Miloslav Cardinal Vlk † Miloslav Cardinal Vlk †
Function:
Former Archbishop of Praha, Czechia
Title:
Cardinal Priest of S Croce in Gerusalemme
Birthdate:
May 17, 1932
Country:
Czechia
Elevated:
Nov 26, 1994
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Der Kampf um die Kathedrale
Nov 06, 2005
In einem bizarrem Streit um den berühmten Veitsdom hat diese Woche die katholische Kirche in Tschechien gegen den Staat gesiegt. Vorläufig.

(Sächsische Zeitung, 29. Oktober 2005) Prag. Der Vorgang ist absurd, und dennoch spielte er sich seit Jahren so auf der Prager Burg, dem Hradschin, ab: Wenn der tschechische Erzbischof Kardinal Miloslav Vlk „seine“ Kathedrale – den weltbekannten Veitsdom – betrat, lief er Gefahr, von der Wache als möglicher Kirchenräuber festgesetzt zu werden. Um derlei Unbill zu entgehen, musste der Kardinal jedesmal die staatliche Burgverwaltung informieren, bevor er in den Dom ging. Denn das von Kaiser Karl IV. (1316 bis 1378) initiierte und vor allem von dem Deutschen Peter Parler gebaute Gotteshaus ist rein juristisch kein Haus der Kirche.

Enteignung in den 50er Jahren

Die religionsfeindliche kommunistische Partei hatte Mitte der 50er Jahre befunden, der Hradschin mit dem Dom gehöre „dem Volk“. So begründete sie nassforsch die Enteignung der Kathedrale. Die war bis dahin seit Jahrhunderten selbstverständlich in Kirchenhand. Die Kommunisten aber argumentierten etwa, dass der Bau, für den 1344 der Grundstein gelegt worden war, nur mit öffentlichen Geldern fertig gebaut werden konnte. Plötzlich entdeckten sie auch ihre Liebe zu den Böhmens weltlichen Herrschern. 22 wurden im Veitsdom gekrönt, einige sind dort begraben, zudem birgt der Dom die königlichen Krönungsinsignien. Bei den meist herzlich gottlosen Tschechen stieß dieser Verweis auf offene Ohren.

Nach 1989 bemühte sich die katholische Kirche um Rückgabe des Doms. Doch mehr als ein eigener Schlüssel sprang nicht heraus. Als dann 1994 ein Stadtbezirksgericht den Dom an die Katholiken zurückgab, legte die Präsidialkanzlei Berufung ein – unter dem Druck der empörten Öffentlichkeit. Die argwöhnte sogar, die Kirche könnte den Veitsdom „aus Geldgier ans Ausland verschleudern“. Damals unterschrieben 107 der 200 Parlamentsabgeordneten eine Petition gegen die Übergabe. Kommentatoren rauften sich die Haare – bis 1995 ein Gericht das Urteil kassierte. Es sprach den Dom indes auch nicht mehr dem Staat zu. So ging auch ein Vorschlag von Kardinal Vlk ins Leere, die Kirche könne zu Gunsten des Volkes auf den Dom verzichten. Der Streit sei unwürdig und müsse beendet werden.

Ringen um riesige Besitztümer

Vlks Bedingung war nur, dass das Verstaatlichungsdekret aufgehoben werde und ein neues Gesetz die Eigentümer- und Nutzungsrechte festlege. Die Kirche müsse an der Domverwaltung beteiligt sein und ihn ungehindert für religiöse Zwecke nutzen können. Zu dem Gesetz kam es nie – doch ohnehin hätte die Kirche den Dom nicht „verschenken“ können; sie besaß ihn ja gar nicht mehr.

Nun hat ein Prager Gericht am Dienstag den Dom wieder der katholischen Kirche zugesprochen. Aber endgültig ist die Lösung wieder nicht – der Staat hat schon Berufung angekündigt. Kardinal Vlk hielt sich daher mit Jubel zurück: „Wir müssen Geduld haben, Geduld und nochmals Geduld. Aber wir sind das schon gewöhnt.“ Denn die Gegner werden nicht aufgeben, weil das Urteil zum Anlass zur Restitution des übrigen, riesigen Kircheneigentums werden könnte. Die jedoch wollen in Tschechien fast alle Leute von Einfluss verhindern.
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