böhmen sieht der Kardinal unter anderem in der weit in die Geschichte zurückreichenden nationalen Emanzipation der Tschechen. „Die verlangte nach Symbolen nationaler Größe. Der Heilige Wenzel auf dem Denkmal in Prag wird weniger als Heiliger denn als böhmischer Heerführer dargestellt.“ Besonders geschmacklos sei es gewesen, dass nach 1948 Jan Hus als „erster Kommunist“ gepriesen worden sei.

Transformation der Herzen vergessen

Vlk bekennt sich nachdrücklich zur Aufarbeitung der Stasi-Verstrickungen des Klerus. Die Kirche sei die erste Institution gewesen, die sich schon 1990 damit befasst habe. „Mir ist aber vor allem wichtig, wie sehr die Kirche unter dem Regime und der Staatssicherheit gelitten hat. Die Verfolgung war allgegenwärtig.“

Vlk beklagt in dem Interview auch die „fehlende moralische Dimension“ in der tschechischen Gesellschaft. „Eines haben die Politiker bei allen Transformationen vergessen – die Transformation der Herzen.“

„Kleinmütig“ sei es, so Kardinal Vlk auf eine weitere Frage, dass Europa einem Gottesbezug in einer Verfassung keine Chance gebe wolle: „Europa verschweigt seine Vergangenheit, wenn es sich nicht grundlegender Werte entsinnt. Die Kommunisten haben uns unsere Vergangenheit abgeschnitten. Doch wenn man einem Baum die Wurzeln kappt, kann er nicht mehr leben. Das gilt auch für den Menschen, die Gesellschaft und für Europa.“
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